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04 Juni 2021

Liselotte Sewart: Der Frühling ist da!



"Düdelü, düdelü", pfeift der Starmatz vorm Haus.
Die Sonne scheint heute so schön.
Ihr Kinder, ihr Kinder, kommt alle heraus,
ihr müsst mal die Wiese ansehn!

Da laufen die Buben und Mädel ganz schnell
aus dem Haus und - schlupp - durch das Tor.
Sehr, dicht hinterm Gartenzaun leuchten schon hell
MÄRZBECHER und SCHNEEGLÖCKCHEN vor.

Die schaukeln und zappeln ganz sacht hin und her,
der Wind treibt mit ihnen sein Spiel.
Ihre Blätter sind spitz, und das Köpfchen hängt schwer
am dünnen gebogenen Stiel.

Der Starmatz hüpft weiter, die Kinder - husch, husch -
die springen ihm flink hinterher.
"Düdelü, düdelü", ruft er nun aus dem Busch. -
"Passt auf, hier seht ihr noch mehr!

Es ist blau", sagt der Hans, "und es riecht wunderbar,
ich hab es schon gestern gesehen.
Und ich weiß auch, wie's heißt - es blüht zweimal im Jahr! 
Na VEILCHEN!" - Da sind sie. Wie schön!

"Bitte kommt mir mal nach, aber bleibt auf dem Weg -
tretet nicht in das Gras, und dann kommt übern Steg.
Auf der Auwiese blüht nämlich noch etwas.
Nicht so nah an den Bach, da ist es sehr nass!

Jetzt noch ein Stück weiter. In Gelb, Violett,
wie Becher aus hauchdünnem Glas,
so steigen die KROKUSSE aus dem Bett
und schauen blitzblank aus dem Gras.

Ich weiß, wo die BUSCHWINDRÖSCHEN wohnen",
sagt Bärbel, "sie heißen auch ANEMONEN.
Da seht ihr: sie haben Blüten wie Sterne.
Ich hab ja die Buschwindröschen so gerne!"

"Düdelü", ruft der Star. Hat er auch was entdeckt? -
Hier gibt's Blumen, die werden erst später geweckt,
die Blätter gerippt und wie Fell, weich und fein.
Wenn es blüht, ist es gelb. Na, was kann das wohl sein? -

Wie ein Schlüssel sieht's aus, allen ist es bekannt;
das SCHLÜSSELBLÜMCHEN wird es genannt.
Und wenn wir am Sonntag spazierengehn,
dann könnt ihr's vielleicht schon blühen sehn.

Düdelü!

Rudolf-Arnold-Verlag, Leipzig C1, 1. Auflage, 1965
Illustrationen: Brigitte Poredda