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23 August 2025

Werner Steinberg: Zwischen Sarg und Ararat

Cover der 4. Auflage
Einbandtext:
Seit mehr als sechs Jahrzehnten eingeschlossen in die sterndurchfunkelte Schwärze des Alls, reist eine Gruppe Menschen äonenfernen Weiten entgegen. Unbekannte Formen des Lebens in anderen Sonnensystemen unserer Galaxis zu erkunden – so lautete der Auftrag, mit dem „Messenger“ dereinst von der Erde aus gestartet worden war. Längst schon ist eine zweite Generation geboren und herangewachsen; sie kennt die irdische Heimat nicht und wird sie nie erblicken. Das Gesetz, dem diese Menschen nach dem Willen ihres Kommandanten Ulf Seitz unterworfen sind, ist von unerbittlicher Härte. Nur als Rädchen und Schräubchen sollen sie funktionieren, damit – wann? wo? warum? – ein Gebot erfüllt werden kann, das immer mehr zur inhaltsleeren Formel gerinnt. Doch in einer zugespitzten Konfliktsituation flackert Widerstand auf. Dem verachteten Buckligen Silvio Montalvo und anderen dämmert, daß hier Inhumanes geschieht: ein großes menschliches Ziel verkehrt sich in sein Gegenteil. Da bietet die unverhoffte Landung auf einem erdähnlichen Planeten Gelegenheit, sich in tätiger Auseinandersetzung mit der rätselhaften Umgebung neu zu bewähren, zurückzufinden in ein sinnvolles Dasein. Mannigfache Fährnisse und Abenteuer – von Werner Steinberg zu spannungsvollen Szenen verdichtet – erwarten die Raumfahrer, und am Ende steht die Einsicht, daß sie alle ganz anders werden leben und handeln müssen als bisher.
  
Buchanfang:
Als Maria Perrault aus dem Tiefenschlaf erwacht, ganz allmählich, als schlendere sie ziellos durch die Gänge des Raumschiffs, erfüllt sie ein unendliches Wohlgefühl. Das kennt sie von den vorausgegangenen Untersuchungen her: Es ist die ungewohnte Empfindung der Schwere, hervorgerufen durch die zarten elektrischen Ströme, die ihren Körper durchpulsten. Doch langsam erlischt das; sie spürt die behutsamen Berührungen der Hände Nikolai Stukalows, des Oberarztes, der die Instrumenten-Kontakte löst; im gleichen Maße wird sie wieder zu der schwebenden Feder, die sie ihr ganzes Leben lang war, wie alle die Menschen um sie her.
Unwillkürlich heben sich ihre Lider. Das erste, was sie erblickt, ist ihr Bauch – er erscheint ihr wie ein Gebirge von Bauch, obgleich er nur zart gewölbt ist. Da weiß sie wieder: Es ist das Kind, in drei Monaten wird sie es gebären.
In ihrem Blickfeld taucht das Gesicht Stukalows auf, ein füllwangiges Gesicht mit ernsten, ruhigen Augen. Zu ihm hat sie mehr Vertrauen als zu Emilio Diop, dem greisen Chef; der jedoch trägt die Verantwortung, er wird die Geburt betreuen. Maria Perrault sucht nach einem Zeichen, einem Augenzwinkern Stukalows vielleicht, dem sie entnehmen könnte, wie die Untersuchung verlaufen ist; aber ein solcher vertraulicher Hinweis bleibt aus, muß ausbleiben, wie sie weiß, denn die Gesetze des Raumschiffs verbieten das, und die Gesetze, die von der ersten Besatzungsgeneration anerkannt wurden, sind unerbittlich, und auch jetzt, in der zweiten Generation, werden sie streng eingehalten.
Nun ist sie hellwach. Sie stößt sich von ihrem Lager ab und beginnt sich anzukleiden. Dabei schweifen ihre Blicke durch den Operationssaal. Auch da gibt es kein tröstliches Zeichen:

Einband: Werner Hahn

Cover der 1. bis 3. Auflage

Greifenverlag zu Rudolstadt

1. Auflage 1978
2. Auflage 1981
3. Auflage 1984
4. Auflage 1988












weitere Ausgaben


Reihe:
Roman-Zeitung 359; 1980/2

Umschlag: Klaus Müller

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1980 

22 Oktober 2024

Gerhard Branstner: Die Reise zum Stern der Beschwingten

Schilderung der galaktischen Erfahrungen etlicher Erdenmenschen  die versehentlich in die Milchstraße geraten sind, nach mancherlei erlittenen Ungemach glücklich wieder daheim anlangten

Klappentext:
Ein utopischer Roman? - Hier verliert sich keine Photonenrakete majestätisch in der Melancholie des Unendlichen, und kein beklommenes Leserfernweh folgt den vagen Spuren perfektionierter Zukunftstechnik. Hier wird im Gegenteil die These praktiziert, daß mangelhafter Sinn für Vergnügen die Logik verdirbt. Und indem dieser schöne Satz umgekehrt und geschüttelt wird, erleben Branstners Leute auf den verschiedensten Sternen in der Tat Abenteuer, die es in sich haben mit zwingender Komik und umwerfender Logik. Die Rückkehr auf die Erde erfolgt mit einer Träne im Auge.
Was aber wurde im Stadium der Menschwerdung aus jenen Säugern auf dem Planeten Aquavox, dessen große Anziehungskraft kein aufrechtes Gehen gestattet? Wie werden jene Vögel auf dem Dritten Stern, die dieses Stadium unter einer unglücklichen Disposition erreichten und dabei ein schwaches Gedächtnis davontrugen, mit den Kannibalen fertig? Wie fährt man bei den freundlichen Bilbomanen ein repräsentatives Radrennen? Wie erlangen die höchstentwickelten Menschen auf dem Stern der Beschwingten, wo Kunst und Literatur blühen, das Glück? - Ein heiterer utopischer Roman.

Schutzumschlag und Einband: Eberhard Binder-Staßfurt

VEB Hinstorff Verlag, Rostock
1. Auflage 1968
2. Auflage 1969
3. Auflage 1970
4. Auflage 1972
5. Auflage 1975
6. Auflage 1977
7. Auflage 1979
8. Auflage 1983
9. Auflage 1990

12 Mai 2021

Johanna Braun, Günter Braun: Conviva Ludibundus

Klappentext:
Die Brauns
begeben sich in ihrem neuen utopischen Roman aufs Wasser. Da sticht ein Schiff ins Meer, das es noch nicht gab: schwimmend, fliegend, tauchend, stelzend, schaumschlagend und schaumgebremst. Mit "Totalmobil 01", wie das technische Wunderding heißt, will Professor Dr. Dr. Mittelzwerck die geheimnisvollen Meeresbewohner aufspüren, die in seinem Meeresgarten alle grünen Muscheln abgefressen und damit die Menschen einer Frucht beraubt haben, die Delikatesse und Lebenselixier zugleich bedeutet.
Der greise Meeresgärtner Philemon, Entdecker und Züchter der grünen Muscheln, glaubt die Räuber zu kennen, doch seine umständliche Betulichkeit läßt ihn nicht zum Zuge kommen, und Eitelkeit und Schadenfreude verschließen ihm den Mund - bis die Katastrophe nicht mehr abzuwenden ist.

Die Brauns
geben vor, ein Stückchen Zukunft abzubilden, es scheint jedoch, sie haben vornehmlich die Gegenwart im Auge. Sie fragen nach dem Verhältnis des Menschen zur Natur und gehen dabei, wie sie es immer tun, eindringlich auf das Verhältnis des Menschen zu sich selbst ein. Sie versetzen ihre Personen in eine Situation, die unkonventionelles Denken verlangt, und weisen am Beispiel nach, wie geistiges und charakterliches Mittelmaß, wenn es als unantastbare Spitze bezeichnet wird, vor allem Formalismus produziert, deshalb der ständigen Beweihräucherung bedarf und schließlich im Eigenlob erstickt.

Die Brauns
muten ihrem Alltagshelden einiges zu, Glaubwürdiges und Unglaubwürdiges, Gereimtes und Ungereimtes, und sind auch nicht immer ganz fein, dafür manchmal herzerfrischend drastisch. Sie überschütten den Leser mit einem Sturzbach von Einfällen, deren Respektlosigkeit Lächeln oder Stirnrunzeln auslöst, hier und da wohl auch zu Widerspruch auffordert, jedoch niemanden unbetroffen aus der Lektüre entläßt.

Umschlag- und Einbandentwurf: Erhard Grüttner

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1978
2. Auflage 1980
3. Auflage 1982
4. Auflage 1989