22 Oktober 2026

Harry Trommer (Hrsg.): Deutsche Heimatsagen in 3 Bänden


Klappentext:

BAND I
Diese Sammlung alter deutscher Sagen enthält Schätze, die jedem Leser, ob groß oder klein, viel Freude machen werden. Lustiges, Ernstes und Abenteuerliches, längere Erzählungen, kurze Aufzeichnungen, Gedichte und Balladen wechseln in bunter Reihe ab. Zwerge, Riesen, Bergmännchen und Moosweibchen, Kobolde und der betrogene Teufel sind Gestalten, denen wir in diesem Buch begegnen. Vor allem aber hören wir von den Menschen früherer Zeiten, wie sie lebten, was sie freute, was ihnen Kummer bereitete und wie sie sich gegen Unrecht und Unterdrückung wehrten.

BAND II und BAND III 
Auch diese beiden Bände geben eine mannigfaltige Auswahl an Ernstem und Heiterem und bringen allen jungen Lesern in frischen Farben die Vergangenheit unseres Volkes nahe. Aus vielen alten Sammlungen sind hier die schönsten Sagen ausgewählt worden. Wir lesen von Riesen und Zwergen und vom schlauen Teufel, der nicht nur listig auf seinen Vorteil bedacht ist, sondern Standhaftigkeit schätzt und gerecht straft, wenn man ihn zu sehr ärgert. Im 3. Band sind auch die Sagen von Kaiser Karl und dem alten Barbarossa, dessen Bart durch den Tisch gewachsen ist, enthalten. Von den Untaten der Raubritter erfahren wir und dem Wunsch der Menschen, diesem Unwesen ein Ende zu setzen.

Vorwort: 
Band I
Wer gern wissen möchte, wie die Menschen früher lebten, was sie dachten, empfanden und taten, wird mit großem Interesse und viel Vergnügen die Heimatsagen lesen. In ihnen werden – wenn auch geschichtlich nicht beglaubigt – viele Einzelheiten aus längst vergangenen Zeiten überliefert. Die Sagen knüpfen häufig an bestimmte, dem Volke bekannte Personen und Örtlichkeiten oder an bemerkenswerte Gegenstände, Ereignisse und Naturgeschehnisse an. Es sind Geschichten, die im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte Eltern ihren Kindern, Großeltern ihren Enkeln über all das Wunderbare erzählt haben, das uns in der Welt umgibt und wofür die Menschen oft keine Erklärung wußten. Meist enthalten die Volkssagen einen wahren Kern. Sie wollen bestimmte geheimnisvolle oder sonst beachtenswerte Tatsachen nicht nur weiterberichten, sondern auch deuten. Dies tun sie auf einfache, schlichte Weise. Dabei werden Vorgänge, die sich an einem bestimmten Ort abgespielt haben, im Laufe der Jahre verändert wiedergegeben. Je mehr die Zeit sich von einem solchen geschichtlichen Ereignis entfernt, desto mehr verblaßt die Erinnerung an den wirklichen Hergang. Die Erzählung des tatsächlich Geschehenen wird durch Hinzufügen und Weglassen, durch die dichtende Phantasie zur Sage, und am Ende weiß niemand mehr recht, was an der Erzählung eigentlich wahr oder was ganz oder teilweise erfunden ist.
Da die Volkssagen sich also stets wandeln, sind sie zwar im allgemeinen nicht als Geschichtsquellen zu betrachten. Jedoch können wir unseren Heimatsagen wertvolle Anhaltspunkte über die früheren gesellschaftlichen Verhältnisse entnehmen. Denn in allen Sagen spiegeln sich Freud und Leid der Menschen alter Zeiten klar und deutlich wider. Viele sonst vielleicht längst vergessene Einzelheiten aus dem Leben unserer Vorfahren sind auf diese Weise unserem Volk erhalten geblieben.
Im vorliegenden Sagenbuch sind Sagen aus ganz Deutschland enthalten. Gerade beim Lesen der Sagen kommt es uns zum Bewußtsein, wie eng die einzelnen Teile Deutschlands miteinander verbunden sind. Die Zwerge aus dem Westharz wandern nach dem östlichen Teil des Harzes. Sie kümmern sich nicht darum, daß eine trennende Landesgrenze dazwischenliegt. Die Riesen so meint die Sage lebten am Rhein, sie lebten in Mecklenburg und in manchen andern Gegenden unseres Vaterlandes. Mit ihren Riesenschritten übersprangen sie ohne Schwierigkeiten alle Grenzen.
Wir wissen, daß die Zerreißung Deutschlands eine willkürliche, unnatürliche Maßnahme ist, die nicht von langer Dauer sein kann. Deshalb hat diese Sagensammlung vor den künstlich geschaffenen Trennungsstrichen nicht haltgemacht, und es finden sich in diesem Band Sagen und sagenhafte Erzählungen aus allen Teilen unserer schönen Heimat.
Die Sammlung enthält viele unbekannte oder vergessene, aber gleichwohl wertvolle deutsche Heimatsagen, in denen das Gute gepriesen und das Schlechte bekämpft wird. Zahlreiche unserer Volkssagen berichten über das Aufbegehren gegen Willkür und Unterdrückung, und sie zeigen, wie die Bösen für ihr Treiben die gerechte Strafe erhalten. Menschliche Schwächen, Fehler und Schandtaten werden ohne Ansehen der Person und des Standes aufgezeigt und streng beurteilt. Heitere, schwankhafte Sagen fehlen nicht. Aus der deutschen Balladendichtung, die vielfach ihren Stoff der Volkssage entlehnt hat, ist gleichfalls einiges beigefügt.
Heimatsagen sind nach Inhalt und Form sachlich, klar und ursprünglich und streben geradewegs ihrem Ziel zu, ohne Nebenumstände breit und behaglich auszumalen. Bei der Bearbeitung ist deshalb mit aller Behutsamkeit vorgegangen worden, um die Eigentümlichkeit der Sprache und die den Sagen eigene, meist sehr glückliche und eindringliche Art der Darstellung zu erhalten.
Bei aller wissenschaftlichen Sorgfalt in Auswahl und Bearbeitung ist jede gelehrte oder nur für wissenschaftliche Zwecke berechnete Einkleidung oder Anordnung des in dieser Sammlung gebotenen Sagenstoffs vermieden worden. Aus diesem Grunde wurde auch davon abgesehen, die Sagen etwa nach Landschaften oder Orten oder abschnittweise unter andern äußeren Gesichtspunkten zu gliedern. Die Ordnung des Stoffs ergibt sich aus dem inneren Gehalt der einzelnen Geschichten. Sie entspricht dem Wunsch, mit diesem Buch den Leser an die reichen und mannigfaltigen Schätze heranzuführen, die in den alten deutschen Heimatsagen verborgen sind und die gehoben werden müssen, weil sie allem Volksfeindlichen abgeneigt und dem Fortschrittlichen zugewandt anregend und
nutzbringend sein können. So möge dieser Band allen jungen und erwachsenen Lesern recht viel Freude machen!
Ich widme dies Buch dem Andenken meiner Mutter.
Dr. Harry Trommer
 
Band II
Für den zweiten Band der „Deutschen Heimatsagen“ wurden aus dem reichen Schatz alter deutscher Sagen wieder viele der schönsten ausgewählt. Diese kürzeren oder längeren Erzählungen und Gedichte erwecken die Vergangenheit zu neuem Leben und machen uns mit volkskundlich und kulturgeschichtlich wertvollen und fesselnden, oft schon völlig vergessenen Sagen bekannt.
Im vorliegenden Band sind eine Reihe von Sagen enthalten, die sich mit verschiedenen, früher sehr bekannten Räubern, beschäftigen. In diesen Geschichten drückt sich die Unzufriedenheit des Volkes über den Geldhunger und die steigende Macht des Bürgertums und der Kirche aus. So ist es zu erklären, daß trotz allen Schreckens, den die Räuber verbreiteten, das Volk ihnen häufig Zuneigung und Mitgefühl entgegenbrachte. In der Volksdichtung – besonders in den Sagen – wird das böse Ende, das die Räuber schließlich fast stets fanden, vom Volk vielfach mit Bedauern aufgenommen. Ebenso wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Räuber untereinander betont.
Noch eine andre Sagengruppe, nämlich die vom Wilden Jäger oder von der Wilden Jagd, ist in diesem Band mehrfach vertreten. Auch in diesen Sagen spiegeln sich die gesellschaftlichen Verhältnisse, unter denen die Menschen früher lebten, deutlich wider. Durch die zügellose Leidenschaft, mit der viele Adlige die Jagd ausübten, fügten sie den Landleuten sehr beträchtlichen Schaden zu. So war es kein Wunder, daß sich das Volk gegen die rücksichtslosen Unterdrücker wandte und sie in das Reich des Wilden Jägers verwünschte. Andre Sagen behandeln den Niedergang des Adels, seine Zügellosigkeiten, Schlemmereien und Grausamkeiten.
Neben diesen ernsten Volkssagen stehen viele lustige und heitere sagenhafte Geschichten und Gedichte.
Wie im ersten, so sind auch im vorliegenden zweiten Band, Sagen aus allen Teilen unseres deutschen Vaterlandes zu finden; denn auch dieser Band der „Deutschen Heimatsagen“ will dem Gedanken der Einheit Deutschlands dienen.
Ich eigne dies Buch meinen drei Söhnen zu.
Dr. Harry Trommer

Leseprobe:
DIE JUNGFRAU AUF DER LORELEI
In alten Zeiten ließ sich manchmal auf der Lorelei um die Abenddämmerung und beim Mondenschein eine Jungfrau sehen, die mit so anmutiger Stimme sang, daß alle, die es hörten, davon bezaubert wurden. Viele, die im Boot vorüberfuhren, gingen am Felsenriff oder im Strudel zugrunde, weil sie nicht mehr auf das Fahrzeug achteten, sondern von den himmlischen Tönen der wunderbaren Jungfrau betört wurden. Niemand hatte noch die Jungfrau in der Nähe geschaut bis auf einige junge Fischer; zu diesen gesellte sie sich bisweilen im letzten Abendrot und zeigte ihnen die Stellen, wo sie ihre Netze auswerfen sollten. Und jedesmal, wenn sie den Rat der Jungfrau befolgten, taten sie einen reichlichen Fang. Die Jünglinge erzählten nun, wo sie hinkamen, von der Huld und Schönheit der Unbekannten, und die Geschichte verbreitete sich im ganzen Lande.
Ein Sohn des Pfalzgrafen, der damals in der Gegend ein Hoflager hatte, hörte die wundervolle Kunde, und sein Herz entbrannte in Liebe zu der Jungfrau. Unter dem Vorwand, auf die Jagd zu gehen, nahm er den Weg nach Wesel und ließ sich stromabwärts fahren. Die Sonne war eben untergegangen, und die ersten Sterne traten am Himmel hervor, als sich der Nachen der Lorelei näherte.
„Seht ihr sie dort, die verwünschte Zauberin; denn das ist sie gewiß!“ rief einer der Schiffer.
Der Jüngling hatte sie aber bereits erblickt, wie sie am Abhang des Felsenberges nicht weit vom Strom saß und einen Kranz für ihre goldenen Locken band. Jetzt vernahm er auch den Klang ihrer Stimme und war bald seiner Sinne nicht mehr mächtig. Er nötigte die Schiffer, am Fels anzufahren. Dort wollte er ans Land springen …..

Inhalt:
Link zur Inhaltsangabe auf der Seite der DNB (pdf)
Band I 
Band II

Mit Illustrationen von Alfred Will 
Für Leser von 11 Jahren an

Der Kinderbuchverlag Berlin


Band I
1. Auflage 1954 
2. Auflage 1954 
3. Auflage 1955 
4. Auflage 1956 
5. Auflage 1957 
6. Auflage 1960 
7. Auflage 1963 
8. Auflage 1964 
9. Auflage 1966 




Band II
1. Auflage 1954 
2. Auflage 1955 
3. Auflage 1955 
4. Auflage 1957 
5. Auflage 1960 
6. Auflage 1962 
7. Auflage 1964 
8. Auflage 1966 




Band III
1. Auflage 1955 
2. Auflage 1956 
3. Auflage 1957 
4. Auflage 1958 
5. Auflage 1960 
6. Auflage 1963 
7. Auflage 1965 
8. Auflage 1966 
 

20 Oktober 2026

Joachim Herrmann, Joachim Voss (Hrsg.): Jugendlexikon Archäologie

Vorwort:
Das vorliegende Buch gehört zu einer Reihe von Taschenlexika für Jugendliche zu ausgewählten Sachgebieten.
Das Interesse der jungen Generation, zu den Wurzeln der heutigen gesellschaftlichen Entwicklung vorzudringen, ist groß. Archäologisch und kulturhistorisch orientierte Bücher werden gern gelesen. Das Lexikon soll daher wichtige Forschungsergebnisse der Archäologie für einen jugendlichen Leserkreis aufbereiten und ein wissenschaftliches Bild theoretischer und praktischer archäologischer Forschung entwerfen.
Natürlich kann ein Lexikon nicht alles enthalten. Die einzelnen Gebiete werden unterschiedlich stark nachgeschlagen. Auch der Stand ihrer Erforschung ist nicht einheitlich. Dementsprechend ist im Lexikon nicht jeder Bereich gleich stark vertreten. Schwergewicht wurde auf die Menschwerdung, die Ur- und Frühgeschichte, den Alten Orient und die griechisch-römische Antike entsprechend ihrer welthistorischen Rolle gelegt. Wir nehmen an, daß sie besonders starkes Interesse finden werden.
Möge dieses kleine Lexikon seine Leser zur weiteren Beschäftigung mit der Archäologie und den ältesten Perioden der Menschheitsgeschichte anregen und zur Vertiefung eines wissenschaftlichen Weltbildes unter der jungen Generation beitragen.
Die Herausgeber
Der Verlag


VEB Bibliographisches Institut Leipzig
Reihe:
Jugendlexikon
1. Auflage 1988
2. Auflage 1990 
 

Jonny Gottschalg und Gerhard Wolter (Hrsg.): Jugendlexikon Wissenschaftlicher Kommunismus

Cover 1. und 2. Auflage

Innerhalb der Taschenlexika erscheinen drei einzelne Bändchen zu den Bestandteilen des Marxismus-Leninismus, der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse Philosophie, wissenschaftlicher Kommunismus, politische Ökonomie. Das vor Euch liegende „Jugendlexikon Wissenschaftlicher Kommunismus“ soll den Jugendlichen helfen, die sich gern mit politischen Problemen auseinandersetzen und gesellschaftliche Aufgaben übernehmen. Es soll durch klare und faßliche Informationen die propagandistische und agitatorische Arbeit des Jugendverbandes unterstützen. Es soll neben der Festigung des in der Schule erworbenen Wissens der Weiterbildung z. B. in den gesellschaftswissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften der 9. und 10. Klasse, in den fakultativen Kursen der erweiterten Oberschule, im FDJ-Studienjahr und zur Vorbereitung auf die Berufsausbildung oder auf das Studium dienen. Letztlich soll es zur Festigung eines marxistisch-leninistisch fundierten Weltbildes und zum schöpferischen Denken und selbständigen Handeln eines jeden jungen Menschen beitragen. Natürlich kann Euch die Arbeit mit diesem Lexikon das Studium der Werke der Klassiker Marx, Engels und Lenin sowie der Dokumente der KPdSU, der SED und anderer Bruderparteien nicht abnehmen. Der wissenschaftliche Kommunismus ist eine Wissenschaft und muß wie jede Wissenschaft an Hand ihrer Quellen studiert werden. Deshalb haben wir Euch 17 Werke der Klassiker in diesem Lexikon vorgestellt. Bitte schreibt Eure Meinung über dieses Taschenlexikon! 
Die Herausgeber
Der Verlag

Cover ab 3. Auflage


VEB Bibliographisches Institut Leipzig  
Reihe:
Jugendlexikon

1. Auflage 1979
2. Auflage 1981
3. Auflage 1983
4. Auflage 1984
5. neubearb. Auflage 1987
6. durchges. Auflage 1988 

Elfriede Brüning: Ein Kind für mich allein

Buchanfang:
Schwester Johanna stieg langsam die Treppen vom Parterre zum ersten Stock hinauf. Sie kam aus der Kinderstation, wo sie soeben Christel Burg verabschiedet hatten. Die kleine Vierjährige hatte acht Wochen bei ihnen gelegen, wurde bald der Liebling der ganzen Abteilung und hatte sich heute, von sämtlichen Schwestern umringt, wie eine Prinzessin von den glücklichen Eltern in Empfang nehmen lassen. Jetzt war es wieder still im Hause. Die Kinder schliefen um diese Zeit, und die Schwestern waren an ihre Arbeit gegangen. Johanna hatte ihren freien Nachmittag. Trotzdem beeilte sie sich nicht, wegzukommen. Wie immer, wenn einer ihrer Patienten fortging, empfand sie ein Gefühl der Leere, wie man es hat, wenn man auf einem Bahnsteig zurückbleibt. Alle, die wegfuhren, versprachen zu schreiben, viel an einen zu denken und einen bald einmal einzuladen. Aber Johanna hatte es in ihrer bald zehnjährigen Praxis nicht oft erlebt, daß Patienten sich wirklich erinnerten. Christel würde sie wohl schon morgen vergessen haben.
Sie hatte das Schwesternzimmer gerade erreicht, als sie von der Treppe Dr. Haller kommen sah. Er schien wie immer in großer Eile, winkte ihr aber schon von weitem.

Einband: Hans Langenberg

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig
1. Auflage 1950
2. Auflage 1951
3. Auflage 1953
4. Auflage 1954
5. Auflage 1955
6. Auflage 1956
7. Auflage 1957
8. Auflage 1958

Schutzumschlag u. Einband ab 4. Auflage

19 Oktober 2026

Helmut Sperling: Die Eisenbahn erobert die Welt

Eine unterhaltsame Geschichte vom Flügelrad



Eisenbahngeschichte

Wer von euch, meine jungen Freunde, besäße nicht seit dem Tag, da ein ratterndes Uhrwerk zum ersten Male unter dem Christbaum seine Kreise zog, eine geheime Vorliebe für die stählernen Dampfrosse und das in die Ferne lockende Schienenpaar?
Wen hätte wohl nicht schon einmal die Großartigkeit des Schauspiels gepackt, wenn ein ferienfroher Schnellzug an uns vorbeibrauste und unsere Sehnsucht entführte in unbekannte Länder voll zauberhafter Reize, denen er entgegeneilte?
Das muß ein rechter Duckmäuser sein, der noch niemals mit fiebernder Spannung von den Abenteuern des Schienenstranges gelesen und davon geträumt hätte, einmal ganz nahe dem Pulsschlag der singenden Räder zu lauschen. Denn wild und leidenschaftlich ist der Rhythmus ihrer Melodie, aus der uns das Lied von den Wundern dieser Erde entgegenklingt. Allein nur der begreift den Sinn so recht, den das nimmermüde Rattataplan schon einmal in Schlaf gewiegt und dabei sein Geheimnis ins Ohr geraunt hat: „Weit ist die Welt, und buntgestaltig, was sie erfüllt. Zufall regiert und Willkür scheint oberstes Gesetz. Und doch trägt jedes Ding seinen Sinn in sich, die bescheidenen Werke des Augenblicks, wie die erhabenen Schöpfungen der Ewigkeit.“ 
Ja, meine Freunde, ihr müßt euch nur recht darum bemühen, nach verborgenen Inhalten zu forschen und verschüttete Zusammenhänge aufzudecken, dann wird sich euch bald aller Reichtum, den die Welt nur zu bieten hat, erschließen. 
Seht, gerade die Entstehungsgeschichte der Eisenbahn ist ein denkwürdiges Beispiel, wie eine Erfindung, die in ihren Grundlagen längst vorhanden, in ihrer umfassenden Wirksamkeit aber unerkannt blieb, lange Zeit auf niederer Stufe verharrte, ehe ein einziger genialer Schritt vorwärts sie aus ihrer Halbheit, erlöste und zu einem glanzvollen Höhepunkte führte. Denn erst der so lange unfruchtbar gebliebene und uns heute so selbstverständliche Gedanke von der notwendigen Vereinigung der Spurbahn und der Dampflokomotive ebnete der Eisenbahn den Weg zu ihrem Siegeslauf um die Welt. Ihre Geschichte bietet eine Fülle des Merkwürdigen und Wissenswerten und ist voller Wandlungen und Zufälle.
Davon will ich euch nun erzählen...

Leseprobe:
Die Große Sibirische Eisenbahn schließt an die 1892 eröffnete Strecke Samara – Tscheljabinsk an. Sie ist die kürzeste und bequemste Verbindung zwischen Europa und den Ländern des Fernen Ostens und bietet für den Reisenden vieles Interessante. Auf der zehntausend Kilometer langen Strecke durcheilt der Expreß Weißrußland, den zentralen Teil der Sowjet-Union, berührt die Hauptstadt Moskau und führt über die Wolga. Der sibirische Expreß durchquert den Ural, die waldige sibirische Taiga und rast den vielbesungenen Baikal-See entlang. Der Reisende sieht während der Fahrt den Ural, das Sajan- und Jablonow-Gebirge, die großen Ströme Sibiriens Irtysch, Ob, Jenissej, den breiten Amur und viele landschaftlich ungemein reizvolle Gegenden. Die Zeitersparnis ist groß, da auf diesem Wege die Reise von Europa nach Japan – auf dem Leipziger Hauptbahnhof wurden sogar Karten nach Tokio verkauft – nur 13 bis 17 Tage dauert, während mit den schnellsten Dampfern die Reise nach Japan 34 bis 36 Tage in Anspruch nimmt.
Die sibirische Eisenbahn hat in der Literatur die Bezeichnung „Große Sibirische Eisenbahn“ erhalten. Nicht ohne Grund und auch nicht nur deshalb, weil sie die längste aller Eisenbahnlinien ist. 

Mit teils farbigen, teils auch ganzseitigen Illustrationen und einer gefalteten Beilage.
Gezeichnet von Heinz Völkel

Volk und Buch Verlag Leipzig
1. Auflage 1948 


beigelegte Karte

Neubearbeitete Fassung


Jugendbuchverlag E. Wunderlich, Leipzig

1. Auflage 1956 
1. - 10. Tausend
 229 Seiten

INH ALT
• Von der erstaunlichen Wirkung des Wasserdampfes, und wie die  Menschen lernten, sich diese Kraft dienstbar zu machen ….. 8
• Welche Hindernisse sich beim Lastentransport ergeben, wie die Menschen sie früher zu überwinden suchten, und auf welche einfache Lösung sie endlich kamen  ….. 13
• Was ein befähigter Mann mit der Dampfkraft und der Spurbahn anstellte, wie es verheißungsvoll begann, und warum es schließlich unrühmlich endete  ….. 16
• Ein armer Bursche hält die Augen offen, beschenkt die Menschheit mit einem neuen Verkehrsmittel und gewinnt sich selbst Ruhm und Wohlstand  ….. 19
• Ein Wettrennen hält ganz England in Atem und endet mit dem Sieg eines Gedankens,
der von da an die Welt zu erobern beginnt  ….. 26
• Wie das Lebenswerk eines aufrechten Mannes dazu beitrug, daß das Eisenbahnwesen
in Deutschland Fuß faßte, und welchen Undank er dafür erntete  ….. 32
• Die Eisenbahn entwächst den Kinderschuhen und stellt sich den staunenden Zeitgenossen
als eine überaus nützliche Einrichtung vor  ….. 43
• Von den sieben Weltwundern des Altertums, und wie die kunstvollen Bauten der
Schienenwege sie vielfach übertreffen  …..  46
• Die Eigenart des Schienenweges zwingt zur Ausführung von mancherlei Bauten, die
das Antlitz der Erde verändern  ….. 54
• Die Spanisch-Brötrli-Bahn erschließt ein kleines Land dem Eisenbahngedanken und fördert
damit die Umwälzung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse  ….. 64
• Die Eisenbahnen dringen in alle Klimagürtel vor und werden zum eigendichen Träger
des Weltverkehrs  ….. 75
• Das Gold, ein neuer Glaube und die Eisenbahn erschließen einen Erdteil und besiegeln
das Ende der Kinder Manitus  ….. 78
• Wie habgierige Menschen mit der Eisenbahn Mißbrauch trieben und deren gute
Eigenschaften in das Gegenteil verkehrten  ….. 84
• Wie es kam, daß die am höchsten gelegene Eisenbahnlinie der Erde ihren Bau dem
Ehrgeiz eines Mannes, einer Feuersbrunst und unzähligen Seevögeln verdankt ….. 94
• Ein Land nützt die Gunst seiner geographischen Lage und baut mit fremder Hilfe
die erste Eisenbahn in Afrika ….. 100
• Glitzernde Kiesel und die Liebe zu seiner afrikanischen Wahlheimat lassen im Kopf
eines Mannes eine ungeheure Eisenbahn-Idee reifen ….. 105
• Eine Pilgerfahrt auf Schienen von der berühmten Kalifenstadt der Abbasiden zum
Grabe des Propheten ….. 112
• Die Puchei-Bandi bringt einem großen Volk die moderne Technik und verhilft ihm
damit zur Wiedererringung seiner Freiheit ….. 121
• Wie die Eisenbahn viele arme Gefangene mit neuem Lebensmut erfüllte und zugleich
einen Erdteil aus seiner Verlassenheit erlöste ….. 131
• Eine List und die Macht der Gewohnheit verschaffen der Eisenbahn Zugang zu einem
uralten Land, dessen Ahnengötter aber darüber keineswegs erbost sind ….. 141
• Die Ungeduld des Zaren bestimmt die Führung einer neuen Eisenbahnlinie, die fortan
die beiden Hauptstädte Rußlands miteinander verbinden sollte ….. 153
• Rußland schafft in gemeinschaftlicher Anstrengung die größte Eisenbahnlinie der Erde
und legt damit den Grund zu seiner Weltgeltung ….. 157
• Kindereisenbahnen erziehen Schulkinder zur Beherrschung der Transporttechnik und
eröffnen ihnen das Verständnis für einen fesselnden Beruf ….. 168
• Eine Flunkergeschichte, nur zu einem guten Zweck erfunden und dennoch auf Grund
seltsamer Zeichen beinahe glaubwürdig ….. 175
• Neue Energiequellen treten mit der Dampfkraft in Wettbewerb und können sich nach
wechselvoller Entwicklung als ebenbürtig behaupten  ….. 197
• Auf dem Gipfel der Entwicklung des Eisenbahnwesens eröffnet sich das Panorama
einer Großtat schöpferischen Menschengeistes ….. 218
• Ein Nachwort — am Anfang zu lesen ….. 228
• Kartenbeilage am Rückendeckel



18 Oktober 2026

Jonny Gottschalg, Hans Ivens, Siegfried Zeimer (Hrsg.): Jugendlexikon Weltpolitik

Vorwort:
Dieses Buch gehört zu einer Reihe von Taschenlexika für Jugendliche zu bestimmten Sachgebieten. Die Fragen der Politik berühren das Leben jedes Menschen, und die der Außen- und Weltpolitik gehören dazu. Wer sich in der Welt von heute, in den internationalen Beziehungen der Staaten und Organisationen zurechtfinden will, braucht Informationen und Wertungen. Vorliegendes Taschenlexikon stellt etwa 560 Begriffe aus den Bereichen internationale Beziehungen, Organisationen und Verträge, Außenpolitik, Völkerrecht und Diplomatie vor. Zu einer Reihe von Artikeln – z. B. Frieden, Weltwirtschaft, Entwicklungsländer, Nahostkonflikt, militärisch-industrieller Komplex, UNO – gehören zur Veranschaulichung insgesamt 153 Tabellen, Chroniken, Argumentationen, Grafiken, Schemata, Fotos.
Dieses Buch ist als Hilfe beim Verfolgen der Tagespresse gedacht, der Nachrichtensendungen, Kommentare usw. Aus ihrer Mannigfaltigkeit und den sich rasch entwickelnden und verändernden Vorgängen konnten nur die wichtigsten und grundlegenden Ereignisse, Verträge und Standpunkte der Staatengruppen, wie sie beispielsweise vor der UNO vertreten werden, berücksichtigt werden.
Nicht mitliefern konnten wir einen Atlas und ein gutes Geschichtsbuch, das vom Ausgang des zweiten Weltkrieges an einen Überblick gibt. Wir bitten unsere Leser, die nächsten beiden Seiten aufmerksam zu studieren.
Für Hinweise, Verbesserungsvorschläge und Erfahrungen im Umgang mit diesem Buch sind wir immer dankbar. 
Die Herausgeber
Der Verlag

VEB Bibliographisches Institut Leipzig
Reihe:
Jugendlexikon 
1. Auflage 1983
2. durchges. Auflage 1984
3. durchges. Auflage 1985

17 Oktober 2026

Fritz E.W. Enskat: Gefangen am Gipfel der Welt & Im Nordmeer verschollen

Zwei technisch-phantastische Erzählungen für Jugendliche

Leseprobe: [aus: Im Nordmeer Verschollen]
Die andere Apparatur in der Funkkajüte stellte offenbar eine FT-Anlage dar. Davon hatte Paul bereits gehört und gelesen. Er war mithin unterrichtet, daß Schiffe funkentelegraphische Nachrichten von überallher zu empfangen und von Bord aus eigene funkentelegraphische Meldungen in alle Welt hinauszusenden vermögen. leider Gottes hatte er nicht die blasseste Ahnung, wie eine FT-Alage funktioniert. Brauchte man zu deren Inbetriebnahme ebenfalls elektrischen Strom?
Paul lagen die erbittertsten Verwünschungen auf der Zunge. Da befand sich nun alles, was ihm bestimmt hätte helfen, ja, was ihn wahrscheinlich hätte retten können, hier vor seiner Nase an Bord: und doch nutzte es ihm nichts – weil es ihm an den erforderlichen Kenntnissen mangelte, die Apparate in Gang zu bringen. 
Immer wieder kreisten seine Überlegungen um das Radiogerät. Und plötzlich durchschoß ihn ein Einfall. Strom mußte doch hier an Bord zu erzeugen sein! An Kohle herrschte weiß Gott kein Mangel: und eine maschinelle Anlage zur Stromerzeugung war zweifellos irgendwo vorhanden! Wo –? Nun, sicherlich unten in den Maschinenräumen.
Pauls freudig erregte Gedanken sprangen sogleich weiter: Falls es ihm gelingen würde, Strom zu erzeugen, müßte es zugleich möglich sein, die elektrische Beleuchtung überall in den Kabinen und unter Deck zum Wiederaufflammen zu bringen. Unerhört viel wäre damit gewonnen. Die Petroleumlampen, die Paul verwendete, spendeten ein keineswegs ideal helles Licht.
Mit Feuereifer betrieb Paul die eingehende Besichtigung der Maschinenräume. Dick angezogen, einen kleinen Stapel technischer Bücher mit sich tragend, so verweilte er mehrere Tage hindurch stundenlang tief drunten im Innern des Schiffes, wo einst die Antriebsvorrichtung der „Seeland“ unermüdlich wie ein stählernes Herz gepocht haben mußte. In diesen Tagen gönnte sich Paul kaum so viel Zeit, um zwischendurch ein paar Happen zu essen,
Es war ein Jammer, wie die fraglos einstmals blinkenden und blitzenden Maschinen, die Kolben, Räder, Zylinder, die Rohrschlangen und andere Teile aussahen. Das ganze riesige Gefüge, das vielerlei Gestänge aus Metall, war hier und da mit Eis überkrustet. Fast überall zeigte sich bereits häßlicher Rost.
Paul quälte sich geradezu ab, hinter das Funktionsgeheimnis dieser ganzen Anlage zu kommen. Er forschte und forschte, welches wohl die Teilanlage sein mochte, die vorher elektrischen Strom erzeugt hatte. Streng methodisch ging er dabei vor; denn mit seinen Beobachtungen fing er im Kesselraum vor den langen Ungetümen der Dampfkessel an.
 
Einbandentwurf und Illustrationen: Heinz Völkel

Mitteldeutsche Druckerei und Verlagsanstalt G.m.b.H. Halle (Saale)
1. Auflage 1949