Posts mit dem Label Ronald Paris werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ronald Paris werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

26 Februar 2025

William Shakespeare

Früh führte mich die Verehrung des Dichters zu diesen trefflichen Gesängen, die mir um so lieber wurden, je inniger ich mich mit ihnen vertraut machte. Wäre es auch nur, um des Dichters Sprache zu studieren und seine dramatischen Werke besser verstehen zu können, um ganz seine Eigenheit, seine innerste, kennenzulernen, so geben uns diese Sonette die reichste Ausbeute und richtigste Anweisung.
Ludwig Tieck

William Shakespeare, geboren im April 1564 in Stratford-upon-Avon (Warwickshire). Entstammte wohlhabender bürgerlicher Familie; ab 1571 Besuch der Lateinschule in Stratford; wahrscheinlich Eintritt in das Geschäft des Vaters; 1582 Heirat; ab 1586 in London, wo er als Schauspieler, Regisseur, Dramatiker und Mitbesitzer des 1599 eröffneten Globe-Theaters wirkte; Erwerb von Grundbesitz in Stratford; ab 1612 wieder in Stratford ansässig, wo William Shakespeare am 23. April 1616 starb.
1598 finden seine Sonette erstmalig Erwähnung: 1609 erscheinen sie im Druck; zahlreiche deutsche Übertragungen; die gesamten 154 Sonette unter anderem von Karl Lachmann (1820), Gottlob Regis (1836), Karl Richter (1836), Wilhelm Jordan (1861), Karl Simrock (1867), Otto Gildemeister (1871), Stefan George (1909), Eduard Saenger (1909), Karl Kraus (1933).

Auswahl dieses Heftes: Dorothea Oehme
Umschlagvignette und Innengrafik: Ronald Paris

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
Poesiealbum 200
1. Auflage 1984

16 Januar 2025

Hans Weber: Sprung ins Riesenrad

Buchanfang:
Freilich: Es dreht sich nicht zurück, das vielzitierte Rad der Geschichte,
aber dürfen wir uns darauf verlassen, es werde sich schon vorwärts drehen?
   
Sicher: Es braucht Riesen, um dieses Rad zu drehen, die Riesenbabys aber schimpfen wir unförmig.
denn wir müssen sie formen.

Nach welchem Bilde?

Wir spielten in den Trümmern unserer Heimatstadt, und für uns waren Häuserruinen und ausgebombte Werke mit ihren Gefahren und mit ihren Geheimnissen ebenso aufregend und phantastisch wie für andere Kinder zu anderen Zeiten Wälder, Seen, Berggrotten.
Wir haben den Geruch verkohlten Holzes noch heute in der Nase und den säuerlichen Kalkdunst nasser, zerbröckelnder Mauern. Denn mittendrin saßen wir, spielten Räuber, Bomberbesatzung oder Bäcker; träumten uns ein Land, in dem es für jeden Menschen jeden Tag ein ganzes Brot gibt.
Unzerstörte Marktplätze alter deutscher Städte kennen wir von Abbildungen. Auf den Märkten unserer Kindheit waren zuerst Schutthalden, dann Grünflächen und später der Bockwurst-Kiosk der Handelsorganisation.
Als Mutter 1948 starb, hatte ich auf meinen kleinen Bruder aufzupassen. Ich nahm ihn mit, wenn ich mit meinen Altersgefährten in das zerschossene Preßstoffwerk zog.
Dort lagen mehrere Tonnen Hörer von Militärtelefonen. Für die Spiele der Älteren, bei denen wir über Feuerleitern, eingebrochene Dächer und durch den Säurekeller mußten, war er zu klein. Drum saß er auf der Telefonhörer-Halde und telefonierte mit allen Ländern, die ihm einfielen:
Australien, Rußland, Groß-Knöchern, Amerika, Berlin.
„Hallo, hier Rio Krause, wer da bitte?“ So ein Spinner war das.

Schutzumschlag und Einband: Ronald Paris

Verlag Neues Leben, Berlin
1. Auflage 1968
2. Auflage 1969
3. Auflage 1970
4. Auflage 1974

Auch erschienen im
Buchclub 65
Berechtigte Ausgabe des Verlag Neues Leben, Berlin
1. Auflage 1969 

23 Juli 2023

Irina Guro: Das Tor zur Kleinen Erde

Irina Guro wurde 1909 in Kiew geboren. Hier beendete sie auch ihre Schulzeit. Nach Abschluß der Universität – sie studierte Philologie und Jura – legte sie bereits kleinere literarische Arbeiten der Öffentlichkeit vor.
Während des Großen Vaterländischen Krieges kämpfte sie als Offizier der Roten Armee an der Front und im Hinterland des Feindes. Heute lebt sie als freischaffende Schriftstellerin in Moskau. Dem sowjetischen Leser ist Irina Guro durch viele Romane und Erzählungen bekannt geworden.
„Am rauhen Abhang“, „Du bist schon erwachsen“, „Draußen tobt Sturm“, „Allem Tod zum Trotz“, „Moskauer Boulevards“ sind einige der bedeutendsten Werke.
1966 erschien im Verlag Junge Garde in Moskau die vorliegende große Erzählung „Das Tor zur Kleinen Erde“. Als Beitrag zum Jahrestag des Komsomol gab der Verlag dieses Buch 1968 in einer Sonderausgabe zum zweitenmal heraus.
Augenblicklich schreibt die Autorin an einem neuen Roman, der das Schicksal einer jungen sowjetischen Journalistin zum Inhalt hat, die 1926 nach Berlin kommt, ihre erste Begegnung mit deutschen Kommunisten hat, in der sowjetischen Botschaft als Mitarbeiterin tätig ist und schließlich als Diplomatin nach Kopenhagen geht.

Buchanfang
Der deutsche Begriff „wandern“ schien mir immer umfassender, als es das Wörterbuch angibt. Den entsprechenden russischen Ausdrücken fehlt die Hauptsache: der Zauber der Landstraße, das Geheimnis hinter der Wegbiegung, die Vorfreude auf die Aussicht.
Zudem bedeutet „wandern“ in meiner Vorstellung zu Fuß gehen, ja auch ziellos umherstreifen.
Bei Sonnenaufgang verließ ich ein kleines Gebirgsdorf, das jetzt vor Beginn des Kurbetriebes, sauber, still und malerisch war wie auf einer Abbildung im Reiseprospekt. Der Weg wand sich spiralförmig um den Berg, knirschend gab der Kies unter meinen Schritten nach. Bald links, bald rechts von mir floß gemächlich ein geschwätziger Bach.
Ich vergewisserte mich auf der Landkarte, daß ich Schöneberg am Nachmittag erreichen würde. Als ob es nicht einerlei wäre! Und überhaupt: Warum ging mir dieses verdammte Gasthaus am östlichen Dorfrand von Schöneberg nicht aus dem Kopf? Höchstwahrscheinlich war sie längst verschwunden, diese ländliche Wirtschaft mit dem idyllischen Namen „Zur Linde“, dieses gepflegte Häuschen unterm Schindeldach, das ich noch nie gesehen hatte.

Titel der russischen Ausgabe: „Дорога на Рюбецаль“
Ins Deutsche übertragen von Lia Pirskawetz
Schutzumschlag und Einband: Ronald Paris

Verlag Neues Leben Berlin

1. Auflage 1968
2. Auflage 1969 Berechtigte Ausgabe für den buchclub 65

28 Oktober 2021

Josef Pohl: Dudeks Kinder


 Kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird versucht, einen Zigeunerstamm in einem böhmischen Dorf anzusiedeln. 

Die Bedingungen sind schwierig: schlammige Straße, verkommene Wohnungen, kein Strom, kein fließendes Wasser. Noch problematischer ist es, die Zigeuner an die ihnen neuen Lebensformen zu gewöhnen. Aber der Lehrer Dudek gewinnt allmählich das Vertrauen der Kinder. Sie wollen zwar zunächst nicht einsehen, dass sie rechnen und schreiben lernen müssen – ihre Eltern können das auch nicht. Lehrer Dudek versteht es, den Kindern ein Leben in einer modernen Welt erstrebenswert darzustellen. 

Edition Holz im Kinderbuchverlag Berlin 1977
Einband und Illustrationen: Ronald Paris