06 Oktober 2026

E. R. Greulich: Die Verbannten von Neukaledonien

Buchinfo 
Neukaledonien, das bedeutet Sonne, tropische Vegetation, fruchtbares Land. Die Verbannten auf der Halbinsel Ducos kennen nur die Sonne. Ducos ist steinig, öd, heiß: Hunger, Durst, Krankheit und erzwungenes Nichtstun bestimmen das Leben. Darum machen sich zwei Männer auf. Sie wollen nach Europa, die Weltöffentlichkeit alarmieren.
Der Versuch, schwimmend ein Schiff zu erreichen und als Matrosen anzuheuern, schlägt fehl. So wagen sie, was noch niemand geschafft hat, die Flucht über die Insel. Sie finden Unterschlupf bei der Malerin Aurore, im Kloster, in einer zweifelhaften Pension. Sie treffen Freunde, wo sie es nicht zu hoffen wagten, doch ihre Feinde sind nicht abzuschütteln. Und doch erreichen sie endlich ein Schiff, das sie mitnimmt nach London. Hier beginnt der eigentliche Kampf, der Kampf um Freiheit für die verbannten Kommunarden. 

Buchbeginn
Zehntausend Meilen hinter der Kimm
Der Sarg war aus Kistenholz, sechs Männer trugen ihn, gebückt unter der leichten Last, als drücke die Sonnenglut sie nieder. Ein langer Zug Deportierter gab dem toten Kommunarden das letzte Geleit, und dicht hinter dem Sarg schritten die wenigen Frauen des Lagers. In der ersten Reihe der Männer befanden sich der Journalist Pascal Grosseu und dessen Freund, der ehemalige Marineoffizier Roger Kervizic, der öfter seinen Blick auf eine der Frauen richtete. Sie erschien größer, da sie erhobenen Hauptes ging. Als sie sich kurz umwandte, um den Zug zu überschauen, sah Kervizic die Trauer in ihren großen dunklen Augen. Louise Michels Gesicht wirkte herb, der selbstbewußte Blick, die lange gerade Nase, der dünnlippige Mund verrieten Intelligenz und Tatkraft.

Autor
E. R. (Emil Rudolf) Greulich (6. Oktober 1909 - 31. August 2005) wurde nach dem Krieg Mitglied der SED. Er arbeitete als Korrektor, danach als Redakteur in Ost-Berlin. Er gehörte zu den Mitbegründern des Verbandes der Deutschen Presse und des Deutschen Schriftstellerverbandes der DDR. In Letzterem war er auch in der Rechtskommission tätig. Freischaffender Schriftsteller war er seit 1949 in Ost-Berlin. Und er gehörte 1953 zur Gründungsredaktion der "Wochenpost".
Sein Grab kann man auf dem Friedhof Berlin-Adlershof besuchen. Sein Nachlass befindet sich im Literaturarchiv der Berliner Akademie der Künste.


Verlag Neues Leben, Berlin 1979
Illustrationen von Günther Lück
 

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