
In diesem Mozart-Roman sind die biographischen Darstellungen
aus der Mozart-Forschung und die einschlägigen Briefsammlungen das
inhaltgebende Fundament der dichterischen Gestaltung. Das Leben und Wirken
Mozarts wird in erzählender Form nachgezeichnet, ohne durch hinzugefügte
dichterische Motivierungen der Historie Gewalt anzutun und durch psychologische
Deutungen die Gestalt Mozarts in eine fremde literarische Welt zu verpflanzen.
Nur eine einzige Hauptperson der Romanhandlung ist erfunden: ein an den Rand
von Mozarts Lebensgeschichte gestellter Beobachter, der hauptsächlich in
Briefen an ihm vertraute Personen Vorgeschichten und biographische Abschnitte,
die aus Gründen künstlerischer Konzentration nicht zu lebendigen Romanszenen
aufgelöst wurden, mitteilt. Diese freie dichterische Einfügung bleibt aber nur
Ergänzung und verfälscht nicht die historische Realität des Romans. Das gleiche
gilt für die einzige frei erfundene Szene: die Schilderung eines Ausflugs
Wolfgangs mit der eigenen Schwester und den drei Schwestern von Barisani. Es
ist eine mit leichten Strichen gezeichnete Rokoko-Episode um eine in der
Mozart-Biographie nur erwähnte Liebelei. Die einzige in romantisches Zwielicht
gerückte Szene, die traumhafte Erscheinung des toten Vaters in der gewitterschwülen
Nacht im Garten eines Prager Landhauses, ist dichterisch so zwingend
herbeigeführt, daß sie das reale Geschehen des Romans nicht verwischt. Valerian
Tornius ist in seiner phantasievollen dichterischen Einfühlung durch seine
kritische Stoffbeherrschung vor einer romanhaften Idealisierung oder
Verniedlichung der Gestalt Mozarts geschützt. Er zieht alle historischen
Tatsachen heran, um die tragischen Kurven im Lebensweg des Meisters, die
Daseinsnöte und die künstlerischen Enttäuschungen nachzuzeichnen. Auch bei der
psychologischen Erhellung von Mozarts Schaffensprozeß vermeidet der Autor
romantische Poetisierungen. Dichtung und Wahrheit stehen nirgends im
Widerstreit. Darum kann dieser Mozart-Roman in beschränktem Umfang eine
volkstümliche Mozart-Biographie ersetzen.
UND SO REGT ER SICH GEBÄRDEND,
SICH ALS KNABE SCHON VERKÜNDEND
KÜNFTIGEN MEISTER ALLES SCHÖNEN,
DEM DIE EWIGEN MELODIEN
DURCH DIE GLIEDER SICH BEWEGEN;
UND SO WERDET IHR IHN HÖREN,
UND SO WERDET IHR IHN SEH'N
ZU EINZIGSTER BEWUNDERUNG
Goethe,
Faust II. Teil,
3. Akt, Euphorionszene
Breitkopf & Härtel Musikverlag Leipzig
Auflagen:
1. Auflage 1957
2. Auflage 1958
3. Auflage 1958
4. Auflage 1959
5. Auflage 1959
6. Auflage 1960
7. Auflage 1961
8. Auflage 1962
9. Auflage 1962
10. Auflage 1963
11. Auflage 1964
12. Auflage 1965
13. Auflage 1967
14. Auflage 1968
15. Auflage 1969
16. Auflage 1970
17. Auflage 1971
18. Auflage 1972
19. Auflage 1973
20. Auflage 1986
21. Auflage 1989
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