Posts mit dem Label Werner Klemke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Werner Klemke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

05 August 2025

William Faulkner: Die Unbesiegten

Buchinfo

"Weil er leicht zu lesen ist", empfahl Nobelpreisträger William Faulkner (1897 - 1962) Studenten diesen 1938 entstandenen Roman, der vor dem Hintergrund des amerikanischen Bürgerkriegs und der Rekonstruktionsära angesiedelt ist und die Frage nach Sinn und Unsinn eines überlebten Ehrenkodex stellt. Der Ich-Erzähler, Bayard Sartoris, erinnert sich an seine Jugendzeit, als er und sein schwarzer Freund Ringo den Einmarsch der Yankee-Truppen in den Süden erlebten. Seine Reminiszenzen fügen sich zu einem Erziehungsroman Faulknerschen Stils, der die Zerstörung des südstaatlichen Mythos zum Ziel hat. Die Bezüge zu den anderen Büchern des Autors sind vielfältig, doch ist der Roman in erster Linie eine Ergänzung zu "Sartoris" (1988 bei Volk und Welt). Der Band erscheint innerhalb der Sammelausgabe der Werke Faulkners, die hiermit abgeschlossen wird.


Buchbeginn

Hinterhalt

In jenem Sommer hatten Ringo und ich hinter dem Räucherhaus eine lebende Landkarte. Vicksburg war zwar nicht mehr als eine Handvoll Späne vom Holzstapel, und der Fluß nur eine Rille, die wir mit der Spitze einer Hacke durch die Erdschollen gezogen hatten, aber es (Fluß, Stadt und Terrain) lebte, und das Gelände bewahrte selbst im verkleinerten Abbild seine deutlich fühlbare, wenn auch passive Widerspenstigkeit, die mehr vermag als Artillerie und der gegenüber der glänzendste Sieg und die tragischste Niederlage nichts sind als das laute Gelärm eines Augenblicks.

Inhalt:
HINTERHALT .. .. .. Seite 5
RÜCKZUG .. .. .. Seite 35
AUSFALL .. .. .. Seite 12
GEGENSTOSS .. .. .. Seite 112
VENDEE .. .. .. Seite 146
SCHARMÜTZEL IM HAUSE SARTORIS .. .. .. Seite 111
DUFTENDES EISENKRAUT .. .. .. Seite 200
ANMERKUNGEN .. .. .. Seite 243

Aus dem Amerikanischen von Erich Franzen
Originalausgabe: The Unvanquished, erschienen bei Random House, New York 1938
Schutzumschlag, Einband: Werner Klemke

Verlag Volk und Welt Berlin
Lizenzausgabe für die Deutsche Demokratische Republik
1. Auflage 1989

 

03 April 2025

William Faulkner: Die Freistatt | Requiem für eine Nonne

Die Freistatt - Roman - Aus dem Amerikanischen von Hans Wollschläger
Requiem für eine Nonne - Roman in Szenen - Aus dem Amerikanischen von Robert Schnorr

Klappentext:
„ ‚Die Freistatt’ – das ist der Einbruch der griechischen Tragödie in den Kriminalroman". Und so – könnte man André Malraux treffende Bemerkung variieren – „Requiem für eine Nonne" der Einbruch des literarischen Reißers in die Moralität. In den Wäldern von Jefferson trifft die siebzehnjährige Studentin Temple Drake im Versteck einer Schmugglerbande den Killer Popeye. Er zwingt sie, ihm in die Unterwelt von Memphis zu folgen, wo sie alle Stadien menschlicher Erniedrigung und sexueller Hörigkeit erfährt. Umgeben von Korruption, Gewalt und Mord, kann sie sich der Faszination des Verbrechens nur schwer entziehen und empfindet das gewöhnliche Leben als langweilig. Acht Jahre später will sie, inzwischen verheiratet und Mutter zweier Kinder, ihre bürgerliche Existenz aufgeben und mit einem kleinen Gangster das Weite suchen. Da greift das schwarze Kindermädchen Nancy – die Nonne des Titels – unversehens ein. Ihre Tat veranlaßt Temple, die Vergangenheit nicht zu begraben, sondern ihre Schuld am Tod zweier Menschen zu bekennen und die Sühne zu akzeptieren. William Faulkners eindringliche Darstellung dieses Themas macht aus den Erlebnissen der Temple Drake nicht einfach die Geschichte eines „Collegegirls aus gutem Hause, das sein Schlußexamen in einem öffentlichen Haus in Memphis ablegte“, vielmehr vermittelt sie ein kritisches Bild vom sittlichen Verfall im tiefen Süden der USA und bestätigt die Fragwürdigkeit des Herrschaftsanspruchs der weißen Oberschicht.

William Faulkner wurde 1897 in New Albany, Mississippi, geboren; er starb 1962 in Oxford, Mississippi. Während des ersten Weltkrieges diente er beim kanadischen Royal Flying Corps. Nach kurzem Studium an der Universität von Mississippi versuchte er sich in verschiedenen praktischen Berufen und schrieb Gedichte und Skizzen. Die frühen Romane u. a. „Soldatenlohn“ (1926), „Moskitos“ (1927), „Sartoris“ (1929) brachten ihm weder bei der Kritik noch beim Publikum den verdienten Erfolg. Erst „Die Freistatt“ (1931) machte ihn berühmt. Mit Werken über den amerikanischen Süden wie „Schall und Wahn“ (1929), „Als ich im Sterben lag“ (1930), „Licht im August“ (1932), „Absalom, Absalom!“ (1936). „Requiem für eine Nonne“ (1951), der Snopes-Trilogie („Das Dorf“, 1940; „Die Stadt“, 1957: „Das Haus“, 1959) und zahlreichen Short Stories („These Thirteen“, 1931; „Dr. Martino and Other Stories“, 1934; „Das verworfene Erbe“, 1942; „The Collected Short Stories“, 1950; zweibändige Auswahl: „Dürrer September“, 1980; „Der Bär“, 1982) war sein Platz in der Weltliteratur gesichert. Faulkner erhielt 1950 den Nobelpreis; er wurde ein Jahr später Mitglied der französischen Ehrenlegion und wurde für „Eine Legende“ (1954) mit dem Pulitzer-Preis und dem National Book Award ausgezeichnet. Kurz vor seinem Tod erschien der Schelmenroman „Die Spitzbuben“.

Inhalt:
Die Freistatt
Vorwort
Seite 7
Requiem für eine Nonne
Erster Akt
     Das Gerichtsgebäude
      [Der Stadt einen Namen]
     Seite 301
Zweiter Akt
     Der goldene Dom
      [Anfang war das Wort]
     Seite 372

Lizenzausgabe des Verlages Volk und Welt, Berlin 1986 für die Deutsche Demokratische Republik
Mit einem Vorwort von André Malraux zu „Die Freistatt“
Einbandentwurf: Werner Klemke

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1986

18 März 2025

Alfred Wellm: Das Pferdemädchen

Buchanfang:
Manchmal träumte das Mädchen, es wäre eine ZIRKUSREITERIN. Es malte sich das alles lebhaft aus. Es hörte, wie die Peitsche die stille Luft durchfuhr, es sah tausend Menschen sitzen.
Vor allem aber sah es deutlich – das Wunderpferd. Das Pferd hatte eine rote Trense um und mancherlei anderes kunstvolles Lederzeug. Es war eine Schimmelstute. Mit nervösen Nüstern. Mit ungewöhnlich großen Augen. Der Nasenrücken war ein wenig eingebogen ...
Wenn das Mädchen träumte, vernahm es nicht, was ringsherum geschah. Manchmal trat die Mutter in die Stube und stellte eine Frage, aber das Mädchen hörte nicht, daß die Mutter mit ihm redete.
Das Mädchen hatte drei Geschwister. Wenn es aus der Schule kam, waren die kleinen Geschwister da, und es spielte dann mit ihnen.
Aber am liebsten ging das Mädchen zur Koppel hinunter. Dort war die Stute Raya. Manchmal stand die Stute drüben bei den Erlen und merkte nicht, daß das Mädchen kam. Das Mädchen legte dann die Hände hohl aneinander und pfiff zweimal. Die Stute hob sofort den Kopf. Sie ließ das Grasen und ging auf den Koppeleingang zu.
Es war ein altes Pferd.
Es hatte sich angewöhnt, während des Gehen den Kopf knapp über der Erde zu tragen, .........

Illustrationen Werner Klemke

Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1974
2. Auflage 1975
3. Auflage 1976
4. Auflage 1977
5. Auflage 19??
6. Auflage 1978
7. Auflage 1979
8. Auflage 1980
9. Auflage 1981
10. Auflage 1982
11. Auflage 1983
12. Auflage 1984
13. Auflage 1986
14. Auflage 1988
15. Auflage 1990

19 Januar 2025

Jorge Amado: Dona Flor und ihre beiden Ehemänner

Klappentext:
Wer ahnt die Sehnsüchte und Versuchungen der anmutigen Kochlehrerin Dona Flor, wenn sie mit gesenktem Blick durch Salvadors Straßen geht? Kein gelungenes Muschelragout, kein neues Rezept mit dem pikanten Dendêöl und vielen würzigen Zutaten vermag die junge Witwe aufzuheitern. Der Schmerz über den Verlust ihres Mannes Vadinho hält sie gefangen. Der leichtfertige Vadinho, Stammgast in Kneipen, Spielsälen und Freudenhäusern, war mitten im Bahianer Karnevalstreiben beim Sambatanzen tot umgefallen. Das sei die Strafe für so viel Ruchlosigkeit, eiferten die Gevatterinnen und Betschwestern. In der Tat, Vadinhos Lebenswandel war nicht exemplarisch. Seine Untugenden und lockeren Späße hatten jedoch, verglichen mit seiner Aufrichtigkeit, seiner ungezügelten Leidenschaft und seinen Zärtlichkeiten, wenig Gewicht. Jede Stunde mit ihm war für Dona Flor ein Fest der Freude.
Aber nun ist alles nur noch sorgsam gehegte Erinnerung. Selbst als das obligate Jahr der Trauer zur Neige geht, meidet Dona Flor die Schar der Freier. Doch letztlich – wer mag es ihr verdenken? – heiratet sie Dr. Madureira, einen soliden Apotheker. Ihr zweiter Gatte, aus anderem Holz als der Nichtsnutz Vadinho, ist ein Mensch mit Sinn für Prinzipien, Pflichterfüllung und Ordnung, der das traute Heim liebt und sein Weib feiertags mit kunstvollem Fagottspiel erfreut. Kurzum: Dr. Madureira ist ein musterhafter Gatte. Dona Flor könnte sich glücklich schätzen, kehrte da nicht unversehens Vadinho aus dem Jenseits zurück...
Dies ist die ergötzliche Geschichte einer jungen, begehrenswerten Frau, die zwischen zwei sehr verschieden gearteten Ehemännern steht. Mit hintergründiger Ironie wägt Jorge Amado in seinem meisterhaft geschriebenen Roman zwei Lebenskonzepte gegeneinander aus und entscheidet sich für das natürliche, ungezwungene Leben der einfachen Menschen Brasiliens.

Titel der brasilianischen Originalausgabe: DONA FLOR E SEUS DOIS MARIDOS
Aus dem Portugiesischen von Johannes Klare und Kristina Hering
Einbandentwurf: Werner Klemke

Jorge Amado: Ausgewählte Werke in Einzelausgaben
Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1970
2. Auflage 1971


Auch erschienen im Buchclub 65
Lizenz des Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1970

08 November 2024

Mahmûd Teimûr: Der gute Scheich

Buchanfang:
DER GUTE SCHEICH
Auf dem rechten Ufer des Chalilija-Kanals erhob sich in der Nähe des Dorfes Mahârîk eine unscheinbare kleine Moschee, der es trotz ihres bescheidenen Aussehens nicht an Gläubigen fehlte. Sie suchten sie täglich zu den fünf Gebeten auf, vor allem aber freitags. Dann waren die Nachzügler aus Platzmangel gezwungen, ihre Andachten außerhalb des Gotteshauses auf der Landstraße zu verrichten.
Die Zahl der Gläubigen wuchs ständig, denn der Imâm der Moschee, Scheich Na'îm, erfreute sich großen Ansehens. Die Bewohner der umliegenden Dörfer und der entfernteren Ortschaften sprachen voller Bewunderung von diesem verehrten Meister, von seinen eindringlichen Predigten und seiner tiefen Frömmigkeit. Sie erklärten übereinstimmend, seine Gebete stiegen geradenwegs zum Himmel auf und würden von dem Ewigen erhört. Daher erstrebten sie seinen Segen, und die weithin hallenden Worte, die aus seinem Munde kamen, erfüllten sie mit Glückseligkeit für dieses und das andere Leben.
Vor allem freitags nahmen zahlreiche Menschen die Strapazen eines langen Marsches in der Frühe auf sich, um sich einen Platz nahe der Kanzel zu sichern. Doch die Predigt und das Gebet allein hätten nicht genügt, diese verirrten Seelen anzulocken, .......

Inhalt:
Der gute Scheich 5
Ammi Mitwallî 18
Ein Mann von Welt 31
Der Mann, der stets auf der Suche nach einer Frau war 40
Im Paradies 48
Der literarische Parasit 59
Enttäuschung 66
Die Lebensversicherung 79
Bigamie 112
Wenn das Schicksal schlummert 132
Mutig 147
Das Gewissen des Bettlers 163
Nachbemerkung 171
Anmerkungen 173

Übersetzt aus dem Französischen von Karl Heinrich
Die Auswahl besorgte Monika Wegehaupt
Einbandentwurf: Werner Klemke

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1961  

13 März 2024

Horst Kunze: Im Mittelpunkt das Buch

Klappentext:
Für diesen Sammelband haben die Herausgeber 32 Aufsätze des hervorragenden Bibliothekswissenschaftlers Horst Kunze ausgewählt, die im Zeitraum von 1937 bis 1978 erschienen bzw. entstanden sind; darunter befinden sich vier bisher noch unveröffentlichte Manuskripte sowie zwei im Ausland gehaltene Vorträge, deren Drucklegung in Fachzeitschriften der UdSSR und der ČSSR vorgesehen ist.
Die 32 Aufsätze sind in drei Sachgebieten jeweils chronologisch geordnet: Literatur und Literaturwissenschaft, Buchwissenschaft, Bibliothekswissenschaft. 17 Beiträge befassen sich vorzugsweise mit Problemen der Buchwissenschaft, die in letzter Zeit ein Arbeitsschwerpunkt des Autors war. Unter den Beiträgen zur Bibliothekswissenschaft befinden sich auch solche, die sehr aktuelle Probleme der internationalen Bibliothekswissenschaft behandeln, wie Kooperationsbeziehungen, Buchmuseen, Pflege und Erschließung des kulturellen Erbes, Nationalbibliotheken.
Die Aufsätze spiegeln den engagierten Standpunkt des Autors wider, sein Verantwortungsbewußtsein und sein intensives Bestreben, die persönlichkeitsbildenden und -fördernden Potenzen der Literatur voll auszuschöpfen, allgemein bewußt zu machen und in breiten Kreisen die Liebe zur Literatur und zum Buch zu wecken. Seine Bemühungen um die Entwicklung einer modernen und nicht exklusiven Bibliophilie und um Hebung der Buchgestaltung und Buchkultur, die in den Aufsätzen immer wieder anklingen, gelten im Grunde genommen dem gleichen Ziel. Kunzes Auffassungen fordern und fördern aber auch neue, auf die vorhandenen und die potentiellen Leserschichten orientierte Haltungen seitens der Mitarbeiter im wissenschaftlichen Bibliothekswesen. Zu den charakteristischen, in den hier vorliegenden Texten belegten Bestrebungen des Autors zählen ferner die Erschließung unseres Erbes auf literarischem, buchkundlichem und bibliothekarischem Gebiet und die Vermittlung und Weitergabe seiner Berufserfahrung und Kenntnisse an Fachkollegen, besonders an den bibliothekarischen Nachwuchs.

Vorwort
Mit Freude haben sich Herausgeber und Verlag der Aufgabe unterzogen, dem 1974 unter dem Titel »Alles für das Buch« ebenfalls im VEB Bibliographisches Institut veröffentlichten Sammelband kleinerer Schriften des führenden Bibliothekswissenschaftlers der DDR, Prof. Dr. Horst Kunze, einen weiteren Auswahlband überwiegend verstreut erschienener Aufsätze folgen zu lassen und können damit wiederum eine Gabe zu Ehren des Autors – diesmal zu seinem 70. Geburtstag – vorlegen.
Horst Kunze hat nicht nur über 25 Jahre lang als Generaldirektor an der Spitze einer so bedeutenden Bibliothek wie der Deutschen Staatsbibliothek Berlin gestanden, sondern hat darüber hinaus in verantwortungsvollen Funktionen, als Direktor des Instituts für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information der Humboldt-Universität, als Initiator und erster Präsident des Bibliotheksverbandes der DDR, als Vorsitzender des Beirats für das wissenschaftliche Bibliothekswesen und die wissenschaftliche Information beim Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen der DDR und in vielen anderen Gremien, maßgeblich die Entwicklung des sozialistischen Bibliothekswesens in der DDR beeinflußt und mitbestimmt. Seine reiche Berufs- und Lebenserfahrung, seine umfassenden fachlichen Kenntnisse, die den jeweiligen Gegenstand stets dialektisch in seinen historischen und vielfältigen gegenwärtigen Bezügen sehen und behandeln, haben sich in seinen zahlreichen Veröffentlichungen niedergeschlagen. Wir sind überzeugt, daß auch die in diesem Band vereinten Arbeiten erkennen lassen, worum es dem Autor vordringlich ging: aus seinem gesellschaftlichen Verantwortungsbewußtsein heraus anderen Menschen das Buch und die Liebe zur Literatur nahezubringen, den persönlichkeitsbildenden und -fördernden Faktor der Literatur bewußt zu machen, den Zugang zum Buch zu erleichtern und die Freude am Buch zu wecken, gute Buchgestaltung zu fördern und damit wiederum der Buchvermittlung zu dienen. Neben der Förderung der sozialistischen Buchkultur zeichnet den Autor auch eine enge Bindung zum progressiven Erbe auf literarischem, buch- und bibliothekswissenschaftlichem Gebiet aus; er war stets bemüht, dieses Erbe für uns heute zu erschließen. Deshalb und nicht zuletzt durch die klare, verständliche und oft auch humorvolle Darstellungsweise des Autors wird der dem Buch verbundene Leser aus diesem Band Gewinn ziehen.
Eine ganze Generation heranwachsender junger Bibliothekare hat von Horst Kunze lernen dürfen. Im Namen aller, die durch die schriftliche oder persönliche Begegnung mit ihm bereichert wurden, gratulieren die Herausgeber dem Autor auf das herzlichste zur Vollendung des siebenten Lebensjahrzehnts und sind überzeugt, daß er weiterhin mit Rat und Tat und Anteilnahme das Buch- und Bibliothekswesen der DDR fördern und befruchten wird. Dazu wünschen wir ihm unverminderte physische und geistige Frische, Gesundheit und Lebensfreude.
Die Herausgeber

Inhalt:
Vorwort ...... 9
Literatur und Literaturwissenschaft
     Gutenberg in der schönen Literatur. 1937 ...... 15
     Man denkt so hin, man denkt so her ... 1947 ...... 35
     Warum schwieg Goethe? Eine Enthüllung. 1949 ...... 45
     Gedanken zum Kinderbuch und zu seiner Geschichte. 1967 ...... 50
     Über alte und neue Beispielsprichwörter. 1972 ...... 66
     Lothar Meggendorfer. 1974 ...... 76
     Otto Julius Bierbaum. 1975 ...... 82
Buchwissenschaft
     Rinaldo Rinaldini und die Nachdrucker. 1937 ...... 89
     Hans H. Bockwitz zum Gedenken. 1955 ...... 96
     Bibliophilie im Sozialismus. 1967 ...... 107
     Publikumsgeschmack und kulturelles Gewissen. 1967 ...... 139
     Vom Sammeln ohne Investitionsmittel. 1973 ...... 159
     Reprint – Nachdruck – Neudruck. 1973 ...... 179
     Was ist, was will, was soll Buchzier? 1973 ...... 186
     Leschilfen einst und jetzt. 1974 ...... 194
     Vom Glück des Büchersammelns. 1974 ...... 208
     Zu den Illustrationen der »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm. 1974 214
     Anregungen zur Kinderbuchgestaltung. 1975 ...... 232
     Wilhelm Bracke und wir. 1976 ...... 252
     Glanz und Elend der Buchillustration. 1976 ...... 263
     Vorläufige Bemerkungen zum Verhältnis von Buchwissenschaft und Kunstwissenschaft. 1977 ...... 292
     Über die Einflüsse des sowjetischen Kinder- und Jugendbuches auf die Entwicklung des Kinder- und                Jugendbuches in der DDR in den ersten Jahren nach 1945. 1977 ...... 298
     Der Schutzumschlag ist ein Werbeumschlag! 1978 ...... 309
     Die Auswahl »Schönster Bücher« ist gar nicht einfach. 1978 ...... 316
Bibliothekswissenschaft
     Warum in der Deutschen Staatsbibliothek cine Kinderbuchabteilung aufgebaut wurde? 1959 ...... 325
     Jaroslav Drtina zum Gedenken. 1967 ...... 336
     Lenin, die Bibliotheken und wir. 1970 ...... 344
     Der Bibliothekar gestern und heute. 1977 ...... 350
     Zur Bewahrung, Pflege, Erschließung und Verbreitung des kulturellen Erbes in Bibliotheken. 1977 ...... 354
     Kooperationsbeziehungen am Beispiel der Deutschen Staatsbibliothek. 1977 ...... 370
     Zur Funktion von Buchmuseen und ihr Verhältnis zu Bibliotheken. 1977 ...... 386
     Von nationalen Bibliothekssystemen und Nationalbibliotheken. 1978 ...... 397
Quellenverzeichnis ...... 410
Register ...... 417

Mit 36 Holzstichen von Werner Klemke
Herausgegeben von Friedhilde Krause und Renate Gollmitz

VEB Bibliographisches Institut Leipzig
1. Auflage 1980 

07 Februar 2024

Jorge Amado: Werkstatt der Wunder

Klappentext:
Bahia rüstet zum Jubelfest, um den hundertsten Geburtstag seines großen Sohnes Pedro Archanjo zu feiern. Zwar brachte es dieser Amateurgelehrte nur bis zum Pedell an der medizinischen Fakultät, doch hinterließ er, nach glaubwürdiger Versicherung des nordamerikanischen Forschers und Nobelpreisträgers James D. Levenson, ein einzigartiges Werk. Seine Studien über Volksbräuche und Rassenmischung in Bahia, nebst einem Traktat über Ursprung und Rezepte der Bahianer Kochkunst, werden nachträglich als Glanzleistung brasilianischer Wissenschaft anerkannt.
Spät, aber gottlob doch, erfährt Pedro Archanjo nun den Dank des Vaterlandes. Bahias Honoratioren gründen ein Festkomitee; die Universität plant ein Studienseminar über sein Werk; eine Straße, eine Schule und ein Literaturpreis sollen nach ihm benannt werden. Sein Name ist in aller Munde. Pedro Archanjo: ein Held, ein Muster an Tugend und Gelehrtensinn, schon zu Lebzeiten hochgeehrt, besonders von den Professoren der Universität, denen er ein anregender Diskussionspartner und Freund war ...
Ein gänzlich anderes Bild liefert nach redlichem Forschen der Poet und Bakkalaureus Fausto Pena: Pedro Archanjo war ein Bruder Leichtfuß und Frauenheld, der sich auf allen Volksfesten und Gelagen herumtrieb, am liebsten aber in der „Werkstatt der Wunder“ saß, in Meister Corrós Künstleratelier, wo er mit Freunden zechte und sich am grazilen Tanz der schwarzen Rosa de Oxalá ergötzte. Er war in der Tat ein Kenner des Bahianer Volkslebens, aber sehr zum Verdruß der verstockten Professorenschaft, mit der er ständig in Hader lag. Nach einem an Denkwürdigkeiten und Abenteuern reichen Leben wurde er von den Damen eines Freudenhauses zu Grabe getragen.
War er also doch kein exemplarischer Mensch, kein Held, dieser Pedro Archanjo? Wo liegt die Wahrheit? Jorge Amado berichtet vom Schicksal eines verkannten Menschen, dessen innere Größe und Leidenschaftlichkeit er dem Leser auf heiter-besinnliche Weise erschließt.

Inhalt:
 19  ..... Darüber, daß der Dichter Fausto Pena, Bakkalaureus der Gesellschaftswissenschaften, einen
             Forschungsauftrag erhielt und ihn ausführ te
 26  ..... Über die Ankunft des nordamerikanischen Gelehrten James D. Levenson in Brasilien, ihren Ablauf
             und ihre Folgen
 38  ..... Über den Tod Pedro Archanjos, Ojuobá, und seine Beisetzung auf dem Friedhof das Quintas
 60  ..... Über unseren Dichter und Forscher als poetisches Musterbeispiel eines Geliebten (und Gehörnten)
 69  ..... Wo es sich um berühmte und hochgestellte Leute handelt, um maßgebende, im allgemeinen
             hochgelehrte Intellektuelle
 89  ..... Über Karneval, Straßenschlägereien und anderen Zauber mit Mulattinnen, Negerinnen und einer
             Schwedin (die in Wahrheit eine Finnin war)
131  ..... Wie Fausto Pena, ein ungelehriger Streber, einen Scheck (einen kleinen), eine Lektion und einen
              Vorschlag erhält
135  ..... Wie die Verbrauchergesellschaft die Feierlichkeiten zum hundertsten Geburtstag Pedro Archanjos 
              förderte, indem sie aus seinem Ruhm Kapital schlug und ihm Sinn und Bedeutung verlieh
158  ..... Wo von Büchern, Thesen und Theorien, von Professoren und Troubadouren, von der Königin von
              Saba, der Gräfin und der Iaba erzählt wird und mitten unter so vielen Rätseln eine Frage bleibt und
              eine gewagte Meinung zum Ausdruck gebracht wird
205  ..... Worin Fausto Pena über seine Theatererfahrung und andere Kümmernisse berichtet
212  ..... Wo Pedro Archanjo Auszeichnung und Gegenstand einer Auszeichnung ist; von Dichtern,
              Werbeleuten, Lehrerinnen und dem fröhlichen Krokodil
227  ..... Über Pedro Archanjo Ojuobás Zivilschlacht und wie das Volk den Marktplatz besetzte
359  ..... Über Talent und Erfolg philosophierend, verabschiedet sich Fausto Pena – es wird auch Zeit
366  ..... Von einer Frage und einer Antwort
398  ..... Vom Ruhm des Vaterlandes
407 ..... „Vom geheimnisvollen und wirklichen Gebiet“
411  ..... Worterklärungen

Titel der brasilianischen Originalausgabe: TENDA DOS MILAGRES
Aus dem Portugiesischen von Kristina Hering
Einbandentwurf: Horst Hussel

Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe: ex libris

Einband 1. Auflage

1. Auflage 1972 [Ausgewählte Werke in Einzelausgaben; Einband: Werner Klemke]
2. Auflage 1978 [Ex libris]


Buchclub 65 [Lizenz d. Verl. Volk u. Welt]
1. Auflage 1972

27 Januar 2024

Mark Twain: Der Prinz und der Bettlerknabe – Eine Erzählung für große und kleine Leute

Eine Bande von Dieben und Räubern, ein wahnsinniger Einsiedler, ein tapferer, edler Ritter, unschuldig zum Tode verurteilte Frauen und Kinder, gute und hartherzige Bauern, grausame Gerichtsbeamte, geputzte Höflinge, Edelleute und Prinzessinnen ? das sind die Menschen, mit denen Tom und Edward die unglaublichsten und aufregendsten Abenteuer erleben. Wer aber sind Tom und Edward? Ist der kleine Prinz, dem ganz London zujubelt, wirklich der rechtmäßige Prinz von Wales? Warum will der Erzengel den armen, in Lumpen gehüllten Knaben töten? Und wer ist König Prahlhans? Wenn ihr das alles erfahren wollt, dann müßt ihr diesen spannenden historischen Roman lesen, in dem Mark Twain, einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller, die außergewöhnlichen Erlebnisse zweier Kinder erzählt.

Ich will ein Märchen für Euch niederschreiben, das mir von jemand erzählt wurde, der es von seinem Vater gehört hatte, und der wiederum hatte es von seinem Vater gehört und so reicht es weit zurück, dreihundert Jahre und weiter. Väter haben es ihren Söhnen überliefert, und die Söhne haben es in ihrem Gedächtnis bewahrt, Es mag eine geschichtliche Begebenheit sein, es mag auch nur eine Sage, eine Legende sein. Es mag sich so zugetragen haben, es braucht sich nicht so zugetragen zu haben, aber es kann sich so zugetragen haben. Es mag auch sein, daß die klugen und gelehrten Leute in alten Zeiten an diese Geschichte geglaubt haben; es mag aber auch sein, daß nur die Unwissenden und Einfältigen sie geliebt und Nutzen daraus gezogen haben.
Mark Twain

Buchanfang:
TOMS GEBURT
Etwa um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts wurde in der alten Stadt London an einem Herbsttage ein Knabe geboren. Sein Vater hieß John Canty und war ein Bettler. Die Familie war über die Ankunft des Kindes keineswegs erfreut.
Am gleichen Tage wurde in einem reichen und vornehmen Hause Londons ebenfalls ein Knabe geboren, der mit großer Freude begrüßt wurde. Sein Vater hieß Henry Tudor und war der König von England.
Das ganze Land hatte den Thronerben ersehnt, und als er nun tatsächlich da war, wurde das Volk vor Freude fast närrisch. Menschen, die sich nur flüchtig kannten, fielen sich in die Arme und weinten. Alle legten ihre Arbeit beiseite. Hoch und niedrig, reich und arm feierten und ließen es sich wohl sein. Es wurde getanzt und gesungen, und der Wein floß in Strömen. Tage- und nächtelang ging das so fort. Mit den bunten Fahnen, die von jedem Dach und jedem Balkon herabwehten, und mit den festlichen Umzügen, die kein Ende nahmen, bot London am Tage ein farbenfrohes malerisches Bild, und sobald es dunkelte, war die Stadt mit den riesigen Freudenfeuern, die an jeder Straßenecke flammten, und mit den vielen Gruppen fröhlicher Nachtschwärmer wiederum herrlich anzusehen. ......

Inhalt:
Toms Geburt ...... 7
Toms frühe Jugend ...... 9
Tom begegnet dem Prinzen seiner Träume ...... 16
Dem Prinzen ergeht es schlimm ...... 25
Tom Canty findet am Hofe des Königs keinen Glauben ...... 30
Tom bekommt gute Lehren ...... 40
Tom speist zum ersten Male als Prinz ...... 50
Das vermißte Staatssiegel ...... 55
Das Volksfest auf der Themse ...... 59
Der Prinz ist in eine Falle geraten ...... 63
Das Bankett in der Guildhall ...... 74
Der Prinz und sein Erretter ...... 80
Der Prinz verschwindet spurlos ...... 95
Der König ist tot! – Es lebe der König! ...... 101
Tom als König ...... 116
Das feierliche Mahl ...... 131
König Prahlhans der Erste ...... 135
Der König bei den Landstreichern ...... 149
Der König und die Bauersfrau ...... 159
Der König und der Einsiedler ...... 167
Hendon kommt, um den König zu retten ...... 175
Der König wird in eine Falle gelockt ...... 181
Der König soll ins Gefängnis ...... 188
Hendons Plan gelingt ...... 193
Hendon Hall ...... 197
Miles wird um sein Eigentum gebracht ...... 207
Im Kerker ...... 213
Miles nimmt die Strafe des Königs auf sich ...... 227
Miles und der König reiten nach London ...... 232
Tom Canty soll zum König gekrönt werden ...... 235
Tom hat eine Begegnung ...... 239
Tom und Edward sehen sich wieder ...... 247
Edward der Sechste als König ...... 263
Gerechtigkeit und Vergeltung – Ein Nachwort ...... 273

Farbtafeln, Schutzumschlag, Einband von Werner Klemke
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Ruth Gerull-Kardas
Für Leser von 12 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin

1. Auflage 1956
2. Auflage 1957
3. Auflage 1958
4. Auflage 1964
5. Auflage 1965
6. Auflage 1966

26 Januar 2024

B. Traven: Trozas

Travens Buch atmet die Exotik eines fremden Erdteils. Gefährlich in seinem sonnenlosen Grün liegt der Urwald.   Doch der Mensch dringt auch in dieses undurchdringlich scheinende Dickicht ein. Die Luxusläden in Paris und New York brauchen für ihre verwöhnte Kundschaft Edelhölzer  – vor allem Mahagoni. Die wenigsten Käufer werden wissen, woher das Holz ihrer Schreibtische stammt, wer es schlug. Einfache, blutarme Indios sind es, die mitten   im Dschungel als Holzfäller leben – weit ab von ihren heimatlichen Dörfern. Dort sitzen die Eltern, denen die letzte Kuh starb und  die in Schulden gerieten; für sie oder für eine schwarzhaarige Braut muß Geld beschafft werden.

Buchanfang:

„Ytu, como te llamas?“ fragte der Contratista, Don Remigio Gayosso, den jungen Tseltal-Indianer, vor dem er stand.
„Andres Ugaldo, su humilde servidor!“ antwortete der Bursche höflich.
„Bueno. Y de que sabes trabajar, muchacho? Welche Art von Arbeit hast du bisher verrichtet? Machete-
Arbeit? Oder gearbeitet mit der Hacha, mit der Axt?“
„No, Patron, ich habe für Don Laureano in Socton mehrere Jahre als Carretero gearbeitet.“
„Dann verstehst du, gut mit den Ochsen zu arbeiten?“
„Si, Patron, muy bien.“
„Boyero!“ sagte Don Remigio, sich an den Capataz, den Aufseher, wendend, der ihm wie ein Feldwebel mit einem Notizbuch in der Hand folgte. Der Capataz pokte sein Stückchen zerkauten Bleistift in den Mund, betrachtete dann die stumpfe Spitze eine Weile und sagte endlich: „Name, puerco sucio, du dreckiges Schwein?“
„Andres Ugaldo.“
„Su humilde servidor, jefe! setzest du hinzu, wenn ich dich nach deinem stinkigen Namen frage, du im Mist geborener Wurm. Verstehst du? Noch mal. Name?“
„Andres Ugaldo ist mein Name“, sagte der junge Indianer, dem Aufseher hartnäckig die Höflichkeitsphrase verweigernd, die er dem Contratista freiwillig geboten hatte. Der Contratista, der eigentliche General hier, hätte gar keinen Wert darauf gelegt und nicht ein Wort darüber verloren, wenn ihm der Bursche einfach den Namen genannt haben würde, ohne eine Ehrenbezeigung in Worten hinzuzufügen. Es ist immer nur das winzige menschliche Piepsken, das von einem Untergebenen und Wehrlosen die steifste Ehrenbezeigung unerbittlich verlangt, weil es sich über seine wahre Würde nicht im klaren ist und darum nicht im klaren sein kann, weil es so wenig davon besitzt. Wer nie vergißt, seine Medaillen auf die Brust zu kleben, ist seiner Verdienste nicht ganz sicher. „Wie heißt du, du Stinktier?“ brüllte der Capataz.
„Andres Ugaldo.“
„Ihr sehr untertäniger Diener, mein Herr! fügst du hinzu, wenn ich dich frage!“ schrie der Capataz und wurde tiefrot im Gesicht. „Noch mal. Wie heißt du, du Schwein?“
„Andres Ugaldo von Lumbojvil.“ Der Bursche verzog keine Miene in seinem Gesicht. Er stand ruhig da, als wäre er aus braunem Holz geschnitzt. Selbst im Blick seiner dunklen Augen zeigte er weder Furcht noch Erregung. Kalt und fest heftete er seinen Blick auf das Gesicht des Capataz, das vor Wut aufzuplatzen schien. „Dir werde ich schon das blinde Gehorchen beibringen, du Kröte, warte nur, wenn wir erst einmal allein und unter uns sind, ich und du“, sagte der Aufseher, während er den Namen in sein Notizbuch schrieb und in die nächste Rubrik hinzufügte: Boyero.
Boyero war Ochsenknecht.
Als er geschrieben und einige Minuten lang sein Geschriebenes mit Wohlwollen betrachtet hatte und sehr stolz darauf war, so schön und schwungvoll schreiben zu können, blickte er auf und sah Andres an. Er gedachte ihm gerade eine weitere kräftige Warnung für die Zukunft in das Gesicht zu brüllen, als Don Remigio ihn rief: „Hei, Ambrosio, du gottverfluchter Lepero, Hund von einem Faulenzer, wo steckst du denn mit deiner gottverdammten Schreiberei? Komm hierher und schreibe hier den Muchacho auf. Hat im Holz gearbeitet mit der Axt. Den nächsten notierst du als Machetero. Sagt, er kann tüchtig mit dem Machete arbeiten. Vier Wochen nur, dann geben wir ihm die Axt.“
 „A sus ordenes, jefe“, rief der Capataz sofort, als er angerufen wurde, und sprang pflichteifrig mit einem Satz hinter seinem Herrn her. Bin schon hier, Don Remigio, und stets zu Ihren hochgeschätzten Befehlen.“
„Schreib schon und prassele nicht so viel Quatsch. Mach voran, du Esel. Jede Stunde hier unnötig verbracht, kostet mich einen Sack teures Geld. Himmel und Hölle, Madre Santisima en el lado de Dios, warum habe ich mich je dazu verdammen lassen, Caobakontrakte zu übernehmen! Jeder Tag hier in dieser Wildnis, unter den Barbaren kostet mich ein volles Jahr meines schönen und gesunden Lebens. .........

Einbandentwurf: Werner Klemke

Verlag Volk und Welt, Berlin

1. Auflage 1954
2. Auflage 1955  

21 Dezember 2023

Jorge Amado: Das Land der goldenen Früchte

Vor ihm liegt das Meer, unaufhörlich branden die Wellen gegen den Strand. Carlos Zude vernimmt in seinen von Berechnungen und Spekulationen erfüllten Nächten dieses ewige Rauschen. Manchmal schweifen seine Gedanken ab, zu den riesigen Kakaoplantagen, die einsam und still hinter dem Fluß und den Hügeln liegen. Carlos Zude kennt sie kaum. Er besucht sie nur, wenn deren Besitzer ihn als Freund und Kunden zu einer Hochzeit oder Kindtaufe einladen. Und jedesmal bestaunt er mit den Augen des Städters die ungeheure Weite der Pflanzungen, wo Baum an Baum goldene Früchte trägt, die den Reichtum des Landes bedeuten. An solchen Tagen kommt er sich klein und vergänglich vor, ohne tiefere Bindung an diesen Boden. Er, der Geschäftsmann und Exporteur, ist in der Welt des Kakaos lediglich ein Vermittler, angewiesen auf die Gunst der Plantagenbesitzer. Er hat hier erst spät Fuß gefaßt, doch will er selber Wurzeln schlagen in dieser schwarzen, fruchtbaren Erde, will er selber Plantagen besitzen. Und er faßt einen Plan.
Fast über Nacht erzielt der Kakao – recht unerklärlich für viele – märchenhafte Preise. Ilhéus, die Metropole der Region, verwandelt sich in einen Ort bedenkenloser Verschwendung. Mit vollen Händen geben die Pflanzer ihr Geld aus. Carlos Zude aber rechnet, spinnt seine Netze, um reiche Ernte zu halten, wenn für seine Kontrahenten der Tag des bösen Erwachens gekommen ist. Mit der Sachlichkeit und verhaltenen Leidenschaft des Chronisten schildert Jorge Amado in diesem Roman den gesellschaftlichen Umbruch in einer der fruchtbarsten Regionen Brasiliens. Das bereits in „Kakao“ gestaltete Epos der heroischen Landnahme verkehrt sich hier zur tragikomischen Farce.

Schutzumschlag: Werner Klemke

Ausgewählte Werke in Einzelausgaben

Titel der brasilianischen Originalausgabe: São Jorge dos Ilhéos
Aus dem Portugiesischen von Roland Erb

Verlag Volk und Welt, Berlin

in der Neuübersetzung aus dem Portugiesischen von Roland Erb
1. Auflage 1978

in der Übersetzung von Herbert Bräuning
nach der französischen Ausgabe „La Terre aux Fruits d´Or“

1. Auflage 1953
2. Auflage 1953
3. Auflage 1955
4. Auflage 1957
5. Auflage 1962

auch erschienen als:
Roman-Zeitung ; 1952, Nr 11 = 41
1. Auflage 1952  

19 Mai 2023

Tobias Smollett: Die Abenteuer Roderich Randoms

Roderich Random ist ein Held, der stets vor neuen Schwierigkeiten steht. Die Hürden jedoch, die sich vor ihm aufbauen, nimmt er mit Humor und Sarkasmus. – Smollett erzählt mitreißend und mit Tempo. Was er sagt, ist manchmal derb. Immer aber sagt er die Wahrheit.

Klappentext
Ein Leben in guten, gesicherten Verhältnissen stand ihm bevor: Roderich Random, Sohn einer begüterten schottischen Familie. Aber dann kam alles ganz anders. Eine Familienintrige beraubt ihn seines Erbes, und Roderich Random steht plötzlich auf der Straße, mit nichts in der Tasche, aber mit dem festen Vorsatz im Kopf, so oder so sein Glück zu machen. Er versucht es mit diesem Beruf und mit jenem, wird schließlich Schiffsarzt, nimmt an mehreren Kriegen teil und macht eine schlimme Erfahrung nach der anderen. Er verliert, was er sich erwirbt, nur seinen Humor erhält er sich. Nach den Jahren bei der englischen Flotte gerät er in Schauspieler- und Literatenkreise, besteht die verschiedensten Liebesaffären genauso gut wie die Haft im Schuldgefängnis. Und endlich, nach vielen Prüfungen, findet er doch zu dauerhaftem Liebesglück und zu Wohlstand.

Buchanfang
APOLOG
Ein junger Maler verfertigte in einer Anwandlung von lustiger Laune eine Art Genrebild, worauf sich ein Bär, eine Eule, ein Affe und ein Esel befanden. Um sein Gemälde auffallender, launiger und moralischer zu machen, charakterisierte er jede Figur durch ein Emblem aus dem Menschenleben.
Dem Petz gab er die Tracht und die Stellung eines alten, zahnlosen und betrunkenen Soldaten; der Uhu hockte auf dem Henkel eines Kaffeetopfs mit einer Brille auf der Nase und schien Zeitung zu lesen; und der Esel saß, mit einer sehr stattlichen Allongeperücke ausgeschmückt (die dennoch seine langen Ohren nicht verbergen konnte), einem Affen Modell, der mit Malergerätschaften versehen war.
Die possierliche Gruppe machte lachen und erhielt allgemeinen Beifall, bis ein arger Schalk den Wink fallen ließ, das Ganze sei ein Schmähwerk auf die Freunde des Künstlers. Kaum war diese Äußerung laut geworden, als eben die Leute, die vorher dem Stücke Beifall gegeben hatten, unruhig zu werden begannen, ja sich sogar einbildeten, sie wären mit den Figuren im Gemälde gemeint.
Unter anderen erschien ein würdiger bejahrter Mann, der in der Armee mit vielem Ruhm gedient hatte, höchst aufgebracht über die vermeinte Beleidigung in dem Logis des Malers, den er zu Hause fand. „Hör Er, Herr Affenkopf“, sagte er zu ihm, „weiß Er wohl, daß ich nicht übel willens bin, Ihm zu zeigen, daß Bruder Petz wohl seine Zähne, aber nicht seine Tatzen verloren hat? So betrunken bin ich noch nicht, um nicht Seine Unverschämtheit einzusehen. Beim Element! die Kiefer ohne Gebiß sind 'n verdammt skandalöses Schmähwerk. Aber bildet Euch nicht ein, daß, weil ich alle Hauer verloren habe, nicht mehr um mich herumhauen kann.“
Hier wurde er durch die Ankunft eines gelehrten Arztes unterbrochen, der mit wütendem Blick auf den Angeklagten losstürzte und rief: „Weil der Esel große Ohren hat, so soll der Pavian kleinere haben, meint Ihr etwa? Nur keine Ausflüchte und Winkelzüge gesucht. Beim Barte des Äskulap! Da ist kein Haar in dieser Perücke, das nicht zum Zeugnis dafür aufstehen wird, daß du mich persönlich gemißhandelt hast. – Sehen Sie nur, Herr Hauptmann, wie das armselige Wichtchen die Locken ganz akkurat kopiert hat. Die Farbe ist zwar freilich anders, aber ihr Bau wie auch das Toupet sind sich völlig gleich.“
Indem er dies mit mächtig lauter Kehle erwies, trat ein ehrwürdiger Ratsherr herein. Er watschelte auf den Delinquenten zu und rief: „Ich will dir Meerkatzengesicht zeigen, daß ich mehr kann als Zeitungen lesen, und zwar ohne Hilfe einer Brille. Da ist eine Handschrift von dir, Bürschchen. Hätt ich dir damals das Geld nicht vorgeschossen, so würdest du selbst einer Eule geglichen haben, da du bei Tage dein Gesicht nicht hättest zeigen dürfen, du undankbarer, ehrenschändrischer Bube!“
Umsonst erklärte der erstaunte Maler, es sei nicht im geringsten seine Absicht gewesen, irgendein Individuum zu beleidigen oder dessen Charakter zu schildern. Allein die drei Männer behaupteten, die Ähnlichkeit sei nur zu sehr in die Augen fallend, das lasse sich gar nicht ableugnen, und beschuldigten ihn der Unverschämtheit, der Bosheit und der Undankbarkeit. Da das Publikum ihr Geschrei hörte, so blieb der Hauptmann ein Petz, der Doktor ein Langohr und der Senator ein Uhu all ihr lebelang.
Christlicher Leser, ich bitte dich um Gottes Barmherzigkeit willen, erinnere dich dieses Beispiels, indes du die folgenden Bogen durchläufst, und suche nicht dir zuzueignen, was ebensogut einigen hundert Menschen zugehört. Wenn du auf einen Charakter stoßen solltest, der dich in irgendeinem nicht günstigen Lichte zeigt, so geh bei dir zu Rate und erwäge, daß ein Zug kein Gesicht ausmacht und daß, wenn du dich vielleicht durch eine unförmige Nase auszeichnest, zwanzig von deinen Nachbarn in ebendem Falle sein mögen.


Titel des englischen Originals: „The Adventures of Roderick Random“
Nach der Übersetzung von W. Chr. S. Mylius (1790), sprachlich erneuert und ergänzt
Mit einem Nachwort von Rolf Recknagel
Illustrationen von Werner Klemke

Verlag Neues Leben
[Diese Ausgabe erscheint mit freundlicher Genehmigung des Verlages Volk und Welt, Berlin]*

1. Auflage 1978

*Im Verlag Volk und Welt Berlin erschienen:
illustriert von George Cruikshank
1. Auflage 1952
2. Auflage 1954

15 April 2022

Harriet Beecher-Stowe: Onkel Toms Hütte

Irgendwo in Kentucky steht eine kleine Hütte, in welcher der N***sklave Tom mit seiner Familie lebt. Er gehört einem guten Herrn und ist verhältnismäßig glücklich und zufrieden. Doch plötzlich bricht das Unglück über ihn und seine Lieben herein. Sein Besitzer, der in Schulden geraten ist, verkauft ihn schweren Herzens an einen gewissenlosen Sklavenhändler aus den Südstaaten. Und nun beginnt Toms Leidensweg, der damit endet, daß er auf einer Baumwollplantage zu Tode gepeitscht wird.

Dieses Buch erregte vor mehr als hundert Jahren in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen. Die Anklage gegen die Urheber des unsagbaren Elends der versklavten N*** rührte an das Gewissen jedes anständigen Menschen und riß breiteste Kreise aus ihrer Gleichgültigkeit. Besonders aber die Herzen der jugendlichen Leser aller Länder schlugen warm für Onkel Tom und seine schwarzen Leidensgenossen.

Verlag Neues Leben Berlin 1978
Illustrationen: Werner Klemke

 

06 März 2021

Rudolf Chowanetz: Liebe – Geschichten von Boccaccio bis Böll

 Es war einmal eine verwunschene Fee. Liebe allein konnte sie erlösen. Doch der Weg zu ihrem Herzen findet sich schwer, denn nur einem Liebenden zeigt sie ihr wahres Gesicht. 
Ein Junge und ein Mädchen lebten viele Jahre in freundlicher Nachbarschaft. Erst Rettung aus höchster Not lässt sie einander als Braut und Bräutigam erkennen.
Ein Schneesturm spielt Zufall und führt den Mann zur Frau, die er im Spiel des Augenblicks geheiratet hat. Und ein leidenschaftlicher Jüngling unterdrückt seine Zuneigung, geht in die Welt hinaus und überlässt die Frau, die er liebt, seinem Bruder, um dessen Glück nicht im Wege zu stehen.

So und anders beginnen und enden die fünfzig Geschichten dieser Sammlung: wunderbare, einfache, verwirrende, unentwirrbare, glückvolle und tragische Begebenheiten zwischen den Menschen. Geschichten großer Autoren aus verschiedensten Ländern und Zeiten – von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Hier finden wir Kurzgeschichten vieler weltbekannter Autoren, wie z.B. Boccaccio, Goethe, Puschkin, Schiller, Brentano, Poe, Mörike, Andersen, de Maupassant, Balzac, Zola, Tschechow, Stevenson, Tolstoi, Gorki, Rilke, Traven, Hemingway, Nexö, Böll …

Verlag Neues Leben, 1. Auflage, 1985
Illustrationen von Werner Klemke.

04 März 2021

Eduard Bass: Klapperzahns Wunderelf

 Es war einmal ein armer Mann, der hatte elf Söhne: Klapperzahn. Und da er neben seinem Häuschen eine Wiese, sonst aber gar nichts hatte, von der Sorge abgesehen, was aus seinen Söhnen einmal werden könnte, verkaufte er seine einzige Ziege für zwei Bälle und machte aus seinen Jungen eine Fußballmannschaft. Er trainierte fleißig mit ihnen, ließ sie laufen, springen und viele Übungen ausführen - Tag für Tag, drei Jahre lang. Und weil sie so zielstrebig übten, bescheiden blieben und ein verschworenes Kollektiv waren, wurden sie bald berühmt; kein Gegner konnte sie aufhalten. So zogen sie durch das Land und dann auch durch die Welt. Was sie da alles erlebten...

Es war einmal ein Mann, der alle diese Erlebnisse aufschrieb. Vor mehr als 50 Jahren! Als es noch gar keine Fußballweltmeisterschaft gab! Dem verdanken wir diese spannenden Abenteuer von Klapperzahns Wunderelf. Wie viele Leser schon mit dieser märchenhaften Mannschaft bangten, sich mit ihr freuten, sie bewunderten, sich amüsierten, weiß genau keiner zu sagen. Daß es aber künftig noch viele tun werden, dafür bürgt die reizvolle Geschichte von Klapperzahns Wunderelf.

Sportverlag Berlin, 4. Auflage 1980
Übersetzung aus dem Tschechischen
Illustrationen, Einband und typographische Gestaltung: Werner Klemke

08 Januar 2021

Adelheid Wette und Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel


 Eine illustrierte Geschichte für kleine und große Leute nach der gleichnamigen Märchenoper von Adelheid Wette und Engelbert Humperdinck.



Edition Peters Leipzig
Illustrationen und Gesamtgestaltung: Werner Klemke

13 November 2020

Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

 Der 1000. Beitrag



Kinder- und Hausmärchen nannten die Brüder Grimm vor hundertfünfzig Jahren ihre Märchensammlung. Diese Märchen sind seither zum Besitz unzähliger Kinder, sie sind zu einem wahren Hausschatz geworden. Generationen erfreuten sich an ihrem unvergänglichen Zauber und an ihrer tiefen Weisheit. Ihre Schönheit ist lebendig geblieben bis in unsere Zeit. Achtzig der beliebtesten und bekanntesten Grimmschen Märchen wurden in diesem Band zusammengestellt. Professor Werner Klemke hat sie neu ins Bild gesetzt mit Illustrationen, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen entzücken. Zwölf doppelseitige Tafeln in sechs Farben hat er dafür geschaffen und mehr als vierhundert Schwarzweißbilder. So ist ein Buch entstanden, das kleinen und großen Leuten ein guter Begleiter sein wird und das auf keinem Bücherregal fehlen sollte.


Werner Klemke hat vor rund 50 Jahren das Licht von Berlin-Weißensee erblickt. Es muß ihm gefallen haben. Er wohnt noch heute dort. Sein Vater war Tischler. Vielleicht ist das die Ursache für Klemkes Liebe zum Holzschnitt. In Holzschnitt, Aquarell, Tusche, Kreise, in allen erdenklichen Techniken illustriert dieser weit über Deutschlands Grenzen bekannte Grafiker Bücher für Kinder und erwachsene Leute. Er malt Plakate, arbeitet für Zeitschriften, ist Professor an der Hochschule für Bildende Kunst, Mitglied der Akademie der Künste und findet noch Zeit, seinen vier Kindern Märchen und Geschichten vorzulesen.

Klemke liebt Kinder. Er kennt ihre Welt und ihre Wünsche. Sein Verständnis für den Reichtum der deutschen Märchen ist tief und echt. Er hat wunderschöne Illustrationen zu den Märchen der Brüder Grimm geschaffen.


Der Kinderbuchverlag Berlin, 21. Auflage 1985
Illustrationen: Werner Klemke
23,50 Mark


Buchvorstellung von Hans-Georg Fischer, der leider verstorben ist:

Heute möchte ich über ein Märchenbuch schreiben, welches mich durch meine Kindheit begleitet hat.

Es ist also nicht EIN sondern DAS Märchenbuch. Zum Glück ist es in der bundesdeutschen Verlagsszene wieder neu aufgelegt worden.

Diese Sammlung der von Grimms Märchen, verbunden mit den einzigartigen Illustrationen von Werner Klemke, ist wohl einzigartig. Die Verbindung Text / Bild ist vollkommen gelungen. Und wenn ich heute ein Märchen höre, sehe ich sofort vor meinem geistigen Auge die entsprechende Illustration. Genial!

Ein schönes Märchenbuch zum Vorlesen und zum Ansehen. Für Kinder ist es aber erst, meiner Meinung nach, ab dem sechsten Lebensjahr geeignet. Die Märchen sind gekürzt und überarbeitet. In dem Buch setzt sich der Autor dann kindgerecht im Text und den entsprechenden Bildern mit dem Thema auseinander und wird dann unweigerlich zum Begleiter von Kindheit und Jugend und ist auch heute ein MUSS für jeden Märchenfreund.

Es gibt sicherlich sehr viele verschiedene Märchenbuchausgaben, diese jedoch ist mir die allerliebste.

Hans-Georg Fischer, 06618 Naumburg

16 Oktober 2020

Hans Marquardt (Hg.): Die Verlobung - Deutsche Liebesgeschichten aus sechs Jahrzehnten


 Dieses Buch handelt nicht ausschließlich von den Angelegenheiten des Herzens. Private Schicksale enthüllen sich als vornehmlich gesellschaftliche Ereignisse, die unlösbar mit den empfindsamen Begegnungen, von denen hier erzählt wird, verwoben sind. Berichtet wird von der guten, alle Widerstände überwindenden Liebe zwischen Karl und Anna - von jener unguten, zerstörenden Liebe, wie sie uns in der Geschichte von der buckligen Hölleisen-Gretl entgegentritt. Mit feiner Ironie und dem Willen zur letzten Einfachheit, die hohes Künstlertum erfordert, schildert uns Thomas Mann die Bemühungen Baronin Annas um die Zuneigung ihres Mannes, den sie "feig und elend liebte, obgleich er sie betrog und täglich ihr Herz mißhandelte". Der Bogen unserer Anthologie spannt sich von Heinrich Manns "Eine Liebesgeschichte" bis zu Anna Seghers' Erzählung "Der Mann und sein Name", von der äußerst kritisch gemusterten wilhelminischen Ära bis in die sozialistische deutsche Gegenwart. Schöpfte der große bürgerliche Realist seinen Stoff noch aus dem "bürgerlichen Heldenleben", so die sozialistische Erzählerin den ihren aus der Erlebnissubstanz einer Welt, wo das persönliche Glück nicht mehr gegen den gesellschaftlichen Anspruch in Schutz genommen werden muß, wo Individuelles und Gesellschaftliches einander bedingen.

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 6., veränderte Auflage 1980
Illustrationen: Werner Klemke

06 Oktober 2020

Fred Rodrian: Das Wolkenschaf



Das Wolkenschaf ist auf die Erde gefallen. Christine findet es und hat mit ihm viel Mühe. Zirri isst nicht und will auch nicht spielen. Es sehnt sich zurück zu seinen Geschwistern. Christine überlegt: Wer kann helfen?

Kinderbuchverlag, Berlin; 1958
3. Auflage, 1960; 32 Seiten
 Illustrationen von Werner Klemke

Fred Rodrian: Hirsch Heinrich



Hirsch Heinrich kommt aus einem Wald in China in einen deutschen Tierpark. Weil alle Leute gut zu ihm sind, überwindet er sein Heimweh. Doch dann steht Weihnachten vor der Tür und die Besucher werden immer weniger. Da springt Hirsch Heinrich über das Gatter seines Geheges und macht sich auf den langen Weg nach China.

Kinderbuchverlag, Berlin; 1960
8. Auflage, 1974; 40 Seiten
 Illustrationen von Werner Klemke

05 Juni 2020

Jurij Brězan: Die schwarze Mühle



Krabat hat von der Truhe mit den sieben Schlössern gehört, in der die sieben Bücher des Wissens liegen. Obwohl es heißt, daß ein böser Wolf sie bewache, macht der junge Bursche sich auf, um sie zu suchen. Als Krabat erfährt, daß die Truhe in der Schwarzen Mühle steht, verdingt er sich als Müllerknecht, erlebt die Macht und den bösen Zauber des Müllers und erkennt in ihm den Wolf, den er besiegen muß, wenn er sein Ziel erreichen will. In welcher Zeit und in welcher Gestalt sich beide auch immer gegenüberstehen: Sie kämpfen auf Leben und Tod.
Eine Geschichte, reich an Weisheit und Phantasie, die von dem bekannten Buchgestalter Professor Werner Klemke mit mehrfarbigen Zeichnungen illustriert wurde.

Verlag Neues Leben Berlin
5. Auflage, 1980
Mit sechsfarbigen Illustrationen von Werner Klemke


Rezension von Hans-Georg Fischer, Naumburg
Fischers Bücherstube Freyburg

Dieses Buch ist eine frühere und vor allem andere Version der Krabat-Geschichte, welche vielen von Ottfried Preußler bekannt ist. Die Geschichten beider Autoren sind eigenständige Geschichten, die lediglich ihren gemeinsamen Ursprung in der bekannten sorbischen Sage haben.

Jurij Brězan kommt wesentlich klarer auf den Punkt und schildert in wunderbare Sprache die Entwicklung des Krabat. Trotz der eher philosophischen Führung, bleibt das Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Für mich ist es schade, dass der Jurij Brězan weitestgehend unbekannt ist und es das Buch von Ottfried Preußler zum Schulstoff geschafft hat. Wer den Preußler gelesen hat, sollte den Brězan unbedingt ebenfalls lesen. Oder umgekehrt. Wie auch immer: Es ist auf jeden Fall interessant, diese beiden unterschiedlichen Bücher zum gleichen Thema zu lesen und dabei zu erleben, wie sich diese ergänzen.

Der Waisenjunge Krabat ist sehr wissbegierig und wird bald zum Lehrling in einer Zaubermühle. Doch der Müllermeister erweist sich als ein sehr gefährlicher Zauberer, der nicht davor zurückschreckt, seine Lehrlinge zu opfern.

Hans-Georg Fischer, Naumburg

Fischers Bücherstube Freyburg