Er war die lebendige Kritik seiner Zeit, und sein ganzes Leben war Polemik. Diese Kritik machte sich geltend im weitesten Bereiche des Gedankens und des Gefühls, in der Religion, in der Wissenschaft, in der Kunst. Diese Polemik überwand jeden Gegner und erstarkte nach jedem Sieg. (Heinrich Heine, 1834)
Lessings hier in einer Auswahl vorgestellte kleinere philosophische und poetologische Schriften, entstanden zwischen 1749 und 1780, dokumentieren, dass er Überlebtes unerbittlich attackierte, „das unreine Wasser“ aber doch „nicht eher weggegossen wissen“ wollte, „als bis man weiß, woher reineres zu nehmen“. Seine Polemik schloss kritisches Abgrenzen, Bestimmen, Klarstellen und das Aufstellen von Idealen ein, Idealen, über deren Realisierbarkeit nachzudenken auch uns Heutigen ansteht. Denn ob Lessing nun in seiner Auseinandersetzung mit der orthodoxen Theologie die christliche Lehre auf ihren moralischen Kern zurückführte oder als Literatur- und Kunstkritiker die Autorität der französischen (klassizistischen) Kunstregel sprengte und Grundsätze für eine neue realistische Ästhetik formulierte – immer ging es ihm letztlich um die Vervollkommnung des Menschen, der Menschheit überhaupt. Lessings theoretische Streit-Schriften sind und erfordern „Gedankenarbeit“. Wer sie zur Hand nimmt, sollte nicht auf Endgültiges hoffen, sondern sich auf lebendige Dispute einstellen.
Gustav-Kiepenheuer-Verlag, Leipzig und Weimar, 1. Auflage, 1981
Bibliothek des 18. Jahrhunderts
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