14 Januar 2026

Ludvík Aškenazy: Der Spatz auf der Schallplatte – Kinder-Etüden

Einbandtext:
Wenn der Vater eines fünfjährigen Jungen die Feuerwehr anruft, dann soll er nicht von ihr verlangen, sie solle einen Foxterrier scheren. Denn eine Feuerwehr ist eine Feuerwehr und kein Spiel. Sie kann die brennende Lebkuchenfabrik in Pardubice löschen oder die Limonadenfabrik in Chrudim; eine Feuerwehr ist unermüdlich, aber sie kann keine Albernheit vertragen. Sonst wird sie am Ende empört ausrufen: „Vati, denk dir, vor einer Weile hat ein solcher Trottel angerufen, der wollte die Hundescheranstalt. Als ob er nicht wüßte, daß bei uns nur Feuer gelöscht wird.“ Da steht der Vater denn und muß den Kopf schütteln und sich einen dummen Kerl nennen. Denn das Spiel ist eine ernste Sache, und wenn man zufällig einmal Feuerwehr spielt, dann soll man keine Hundeschererei daraus machen. – In etwa dreißig Geschichten und Betrachtungen erzählt Ludvík Aškenazy, der Autor beliebter tschechischer Kinderbücher, aus der heiteren und abenteuerreichen Erfahrungswelt eines jungen Vaters und seines Söhnchens.

Buchanfang:
Wie ich Robert Janů begegnete
Ich will dir etwas ganz Alltägliches erzählen, mein Sohn, nämlich, wie ich das Fenster aufgemacht habe. Was blühte nur da draußen in unserem Hof – weiß und rosa? Ich besaß damals ein Notizbuch, aber ich schrieb nie etwas hinein, darum ist es jetzt nicht leicht festzustellen, was für ein Baum es war und auch alles andere, was mit dieser Geschichte zusammenhängt.
Ich weiß nur, daß plötzlich ein Wind gesprungen kam. Erster feuchter Frühlingshauch, lebendige Luft, voll Märzenduft.
So einen Wind gibt es vielleicht heute gar nicht mehr. Manchmal mache ich wohl mein Fenster auf, als ob ich jenen Duft wieder finden könnte – als ob er zurückkehren könnte.
Aber mein Wind scheint sich anderswo herumzutreiben; vielleicht ist er gerade in einem Garten und schüttelt ein Apfelbäumchen oder trägt auf der Straße jemandem den Hut davon.
Wer weiß. Vielleicht ist er auch gesetzt geworden und ist jetzt ein schaler, langweiliger Gesell von einem Wind.
Aber damals hat er mir die Wangen getätschelt, als ob er Hände hätte. Da wird einem gleich ganz anders – man ist auf einmal wie eine tönende Glocke.
‚Mein Herz’, sagte ich mir, ‚was ist denn das mit dir?’
Aber das Herz schwieg – und schlug.
‚Wir werden uns einen Tee machen, Herz’, sagte ich. ‚Vielleicht hört es dann auf.’
Aber der Tee schmeckte mir nicht, gar nicht, nicht einmal mit Zitrone.
Ich ließ ihn stehen – und setzte mich. Und blieb sitzen.
‚Ich muß etwas gegen die Frühjahrsmüdigkeit einnehmen’, erwog ich. ‚Etwas anderes kann es ja nicht sein, eben Frühjahrsmüdigkeit, Mangel an Vitaminen. Darüber sind sich alle Autoritäten einig.’
Durch das offene Fenster stahl sich ein Streifen Licht auf den Tisch, warm und freundlich.
‚Ich muß mich durch Arbeit ablenken’, sagte ich mir. ‚Das ist das einzige Mittel, nicht genau definierbare Faktoren zu überwinden...’
Und ich nahm das Buch „Krise der psychoanalytischen Kritik des Subjekts“ zur Hand.
Damals bildete ich mir ein, ich hätte einen festen Charakter und ein Profil wie aus Stahl. Ich ging das Fenster schließen.
Ich weiß nicht mehr, was mich davon abhielt...

Inhalt:
FUNF KLEINE PRÄLUDIEN
Wie ich Robert Janů begegnete .. .. .. 7
Wie Menschen einander suchen .. .. .. 12
Wie wir dich erdacht haben .. .. .. 19
Wie ich dich kennenlernte .. .. .. 25
Wie ich dich zum erstenmal sah .. .. .. 28

KINDER-ETÜDEN
Die Überzeugungsmethode .. .. .. 35
Wie wir Feuerwehr spielten .. .. .. 39
Der Spatz auf der Schallplatte oder Medizin .. .. .. 42
März .. .. .. 45
Reise ins Weltall .. .. .. 48
Der Fink .. .. .. 51
Das amtliche Dokument .. .. .. 55
Die besondere Kunst oder Wo ist der Maurer .. .. .. 59
Theater .. .. .. 62
Ehe .. .. .. 65
Hochzeit .. .. .. 68
Vinzenzien .. .. .. 71
Das Geheimnis .. .. .. 76
Wie wir das Glück suchen gingen .. .. .. 80
Das Beschwerdebuch oder Die Leber .. .. .. 85
Die Häßliche Schnauze oder Heuchelei .. .. .. 90
Der Regenbogen .. .. .. 94
Herbst .. .. .. 99
Kleine Nachtmusik .. .. .. 101
Oktober .. .. .. 104
Vom Schlittschuhlaufen .. .. .. 107
Die Moldau .. .. .. 110
Silberpapier .. .. .. 113
Jemand .. .. .. 116
Das Engelchen oder Selbstkritik .. .. .. 120
Das Goldene Brünnl .. .. .. 124
Gespräch über den Tod .. .. .. 128
Gespräch mit dem Helden .. .. .. 131

Nachbemerkung .. .. .. 135

Originaltitel: DĚISKÉ ETUDY
Aus dem Tschechischen übersetzt von Eliška Glaserová
Früher erschienen unter dem Titel: „Wie wir das Glück suchen gingen“

Umschlag Erich Rohde

Aufbau-Verlag Berlin
Reihe:
bb-Reihe, Nr. 102
1. Auflage 1961

weitere Ausgaben

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Ludvík Aškenazy
Wie wir das Glück suchen gingen

Originattitel: Dětské etudy
Illustrationen von Helena Zmatlíková
Aus dem Tschechischen übersetzt von Eliška Glaserová
Später erschienen unter dem Titel: „Der Spatz auf der Schallplatte“

Aufbau-Verlag Berlin
1. Auflage 1957

09 Januar 2026

Helmut Hanke: Meer der Verlockung – Auf den Spuren der Argonauten des Pazifik

Klappentext:
Rauhe Männer waren es, die immer wieder zu fernen Gestaden aufbrachen, neue Küsten zu entdecken und zu erobern und ihnen ihre Geheimnisse und Schätze zu entreißen. Schiffbruch, Meuterei und Mord waren die Begleiter bei den Streifzügen durch den Stillen Ozean. Von Sibirien bis zur Antarktis wurde gejagt nach Pelzen, Gewürz und Wal.
Interessant und humorvoll berichtet der Autor, ähnlich wie in seinem Buch „SEEMANN, TOD UND TEUFEL“, von fernen Erdteilen und Inseln, ihren Ureinwohnern und ihren Entdeckern und der großen Zahl der Glückssucher, die selten ihr Ziel erreichten.

Inhalt:
I. Kurs auf die Inseln des Sonnenaufgangs 5
   Die Riesenstatuen der Osterinsel sind das Vermächtnis polynesischer Entdeckungsfahrer
II. Treasure Island 25
    Zwanzig Jahre sah Käptn Gissler auf Kokos Schatzsucher kommen und gehen
III. Die Piratenbohne 43
     Die wahren Schatzinseln rochen nach Zimt und Pfeffer
IV. Unter schwarzem Segel 63
     Auf Pitcairn endete die blutige Odyssee der Bounty-Meuterer
V. Erloschener Glanz der Purpurhäfen 91
    Am Pazifik zog Jack London die Straßen des Abenteuers entlang
VI. Männer, die gegen den Wind spuckten 121
     Die Eroberung des Nordpazifik
VII. Southwardbound in den weißen Süden 141
      Die antarktischen Archipele wurden meist von Walfängern entdeckt
VIII. Die Wallfahrtsinseln der Zoologen 161
       Aut den Galapagos machte Charles Darwin entscheidende Entdeckungen
IX. Die Passagiere der „First Fleet" 179
     Der Reichtum Australiens wurde durch Sträflingsarbeit begründet
Literaturverzeichnis 205

Schutzumschlag und Einbandgestaltung: Werner Schinko

Hinstorff Verlag, Rostock
1. Auflage 1973 

07 Januar 2026

Benno Pludra – Bootsmann auf der Scholle

Verlagstext:
Uwe will den auf einer Eisscholle davontreibenden Hund Bootsmann mit einem Kahn retten. Aber eigentlich ist Uwe noch viel zu jung für eine solche Aufgabe.
Es ist Winter. Uwe, Katrinchen und Jochen haben Bootsmann, den Hund vom Schlepperkapitän Bräsing zum Spielen mitgenommen. Es ist sehr kalt. Am Ufer haben sich Eisplatten gebildet. Auf einer tollen Jochen und Bootsmann herum, bis sie abbricht. Jochen kann sich noch mit einem Sprung in Sicherheit bringen, aber als Bootsmann das auch will, ist die Scholle schon zu weit abgetrieben. Jochen stiehlt sich davon. Katrinchen soll Hilfe holen, kommt aber nicht zurück. Uwe, ganz auf sich gestellt, findet einen Kahn und rudert dem davontreibenden Bootsmann hinterher.

Buchanfang:
Bootsmann ist ein junger Hund, schwarz, weich und wollig. Er lebt am Meer auf einem Schlepper, einem kleinen starken Dampfer, der große Dampfer schleppt. Der Kapitän des Schleppers heißt Putt Bräsing.
Putt Bräsing ist Bootsmanns bester Freund. Er gibt ihm zu fressen und sorgt für seinen Schlafplatz.
Putt Bräsing und Bootsmann wohnen im Bauch des Schleppers. Sie schlafen jeder in einer Koje. Putt Bräsing in einer großen, Bootsmann in einer kleinen. Bootsmanns Koje ist ein Schuhkarton. Aber es liegt saubere Putzwolle drin, und Bootsmann schläft warm und prächtig wie in einem Himmelbett.

Dieses Buch wurde beim Preisausschreiben für Kinder- und Jugendliteratur des Ministeriums für Kultur 1959 mit einem Preis ausgezeichnet
Illustrationen von Werner Klemke


Der Kinderbuchverlag Berlin
Reihe:
Die kleinen Trompeterbücher, Band 3
1. Auflage 1959
2. Auflage 1960
3. Auflage 1961
4. Auflage 19??
5. Auflage 1964
6. Auflage 1964
7. Auflage 1968
8. Auflage 1970
9. Auflage 1972
10. Auflage 19??
11. Auflage 1980
12. Auflage 1981
13. Auflage 1984
14. Auflage 1986
15. Auflage 1988
16. Auflage 1990  

In gleicher Ausführung erschien im
Beltz, Der KinderbuchVerlag.
1. Auflage 2004
2. Auflage 2009
?. Auflage 2010
?. Auflage 2024

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Benno Pludra: Bootsmann auf der Scholle - drei Erzählungen

Inhalt:
Bootsmann auf der Scholle 6
Sundus 49
An den Baum gebunden 102

Kinderbuch-Verlag, Berlin
Reihe:
Benno-Pludra-Bibliothek
1. Auflage 1996
2. Auflage 1997

03 Januar 2026

Joachim Walther: Ich bin nun mal kein Yogi

Cover der 1. und 4. Auflage
Klappentext:
„Verdammt noch mal, ich halt das nicht mehr aus, dieses Rumsitzen, ich bin nun mal kein Yogi, ich muß was tun, muß Leute sehen, mit Leuten reden.“ So Norman Bilat, Berlin, zu seiner meditierenden holländischen Tramp-Freundin auf einer Klippe am Schwarzen Meer bei Sosopol. Verständlich, denn ihre Lehren der Tantras vermögen ihn nicht darüber hinwegzutrösten, daß er zu spät nach Rumänien kam und nicht mehr bei der Hochwasserkatastrophe helfen konnte. Nun sitzt er hier und ist vor allem wütend auf sich selbst. Reisen in ein anderes Land sind wie Reisen durch und zu sich selber. Bilat macht diese Erfahrung gleich in vier Ländern. Was er erlebt, ist für den Leser oft vergnüglicher als für ihn.

Joachim Walther wurde 1943 in Chemnitz geboren. Abitur mit Facharbeiterbrief als Maschinenschlosser. Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. Seit 1968 Verlagslektor in Berlin: Veröffentlichungen: „Sechs Tage Sylvester“, „Zwischen zwei Nächten“, „Meinetwegen Schmetterlinge“, „Neun-Tage-Buch“ (mit G. Steineckert), „Das Verführerbüchlein“, „Stadtlandschaft mit Freunden“, „Bewerbung bei Hofe“, Hörspiele u. a.

Buchanfang:
Das Auto hatte ich kommen sehen, auch, daß es schnell fuhr und der Abstand zu mir gefährlich klein war. Ich hatte also weder geschlafen noch mich verschätzt, als ich trotzdem über die Straße ging. Ich hatte es gewollt. Ich wollte es wissen.
Was, wußte ich nicht bis ich die Reifen auf dem Pflaster kreischen hörte, einen Aufschrei, meinen Herzschlag, und ich deutlich, nein, überdeutlich wie in einer mikroskopischen Ausschnittvergrößerung das gerillte Scheinwerferglas und die Birne dahinter sah. Wozu? dachte ich, lichtschnell, lichthell, daß ich es schon irgendwann vorher gedacht haben muß: Wozu, wozu ich, wozu gerade ich?
Ich hätte in dem Moment, als mir der Scheinwerfer so nahe war, die Bewegung ein klein wenig verzögern können, und der Gedanke daran war auch da, doch dann muß ich es doch nicht getan. haben, ich muß gesprungen sein. Denn anders kann ich mir nicht erklären, wie das Auto hinter mich, ich auf die Fußgängerinsel und die alte Frau vor mich gekommen ist. Ihr Mund stand noch offen: der Aufschrei, erschrocken die Augen, vorwurfsvoll und erlöst zugleich ihre Stimme:
Jetzt wären Sie aber bald tot gewesen, tot, junger Mann, tot!

Schutzumschlag: Regine Schulz/Burckhard Labowski

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
NL podium
1. Auflage 1975
2. Auflage 1976
3. Auflage 1977
4. Auflage 1983
5. Auflage 1985

Buchclub 65
Berechtigte Ausgabe
1. Auflage 1977

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Illustrationen von Burckhard Labowski

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
  Kompass-Bücherei, Bd. 238
1. Auflage 1975
2. Auflage 1980 

24 Dezember 2025

Gottfried Keller: Kleider machen Leute – Eine Auswahl

Zum Buch:
Das Buch „Kleider machen Leute“ enthält ausgewählte Geschichten und Gedichte des Schriftstellers Gottfried Keller. In der titelgebenden Novelle verhilft die Verwechslung mit einem Grafen einem arbeitslosen Schneider zu Ansehen und Wohlstand. Es sind die Umstände und die Menschen um ihn herum, die aus ihm einen anderen machen, als er es ist. Beeinflusst von Äußerlichkeiten, Meinungen, Vermutungen und Ansichten der Leute entsteht die Scheinsituation des Schneiders als Graf. Die Schlussfolgerung: Lerne zuerst einen Menschen richtig kennen, bevor du ihn beurteilst.

Einbandtext:
Es hängt nicht nur von uns selber ab, wie unser Leben verläuft. Zufällige Ereignisse und das Eingreifen anderer – in guter Absicht oder in böser – haben schon manchen in eine schwierige Lage gebracht. Dann aber muß er aktiv werden, muß handeln, sonst gerät er ins Schleudern. Gottfried Keller schildert einen solchen Fall in „Kleider machen Leute“, einer Novelle, die ihren Weg um die ganze Welt gemacht hat. Unser Band enthält daneben noch weitere, ebenso bekannte und beliebte Geschichten des berühmten Schweizer Schriftstellers, so zum Beispiel „Die drei gerechten Kammacher“ oder „Pankraz, der Schmoller“, und auch Gedichte wurden aufgenommen. Obwohl Keller sie vor über hundert Jahren geschrieben hat, gilt ihre Botschaft von der Stärke des Menschenherzens und der Kostbarkeit des Lebens auch für uns.

Aus dem Buch:
Kleider machen Leute
An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig zwischen den Fingern drehte, wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich von diesem Drehen und Reiben. Denn er hatte wegen des Falliments irgendeines Seldwyler Schneidermeisters seinen Arbeitslohn mit der Arbeit zugleich verlieren und auswandern müssen. Er hatte noch nichts gefrühstückt als einige Schneeflocken, die ihm in den Mund geflogen, und er sah noch weniger ab, wo das geringste Mittagbrot herwachsen sollte. Das Fechten fiel ihm äußerst schwer, ja schien ihm gänzlich unmöglich, weil er über seinem schwarzen Sonntagskleide, welches sein einziges war, einen weiten dunkelgrauen Radmantel trug, mit schwarzem Samt ausgeschlagen, der seinem Träger ein edles und romantisches Aussehen verlieh, zumal dessen lange schwarze Haare und Schnurrbärtchen sorgfältig gepflegt waren und er sich blasser, aber regelmäßiger Gesichtszüge erfreute. Solcher Habitus war ihm zum Bedürfnis geworden, ohne daß er etwas Schlimmes oder Betrügerisches dabei im Schilde führte; vielmehr war er zufrieden, wenn man ihn nur gewähren und im stillen seine Arbeit verrichten ließ; aber lieber wäre er verhungert, als daß er sich von seinem Radmantel und von seiner polnischen Pelzmütze getrennt hätte, die er ebenfalls mit großem Anstand zu tragen wußte.
Er konnte deshalb nur in größeren Städten arbeiten, wo solches nicht zu sehr auffiel; wenn er wanderte und keine Ersparnisse mitführte, geriet er in die größte Not. Näherte er sich einem Hause, so betrachteten ihn die Leute mit Verwunderung und Neugierde und erwarteten eher alles andere, als daß er betteln würde; so erstarben ihm, da er überdies nicht beredt war, die Worte im Munde, also daß er der Märtyrer seines Mantels war und Hunger litt, so schwarz wie des letztern Sammetfutter.
Als er bekümmert und geschwächt eine Anhöhe hinaufging, stieß er auf einen neuen bequemen Reisewagen, welchen ein herrschaftlicher Kutscher in Basel abgeholt hatte und seinem Herren überbrachte, einem fremden Grafen, der irgendwo in der Ostschweiz auf einem gemieteten oder angekauften alten Schlosse saß. Der Wagen war mit allerlei Vorrichtungen zur Aufnahme des Gepäcks versehen und schien deswegen schwer bepackt zu sein, obgleich alles leer war. Der Kutscher ging wegen des steilen Weges neben den Pferden, und als er, oben angekommen, den Bock wieder bestieg, fragte er den Schneider, ob er sich nicht in den leeren Wagen setzen wolle. Denn es fing eben an zu regnen, und er hatte mit einem Blicke gesehen, daß der Fußgänger sich matt und kümmerlich durch die Welt schlug.
Derselbe nahm das Anerbieten dankbar und bescheiden an, worauf der Wagen rasch mit ihm von dannen rollte und in einer kleinen Stunde stattlich und donnernd durch den Torbogen von Goldach fuhr. Vor dem ersten Gasthofe, zur Waage genannt, hielt das vornehme Fuhrwerk plötzlich, und  ......

Inhalt:
An Johann Müller .. .. .. 5
Gewitter im Mai .. .. .. 8
Der Taugenichts .. .. .. 9
Pankraz, der Schmoller .. .. .. 12
Auf dem Berge .. .. .. 76
Jung gewohnt, alt getan .. .. .. 79
Kleider machen Leute .. .. .. 81
Waldlied .. .. .. 136
Sommernacht .. .. .. 138
Die drei gerechten Kammacher .. .. .. 140
Zur Erntezeit .. .. .. 195
Frau Rösel .. .. .. 196
Morgen .. .. .. 198
Die Berlocken .. .. .. 199
Abendlied .. .. .. 220
Ein Kenner des menschlichen Herzens - Nachwort des Herausgebers .. .. .. 221
Zeittafel .. .. .. 228
Worterklärungen und Anmerkungen .. .. .. 233
Quellennachweis .. .. .. 239

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Richter
Illustrationen von Bernd Günther
Für Leser von 13 Jahren an

Der Kinderbuchverlag Berlin
Reihe:
Die Goldene Reihe
1. Auflage 1986
2. Auflage 1987
3. Auflage 1989

23 Dezember 2025

Dominique Fernandez: In der Hand des Engels

Klappentext:
In der Nacht vom 1. zum 2. November des Jahres 1975 wird ein Mann am Strand von Ostia ermordet aufgefunden, dessen Leben ebenso skandalös und widersprüchlich war wie die Umstände, die zu seinem Tod führten. In der Tat, wovon der Ich-Erzähler Pier Paolo seinem jungen Neapolitaner Freund Gennariello berichtet, ist das Schicksal eines Außenseiters. 1922 in Bologna als Sohn eines faschistischen Offiziers geboren, aufgewachsen im ländlichen Friaul, der Heimat seiner innig geliebten Mutter, zerbricht die Idylle jäh, als seine Neigung zum gleichen Geschlecht publik wird. Moralisch untragbar, politisch verdächtig, wird er aus dem Schuldienst entlassen. Unter den Asozialen, den kleinen Dieben und Strichjungen der römischen Vorstädte entdeckt er jene »Ragazzi di vita«, die er zu den Helden seines ersten Romans macht. Das Buch wird beschlagnahmt, seinem Verfasser ein Prozeß wegen Verstoßes gegen die guten Sitten angehängt. Das ist der Beginn einer Kampagne, die nunmehr unablässig gegen den Schriftsteller und Filmregisseur, den kompromißlosen Kritiker des italienischen Wirtschaftswunders und des aufkommenden Neofaschismus, den scharfen Polemiker gegen jegliche Art von Diskriminierung, entfesselt wird. Verleumdet, verachtet, verfolgt, sein Name zum Schimpfwort herabgewürdigt, sollte der »Traum von einer Sache«, der Traum von einem besseren, gerechteren Leben, für ihn wie für seinesgleichen unerfüllt bleiben.
Fiktives und Authentisches vermischen sich in dieser Romanbiographie des Franzosen Dominique Fernandez zu einem faszinierenden Bild des Mannes. der zu einer der hervorragendsten Gestalten der italienischen Literatur- und Filmgeschichte der Gegenwart zählt: Pier Paolo Pasolini.

Dominique Fernandez, französischer Romanschriftsteller, Essayist, Literaturkritiker und Übersetzer, Sohn des Schriftstellers Ramon Fernandez, wurde 1939 in Paris geboren. Nach dem Studium der italienischen Sprache und Literatur folgte er 1957 einer Berufung ans Institut Français in Neapel, von dem er jedoch auf Grund unerwünschter Äußerungen nach kurzer Zeit wieder verwiesen wurde. Nach Verteidigung seiner Doktorarbeit über den italienischen Schriftsteller Cesare Pavese (L'Echec de Pavese, 1968) ist er seither als Dozent für Italienisch und als Literaturkritiker tätig. Als hervorragender Kenner der italienischen Geschichte, Literatur und Kultur greift er in seinen Romanen, Essays und Reiseberichten immer wieder diesen Gegenstand auf. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Romane Les Enfants de Gogol (1971), Porporino ou les mystères de Naples (1974. ausgezeichnet mit dem Prix Mèdicis, dt. »Porpo rino oder die Geheimnisse von Neapel, 1976), und L'Etoile rose (1978), die Essays Le Roman italien et la crise de la conscience moderne (1958), L'Echec de Pavese (1968), L'Arbre jusqu'aux racines (1972), Eisenstein (1975), sowie die Reiseberichte Mère Méditerranée (1965, dt. Süditalienische Reises, 1969), Les Evénements de Palerme (1966) und Les Siciliens (1977). Mit seinem neuesten Werk, der Romanbiographie »In der Hand des Engels« (Dans la main de l'ange, 1982, ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt), wird Dominique Fernandez erstmals in der DDR vorgestellt.

Einbandentwurf: Gerhard Medoch
Originalausgabe: Dans la main de l'ange; © 1982, Editions Grasset & Fasquelle
Aus dem Französischen von Egon Wiszniewsky

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1985 

Karl-Heinz Jakobs: Beschreibung eines Sommers

Klappentext:
Tom Breitsprecher ist sich seines Könnens und seines Wissens völlig bewußt. Für ihn gibt es die Musik und die Formeln der Mathematik, sein Selbstbewußtsein und die Frauen, bei denen er sich seines Erfolges stets sicher zu sein glaubt. Auch bei der jungen Maschinistin Grit, die er auf der Baustelle in Wartha kennenlernt: Als einer der fähigsten jungen Bauingenieure seines Stammbetriebes ist Tom hierhergekommen; er arbeitet vorbildlich und reißt die Jugendbrigaden mit. Als aber aus dem Spiel mit Grit zum erstenmal in seinem Leben Ernst wird, gerät nicht nur die Selbstsicherheit des jungen Mannes ins Wanken ... Liebe in unserer Zeit, Probleme der Generation, die, 1945 vor einen neuen Anfang gestellt, im Hier und Heute tätig ist – das rückt Karl-Heinz Jakobs kühn und eigenwillig in den Mittelpunkt dieses Romans.


Umschlag- und Einbandentwurf: Regine Schulz

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1980 

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Verlag der Nation, Berlin
Reihe:
Roman für Alle; Nr. 134
1. Auflage 1962 
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Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe:
Roman-Zeitung 270
1. Auflage 1962 
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Verlag Neues Leben, Berlin

1. Auflage 1961
2. Auflage 1962
3. Auflage 1962
4. Auflage 1963
5. Auflage 19??
6. Auflage 19??
7. Auflage 1964
8. Auflage 1965
9. Auflage 1967
10. Auflage 1969
11. Auflage 1970
12. Auflage 1973
13. Auflage 1975
14. Auflage 1976
15. Auflage 1977
16. Auflage 1978
17. Auflage 1979


Weitere Cover der Ausgaben im Verlag Neues Leben

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