15 Oktober 2026

Karl Heinz Hardt: Um 10.30 Uhr ist's soweit

Heftanfang:
Im letzten Heft lasen Sie:
Harri Kander und Walter Winter entzogen sich ihrer Verhaftung durch die Flucht in einem Flugzeug. Sie kamen bis in die Nähe Tilburgs, einer Stadt an der holländisch-belgischen Grenze. Die leeren Treibstofftanks zwangen sie zur Landung, und so mußten sie ihre Flucht vor der Gestapo durch das von der faschistischen Wehrmacht besetzte Holland zu Fuß fortsetzen.

****

Zum Glück ist jetzt die Dunkelheit hereingebrochen, aber dafür ist es empfindlich kalt geworden. Wie lange werden sie sich überhaupt verbergen können? Wohin soll jetzt der Fluchtweg gehen? Weit können sie bei ihrem schweigenden Marsch durch den Wald, bei dem sie gespannt auf jedes Geräusch horchen, noch nicht gekommen sein – vielleicht vier Kilometer –, da bemerken sie hinter den Stämmen einen Lichtschein. Ein Dorf liegt am Waldrand.
Die Blicke bohren sich in die Dunkelheit. Beide horchen in die Nacht hinaus, nach Geräuschen, die ihnen verraten, ob deutsche Soldaten sich im Dorf aufhalten.
Fernes Hundegebell, Gelächter, Stimmen, weit, weit weg. Kein Wort ist zu verstehen, kein Wort, das ihnen sagt, was sie wissen wollen. Die Zeit verrinnt. Kälte dringt quälend durch die dicken Anzüge in die Körper ein. Beinahe ist es schon unerträglich. Wie spät mag es sein? Winter, der auf die Uhr schaut, sagt leise: „22 Uhr!“
Weiter starren die beiden in das Dunkel dieser hoffnungslosen Nacht, die ihnen keinen Ausweg mehr zu bieten scheint. Da spürt Winter plötzlich, wie Kanders Hand sich um seinen Arm klammert.
„Siehst du die Schatten dort?“ Winters Blick sucht das Dunkel zu durchdringen. Wo denn? Aber da, jetzt sieht er sie auch. Wieviel sind es denn? Zwei, nein, drei. Drei Gestalten bewegen sich lautlos auf dem Feld. Jetzt gilt es, genau aufzupassen, denkt Winter noch. Aber plötzlich wird seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes hingelenkt.
Aus der Ferne klingt das Geräusch eines Flugzeuges an ihr Ohr, das näher zu kommen scheint. Tatsächlich!
„Das ist ein Tommy!“ flüstert Winter und spannt alle Sinne an, um den Standort des Flugzeuges auszumachen, Es kommt direkt auf sie zu.
Als er wieder auf das nächtlich schwarze Feld hinausstarrt, sind die Gestalten in der Dunkelheit verschwunden. Das Flugzeug ist jetzt gerade über ihnen. Aber was ist das? 

Umschlag: Hans Räde

Verlag Sport und Technik Berlin
Reihe:
Abenteuer des Fliegenden Reporters Harri Kander, Heft 2
1. Auflage 1957 

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