29 September 2026

Janusz Zajdel: Die Methode des Dr. Quin

Der Kosmonaut Igor Kreis wird in das Sanatorium des Dr. Quin, das auf einer einsamen Pazifikinsel liegt, eingeschleust, um dem Rätsel eigentümlicher Strahlen aus dem Weltall nachzugehen. Könnte der Empfänger dieser Signale einer der merkwürdigen Patienten des Dr. Quin sein?

Heftanfang:
Langsam erstarb das Dröhnen der Triebwerke, das Tragflächenboot sank schwer auf die wogende Fläche des Ozeans. Von der ansteigenden Flut gehoben, begann es sich zu wiegen. Sato manövrierte es so, daß es mit dem Bug zum Ufer stand.
„Das reicht, Sato!“ sagte ich, als der flache Bootskörper über Sand scheuerte.
Ich zog die Schuhe aus, krempelte die Hosenbeine hoch und kletterte aus der Kabine. Mit einigen Sätzen war ich über Bord.
Ich wandte mich um. Sato winkte mir zu und ließ die Schraube an. Rückwärts kroch das Tragflächenboot von der Sandbank, dann kehrte es langsam den Bug zum offenen Meer. Es machte einen Satz nach vorn und schoß, kaum das Wasser berührend, mit zunehmender Geschwindigkeit davon.
Es war komisch: Ich fühlte mich einsam... Ausgerechnet hier auf diesem ablegenen, aber keineswegs menschenleeren Eiland im südlichen Pazifik. Nach vielen im Raumschiff verbrachten Jahren war alles andere hier angebracht, nur nicht das Gefühl der Einsamkeit... Auf dem Triton waren wir achtzehn gewesen am Anfang. Nachher noch elf... Aber unsere Einsamkeit damals war eine andere als die meine jetzt. Dort in der endlosen Leere waren wir verlorene Atome denkender Substanz, entfremdete Individuen, eine zu kleine Zahl, um unter statistische Gesetze zu fallen. Jeder bedeutete etwas, jeder hatte seinen Platz... Hier jedoch, untergetaucht in einem Gewühl von Milliarden, waren wir unscheinbar, unbeholfen... Mehrere Jahrzehnte der Abwesenheit hatten uns in der Entwicklung zurückgeworfen, wir konnten nicht mehr Schritt halten... In den ersten Tagen waren wir eine Sensation von eher durchschnittlichem Ausmaß gewesen: Seht doch, da ist wieder eine der alten interstellaren Expeditionen zur Erde zurückgekehrt. Nicht die erste, nicht die letzte. Eine von vielen.
Ich stand auf und klopfte mir die weißen Sandkörnchen vom Anzug. An die zwanzig Meter vom Wasser entfernt begann der Dschungel. Ich ging daran entlang, bis ich einen kaum erkennbaren Pfad ausmachte, der durch das Dickicht führte. Nachdem ich ihn eingeschlagen hatte, mußte ich immer wieder Äste zur Seite biegen, die mir ins Gesicht schlugen.
Das Buschwerk lichtete sich plötzlich und ging in einen reichlich verwahrlosten Garten über, der dennoch Spuren einer Bearbeitung aufwies. Aus seiner Tiefe schien, von den schräg einfallenden Sonnenstrahlen beleuchtet, die Wand eines einstöckigen Gebäudes, das in einem seltsam archaischen Stil erbaut worden war: die Miniatur eines Palastes aus der Zeit Ende des zweiten Jahrtausends. In der Mitte der Vorderfront prangte ein Schmuckportal mit einer großen Flügeltür. Solche Häuser trifft man kaum noch an. Dieses machte auf mich allerdings den Eindruck, als sei es erst vor kurzem erbaut worden.
Mir war zwar gleich gesagt worden, ich werde hier nichts vorfinden, was an die moderne Technik und Zivilisation erinnere, aber ich hätte nie geglaubt, daß es gar so altmodisch sein würde!
„Das ist eine ganz spezifische Anstalt, ein Sanatorium oder vielleicht eher eine Art, psychischer Quarantäne“, hatte der Oberst gestern gesagt. ,,Du wirst Leute treffen, die dort von nervlichen und psychischen Störungen kuriert werden sollen, Störungen, wie sie bei längerem Aufenthalt im All, in Raumschiffen oder auf einsamen Satellitenstationen, durch schwer zu verkraftende Erlebnisse hervorgerufen werden. Die einzige Möglichkeit, diesen Opfern unserer Zivilisation zu Hilfe zu kommen, ist ihre Abschirmung von der Gegenwart, gekoppelt mit einer entsprechenden Therapie. Die Methode des Doktor Quin, der die Anstalt seit ihrer Entstehung leitet, besteht ebendarin, den Patienten völlig von den Erscheinungen des heutigen Lebens und damit von dem Nährboden zu isolieren, aus dem die Störungen des psychischen Gleichgewichts erwachsen.
In sechzig Prozent der Fälle sind die Resultate zufriedenstellend. Seit die Anstalt besteht, sind viele Patienten als geheilt entlassen worden. Wenn eine Hoffnung auf Heilung nicht erkennbar ist, wird der Patient nach zwei oder drei Jahren in ein besonderes Pflegeheim überwiesen. Die Personen, die du jetzt dort antreffen wirst, gehören leider überwiegend zu diesen vierzig Prozent: Menschen, bei denen die psychischen Veränderungen die Schwelle überschritten haben, nicht mehr rückgängig zu machen sind.“
Diese Mitteilungen des Obersts ließ ich mir durch den Kopf gehen, während ich auf das Haus zuschritt. In mehreren Fenstern des Obergeschosses glaubte ich Gesichter zu sehen, die diskret zu mir herüberspähten. Der Lärm der Triebwerke war gewiß bis hierher gedrungen und hatte die Neugier der Kurgäste geweckt.

Titel des polnischen Originals: Przejście przez lustro 
Ins Deutsche übertragen von Hubert Schumann

Mit Illustrationen von Stephan Rosenthal

Verlag Neues Leben Berlin
Reihe:
Das neue Abenteuer 411
1. Auflage 1981 
 

Friedrich Gerstäcker: In den Red-River-Sümpfen

Heftanfang:
Der Krieg in den wiedervereinigten Staaten von Nordamerika war beendet, General Lee, bis dahin der erfolgreichste der Rebellengenerale, zur Übergabe gezwungen worden, Präsident Jefferson Davis gefangen und die südliche Armee entweder in Kriegsgefangenschaft geraten oder zerstreut. Die meisten der letzteren hatten die Gren Grenze nach Mexiko überschritten, wo ein Teil bei Juarez Dienste gegen den Kaiser Maximilian nahm, andere flohen nach Westen – alle aber doch nur so lange, bis sie dieses Leben satt bekamen und sich zurück in die Staaten und zu ihrer Arbeit sehnten.
Daneben hatten sich, auch schon, solange der Krieg noch dauerte, besonders in den westlichen Staaten Verbrecherbanden gebildet, die, wie sie Cooper in seinem Roman „Der Spion“ schildert, weder Freund noch Feind kannten. So die Jayhawkers in Arkansas und die Bushwhackers in Missouri. In Europa glaubte man damals, mit den amerikanischen Verhält-nissen nicht vertraut, daß sich selbst noch nach dem Krieg zahllose Banden im Land halten würden, und ähnliche Fälle konnte man auch in einigen anderen amerikanischen Staaten, besonders in Mexiko, beobachten aber der Nordamerikaner ist aus anderem Zeug gemacht. Die jungen Leute, die jetzt jahrelang unter den furchtbarsten Strapazen draußen im Feld gelegen hatten, verlangten in ihre Heimat, zu ihrer Arbeit zurückzukehren, und Monate, ja Wochen später schon, sobald die Armee nur entlassen war, hatten die jetzt wieder freien Soldaten auch die Muskete mit der Pflugschar oder der Werkstätte vertauscht.
Wo sich noch, zum Beispiel in Arkansas, einiges Gesindel herumtrieb, wurde es rasch genug von den Bewohnern, ohne die Polizei zu bemühen, aufgestöbert, und ehe drei Monate nach Friedensschluß vergingen, waren Straßen und Wälder wieder so sicher, wie sie es je gewesen.
Um so mehr Verwunderung erregte deshalb ein Gerücht, daß sich am Red River, und zwar in dem Grenzdistrikt zwischen Arkansas und Texas, eine Räuberbande festgesetzt habe, die ungescheut den Krieg gegen den Norden fortsetze und alles morde und ausraube, was in ihren Bereich komme. Eigentümlicherweise wurde dem aber vom Süden aus widersprochen; mehrere Pflanzer aus Texas hatten nämlich jene Gegend passiert, ohne im geringsten behelligt zu werden, und behaupteten, von einer dort existierenden Bande nicht das geringste gehört zu haben. Und trotzdem verschwanden Personen aus dem Norden, die sich in jene Gegend gewagt hatten, und auch ein paar Neger fand man den einen ermordet im Wald, den anderen, mit einer fast drei Zoll langen Stichwunde im Rücken, den Red River hinabtreibend.
Woher man es wußte, konnte niemand sagen – es lag, wie das oft bei der-gleichen Dingen geht, in der Luft –, aber es hieß, der Anführer der Bande sei ein gewisser Baker, der allen „Yankees“ und „Negern“ den Tod geschworen habe, und Tatsache war, daß man noch von keinem ermordeten Südländer wußte. Um so mehr aber fand sich die Militärbehörde von Little Rock dadurch veranlaßt, ein Streifkorps gegen diesen Bandenchef, der den Krieg auf eigene Faust, wenn auch im kleinen, fortführen wollte, auszusenden.
Es waren das hundert Mann unter der Führung eines Obersts Root; aber vergebens durchsuchten sie den ganzen Distrikt, sie konnten keine Spur von einer Bande finden; die dort vereinzelt wohnenden Baumwollpflanzer wollten ebensowenig davon wissen, und nach zwei Monaten kehrte die Truppe unverrichtetersache nach Little Rock zurück, wohin sie die Meldung brachte, die Bande, wenn sie je existiert habe, sei zerstreut oder jedenfalls weiter nach Texas hineingetrieben.
Kaum aber war der Oberst wieder in der Hauptstadt des Staates angelangt und seine Meldung eben an das Hauptquartier abgegangen, als schon wieder die Kunde von der Ermordung eines Yankee-Pedlars oder Krämers und eines freien Negers, den er bei sich gehabt hatte, eintraf, und als sich nach kaum acht Tagen solche Unglücksbotschaften wiederholten, konnte man nicht mehr daran zweifeln, daß der Oberst wohl nur an der falschen Stelle gesucht habe und die Bande noch nach wie vor ihr Unwesen. treibe.
In Little Rock befand sich ein junger Kapitän, Bradshaw, der sich in dem letzten Krieg besonders ausgezeichnet hatte. General Solwitch, der jetzt dort Kommandierende, beschloß, ihm die Führung eines neu auszusendenden Korps zu übertragen.
Bradshaw stammte selbst aus dem Süden der Union und war in New Orleans geboren, aber sein Vater aus dem Norden dahin gezogen, wo er ein größeres Geschäft gründete, sich verheiratete und ebenfalls Sklaven hielt. Seine Frau war eine eingefleischte Südländerin, ebenso hingen seine Töchter, von denen sich eine nach Charleston verheiratete und dort kurz vor Beendigung des Krieges starb, dem Süden an. Nur der Sohn, der im Norden erzogen worden war, stand auf der Seite der Union oder entschied sich wenigstens dafür bei Beginn des Krieges und hatte jetzt, sehr zum Leidwesen seiner Mutter, den ganzen Kampf siegreich mit durchgefochten.
Er war auch sofort bereit, den etwas abenteuerlichen Zug zu unternehmen, erbat sich aber von General Solwitch nicht etwa hundert, sondern höchstens zehn Mann zu seiner Begleitung, die er sich selbst auszusuchen wünschte. Ebenso hielt er es für ratsam, daß die kleine Truppe nicht in Uniform, sondern in Hinterwäldlertracht ausziehe, und daß sie dabei schwer bewaffnet gingen, fiel in diesem wilden Land überhaupt nicht auf.

Umschlag und Illustrationen von Harri Förster

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
Das neue Abenteuer, Heft 410 
1. Auflage 1980 

25 Juli 2026

Monica Dickens: Das Herz von London

Buchinfo
Das Herz von London schlägt nicht nur am Picadilly Circus, im noblen Londoner Westend mit seinen Luxusgeschäften und seinen exklusiven Klubs, sondern auch in Cottingham Park. Diese einst respektable Wohngegend mit ehrwürdigen viktorianischen Häusern ist nach dem Krieg mehr und mehr ein Sammelpunkt der Gescheiterten und Gestrandeten geworden. Westindische Einwanderer ohne Zukunftschancen, Prostituierte und Zuhälter, Rauschgifthändler und Gewohnheitstrinker bevölkern die Kneipen und schmutzigen Straßen; weiße und farbige Banden liefern einander bei Dunkelheit wütende Gefechte. Während die Kinder des wohlhabenden Geschäftsmannes Humphrey Gordon in feinster Gesellschaft Orgien feiern, neben denen die Vergnügungen im Hause der Mrs. Ambrosia Drinkwater beinahe harmlos erscheinen, registrieren wohlanständige Kleinbürger wie die Dukes, die Wilsons und die Bannings erschrocken das üppige Wuchern des Lasters. Mit unverminderter Energie versucht die junge Lehrerin Grace Peel, ihre halbwüchsigen Schüler dem Teufelskreis von Unwissenheit und Verbrechen zu entreißen, ihnen die Ahnung von einem menschenwürdigeren Dasein zu geben, in dem Platz ist für Freundschaft, Vertrauen und Liebe.
Mit Mut und Sachkenntnis greift Monica Dickens, eine Urenkelin von Charles Dickens, in diesem Panorama-Roman heikle Probleme der Achtmillionenstadt auf, deren Menschen sie mit wehem Herzen liebt.

Buchbeginn
Arthur Sears schob sich mit einer seitlichen Drehung aus der Telefonzelle hinaus und blickte rasch, ohne den Kopf zu bewegen, nach rechts und links.
Die Luft war rein. Schlauer Junge, unser Arthur. Als die Stimme des anderen Mädchens in die Leitung kam, wußte er sofort, daß sie ihn nur zum Weiterreden veranlassen sollte, damit sie feststellen konnten, woher der Anruf kam.

Aus dem Englischen übersetzt von Peter de Mendelssohn und Erich Fetter
Originaltitel: The Heart of London


Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 
1. Auflage 1967

Berechtigte Ausgabe für den buchclub 65
1. Auflage 1967

 

27 April 2026

Gerda Jun: Kinder, die anders sind, Elternreport

Buchinfo
Acht Mütter und drei Väter geistig bzw. körperlich behinderter Kinder erzählen von ihren Erfahrungen mit sich selbst, mit der Umwelt und von Problemen des Zusammenlebens in der Familie. Sie sprechen über ihre Wünsche und Hoffnungen. Hoffnungen, die u. a. zum Ausdruck bringen, daß an die Stelle noch vorhandener Vorurteile gegenüber Behinderten und ihren Familien mehr und mehr Verständnis, Toleranz und Hilfe treten.
Die für das Buch gewählte Form des persönlichen Berichtes und ergänzender fachärztlicher Erläuterungen berührt zum einen die emotionale Seite des Lesers und kommt zum anderen seinem Bedürfnis nach Sachinformation entgegen. Darin liegt der besondere Wert dieses Buches, das den Leser zum Mitdenken und - vor allem - auch Mithandeln anregen will.

Leseprobe
… Natürlich fühle ich mich auch manchmal allein … ich meine so als Frau. Die Männer in meinem Leben haben es sich doch relativ einfach gemacht, insbesondere Martins Vater. Für ihn ist sein Sohn eben nur ein "Idiot", der ihn nichts oder nur sehr wenig angeht. So ist das mit der "männlichen Freiheit". Wie sollte ich mich da nun als Frau und Mutter verhalten? Selbstverständlich hatte ich mir mein Leben auch anders gewünscht, weniger belastet. Aber ich kann doch nicht einfach ohne Gewissensbisse so tun, als ginge mich der Martin gar nichts an, als sei er gar nicht mein Sohn. Wo er doch auch so große Sehnsucht nach menschlicher Wärme und liebevollem Angenommensein hat - und wohl immer haben wird. Wie kann man sich denn da distanzieren? Ich konnte es nicht. Und so habe ich mich auf die Realitäten meines Lebens eingestellt...

Verlag Volk und Gesundheit Berlin
1. Auflage 1981
2. bearbeitete Auflage 1983
3. durchgesehene Auflage 1984
4. Auflage 1986
5. Auflage 1987
6. überarbeitete Auflage 1989

26 April 2026

Zofia Chądzyńska: Das Band des Pavillons

Buchinfo

Die 8b will ein Theaterstück aufführen, und Hauptdarstellerin soll Anka sein. Doch die Freude des Mädchens verwandelt sich in Verzweiflung, als die spöttische Bemerkung fällt: "Das hat es noch nicht gegeben, daß die Balladyna von einer Stotterliese gespielt wird."

Es stimmt, Anka stottert ein wenig. Alle anderen haben bis jetzt taktvoll darüber hinweggehört, und auch für Anka ist das Thema tabu gewesen. Was nun? Anka beschließt, der Schule den Rücken zu kehren. Mutter allerdings wird dafür bestimmt kein Verständnis haben, und den Vater möchte Anka auch nicht mit der Sache belasten. Zum Glück ist da noch die alte Ärztin, Ankas gute Bekannte. Ob sie vielleicht einen Rat weiß? Anka greift zum Telefonhörer...


Buchbeginn

Eines Tages ließ Herr Klucz - auch Kluczyk, das Schlüsselchen, genannt - die 8b einen Aufsatz schreiben. Thema: "Ein Selbstporträt". Mehrere Schüler fragten, weshalb nicht "Mein Selbstporträt", worüber Kluczyk sich mächtig ärgerte, und dann schrieb jeder etwas anderes, doch wie Anka meinte, schrieb niemand die Wahrheit. Alle wußten, daß Herr Klucz einige Aufsätze in der Klasse vorlesen würde, und schrieben entweder, was sie selber gern von sich dachten, oder was sie den Klassenkameraden über sich mitzuteilen wünschten.


Aus dem Polnischen von Kurt Kelm
Der Kinderbuchverlag Berlin, 1982 

Zofia Nałkowska: Die Affäre der Teresa Hennert

Leseprobe
Ebenso lebhaft wirkte auf seinem Gebiet General Chwoscik. Wo immer er auftauchte, sprach er viel und schnell. Für einen Moment blieb er bei der jungen, schönen Witwe des Generals Uniski stehen, ließ sie jedoch nicht zu Wort kommen, sondern beantwortete die ihr gestellten Fragen selbst. Und während er sprach, hielt er gleichzeitig über ihren Kopf hinweg Ausschau, ob er in der Nähe nicht einen würdigeren Gesprächspartner fände - und schon sprang er, kaum daß er den Satz beendete, der langsam heranschreitenden, sehr beleibten und prunkvoll gekleideten Gräfin Opocka entgegen. In ihrer Nähe fand er mühelos Fürst und Fürstin Wislicki, und erst vor ihnen sprudelte er seine Freude über die gelungene Veranstaltung heraus, deren Zweck "aller Unterstützung und Anerkennung würdig" sei.



Aus dem Polnischen übersetzt von Kurt Kelm
 

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 
Reihe: Reclams Universal-Bibliothek ; Bd. 1305
1. Auflage 1989

202 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3-379-00456-1
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3-379-00456-5  

Jelisaweta Drabkina: Razzia am Weihnachtsabend

Autorin / Inhalt
Jelisaweta Drabkina ist die Tochter von bekannten russischen Revolutionären. Vater und Mutter mußten sich vor der Revolution lange im westeuropäischen Exil aufhalten. Die kurzen Aufenthalte in Rußland endeten meistens im Gefängnis oder in der sibirischen Verbannung. J. Drabkina schrieb den Erinnerungsband "Schwarzer Zwieback". Aus ihm wählten wir einige spannende Episoden aus. Die Autorin war sechzehn Jahre alt, als die Revolution begann. Sie erlebte sie in unmittelbarer Umgebung Lenins und seiner engsten Kampfgefährten im Smolny in Petrograd, dem heutigen Leningrad. Aus diesen entscheidenden Wochen stammen die Episoden, die uns die Atmosphäre jener Tage erregend wiedergeben. Sie schildern den Zeitraum von Oktober 1917 bis Anfang 1918, jene Zeit, in der die Arbeiter, Soldaten und Bauern sich in den Sowjets zusammenschlossen und unter der Führung der Bolschewiki um die Fabriken, den Boden, den Frieden und die Macht im Land gegen die Bourgeoisie auf Leben und Tod kämpften.

Buchbeginn
Am Oktobersturm nahm auch ein Rotgardist teil, der mit seiner revolutionären Wachsamkeit der Revolution geholfen hatte, den von ihren Feinden vorbereiteten verräterischen Dolchstoß in den Rücken abzuwenden.
Wie dieser Rotgardist hieß? Das weiß keiner.  

Verlag Neues Leben, 1967
Reihe: Das neue Abenteuer 265