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15 November 2025

Kurt David: Der Löwe mit der besonders schönen langen Mähne

Buchanfang:
Es war einmal ein einsamer Löwe mit einer besonders schönen langen Mähne, der den hellen Tag immerzu faul und träge unter dem grünen Blätterdach eines großen Baumes verbrachte. Sobald jedoch die Sonne untergegangen war, brüllte er: „Ich bin der König der Tiere!“
Hatte er das ein-, zwei- oder auch dreimal hinausgebrüllt, verstummten alle. Selbst die Vögel schwiegen in den Büschen, und die Furcht drang bis in ihre Nester.
Die Stille war so ungeheuerlich und tief, als seien die Tiere bereits durch das schauerliche Gebrüll getötet worden.
Nachdem der Löwe die entsetzliche Angst der anderen lange genug ausgekostet hatte und auch den Stolz, nur schrecklich brüllen zu brauchen, befahl er wie alle Tage zuvor nach Sonnenuntergang mit donnernder Stimme: „Und jetzt her zu mir: Mich hungert!“ Die furchtbare Ungewißheit, wen er an diesem Tag töten würde, ließ die Tiere jedesmal aufs neue erzittern. Doch sie kamen. Die Rehe kamen, die Hirsche, die Hasen und wilden Schweine, die wilden Pferde trabten zu dem großen Baum, wo der Löwe lauerte. Die Schafe und Ziegen, sogar die Schakale und Füchse schlichen herbei, die Hyänen, Affen, Rinder und Kamele. Kurzum, wer Angst hatte, kam, und das waren mehr, als hier aufgezählt werden können.

Bilder von Horst Bartsch

Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1978
2. Auflage 1979
3. Auflage 1981
4. Auflage 1849
5. Auflage 1988

24 März 2025

Herbert Bruna: Wenn die Sehnsucht kommt

Buchanfang:
An einem verschneiten Februarabend, an dem eingemummte Gestalten durch das Dorf huschten, schritt auch ein Mann, namens Robert Uetzkühl, in Pelzjacke und blanken Stiefeln die Straße entlang, dem Gasthof Zur Scharfen Ecke entgegen, hinein in den Maskenball, in das Fest der tausend schönen Mädchen. Er klopfte Schnee von der Jacke, stampfte mit den Stiefeln, daß Schneelauge spritzte, blinzelte hinauf zum Saal, wo Musik und Masken tobten, und riß die Tür der Gaststube auf. Er hob den Kopf, wie um sich größer zu machen, und durchmaß den Gastraum, Rauch und Maskenrummel. Sein Gesicht, das braune und rechtwinklige, verkündete Spannung und Mut. Er fühlte, daß man die Köpfe nach ihm drehte, daß Redewirrnis und Gläserklirren schwankten, weil er auftauchte wie ein gefährlicher Brand, der aus allen Weiten und Winkeln beobachtet wird.
Er warf die schneefeuchte Pelzjacke ab, zog mit dem Stiefel einen Stuhl heran und setzte sich, exakt in Beinstellung und Kopfbewegung, als wollte er augenblicks mit einer geschliffenen Rede hineinschlagen in dieses Fest der tausend schönen Mädchen, das am trefflichsten für ihn selber zurechtgemacht schien. In die Runde schielend, stellte er fest: Alles ist da, was ich brauche, Polizist und Bürgermeister – und hauptsächlich der alte Baltrich Baudersee!
Er bestellte Wein, legte dabei der fiebernden, sich ihm zuneigenden Bedienungsfrau, der Kranzbinderin Ada Kummer, die Hand auf die Schulter und redete leise.
Wie in eine Tiefe hineinspähend, betrachtete er die dunkle Weinflasche und das zerbrechliche Glas. Noch rührte er beides nicht an. Er bot ein Bild erzwungener Ruhe und lauernden Zorns. Viele Gäste verließen die Gaststube nicht, ahnten einen brillanten Auftritt.
Robert Uetzkühl aber lächelte beim Wein und dachte plötzlich: Man sollte das Glas zerdrücken und sich die Hand aufschneiden dabei, um den alten Baudersee mit ein paar frischen Blutstropfen daran zu erinnern, daß auf diesem Maskenball ein Mädchen fehlt!
Er war nicht gekommen, um sich in den Saal zu stellen oder sich vom bunten Gedränge umherstoßen zu lassen. Zwei Mädchen hatten sich beteiligen wollen, in kurzen Strohröcken, mit schwarzem Brusttuch und weißen Blumen im Haar.
Aber – ein Mädchen fehlt!
Wo ist es?
Das werde ich euch genau offenbaren! dachte Robert Uetzkühl und goß neuen Wein in das Glas. Er betrachtete seine Hand, bevor er zum Glase langte. Er hörte ein Trinkwort. Er blickte auf und nickte einigemal, als begrüßte er jetzt erst die bäuerliche Tischgesellschaft.
„Ja“, sagte er, „gut gemeint! Aber ob man Lust hat zum Trinken, das ist hier die Frage!“
Er nahm einen Schluck, umschloß das Glas mit derber Hand, betrachtete es lange, neue Gedanken suchend, und setzte es behutsam auf den Tisch zurück.
„Seltsam“, meinte er, „gerade heute zu unserem Fest der tausend schönen Mädchen, wo jeder seine Freude sucht, muß ich immer wieder an diesen alten Mann denken, den man Brandrüpel nannte, der seine Frau und deren Schwester mit dem Beil erschlug und den man dann, auf einen Pferdewagen gekettet, durch das Dorf zum Gericht gefahren hat!“
Wieder umschloß er das Weinglas mit derber Hand. Er trank, setzte das Glas abermals behutsam, behutsam auf den Tisch zurück und sagte: „So ein Mann, der Brandrüpel! Er legt sich mit den beiden Frauen, die ihn unbarmherzig gepeinigt haben sollen, in die Kammer, wie jeden Abend, wartet, bis sie eingeschlafen sind, erschlägt sie mit dem Beil und brennt seine Lehmbude an, wonach er zur Täuschung wie wahnsinnig und halbnackt um den Brand herumtorkelt. Jeder von euch hat diese Geschichte gehört. Meine Mutter hat sie mir erzählt, in allen Einzelheiten: wie er das Beil, ein Kinderbeil, geschärft und daß er es in der Kammer, in seinem Stiefel, versteckt hat. Das wird erzählt, als hätte Brandrüpel ein Geständnis abgelegt. Aber nichts hat er vor Gericht gestanden, nichts, obgleich man ihn an die Gräber geführt hat, und so ist er wieder freigelassen worden, der Brandrüpel, ein Doppelmörder und Brandstifter!“
Zur Antwort erhielt Robert Uetzkühl einiges Kopfnicken, und er fügte hinzu: „Welcher Mörder legt überhaupt ein Geständnis ab?“
Und nach einer Weile sagte er: „Ach, mir schmeckt der Wein heute nicht! Warum bloß nicht? Kann man sich das denken?“
Und unbeirrt, mit genauem Ziel, redete er weiter: „Das ist die Frage, ob einem der Wein schmeckt, wenn man von solchen Mordgeschichten heimgesucht wird! Da muß ich auch an diesen Mann mit dem schrecklichen Namen denken, an diesen Wolfsgefährt, der im Jahre neunzehnhundertfünfundvierzig seine zarte Frau und seine drei erwachsenen Töchter mit einem Revolver erschossen hat und hinterher .......

Illustrationen und Einbandvignetten: Horst Bartsch
Sonderausgabe für die Kleine Hausbibliothek

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
Reihe:
Kleine Hausbibliothek
1. Auflage 1961

21 Januar 2025

Karl Heinz Berger: Robin Hood, der Rächer vom Sherwood

Sie sind Geächtete, die Männer um Robin Hood. Geringfügiger Vergehen wegen werden sie aus ihren Dörfern vertrieben, gehetzt und gejagt. Von überallher fliehen sie in den Sherwood, ein riesiges Waldgebiet nahe der Stadt Nottingham, um sich dem Rächer der Verfolgten anzuschließen. Wehe, wenn sie ihren Unterschlupf verlassen! Dann gibt es kein Erbarmen für die adligen Leuteschinder, für die habgierigen Reichen, die auf Kosten des Volkes leben und prassen.
Karl Heinz Berger hat die Sagen um den edlen Räuber für junge Leser neu erzählt.

Inhalt:
Die Söhne der Witwe .. .. .. 3
Zusammentreffen mit einem Höhlenbewohner .. .. .. 29
Der Kampf mit Guy von Gisborne .. .. .. 47
Ein abermaliger Besuch in Nottingham .. .. .. 71
Zusammentreffen mit einem Bischof .. .. .. 100
Hochzeiten .. .. .. 127
Von Bettlern und Mönchen .. .. .. 152
Ein Pfingstgang nach Nottingham .. .. .. 175
Besuch im Sherwood .. .. .. 202
Erlebnisse in London .. .. .. 227
Schlußbericht von Robin Hood und seinen Getreuen .. .. .. 249
Worterklärungen .. .. .. 253

Illustrationen von Bernhard Nast

Der Kinderbuchverlag, Berlin
Reihe:
ATB Alex-Taschenbücher, Nr. 46
1. Auflage 1979
2. Auflage 1981
3. Auflage 1988
4. Auflage 1989

Deutsche Zentralbücherei für Blinde, Leipzig
Großdruckausgabe für Sehschwache
Fotomechanischer Nachdruck der 2. Taschenbuchauflage des Kinderbuchverlag Berlin, 1981
1. Auflage 1985
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Leinengebundene Ausgabe [30x21 cm]
Illustrationen von Horst Bartsch
Für Leser von 10 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1971
2. Auflage
3. Auflage 1974
4. Auflage 1975
5. Auflage 1977
6. Auflage 1977
7. Auflage 1979
8. Auflage 1981
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Illustrationen von Horst Bartsch
Für Leser von 10 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin
Reihe:
Abenteuer rund um die Welt
1. Auflage 1968

23 März 2024

Gerhard Branstner: Vom Himmel hoch – Utopische Lügengeschichten

Einbandtext:
Vier Weltraumveteranen vom Schlage Münchhausens erzählen utopische Lügengeschichten. Ihrer Erinnerungen überdrüssig, entdecken sie Wert und Vergnügen des Lügens. Das macht ihnen den Aufenthalt in einer ausgedienten Orbitalstation zur wirklichen Freude und ergibt an drei langen Abenden im Wirtshaus »Zum Müden Gaul« zwölf Geschichten. Wirsing, Stroganoff, Fontanelli und Kraftschyk – so heißen die vier – erfinden Geschichten, die nicht stimmen. Jeder, wie es Kopf, Erfahrung und Phantasie – die vor allem – ermöglichen. Das Lügnerische meint hier nicht die Verdrehung des Wirklichen, sondern Erprobung des Möglichen. Und möglich scheint ihnen vieles Branstners Geschichten beweisen es.

Umschlagentwurf: Regine Schulz

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
Reihe:
SF Utopia,
1.Auflage 1982 

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Vom Himmel hoch
oder Kosmisches Allzukomisches
Das sind unglaubliche Geschichten von der Art, wie man sie sich donnerstagabends im Wirtshaus „Zum müden Gaul“ unter Weltraumveteranen erzählt.

Illustrationen, Einband uns Schutzumschlag: Horst Bartsch

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1974
2. Auflage 1975
3. Auflage 1977
4. Auflage 1979
5. Auflage 1987

31 Januar 2024

14 Januar 2024

Jack London: Die Fahrt der Snark


Vor der „Snark“ tauchen plötzlich die verschwommenen Umrisse des Sentinel Rock auf, inmitten gewaltiger Brecher, die über ihm zusammenschlagen. Im nächsten Augenblick haben ihn Regen und Finsternis ausgelöscht. Zur Orientierung hat die Besatzung nichts außer dem Kompaßstrich, und wenn sie den Sentinel Rock verfehlt, gelangt sie auch nicht in die Taiohae Bay und ist gezwungen, die „Snark“ beizudrehen und die ganze Nacht unter Segel zu bleiben – keine angenehme Aussicht für erschöpfte Reisende nach einer sechzigtägigen Kreuzfahrt in der unermeßlichen Einsamkeit des Pazifik. Sie sind hungrig nach Land, hungrig nach Früchten und hungrig von einer seit Jahren währenden Begierde nach dem lieblichen Tal Typee.

Titel des amerikanischen Originals:,,The Cruise of the Snark"
Ins Deutsche übertragen von Christine Hoeppener
Mit einem Nachwort von Rolf Recknagel

Illustrationen von Horst Bartsch

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe: Kompaß-Bücherei, Band 240

1. Auflage 1978

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1. Auflage 1972 / Leinwand, Schutzumschlshag
2. Auflage 1981 / Paperback

Berechtigte Ausgabe im Buchclub 65
1. Auflage 1972
 


Jack London: Kit am Klondike

Kit Bellew, der verwöhnte junge Mann aus San Francisco, zieht mit seinem Onkel, der sich noch zu den alten Pionieren zählen durfte, in die Schneewildnis am oberen Klondike. Die großen Strapazen und Entbehrungen machen ihn, den „Grünschnabel“, zum anerkannten „Alten“ unter den Goldgräbern. Als Schlittenführer, Goldgräber und Jäger gewinnt Kit die Zuneigung der ganzen Goldgräbergesellschaft und die Liebe von Joy Gastell. Neben seiner körperlichen Ausdauer ist er listenreich genug, um auch unter den rauhen Bedingungen des alaskischen Konkurrenzkampfes bestehen zu können.

Illustration von Horst Bartsch

Titel des amerikanischen Originals: SMOKE BELLEW
Ins Deutsche übertragen von Irmhild Brandstädter

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe: Kompaß-Bücherei, Band 111

1. Auflage 1967  

24 Oktober 2022

Ruth Werner: In der Klinik




 „Unbefugten ist der Eintritt verboten“, steht an der Pforte der Klinik für Herzchirurgie. Marianne Mertens ist befugt und würde doch viel darum geben, es nicht zu sein. Die fünfundzwanzig Jahre alte Lehrerin, Mutter eines Mädchens, hat einen schweren Herzfehler und muß operiert werden. Sechs Wochen lang, bis zu Mariannes Entlassung, nehmen wir an ihren Erlebnissen und Gefühlen teil: Angst vor Schmerzen, Ungewißheit über den Ausgang der Operation, bohrende Gedanken über den Zusammenbruch ihrer Ehe, die so glücklich begonnen hatte. Wir lernen die anderen Patienten kennen: die schrullige Frau des Töpfermeisters Meier, die kummerbeladene Frau Weidlich, die prächtige Christa, die vor ihrer Erkrankung selbst Schwester in der Herzstation war, und Birgit, das schwerkranke Kind, das alle liebten.

Groß ist die Kunst Professor Ludwigs und seiner Mitarbeiter, aber ohne die Mithilfe der Kranken ist die Genesung nicht möglich. Woher nimmt Marianne ihren Willen zu gesunden, ihre Lebenskraft, die noch auf die anderen Patienten ausstrahlt?

Buchbeginn

Sie steht im Regen, der beinahe Schnee geworden wäre, vor der Seitentür des großen roten Gebäudes.
"Unbefugten ist der Eintritt verboten."
Sie ist befugt und würde sehr viel darum geben, es nicht zu sein.
Marianne zögert; sie möchte irgend etwas von draußen mit hineinnehmen. Der Busch neben dem Seiteneingang ist novemberkahl. Ein rosa Steinchen liegt in einer Pfütze. Sie bückt sich danach, wischt die rauhe Oberfläche mit den bloßen Händen trocken und steckt ihn ein.
Sie steht im Vorraum und mißt die Stufen, die vor ihr liegen, mit einem Blick. Darin hat sie Übung.
Vor der Treppe brauche ich mich auch nicht mehr zu fürchten, wenn ich hier wieder herauskomme.
Falls.
Marianne geht langsam aufwärts und bleibt auf dem ersten Treppenabsatz neben dem Fenster stehen. Als sie die Tropfen über die Scheiben rinnen sieht, fällt der Abschied vom Kind erneut über sie her.

Verlag Neues Leben, 4. Auflage 1983
1. Auflage 1968
Illustrationen von Horst Bartsch

02 November 2021

Brigitte Reimann: Die Geschwister

Ostern 1961 in einer kleinen Stadt unserer Republik. Elisabeth und Ulrich Arendt, eine Malerin und ein Schiffsbauingenieur, verleben die Feiertage bei den Eltern. Alle drei, vier Monate einmal sind sie zu Hause; sie gehen zusammen aus, treffen sich mit alten Bekannten, erzählen von ihren Erlebnissen, ihren Freuden, ihren Sorgen. Diesmal jedoch ist alles anders als sonst; Ulrich vertraut der Schwester an, daß er nach Westdeutschland gehen wird. Was wird bleiben von ihrer Gemeinsamkeit, ihrer geschwisterlichen Zuneigung, wenn der Bruder in Hamburg sein wird, wenn er den Weg „von Deutschland nach Deutschland“ – und welch einem Deutschland! – gegangen ist? Elisabeth bangt um den Bruder, sie will ihn nicht verlieren, sie kämpft um ihn. Ein, zwei Tage bleiben ihr, Ulrich von seinem Plan abzubringen, alle Erinnerungen, Erfahrungen ihres gemeinsamen Lebens beschwört sie herauf – aber wird sie, auf sich allein gestellt, das schier Unmögliche erreichen…?

Eine Geschichte aus dem Jahre 1961, fast schon historisch geworden, aber in seiner Problemstellung noch so aktuell wie vor zwei Jahren.

Aufbau-Verlag Berlin 1963
Illustrationen: Horst Bartsch

 

20 Juni 2021

Jack London: Der Seewolf


 Inhaltsbeschreibung vom dtv: Nur wenige Figuren der Weltliteratur bleiben einem so im Gedächtnis wie Kapitän Wolf Larsen, Jack Londons dämonischer „Seewolf“. Rücksichts- und skrupellos jagt er mit seinem Robbenfänger „Ghost“ über den Ozean und führt ein grausames Regiment. Ausgerechnet von diesem Schiff wird der feinsinnige Humphrey van Weyden nach einem Fährunglück gerettet. Nun bricht ein neues Leben für den Literaturkritiker an, denn auch mit ihm treibt der Kapitän, für den nur das Recht des Stärkeren gilt, sein schreckliches Spiel um Herrschaft und Macht. Van Weyden verachtet Larsens kapitalistisches Weltbild – und kann sich trotzdem der Faszination dieses Mannes nicht entziehen.

Verlag Neues Leben, Berlin, 3. Auflage, 1971 (1. Auflage 1968)
Illustriert von Horst Bartsch

27 November 2020

Johanna und Moustapha Haikal: Teti und die Grabräuber von Theben


 Unfall bei der Dattelernte; Der Zauberer; Ein Pferd scheut; Teti wird Tempelsängerin; In der Totenstadt; Das Haus des Lebens; Prinz Thutmosis; Die Verschwörung im Tempel; Eine Kommission wird genasführt; Fürst Peser regt sich auf; Beim Wesir; Der Prozeß; Sinuhe; Der Pfeil trifft eine Ziege; Der Tod des Pharao; Teti findet Diebesgut; Den Grabräubern auf der Spur; Die wahren Täter

Der Kinderbuchverlag, Berlin (1968)
2. Auflage; 291 Seiten
Illustrationen von Horst Bartsch

12 Juli 2020

Jack London: Lockendes Gold



Anne-Marit Strandborg hat es gelesen

Die Geschichte lockt uns in das Yukon Territory, nach Kanada. Mitten hinein in das Goldfieber im Jahre 1893. Daylight, mit richtigem Namen Elam Harnish, ist ein sympathischer Kerl. Alle mögen ihn. Wenn er feiert, macht er die ganze Nacht zum Tag und schmeißt Runde um Runde. Es scheint, als wenn er alles könnte. Er ist stärker als jeder andere Mann und gewinnt jede Tanzwette. Die Frauen mögen ihn, doch er lässt sich nicht einfangen. Jedermann vertraut ihm. Als er in das Goldgeschäft einsteigt und sich seine ersten Claims zulegt, hat er ein glückliches Händchen. Er schaut voraus – sieht, was an Infrastruktur nötig ist, wenn der Goldrausch so richtig beginnt und die Massen an Goldsuchern hier auflaufen. Er leiht sich Geld, investiert und während ihn einige noch für verrückt halten, macht er mehr und mehr Gewinn.

Eine einzige Frau, Freda, war Daylight richtig sympathisch, weil sie ihre Finger nicht nach ihm ausstreckte. Ausgerechnet sie trieb eines Tages im Fluss und als er sie gerettet hat, fragte sie ihn zornig, warum er das getan habe.
In der Folgezeit erfuhr er, dass sie sich wegen eines Mannes, den sie mal geliebt hatte, umbringen wollte:

„Das war der Grund – die Liebe. Sie war an allem Übel schuld. Sie war schrecklicher als die Kälte und die Hungersnot. An sich waren die Frauen ganz gut, nett anzuschauen und liebenswert; aber dann kam diese sogenannte Liebe und traf sie bis ins Mark, machte sie so unvernünftig, daß man nicht wußte, was sie als Nächstes tun würden. Diese Freda war eine prächtige Frau, wohlgewachsen, schön und beileibe keine Närrin; aber dann war die Liebe gekommen und hatte ihr die Welt verleidet, hatte sie hierher an den Klondike verschlagen und mit solcher Gewalt zum Selbstmord getrieben, daß sie den Mann über alles haßte, der ihr das Leben gerettet hatte.“ –Seite 135/136

Dann kam der Tag, an dem Daylight der langen arktischen Jahre überdrüssig wurde. Er war auf die Außenwelt gespannt, „die große Welt, von der er andere Männer hatte reden hören und von der er so wenig kannte wie ein Kind“ (Seite 141).
Er machte alles zu Geld, er besaß mittlerweile Millionen, und gab seinen Abschied, bei dem die Nacht wieder zum Tag gemacht wurde.

Und so kam er in San Francisco an. Niemand kannte ihn. Monate beobachtete er, wie das Spiel ums Geld funktionierte. Das System begriff er schnell und er schaute, wie die Mitspieler miteinander umgingen. Und obwohl er gut aufgepasst hat, wurde er von dreien so richtig aufs Glatteis geführt und in die Pleite gestürzt. Doch Daylight wäre nicht Daylight, wenn er sich nicht zu wehren wüsste, und so ersann er einen Plan und war wieder mit im Spiel.
Er führte ein eigenes Büro und nahm sich eine Sekretärin, in die er sich mit der Zeit verliebte. Wie das geschah, auf was für eine Geduldsprobe er von ihr gestellt wird und ob sie wirklich ein Pärchen werden, das lest selbst. Sie ist jedenfalls eine harte Nuss für ihn.

Jack London ist mir richtig sympathisch, er hat das Herz am rechten Fleck. Und was er über Angestellte und Arbeitnehmer, über Arm und Reich schreibt, zeigt mir, dass sich im Prinzip in der Welt nichts geändert hat. Bei all den Siegen, die wir vielleicht zu meinen erreicht haben, es ist immer noch dasselbe Spiel.

Ein Blick in die Originalausgabe

Verlag Neues Leben Berlin
Illustrationen: Horst Bartsch
Alle Rechte an der deutschen Übersetzung beim Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
Titel der amerikanischen Originalausgabe: Burning Daylight
Ins Deutsche übertragen von Horst Höckendorf
Mit einem Nachwort von Karl-Heinz Wirzberger

15 Juni 2020

Harry Thürk: Lotos auf brennenden Teichen

Krieg im Pazifik! Japanische Bomber greifen Pearl Habour an. Sturmtruppen landen auf Malaya. Die britische Kolonialarmee kann nicht standhalten. Singapore fällt. Palmenküsten und Reisfelder, Regenwälder und Mangrovensümpfe werden zu Schauplätzen heißer Kämpfe.
Yang, ein junges Mädchen aus Singapore, eben erst von der Schule in Hongkong heimgekehrt, gerät in den Strudel sich überstürzender Ereignisse. Mit dem Dschunkenfahrer Halisamat flieht sie aus der brennenden Stadt in den Dschungel, in dem sich die ersten Gruppen von Widerstandskämpfern zusammenfinden.
Hier, in der grünen Festung des Regenwaldes, findet Yang neue Gefährten. Der langwierige Kampf gegen die japanischen Eroberer, der nun beginnt, ist hart. Und es fehlt nicht an Verrätern. Da ist das „Bali“, jenes geheimnisvolle Freudenhaus in Kuala Lumpur, da ist Ralph Henderson, der zwiegesichtige britische Offizier des militärischen Aufklärungsdienstes, da sind die kleinen Denunzianten, und da gibt es die Folterkammern der japanischen Sonderpolizei. Doch immer öfter schlägt die im Verborgenen sich bildende Armee zu, in deren Reihen auch Yang steht.
Das junge Mädchen bringt nicht nur den Mut auf, mit der Waffe gegen die Eindringlinge zu kämpfen, es geht auch als Kundschafterin heimlich in die von Truppen wimmelnde Stadt Tanjong Malim. Dort fällt sie in die Hände der Japaner und muss schließlich beweisen, dass sie das Vertrauen ihrer Mitkämpfer verdient, die in den Wäldern um die Stadt zum Angriff auf die ahnungslose Garnison antreten.
Es wird kaum, einen Leser geben, der nach der Lektüre dieses Buches nicht den zweiten Band aufschlägt, der unter dem Titel „Der Wind stirbt vor dem Dschungel“ erschien.

Mit Illustrationen von Horst Bartsch

Verlag Das Neue Berlin, Berlin

1. Auflage 1962
2. Auflage 1963
3. Auflage 1965
4. Auflage 1969
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Buchanfang
Das Mädchen stand an die Reling gelehnt und blickte in das Kielwasser des kleinen Küstendampfers, der langsam in die Bucht von Singapore einlief. Zwischen den winzigen Wellen trieben abgerissene Zweige, leere Konservenbüchsen, Papierfetzen und all der andere Unrat, der sich in einem Hafenbecken ansammelt, ehe er nach und nach ins offene Meer gespült wird.
In der Bucht waren die kleinen, bewaldeten Inseln zu erkennen, schlammige, stinkende Höcker, die aus dem Wasser ragten, gesäumt von Mangroven. An den Kais begann die Stadt. Hier waren ihre Bauten niedrig. Windschiefe Holzhütten, meist auf Pfählen über dem sumpfigen Boden errichtet, geflickt mit dem Blech von Benzinkanistern und Reklametafeln. Dann kamen die Lagerhäuser, die langen Schuppen aus Wellblech, die Hafengebäude. Und weit dahinter erhoben sich die Betonkolosse der Stadthäuser. Es waren die Wolkenkratzer der Banken und Handelsniederlassungen, die Hotels und Kaufhäuser. Mächtige steinerne Burgen, hoch aufragend, sprachen sie vom Wohlstand und der Macht derer, die sie erbaut hatten. Die Luft flimmerte in der Hitze, die aus dem steinernen Dschungel aufstieg. Es war später Nachmittag, und obwohl der November nicht gerade der heißeste Monat war, lag stickiger Dunst heiß und feucht, wie eine unsichtbare Glocke, über der Stadt. Erst der nächtliche Regen würde ein wenig Abkühlung bringen.
Der Dampfer, auf dem das Mädchen Yang von Hongkong nach Singapore heimkehrte, war ein kleines holländisches Küstenschiff. Es legte an einem der letzten Kais an, und es wurde nicht so lärmend begrüßt wie die großen, weißen Ozeanriesen aus Europa oder Amerika.
Lief nämlich einer jener Luxusdampfer in den Hafen ein, dann schossen ihm Dutzende von Dschunken und Praue entgegen. Noch bevor die Leinen an Land festgemacht waren, priesen aus den Booten hundert Händler ihre Waren an, erklärten mit heiserer Anreißerstimme die Vorzüge der verschiedenen Hotels und Vergnügungspaläste, beteuerten ihre Fähigkeiten als Reiseführer und luden zum Besuch der Prachtvilla des Tiger-Balm-Königs ein, eines Chinesen, der aus Menthol und verschiedenen anderen Ingredienzen eine Salbe herstellte, die in keinem Laden ganz Asiens je ausging. Dazwischen bettelten halbnackte Kinder um Pennies. Die Reisenden zogen ihre Geldbörsen und warfen ein paar Münzen .....

Broschurausgabe
Umschlaggestaltung: Heinz Ebel

Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin

1. Auflage 1984
2. Auflage 1986



11 Juni 2020

Jack London: Abenteuer eines Tramps

„Abends gegen 10 Uhr fuhr der Central-Pacific-Expreß vom Bahnhof Sacramento in Richtung Osten ab. Wir waren etwa ein Dutzend junger Burschen und verteilten uns im Dunkeln vor dem Zug, bereit aufzuspringen. Die Lokomotive pfiff, und der Expreß setzte sich in Bewegung. Ich folgte Bobs Rat und enterte unverzüglich das Dach, das heißt, ich kletterte auf das Dach eines der Gepäckwagen. Dort legte ich mich auf den Bauch, das Herz schlug mir bis zum Hals. Das gesamte Zugpersonal war hinter uns her und ,schmiß‘ kurzerhand alle, die erwischt wurden. Nachdem der Zug eine halbe Meile gefahren war, hielt er an, die Zugbegleiter warfen die letzten hinunter, die sich noch hatten halten können. Ich war als einziger übriggeblieben.“

So begannen die Abenteuer Jack Londons als blinder Passagier. Am Anfang und am Ende all seiner Erlebnisse (bisher unter dem Titel „Abenteuer des Schienenstrangs“ bekannt) stand der Polizist, denn das Auge des Gesetzes suchte eifrig nach Obdachlosen und Hungrigen. Es war eben nicht immer ein Vergnügen, ein Tramp zu sein.

Titel des amerikanischen Originals: The Road
Ins Deutsche übertragen von Irmhild Brandstädter
Illustrationen von Horst Bartsch


Verlag Neues Leben Berlin
Kompaß-Bücherei Band 315

1. Auflage 1967
2. Auflage 1984

weitere Ausgaben im Verlag Neues Leben
1. Auflage 1967  |Lw.
2. Auflage 1971  |Brosch.

Auch erschienen bei:
• Buchclub 65
  1. Auflage 1967

• Verlag Volk u. Welt
  Roman-Zeitung ; 473 / 1989, Heft 8
  1. Auflage 1989



04 Juni 2020

Walter Püschel: Die Trommel des Mahdi



1881 - Die Kriegstrommel des Mahdi dröhnt: Sie ruft alle Glaubenskämpfer zur Befreiung des Sudan von der Fremdherrschaft. Mustapha Effendi alias Gustav Sommer wird aus Liebe zu Hassina, der Tochter eines arabischen Kaufmanns, in diesen Krieg und damit in gefährliche Abenteuer verwickelt. Um Hassina zu erringen, übernimmt der junge deutsche Schiffsingenieur einen Auftrag seines künftigen Schwiegervaters, der ihn durch das Kampfgebiet in den Süden des Landes führt. Er befreit eine Negersklavin, wird in seltsame Elfenbeingeschäfte verwickelt und ist als Kundschafter des Mahdi tätig. Daß er zugleich in die Pläne des deutschen und englischen Geheimdienstes einbezogen wird, macht seinen Auftrag nur noch schwieriger. Als er sich endlich am Ziel seiner Wünsche glaubt, gerät sein kleines privates Glück abermals in die Mühle der Kolonialpolitik.

Illustrationen von Horst Bartsch

Verlag Neues Leben Berlin
Spannend erzählt Band 113

1. Auflage 1973
2. Auflage 1975
3. Auflage 1981
4. Auflage 1988

1975 auch erschienen im Buchclub 65