19 Juli 2021

Jan Eik: Poesie ist kein Beweis


 Eine junge Frau stirbt an den Folgen einer Überdosis Schlaftabletten. Auf der Suche nach einem Motiv für die Tat gerät auch der Journalist Conrad Pingel, ein Bekannter der Toten, in Verdacht. Um seine eigene Unschuld an der Tat zu beweisen, beginnt er schließlich selbst nach dem Mann zu recherchieren, den die junge Frau anscheinend mehr liebte als ihr Leben. Und trotz seiner Konflikte mit den polizeilichen Ermittlern kann Pingel letztendlich die Aufklärung der Tat auch als seinen Verdienst sehen.

Verlag Das Neue Berlin, 1986
DIE – Delikte Indizien Ermittlungen

Frantz Fanon: Das kolonisierte Ding wird Mensch


 Frantz Fanon (1925-1961): Afroamerikaner von Martinique, französischer Staatsbürger, ein führender Kopf der algerischen Befreiungsorganisation FLN; Arzt, Schriftsteller, Revolutionär.

Die Auswahl seiner Schriften, in denen sich gesellschaftswissenschaftliches Denken und künstlerische Imagination verbinden, belegt seine Entwicklung vom existentialistisch geprägten Analytiker der Rassenfrage zum radikalen Theoretiker der Gesellschaft und Kultur der Dritten Welt. Er war ein mögliches Leitbild wie Che Guevara.

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1986

Studs Terkel, Harry Maurer: Amerikanische Porträts


 Studs Terkel (geb. 1912), Radio- und Fernsehjournalist, Autor einer Reihe von Bestsellern, und Harry Maurer (geb. 1948), Schriftsteller und freischaffender Journalist, fuhren jahrelang durch die Vereinigten Staaten von Amerika und interviewten Hunderte ihrer Landsleuten: Stahlarbeiter, Konzernpräsidenten, Callgirls, Verkäufer, Farmer, Landarbeiter, Geschäftsleute, arbeitslose Autoarbeiter, College-Professoren und Angestellte. Das Ergebnis, ein Stück praller Realität dieses widersprüchlichen Riesenlandes, wird hier in einer Auswahl vorgestellt: Berichte über Tage und Jahre der Arbeit und Arbeitslosigkeit, über Freuden und Sorgen, über kleine und große Triumphe und Erniedrigungen. Dabei wird deutlich, wie Arbeit, die das Menschsein ausmacht, das Leben von Frauen und Männern, Schwarzen und Weißen, Armen und Reichen prägt. Zugleich vermitteln die zuerst 1972 bzw. 1979 veröffentlichten Interviews aber auch Gefühle des Stolzes auf die eigene Kraft, auf die Spuren, die man mit seiner Arbeit hinterläßt, und die wachsende Entschlossenheit, sich gemeinsam gegen Ungerechtigkeit und Willkür zur Wehr zu setzen und etwas für eine menschlichere Lebensweise zu tun.

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1987
Belletristik

James Fenimore Cooper: Lederstrumpferzählungen

In dem ersten Band – Der Wildtöter – begegnen uns zum ersten Male die beiden Hauptfiguren des Gesamtwerkes, nämlich der weiße Jäger Nathaniel Bumppo und der Mohikanerhäuptling Chingachgook, der von den Europäern die Große Schlange genannt wird. Als junge abenteuerlustige Menschen ziehen sie durch eine wilde unberührte Landschaft zum Otsego-See, den wir auch im vorletzten Band – „Die Ansiedler am Susquehanna“ – wiederfinden. Dort, in unmittelbarer Nähe des Otsego-Sees, hat James Fenimore Cooper (1789 bis 1851) den größten Teil seiner Jugend verbracht. Schon sehr früh erwachte in ihm die Liebe zu dem tapferen und edlen Volk der Indianer, mit dem er hier in nahe Berührung kam. Im „Wildtöter“ wird der Otsego-See Glimmerspiegel genannt.

Im zweiten Band – Der letzte Mohikaner – lernen wir Unkas, den Sohn der Großen Schlange, kennen. In seiner natürlichen Anmut und Unerschrockenheit wird der Sohn des Häuptlings, der durch den listigen Huronen Magua frühzeitig den Tod findet, besonders liebenswert geschildert. Dieser Roman wird vielfach als das Meisterwerk Coopers bezeichnet. Sicher ist, dass der Dichter darin die Wesensart der Indianer, ihre Sitten und Gebräuche und das Land, das ihnen einst gehörte, besonders lebendig beschreibt und dass er keine Zweifel darüber lässt, wie sehr er die grausamen Methoden der europäischen Kolonisten missbilligt, die die Ureinwohner des Landes immer tiefer in ungesunde und unfruchtbare Gebiete abdrängen.

Im darauffolgenden Werk – Der Pfadfinder – verlegt Cooper den Schauplatz der Handlung an den Ontario-See, den größten amerikanischen Binnensee. Diese Erzählung gab Cooper Gelegenheit, seine seemännischen Kenntnisse und Erfahrungen – er ist in seiner Jugend längere Zeit zur See gefahren – besonders fesselnd und anschaulich zu verwerten. Im „Pfadfinder“, wie auch in den beiden vorhergehenden Bänden, spricht der Dichter stets von zwei großen Gruppen der Indianer. Die eine umfasst das Volk der Delawaren oder Lenni-Lenape, zu dem auch der zu Coopers Lebzeiten bereits vollständig ausgerottete Stamm der Mohikaner rechnete. Ihnen, den Delawaren und Mohikanern, gehört seine ganze Liebe und Achtung. Die zweite Gruppe besteht aus den mit den Franzosen verbündeten Huronen, die verächtlich als Mingos und Feiglinge bezeichnet und von den edlen Indianern gehasst und verfolgt werden. Diese scharfe Trennung, die historisch nicht ganz begründet sein dürfte, hat ihre Ursache vermutlich darin, dass Cooper, der englischer Abstammung ist, in den Kämpfen zwischen Engländern und Franzosen um die Macht in Nordamerika gefühlsmäßig für die Rechte der Engländer eintrat. Beide Parteien hatten durch Betrug und Lüge indianische Stämme für ihre Kriegszüge angeworben und für ihre selbstsüchtigen Zwecke missbraucht. So leisteten die Delawaren Kriegsdienste für die Engländer und die Huroren für die Franzosen, was übrigens geschichtlich auch nicht immer genau zutrifft.

Für den vierten Band – Die Ansiedler am Susquehanna – wählte Cooper ein ganz anderes Thema als bisher. Er schildert die Besiedlung des Otsege-Gebietes durch Europäer aus verschiedenen Nationen. Sowohl der schon betagte Lederstrumpf wie auch der greise Chingachgook, von dem wir in dieser Erzählung endgültig Abschied nehmen müssen, werden durch den Haupthelden, den Richter Temple, stark in den Hintergrund gedrängt. Dieser Marmaduke Temple, der wesentliche Züge von Coopers Vater trägt, wird als ein rechtschaffener, von Engländern abstammender und in Amerika geborener Mann geschildert, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, neue Siedlungen zu gründen und für eine gerechte Gesetzgebung zu sorgen. Gleichzeitig ist er bemüht, Ungerechtigkeiten gegen die Ureinwohner des Landes zu verhüten. Aber Richter Temple bildet eine Ausnahme unter den Ansiedlern, denn die meisten sind recht zweifelhafte Existenzen, die verschwenderisch mit dem Reichtum des Landes umgehen und Nutzen aus dem Unglück der Indianer ziehen.

Im letzten Band – Die Prärie – tritt wieder die Hauptfigur der ersten drei Erzählungen, der weiße Jäger Nathaniel Bumppo, auch Wildtöter, Falkenauge und schließlich Lederstrumpf genannt, in den Mittelpunkt der Handlung. Noch einmal wird dem Leser das leidvolle Schicksal der Indianer vor Augen geführt. Schauplatz dieser Erzählung ist die weite Steppe westlich des Mississippi, des größten amerikanischen Stromes. Sinn und Aufgabe der „Lederstrumpferzählungen“, nämlich die Indianer zu schildern und das ihnen durch die Weißen zugefügte Unrecht anzuprangern, wird auch in dieser Erzählung wieder sehr deutlich.

„Die Prärie“ ist die letzte jener fünf Indianergeschichten, die unter dem Sammelnamen „Lederstrumpferzählungen“ in die Weltliteratur eingegangen sind.


Wenn sich Cooper auch in vielen seiner Anschauungen nicht von den Vorurteilen seiner Zeit und seiner Umgebung freimachen konnte, so hat er doch das Schicksal der Indianer, die er über alles liebte und achtete, schon frühzeitig in seinen Romanen aufs tiefste beklagt, und mit großer Anteilnahme wird jeder seiner Leser die Geschehnisse in den „Lederstrumpferzählungen“ verfolgen.


„Der Wildtöter“ – Erster Band, 4. Auflage (1. Auflage 1956)

„Der letzte Mohikaner“ – Zweiter Band, 3. Auflage (1. Auflage 1956)

„Der Pfadfinder“ – Dritter Band, 2. Auflage (1. Auflage 1956)

„Der Ansiedler“ – Vierter Band, 2. Auflage (1. Auflage 1956)

„Die Prärie“ – Fünfter Band, 2. Auflage (1. Auflage 1956)


Der Kinderbuchverlag, Berlin
Zeichnungen von Alfred Will

 

18 Juli 2021

Dmitri Furmanow: Tschapajew – Das Leben eines Revolutionärs


 Der packende Roman berichtet von den heroischen Kämpfen der Arbeiter und Bauern als Rotarmisten zur Zeit des Bürgerkrieges und der imperialistischen Intervention in Sowjetrußland. Seine Handlung, die Vertreibung der Weißen Armee Koltschaks, ist vielen Lesern auch durch den gleichnamigen Film bekannt geworden.

Im Mittelpunkt steht der Volksheld Tschapajew, ein fast legendärer Kommandeur. Mit großem Geschick führt der Kommissar Klytschkow den urwüchsig-kraftvollen Draufgänger Tschapajew in die Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge ein. Auch in schwierigen und abenteuerlichen Situationen bewährt sich die feste Freundschaft dieser beiden grundverschiedenen Menschen.

Verlag Kultur und Fortschritt Berlin 1951

Rolf Schneider: Orphée oder Ich reise


 Orphée schreitet durch den Spiegel, um dahinter eine andere Wirklichkeit zu entdecken. Rolf Schneider betritt, aus unserer Welt kommend, eine andere: Nürnberg, Frankfurt am Main, Westberlin – Variationen über die Bösartigkeit. Doch nicht die Gänge durch den Spiegel hindurch machen den Reiz dieser Miniaturen über Reiseziele aus: da ist der Harz, da sind Weimar, Dresden, Wernigerode und Berlin, aber auch Kraków und Warschau. Ausflüge in die eigene Vergangenheit werden zu Reisen in die Geschichte, um darin Gegenwart und Zukunft zu spiegeln.


Aus dem Inhaltsverzeichnis

Heimatkunde

Deutsche Utopie

Orphee oder Ich reise in den Westen

Nürnberg oder Variationen über die Bösartigkeit

Liebe

Volute gegen Vorderlader

De mortuis

Berlin betreffend

Polonaise

W. zum Beispiel


Hinstorff Verlag Rostock 1977

Brigitte Sändig: Albert Camus – Eine Einführung in Leben und Werk


 Buchbeginn

Den größten Teil seines Lebens, die entscheidenden Jahre der Ausbildung und Reife, hat Albert Camus in Algerien verbracht. Am 7. November 1913 wurde er in der Nähe der ostalgerischen Hafenstadt Annaba (nach damaliger französischer Benennung Bone) geboren. Dieser Geburtsort war nicht zufällig, sondern durch Berufs- und Besitzstand des Vaters bedingt: Lucien Auguste Camus war Angestellter eines großen Weinhandels- und -exportunternehmens und wurde zur Organisation und Überwachung der Transporte in verschiedene Regionen des Landes geschickt. So mußte die Familie auch kurz vor der Geburt des zweiten Sohnes, Albert, ihre Wohnung in Algier verlassen und für längere Zeit in ein Weinanbaugebiet in der Nähe der tunesischen Grenze ziehen…

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1983