03 November 2021

Anna Seghers: Das Licht auf dem Galgen


 Eine karibische Geschichte aus der Zeit der Französischen Revolution

Thematisch ihren zwei Antillen-Geschichten zugehörig („Die Hochzeit von Haiti“ und „Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe“), legt Anna Seghers eine neue „karibische Geschichte“ aus dem Wirkungskreis des Toussaint l’Ouverture vor, der nach der Erklärung der Menschenrechte von 1789 den Kampf um die Freiheit und Gleichheit der N*** führte. Auf historischem Hintergrund weiß Anna Seghers anschaulich individuelle Konflikte darzustellen, so daß geschichtlicher Gang und menschliche Reflektionen, Bewährung und Versagen im Gebot der Stunde zu lebensvoller Einheit verschmelzen.

Aufbau-Verlag Berlin 1961

Martin Andersen Nexö: Ditte Menschenkind


 Im Elsternnest wächst sie auf, dem Anwesen Lars Peter Hansens, der der Schinder ist und seinem Ruf entfliehen will. Aber dieser Ruf ist zäh, er läßt sich genausowenig abschütteln wie die Armut, die Ditte anhaftet, ihr ganzes Leben lang. Und dennoch ist dort, wo der Schinder auftaucht mit seinem abgetriebenen Gaul, dem großen Klaus, Geborgenheit für Ditte und die Geschwister, denen sie die Mutter ersetzt. Selten nur leuchtet ein Lichtpunkt für sie auf, er leuchtet dann besonders hell: der Besuch im Märchenland, die beiden Alten im Pfefferkuchenhaus und später das kurze gestohlene Glück mit Vang, dem das erdrückende Dasein in den Mietskasernen Kopenhagens folgt. So wenig Wärme es aber auch für Ditte gibt – sie selbst ist immer für die andern da, ist Mittelpunkt und Hilfe für alle, die es noch schwerer haben als sie.

Verlag Neues Leben Berlin und Weimar 1973
Illustrationen: Rudolf Grapentin

02 November 2021

Vladimir Pozner: Abstieg in die Hölle

„… und wenn ihr diesen Brennesselbusch zertretet, / der ich einst war in einem anderen Jahrhundert, / in einer euch verjährt erscheinenden Geschichte, / erinnert euch nur, daß ich unschuldig war / und daß, genau wie ihr, Sterbliche dieses Tages, / auch ich ein Angesicht gehabt, gezeichnet / von Zorn, von Mitleid und von Freude, / ein Menschenangesicht, ganz einfach.“ Letzte, vielleicht einzige Verse eines unbekannten Franzosen, niedergeschrieben, ehe er in den Gaskammern von Auschwitz umkam. Seine Geschichte und die der unzähligen Opfer – die Statistik spricht von mehr als vier Millionen – ist heute, ein halbes Menschenalter danach, keineswegs verjährt. Nur eine verschwindend geringe Anzahl der aus allen Ländern hierher Verschleppten – Juden, Zigeuner, Widerstandskämpfer, Kommunisten – hat die Hölle von Auschwitz, dieses größte und perfekteste Vernichtungslager der Nazis, überlebt. Einige von ihnen hat der französische Schriftsteller Vladimir Pozner 35 Jahre nach der Befreiung des KZ durch die sowjetische Armee befragt. Ihre Aussagen, kontrastierend mit Tagebuchaufzeichnungen ehemaliger SS-Aufseher, rufen Bilder unendlichen Grauens wach. Die willkürliche Verhaftung, der Abtransport mit ungewissem Ziel, die Ankunft im Lager, die Selektion: wer nach rechts beordert wurde – Kinder, Greise, Kranke -, den erwartete der rasche sichere Tod in der Gaskammer, wer sich in der linken Reihe befand, den erwarteten Hunger, Durst, Krankheit, schwerste körperliche Arbeit, tagtägliche Demütigungen und Bedrohungen, was für die meisten ein langsames, qualvolles Sterben bedeutete. Physische und psychische Marter im faschistischen Lager sollten auch den Menschen im Menschen zerstören: Mut, Hoffnung und Standhaftigkeit. Und doch gab es Gesten der Freundlichkeit, Worte des Trostes, Zeichen von Beistand, Beispiele von Aufopferung und Solidarität und aktiven Widerstand. Wer vermag zu ermessen, welch unsäglicher Kraft es bedurfte, ein Stück Brot zu teilen, ein Lächeln zu spenden, aber wer vermag diejenigen zu verurteilen, die der allgegenwärtigen Todesangst erlagen? Für alle, die den „Abstieg in die Hölle“ erlitten, ist dieses Buch geschrieben, Verpflichtung gegenüber den Toten, mahnende Erinnerung an die Lebenden. Denn, so bekennt Macha, eine der befragten: „Wir durchleben eine schreckliche Zeit, wir erleben immer wieder die gleiche Gefahr, und das ist so lebendig in unserem Geist, in unserem Herzen, das kann immer wiederkommen.“

Verlag Volk und Welt Berlin 1985
Aus dem Französischen von Ortrud und Bernd Schirmer

 

Oscar Wilde: Sämtliche Märchen und Erzählungen


 In neuer, meisterhafter Übersetzung sind hier die nachdenklichen Märchen des schönheitstrunkenen Dichters, deren sozialer Sinn uns erst heute ganz aufgegangen ist, mit seinen sämtlichen Erzählungen und den Gedichten in Prosa vereinigt. Der Leser, ob jung oder alt, findet hier alles beisammen, was ihm von Wilde liebgeworden ist oder ihn gefesselt hat (wie etwa "Der Fischer und seine Seele", "Lord Arthur Saviles Verbrechen" oder "Das Gespenst von Canterville"), dazu aber auch weniger bekannte erzählerische Glanzstücke (darunter die Shakespeare-Novelle "Das Bildnis des Herrn W. H."). So rundet sich dieser Band zum reichhaltigen Vermächtnis des Erzählers Wilde, zu einer Gabe voll erregender Schönheit, Spannung und nachdenklichem Glanz.

Dietrich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig
Sammlung Dieterich Band 221

Brigitte Reimann: Die Geschwister

Ostern 1961 in einer kleinen Stadt unserer Republik. Elisabeth und Ulrich Arendt, eine Malerin und ein Schiffsbauingenieur, verleben die Feiertage bei den Eltern. Alle drei, vier Monate einmal sind sie zu Hause; sie gehen zusammen aus, treffen sich mit alten Bekannten, erzählen von ihren Erlebnissen, ihren Freuden, ihren Sorgen. Diesmal jedoch ist alles anders als sonst; Ulrich vertraut der Schwester an, daß er nach Westdeutschland gehen wird. Was wird bleiben von ihrer Gemeinsamkeit, ihrer geschwisterlichen Zuneigung, wenn der Bruder in Hamburg sein wird, wenn er den Weg „von Deutschland nach Deutschland“ – und welch einem Deutschland! – gegangen ist? Elisabeth bangt um den Bruder, sie will ihn nicht verlieren, sie kämpft um ihn. Ein, zwei Tage bleiben ihr, Ulrich von seinem Plan abzubringen, alle Erinnerungen, Erfahrungen ihres gemeinsamen Lebens beschwört sie herauf – aber wird sie, auf sich allein gestellt, das schier Unmögliche erreichen…?

Eine Geschichte aus dem Jahre 1961, fast schon historisch geworden, aber in seiner Problemstellung noch so aktuell wie vor zwei Jahren.

Aufbau-Verlag Berlin 1963
Illustrationen: Horst Bartsch

 

Friedel Hart: Tierpflegerin Uschi


 Uschi war Schweinepflegerin in einer LPG. Das Zeugnis über ihre abgeschlossene Ausbildung hat sie in der Tasche. Nun will sie weiter, etwas anderes anfangen, und als sehr zielbewußtes Mädchen weiß sie, wohin sie sich wenden muß. Der Berliner Tierpark stellt sie ein. Bald wird ihr eine große Verantwortung bei der Aufzucht und Pflege der Menschenaffen übertragen, eine Aufgabe, die neben Sorge und Aufregung eine Menge Abenteuer und, nicht zu vergessen, manchen Spaß mit sich bringt.

Der Kinderbuchverlag Berlin
Robinsons billige Bücher 135
Illustrationen: Otto Schack

E. Minskin: Spielmagazin


 Das Spielmagazin ist eine wahre Fundgrube, denn es enthält einhundert Spiele: Zu jeder Spielregel gehört eine Anleitung, wie das Spiel selbst angefertigt werden kann.

Für jeden ist etwas dabei, für den Lottofreund, für besonders Geschickte und besonders Geduldige, für Tüftler und für Fingerfertige, die Spiele regen zum Scharfnachdenken und zum Kombinieren an. Und es gibt keine Langeweile.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1965
Aus dem Russischen von Elfriede Mund
Illustrationen: Ladislaus Elischer