Freitag, 7. Mai 2021

Günter Mieth, Ingeborg Schmidt: Herder - Ein Lesebuch für unsere Zeit


 "Es ist keine Schwärmerei, zu hoffen, daß, wo irgend Menschen wohnen, einst auch vernünftige, billige und glückliche Menschen wohnen werden: glücklich, nicht nur durch ihre eigene, sondern durch die gemeinschaftliche Vernunft ihres ganzen Brudergeschlechtes."

In dieser optimistischen Überzeugung hat Herder sein literarisches Lebenswerk geschaffen, das, vielgestaltig und in sich widerspruchsvoll, immer wieder um den einen Punkt kreiste: die Entwicklung der menschlichen Kultur in ihrer Gesamtheit. Dieser große Gegenstand beflügelte ihn zu oft ungewöhnlichen, kühnen Vorschlägen, von deren schöpferisch-kritischer Rezeption auch heute noch fruchtbare Impulse ausgehen.

Die neubearbeitete Ausgabe des Herder-Lesebuchs unterstreicht mit ihrer Textauswahl die Kontinuität im Schaffen Herders. Sie ordnet die Texte in drei chronologisch orientierten Gruppen und verdeutlicht so das nie nachlassende Ringen Herders um sein Grundthema. Die ausgewählten Schriften und Dichtungen werden durch Briefe aus der jeweiligen Lebenszeit des Autors ergänzt, die nicht nur Aufschlüsse zu den gebotenen Texten geben, sondern auch etwas von der Persönlichkeit des großen Humanisten spüren lassen.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1978
Lesebücher für unsere Zeit

Helmut Müller-Muck, Marianne Girod: GORKI - Ein Lesebuch für unsere Zeit


 Gorki - der Bittere, seit frühester Jugend mit der Schwere und den Leiden des Lebens der einfachen Menschen vertraut, hat in seinem dichterischen Schaffen trotz aller erlittenen Bitternisse den Glauben an das Gute im Menschen und den Sinn des Lebens verkündet. Die Fülle der Erfahrungen, die er in Begegnungen mit Menschen der verschiedenen Gesellschaftsschichten gewonnen hatte, wandelten den romantischen Träumer zum proletarischen Revolutionär, zum Verkünder der neuen Zeit. Anknüpfend an das Schaffen der kritischen Realisten des 19. Jahrhunderts und es in dialektischer Weise aufhebend, wurde Gorki zum Begründer des sozialistischen Realismus. Sein unvergängliches, lebendiges vielseitiges Werk bestätigt die Worte Alexej Tolstois: "Große Männer wie Gorki haben in der Geschichte nur ein Datum - das der Geburt."

Eine erste Bekanntschaft mit seinem reichen, zukunftsträchtigen Schaffen will das Lesebuch vermitteln.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1966
Lesebücher für unsere Zeit 

Hans Jürgen Geerdts: Goethe - Ein Lesebuch für unsere Zeit


 Dieses Buch will dem Leser unserer Tage, vor allen den jungen Menschen, einen zusammenfassenden Überblick über Lesen und Werk einer der bedeutendsten Dichterpersönlichkeiten der Weltliteratur ermöglichen. Es will den Weg öffnen für ein neues, produktives Verhältnis zu Johann Wolfgang Goethe.

Im Goethe-Jahr 1949 erstmals erschienen, ist das Goethe-Lesebuch, das nunmehr in der zweiunddreißigsten, neu bearbeiteten Auflage vorgelegt wird und damit in nahezu viehunderttausend Exemplaren verbreitet ist, zum klassischen Zeugnis für das Werden einer sozialistischen deutschen Nationalkultur geworden.

Es enthält neben einer repräsentativen Auswahl aus Goethes Lyrik das Trauerspiel "Egmont" und den Ersten Teil des "Faust" sowie Auszüge aus dem Zweiten Teil der Tragödie. Es macht mit den wichtigsten Äußerungen Goethes über Kunst, Literatur und Natur bekannt und vermittelt durch bezeichnende Auszüge aus autobiographischen Schriften, durch Briefe und Gespräche mit Zeitgenossen ein eindrucksvolles Bild vom Menschen Goethe und seiner vorwärtsweisenden Weltanschauung.

Aufbau-Verlag, 32. Auflage, 1977
Lesebücher für unsere Zeit

Donnerstag, 6. Mai 2021

Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary / Der weiße Dampfer / Über Literatur


 Mit seinen Romanen "Abschied von Gülsary" (1966) und "Der weiße "Dampfer" (1970) ist Aitmatov endgültig in die große Literatur seines Landes und der Welt eingegangen. Seine schonungslos realistische und poetisch ungewöhnlich eindringliche Gestaltung der Tragödien des Hirten Tanabai und des Pferdes Gülsary sowie des Knaben im "Weißen Dampfer" ist von weltumspannender Unruhe erfüllt und entwickelt "eine neue Formel für menschliche Beziehungen". Die Tragödie des Knaben, der zwischen seinen gütigen, aber sich dem Übel nicht tatkräftig widersetzenden Großvater und seinen skrupellos karrieristischen Onkel gestellt ist, wird zu einer Parabel über extreme menschliche Haltungen und Möglichkeiten, über die Gefahren eines allgemeinen Humanismus, über die Unbelehrbarkeit machtgieriger Individualisten und die Ohnmacht naiven Märchenglaubens. Epochale nationale Erfahrungen gleichnishaft verallgemeinernd, zeigt Aitmatow, dass vom Urkommunismus zur heutigen Menschheitsperspektive keine glatte Chaussee führt und tragische Verwicklungen auftreten können. Die Abrechnung des Schriftstellers mit allen Märchenillusionen, mit jeglichem Wunschdenken befördert tiefe Einsichten in die realen Wege zur sozialistischen Verwirklichung der Menschheit und provoziert kämpferischen Humanismus.

Neben den beiden Romanen enthält der Band Aitmatows wichtigste Aufsätze und Reden der Jahre 1964-1972 zu seinem eigenen Schaffen, zu seinen literarischen Vorbildern (Manas, Shakespeare, Dostojewski, Gorki, Auesow) und zu Fragen der Gegenwartsliteratur.

Verlag Volk und Welt, Berlin, 1974, 6. Auflage von 1984


Marianne Bruns: Zwischen Pflicht und Kür - Roman einer Eisläuferin


 

Beginn

"Pa, was sind eigentlich Föhren?"
"Nur keine Ausflüchte", antwortete der Vater und wies seine Tochter an, wie sie am besten bis zu dem bezeichneten Buchenast hinaufklettern könnte. Da hing sie, und er befahl: "Klimmzug! Noch einmal! Und noch einmal und noch einmal!" Er korrigierte ihre Beinhaltung und ihre Atmung und war dann zufrieden.
Sie sprang ab, hielt aber beim Aufkommen nicht das Gleichgewicht, sondern setzte sich unfreiwillig ins Moos.
"Kann vorkommen", gab der Vater zu. "Noch einmal."
Das Mädchen blieb aber sitzen, zog die Knie hoch und sagte: "Was sind Arven? Wenn du schon nicht weißt, was Föhren sind, vielleicht weißt du das?"
"Ich weiß, was freche Gören sind", antwortete er, "und das genügt mir."
Cora lachte laut. "Beides sind Kiefern", rief sie vergnügt.
"Wenn du es weißt - was fragst du dann?"

Der Kinderbuchverlag Berlin, 1962
Illustrationen: Renate Jessel

Pentti Haanpää: Der Einfall des Gouverneurs - Zwei Erzählungen


 Beginn

Der klare, sonnige Tag glänzte wie Kupfer, doch im Schein der aufsteigenden Sonne war etwas Kraftloses, Mattes, Frostiges. Denn nun hatte sich der Nordwind gemeldet. Er blies aus vollem Balg, flog mit ausgebreiteten Armen über das offene Land, das in der Ferne von blauschimmernden Höhen und dunklen Wäldern begrenzt wurde; dazwischen lag die große Wehmut der Sümpfe und Moore. Da und dort ein Glitzern der Wasserlachen, die sich zu Seen erweiterten, die starren Augen stiller Teiche oder die dunklen Bänder der Flüsse...

VEB Hinstorff Verlag Rostock 1965

Otto Gotsche: ARDAK und SCHNEEDIKA


 ARDAK, der vierbeinige Hüter des kleinen Bauernhofes, kann nicht denken; doch er spürt die Ungerechtigkeit, und er rächt seinen Herrn, den Kleinbauern Franke, den der faschistische Bürgermeister Heinberg ins KZ bringen ließ. Doch Bauer Franke weiß, daß ihm und seinen Gefährten die Zukunft gehört. SCHNEEDIKA, das hilflose wunde Rehkitz, das auf dem Franke-Hof aufgezogen wird, bringt die Frankens noch einmal in Gefahr. In dieser Erzählung wird ein Stück Vergangenheit unseres Volkes lebendig, sie hilft zu verstehen, wie unsere Zeit geworden ist.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1968
Illustrationen: Hans Baltzer