Klappentext:
BAND I
Diese Sammlung alter deutscher Sagen enthält Schätze, die jedem Leser, ob groß oder klein, viel Freude machen werden. Lustiges, Ernstes und Abenteuerliches, längere Erzählungen, kurze Aufzeichnungen, Gedichte und Balladen wechseln in bunter Reihe ab. Zwerge, Riesen, Bergmännchen und Moosweibchen, Kobolde und der betrogene Teufel sind Gestalten, denen wir in diesem Buch begegnen. Vor allem aber hören wir von den Menschen früherer Zeiten, wie sie lebten, was sie freute, was ihnen Kummer bereitete und wie sie sich gegen Unrecht und Unterdrückung wehrten.
BAND II und BAND III
Auch diese beiden Bände geben eine mannigfaltige Auswahl an Ernstem und Heiterem und bringen allen jungen Lesern in frischen Farben die Vergangenheit unseres Volkes nahe. Aus vielen alten Sammlungen sind hier die schönsten Sagen ausgewählt worden. Wir lesen von Riesen und Zwergen und vom schlauen Teufel, der nicht nur listig auf seinen Vorteil bedacht ist, sondern Standhaftigkeit schätzt und gerecht straft, wenn man ihn zu sehr ärgert. Im 3. Band sind auch die Sagen von Kaiser Karl und dem alten Barbarossa, dessen Bart durch den Tisch gewachsen ist, enthalten. Von den Untaten der Raubritter erfahren wir und dem Wunsch der Menschen, diesem Unwesen ein Ende zu setzen.
Vorwort:
Band I
Wer gern wissen möchte, wie die Menschen früher lebten, was sie dachten, empfanden und taten, wird mit großem Interesse und viel Vergnügen die Heimatsagen lesen. In ihnen werden – wenn auch geschichtlich nicht beglaubigt – viele Einzelheiten aus längst vergangenen Zeiten überliefert. Die Sagen knüpfen häufig an bestimmte, dem Volke bekannte Personen und Örtlichkeiten oder an bemerkenswerte Gegenstände, Ereignisse und Naturgeschehnisse an. Es sind Geschichten, die im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte Eltern ihren Kindern, Großeltern ihren Enkeln über all das Wunderbare erzählt haben, das uns in der Welt umgibt und wofür die Menschen oft keine Erklärung wußten. Meist enthalten die Volkssagen einen wahren Kern. Sie wollen bestimmte geheimnisvolle oder sonst beachtenswerte Tatsachen nicht nur weiterberichten, sondern auch deuten. Dies tun sie auf einfache, schlichte Weise. Dabei werden Vorgänge, die sich an einem bestimmten Ort abgespielt haben, im Laufe der Jahre verändert wiedergegeben. Je mehr die Zeit sich von einem solchen geschichtlichen Ereignis entfernt, desto mehr verblaßt die Erinnerung an den wirklichen Hergang. Die Erzählung des tatsächlich Geschehenen wird durch Hinzufügen und Weglassen, durch die dichtende Phantasie zur Sage, und am Ende weiß niemand mehr recht, was an der Erzählung eigentlich wahr oder was ganz oder teilweise erfunden ist.
Da die Volkssagen sich also stets wandeln, sind sie zwar im allgemeinen nicht als Geschichtsquellen zu betrachten. Jedoch können wir unseren Heimatsagen wertvolle Anhaltspunkte über die früheren gesellschaftlichen Verhältnisse entnehmen. Denn in allen Sagen spiegeln sich Freud und Leid der Menschen alter Zeiten klar und deutlich wider. Viele sonst vielleicht längst vergessene Einzelheiten aus dem Leben unserer Vorfahren sind auf diese Weise unserem Volk erhalten geblieben.
Im vorliegenden Sagenbuch sind Sagen aus ganz Deutschland enthalten. Gerade beim Lesen der Sagen kommt es uns zum Bewußtsein, wie eng die einzelnen Teile Deutschlands miteinander verbunden sind. Die Zwerge aus dem Westharz wandern nach dem östlichen Teil des Harzes. Sie kümmern sich nicht darum, daß eine trennende Landesgrenze dazwischenliegt. Die Riesen so meint die Sage lebten am Rhein, sie lebten in Mecklenburg und in manchen andern Gegenden unseres Vaterlandes. Mit ihren Riesenschritten übersprangen sie ohne Schwierigkeiten alle Grenzen.
Wir wissen, daß die Zerreißung Deutschlands eine willkürliche, unnatürliche Maßnahme ist, die nicht von langer Dauer sein kann. Deshalb hat diese Sagensammlung vor den künstlich geschaffenen Trennungsstrichen nicht haltgemacht, und es finden sich in diesem Band Sagen und sagenhafte Erzählungen aus allen Teilen unserer schönen Heimat.
Die Sammlung enthält viele unbekannte oder vergessene, aber gleichwohl wertvolle deutsche Heimatsagen, in denen das Gute gepriesen und das Schlechte bekämpft wird. Zahlreiche unserer Volkssagen berichten über das Aufbegehren gegen Willkür und Unterdrückung, und sie zeigen, wie die Bösen für ihr Treiben die gerechte Strafe erhalten. Menschliche Schwächen, Fehler und Schandtaten werden ohne Ansehen der Person und des Standes aufgezeigt und streng beurteilt. Heitere, schwankhafte Sagen fehlen nicht. Aus der deutschen Balladendichtung, die vielfach ihren Stoff der Volkssage entlehnt hat, ist gleichfalls einiges beigefügt.
Heimatsagen sind nach Inhalt und Form sachlich, klar und ursprünglich und streben geradewegs ihrem Ziel zu, ohne Nebenumstände breit und behaglich auszumalen. Bei der Bearbeitung ist deshalb mit aller Behutsamkeit vorgegangen worden, um die Eigentümlichkeit der Sprache und die den Sagen eigene, meist sehr glückliche und eindringliche Art der Darstellung zu erhalten.
Bei aller wissenschaftlichen Sorgfalt in Auswahl und Bearbeitung ist jede gelehrte oder nur für wissenschaftliche Zwecke berechnete Einkleidung oder Anordnung des in dieser Sammlung gebotenen Sagenstoffs vermieden worden. Aus diesem Grunde wurde auch davon abgesehen, die Sagen etwa nach Landschaften oder Orten oder abschnittweise unter andern äußeren Gesichtspunkten zu gliedern. Die Ordnung des Stoffs ergibt sich aus dem inneren Gehalt der einzelnen Geschichten. Sie entspricht dem Wunsch, mit diesem Buch den Leser an die reichen und mannigfaltigen Schätze heranzuführen, die in den alten deutschen Heimatsagen verborgen sind und die gehoben werden müssen, weil sie allem Volksfeindlichen abgeneigt und dem Fortschrittlichen zugewandt anregend und
nutzbringend sein können. So möge dieser Band allen jungen und erwachsenen Lesern recht viel Freude machen!
Ich widme dies Buch dem Andenken meiner Mutter.
Dr. Harry Trommer
Band II
Für den zweiten Band der „Deutschen Heimatsagen“ wurden aus dem reichen Schatz alter deutscher Sagen wieder viele der schönsten ausgewählt. Diese kürzeren oder längeren Erzählungen und Gedichte erwecken die Vergangenheit zu neuem Leben und machen uns mit volkskundlich und kulturgeschichtlich wertvollen und fesselnden, oft schon völlig vergessenen Sagen bekannt.
Im vorliegenden Band sind eine Reihe von Sagen enthalten, die sich mit verschiedenen, früher sehr bekannten Räubern, beschäftigen. In diesen Geschichten drückt sich die Unzufriedenheit des Volkes über den Geldhunger und die steigende Macht des Bürgertums und der Kirche aus. So ist es zu erklären, daß trotz allen Schreckens, den die Räuber verbreiteten, das Volk ihnen häufig Zuneigung und Mitgefühl entgegenbrachte. In der Volksdichtung – besonders in den Sagen – wird das böse Ende, das die Räuber schließlich fast stets fanden, vom Volk vielfach mit Bedauern aufgenommen. Ebenso wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Räuber untereinander betont.
Noch eine andre Sagengruppe, nämlich die vom Wilden Jäger oder von der Wilden Jagd, ist in diesem Band mehrfach vertreten. Auch in diesen Sagen spiegeln sich die gesellschaftlichen Verhältnisse, unter denen die Menschen früher lebten, deutlich wider. Durch die zügellose Leidenschaft, mit der viele Adlige die Jagd ausübten, fügten sie den Landleuten sehr beträchtlichen Schaden zu. So war es kein Wunder, daß sich das Volk gegen die rücksichtslosen Unterdrücker wandte und sie in das Reich des Wilden Jägers verwünschte. Andre Sagen behandeln den Niedergang des Adels, seine Zügellosigkeiten, Schlemmereien und Grausamkeiten.
Neben diesen ernsten Volkssagen stehen viele lustige und heitere sagenhafte Geschichten und Gedichte.
Wie im ersten, so sind auch im vorliegenden zweiten Band, Sagen aus allen Teilen unseres deutschen Vaterlandes zu finden; denn auch dieser Band der „Deutschen Heimatsagen“ will dem Gedanken der Einheit Deutschlands dienen.
Ich eigne dies Buch meinen drei Söhnen zu.
Dr. Harry Trommer
Leseprobe:
DIE JUNGFRAU AUF DER LORELEI
In alten Zeiten ließ sich manchmal auf der Lorelei um die Abenddämmerung und beim Mondenschein eine Jungfrau sehen, die mit so anmutiger Stimme sang, daß alle, die es hörten, davon bezaubert wurden. Viele, die im Boot vorüberfuhren, gingen am Felsenriff oder im Strudel zugrunde, weil sie nicht mehr auf das Fahrzeug achteten, sondern von den himmlischen Tönen der wunderbaren Jungfrau betört wurden. Niemand hatte noch die Jungfrau in der Nähe geschaut bis auf einige junge Fischer; zu diesen gesellte sie sich bisweilen im letzten Abendrot und zeigte ihnen die Stellen, wo sie ihre Netze auswerfen sollten. Und jedesmal, wenn sie den Rat der Jungfrau befolgten, taten sie einen reichlichen Fang. Die Jünglinge erzählten nun, wo sie hinkamen, von der Huld und Schönheit der Unbekannten, und die Geschichte verbreitete sich im ganzen Lande.
Ein Sohn des Pfalzgrafen, der damals in der Gegend ein Hoflager hatte, hörte die wundervolle Kunde, und sein Herz entbrannte in Liebe zu der Jungfrau. Unter dem Vorwand, auf die Jagd zu gehen, nahm er den Weg nach Wesel und ließ sich stromabwärts fahren. Die Sonne war eben untergegangen, und die ersten Sterne traten am Himmel hervor, als sich der Nachen der Lorelei näherte.
„Seht ihr sie dort, die verwünschte Zauberin; denn das ist sie gewiß!“ rief einer der Schiffer.
Der Jüngling hatte sie aber bereits erblickt, wie sie am Abhang des Felsenberges nicht weit vom Strom saß und einen Kranz für ihre goldenen Locken band. Jetzt vernahm er auch den Klang ihrer Stimme und war bald seiner Sinne nicht mehr mächtig. Er nötigte die Schiffer, am Fels anzufahren. Dort wollte er ans Land springen …..
Inhalt:
Link zur Inhaltsangabe auf der Seite der DNB (pdf)
Band I
Band II
Mit Illustrationen von Alfred Will
Für Leser von 11 Jahren an
Der Kinderbuchverlag Berlin
Band I
1. Auflage 1954
2. Auflage 1954
3. Auflage 1955
4. Auflage 1956
5. Auflage 1957
6. Auflage 1960
7. Auflage 1963
8. Auflage 1964
9. Auflage 1966
Band II
1. Auflage 1954
2. Auflage 1955
3. Auflage 1955
4. Auflage 1957
5. Auflage 1960
6. Auflage 1962
7. Auflage 1964
8. Auflage 1966
Band III
1. Auflage 1955
2. Auflage 1956
3. Auflage 1957
4. Auflage 1958
5. Auflage 1960
6. Auflage 1963
7. Auflage 1965
8. Auflage 1966




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