02 September 2022

Rainer Kerndl: Die Steine der Schahnas

"Was soll's mit den dummen Dingern." Der Fahrer Hassan kam zu ihr. "Steine! Als hätten sie den Wert von tausend Dinart." Er nahm ihr einen aus der Hand, warf ihn verächtlich zu den anderen auf den Wagen. "Kannst sie vergessen, Feigenblüte. Wir müssen laufen, und da schleppt man nichts Beschwerliches mit." Schahnas zwängte sich an ihm vorbei zum Wagen. Von allem, was er sagte, hatte sie nur begriffen, daß sie ihre Steine im Stich lassen sollte. Sie schob sie ängstlich zusammen. So stand sie hilflos vor dem Wagen, hielt die Hände um die Steine und bewegte sich nicht...

Der Kinderbuchverlag Berlin, 1. Auflage 1989
ATB Nr. 135

Rainer Kerndl

Harald Korall: Die Stunde vor Mitternacht

Am hellen Tage wird eine junge Lehrerin beraubt und getötet; eine Serie von Brandstiftungen schafft Unruhe; ein skrupelloser Handel mit Wohnungszuweisungen wird aufgedeckt; die kurze Unaufmerksamkeit eines Lokführers wird zahlreichen Menschen zum Verhängnis; ein Messerstecher findet seine Opfer in der Stunde vor Mitternacht...

Acht authentische Fälle aus vier Jahrzehnten hat Harald Korall aufgeschrieben. Wie schon in seinen Büchern "Die Tote an der Waisenhausmauer" und "Die Millionenlady" bieten die so entstandenen Kriminalgeschichten nicht nur die Spannung, die aus der Darstellung der Tathergänge und Ermittlungen erwächst, sondern auch interessante Studien der Täterpersönlichkeiten.

Mitteldeutscher Verlag Halle - Leipzig
 

Gleb Golubjew: Die Stadt der toten Götter

Als eines Tages ein Flugzeug am Himmel auftaucht, ahnen Andrej und sein mexikanischer Freund, der Archäologe Alvarez, noch nicht, daß ihnen Gefahr droht. Alvarez hat in den Wäldern Guatemalas eine alte, versunkene Mayastadt entdeckt. Beide werden während der Ausgrabungen von Banditen verfolgt, die ihnen die Früchte ihrer Arbeit abjagen wollen. Unverhofft erhalten sie Hilfe von Jonny Batman, einem verwegenen Mestizen. Er kennt den Urwald und seine verborgenen Schätze genau und führt Andrej und Alvarez zu geheimnisvollen Städten und Pyramiden, die seit Jahrhunderten keiner betreten hat.

Leseprobe
Das Verhör war offensichtlich nicht nach dem Geschmack des Wirtes. Er verschwand eilig in der Küche und ließ sie allein mit der Frage, was ein Geschäftsmann in diesem Krähenwinkel wohl treiben mag.
Batman hatte offenbar bemerkt, daß sich das Gespräch um seine Person drehte, oder ihm fiel einfach die aufdringliche Gafferei auf die Nerven. Jedenfalls spuckte er wütend seine Kippe aus, schob seinen Hut in die Stirn und verschwand hinter der Hausecke.
Später sahen sie den geheimnisvollen Busineßman mit dem Gesicht eines Mayapriesters noch ein paarmal. Alvarez machte sogar den Versuch, seine Bekanntschaft zu schließen. Doch daraus wurde trotz aller Wortgewandtheit des Professors nichts. Batman lehnte es entschieden ab, sich fotografieren zu lassen und tauchte für einige Abende unter, obwohl seine Kumpels nach wie vor bis zur späten Dämmerung an den Pfeilern des Schutzdaches lümmelten. Sie standen wie angegossen und beobachteten die Gäste. Düster und abgerissen wie sie aussahen, erinnerten sie an Geier, die auf Beute lauerten.

Verlag Neues Leben Berlin 1972
Kompass-Bücherei Band 160

 

Hildegard Maria Rauchfuss: Wem die Steine Antwort geben

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Bildhauer Manfred Rohloff, der am Aufbau des Zwingers mitarbeitet. Aus seiner gesellschaftlichen Isolierung, in die er sich durch persönliche Konflikte treiben ließ, löst ihn die junge Karla Dröge und verhilft damit seinen schöpferischen Kräften zum Dutchbruch. Auch Herta Rohloff, die Frau des Bildhauers, findet eine Aufgabe, die sie über das hinausführt, an dem ihre Ehe zerbrach.

Mitteldeutscher Verlag Halle/Saale 11. Auflage 1962

 

Herbert Schauer: Die Stadt, die der Teufel schuf

In einer Pension in Konstanz wird Aletta Bastiné ermordet. Schon einmal war sie als Brigitte Richard tödlich verunglückt, doch ihr wirklicher Name ist Christa Preußner. War sie die Geliebte des von der Interpol gesuchten Gaston Mercier, wie es in einer Akte beim CIA heißt? Eine Geheimorganisation entledigte sich ihrer, weil Christa Preußner zuviel wußte und davon unerwünschten Gebrauch machte. Der Bundesverfassungsschutz will verhindern, daß der Mord an die Öffentlichkeit dringt, damit keine weiteren Geheimnisse bekannt werden. Doch wenige Stunden vor ihrem Tod telefonierte Christa Preußner mit Thomas Wallburg und machte ihn zu einem gefährlichen Mitwisser, der unbedingt am Reden gehindert werden muß...

Mitteldeutscher Verlag Halle Leipzig
 

01 September 2022

Margery Allingham: Die Spur des Tigers

Margery Allingham gehört zur berühmten Garde englischer Kriminalschriftstellerinnen, steht aber bis heute im Schatten ihrer Zeitgenossinnen Agatha Christie und Dorothy L. Sayers. Zu Unrecht, denn ihre bewundernswerte Phantasie, ihre mitunter an Dickens erinnernde Milieu- und Charakterzeichnung, ihr sicheres Stilgefühl lassen sie durchaus ehrenhaft abschneiden beim Vergleich mit ihren Kolleginnen.

Buchinfo

Der "Tiger" Jack Havoc, ein notorischer Schwerverbrecher von raubtierhafter Faszination, durchstreift den Großstadtdschungel Nachkriegs-Londons auf der Jagd nach einem Schatz, von dem er während seiner Soldatenzeit erfahren hat. Rücksichtslos verfolgt er sein Ziel und räumt unbarmherzig aus dem Weg, was ihn behindert. Am Ende führt ihn die Suche nach Frankreich, wo sich an einsamer Küste der Kampf zwischen ihm und seinen Rivalen entscheidet.


Buchbeginn

"Es geht vielleicht nur um Erpressung", sagte der Mann im Taxi zuversichtlich. Der Nebel war wie eine safranfarbene, mit Eiswasser durchtränkte Decke. Er hatte den ganzen Tag über London gehangen und begann sich langsam zu senken. Der Himmel war gelb wie ein Staubtuch, alles andere war von Grau überlagert und wurde nur gelegentlich von glänzendem Fischsilber aufgehellt, wenn ein Schutzmann in seinem nassen Cape sich umdrehte.
Der Verkehr hatte sich bereits aufreizend verlangsamt. Gegen Abend würde er ganz zum Erliegen kommen. Der Park im Westen troff jämmerlich, und der große Bahnhof im Norden entfaltete mit dumpfem Getöse seine Betriebsamkeit. Dazwischen lagen, sich meilenweit hinschlängelnd, butterfarben verputzte Häuser in jedem erdenklichen baulichen Zustand.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1987
Titel der englischen Originalausgabe: The Tiger in the Smoke
bb Nr. 595
Aus dem Englischen von Alexandra und Gerhard Baumrucker

Eduard Klein: Die Smaragdmine

Es ist ungewöhnlich: so spät noch ein Smaragdtransport nach Trinidad. Die Regenzeit hat bereits begonnen und macht die Wege fast unpassierbar. Es muß also eine besondere Bewandtnis haben, wenn Sebastiano und dessen Leute vom Verwalter nochmals losgeschickt werden. Und ungewöhnlich endet auch dieser beschwerliche Zug. Kurz vor dem Ziel stürzt plötzlich eine Brücke in den Fluß, zwei Eseltreiber, deren Lasttiere und die Kiste mit den Edelsteinen mit sich reißend. Was nun folgt, ist aber das ungewöhnlichste von allem: Sebastiano soll der Schuldige sein. Für ihn, für seine geliebte Pepa, für ihre Familien beginnt eine harte Zeit. Abenteuerlich verläuft nun das Leben Sebastianos, der doch nur als ein einfacher Siedler leben wollte, ehe es ihm endlich gelingt, die Hintergründe zu erhellen, um derentwillen all das Schreckliche geschehen ist.

Verlag Neues Leben Berlin 1979
Spannend erzählt, Band 158