Klappentext:Zu kieken, staunen, wundern gibt es durch die Zeiten in einer großen Stadt, besonders wenn sie wie »unser Berlin« quicklebendig, reich an Schicksalen und siebeneinhalb Jahrhunderte alt ist.
In diesem 15 Kapitel umfassenden literarischen Bilderbogen wird davon erzählt. Die Millionenstadt, im 12. Jahrhundert noch ein Dorf, wuchs unaufhaltsam und hatte 1447/48 schon eine aufmüpfige Bürgerschaft, die sich im »Berliner Unwillen« gegen den Landesherrn auflehnte. Die Stadt beherbergte Markgrafen, Kurfürsten, Könige, durchstand Kriege und Notzeiten: Politisches kommt also zu Worte, aber auch vieles andere: Der sprichwörtliche Berliner Humor läßt schmunzeln, Berlins Originale geben höchstpersönlich eine Vorstellung, Erfinder machen sich bekannt, und natürlich begegnen wir auch einigen Berühmtheiten, etwa Bettina von Arnim, Heinrich Zille, Karl Friedrich Schinkel. Berlin läßt sich in diesem Buch erleben, wie es ist: abwechslungsreich, vielseitig im Angebot, anregend und unterhaltsam. Auch wenn seine Besucher, wie es das Gästebuch-Kapitel im Anschluß an die fünfzehn spannenden Berlin-Bilder verrät, nicht immer nur von dem Orte angetan waren. Berlin ist eben eine Stadt, der man Für und Wider entgegen-, aber nie ein Schlußwort halten kann.
der Autor:REINHARD GRIEBNERwurde am 13. Mai 1952 in Görlitz geboren. Er schloß die Schule 1970 mit Abitur und Facharbeiterbrief (Maschinenbauer) ab, studierte von 1971 bis 1975 Kulturwissenschaften und Journalistik in Leipzig und arbeitete danach acht Jahre lang am »Kulturmagazin« beim Fernsehen der DDR. In dieser Zeit begann er zu schreiben. Ein erstes Buch für Kinder entstand. »Das blaue Wunder Irgendwo« erschien 1980, drei Jahre später folgte ein Band phantasievoller Erzählungen, »Die Glasprobe«. In Vorbereitung ist ein Bilderbuch »Himmelhochjauchzend – Zutodebetrübt«. Zudem schrieb Reinhard Griebner mehrere Hörspiele, die im Rundfunk gesendet wurden, und Erzählungen für verschiedene Anthologien.
Leseprobe:Berlin is 'n Dorf!Irgendwo hier hat Berlin angefangen am Molkenmarkt, zu Füßen der Nikolaikirche, am Strand der kräuselwelligen Spree.
Berlin diesseits.
Und am jenseitigen Ufer Cölln.
Denn das, was heute eins ist, war in der Stunde seiner Geburt zweierlei.
Ein Doppelort. Im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts gewachsen auf einem Fleck sandiger Erde, wo sich Kaufmannskarren auf ihrem Weg von Norden nach Süden, von Osten nach Westen begegneten, weil hier dem Handelsreisenden gute Gelegenheit geboten war, den Fluß zu überqueren.
Urkunden über die Verleihung des Stadtrechts sind nicht auffindbar; die Urenkel des Askanierfürsten Albrecht von Ballenstedt, genannt Albrecht der Bär, dürften die Siedlung um 1230 in diesen Rang erhoben haben. Nachdem ihr berühmter Urgroßvater siebzig Jahre zuvor die gebietsansässigen Slawen unterworfen und den Territorialstaat Mark Brandenburg begründet hatte.
VakrümeltEs war zu Zeiten des Preußenkönigs Friedrich II., da erhielt ein Soldat den Befehl, er solle einen Korb mit Kommißbroten aus der Feldküche abholen und dieses kostbare Gut unverzüglich bei seinem Leutnant abliefern.
Gehorsam trabte der Mann los.
Kaum aber hatte er die duftenden Brote in Empfang genommen, fing sein Magen heftig zu knurren an; wenig später machte der Soldat die Beobachtung, daß sein rechter Zeigefinger sich durch die krümelige Kruste des Brotlaibes gebohrt hatte, so einen Happen nach dem anderen herauspolkte und in den Mund beförderte.
Der Hunger war groß, und der Weg war lang. Kein Wunder, daß bei Ankunft des Boten im Feldlager ein ganzes Kommißbrot aus dem Korb verschwunden war.
Beim Nachzählen wurde der Verlust offenbar.
»Kerl, ist Er denn wahnsinnig!« herrschte der Offizier den Rekruten an. »Wo hat Er das Brot gelassen?«
»Ach«, seufzte der Soldat, schnitt ein betrübtes Gesicht und fügte beinahe wahrheitsgetreu bei: »Det hat sich unterwejens vakrümelt!«
Diese Antwort, so erzählten die Leute, habe damals die Runde gemacht.
Und noch heute sagen die Berliner, wenn ein Jemand entgegen fremder Erwartung heimlich seiner eigenen Wege geht: Der wird sich wohl verkrümelt haben.
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Karline: »Jott selbst is een Berliner«
Borstel: »Wieso?«
Karline: »Na kennst du een Wort, det mit G anfängt? Nee? Na siehste! – Allet mit Jott.«
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Auf dem Klavier
An einem lauschigen Sommerabend saßen in einem Gartenlokal vier Männer und warteten auf das bestellte Bier – der Herr Max, der Herr Fritz, der Herr Johannes und der Herr Paul.
Nach geraumer Zeit nahte der Kellner mit einem vollen Tablett und stellte, weil er sehr in Eile war oder ein wenig die Übersicht verloren haben mochte, fünf schaumbekränzte Weißbiergläser auf dem Tisch ab.
»Wat'n nu?« fragte Herr Paul.
»Eens zu ville«, stellte Herr Max scharfsinnig fest.
»Meine seins!« sagte Herr Fritz.
»Nee, Fritze mit de Pudelmütze, so ham wa nich jewettet!« ereiferte sich Herr Johannes.
Jeder von ihnen verspürte plötzlich so viel Durst, daß er die zusätzliche Ration Weißbier bequem in seinem Bauch unterzubringen meinte.
Was tun?
»Wißta noch?« fragte nach einer Spanne der Ratlosigkeit Herr Max:
»In der bimbambolschen Kirche
Jeht es bimbambolisch zu,
Tanzt der bimbambolsche Ochse
Mit der bimbambolschen Kuh!«
»Nee!« riefen die drei wie aus einem Munde, denn sie hatten wohl alles gehört, aber nichts verstanden.
Inhalt:
5 ….. Berlin is 'n Dorf!
17 ….. Wente di gesunde mensche mach nicht wesen lange tyt ane brod...
29 ….. Icke, dette, kieke mal...
42 ….. Moritat vom Adler und vom Bär
55 ….. Ich, die Courage, seh das Übel so...
65 ….. Unser Dämel ist in Memel!
75 ….. Jeder freie Moment ist ein seliger
85 ….. Sie müsse mir nit alles glaube
95 ….. Ein Mißverständnis! Der König will das Beste!
106 ….. Patente Berliner - Berliner Patente
120 ….. Steh stille, Zille!
132 ….. Mit kleinen Tricks und großen Dingern
145 ….. Wer hoch steigt - der tief fällt
158 ….. Ich bin kein Riese, wenn auch kein Zwerg
169 ….. Operation Reichstag oder Aufstieg zum Gipfel der Geschmacklosigkeit
181 ….. Gästebuch
Schutzumschlag, Einband, Illustrationen: Bernhard Nast
Für Leser von 12 Jahren an
Der Kinderbuchverlag Berlin
1. Auflage 1987