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23 Oktober 2024

Alexander Jakowlew: Ein Chefkonstrukteur erzählt

Buchanfang:
VOM MODELL ZUM SEGELFLUGZEUG
Das Chodynkafeld
Zum erstenmal sah ich ein Flugzeug, als ich etwa sieben Jahre alt war. Es war an einem Feiertag. Meine Eltern gingen aus, und ich blieb mit Großmutter allein, die mich gern verwöhnte. Sie beschloß, mir diesmal ein ganz besonderes Vergnügen zu bereiten, und sagte: „Wir fahren zum Chodynkafeld, wo die Ballons fliegen“ Großmutter meinte die Luftballons.
Wir mußten lange mit der Straßenbahn fahren. Als wir schließlich das Chodynkafeld erreichten – einfach ein großes, uneingezäuntes Feld –, hatten sich auf dem Flugplatz schon viele Schaulustige eingefunden.
Ich suchte aufmerksam den Himmel ab – keine Ballons. Wie langweilig! Da knatterte und ratterte es plötzlich. Ich drängte mich vor und erblickte einen kleinen seltsamen Apparat, der keinem Ballon, sondern eher einem Regal glich. Es war ein französisches Flugzeug. Vielleicht eine Farman, vielleicht auch eine Blériot. Das Flugzeug holperte mit gespreizten Flügeln unbeholfen über das Feld und krachte, daß es die Zuschauer in panischen Schrecken versetzte.
„Gleich fliegt es!“ schrien sie. Aber das Flugzeug machte eine Kehrtwendung, rollte an das andere Ende des Platzes und blieb dort stehen. So ging es mehrere Male, aber es konnte sich aus irgendeinem Grunde nicht von der Erde lösen.

Inhalt:
ERSTES KAPITEL
Vom Modell zum Segelflugzeug
          Das Chodynkafeld ………. 5
          Die Schule ………. 8
          Die Schulkameraden ………. 11
          Die Lehrer ………. 14
          Moskau gestern ………. 18
          Gute Bücher ………. 23
          Die Freunde der Luftflotte ………. 25
          Die ersten Schritte ………. 29
          Der Wettbewerb in Koktebel ………. 33
          Das Segelflugzeug der Schüler ………. 37
          Der Weg ins Leben ………. 41
          Der Zentralflughafen ………. 44
ZWEITES KAPITEL
Vom Segelflugzeug zum Flugzeug
          Das erste Flugzeug ………. 49
          Die Akademie ………. 54
          Der Fehler ………. 56
          Der Protest ………. 62
          Die Bettenwerkstatt ………. 68
          Begegnung mit Gorki ………. 73
          Unser Werk ………. 75
          Die Geburt eines Flugzeuges ………. 80
          Der Jäger ………. 85
DRITTES KAPITEL
Wir reisen ins Ausland
          Ein Flug nach Italien ………. 91
          Mit den Augen des Touristen ………. 96
          In Frankreich ………. 102
          Luftparade in England ………. 107
          In Hitlerdeutschland ………. 113
          Die deutschen Konstrukteure ………. 116
VIERTES KAPITEL
Der Krieg begann...
          Die Evakuierung ………. 122
          Moskau im Oktober 1941 ………. 128
          Andrej Tupolew ………. 174
          Michail Gromow ………. 178
          Sergej Anochin ………. 181
          Pawel Fedrowi ………. 183
          Valeri Tschkalow ………. 186
          Die Kampfflieger ………. 190
SECHSTES KAPITEL
Vorwärts und höher!
          Der Anfang ………. 195
          Der Düsenjäger Jak-15 ………. 201
          Eine denkwürdige Parade ………. 206
          Beinahe ein Wunder ………. 209
          Eine neue Aufgabe ………. 213
          Die Schwingungen ………. 218
          Jak-26 – der „Fliegende Waggon" ………. 226
          Die Schaffensfreude ………. 231

Illustrationen von Hans Mau
Übersetzung aus dem Russischen von Traute u. Günther Stein
Titel der Originalausgabe: Рассказы Авиаконструктора
Für Leser von 12 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1960
2. Auflage 1961
3. Auflage 1964

31 Dezember 2023

Siegfried Grienig: Die Indianer von den Wolfsteichen

Buchanfang:
In stürmischen Nächten soll es an den Wildenauer Wolfsteichen nicht mit rechten Dingen zugehen. Da geistert der lahme Krischan mit seinem Feuerhengst durch die Lüfte und ruft mit heiserer Stimme: „Hü – schneller – hü!“
Das hat mir der alte Schäferheinrich erzählt, der bei der Brennereiruine wohnt. Vielleicht hat er mir auch einen Bären aufgebunden – der gutmütige Mann mit den schelmischen Augen. Denn das Flunkern versteht er.
Aber daß hier vor langer Zeit der letzte Wolf geschossen wurde, das stimmt.
Ich habe es nämlich in der verstaubten Dorfchronik gelesen. Überhaupt: Es geschehen in Wildenau recht wunderliche Dinge ...



Illustrationen und Einbandzeichnung von Hans Mau

Für Kinder von 10 Jahren an

Altberliner Verlag Lucie Groszer, Berlin

1. Auflage 1960
2. Auflage 1961

30 Dezember 2023

Hans-Dieter Kitzing: Die Geister von Phu Tin

Buchanfang:
EIN WIEDERSEHEN
Das Dorf war voller Geheimnisse. Seit Tagen schon steckten die Pioniere flüsternd die Köpfe zusammen, wo immer sie einander trafen, und in ihren Unterhaltungen schienen Zahlen eine große Rolle zu spielen.
„Fünf habe ich fertig, jeden Tag werde ich noch einen schaffen, bis es soweit ist.“
„Wir haben uns zusammengetan, an einem Nachmittag machen wir vier Stück.“
„Mehr nicht? Unsere Gruppe schafft sechs, und wir sind auch nicht mehr als ihr.“
„Schaffen wir auch noch. Du wirst sehen, wenn wir sie zu Onkel Hoang bringen, haben wir die meisten. Wetten?“ „Abgemacht! Wir treten in Wettbewerb!“
Spielende Pioniere waren in diesen Tagen eine Seltenheit. Wenn man sie schon einmal zu Gesicht bekam, dann mit einem großen Haumesser am Gürtel und mit Bambusstangen über der Schulter. Aber auch dann trabten sie nur schnell über die Wege des Dorfes und waren gleich wieder hinter den Hütten verschwunden.

Illustrationen: Ruprecht Haller
Einband: Hans Mau

Für Leser von 10 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin

1. Auflage 1961
[keine weiteren Auflagen]

15 August 2023

Anatoli Agranowski: Von der wunderbaren Pusteblume

Leseprobe
I. KAPITEL DIE FORSCHER
Das Treffen in Bologoje
Kaum hielt der Moskauer Zug auf der Station, als aus dem letzten Wagen zuerst Skier und dann eine zottige Mütze zum Vorschein kamen. Ein kräftiges Bürschlein sprang auf den Bahnsteig. Es blickte um sich. Hoch oben, fast unter dem Dach des Stationsgebäudes, leuchtete weiß der Stationsname: Bologoje.
Die Menschen blickten mit Verwunderung auf den sonderbaren Fahrgast; denn es herrschte Februarkälte, und er war ohne Pelz in leichter Kleidung. Es blieb ihnen aber nicht mehr viel Zeit zum Wundern, die Glocke läutete, alles stieg wieder in die Wagen, und der Zug setzte sich in Bewegung.
Kaum war er in der Biegung verschwunden, als der Zug aus Leningrad einfuhr. Er war dem eben hinausgefahrenen Zug so ähnlich, daß man glauben konnte, er sei noch einmal schnell aus der Leningrader Richtung zurückgekehrt.
Der Zug bremste, die Wagen holperten noch eine kurze Strecke über die Schienen und blieben stehen. Es wiederholte sich der gleiche Vorgang: Aus dem Wagen tauchten wieder Skier auf, dann folgte ein Kopf mit einer Skimütze bedeckt, und auf den Bahnsteig sprang ein zweiter junger Bursche.
„Guten Morgen, Wadim!“ rief er freudig.
„Willkommen, Mitja“, antwortete der erste etwas zurückhaltend.
Nach einer halben Stunde lag Bologoje schon weit hinter ihnen. Was galt schon die Februarkälte, den beiden Freunden war es warm. Wadim lief mit weitausholenden Schritten wie ein erfahrener Skiläufer. Mitja, der sich gewandt eines neuen Laufstils bediente, überholte seinen Freund immer wieder, verbarg sich hinter einer riesigen Fichte und ließ eine Wolke von Schnee hinunterrieseln. Wadim blieb nichts schuldig und verfolgte seinerseits den flinken und gewandten Mitja.

Inhalt
I. KAPITEL DIE FORSCHER
Das Treffen in Bologoje • Kao-tschu – das „Schwarze Gold" • Im Lande des Himmelsgebirges • Großvater Stefan Nabokow • Der „schlechte Strauch“ • Was in der Siedlung Kok-Pak geschah
II. KAPITEL DER IRRTUM DES THOMAS ALVA EDISON
Was wäre... • Ein Strauch, der einem grauen Haarschopf ähnelt • Putumayo – ein „Paradies des Teufels“ • Mister Edison schaltet sich in den Kampf ein • Der Beschluß des STO • Wassili Spicatschenko, Mitglied des Dorfrates • Auftritt Mister Fords, Mister Firestones und anderer • Wenn das Volk aufsteht, sind die Unterdrücker machtlos!
III. KAPITEL WIE KOK-SACHYS ZUM RIESEN WURDE
Die „Geheimnisse“ der Pusteblume des Tien-schan • Die erste Bekanntschaft • Ein Entomologe wird zu Hilfe gerufen • Kok-Sagbys gerät in das Laboratorium • Hunderttausend Versuche • Die Riesenwurzel • „S.K.“ • Die Gentlemen interessieren siche...
IV. KAPITEL DIE ILLEGALEN
Kann man einen Krieg ohne Kautschuk führen...? • Was war ihr Vorhaben? • Das Staatsgeheimnis • Kulbaba • „Ganz geheim“
V. KAPITEL EIN FUND IN STASSFURT
Der Entomologie-Leutnant • In den stillen Alleen von Berlin- Dablem • Die Liste des Doktor Wuhlmann • Das Gut Bisdsdorf • Ein Brief aus der Ukraine • In 460 Meter Tiefe • Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dache... • Die innere Kraft des Volkes
VI. KAPITEL DAS VOLK-EIN WISSENSCHAFTLER
Ein Geschenk für die kämpfende Front • Professor Kabatschnikow • Ein Kringel und eine Semmel • Millionen, Trillionen! • Das Neue siegt! • Jeder einmal Erfinder.... • Der Weltrekord der Sanja Kasatsdrenko
SCHLUSSWORT VON DER ZUKUNFT


Titel der russischen Originalausgabe: ПОВЕСТЬ О ЧУДЕСНОМ ОДУВАНЧИКЕ
Ins Deutsche übertragen von Wilmes-Bely
Illustrationen von Hans Mau

Verlag Neues Leben, Berlin

1. Auflage 1953 

21 März 2022

Willi Meinck: Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo / Die seltsamen Reisen des Marco Polo


 Im Jahre 1250 waren Marcos Vater und der Onkel zu einer großen Reise aufgebrochen. Viele Jahre hatte man nichts mehr von ihnen gehört. Marco träumte davon, selbst hinauszufahren aufs Meer, erst nach Bzynz, dann weiter nach Osten. Er wollte Vater und Onkel suchen und dabei die Länder kennenlernen, aus denen glänzende Seide, kostbare Edelsteine, wertvolle Teppiche und viele andere Waren nach Venedig gebracht wurden.


Marcos Traum ging in Erfüllung. Als erster Europäer gelangte er nach Asien, bis an den Hof des Kaisers von China. Von Marcos aufregenden Erlebnissen erzählt Willi Meinck in den spannenden Büchern „Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo“ und „Die seltsamen Reisen des Marco Polo“, die in diesem Band vereinigt sind.

Der Kinderbuchverlag Berlin1987
Illustrationen: Hans Mau

09 Oktober 2021

Auf den zweiten Blick - Reportagen aus unserem Land


 Nicht immer auf den ersten, vielleicht aber auf den zweiten Blick kann man Überraschendes entdecken. Sechs Autoren berichten, was sie beeindruckte: zum Beispiel jener Rentner aus Dresden, der während des Krieges als Partisan in der Sowjetunion kämpfte; die Kinder, welche Tag für Tag ihrer körperlichen Behinderung trotzen; der Grenzsoldat, der seinen Dienst als Pflicht, vor allem aber als ein Recht betrachtet; die Schauspielerin, die mit jeder Rolle eine andere spielt, sich selbst aber treu bleibt. Im Alltäglichen das Bemerkenswerte aufzuspüren, das ist das Anliegen dieses Bandes.

Inhaltsverzeichnis

SIEGFRIED WEINHOLD - Holzwege - Spielzeugwege

GISELA KARAU - Tu, was du sagst, dann lügst du nicht

BARBARA AUGUSTIN - Das Publikum ist immer neu

GERALD HÜBNER - Ein Totgeglaubter kehrt zurück

ACHIM ELIAS - Wir sind doch keine Marsmenschen!

RAINER PAETZOLDT - Vor dem Konzert

Der Kinderbuchverlag Berlin, 2. Auflage 1986
Illustrationen Hans Mau
ATB Buch Nr 103
ab 11 J.

30 April 2021

Karl Mundstock: Gespenster-Edes Tod und Auferstehung


 Noch sind Zeitreisen Science fiction, obwohl wir längst ein Transportmittel besitzen, uns in Vergangenheit oder Zukunft zu versetzen: die Literatur. Zwei Bücher sind dafür in doppelter Weise exemplarisch. Karl Mundstock, Jahrgang 1915, hat sie 1958 und 1962 veröffentlicht. Sie fanden jede Menge Leser in einem Land, das historisches Erbe annahm und auch verwarf.

Mundstock griff mit der Grundlage eigener Biografie auf die frühen 20er Jahre zurück, auf proletarisches Milieu, auf die Suche von Kindern, aus Welterfahrung Weltveränderung zu machen. Einen »Berliner Jungenroman« nannte er »Ali und die Bande vom Lauseplatz«, dem er als Fortsetzung »Gespenster-Edes Tod und Auferstehung« nachschickte. Ein willkommenes Erbe, denn die Erfüllung der Träume von einst schien sich in den drei Buchstaben DDR auszudrücken. Nun wäre Mundstock nicht der, der er ist, wenn er Geschichten aus der Geschichte bierernst eifernd erzählt hätte. Er ist von heiterem Gemüt, ein Humorist mit satirischen Neigungen, ein Unangepasster, ein Filou, ein Poet und hinreißender (wörtlich zu nehmen) Erzähler dazu. Er führt zurück in den Berliner Kiez rund um die Kiefholzstraße und zeigt eingangs seinen Helden Ali auf dem Weg zur Bonbon-Witwe, um sich für einige Milliarden Süßigkeiten zu beschaffen. Aha, sagen die Älteren, 1923, Inflation. Die heute Jungen haben von solchen Verhältnissen bestenfalls aus Schulbüchern erfahren. Doch bei Mundstock wird wie nebenbei das selbstverständliche Leben, der Umgang mit Alltag, der später Geschichte wird, anschaulich und vielleicht sogar lehrreich. Ali erlebt die Einführung des Gummiknüppels bei der Berliner Polizei, Import aus Amerika, er mischt mit im Klassenkampf, zu dem unbedingt eine Wanderausrüstung gehört, er wird zum Beschützer der kleinen Sophie und hat’s mit der großen Politik. (…)

Da ist eine Spur Kästner und sogar eine Prise Ludwig Thoma, weil mit proletarischer Sturheit und Schlitzohrigkeit. So, wie die Welt ist, so soll sie nicht bleiben. (…) – Von Klaus-Dieter Schönewerk


Verlag Neues Leben, Berlin, 6. Auflage, 1977 (1. Auflage 1962)
Illustrationen von Hans Mau.

30 Juni 2020

Götz R. Richter: Abenteuer im Urwald und auf See



Traurig sitzt der kleine Affe in seinem Käfig auf der Veranda des Pflanzerhauses. Er ist krank, niemand will sich mehr um ihn kümmern – außer dem Mädchen Maito. Wird sie ihn retten können?
Eine andere Geschichte erzählt von Ameisen im Urwald, die in Massen kommen und alles fressen, was ihnen zwischen die scharfen Kiefer kommt. Da gibt es nur eins: Flucht.
Abenteuer, Exotik, Spannung und den Sinn für Menschlichkeit und Gerechtigkeit finden wir im diesen vier Geschichten. Sie führen in ferne Länder und sind fesselnd erzählt.

Kinderbuchverlag Berlin 1959
ATB – Alex Taschenbücher Nr. 13


Abenteuer Exotik - Spannung und den Sinn für Menschlichkeit und Gerechtigkeit, das alles finden wir in den Erzählungen. Sie führen uns in ferne Länder und auf ferne Meere und lassen uns teilnehmen am Schicksal der Menschen, sie schildern das echte Abenteuer und vergessen nicht den Einsatz für das Gute auf der Welt.

Buchbeginn
Die große Regenzeit geht zu Ende. Einmal, vielleicht zweimal in der Woche färbt sich der Himmel über den Urwäldern im Süden noch finstergrau von einem heranziehenden Gewitter. Blitze durchzucken die Wolkenwände, heulender Wind schüttelt die Wipfel der Bäume, biegt die schlanken Stämme der Kokospalmen zwischen den Lehmhütten des langgezogenen Dorfes wie Ruten. Prasselnder Regen schlägt auf die Dächer aus Palmenblättern und Maisstroh. Bald aber geht das Grollen und Krachen in den Lüften mit den dunklen Wolkenhaufen wieder davon. Warmes Sonnenlicht macht die Erde und die Wälder und das Dorf wieder hell. Hunde kommen kläffend aus den Winkeln. Kinder patschen kreischend durch Schlamm und Pfützen.
Maito fürchtet sich vor dem Gewitter. Immer zittert sie, und wenn sie dann sprechen soll, fängt sie an zu stottern. Deshalb heißt sie auch Maito, das bedeutet: sie stottert. Den fremden Namen hat ihr der Vater noch gegeben, der auf einer fernen Insel geboren ist. Sie kennt aber ihren Vater nicht; er ist vor vielen Jahren über den großen Sumpf gegangen, wie die Leute in dem Dorf sagen, wenn ....

Kinderbuchverlag Berlin 1964
Illustrationen Hans Mau 
RBB Buch Nr 50


18 Mai 2020

Gerhard Schmidt: Der Narrenkanzler



"Hipler suchte in Marias Nähe zu gelangen, verzweifelte Gedanken im Kopf; er hörte im Tumult der aufgebrachten Menschenmenge immer wieder das Geräusch von splitterndem Glas und den Ruf; ,Verbrennt die Hexe!' Das Armesünderglöcklein begann zu läuten ... Als der Henker die Fackel angezündet hatte und sie an den Holzstoß hielt, lief Hipler vom Platz..."
Das Eintreten für die junge Bäckerstochter Maria Mohler, die er mit jugendlicher Hingabe verehrte, endet für Wendel Hipler mit Flucht aus der alten Erzbischofsstadt. Er, der die Rechte studiert, für die humanistischen Ideen des Reuchin, Erasmus und Luther schwärmt, wird Zeuge, wie ein unschuldiger Mensch gequält und getötet wird - auch im Namen eines Rechts. Dieses Erlebnis und vieles, was ihm damals begegnet in unruhigen Wanderjahren, Stadtschreiber von Heilbronn, als angesehener Anwalt, bestimmen seinen Weg, der ihn an die Seite der aufständischen Bauern, zum Hellen Haufen, führt.

Verlag Neues Leben Berlin, 3. Auflage 1984
Spannend erzählt 155
Illustrationen: Hans Mau

16 Mai 2020

Wadim Koshewnikow: Im Labyrinth der Abwehr



Im Auftrag der sowjetischen Aufklärung wird Alexander Below alias Johann Weiß 1940 in einer Rigaer Autoreparaturwerkstatt untergebracht, wo er bald Beziehungen zu "reichsfreundlichen" Organisationen anknüpft. Als die Repatriierung aller Deutschen "ins Reich" beginnt, schließt sich auch Weiß dem Zug der Zeit an. Seine "profaschistische" Gesinnung verhilft ihm zu einer Stellung als Chauffeur eines hohen Abwehroffiziers. Über dienstliche und persönliche Kontakte erwirbt er das Vertrauen der Männer, die im Auftrag von Admiral Canaris fast ganz Europa mit einem gewaltigen Spionagenetz überziehen. Weiß-Belows Weg führt über den Kraftfahrer und Schlosser, den Dolmetscher und Gefreiten, den Unteroffizier und Sonderkurier, den Oberleutnant der Abwehr bis zum Hauptsturmführer des faschistischen Sicherheitsdienstes mit Geheimaufträgen.

Verlag Neues Leben, 2. Auflage 1970
Illustrationen: Hans Mau
Spannend erzählt 88

11 Mai 2020

Anneliese Probst: Ein Zeltschein für Dierhagen



Zwei Schwestern, Zwillinge, die das erste Mal alleine zelten dürfen, weil die Eltern sich mal einen gemeinsamen Urlaub gönnen möchten. Die eine, Barbara, kommt schwanger zurück. Sie ist 17, der werdende Vater Rolf 21. Er macht sich nicht aus dem Staub, besucht die Eltern, sagt aber der Mutter ehrlich, dass er sich in Barbara zwar verliebt hat, aber ob das Liebe ist? Wenn Barbara aber möchte, dann heiratet er sie.

Es ist eine Rahmenhandlung: Sie begann damit, dass bei Barbara die Wehen einsetzten - dann folgen Rückblenden: wie es zum Urlaub kam, wie sie ihn verbrachten und wie Barbara und Rolf sich kennenlernten.
Ihre Gefühle füreinander sind nicht klar. So richtig Sehnsucht haben sie nach dem Urlaub nicht nacheinander gehabt. Jeder hat sein Leben weitergelebt.
Doch nun hat Rolf Bescheid bekommen, dass das Baby auf die Welt kommen möchte und er setzt sich in einen Zug, um zu Barbara zu fahren.

Während Rolf auf dem Weg zu Barbara ist, erfahren wir Weiteres. Barbara war die erste Zeit ihrer Schwangerschaft wie abwesend, als stände sie unter Schock. Bei Rolfs erstem Besuch wusste er so auch gar nicht mit ihr umzugehen.
Dann traf Barbara eine Bekannte, die von Unterbrechung sprach. Darüber sprach Barbara mit der Tante, die sich immer Kinder gewünscht, aber nie welche bekommen hat. Sie war hin und her gerissen. Eines Tages, als sie von einem Spaziergang heimkam, hörte sie ein Gespräch der Eltern. Der Vater meinte gerade, dass er Barbara genauso lieb hat wie ihre Schwester Ingrid. Dass Ingrid aber geradliniger war. Wenn die was anpackte, brachte sie das auch zu Ende. Barbara war viel zu sprunghaft. Und da begann etwas in ihr zu arbeiten.
Sie bewarb sich in einem Hotel um eine Stelle als Hilfskraft, mit der Hoffnung, nach der Entbindung eine Ausbildung als Hochfachkraft machen zu können. Mit einem unterschriebenen Vertrag ging sie nach Hause. Sie war zurück.
Mit der Zeit begann sie sich auch nach Rolf zu sehnen. Wollte ihn an ihrer Seite haben, sich an ihm festhalten, wenn sie Hilfe brauchte.

Den Schluss erzähle ich nicht, vielleicht fällt das Heftchen ja mal jemandem in die Hände.
Es war aber wieder ein schönes Lesen. Ich hatte erst ein bisschen die Befürchtung, dass mir die Sprache mittlerweile zu antiquiert wäre. Aber ganz im Gegenteil.

Verlag Neues Leben Berlin, 1972
Illustrationen: Hans Mau