17 November 2024

Rudolf Braune: Das Mädchen an der Orga Privat

Klappentext:
„Liebe Eltern, bin gut angekommen...“, schreibt Erna Halbe an die Eltern. Vorfreude auf eine neue Arbeit, Neugier auf die große Stadt und auch ein wenig Ängstlichkeit erfüllen die Zwanzigjährige, die aus einem kleinen mitteldeutschen Industriestädtchen nach Berlin gekommen ist. Sie möchte gut verdienen, selbständig sein, etwas erleben. Unter den Mädchen im Büro lernt sie Fröhlichkeit und Sorge kennen. Ihr begegnet die Liebe, sie glaubt sich glücklich. Aber dann geschehen Dinge um sie herum, die sie heftig erschrecken, aufrütteln und aus dem stillen Mädchen eine tapfere Heldin des Alltags erwachsen lassen. Eine kleine alltägliche Geschichte? Vielleicht! Aber mit wieviel Wärme, Sympathie, Engagement vermag der junge, begabte, leider zu früh verstorbene Rudolf Braune die Größe dieser einfachen arbeitenden Menschen wiederzugeben und echtes Milieu vom Ende der 20er Jahre zu zeichnen.

Buchanfang:
Eines Morgens, im Frühjahr 1928, kommt ein junges Mädchen mit dem Leipziger Zug auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin an. Niemand erwartet sie. Niemand beachtet sie in dem Gewühl dieses Berliner Arbeitsmorgens, unter dem Rauch eines feuchten, traurigen Himmels. Sie trägt einen anscheinend sehr schweren Handkoffer, denn ab und zu nimmt sie ihn in die andere Hand. Das Mädchen geht langsam mit kleinen Schlenkerschritten und betrachtet mit mürrischem, verschlafenem Gesicht die eifrig herumlaufenden Menschen, Bahnbeamte, Verkäufer, Zeitungshändler, Arbeiter und Reisende. Als sie aus der rußigen Halle herauskommt, ziehen gerade die Regenwolken auseinander, und die Asphaltpfützen glänzen auf. Ein matter Schein huscht über die grauen Häuserfronten, springt über Firmenschilder, an Erkern und vorgetäuschten Balkonen vorbei, über die Straße bis zu diesem kleinen Mädchen, die einige Minuten am Ausgang des Anhalter Bahnhofs stehenbleibt, ehe sie im Gewühl der Stadt verschwinden wird. Ihr Koffer steht neben ihr auf dem Boden, die großen Hände stecken in den Taschen des braun gesprenkelten Mantels. So sieht Erna Halbe zum ersten Male Berlin.
Sie kommt aus einem kleinen Industrienest in der Nähe von Korbetha im Mitteldeutschen. Ihr Vater arbeitet in der Zeche, sie selbst, das vierte Kind von elfen, hat Stenographie gelernt und Schreibmaschine und vier Jahre bei einem Rechtsanwalt gearbeitet. Die Enge im elterlichen Hause, der ewige Streit und Krach paßten ihr nicht mehr. Nach vielen vergeblichen Versuchen und Bewerbungen erhielt sie endlich vor ein paar Tagen eine Zusage aus Berlin. Einhundertdreißig Mark brutto, schrieb die Gesellschaft, Arbeitsantritt Mittwoch früh neun Uhr.
Das war ihre erste große Reise.
Zuerst muß ich mir ein Zimmer suchen, überlegt sie. ........

Schutzumschlag und Einband: Paul Rosié
Die Erstausgabe erschien 1930.
Unsere Ausgabe folgt der 1960 in der Roten Dietz-Reihe erschienenen Auflage. *

Verlag Neues Leben, Berlin
1. Auflage 1975

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Verlagstext:
Ihre Kleider sind längst nicht so schick wie die der anderen Mädchen, man merkt: sie kommt aus der Provinz, die kleine Erna Halbe, die eben ihre Stelle in der Eisenverwertungs-GmbH in Berlin angetreten hat und nun hinter der klapprigen Orga Privat sitzt. Aber sie ist nicht auf den Kopf gefallen, sie hat Mut und ein gesundes Rechtsgefühl, und so wird sie unversehens zur Rebellin. Und als sie gehen muß, geht sie stolz und ungebrochen: sie hat den Kampf aufgenommen, und sie wird weiterkämpfen.

Mit einem Nachwort von Otto Gotsche
Erstausgabe 1930

Dietz Verlag, Berlin
Reihe:
rdr Rote Dietz-Reihe, Bd. 2
1. Auflage 1960 [  1. - 40. Tsd.]
2. Auflage 1961 [41. - 60. Tsd.]

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