16 Oktober 2026

Maria Seidemann: Neunfinger

Buchinfo
Martin wird Neunfinger genannt, und er trägt diesen Namen mit Stolz, hat er doch mit neun Fingern mehr geleistet als manch anderer mit zehn. — Nach einem Autounfall verlor er den Vater. Martin und seine nun auf einen Rollstuhl angewiesene Mutter wollten unbedingt zurück in ihre vertraute Umgebung: in eine abgelegene Siedlung im Wald. Martin meisterte diese Aufgabe, die ihn wie einen Erwachsenen forderte. Manfred, ein Maler, zog in das verlassene Nachbarhaus, er führte ihn in die Welt der Farben, der Bilder. Doch eines Tages, nach einem besonders strengen Winter, findet Martin sich mit seiner Mutter in einer komfortablen Hochhauswohnung wieder. Er fühlt sich von Manfred verraten, und die Bilder würde er, gäbe es hier einen Ofen, am liebsten verbrennen.

Leseprobe
Augenblicke gibt es, da fühle ich mich in der Südstadt richtig wohl, da vergesse ich, daß ich nicht mehr in Neulingen bin. Aber jedesmal passiert etwas, das mir wieder klarmacht: Jetzt ist alles anders.
Als Mutter gestern nachmittag vom orthopädischen Schwimmen kam, standen beide Fahrstühle still. Wir schauten eine Weile dem Monteur zu, der in den Aggregaten herumfingerte. Kurz vor halb fünf packte er sein Werkzeug zusammen, verschloß die Aufzüge und erklärte: "Das wird heute nichts mehr."
Mutter wollte, daß ich unsere Nachbarn aus der sechsten Etage bitte, ihr die Treppen hinaufzuhelfen. Doch ich bestand darauf, sie allein hochzutragen.

Autorin
Maria Seidemann (16. Oktober 1944 - 7. September 2010) wurde in der DDR geboren. Seit 1974 lebte sie als freie Schriftstellerin in Potsdam. Zu Beginn schrieb sie Gedichte, dann folgten Erzählungen und Romane aus dem DDR-Alltag.
Seit Mitte der 1980er-Jahre erschienen hauptsächlich Kinder- und Jugendbücher. In dem Jugendbuch "Neunfinger" behandelte sie 1983 das bis dahin in der DDR weitgehend tabuisierte Thema des Lebens mit einer Körperbehinderung.
Die meisten ihrer Werke erschienen nach der politischen Wende 1989.

Mit Illustrationen von Irene Dietrich

Der Kinderbuchverlag Berlin
1. Auflage 1983
2. Auflage 1985
3. Auflage 1989
 

15 Oktober 2026

Jugendlexikon – Die Reihe


JUGENDLEXIKON

Die Bücher gehören zu einer Reihe von Taschenlexika für Schüler, Lehrlinge und alle Jugendlichen bis etwa 25 Jahre zu ausgewählten Sachgebieten.
Mit diesen Nachschlagewerken soll sich jungen Leuten ein kultureller Bereich erschließen, der wie kaum ein anderer ihren Alltag mitbestimmt und an dessen Gestaltung sie andererseits selbst wesentlich beteiligt sind.

Jedes Lexikon enthält das Grundwissen eines Sachgebietes. Es ist in Sprache und Stil so gestaltet wie das Grundwerk „Jugendlexikon a-z" - mit zuverlässigen und verständlichen Erklärungen und zahlreichen Abbildungen.

Diese Reihe wird betreut vom Herausgeberkollektiv des „Jugendlexikon a-z": Gerhard Butzmann, Jonny Gottschalg, Günter Gurst, Annelies Müller-Hegemann

Art:     Taschenbuch
Verlag:    VEB Bibliographisches Institut Leipzig
Erscheinungszeitraum:     1980 – 1990
Format:     12 x 19 cm; 13 x 20 cm
Preis:     7,00 M
Reihengestaltung:     Ludwig Winkler, Steinach 

Eva Kosak - Ingrid Kuntzsch - Ilse Laatz-Krumnow: Jugendlexikon Kleidung und Mode

Das vorliegende Buch gehört zu einer Reihe von Taschenlexika für Jugendliche zu ausgewählten Sachgebieten.
Mit diesem Nachschlagewerk wollen wir jungen Leuten einen kulturellen Bereich erschließen, der wie kaum ein anderer ihren Alltag mitbestimmt und an dessen Gestaltung sie andererseits selbst wesentlich beteiligt sind.
In rund 900 ausgewählten Stichwörtern werden branchentypische Fachbegriffe erklärt, Produktionsweisen und Techniken dargestellt und Termini aus dem Bereich der Ästhetik definiert. Jeder, der es möchte, kann Kenntnisse über die Wirkungsweisen von Farben, Materialien, Kleidungssilhouetten und modischem Beiwerk erlangen und Anregungen für den eigenschöpferischen Umgang auch mit Frisuren, Kosmetik und Schmuck finden. Dazu kommen Ratschläge für die Auswahl der Kleidung, ihre Nutzung und Pflege. In einem großen Abschnitt zur Kostümgeschichte und vielen ergänzenden Einzelstichwörtern werden sowohl Wandel als auch Stetigkeit der Mode als Teil der Kleidungskultur aufgezeigt, ihre vielfältigen Erscheinungsformen historisch geordnet und Zusammenhänge mit zeitgeschichtlichen Entwicklungen und Ereignissen hergestellt. Damit wollen wir die „Rätselhaftigkeit“ der Mode durchschaubarer machen und helfen, sie bewußt zu nutzen und das richtige Maß an vernünftigem Gebrauch, kurzweiligem Spaß und genußvollem Umgang mit ihr zu finden. Denn bereits in der Art des Sichkleidens – von Gleichgültigkeit, unbedachter Nachahmung bis zur bewußten Identifikation – zeigt sich die Persönlichkeit des einzelnen.
Zahlreiche Zeichnungen und Tabellen ergänzen und veranschaulichen den Text. Verweise und weiterführende oder Gegenbegriffe zeigen gedankliche oder thematische Zusammenhänge an und sind empfehlenswerte Wegweiser für alle, die interessiert sind, mehr zu erfahren. Darüber hinaus gibt es einen Anhang mit Literaturhinweisen und Tabellen.
An dieser Stelle möchten wir in Dankbarkeit unsere verstorbene Kollegin, Frau Dr. A. Paproth, erwähnen, die uns mit wertvollen Anregungen bei der Vorbereitung dieses Buches unterstützte.
Wir wünschen den Lesern dieses Jugendlexikons Freude und Nutzen gleichermaßen.
Die Herausgeber
Der Verlag


VEB Bibliographisches Institut Leipzig
Reihe:
Jugendlexikon
1. Auflage 1986
2. durchg. Auflage 1988 
 

Karl-Heinz Hardt: Der englische Funkspruch


HARRI KANDER
UND SEINE GEFÄHRTEN
Harri Kander war ein Mensch, der das Herz auf dem richtigen Fleck hatte. Er, sein Freund Walter Winter und nach dem 2. Weltkrieg auch Kanders Frau Katherine hatten auf den verschiedensten Schauplätzen der Welt Abenteuer zu bestehen, die heiße Herzen und kaltes Blut verlangten.
Mit ihren Berichten in den verschiedensten Zeitungen des Kontinents zeigten sie den Menschen unsere Welt von heute.
Alle drei, der Fliegerei verschrieben, wurden durch ihre Taten zu Fliegerhelden, die zu Lande und in der Luft jederzeit ihren Mann standen.

**********

Harri Kander und Walter Winter entzogen sich ihrer Verhaftung durch die Flucht in einem Flugzeug. Sie kamen bis in die Nähe Tilburgs, einer Stadt an der holländisch-belgischen Grenze. Die leeren Treibstofftanks zwangen sie zur Landung, und so mußten sie ihre Flucht vor der Gestapo durch das von der faschistischen Wehrmacht besetzte Holland zu Fuß fortsetzen.


Umschlag: Hans Räde

Verlag Sport und Technik Berlin
Reihe:
Abenteuer des Fliegenden Reporters Harri Kander, Heft 1
1. Auflage 1957 

Karl Heinz Hardt: Um 10.30 Uhr ist's soweit

Heftanfang:
Im letzten Heft lasen Sie:
Harri Kander und Walter Winter entzogen sich ihrer Verhaftung durch die Flucht in einem Flugzeug. Sie kamen bis in die Nähe Tilburgs, einer Stadt an der holländisch-belgischen Grenze. Die leeren Treibstofftanks zwangen sie zur Landung, und so mußten sie ihre Flucht vor der Gestapo durch das von der faschistischen Wehrmacht besetzte Holland zu Fuß fortsetzen.

****

Zum Glück ist jetzt die Dunkelheit hereingebrochen, aber dafür ist es empfindlich kalt geworden. Wie lange werden sie sich überhaupt verbergen können? Wohin soll jetzt der Fluchtweg gehen? Weit können sie bei ihrem schweigenden Marsch durch den Wald, bei dem sie gespannt auf jedes Geräusch horchen, noch nicht gekommen sein – vielleicht vier Kilometer –, da bemerken sie hinter den Stämmen einen Lichtschein. Ein Dorf liegt am Waldrand.
Die Blicke bohren sich in die Dunkelheit. Beide horchen in die Nacht hinaus, nach Geräuschen, die ihnen verraten, ob deutsche Soldaten sich im Dorf aufhalten.
Fernes Hundegebell, Gelächter, Stimmen, weit, weit weg. Kein Wort ist zu verstehen, kein Wort, das ihnen sagt, was sie wissen wollen. Die Zeit verrinnt. Kälte dringt quälend durch die dicken Anzüge in die Körper ein. Beinahe ist es schon unerträglich. Wie spät mag es sein? Winter, der auf die Uhr schaut, sagt leise: „22 Uhr!“
Weiter starren die beiden in das Dunkel dieser hoffnungslosen Nacht, die ihnen keinen Ausweg mehr zu bieten scheint. Da spürt Winter plötzlich, wie Kanders Hand sich um seinen Arm klammert.
„Siehst du die Schatten dort?“ Winters Blick sucht das Dunkel zu durchdringen. Wo denn? Aber da, jetzt sieht er sie auch. Wieviel sind es denn? Zwei, nein, drei. Drei Gestalten bewegen sich lautlos auf dem Feld. Jetzt gilt es, genau aufzupassen, denkt Winter noch. Aber plötzlich wird seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes hingelenkt.
Aus der Ferne klingt das Geräusch eines Flugzeuges an ihr Ohr, das näher zu kommen scheint. Tatsächlich!
„Das ist ein Tommy!“ flüstert Winter und spannt alle Sinne an, um den Standort des Flugzeuges auszumachen, Es kommt direkt auf sie zu.
Als er wieder auf das nächtlich schwarze Feld hinausstarrt, sind die Gestalten in der Dunkelheit verschwunden. Das Flugzeug ist jetzt gerade über ihnen. Aber was ist das? 

Umschlag: Hans Räde

Verlag Sport und Technik Berlin
Reihe:
Abenteuer des Fliegenden Reporters Harri Kander, Heft 2
1. Auflage 1957 

14 Oktober 2026

Abenteuer des Fliegenden Reporters Harri Kander – Die Reihe


Die Abenteuer des fliegenden Reporters Harri Kander ist eine DDR-Abenteuer-Romanheftreihe von Karl-Heinz Hardt.
Von 1957 bis 1958 erschienen im Verlag Sport und Technik insgesamt 15 Hefte, davon 2 Doppelhefte mit Luftfahrt- und Abenteuergeschichten. 
Die Hefte Hatten das Format von 21 x 15 cm, einen Umfang von 32 Seiten und einen Preis von 0,35 DM.
Illustriert wurden die Hefte von dem Berliner Maler und Grafiker Hans Räde.
Das Ende der Serie ist auf der letzten Seite des Hefts 15  festgestellt
 
Heft     Titel
1          Der englische Funkspruch    
2          Um 10.30 Uhr ist´s soweit
3          Zum Tode verurteilt    
4          Die Tochter des Mr. Blackley    
5          Dakotas über Longschou
6          Wiedersehen mit Catharine
7/8       Geheime Waffen
9          Fracht nach Balungi
10        Aufruhr in Balungi
11        Der Mandarin von Kwienjang    
12/13   Die geheimnisvollen Zeichen
14        Waffen im Flugzeug
15        Schüsse am Albani-River

13 Oktober 2026

Heinz Hardt: Die Tochter des Mister Blackley und Sascha war sein Freund


Ganz überraschend bekam ich ein Telegramm: „Einftreffe 13 Uhr in Schönefeld – stop – Harri!" Ja, und dann saß ich im Wagen und fuhr Richtung Lufthansa-Hafen, Berlin-Schönefeld.
Sieben Monate hatten wir uns nicht gesehen, das Erzählen wollte gar kein Ende nehmen.
Zwei seiner Erlebnisse, auf der Reise durch Kanada und die Sowjetunion, erschienen mir ihrer Aktualität wegen wert, vorgezogen zu werden. Deshalb lesen Sie, lieber Leser, in diesem Heft Kander-Erlebnisse aus dem Jahre 1956.
Um Irrtümern vorzubeugen, muß ich erwähnen, daß sich Harri von seinen Reisen eine entzückende kleine Französin mitbrachte und 1950 heiratete. Das erwähne ich deshalb, weil in der folgenden Erzählung Frauen eine gewisse Rolle spielen.
                                                                             Karl Heinz Hardt

Heftanfang:
Die Tochter des Mister Blackley
Kanada. Toronto ist eine Stadt ungefähr von der Größe Leipzigs.
Breite Straßen und Gärten vor den Häusern ziehen sich um die Innenstadt mit ihren modernen Hochhäusern, an denen Lichtreklame flimmert.
Der Stadtrand trägt schon ländlichen Charakter. Siedlungshäuser sind hier in das Grün großer Gärten eingebettet. Nur die Seite zum Ontariosee zeigt ein anderes Gesicht. Hier stehen die Villen der Warenhausbesitzer, der Reedereiaktionäre und der Getreide- und Holzgroßhändler. In den Wellen schaukelnde Jachten an den weißgestrichenen Bootsstegen runden das Bild ab. Wer mit offenen Augen die Stadt betrachtet, findet aber auch, von den Villen gar nicht weit entfernt, die Baracken der Hafen- und Holzarbeiter, die nichts, aber auch gar nichts mit den Palästen der ungekrönten Könige von Toronto gemein haben, nicht einmal die Ziegel auf dem Dach, denn die Baracken sind mit Dachpappe und dort, wo auch diese fehlte, mit Reklameblechen gedeckt.
Im Zentrum der Stadt, wo der Verkehr am stärksten lärmt, liegt zwischen Bürohäusern, Restaurants, Kinos und vielen kleineren Geschäften das große Warenhaus Mister Blackleys.
„Vom Flugzeug bis zum Sonnenhut – bei Blackley kauft man immer gut!" leuchten in riesigen Lettern die Neonröhren in die Nacht. Er weiß, wie man den Leuten das Geld aus der Tasche zieht, er muß es auch, denn sein größter Konkurrent, der junge Jack Brown, zwingt ihn ständig, nach neuen Ideen zu jagen.
Charles Blackley sitzt auf der Veranda seiner Villa und schaut auf den See, auf dem sich Mabel, seine Tochter, mit Freunden im Motorboot tummelt.
Die Sonne steht schon dicht über dem Horizont und wirft den Schatten des Hauses weit auf die Fluten des Ontario hinaus.
Ein Gespräch aus Ottawa, Mister Blackley!" Das Mädchen ist eingetreten, sie hält das Telefon in der Hand, schließt das Kabel an und reicht ihm den Hörer.
"Ja? – Blackley, Toronto! – Sie sind's Stevenson? Good evening! – Wie? Nein, davon weiß ich nichts – verdammte Geschichte! Ist daran nichts zu ändern? – Ich soll das machen? – Ja, werde es versuchen – selbstverständlich benachrichtige ich Sie. Morgen schon, ja, good bye." Schweißperlen stehen Mister Blackley auf der Stirn. Es ist doch unerhört, was ihm eben Stevenson von der „Air-Co," mitgeteilt hat. Jack Brown, sein Konkurrent, will tschechoslowakische Flugzeuge verkaufen. Im Frühjahr war er in Europa, Blackley hatte schon vor Wochen davon erfahren, und nun stellt sich heraus, der Kerl hatte irgendwelche Abschlüsse getätigt. Und was hat Stevenson, der Agent der „Air-Co.", ihm Blackley, vor wenigen Minuten am Telefon gesagt? 

Umschlag: Hans Räde

Verlag Sport und Technik Berlin
Reihe:
Abenteuer des Fliegenden Reporters Harri Kander Heft 4

1. Auflage 1957