Der Fuhrunternehmer Hermann Haldeweg wird 1951 während einer Premierenfeier des Stadttheaters durch Gift ermordet. Verdächtig sind viele. VP-Rat Rudi Zillgitt ermittelt, dass Orely Wiegleb unrechtmäßig eine Gemme aus fürstlichem reußischem Besitz ihr eigen nennt, dass die Gebrüder Tamm pornographische Bildserien westdeutscher Herkunft illegal vertreiben, dass der Dentist Kindshirt mit Zahngold schiebt, dass Dr. Hopf seine alte Bekanntschaft mit der Ermordeten verschweigt, dass … Sie alle haben gegen die Gesetze der noch jungen DDR verstoßen oder zumindest dem ermittelnden VP-Rat etwas verborgen. Doch die Verstöße kann Zillgitt in keine Beziehung zum Mord bringen. Und: Niemand scheint ein Motiv für diesen Mord zu haben. Wer ist der Täter? Diese alte Frage aller Kriminalliteratur sucht der Autor in einem spannenden Kriminalroman zu beantworten.
Buchanfang:
»Ich konnte doch nicht ahnen«, sagt der Rothaarige am Abteilfenster, »daß es gerade in dieser Minute darauf ankam. Zwei, drei Doppelte, dann gehe ich an den Tisch zurück – aus! Das Mädchen ist weg.«
Sein Gegenüber schüttelt mitleidig die nackenlangen Locken und massiert mit der Linken das Knie. »Laß dir einen Wecker erfinden, der immer kurz klingelt, wenn die Post irgendwo abgeht.«
»Wär ja auch für die Katz«, meint der Dritte bedächtig mit vollem Mund. »Erst wenn was vorbei ist – weißt du, woran du warst. Was stimmt beim Wetterbericht auf Garantie? Das Wetter von gestern.« Sie sind Anfang Zwanzig, vermutlich Monteure, die nach dem Wochenende wieder zu ihrer Arbeitsstelle fahren.
Ich brauche ihr Thema nicht erst aufzunehmen, ich belächle mit einem halben Seufzer die Duplizität. Seit mehr als einer Fahrtstunde krame ich entweder in den Zetteln in meiner Aktentasche, oder ich sehe durchs Fenster auf die vorbeifliegende Landschaft und überlege. Warum bin ich durch jenen Fall damals hindurchgetaucht wie ein Schwimmer durch eine Pflichtstrecke? Habe es nicht bemerkt, wie da für eigene Nachbarn die Stunde Eins eines anderen Zeitalters anfing?
Draußen huscht ein klatschnasses Dorf vorbei, und die drei Abteilgefährten orakeln jetzt über das Herbstwetter und was davon für ihre Schichtleistung in der kommenden Woche abhängen wird. Der mit den nackenlangen Locken ist zuversichtlich: Eule – das muß der Brigadier sein – brauche Geld, da kämen sie auch auf das ihre.
Ich krame wieder in meiner Aktentasche, fische wahllos ein paar Zettel heraus, stoße auf Anhieb auf den Namen Adriani. Wegen seiner Egmont Inszenierung sitze ich hier ......
Umschlagillustration: Ludwig Daume
Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig
K-Reihe
1. Auflage 1978
2. Auflage 1980
3. Auflage 1983
4. Auflage 1986
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Cover Buchclub 65 Schutzumschlag: Rolf F. Müller |
Buchclub 65
1. Auflage 1980
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