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08 April 2025

Irma Truupõld: Das Land der grünen Sonne

Buchanfang:
Die vergessenen Puppen
Am nachtblauen Himmel wanderte der runde und frohe Mond zusammen mit Millionen funkelnden Sternen.
Der Mond war sehr neugierig, und er schaute in die Fenster, um zu sehen, wie die kleinen Kinder schliefen. Manchmal zeigte er den Kindern schöne Träume, und er freute sich, wenn sie im Traum lächelten.
Durch ein Fenster sah der Mond, wie Mari mit ihrer kleinen Tochter Helve ruhig schlief. Einst war auch Mari ein kleines Kind gewesen, nun aber war sie erwachsen und spielte nicht mehr mit Puppen. Mari hatte ihre kleinen Puppen, Malle und Peedu, längst schon vergessen. Die Puppen waren aus Gummi und so klein wie Maris Finger. An den Händen und Füßen der Puppen waren deutlich Schrammen und Kratzer zu sehen, die noch aus der Zeit stammten, als Mari klein war.
Die Puppen waren nicht mehr bei Mari. Ihre kleine Puppenstube aus Pappe war in die halbdunkle Rumpel- kammer gebracht worden und stand auf der alten Kom- mode der Großmutter beim Fenster. Dort saßen Malle und Peedu nun und hofften sehnsüchtig, einst wieder Maris Puppen zu sein.
»Malle, du sprichst noch immer von Mari. Sie hat uns längst schon vergessen«, sagte Peedu.

Aus dem Estnischen von GiselaTeeäär
Gezeichnet von Roman Kivit

Verlag Perioodika, Tallinn
1. Auflage 1985  

06 September 2021

Elar Kuus, Aivo Kaidja: Die Häschen und ihr Kohlkopf


Buchbeginn

In einem kleinen gemütlichen Häuschen am Waldesrande lebte die Hasenmutter mit ihren drei Söhnen - Langohr, Kurzohr und Hasematz. Langohr und Kurzohr waren bereits zwei große und stramme Burschen, Hasematz aber noch ein kleiner Krümel, der nicht einmal 'r'. sagen konnte. Die Größeren sagten: "Wir haben im Walde Bären gesehen." Hasematz wisperte: "Ich habe im Walde Bälle gesehen." Die Größeren: "Die echtesten Raufbolde..." Er: ,,Die echtesten Laufbolde..." Also, mach dich lustig über ihn, daß dir die Tränen kommen.

Kaum waren die drei morgens aus dem Bett, wischten sie sich mit den Läufen über ihre langen Löffel - und schon waren sie gewaschen. Dann eilten sie zum Frühstück, voran die langen strammen Rangen, hinterdrein Hasematz, der kleine Spatz.

Als Mahlzeit wuchs auf dem Hof ein üppiger Kohlkopf. Dieser war kein gewöhnlicher, sondern ein verzauberter Kohlkopf, gesteckt noch vom seligen Vater. Er schmeckte wie Schokolade. Und mit welchem Appetit die Häschen daran auch knabberten, nie wurde er alle. Schon vom bloßen Anschauen konnte er einen satt machen...

Periodika Tallinn, 1986
Aus dem Estnischen von Aivo Kaidja
Illustriert von Raivo Järvi