24 Oktober 2026

Vilmos und Ilse Korn: Mohr und die Raben von London

London 1856: Karl Marx, von seinen Freunden „Mohr“ genannt, lernt den dreizehnjährigen Joe Kling kennen, dessen Familie in erdrückender Armut lebt. Der Junge arbeitet in einer Baumwollspinnerei, zwölf Stunden täglich. Sein Bruder Billy geht als Anführer der „Rabenbande“ seinen eigenen Weg. Er meint, Joe über dessen neue Bekanntschaft aufklären zu müssen: „Ein Mann mit Silberknauf am Stock und mit Zylinderhut und allem Drum und Dran … der hat Zaster.“ Dass die Familie des Emigranten Karl Marx mit ihren Kindern von spärlich fließenden Honoraren für Zeitungsartikel lebt, weiß Billy nicht. Trotz der widrigen Umstände schafft es Marx, den Klings auf seine Weise zu helfen.

Klappenzext:
Wer ist dieser Mann, der MOHR genannt wind? fragen Kinder und Erwachsene, die dem ungewöhnlichen Mann begegnen.
Joe und Becky Kling, die aus der berüchtigten Rabenhecke einem der vielen Armutsviertel Londons, kommen, treffen ihn, den schwarzbärtigen Herrn in Frack and Zylinder an der Pferdebushaltestelle und weichen mißtrauisch zurück. Doch er springt ihnen in einer schweren Bedrängnis bei und greift entscheidend in das Leben der ganzen Familie ein. –  Der Fabrikherr der Kreuzspinne denkt grimmig: Wirklich nur ein Zeitungsschreiber? Vergeblich versucht er, vor den scharfen Augen Mohrs zu verbergen, was für ein qualvolles Leben die acht- bis fünfzehnjährigen Spinnereikinder in Zwölfstündiger Nachtschicht unter der Peitsche seines Oberaufsehers führen müssen. Sogar Billy, der fünfzehnjährige Bruder Joes, der als King der Rabenbande in den Londoner Docks ein freies Leben führt und auf seine Art die "Gerechtigkeit" herstellen will, muß sich eingestehen: So einer ist mir noch nie begegnet; sieht aus wie ein Herr, ist klug wie kein Zweiter und hält es doch den Arbeitern. Nur Robin, der Älteste der Klings, ahnt, wer Mohr wirklich ist.
Die Autoren haben in ihrem Roman – nach einer frei erfundenen Fabel voller Abenteuer, heiterer aber auch ernster Begebenheiten – ein Lebensjahr Mohrs biografisch getreu eingefangen und zugleich ein farbenreiches, interessantes Bild der Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltet.
Der jugendliche Leser wird mit einer der großartigsten Persönlichkeiten unserer Geschichte vertraut wie mit einem guten Freund. Aber auch Erwachsenen wird Mohr von einer fast unbekannt gebliebenen Seite lebendig gemacht. So oft er mit seiner Familie in der bitteren Not leben mußte, nie versagte seine Lebenszuversicht, sein sprühender Humor. Darum konnte er – der für die Welt arbeitete – seinen Kindern auch phantasiereiche Märchen und Geschichten vom Meister Hans Röckle erzählen, der den Teufel für immer aus der Welt schafft und für die Menschen den Weg in das Land "Morgen und Übermorgen" findet.

Leseprobe:
DER PFERDEOMNIBUS
Sie kamen aus einer finsteren Welt.
Die Rabenhecke mit ihren vor Schmutz starrenden Gassen lag hinter ihnen, aber noch eine Stunde lang führte ihr Weg durch enge, lärmerfüllte Straßen. Erst an den kleinen Vorgärten der Häuser von Maitland Park und Haverstock Hills verlangsamten die Geschwister ihren Schritt. Staunend schaute Becky durch die Gitter der schmiede eisernen Zäune: Zwischen Herbstastern und Goldraute blühten noch späte Rosen. Joe mahnte zur Eile.
Endlich tat sich vor ihnen die Heide auf. Joe dehnte die Brust; er spürte warme Erde und Gras unter den nackten Füßen. Von Zeit zu Zeit warf Becky einen verwunderten Blick auf den Bruder. Sein bleiches Gesicht hatte Farbe bekommen, seine Augen waren weit geöffnet. Oft blieb er stehen. Alles war neu für ihn: Käfer mit schillernden Flügeln, summende Bienen, buntgefiederte Vögel. Auf grauem Stein lag, hingegeben an die Sonnenwärme, ein grünes Schuppentier, reglos. Nur seine schwarzen Perlaugen verrieten Leben. Lange stand Joe versunken.
„Sieh dort!“ Er zeigte auf eine Reihe langhalsiger Vögel, die über ihnen in eiligem Flug der Ferne zustrebten.
„Wildgänse!“ Becky sagte es leise, als könne ein lautes Wort die fliegende Himmelskette zerbrechen.
Die Heide von Hampstead mit ihren sanften Hügeln und Tälern lag am Rande der großen Stadt London. Bäume mit buntem Herbstlaub gab es dort, Sträucher, Ginsterhügel und Brombeerhecken, langgedehnte Wiesentäler und Hänge, dazu eine Luft, die das Atmen leicht machte. Doch man hatte Becky und Joe nicht hierhergeschickt, damit sie leichter atmen konnten. Ihr Aufenthalt diente nützlicheren Zwecken. Die elfjährige Becky mußte mehrmals im Jahr für die Händlerin Quaddle, bei der sie im Dienst stand, Brombeerblätter sammeln.

Inhalt [PDF]

Für Leser von 12 Jahren an
Illustrationen: Kurt Zimmermann

Der Kinderbuchverlag Berlin
1. Auflage 1962
2. Auflage 1963
3. Auflage 1964
4. Auflage 1965
5. Auflage 19?? 
6. neubearb. Auflage 1968
7. Auflage 19?? 
8. Auflage 1969
9. Auflage 19?? 
10. Auflage 1969 
11. Auflage 1971 
12. Auflage 1972 
13. Auflage 1979 
14. Auflage 1980

N E U A F L A G E

Im Eulenspiegelverlag – 1. Auflage 2000


Eulenspiegel Kinderbuchverlag

1. Auflage 2014 

Karl Marx, von seinen Freunden "Mohr" genannt, lebt in London im Exil, als er den dreizehnjährigen Joe Kling kennenlernt. Täglich zwölf Stunden muss der Junge in einer Baumwollspinnerei arbeiten, auch in Nachtschichten, obwohl das verboten ist. Sein Bruder Billy hat sich anders entschieden: Als Anführer der "Rabenbande" stiehlt er den Reichen, was sie den Armen nehmen. 
Billy hat auch zu Joes neuer Bekanntschaft eine Meinung: "Ein Mann mit Silberknauf am Stock und mit Zylinderhut und allem Drum und Dran... der hat Zaster."
Da täuscht sich Billy. Aber "Mister Mohr" will den Klings auf seine Weise helfen. Eines Nachts taucht er mit einem Inspektor in der Fabrik auf und überführt den Fabrikbesitzer der verbotenen Kinderarbeit.
Doch der will sich an Joe rächen...



Schulausgabe mit Genehmigung des Kinderbuchverlages
Kein Verkauf über den Buchhandel

Inhalt [PDF]


Umschlag: Erhard Schreier

Verlag Volk und Wissen Berlin 
1. Auflage 1971
2. Auflage 1972
Neuausgabe 1975
3. Auflage 1980







Einbandtext:

Wer ist dieser Mann, der Mohr genannt wird? fragen Kinder und Erwachsene, die ihm begegnen. Man kann ihn, in Frack und Zylinder – in einem der Armutsviertel Londons treffen, man kann ihn auch beim Fabrikherren der Kreuzspinne sehen, der vergeblich vor ihm zu verbergen sucht, was für ein qualvolles Leben die Kinder an den Maschinen führen. Sogar Billy, der als King der Rabenbande aus seine Art Gerechtigkeit üben will, hat so einen noch nie kennengelernt.
Er sieht aus wie ein Herr, ist klug wie kein zweiter und hält es trotzdem mit den Arbeitern...

Illustrationen von Hans Mau

Der Kinderbuchverlag Berlin
Reihe:
Alex-Taschenbücher Bd. 68

1. Auflage 1981
2. Auflage 1983
3. Auflage 1986 

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