Montag

Hans A. Richter: Reise nach Los Alamos

„Chef, genehmigen Sie ein Flugticket nach San Fé und zurück sowie die Reisespesen für etwa eine Woche?“ Mit diesem Ansinnen überfällt Ghantus seinen Vorgesetzten in der Redaktion.
„Das soll wohl ein schlechter Witz sein? Ich denke, Sie bereiten sich auf die Kongreßdebatte vor?“ erwidert der verständnislos dreinblickende Chefredakteur.
„Das tue ich ja, ich bin mittendrin.“ Ghantus erklärt nun in Umrissen die Absicht seiner Reise und daß es ihm keineswegs darum gehe, einige vergnügliche Tage im „Land of Echantment“ zu verbringen oder alten indianischen Kulturen nachzuspüren.
„Eine etwas aufwendige Vorbereitung auf eine Kongreßdebatte, das hatten wir noch nie“, meint der noch immer nicht ganz beruhigte Chef. Aber er begreift schnell, daß Ghantus hier einer Sache auf der Spur zu sein scheint, die vielleicht ein Knüller für die Zeitung werden könnte. „In Gottes Namen, fahren Sie! Aber bleiben Sie ja nicht in irgendeinem Pueblo hängen…“

Militärverlag der DDR Berlin 1979
Tatsachen

 

Dieter Flohr: Raketenstart

Mit Wucht schiebt sich das RS-Boot über die Wogen, steht auf dem Kamm und stürzt plötzlich tief in ein Wellental. Ruckartig stoppt der Wellengrund die Fahrt, Gischtschwaden wälzen ums Boot. Da erzittert der Stahlkörper von dumpfem Stoß – der nächste Wellenberg. Und wieder erhebt sich das Boot, von der Woge getragen, verharrt auf ihrem Kamm und stürzt erneut hinunter ins Tal. Die Männer auf der Brücke wippen sich in den Knien, fangen so Sturz und Stoß ab, ihre Körper vor größeren Erschütterungen bewahrend.

Koepke spürt, daß er diesen hammerähnlichen Schlägen nicht mehr lange gewachsen sein wird; das flaue Gefühl im Magen will nicht vergehen, Kopfschmerzen plagen ihn, kalter Schweiß steht auf seiner Stirn. Aber er will sich nicht unterkriegen lassen. Forsch greift er zum Mikrofon…

Deutscher Militärverlag Berlin 1980
Tatsachen 227

 

Heinz Glogau: Rufe aus dem Schützengraben

Wer hätte das vor zwei Monaten gedacht? Als ich an jenem Septembervormittag des Jahres 1943 um die Grabenecke schielte, erblickte ich zwei Gestalten in erdbraunen Uniformen, grünen, kugelartigen Stahlhelmen, die Maschinenpistolen im Anschlag. Ich prallte zurück. So dicht hatte ich noch keinen Gegner gesehen, vor allem nicht in voller Montur. Der Schreck war groß und der Abstand so winzig. Beides lähmte. Plötzlich sah alles um mich her so unwirklich aus: die sandige Erde, das wenige Grün, die Sonnenstrahlen. Ist das das Ende? Siehst du das zum letztenmal? Anstatt an die Flugblätter zu denken, die im August in unseren Graben geflattert waren, faßte ich den Karabiner fester und sprang in den frischen Granattrichter neben mir. Obwohl es in meinen Ohren von den Handgranatenexplosionen und Granatwerfereinschlägen klingelte, hörte ich hinter mir rufen. Ich drehte mich um und hatte die schwarzen Mündungen zweier Maschinenpistolen direkt vor mir. Ich ließ mein Gewehr auf den Trichterrand fallen, warf das Koppel mit den vollen Patronentaschen dazu und stieg in den Graben zurück.

Militärverlag der DDR, Berlin 1987
Tatsachen 306

 

Freitag

Gerhard Brendler: Martin Luther – Theologie und Revolution

„Und wenn die Welt voll Teufel wär, und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es muß uns doch gelingen“ – mit diesen Verszeilen aus dem Lied „Ein feste Burg“ prägte der Bergmannssohn und Bauernenkel, der Mönch, Priester und Gelehrte Martin Luther das befreiende Lebensgefühl der ersten revolutionären Epoche in der deutschen Geschichte. Dies Lebensgefühl und das Werk des Mannes, der ihm Ausdruck verlieh, sprechen uns noch immer an, obwohl seither fast ein halbes Jahrtausend vergangen ist und Europa mehrere Revolutionen und tiefgehende gesellschaftliche Wandlungen erlebt hat.

In dem vorliegenden fesselnd und anregend geschriebenen Buch wird das Leben und Wirken des Initiators der Reformation umfassend und auf einem gründlichen Quellenstudium basierend aus historisch-materialistischer Sicht gewürdigt. Der Historiker Gerhard Brendler vermittelt dem Leser ein geschlossenes und zugleich differenziertes Bild von der geistigen Entwicklung, der Persönlichkeit und dem Gesamtwerk Martin Luthers, das er beziehungsreich in die geschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge einordnet. Anhand einer tiefgründigen Analyse seiner Bibelinterpretation, der Kritik Luthers an den Mißständen in der Papstkirche und der damit in den verschiedenen Klassen und Schichten verbundenen politischen, ökonomischen und sozialen Forderungen zeigt der Autor Luthers Rolle für die frühbürgerliche Revolution, wobei er sowohl dessen progressive geschichtliche Leistung als auch die aus seiner Klassenposition und gesellschaftlichen Stellung erwachsenen tragischen Widersprüche überzeugend deutlich macht. Der Leser erkennt: Mit seiner Auslegung der Bibel beantwortete Luther Grundfragen seiner Zeit in einer Weise, durch die er den Weg frei machte für eine revolutionäre Bewegung, die bald über ihn hinausging und durch die er zugleich der nachfolgenden historischen Entwicklung auf politischem, ethisch-sozialem und geistig-kulturellem Gebiet gewaltige weiterwirkende Impulse verlieh.

VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1983

 

Herbert Nachbar: Keller der alten Schmiede


 An diesem schönen Septembertag war nach der zweiten Stunde schulfrei. Aber Theo konnte sich nicht freuen. Es war der erste Tag des Krieges. Er wußte es noch nicht, aber er fühlte: Mit jeder Kugel, die aus einem deutschen Gewehr jagte und ein Leben auslöschte, wurde seine Kindheit getroffen. Einfühlsam und gedankenreich zeichnet Herbert Nachbar die Entwicklung des jungen Theo Olafson vom Beginn des zweiten Weltkrieges bis zur Gründung unserer Republik.

Kinderbuchverlag Berlin 1981
Illustrationen: Brigitte N. Kröning

Helga Talke: Matti

Matti hörte deutlich das Winseln. Und da sah er auch Bims weißes Fell unter dem Zaun. Das Halsband hatte sich in einer Drahtschlaufe verhakt. „Ach, du Dummer“, schimpfte Matti. „Darf man denn hinter Hasen herlaufen?“ Er öffnete die Schnalle des Halsbandes, um den Hund zu befreien. „Wenn ich nun nicht gekommen wäre!“

Die Mutter war ärgerlich, als Matti im Dunkeln zu Hause anlangte. „Warum bist du nicht zu mir gekommen? Wir wären gemeinsam Bim suchen gegangen.“ „Ja“, sagte Matti. „Aber allein habe ich es auch geschafft.“

Matti ist stolz. Lange Zeit glaubte er dümmer zu sein als andere Kinder. Und weil er das glaubte, traute er sich nichts zu und war oft ungeschickt. Aber jetzt hat er seinen Freund gerettet. Jetzt wird alles anders.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1986
Illustrationen: Gertrud Zucker

 

Hans Bergmann: Wanted: President Ronald Reagan und die Monopole - ein Fallbeispiel

Wie und mit welchem Auftrag wird einer Präsident der Vereinigten Staaten? Welche Hintermänner fördern ihn und was fordern sie nach der Wahl von ihm? Welche engen Bande bestehen zwischen dem Weißen Haus und dem Militär-Industrie-Komplex? Warum möchte Ronald Reagan als "Friedenspräsident" in die Geschichte der USA eingehen, und wie will er das erreichen? Welchen Schirm möchte er aufspannen, was soll darunter passieren und wer sind die Konstrukteure dieses Vehikels? Was bestimmt das "Küchenkabinett" und wer hat Sitz und Stimme im "Kabinett der fetten Kater"?

Der Autor bietet keine vollständige Biografie des 40. USA-Präsidenten, sondern eine Studie der gegenwärtigen Machtverhältnisse in den Vereinigten Staaten von Amerika.


Buchanfang

Gespenst oder Geist von Genf?

Wanted: President - gesucht: ein Präsident. Und die ihn suchten, fanden ihn. Sie glaubten nun, mit einem starken Mann ihren Besitzstand gegen alle Gefahren nicht nur verteidigen, sondern auch ausbauen und mehren zu können. Sie wollten totale Konfrontation, um verlorenes ökonomisches und politisches Terrain durch eine Politik der Stärke wiederzugewinnen. Doch wie so oft in der Geschichte, ist der Morgen klüger als der Abend ...

Fünf Jahre später, genau Ende November 1985, bestieg Präsident Reagan ein Flugzeug, das ihn nach Genf trug - zum Treffen mit dem Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow. Vor Jahren äußerte der Präsident einmal, daß die Gefahr einer Invasion außerirdischer Wesen die UdSSR und die USA schneller eine gemeinsame Sprache finden ließe. Doch nicht das Nahen dieser gepanzerten Männchen à la Hollywood war der Anlaß zu dieser Reise, sondern Bedrohungen ganz realer Art. Gerechtigkeitshalber muß gesagt werden, daß nicht die US-Administration oder gar jene Kreise, die Reagan zum Präsidenten gekürt haben, den längst ausstehenden Flug forderten. Im Gegenteil, der Geist von Genf schreckte sie wie ein Gespenst.

Es mutete wie absurdes Theater an, daß der erste Mann im Pentagon, Caspar Weinberger, sozusagen mit fliegenden Rockschößen dem Präsidenten einen Brief als Reiselektüre nachreichte. Dieses Schriftstück war so schlimm, daß die "Washington Post" bekannte: "Selbst einer Stadt (gemeint ist Washington - H. B.), die schockierende Enthüllungen gewohnt ist, verschlug die gezielte Indiskretion in Form des Briefes von Verteidigungsminister Weinberger an Präsident Reagan die Sprache. Da erfährt man, daß ein einflußreicher Kabinettsminister den Präsidenten davor warnt, sich mit Michail Gorbatschow über mehrere der entscheidensten Probleme zu einigen, die vorgeblich als Themen für die Genfer Verhandlungen in Betracht gezogen werden ... Wenn Reagan den in dem Schreiben enthaltenen Ratschlag annimmt, riskiert er, als Handlanger des 'militärisch-industriellen Komplexes' ... hingestellt zu werden. Ignoriert der Präsident den Rat, dann wird es so aussehen, als habe er einen getreuen Mitarbeiter und einen bedeutenden Teil seiner Wähler vor den Kopf gestoßen. Sicherlich hat die Indiskretion der Öffentlichkeit ein Licht aufgesteckt. Gleichzeitig hat sie dem Präsidenten den Weg zum Gipfel erschwert." .....

Inhalt

Gespenst oder Geist von Genf?

Reagans Kapital

Mit Seife getestet

Der Bastard und die "Bastarde"

"I love You, America"

Der rechte Glaube

Eine "konservative Renaissance"?

Der Dollar auf seltsamen Wegen

Die Millionäre und der Hunger

"Das Fenster der Verwundbarkeit"

"Sieg ist möglich"

Im Himmel wie auf Erden

Der Trick mit den "Tauschobjekten"

Die "Ethik der Macht"


Über den Autor

Stationen:

Geboren am 15. 2. 1937 in Moskau, absolvierte Hans Bergmann in Berlin die Oberschule und beendete 1963 ein Philosophiestudium. Nach kurzer wissenschaftlicher Arbeit an der Universität begann er 1966 eine journalistische Tätigkeit an der Zeitschrift FREIE WELT.

Die Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Weltanschauung und dem Antisowjetismus wurde zum Hauptfeld seiner Arbeit.

Publikationen:

Zahlreiche Dokumentationen, Kommentare und Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften

"Die Eingreifer", Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin.

 

Verlag Neues Leben, 1986
nl-konkret Nr. 72