26 April 2026

Zofia Chądzyńska: Das Band des Pavillons

Buchinfo

Die 8b will ein Theaterstück aufführen, und Hauptdarstellerin soll Anka sein. Doch die Freude des Mädchens verwandelt sich in Verzweiflung, als die spöttische Bemerkung fällt: "Das hat es noch nicht gegeben, daß die Balladyna von einer Stotterliese gespielt wird."

Es stimmt, Anka stottert ein wenig. Alle anderen haben bis jetzt taktvoll darüber hinweggehört, und auch für Anka ist das Thema tabu gewesen. Was nun? Anka beschließt, der Schule den Rücken zu kehren. Mutter allerdings wird dafür bestimmt kein Verständnis haben, und den Vater möchte Anka auch nicht mit der Sache belasten. Zum Glück ist da noch die alte Ärztin, Ankas gute Bekannte. Ob sie vielleicht einen Rat weiß? Anka greift zum Telefonhörer...


Buchbeginn

Eines Tages ließ Herr Klucz - auch Kluczyk, das Schlüsselchen, genannt - die 8b einen Aufsatz schreiben. Thema: "Ein Selbstporträt". Mehrere Schüler fragten, weshalb nicht "Mein Selbstporträt", worüber Kluczyk sich mächtig ärgerte, und dann schrieb jeder etwas anderes, doch wie Anka meinte, schrieb niemand die Wahrheit. Alle wußten, daß Herr Klucz einige Aufsätze in der Klasse vorlesen würde, und schrieben entweder, was sie selber gern von sich dachten, oder was sie den Klassenkameraden über sich mitzuteilen wünschten.


Aus dem Polnischen von Kurt Kelm
Der Kinderbuchverlag Berlin, 1982 

Zofia Nałkowska: Die Affäre der Teresa Hennert

Leseprobe
Ebenso lebhaft wirkte auf seinem Gebiet General Chwoscik. Wo immer er auftauchte, sprach er viel und schnell. Für einen Moment blieb er bei der jungen, schönen Witwe des Generals Uniski stehen, ließ sie jedoch nicht zu Wort kommen, sondern beantwortete die ihr gestellten Fragen selbst. Und während er sprach, hielt er gleichzeitig über ihren Kopf hinweg Ausschau, ob er in der Nähe nicht einen würdigeren Gesprächspartner fände - und schon sprang er, kaum daß er den Satz beendete, der langsam heranschreitenden, sehr beleibten und prunkvoll gekleideten Gräfin Opocka entgegen. In ihrer Nähe fand er mühelos Fürst und Fürstin Wislicki, und erst vor ihnen sprudelte er seine Freude über die gelungene Veranstaltung heraus, deren Zweck "aller Unterstützung und Anerkennung würdig" sei.



Aus dem Polnischen übersetzt von Kurt Kelm
Reclam, Berlin 
1. Auflage 1989
202 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3379004561
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3379004565  

Jelisaweta Drabkina: Razzia am Weihnachtsabend

Autorin / Inhalt
Jelisaweta Drabkina ist die Tochter von bekannten russischen Revolutionären. Vater und Mutter mußten sich vor der Revolution lange im westeuropäischen Exil aufhalten. Die kurzen Aufenthalte in Rußland endeten meistens im Gefängnis oder in der sibirischen Verbannung. J. Drabkina schrieb den Erinnerungsband "Schwarzer Zwieback". Aus ihm wählten wir einige spannende Episoden aus. Die Autorin war sechzehn Jahre alt, als die Revolution begann. Sie erlebte sie in unmittelbarer Umgebung Lenins und seiner engsten Kampfgefährten im Smolny in Petrograd, dem heutigen Leningrad. Aus diesen entscheidenden Wochen stammen die Episoden, die uns die Atmosphäre jener Tage erregend wiedergeben. Sie schildern den Zeitraum von Oktober 1917 bis Anfang 1918, jene Zeit, in der die Arbeiter, Soldaten und Bauern sich in den Sowjets zusammenschlossen und unter der Führung der Bolschewiki um die Fabriken, den Boden, den Frieden und die Macht im Land gegen die Bourgeoisie auf Leben und Tod kämpften.

Buchbeginn
Am Oktobersturm nahm auch ein Rotgardist teil, der mit seiner revolutionären Wachsamkeit der Revolution geholfen hatte, den von ihren Feinden vorbereiteten verräterischen Dolchstoß in den Rücken abzuwenden.
Wie dieser Rotgardist hieß? Das weiß keiner.  

Verlag Neues Leben, 1967
Reihe: Das neue Abenteuer 265

Christa Wolf: Kindheitsmuster

Klappentext
Kein Mensch kann den Wirkungen entgehen oder sich von den Einflüssen trennen, die von seiner Kindheit und Jugend her in sein späteres Leben dringen - auch und gerade, wenn diese Kindheit unter Einflüssen stand und Verhaltensweisen in ihm erzeugt hat, die er am liebsten vergessen und leugnen möchte, zuerst vor sich selbst. Es ist ein großes Thema, den Reifeprozeß dieser meiner Generation zu verfolgen, auch die Gründe zu suchen, wenn er ins Stocken kam. Für diejenigen, die in der Zeit des Faschismus aufwuchsen, kann es kein Datum geben, von dem ab sie ihn als "bewältigt" erklären können. Die Literatur hat dem Vorgang nachzugehen, was heißen kann: ihm voranzugehen, ihn vielleicht mit auszulösen. Eine immer tiefere, dabei auch immer persönlichere Verarbeitung dieser im Sinn des Wortes ungeheuren Zeit-Erscheinung.

Leseprobe
Wer gäbe nicht viel um eine glückliche Kindheit?
Wer Hand an seine Kindheit legt, sollte nicht hoffen, zügig voranzukommen. Vergebens wird er nach einer Dienststelle suchen, die ihm die ersehnte Genehmigung gäbe zu einem Unterfangen, gegen das der grenzüberschreitende Reiseverkehr - nur als Beispiel - harmlos ist. Das Schuldgefühl, das Handlungen wider die Natur begleitet, ist ihm sicher: Natürlich ist es, daß Kinder ihren Eltern zeitlebens dankbar sind für die glückliche Kindheit, die sie ihnen bereitet haben, und daß sie nicht daran tippen.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1981
1. Auflage 1976 (in Leinen gebunden)

26 Januar 2026

Rosemarie Schuder: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen


Klappentext:
Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim, Zeitgenosse von Paracelsus und Hieronymus Bosch, war ein hochbegabter Arzt, Jurist, Philosoph und Theologe. Aber anders als Paracelsus, der Apostel für Wahrheit und Gerechtigkeit, bleibt Agrippa eine Gestalt im Zwielicht. Der Spielerische, Freund der Frauen, der sich gefallen habe auch in der Pose des großen Magiers – und doch rettete er eine der Hexerei angeklagte Bäuerin vorm Scheiterhaufen und legte sich an in scharfer Kritik mit den Großen der Zeit. Rosemarie Schuder erzählt zwei Jahre dieses Lebens. In Lyon wirkte Agrippa 1525/26 als Leibarzt der Mutter des Königs von Frankreich, hier suchte er Einfluß zu nehmen und seine humanistischen Ideen durchzusetzen. Lyon, die Stadt der Messen, des Buchdrucks und der plebejischen Rebellionen mit tiefwurzelnder Tradition – das lebenspralle Lyon bedeutete in der Biographie des Agrippa mehr als eine flüchtige Episode.

Schutzumschlagentwurf Erich Rohde
unter Verwendung von Bildausschnitten aus den Gemälden „Das Narrenschiff“ und „Die Versuchungen des heiligen Antonius“ von Hieronymus Bosch

Rütten & Loening, Berlin
1. Auflage 1977
2. Auflage 1978
3. Auflage 1979
4. Auflage 1981
5. Auflage 1983
6. Auflage 1985

Neuauflage
1. Auflage 1978

Berechtigte Ausgabe für den buchclub 65
1. Auflage 1978

weitere Ausgaben
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Einbandtext:
König der Humanisten nannten ihn die einen, Ketzer die anderen - Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim, hochbegabter Arzt, Jurist, Philosoph und Theologe des Mittelalters. Selbstbewußt, ja hochmütig, lebte Agrippa sich selbst, seinen humanistischen Ideen, und setzte sich in offenen Widerspruch zu den kirchlichen und weltlichen Mächten. Zwei Jahre, 1525/26, wirkte er in Lyon als Leibarzt der Aloysia, Mutter des gefangenen Königs von Frankreich. Jeden Morgen stieg er hinauf in das Schloß auf dem Rabenhügel, bewegte sich dort mit spielerischer Furchtlosigkeit unter seinen Feinden, den Ausforschern des rechten Glaubens, suchte Einfluß zu gewinnen auf die Regentin. Eine verwirrende, gefährliche Herausforderung für den Magier der Worte und der ärztlichen Kunst, den Freund der Frauen.
Rosemarie Schuder erzählt in ihrem Roman vor allem von dieser Lyoner Zeit des Agrippa, Zeitgenosse von Paracelsus und Serveto, den beiden anderen Ärzten und Humanisten, deren Leben sie in ihrer Trilogie nachgezeichnet hat.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
Reihe: bb-Reihe Nr. 587

23 Januar 2026

Jan Kostrhun: Weinlese

Klappentext:
Um das Leben zu kennen, muß man so viel gesehen und erfahren haben wie Großvater Dobeš. Der hat zwar nie, selbst als seine Frau noch lebte, einen Fuß aus dem Dorf gesetzt, doch warum sollte er auch? Er liebt das besonnte Hügelland an der Dyje, deren Uferhänge mit Rebstöcken bestanden sind, und er liebt den Wein, der zeitlebens seinen Tagesablauf bestimmte. Nie würde er ihn aus der Flasche trinken, denn nichts schadet dem Rebensaft mehr als ein Gefängnis aus Glas.
O ja, er hat feste Grundsätze, der alte Dobeš, und billigt weiß Gott nicht alles, was heute im Dorf geschieht. Schlimm genug, daß die letzten Pferde geschlachtet werden, doch weit bedenklicher scheint ihm, daß die Sitten von früher nicht mehr viel gelten. Der eigene Sohn macht ihm schon vor, wie weit es mit dem Anstand der Leute gekommen ist: Wie Hund und Katze lebt mit seiner Frau Marta, die dem Großvater auch noch den sechsjährigen Enkel aufhalst.
Widerstrebend übernimmt Dobeš die Vaterstelle bei dem kleinen Jan, der sich vertrauensvoll an ihn anschließt. Jedoch in unbeschwerten Herbstwochen, da der Wein reift und der Junge Duft und Farbe der südmährischen Landschaft spüren lernt, empfindet der Großvater seit langem wieder das Glück, gebraucht zu werden. Selbst der Tod hat seine Schrecken für ihn verloren.

Autor:
Jan Kostrhun, geboren 1942 in dem südmährischen Dorf Podivín, besuchte die Landwirtschaftliche Hochschule und arbeitet heute als produktionstechnischer Konsulent im Viehzuchtbetrieb Brno. Seit 1970 im Nebenberuf Schriftsteller, hat er sich als »poetischer Realist« einen Namen gemacht. Nach ersten Veröffentlichungen in Anthologien gab er 1974 den Roman »Schwarze Schafe« heraus, dem er 1976 den Erzählungsband »Das Schaukelpferd« und 1977 den Roman »Wilddiebe« folgen ließ. »Weinlese« erschien 1979. In Vorbereitung befindet sich ein Roman mit dem Titel »Was wäre, wenn es Liebe wäre«.
Mehrere Romane und Novellen des tschechischen Autors, der auch mit Funk und Fernsehen zusammenarbeitet, wurden in der ČSSR verfilmt, darunter »Weinlese«. Jan Kostrhun, der schon in verschiedenen Auswahlbänden, z. B. 1979 in den »Erkundungen«, in der DDR vorgestellt wurde, erhielt eine Reihe literarischer Auszeichnungen, darunter den Jiři-Wolker-Preis.

Originalausgabe: Vinobraní,erschienen bei Mladá fronta. Prag 1979
Aus dem Tschechischen von Gustav Just
Einbandentwurf: Albrecht von Bodecker

Verlag Volk und Welt, Berlin

1. Auflage 1982

Berechtigte Ausgabe für den buchclub 65
1. Auflage 1982

Vergil: Aeneis

Einbandtext:
Vergil (70-19 v. u. Z.), in der „Aeneis“ Mahner seines Volkes, ruft, nachdem unter dem Kaiser Augustus die Zeit der Wirren überwunden schien, auf: „Du, Römer, bedenke, daß du mit deiner Macht die Völker lenken sollst! In den Frieden sollst du Gesittung pflanzen.“ Und ließe sich fortsetzen nimm alle Mühen auf dich, denen sich einst Aeneas unterwarf, als er ein neues Troja und mit Rom ein Weltreich auf ewig errichtete. Aber dieser Ruf traf längst nicht mehr ein Volk, das vom gemeinschaftlichen Wollen aller beseelt war. Den altrömischen Tugenden Gerechtigkeit, Tapferkeit, Fleiß neue Geltung zu verschaffen, auf sie ein Goldenes Zeitalter zu gründen, blieb unter Voraussetzungen, die andere Völker in den Status von Barbaren versetzten und große Teile der Provinzbevölkerung in ein rechtliches Abseits zwangen, eine Utopie. Denn auch der Kaiser selbst sah sich allzu schnell in Widerspruch zur eigenen Propaganda geraten, die den ethischen Postulaten des Dichters Vergil entsprochen hatte, als dieser nach 29 v. u. Z. mit der Ausarbeitung seines Epos begann. Nach späterer Überlieferung habe Vergil die „Aeneis“ dem Kaiser verweigern, sie zurücknehmen wollen, ihre humanistische Botschaft erreicht indessen noch unsere Zeit.

Buchanfang:
ERSTES BUCH
Von Waffentaten erzähle ich und von dem heldenmütigen Mann, welcher der erste war, der, ein Flüchtling, die Küste Trojas verließ, wie es sein Schicksal wollte, und nach Italien kam und am Strand von Lavinium landete. Unablässig trieb göttliche Gewalt ihn um über Länder und Meere, denn noch war der Zorn der grimmigen Juno nicht erloschen. Vieles auch litt er durch Krieg, bis ihm vergönnt war, eine Stadt zu gründen und in Latium den Göttern eine neue Heimat zu geben, die Stadt, aus der das Volk der Latiner und die Vorväter von Alba und schließlich die hochragenden Mauern Roms hervorgingen.
Muse, erkläre mir die Gründe: Welchem göttlichen Willen hatte sich dieser Mann widersetzt, wodurch war die Königin der Götter so tief gekränkt, daß sie ihm, der die Götter doch immer beispielhaft geehrt hatte, so viel Unglück, so viel Leid zu tragen auferlegte? Fühlen denn Himmlische solch unerbittlichen Zorn?
Es war eine uralte Stadt, bewohnt von tyrischen Siedlern: Karthago, gegen Italien hin gelegen und von der Tibermündung weit entfernt, reich an Schätzen und überaus rauh in ihrem Kriegseifer. Es ist überliefert, daß Juno ihrer allein sich angenommen hatte vor allen Ländern, mehr noch als Samos. Hier befanden sich ihre Wehr und hier ihr Wagen. Und diese Stadt zur Herrscherin über die Völker zu machen, wenn es der Lauf der Dinge irgend zuließ, war damals schon der sehnlichste Wunsch der Göttin.
Aber sie hatte auch vernommen, aus trojanischem Blut werde ein Geschlecht erstehen, das dereinst die tyrischen Festen niederreißen sollte; ein Volk werde daraus kommen, das, Herr über weite Gebiete und hochmütig durch Kriegsglück, Libyen den Untergang bringen werde. So laufe der Faden der Parzen. Dies fürchtete die Tochter des Saturn, denn sie entsann sich des einstigen Krieges, den sie, allen voran, für ihr geliebtes Argos vor Troja geführt hatte. Noch immer hatte sie, was sie erzürnte, nicht verwunden .........

Aus dem Lateinischen
Prosaübersetzung, Essay und Namensverzeichnis von Volker Ebersbach

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig
Reihe: Reclams Universal-Bibliothek, Band 929 ; Belletristik
1. Auflage 1982
2. Auflage 1987