Wolfgang Licht ist von Beruf Arzt - wie Claudia M. Man spürt das, wenn er, unprätentiös und teilnahmsvoll, ihren Klinikalltag beschreibt: die Arbeit im Kreißsaal und in der Eheberatungsstelle, Visiten und Nachtdienste. Eine Mittdreißigerin tritt uns entgegen, erfolgreich, selbstbewußt und doch auf uneingestandene Weise enttäuscht. Sie registriert Mißempfindungen und beginnt nach den Ursachen zu suchen. Es kostet sie Überwindung, ihre Ehe in die Bilanz einzubeziehen, denn privates Glück, ein Statussymbol, stellt man ungern in Frage.
Claudia M. kann es nicht länger vor sich selbst verheimlichen: In ihrem langjährigen Ehealltag ist alle Spontaneität erstickt. Hinter dem gepflegten Umgangsstil verbergen sich Langeweile und Lustlosigkeit und lassen Gemeinsamkeit zur Anstrengung werden. Das Unvermögen, darüber zu sprechen, tarnt sich als Rücksicht. Lauter Symptome der Selbstbeschränkung. Dabei sollten es doch die Ansprüche sein, die alles bewegen, und nicht die Verzichte.
Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1981
bb
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