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22 April 2023

Valerian Tornius: Wolfgang Amadé - Ein Mozart-Roman

In diesem Mozart-Roman sind die biographischen Darstellungen aus der Mozart-Forschung und die einschlägigen Briefsammlungen das inhaltgebende Fundament der dichterischen Gestaltung. Das Leben und Wirken Mozarts wird in erzählender Form nachgezeichnet, ohne durch hinzugefügte dichterische Motivierungen der Historie Gewalt anzutun und durch psychologische Deutungen die Gestalt Mozarts in eine fremde literarische Welt zu verpflanzen. Nur eine einzige Hauptperson der Romanhandlung ist erfunden: ein an den Rand von Mozarts Lebensgeschichte gestellter Beobachter, der hauptsächlich in Briefen an ihm vertraute Personen Vorgeschichten und biographische Abschnitte, die aus Gründen künstlerischer Konzentration nicht zu lebendigen Romanszenen aufgelöst wurden, mitteilt. Diese freie dichterische Einfügung bleibt aber nur Ergänzung und verfälscht nicht die historische Realität des Romans. Das gleiche gilt für die einzige frei erfundene Szene: die Schilderung eines Ausflugs Wolfgangs mit der eigenen Schwester und den drei Schwestern von Barisani. Es ist eine mit leichten Strichen gezeichnete Rokoko-Episode um eine in der Mozart-Biographie nur erwähnte Liebelei. Die einzige in romantisches Zwielicht gerückte Szene, die traumhafte Erscheinung des toten Vaters in der gewitterschwülen Nacht im Garten eines Prager Landhauses, ist dichterisch so zwingend herbeigeführt, daß sie das reale Geschehen des Romans nicht verwischt. Valerian Tornius ist in seiner phantasievollen dichterischen Einfühlung durch seine kritische Stoffbeherrschung vor einer romanhaften Idealisierung oder Verniedlichung der Gestalt Mozarts geschützt. Er zieht alle historischen Tatsachen heran, um die tragischen Kurven im Lebensweg des Meisters, die Daseinsnöte und die künstlerischen Enttäuschungen nachzuzeichnen. Auch bei der psychologischen Erhellung von Mozarts Schaffensprozeß vermeidet der Autor romantische Poetisierungen. Dichtung und Wahrheit stehen nirgends im Widerstreit. Darum kann dieser Mozart-Roman in beschränktem Umfang eine volkstümliche Mozart-Biographie ersetzen.

 

UND SO REGT ER SICH GEBÄRDEND,
SICH ALS KNABE SCHON VERKÜNDEND
KÜNFTIGEN MEISTER ALLES SCHÖNEN,
DEM DIE EWIGEN MELODIEN
DURCH DIE GLIEDER SICH BEWEGEN;
UND SO WERDET IHR IHN HÖREN,
UND SO WERDET IHR IHN SEH'N
ZU EINZIGSTER BEWUNDERUNG

 Goethe, Faust II. Teil, 3. Akt, Euphorionszene

 Breitkopf & Härtel Musikverlag Leipzig 

 Auflagen:
 1. Auflage 1957
 2. Auflage 1958
 3. Auflage 1958
 4. Auflage 1959
 5. Auflage 1959
 6. Auflage 1960
 7. Auflage 1961
 8. Auflage 1962
 9. Auflage 1962
10. Auflage 1963
11. Auflage 1964
12. Auflage 1965
13. Auflage 1967
14. Auflage 1968
15. Auflage 1969
16. Auflage 1970
17. Auflage 1971
18. Auflage 1972
19. Auflage 1973
20. Auflage 1986
21. Auflage 1989

10 September 2021

Eberhard Rebling: Ballett – Sein Wesen und Werden

 „Ballett – wer denkt bei diesem Begriff nicht an die graziöse Haltung einer Ballerina in langem, weißem Tüllrock, ein Bein zur Arabesque weit nach hinten gestreckt, einen Arm im Gegengewicht elegant nach vorn und den anderen seitwärts erhoben? Wer denkt nicht an die entzückenden weißen Schwäne in dem klassischsten aller klassischen Ballette, Tschaikowskis „Schwanensee“? Wer denkt nicht an die legendarische, nunmehr bereits vor dreißig Jahren verstorbene Anna Pawlowa, die dieser im zaristischen Russland zu außerordentlicher Schönheit und Ausdruckskraft gesteigerten Kunstgattung Weltruhm verschaffte? Und wer denkt nicht vor allem an die sowjetischen Künstler, die dem Ballett neue Inhalte und Formen erschlossen haben, – allen voran die unvergleichliche Galina Ulanowa, deren Ausdrucksskala mit Hilfe ihrer vollendeten Technik von der zartesten Poesie der mädchenhaften Julia bis zur erschütternden Dramatik der verzweifelt in den Tod tanzenden Giselle reicht? Es ist mehr als nur die Schönheit der vielfältigsten Bewegungen, deren der menschliche Körper fähig ist, es ist der sichtbare Ausdruck der tiefsten seelischen Regungen, der innigsten Gefühle und der edelsten Gedanken, durch den das Ballett eine so starke, stets mehr zunehmende Anziehungskraft auf immer breitere Zuschauerkreise in aller Welt ausübt.“

Mit diesen Worten beginnt Professor Dr. Eberhard Rebling, der bekannte Musikwissenschaftler und Pianist, seit längerem auch Rektor der Berliner Musikhochschule, seine Darstellung über Wesen und Werden des Balletts. Es ist ihm gelungen, die Triebkräfte der Ballettentwicklung, das Ringen der bedeutendsten schöpferischen Persönlichkeiten dieser Kunstgattung um die Überwindung formalistischer Tendenzen zugunsten einer humanistischen Aussage klar herauszuarbeiten. Insofern ist die vorliegende Arbeit nicht nur als populäre Hinführung zu einer der schönsten Kunstgattungen zu werten, sondern auch als ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um die Aufgaben des gegenwärtigen Ballettschaffens.

Musikbücherei für Jedermann, Band 22
VEB Breitkopf Härtel, Musikverlag, Leipzig