Klappentext:
Der Teufel ist alt geworden und schafft es nicht mehr, moralische Fäulnis zu selektieren, so daß sich Gottvater bequemen muß, den Menschen die Regie für ihre eignen Geschicke zu übertragen.
Der Autor (Jahrgang 1936), der poetische Dichte mit satirischem Anliegen vereint, faßt seinen literarischen Auftrag als Möglichkeit auf, die Welt, in der er lebt, und ihre Sitten zu bessern. So gesehen sind die 12 Märchen und Parabeln Gleichnisse für Unzulänglichkeiten im gesellschaftlichen Gefüge wie Borniertheit und Skrupellosigkeit, das Leben auf Kosten anderer, Bosheit und Unehrlichkeit, aber auch Genußsucht und Faulheit, Dummheit und Brutalität. Das Prinzip des Guten trägt letztlich – wie könnte es anders sein im Märchen – den Sieg davon, das Böse endet in der Katastrophe.
Dieter Muckes Satire artikuliert sich weniger im Komischen als im bitterernst Moralisierenden. Sein literarischer Gestus ist lehrhaft, sein Humor hintergründig versponnen, und sein Grundthema ist das uralte Verhältnis von Gut und Böse überhaupt.
Buchanfang:
Die Sorgen des Teufels
Pferdefuß, der alte Teufel, hatte verpaßt, sich beizeiten um einen Nachfolger zu kümmern. Das ihm gegebene Jahrtausend lief ab, und ihm machte eine beträchtliche Menge Kalk im Kopf zu schaffen. Er war in jeder Hinsicht steril.
Die Hexen kicherten über den Alten, wenn er sich ihnen näherte, aber sie hüteten sich, ihm nicht zu Willen zu sein; denn er hatte schon manche in greisenhaften Zornesausbrüchen krumm geschlagen. Wollten sie sich ihm entziehen, konnte es passieren, daß er ihnen den Besen auf ihrem Kreuz zerbrach und sie zwang, nächtelang mit ihm auf seinem welken Besen zu reiten. Er wollte einfach nicht glauben, daß nichts mehr dabei herauskam. Früher hatte er eifersüchtig seinen Hexenharem gepflegt, aufgefüllt und bewacht, indem er allen jungen Teufeln, sobald sie das Licht der Unterwelt erblickten, den Garaus machte und nur die jungen Hexen zur vollen Reife gedeihen ließ. Nun, im hohen Alter, sah er die Bescherung. Umgeben von einem Haufen geiler Hexen, die sich mit ihm nur noch zum Schein einließen und lieber mit einem handfesten Besenstiel vorliebnahmen, gruben ihm die Sorgen um den fehlenden Nachfolger eine Kummerfalte nach der anderen in die Stirn. Doch der Kalk machte ihm die meisten Kopfschmerzen. Es dürfte nicht mehr lange dauern, und er könnte keinen Gedanken mehr zu Ende denken. ......
Inhalt:
Die Sorgen des Eeufels .......... 5
Die Wahl des Tümpel-Vorsitzenden im Walde .......... 23
Der Sänger im Schnee .......... 40
Der Kuckuck und die Katze .......... 49
Dir kriegerischen Ameisen .......... 62
Professor Faustus .......... 78
Grünes Licht .......... 87
Der Hexenbaum .......... 97
Wolf und Willi .......... 117
Die Hausmaus und der Hauskater .......... 129
König Nussknacker .......... 145
Der rote Hahn .......... 154
Illustrationen von Regine Grube-Heinecke
Eulenspiegel-Verlag, Berlin
1. Auflage 1979
2. Auflage 1981
3. Auflage 1984
4. Auflage 1987
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