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13 August 2025

Lilo Hardel: Das schüchterne Lottchen

Buchanfang:
Mutti geht zur Arbeit
Lottchen Klinke brauchte nur über den Treppenflur zu gehen, dann war sie vor der Wohnungstür der Frau Heinefetter; denn Frau Heinefetter war die Nachbarin der Familie Klinke.
Jeden Morgen war es das gleiche: Lottchen stand oben auf dem Treppenflur und weinte. „Wann kommst du wieder, Mutti? Mutti, wann kommst du wieder?“ Sie schluchzte, und die Brötchen auf dem Teller, den sie in der Hand hielt, rutschten hin und her, und die Katze, die sie unter dem Arm hatte, mauzte.
Frau Klinke ging zu ihrer Arbeit. Sie war schon fast unten. Sie hatte es eilig; denn sie wollte nicht zu spät kommen. „Weine nicht, Lottchen“, rief sie hinauf. „Ich komme ja um fünf Uhr zurück – wie jeden Tag! Sei lieb, Lottchen, weine nicht.“
Dann öffnete Frau Heinefetter ihre Tür und nahm Lottchen in den Arm. Sie brachte sie in ihre Küche und tröstete sie. „Jetzt wird erst einmal gefrühstückt, Fräulein Klinke“, und sie hob Lottchen auf einen Küchenstuhl. Frau Heinefetter nahm eine Tasse mit warmer Milch vom Herd, stellte sie neben Lottchens Frühstücksteller und wischte ihr mit einem großen Taschentuch die Tränen von den Bäckchen. „Deine Mieze ist auch hungrig“, sagte sie, nahm die Katze und setzte sie auf die Erde.
Wenn die Katze ihren Brei von der Untertasse schleckerte und Frau Heinefetter sich neben Lottchen an den Tisch gesetzt hatte, griff Lottchen zu ihrem Brötchen und biß hinein. „Mutti kommt ja wieder!“ Sie seufzte noch einmal und beugte sich zu der Katze hinunter. „Du mußt fressen und artig sein.“ Und während sie ihre Milchtasse nahm, fragte sie: „Nicht wahr, Tante Heinefetter, Mutti kommt wieder?“ Und Frau Heinefetter nickte. „Ja, mein Kind, um fünf Uhr ist Mutti wieder hier.“

Lottchen spielt allein
Frau Heinefetter war eine alte Frau. Sie hatte ein rundes Gesicht, eine kleine, dicke Nase und liebe Augen. Ihr Gesicht hatte viele Runzeln, und ihr Haar war weiß. Sie war sehr klein.
„Warum bist du so klein?“ hatte Lottchen gefragt.
Aber Tante Heinefetter wußte das auch nicht. Sie erzählte Lottchen, daß sie früher, als sie noch jünger war, nicht ganz so klein gewesen sei. „Man wird kleiner, wenn man alt wird.“ Aber so groß wie Mutti war Tante Heinefetter nie gewesen; denn man wird nur ein bißchen kleiner, wenn man alt ist.
Lottchen ging jeden Morgen zu Frau Heinefetter und blieb dort, bis ihre Mutter wiederkam. Wenn Frau Heinefetter mit dem Aufräumen der Wohnung fertig war, nahm sie Lottchen mit zum Einkaufen. Sie gingen beide, Hand in Hand, langsam die Straßen entlang und sahen beim Bäcker, beim Fleischer, beim Gemüsemann und im Lebensmittelkonsum nach, was es Gutes zu essen gab. Lottchen nahm ein Henkelkörbchen, weil sie beim Tragen helfen wollte. Frau Heinefetter trug ihre große, lederne Tasche, die seit vielen Jahren zum Einkaufen diente; denn die Mutter von Frau Heinefetter hatte schon mit dieser Tasche eingekauft, so alt war sie. Man sah es ihr auch an.
Das Leder war vom vielen Gebrauch blank und am oberen Rand dünn und abgenutzt, und an drei Stellen war sie mit hellen Lederstücken geflickt.
Frau Heinefetter liebte ihre alte Tasche, und Lottchen konnte das gut verstehen.
„Eigentlich wollte ich heute Reis mit Backobst für uns kochen“, meinte Frau Heinefetter, als sie vor dem Gemüseladen standen. „Aber jetzt sehe ich hier die schönen Mohrrüben. Was denkst du, Lottchen?“
„Mohrrüben!“ rief Lottchen und hob das Körbchen in die Höhe. „Wir können ja morgen Reis essen. Die Mohrrüben passen in mein Körbchen.“ .....

Inhalt:
Mutti geht zur Arbeit .. .. .. .. 5
Lottchen spielt allein .. .. .. .. 6
Lottchen fällt in den Schnee .. .. .. .. 9
Lottchen will nicht in den Kindergarten .. .. .. .. 12
Die Waden müssen zusammenstoßen .. .. .. .. 15
Ob Lottchen mitfährt? .. .. .. .. 18
Lottchen will mitfahren .. .. .. .. 19
Glückliche Reise! .. .. .. .. 24
Lottchen versteckt sich .. .. .. .. 27
Verreist wird trotzdem .. .. .. .. 29
Der Zug fährt ab .. .. .. .. 30
Mathilde versteckt sich .. .. .. .. 33
Die Kinder üben Schleifenbinden .. .. .. .. 37
In der Kleinbahn .. .. .. .. 41
Die Ankunft in Bärenfels .. .. .. .. 42
Hier bleiben wir, solange es geht .. .. .. .. 44
Lauter Tiere aus Schnee .. .. .. .. 46
Der Bürgermeister hat einen Pferdeschlitten .. .. .. .. 48
Die Schlittenfahrt .. .. .. .. 50
Auch Lottchen rodelt .. .. .. .. 53
Eine Ansichtskarte an Karl .. .. .. .. 56
Draußen steht einer .. .. .. .. 58
Andere Kinder sind nicht schüchtern .. .. .. .. 62
Unsre Katz heißt Mohrle .. .. .. .. 65
Lottchen möchte in den Kindergarten .. .. .. .. 67
Übermorgen bringt dich die Mutti mit .. .. .. .. 70

Zeichnungen von Ingeborg Friebel
Für Kinder von 7 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1953 [1.-30. Tsd.]
2. Auflage 1954
3. Auflage 1954
4. Auflage 1955 [61.-70. Tsd.]
5. Auflage 1957
6. Auflage 1959
7. Auflage 1960
8. Auflage 1961
9. Auflage 1964
10. Auflage 1966

30 August 2023

Elisabeth Hering (Hg.): Kostbarkeiten aus dem deutschen Märchenschatz

Inhalt

Das goldene Königreich 
Wer ist am pfiffigsten? 
Das Geschenk der Tiere 
Der Geiger und seine Gesellen 
Der Rehbock mit den goldenen Hörnern 
Bürgermeister Wittkopp 
Wie der Hans zu einem Bauerngut kam 
Ferdinand und Lenore 
Die beiden Fleischhauer in der Hölle 
Hans und Jagerle 
Hättet ihr nicht...?
Der Knabe und die Schlange 
Glück und Verstand 
Der listige Schulmeister und der Teufel 
Der weiße Wolf 
Das Rosenmädchen 
Haltsmaul 

Altberliner Verlag, Berlin
Illustrationen Ingeborg Friebel

Auflagen

1. Auflage / 1963 
2. Auflage / 1965 
3. veränd. Auflage / 1967 
4. Auflage / 1968 
1. Aufl. d. Gesamtausg. / 1975 
4. Auflage / 1980 


Inhalt

Siebenstern
Hans Dreizehn
Die Rabenbraut
Suche nur, es gibt noch Dümmere
Das Kröpflein
Das Rätsel des Teufels
Die Prinzessin im Felsenriff
Das Zwergenmützchen
Hähnchen Goldfeder
Der König der Toten und die sieben Frauenbilder
Der Breikessel
Der kleine Schneider
Herr Kluck
Kleinskerlchen
Grindköpfchen
Das Borstenkind
Der Erbsenfinder

Altberliner Verlag, Berlin
Illustrationen Ingeborg Friebel

Auflagen

1. Auflage / 1963
2. Auflage / 1968
3. Auflage / 1980
1. Aufl. d. Gesamtausg. / 1975 

 

Inhalt
Die zwölf Schwäne
Die drei verwünschten Prinzen 
Sieh dich vor 
Die kleine weiße Katze 
Der alte Mann, der zur Schule ging 
Fun-dum 
Der Dreißigste 
Wer weiß, wozu es gut ist 
Goldspinnen 
Prinz Grünfrosch 
Der Teufel und der Amtmann 
Die Zwergmännchen 
Der weiße Schwan 
Der klingende Baum 
Der schnelle Soldat 
Habuttchen 
Student und Heinzelmann 
Der Jäger und der Zwergenprinz 
Kalt und warm aus einem Munde 
Die versteckte Königstochter 
Der Zauberring 
Der Himphamp 
Der bunte Bock 
Die drei Zeugen 
Das Männchen Spannenlang 
Grauchenkrabbelchen 
Der Kuhjunge und der Mäusekönig 

Altberliner Verlag, Berlin
Illustrationen Ingeborg Friebel

Auflagen
1. Auflage / 1969 
2. Auflage / 1980 
1. Aufl. d. Gesamtausg. / 1975

25 November 2020

Gerhard Hardel: Hellas


 Gerhard Hardel erzählt Geschichten von der Besiedelung "Hellas" durch die griechischen Stämme, vom Höhepunkt und Untergang der kretischen Kultur, er erzählt von den griechischen Göttersagen, von den Heldengedichten Homers, von der Entstehung der griechischen Stadtstaaten, vom Kampf mit den Persern bis hin zu den Peleponnesischen Kriegen, bis hin zu Alexander von Makedonien.

Der Kinderbuchverlag, Berlin (1975)
7. Auflage 1985; 307 Seiten
Illustrationen von Ingeborg Friebel

26 September 2020

Anne Geelhaar: Andreas mit der Schulmappe


 Buchvorstellung von annarobert87

Sie gehörten zu den beliebtesten Kinderbüchern in der DDR Literatur: „Die kleinen Trompeterbücher.“ Sie waren klein und handlich und man bezahlte pro Buch 1,75 Mark bzw. 2,40 Mark für den Doppelband.

„Andreas mit der Schulmappe“ von Anne Geelhaar erschien als fünftes Buch in der Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ 1959 im „Kinderbuchverlag Berlin“ mit Illustrationen von Ingeborg Friebel.

Andreas ist ein munterer Junge. Da seine Eltern in der Stadt in die Schule gehen, wohnt er bei seiner Oma auf dem Dorf. Andreas ist ganz aufgeregt, denn im September kommt er in die Schule. Endlich ist es soweit. Er bekommt eine schöne Schulmappe und eine große Zuckertüte. Alles ist noch neu und ungewohnt, doch bald fühlt er sich in der Schule wohl. Natürlich möchte er im Dezember unbedingt Pionier werden. Doch bis dahin muss er noch viele Dinge lernen: Das Spielzeug nicht in die Schulmappe gehört, Frösche am liebsten auf der Wiese leben und dass man pünktlich sein muss. Und er muss seinen Neid überwinden und einem Freund helfen. Zum Lohn wird Andreas Pionier und bekommt sein blaues Halstuch, dass er voller Stolz trägt. Ein liebevoll geschriebenes Buch!

Kinderbuchverlag Berlin 1959
„Die kleinen Trompeterbücher“, Band 5

Margarete Neumann: Der Wunderbaum


 Buchvorstellung von annarobert87

Sie gehörten zu den beliebtesten Kinderbüchern in der DDR Literatur: „Die kleinen Trompeterbücher.“ Sie waren klein und handlich und man bezahlte pro Buch 1,75 Mark bzw. 2,40 Mark für den Doppelband. Einige der Geschichten wurden sogar verfilmt.

„Der Wunderbaum“ von Margarete Neumann erschien 1960 als Band 7 in der Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ im „Kinderbuchverlag Berlin“. Die Illustrationen stammen von Eva Johanna Rubin.

Eine Rohrdommel hat Eier im Nest, auf denen sie unbedingt brüten muss, damit die kleinen Rohrdommeln in absehbarer Zeit entschlüpfen können. Ein Baum ist durch Sturm und Gewitter so unglücklich umgestürzt, dass die Mutter nicht zum Nest mit den Eiern gelangen kann. Aber nicht nur die Rohrdommel ist betroffen, auch andere Tiere leiden unter dem Umsturz. Der Spinne zerreißt ihr gesponnenes Netz, der Krebs verliert seine sichere Deckung, die er aber nötig braucht, bis er den neuen harten Panzer hat. Die Autorin gibt den Lesern die Chance, all diese Erlebnisse aus Sicht der Tiere zu sehen. Doch auch dem Baum selbst droht Gefahr. Männer, die in diesem Baum nur eine Behinderung sehen, beschließen kurzerhand ihn zu zersägen, das Holz als Brennholz zu verwenden. Die Rohrdommel ruft in Not und tatsächlich geschieht ein Wunder. Der gestürzte Baum erhebt sich von der Erde, schüttelt seine Blätter und steht gerade. Eine wunderschöne Geschichte, in der die Tiere die Hauptrolle spielen und auch die kleinsten Tiere Beachtung finden.  Auch der Krebs, die Köcherfliege, Ameisen, Spinne und Wasserjungfer werden äußerst liebevoll und sympathisch dargestellt und ebenso gezeichnet.

Kinderbuchverlag Berlin 1960
Die kleinen Trompeterbücher, Band 7

02 Juni 2020

Lilo Hardel: Der freche Max




Buchausschnitt
Einmal warf er seiner Oma einen Bauklotz an die Stirn, als sie im Lehnstuhl am Fenster saß und ihm seine Strümpfe stopfte. Als der Vater nach Haus kam, sperrte er ihn dafür im Badezimmer ein. Da räumte Max das weiße Schränkchen aus, in dem der Puder, die Zahnpasta und das Haarwasser waren. Er schmierte sich Mutters Puder auf die Backen und bestrich seine Locken mit Zahnpasta, so daß sie ganz weiß wurden. Danach drehte er alle Hähne auf und ließ das Wasser in die Wanne und in das Waschbecken laufen. Dann rief er laut: "Es läuft über, es läuft über, der Max muß ertrinken!"

Der Kinderbuchverlag Berlin  5. Auflage 1955
Illustrationen von Ingeborg Friebel