Seymour Levin, der Held und irrende Schlemihl dieses aufschlußreichen Romans, begibt sich voller Erwartungen aus New York City nach Easchester im fiktiven Bundesstaat Cascadia. Der ehemalige Oberschullehrer flieht vor einer düsteren Vergangenheit und hofft als Dozent am Cascadia-College auf eine Wende in seinem Schicksal. Bereits nach kurzer Zeit durchschaut er die Heuchelei der Vorgesetzten und Kollegen, überall stößt er auf geistige Stagnation, Karrierismus und Intrigantentum. Hier ist der Mensch dem Menschen ein Fremder, Freundschaft ist verdächtig, Engagement und liberale Anschauungen werden als Radikalismus verfemt. Die gültige Räson ist die Räson der College-Hierarchie und ihrer Geldgeber. "Ordnung, Werte, Leistungen und Liebe" - Levins erklärtes Lebensziel - sind in Gefahr, zumal er zunächst versucht, sich um jeden Preis den Frieden zu erhalten. Doch seine Flucht in ein "neues Leben" endet nicht im Elfenbeinturm des Desengagierten. Denn die genannten Ideale sind Komponenten seiner Suche, die ihn ähnlich wie Saul Bellows Regenkönig Henderson in eine pädagogische Provinz führt. Auch bei Levin beginnt die Suche beim eigenen Ich, da nach Auffassung bürgerlicher Romanhelden und ihrer Schöpfer erst dann gültige Beziehungen zum Mitmenschen und zur Gemeinschaft angeknüpft werden können. "Der unverheiratete Dozent, der ausgehungert war nach Liebe und nur zu gern geheiratet hätte", gerät in seiner Vereinsamung in kurze, oberflächliche Liebesbeziehungen zu einer Kellnerin, einer frigiden Kollegin und einer Studentin, bis er in Pauline Gilley, der Frau seines Chefs, eine geeignete Partnerin gefunden zu haben scheint. Unter dem Druck der herrschenden Umstände verkrampft sich ihr Verhältnis, ständig drohen die Entdeckung und der gesellschaftliche Skandal Endlich, nach langem Zaudern und enttäuschenden Rückzugsgefechten, bietet Levin der Obrigkeit die Stirn und wirft damit trotz der absehbaren Folgen seine Laufbahn über Bord...
Verlag Volk und Welt Berlin, 2. Auflage 1972
Aus dem Amerikanischen von Herta Haas
Bücher und Schriftsteller, die in der DDR gelesen wurden. Schaut bitte nicht nur danach, ob hier jeden Tag Beiträge auflaufen, nutzt diesen Blog auch wie ein Lexikon. Er ist ein Langzeitprojekt, da ist es sicherlich verständlich, wenn zwischendurch immer mal wieder pausiert wird. Sei es, um nicht die Lust daran zu verlieren, aber auch, weil die Beiträge auch regelmäßig vorbereitet werden müssen. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Stöbern und Erinnern oder neu entdecken.
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