Posts mit dem Label Satire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Satire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

28 August 2025

Inge von Wangenheim: Die Entgleisung

Buchinfo

Thüringen Ende der 70er Jahre, in einem verschlafenen Nest entgleist ein Güterwagon. Der Inhalt, der bald darauf im Ort 'versickert', besteht aus Porno-Magazinen für den Westen. Klar, dass die DDR-Staatsmacht die ebenso moralgefährdenden wie devisenbringenden Hefte wieder zurückhaben will. Doch das ist nicht so einfach … Inge von Wangenheims 1980 erschienene Satire hat jetzt bestimmt schon Kultstatus.


Buchbeginn

In der Mitte des breiten Urstromtals zwischen Saalfeld und Jena liegt Groß-Naschhausen.
Eine Perle thüringischer Siedlungs-Kleinkunst, eingefaßt in sanfte Bergketten, wechselvoll gestaltete Talsichten, freundliche Hänge, deren terrassenförmige Anordnung auf der Südseite noch heute den einstigen Weinanbau verrät. Wer hierher kommt, sei es durch Zufall oder mit Plan, erlebt jene feine, durchkultivierte Natur, die uns Goethe bewußtgemacht hat. Es lohnt also, hierher zu kommen.

Mitteldeutscher Verlag, 1980

12 März 2025

Lothar Kusche: Der Opa hat'n Schwein verschluckt

Buchanfang:
Billetts für Billys »Kicher-Kiste«

Es tut einem wohl, wenn die Leute wissen, mit welchen Prominenten man bekannt ist – und sei es auch noch so flüchtig. Eine Zeitlang erzählte ich überall herum, was passiert war, als ich und Erwin Geschonneck den Film »Asta mein Engelchen« drehten.
Tatsächlich hat Jürgen Lenz diesen Film von Manfred Wolter gedreht; Roland Oehme war der Regisseur und Erwin Geschonneck der Hauptdarsteller. Mich haben die meisten Zuschauer überhaupt nicht bemerkt, weil sie den Film nicht siebenmal ansehen wollten. Daher ist ihnen der unvergleichliche Mann mit Bauch nicht aufgefallen, der in jenem dramaturgisch so bedeutsamen Abteil eines Doppelstockwagens fast einen ganzen Satz zu Geschonneck sagen darf. Also ich und Erwin Ein andermal!
Doch meine persönliche Beziehung zu Billy Melasse, dem beliebten Unterhaltungskünstler, artete fast zu einem Verhängnis aus.
Als ich mit Melasse zur Schule ging (entgegen anderslautenden Gerüchten ist er früher wirklich mal zur Schule gegangen), hieß er noch Wilhelm, wurde der abergläubische Willi genannt und zeigte ungefähr soviel Begabung für Unterhaltungskunst wie der selige Ritter von Kahlbutz oder eine Kaffeemühle.
Dann verlor ich Willi für ein paar Jahre aus den Augen und hörte nur zwischendurch von einem heute verschollenen Pferde-Zahnarzt, der uns früher in Geographie unterrichtet hatte, Melasse habe sich als Wirt einer Kommissions-Gaststätte und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei »Robotron« betätigt. Es wird soviel erzählt, und man muß ja nicht alles glauben.
Ich weiß nicht, wie es dazu kam, daß Willi Melasse eines Tages den Sprung ins Rampenlicht machen konnte. Aber er machte ihn, und zwar vor dem eichenblätterrauschenden Hintergrund der Naturbühne am Großen Eimersee, und es dauerte nicht lange, bis Hansjosef Mörtl ihn in seiner Sehfunk-Serie Die Auto-Gramm-Grube als Billy M. vorstellte. Und schließlich erblühte der neue Stern in einer Sommernacht als Mittelpunkt der Revue »Billys Kicher-Kiste – Runde Sachen zum Selberlachen«.

Inhalt:
Vorsicht vor Vortragskünstlern!
    Billetts für Billys »Kicher-Kiste« .. .. .. 6
    Die Schreie der Lust .. .. .. 12
    Wie wird man Damen-Imitator? .. .. .. 16
    Probleme eines Parodisten .. .. .. 22
    Was ist das Schönste auf der Welt? .. .. .. 25
    Rätselfreunde! Was ist das? .. .. .. 27
    Formeln vom Fließband .. .. .. 29
    Tommys Erfolg bei einer einzelnen Dame .. .. .. 34
Großväter von heute und morgen
    Der Opa hat 'n Schwein verschluckt .. .. .. 38
    Aus dem Leben eines Knausers .. .. .. 44
    Weiterentwicklung des Berliner Humors .. .. .. 50
    Feuilleton über den Winter .. .. .. 55
    Anders als du und ich .. .. .. 57
    Schienen-Ersatz-Verkehr .. .. .. 59
    + = Hier wohnen wir .. .. .. 64
    Opipopi am Lenkrad .. .. .. 67
    Protokoll einer Kur .. .. .. 69
    Hamlet in Selbstbedienung .. .. .. 71
    Autofahrten mit Guy .. .. .. 75
    Taschen voller Bankscheine .. .. .. 83
Hier wird deutsch gesprecht
    Hervorheber und andere Wort-Athleten .. .. .. 90
    Niemand kann über sein Kästchen springen .. .. .. 94
    Der eigentliche Guppy .. .. .. 96
    Immer höher in dieses magische Licht .. .. .. 99
    Geboren mit dem Hammer in der Hand .. .. .. 103
    Lyrik und Poesie .. .. .. 105
    Der Stier mit der Badehose .. .. .. 107
    Schneewittchen und die 7 Winzlinge .. .. .. 110
    Wer war anwesend? .. .. .. 112
Rationelle und maschinelle Literatur-Produktion
    Wie entsteht und was ist Literatur? .. .. .. 116
    Rezept für Anekdoten .. .. .. 120
    Kybernetische Lyrik .. .. .. 122
    Die Romanmaschine »Kyberomancier 65« .. .. .. 129
    Eigentliche und nichteigentliche Literatur .. .. .. 138
    Die zwei Seiten des Thomas Mann .. .. .. 142
Kochen und überkochen
    Soljanka überall .. .. .. 150
    Neuen Likören entgegen! .. .. .. 155
    Von der Mettwurst zur Ketwurst .. .. .. 157
    Zwölf Dogmen der zünftigen Hausfrau .. .. .. 161
    Unser Markt .. .. .. 163
    Schabenstreiche .. .. .. 166
    Torsten der Deckelpräger .. .. .. 172
    Die Büchse der Pandora .. .. .. 174
    Umfrage: Mögen Sie Eierkuchen? .. .. .. 177
    Nach uns die Schaumflut! .. .. .. 181
    Welträtsel Orade .. .. .. 187

Einbandentwurf  und Illustrationen von Elizabeth Shaw
 
Eulenspiegel-Verlag, Berlin
1. Auflage 1989 

14 Januar 2025

W. U. Schütte: Bis fünf nach zwölfe, kleine Maus – Streifzug durch satirische Zeitschriften der Weimarer Republik

Klappentext:
Vom großen Rummelplatz der zwanziger Jahre, seinen Flitterfassaden und seiner Kehrseite wird hier heiter und nachdenklich stimmend zugleich in Prosa, Versen und Kabarettszenen ein frech-frivoles Lied gesungen. Vernüglich zu lesende Randglossen über eine Zeit, die oft als „golden“ apostrophiert, bestenfalls gußeisern war. Hier darf gelacht werden – bis einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Was namhafte Satiriker der Weimarer Republik, nicht selten als unerbittliche Scharfrichter im Narrenkostüm, im Kampf gegen Spießertum, Heuchelei, literarische Spiegelfechterei und nationalen Größenwahn publizierten, ist hier in alten Jahrgängen längst vergilbter Zeitschriften aufgestöbert und zu einem noch immer lesenswerten, noch immer prickelnd aktuellen Mosaik aus Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung zusammengesetzt worden.
Als „Bis fünf nach zwölfe kleine Maus“  erschienen war, schrieb Heinz Knobloch an den Herausgeber: „Der Worm ist ja eine Entdeckung, warum kennt den sonst keiner?“
Bald wird man Hardy Worm, seine Arbeiten, die er für die Linkspresse in der Weimarer Republik geschrieben hat, in einer neuen Sammlung von Wolfgang U. Schütte mit zahlreichen Illustrationen von Karl Holtz kennenlernen können. Unter seinem Namen und vielen Pseudonymen (Orje aus der Seestraße, Lo Merrit, Der blutige Ernst, Frank Ripper, Hywo, Pick Nick u. a.) verfaßte Hardy Worm namentlich für die „Berliner Volkszeitung“ und die antifaschistische Wochenschrift „Die Ente“, aber auch für die Berliner „Freie Presse“ und „Die Pille“, Hannover, Satiren, Humoresken, Feuilletons, Glossen und Chansons. Auf dem Boden Berlins erwachsen, zeigen sie das wahre Gesicht der „Goldenen Twenties“.

Inhalt:
Die ganze Welt ein Rummelplatz
Hardy Worm, Die janze Welt ist nur ein Rummelplatz .. .. .. 11
Hardy Worm, Berlin: Rund um den Alexanderplatz .. .. .. 13
Gottlieb Schulze, Der Kavalier .. .. .. 16
Hardy Worm, Witwenball .. .. .. 17
Egon Erwin Kisch, Kleinbürger auf Rädern .. .. .. 19
Gerhard Schäke, Wenn Damen boxen... .. .. .. 24
Klabund, Berliner Lied .. .. .. 25
Bruno Vogel, Geschlechtsleben des Bürgers .. .. .. 27
Erich Kästner, Möblierte Moral .. .. .. 31
Paul Nikolaus, Bürgermädchen stolpern harmlos .. .. .. 33
Erich Weinert, Feierabend .. .. .. 34
Victor Klages, Sonntag .. .. .. 41
Max Büttner, Nonnenrevolution .. .. .. 42
Peter Flint, Die Hungermayonnaise .. .. .. 44
Peter Panter, Das Photographie-Album .. .. .. 46
Karl Schnog, Rat an eine entartete Bürgerstochter .. .. .. 57
Paul Nikolaus, Dem Pensionatsmädel .. .. .. 58
Fragen Sie Frau Christine .. .. .. 59
Hardy Worm, Berliner Frühling .. .. .. 63
Erich Mühsam, Schlichter Gesang .. .. .. 65
Elisabeth Castonier, Theaterkommission .. .. .. 66
Heinrich Wandt, Der Pfarrer von St. Pierre .. .. .. 67
Erich Weinert, Kaffee in Cottbus .. .. .. 69
Rezepte für Dienstbotenkost .. .. .. 70
Erich Mühsam, An einen Straßenkehrer .. .. .. 72
Hans Reimann, Die Stätte, die... .. .. .. 73
Die Literatur fährt Auto
Erich Kästner, Die Literatur fährt Auto .. .. .. 77
Josef Kastein, Romanisches Kaffee .. .. .. 80
Karl Schnog, Anekdote .. .. .. 81
Eine Theatergründung .. .. .. 82
Erich Mühsam, Der Literat .. .. .. 84
Beginn einer Karriere .. .. .. 86
Ficte Fischer, „Sturm“ .. .. .. 87
Erich Kästner, Hamlets Geist .. .. .. 89
Ossip Kalenter, Faust-Vorstellung .. .. .. 91
Unterirdisch .. .. .. 92
Karl Schnog, Anekdote .. .. .. 93
Walther Victor, Die Küchenmesser .. .. .. 94
Erich Weinert, Schundfunk .. .. .. 98
Karl Schnog, Was wollen wir, Wespen"? .. .. .. 100
Hellmuth Krüger, Blandine Ebinger .. .. .. 102
Erich Weinert, Der Schrei aus der Tiefe .. .. .. 103
Karl Schnog, Der Vortrag macht des Redners Glück .. .. .. 104
Lion Feuchtwanger, Wedekind .. .. .. 105
Klabautermann, Kolportage .. .. .. 107
Hinter Redaktionstüren .. .. .. 108
Hellmuth Krüger, Ich möchte... .. .. .. 109
Walter Hasenclever, Liebe Pille .. .. .. 110
Peter Natron, Der Nobelpreis .. .. .. 111
Berlin .. .. .. 115
-anti, Die Eroberung Berlins .. .. .. 117
Hardy Worm, Berlin! Berlin! .. .. .. 119
Hardy Worm, Abends um zehne .. .. .. 122
Pick Nick, Berliner Ballbericht .. .. .. 124
Max Büttner, Berliner Tauentzienbummel .. .. .. 128
Karl Schnog, Meister Zille! .. .. .. 130
Hans Reimann, Prag .. .. .. 131
Jan Altenburg, Leipzig .. .. .. 137
Erich Weinert, Leipziger Sängerstammtisch .. .. .. 140
Walter Mehring, Ein Tag Paris .. .. .. 141
Hans Otto Henel, Merkwürdige Begegnungen .. .. .. 145
Bernhard Gröttrup, Achgottence! .. .. .. 147
Blonde Deutsche, schließt die Reih'n
Kurt Tucholsky, „Deutsch“ .. .. .. 151
Hans Reimann, Deutschland .. .. .. 153
Walter Mehring, Rundfragen .. .. .. 154
Erich Weinert, Der Republizist .. .. .. 157
Erich Weinert, Die große Zeit .. .. .. 158
Bernhard Gröttrup, Wie Noske wurde .. .. .. 161
Georg, Noske .. .. .. 167
Erich Weinert, Femesoldatenlied .. .. .. 168
Elisabeth Castonier, Es kann wieder losgehen .. .. .. 170
Hans Natonek, Das Parabellum .. .. .. 172
Uniformell .. .. .. 174
Bernhard Gröttrup, Brief an den Reichspräsidenten .. .. .. 176
Hardy Worm, Der selige Schwejk schreibt .. .. .. 178
besa, Ein junges Mädchen trat dem Wehrminister auf die Hühneraugen .. .. .. 181
Karl Schnog, Im Wandel der Zeiten .. .. .. 183
Max Kolpe, Die alte Burschenherrlichkeit .. .. .. 184
Lütje Lagen .. .. .. 186
Eine phänomenale Partie .. .. .. 187
Juristisches Abc .. .. .. 188
Roda Roda, Die Erzählung eines Arztes .. .. .. 190
Erich Weinert, Die Klingel .. .. .. 193
Der Bankdirektor .. .. .. 194
Vertrauliche Mitteilung .. .. .. 195
Erich Weinert, Stresemann .. .. .. 196
Schwierigkeiten .. .. .. 197
Erich Kästner, Karpfen blau .. .. .. 198
Egon Erwin Kisch, Über die Möglichkeit folgender Nachrichten .. .. .. 200
Karl Schnog, Katalog der Firma Paul Arendt,Sulzbach-Oberpfalz .. .. .. 203
Eins in die Fresse, mein Herzblättchen?
Eins in die Fresse, mein Herzblättchen? .. .. .. 207
Warum Hitler nicht redete .. .. .. 210
Wenn man Glück hat .. .. .. 211
Wahlrechtsreform überflüssig .. .. .. 213
Bernhard Gröttrup, Knigges Umgang mit Unmenschen .. .. .. 214
Erich Gottgetreu, Die irren Richter .. .. .. 216
Die Verrückten .. .. .. 217
Fritz Bernhard, Horrido-Joho! .. .. .. 218
Stolz weht die Flagge... .. .. .. 221
Hardy Worm, Das hat die Welt noch nicht gesehen .. .. .. 222
Anhalt schafft Ordnung .. .. .. 226
Roda Roda, Der Aufruf .. .. .. 227
Hardy Worm, Das Gespenst des Kommunismus .. .. .. 228
Die Gottlosen-Tscheka .. .. .. 231
Was wird, wenn... Reichspräsident wird? .. .. .. 234
Herr Goebbels marschiert .. .. .. 237
Konsequenzen .. .. .. 238
Genau lesen .. .. .. 239
Preußenlandtag aufgelöst 240
Hardy Worm, Wir schlagen ein Naziblatt k. o. .. .. .. 241
Hardy Worm, Nazi-Überfall auf die Ente .. .. .. 244
Ladis Laus, Leichenrede .. .. .. 247
Anhang
Nachwort .. .. .. 251
Zeitschriftenporträts .. .. .. 265
Biographische Notizen .. .. .. 275
Anmerkungen .. .. .. 292
Personenregister .. .. .. 302
Verzeichnis der Rechtsträger.. .. ..  306
Nachbemerkung .. .. .. 308

Herausgegeben von W. U. Schütte
Mit einem Nachwort von Ruth Greuner
   
Buchverlag Der Morgen, Berlin
1. Auflage 1972
2. Auflage 1975
3. erw. Auflage 1986 

Cover der 3. erw. Auflage 1986

13 Januar 2025

Helga Bemmann: Ick wundre mir über jarnischt mehr – Eine Otto-Reuter-Biographie

Mehr als 30 Jahre war Otto Reutter der Star der Varietés und der Unterhaltungsbühnen. Über seine witzigen Einfälle, seine schlagfertigen Pointen und eingängigen Melodien amüsierten sich berühmte Schriftsteller wie Frank Wedekind und Kurt Tucholsky. Die großen Schauspieler Hans Albers und Paul Graetz guckten bei ihm ab, wie man es machen muß mit der Komik auf der Bühne. Für sie wie für ungezählte andere Komödianten von Theater, Film und Kabarett war das Reutter-Couplet die handwerkliche hohe Schule für die Kunst der Heiterkeit und Lebensfreude. Heute sind abermals bei 17- wie bei 70jährigen sein »Maurer«, sein »Überzieher«, sein »Blusenkauf« und sein Couplet »In fünfzig Jahren ist alles vorbei« ebenso beliebte Schlager wie damals, als Otto Reutter von Millionen auf der Bühne bejubelt wurde, wenn er mit leicht geneigtem Kopf, die Hände vor dem Bauch, Lachstürme mit seinen Liedern entfesselte: »Ick wundre mir über jarnischt mehr.«
Wie aus Otto Pfützenreuter, der nach dem Willen seines Vaters den ehrbaren Beruf eines Heringsbändigers erlernen und ausüben sollte, der berühmte Volkshumorist Otto Reutter wurde, zeichnet das vorliegende Buch nach.
Vom theaterbesessenen Schuljungen aus Gardelegen bis zu den Glanzauftritten im größten deutschen Varieté, dem Berliner Wintergarten, wird der bewegte Lebenslauf und die großartige künstlerische Leistung lebendig dargestellt.
»Welch ein Könner auf seinem Gebiets, urteilte Tucholsky. Diese Begabung für die Darstellung lebenswahrer Komik stellt ihn in eine Reihe mit Claire Waldoff, Heinrich Zille, Erich Carow, Karl Valentin, Wilhelm Bendow und Max Pallenberg. Reutter hinterließ weit über 1000 Couplets, die nicht nur eine souveräne Lektion des Lachens sind, sondern auch Maßstäbe setzen für ein zeitverbundenes Repertoire.
In diesem Buch wird gleichzeitig anhand von persönlichen Erinnerungen, Kritiken, Anekdoten und rund 150 Fotos die tiefe Verwurzlung Reutters in den besten Traditionen des Volkshumors und seine besondere Beziehung zum schlagfertigen Berliner Volkswitz anschaulich gemacht, so daß der Band, dem 5 klassische Stücke mit Text und Noten aus dem Repertoire Reutters beigegeben sind, zu einer anregenden und unterhaltsamen Lektüre für alle Freunde des Humors und der geistvollen Unterhaltung wird.

Inhalt:
Ein Wort zuvor .. .. 5
Er war aus Gardelegen in der Mark .. .. 7
Vom »Heringsbändiger« zum Bühnenstatisten .. .. 14
Die Volkssänger - Reutters Schauspielschule .. .. 24
Im »Wintergarten« in Berlin .. .. 36
Wie wird man Humorist? .. .. 57
Reutter und der Zensor .. .. 68
Zeitkritik im Reutter-Couplet vor 1914 .. .. 74
Musik und Musikalität bei Reutter .. .. 87
Alles weg'n de Leut' .. .. 96
Otto Reutter und der Berliner Humor .. .. 108
»Er konnte Couplets schreiben wie keiner« .. .. 121
Die lachenden Erben .. .. 134
Notenbeispiele und Verzeichnisse
Der Überzieher .. .. 141
Der Blusenkauf .. .. 144
In fünfzig Jahren ist alles vorbei .. .. 147
Der gewissenhafte Maurer .. .. 149
Mit der Uhr in der Hand .. .. 152
Benutzte Literatur .. .. 155

VEB Lied der Zeit, Musikverlag, Berlin
1. Auflage 1977
2. Auflage 1980

.......................................................................................................................................................................

weitere Ausgaben:

Im arani-Verlag, Berlin (West) als Lizenzausgabe des VEB Lied der Zeit, Musikverlag, Berlin

unter dem Titel: Otto Reutter - ick wundre mir über jarnischt mehr – eine Bildbiographie

1. Auflage 1978
2. Auflage 1985

26 Oktober 2024

Dieter Mucke: Die Sorgen des Teufels

Klappentext:
Der Teufel ist alt geworden und schafft es nicht mehr, moralische Fäulnis zu selektieren, so daß sich Gottvater bequemen muß, den Menschen die Regie für ihre eignen Geschicke zu übertragen.
Der Autor (Jahrgang 1936), der poetische Dichte mit satirischem Anliegen vereint, faßt seinen literarischen Auftrag als Möglichkeit auf, die Welt, in der er lebt, und ihre Sitten zu bessern. So gesehen sind die 12 Märchen und Parabeln Gleichnisse für Unzulänglichkeiten im gesellschaftlichen Gefüge wie Borniertheit und Skrupellosigkeit, das Leben auf Kosten anderer, Bosheit und Unehrlichkeit, aber auch Genußsucht und Faulheit, Dummheit und Brutalität. Das Prinzip des Guten trägt letztlich – wie könnte es anders sein im Märchen – den Sieg davon, das Böse endet in der Katastrophe.
Dieter Muckes Satire artikuliert sich weniger im Komischen als im bitterernst Moralisierenden. Sein literarischer Gestus ist lehrhaft, sein Humor hintergründig versponnen, und sein Grundthema ist das uralte Verhältnis von Gut und Böse überhaupt.

Buchanfang:
Die Sorgen des Teufels
Pferdefuß, der alte Teufel, hatte verpaßt, sich beizeiten um einen Nachfolger zu kümmern. Das ihm gegebene Jahrtausend lief ab, und ihm machte eine beträchtliche Menge Kalk im Kopf zu schaffen. Er war in jeder Hinsicht steril.
Die Hexen kicherten über den Alten, wenn er sich ihnen näherte, aber sie hüteten sich, ihm nicht zu Willen zu sein; denn er hatte schon manche in greisenhaften Zornesausbrüchen krumm geschlagen. Wollten sie sich ihm entziehen, konnte es passieren, daß er ihnen den Besen auf ihrem Kreuz zerbrach und sie zwang, nächtelang mit ihm auf seinem welken Besen zu reiten. Er wollte einfach nicht glauben, daß nichts mehr dabei herauskam. Früher hatte er eifersüchtig seinen Hexenharem gepflegt, aufgefüllt und bewacht, indem er allen jungen Teufeln, sobald sie das Licht der Unterwelt erblickten, den Garaus machte und nur die jungen Hexen zur vollen Reife gedeihen ließ. Nun, im hohen Alter, sah er die Bescherung. Umgeben von einem Haufen geiler Hexen, die sich mit ihm nur noch zum Schein einließen und lieber mit einem handfesten Besenstiel vorliebnahmen, gruben ihm die Sorgen um den fehlenden Nachfolger eine Kummerfalte nach der anderen in die Stirn. Doch der Kalk machte ihm die meisten Kopfschmerzen. Es dürfte nicht mehr lange dauern, und er könnte keinen Gedanken mehr zu Ende denken. ......

Inhalt:
Die Sorgen des Eeufels .......... 5
Die  Wahl des Tümpel-Vorsitzenden im Walde .......... 23
Der Sänger im Schnee .......... 40
Der Kuckuck und die Katze .......... 49
Dir kriegerischen Ameisen .......... 62
Professor Faustus .......... 78
Grünes Licht .......... 87
Der Hexenbaum .......... 97
Wolf und Willi .......... 117
Die Hausmaus und der Hauskater .......... 129
König Nussknacker .......... 145
Der rote Hahn .......... 154

Illustrationen von Regine Grube-Heinecke

Eulenspiegel-Verlag, Berlin
1. Auflage 1979
2. Auflage 1981
3. Auflage 1984
4. Auflage 1987

31 Juli 2023

Peter Karvas: Teufeleien

„Man muß feststellen, daß sich viele Menschen danach sehnen, Schriftsteller zu sein. Warum, ahnen sie selbst nicht. Vielleicht imponiert ihnen, in Stammbücher Gedankensplitter und volkstümliche Sprichwörter zu schreiben, Gratulationen und Sympathiekundgebungen von Menschen entgegenzunehmen, die einen mit einem anderen verwechseln, Lobeshymnen von Lesern zu erhalten, die nicht einmal den Klappentext eines ihrer Bücher gelesen haben. Ich gebe zu, all das ist anziehend und verführerisch, wenn auch vergänglich und eher kleinlich als großartig.
Und doch – der Teufel mag wissen, warum: Ich möchte auch Schriftsteller werden oder wenigstens ein junger Autor – aber das ist etwas ganz anderes!“
Natürlich, Herr Karvaš. Aber glauben Sie, daß Sie mit diesen diabolischen Späßen auf Gegenliebe bei Ihren Kollegen in Bratislava oder anderswo stoßen werden? Und noch dazu, wenn Sie es nicht bei den Sticheleien gegenüber Schriftstellern belassen, sondern sich auch mit Journalisten, Bereichsleitern, Buchhaltern, Pfaffen und gar Managern anlegen? Meinen Sie denn, daß Ihre „Teufeleien“ einen Zweck haben?
Bitte, wie war das? Was zitierten Sie von Aristophanes?
Schlechte Bürger zu verspotten ist gewiß nicht tadelnswert.
Hohn auf sie ist Lob der Guten.


Buchanfang
Über die Satire
Etwa eine Stunde nach Mitternacht klingelte das Telefon. Bekanntlich scheppert es nachts ungefähr zehnmal lauter als tagsüber. Ich erwachte sofort. Mit einem Gefühl des Abscheus, ja der erbitterten Feindschaft gegen moderne Fernsprechanlagen meldete ich mich.
„Hallo“, ließ sich eine muntere und resolute Stimme aus der Muschel vernehmen. „Bist du es? Ich rufe in einer wichtigen Sache an.“
Ich war es. „Hallo“, meinte ich verschlafen, weil man das gewöhnlich am Telefon sagt, „wer ist am Apparat, und worum handelt es sich?“
Ein mir bekannter Redakteur meldete sich. Ich hatte ihn seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Morgen früh wären es fünf Jahre und sechs Stunden gewesen. Um es offen und ehrlich zu gestehen – ich hätte es bis dahin ausgehalten.
„Ich muß dich unbedingt sprechen!“ kam es derart kategorisch und laut aus dem Hörer, daß ich ihn ein ganzes Stück vom Ohr weghalten mußte. „In einer äußerst wichtigen, unaufschiebbaren Angelegenheit!“
„Ich lasse morgen von mir hören“, sagte ich und gähnte nachdrücklich, wobei ich besonderes Gewicht auf die akustische Wirkung legte.
„Warum erst morgen?“ wunderte sich der Redakteur geradezu beleidigt. „In einer Minute bin ich bei dir! Hast du Kaffee?“

Inhalt
Über die Satire
Konfetti
  Äußerst peinlich
  Die angehaltene Zeit
  Der Druckfehler
Romanzen und Tragödien
  Bereichsleiter Barometer
  Ein trauriger junger Mann
  Der Riese
Comics
  Die Klienten des Abbé Richter
  Leutnant Clifford und die heilige Anna
  Eine Botschaft aus dem Weltall
In den Armen der Muse
  Schriftsteller
  Das Fernsehinterview
  Der gesellschaftliche Aktionsradius
  Aufstieg und Fall des Barnabáš Kos

Herausgegeben von Dr. Günther Jarosch
Titel der Originalausgaben: Čertoviny und Konfety a leporela
Aus dem Slowakischen von Dr. Günther Jarosch und Frido Bunzl
Schutzumschlag und Einband: Gerhard Milewski

Eulenspiegel Verlag, Berlin

1. Auflage 1968

01 Februar 2023

Eric Ambler: Schmutzige Geschichte

Das ist die Geschichte, in die Arthur Abdel Simpson gerät, Sohn einer Ägypterin und eines englischen Offiziers, vorbestraft, aus nicht wenigen Ländern ausgewiesen und immer in Geldnöten
Aus Griechenland abgeschoben, wird er von einer zwielichtigen Gesellschaft angeworben und nach Zentralafrika gebracht. Als Söldner nimmt er dort teil an einem Krieg zwischen zwei rivalisierenden Stämmen, der in Wirklichkeit der Machtkampf zweier Konzerne um "Seltene Erden" ist. Das hat sich der kleine Gauner denn doch nicht vorgestellt, daß er seine Haut für eine Kapitalgesellschaft zu Markte tragen soll. Doch ehe er die Fronten wechseln kann, haben sich die Finanzgruppen durch einen Kompromiß über die gemeinsame Nutzung der Bodenschätze geeinigt. Der Krieg ist beendet, und die sich eben noch bekämpfenden Söldner feiern ihr "Siegesfest". Simpson gelingt es dabei, sich auf seine Weise in ein neues vielversprechendes Geschäft zurückzuziehen.
In diesem Roman spiegelt sich nicht nur das eigene schäbige Leben des Arthur Abdel Simpson, die eigentliche "Schmutzige Geschichte" sind die Machenschaften kapitalistischer Konzerne in ihrem Profit- und Machtstreben.
Eric Amblers Roman ist eine großartige Gesellschaftssatire, vergleichbar mit den Büchern seines Landsmannes Graham Greene.

Eulenspiegel Verlag, Berlin
1. Auflage 1970
Aus dem Englischen: Günter Eichel
 

19 März 2022

Ilja Ilf, Jewgeni Petrow: Die Jagd nach der Million

Ostap Bender, Schelm, Hochstapler und Spitzbube von hohen Gnaden, will vor den ausgreifenden Schritten des Sozialismus nach Rio de Janeira fliehen, um dort unter prächtigen Palmen und zwischen glutäugigen Mädchen das Leben eines reichen Taugenichts zu führen. Dazu braucht er nach seinen Vorstellungen wenigstens eine Million in verlässlicher Valuta. Als Bender von der Existenz eines heimlichen Millionärs erfährt, geht er mit aller Energie und Umsicht zu Werke, diesem die begehrte Million abzujagen. Korejko aber, sein Widersacher, ein gefährlicher Verbrecher, der durch zahlreiche Spekulationen und undurchsichtige Geschäfte ein Vermögen zusammengeräubert hat und nun als kleiner Buchhalter in Erwartung seiner Stunde ein gesellschaftliches Scheindasein fristet, ist nicht minder gerissen als er. Zwischen beiden entbrennt ein Ringen auf Leben und Tod. Der Endkampf wird nach einer abenteuerlichen Jagd per Auto, zu Fuß und auf der Eisenbahn in den Steppen Kasachstans ausgetragen. Was wird mit den beiden Außenseitern der Gesellschaft? Bekommt Ostap Bender die Million? Gelingt ihm die Flucht nach Rio de Janeiro? Oder ist Korejko der Stärkere? Diese Fragen beantwortet Ilfs und Petrows Buch, eine der köstlichsten Satiren aus der NÖP-Zeit, das alt und jung durch Witz, Komik und unerwartete Einfälle fesselt.

Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1958, 1. Auflage
Übersetzt von Elsa Brod, Mary von Pruss-Glowatzky und Richard Hoffmann

 

23 Juni 2021

Erich Loest: Oakins macht Karriere

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der englische Privatdetektiv Pat Oakins, ein ebenso in Judo wie in Karate geschulter Mann und ein Feinschmecker dazu, vor allem, was Käse anbelangt. Er träumt davon, ein Star in seiner Branche zu werden. Dazu verhelfen soll ihm eine berühmte Verbrecherkartei, die ihm zum Kauf angeboten wird. Doch sein Geldbeutel ist leer. Gezwungenermaßen muß er alle ihm angetragenen Aufträge übernehmen. Aber Erfolg ist launisch. Sein zuverlässigster Kunde ist ein Fischhändler, dessen Frau den Fischgestank nicht ausstehen kann, ihm deswegen ständig davonläuft und die Oakins immer wieder aufzuspüren hat.

Die tragikomischen Erlebnisse des kleinen Detektivs verdichten sich zu einer bemerkenswerten Satire. Literarisches Vergnügen bereiten Loests parodistische Seitenhiebe auf die einschlägige Literatur von Raymond Chandler. Erle Stanley Gardner bis Hans Walldorf.

Eulenspiegel Verlag 1. Auflage 1975
Kronen-Reihe
Kronenkrimi

21 Juni 2021

Helga Bemmann (Hg.): Immer um die Litfaßsäule rum - Gedichte aus Sieben Jahrzehnten Kabarett

 Als Frank Wedekind mit seinen Bänkelliedern zum erstenmal vors Publikum trat, war mit dem literarischen Kabarett in Deutschland eine neue Kunstform geboren. Bekannte und beliebte Dichter schrieben seitdem Lieder und Chansons. Balladen und Moritaten, Parodien und Satiren, die in der Auseinandersetzung mit der Zeit Berühmtheit erlangten.

Unser Buch vermittelt erstmals wieder die Bekanntschaft mit der Bänkeldichtung Wedekinds und den gepfefferten Satiren Ludwig Thomas, bringt die interessantesten Chansons der zwanziger Jahre und eine beachtliche Anzahl deutscher Erstveröffentlichungen.

62 Autoren kommen mit ihren treffendsten Versen zu Wort, das bedeutet 70 Jahre bestes literarisches Kabarett.

Ausgewählt wurde neben Gedichten von Kästner, Ringelnatz, Morgenstern, Mehring, Klabund, Werner Finck, Alfred Kerr, Otto Reutter zum erstenmal auch kabarettistische Lyrik aus der Zeit von 1933 bis 1945. Erstmals wiederveröffentlicht werden Texte von Max Dauthendey, Max Herrmann-Neiße und Alfred Lichtenstein. Gedichte von Erich Brehm. Hildegard Marie Rauchfuss, Heinz Kahlau, Nils Werner und anderen Autoren unserer Gegenwert beschließen diesen Band.

Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin 1965
Nachauflage in Vorbereitung, Umfang 400 Seiten, 40 Bilder. Halbleinen mit Folie 10,- M

30 Mai 2021

William Makepeace Thackeray: Die Memoiren des Mr. C. J. Yellowplush


 Seine Mutter, eine zweifelhafte unverehelichte Person, nannte ihn nach den gelben Plüschhosen eines herrschaftlichen Kutschers Yellowplush. Nach ihrem Tode wird der Knabe Diener und lernt die ach so vornehme Welt der viktorianischen Epoche kennen, ihre verlogene Sentimentalität und ihre Skrupellosigkeit. In diesem moralischen Klima greift Yellowplush, ein snobistischer Vorgänger des Felix Krull, zur Feder und plaudert über seine „Herrschaften“ aus. Das freche kleine Werk gehört zu den satirischen Meisterstücken des großen englischen Realisten. Bruno Kaiser schrieb unter dem Pseudonym Felix Krull ein amüsantes Nachwort dazu.

Rütten & Loening Berlin 1963
Illustrationen: E. J. Wheeler

25 Januar 2021

Mark Twain: Ein Yankee an König Artus‘ Hof


 Es war einmal ein Yankee aus Connecticut, ein schlauer Praktikus, der erwachte eines Tages im tiefen Mittelalter. Durch eine List entrinnt er dem Scheiterhaufen und gelangt nach Camelot, allwo König Artus und die tapfersten Ritter in der Tafelrunde sitzen. Mit einer Prise Dynamit übertrumpft er den bösen Magier Merlin und wird darob ins höchste Amt des Staates berufen. Heimlich will er das Land zivilisieren: Er lässt Schulen, Fabriken und eine Militärakademie errichten, Telefonleitungen legen und eine Zeitung drucken. Aber die höfische Sitte erheischt, dass er die unbequeme Rüstung anlegt und auf Abenteuersuche zieht. Mit Reklameplakaten, Lasso und Pistole ficht er wider Ungeheuer, kühne Recken, Dummheit und die Angst vor Dämonen. Das Schicksal verschlägt jedoch den Yankee und den König ins grausamste Elend ihrer Untertanen – in die Sklaverei. Wundersame Rettung unterm Galgen bringt ihnen eine Radfahrtruppe gepanzerter Helden, aber der Traum eines besseren Zeitalters bleibt noch ein Traum.

Der amerikanische Humorist Mark Twain erzählt eine moderne Satire im Gewande des Märchens. Es ist die bitterernste Verteidigung der Menschlichkeit gegen die Mächte des Rückschritts.

Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1. Auflage, 1965
Übersetzt von Lore Krüger.
Einband und Schutzumschlag illustriert von Elisabeth Shaw und Erich Rohde.



Verlag Neues Leben, Berlin, 1974
Illustrationen von Manfred Bofinger

30 Oktober 2020

Johann Gottwerth Müller: Siegfried von Lindenberg – Komischer Roman


 „Es war einmal ein Edelmann im Pommerlande, der so viel Ahnen hatte als Tage im Monate, und ein Schloss, und ein paar Hufe Landes umher, und ein Dorf, wo Bauren drin wohnten, und etliche hundert Bäume, die er seinen Forst nannte, und sechs oder sieben räudige Köter, die hieß er seine Kuppel, und wer ihm die schief ansah, der griff ihm an die Seele.“ So umreißt Johann Gottwerth Müller (1743 – 1828) bereits im ersten Satz seines „Siegfried von Lindenberg“ (1779) die deutsche politische Szenerie seiner Gegenwart und schlägt sein Thema an: die deutsche Kleinstaaterei, das Duodezsystem und seine Repräsentanten. Er legte mit seinem Werk einen originären deutschen satirischen Roman vor, der an Realitätsfülle, an Drastik in den Details, an sprachlicher Gestaltung und ironisch-kritischer Zielstellung alles überbot, was den deutschen Autoren aufklärerisch-komischer Prosa bisher in die Feder geflossen war, so dass es auch heute noch Vergnügen bereitet, den größenwahnsinnigen pommerschen Krautjunker und seine Einfälle zu belachen.

Gustav-Kiepenheuer-Verlag, Leipzig und Weimar, 2. Auflage, 1984 (1. Auflage 1976)
Bibliothek des 18. Jahrhunderts
Mit Kupferstichen von Daniel Chodowiecki.

22 September 2020

Lawrence Sterne: Das Leben und die Ansichten Tristram Shandys


 Nicht die Dinge bringen Menschen in Verwirrung, sondern die Ansichten über die Dinge.

„Sagt mir, ihr Neunmalweisen, wird es nicht anders werden? Werden wir nur immer an Umfang und nicht an Gehalt zunehmen? Sollen wir immer so weiter neue Bücher schreiben, wie Apotheker neue Mixturen machen, indem wir Wasser aus einem Gefäß ins andere gießen?“ Sterne gibt mit „Tristram Shandy“ selbst eindeutig Antwort auf seine Fragen. „Und ein Kapitel soll es geben, und ein teuflisches noch dazu – nehmen Sie sich also in acht!“ 

Mit dieser und ähnlichen „Warnungen“ an den ehrenwerten Herrn und die verehrte Freundin entlässt er den Leser zu einer vergnüglichen Reise durch den Sinn und Unsinn seiner Zeit. Was sich dem Auge des Betrachters auch bietet, immer offenbart sich Sternes sichtliches Vergnügen, mit einer Fülle von Anspielungen und Anzüglichkeiten die Konventionen sanktionierter Wohlanständigkeit oder schriftstellerischer Eitelkeit mit kühnem Schwung, mit Ironie, Satire und Esprit rechts und links von der Straße zu fegen. Ob bei Tristram Shandys Zeugung oder bei seiner unfreiwilligen Beschneidung, ob bei Reisen oder Feldzügen – Sterne fabuliert über alles und nichts. Goethe hat ihn gerade deswegen gepriesen: „Er war der erste, der sich und uns von Pedanterei und Philisterei emporhob.“ Mit seinem 1760 – 1767 erschienenen literarischen Erstling schockierte Sterne seine Mitwelt, eroberte er sich das Publikum und leistete einen gewichtigen Beitrag für die Entwicklung des modernen Romans bis hin zu Virginia Woolf und James Joyce.

Laurence Sterne wurde 1713 in Clonmel (Irland) geboren und starb 1768 in London an Tuberkulose. Er studierte Theologie und wurde anglikanischer Pfarrer. Während das Erscheinen des „Tristram Shandy“ 1759 in seiner Gemeinde einen Skandal auslöste, wurde er in den Londoner Salons gefeiert. Bis heute gilt er als einer der wichtigsten Romane der Weltliteratur.

Gustav-Kiepenheuer-Verlag, Leipzig und Weimar, 1. Auflage, 1989
Bibliothek des 18. Jahrhunderts
Mit 12 zeitgenössischen Abbildungen.
Illustratoren: Daniel Berger und Daniel Chodowieki.
Aus dem Englischen übersetzt von Rudolf Kassner.