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11 Januar 2025

Alex Wedding: Das Eismeer ruft

VORWORT
Dieses Buch stützt sich auf wirkliche Begebenheiten. Es berichtet von der Fahrt des Sowjet-Eisbrechers „Tscheljuskin“, der sich 1933 zur Erprobung der sogenannten „Nordpassage“ (vom Weißen Meer durch die arktischen Gewässer nördlich der sibirischen Küste nach dem Stillen Ozean) auf die Fahrt durch bislang unbefahrene Weiten des Eismeeres machte und dabei unterging. Das Schicksal der über hundert Mann starken Besatzung, die sich wochenlang auf einer abbröckelnden, treibenden Eisscholle befand; der heiße Wunsch, diese Menschen zu retten, und die Versuche, diesen heißen Wunsch rasch in die Tat umzusetzen bewegten damals nicht allein alle Sowjetmenschen, sie hielten Tausende und aber Tausende Männer, Frauen und Kinder überall auf der Erde in Atem.
Die Expedition einer Gruppe von Prager Arbeiterkindern, die insgeheim von ihrer Vaterstadt aus „gegen Norden“ zogen, um den Schiffbrüchigen Hilfe zu bringen, beruht ebenfalls auf Wahrheit. Auch über die kleine wagemutige Mannschaft, die „Einer für alle. Alle für einen!“ auf ihre Fahne geschrieben hatte, sprachen die von der Polizei und den beunruhigten Eltern benachrichtigten Zeitungen und Rundfunkstationen in vielen Ländern. Die Kunde von dem Streich der kleinen Ausreißer, die das Herz auf dem rechten Fleck hatten, gelangte drahtlos sogar ins Lager der Tscheljuskin-Leute auf der Eisscholle. Sie war eines von vielen Zeichen der Liebe und Solidarität, die das Herz der Schiffbrüchigen stärkten und sie all ihre Kräfte anspannen ließen, um gegen Nacht und Eis, Hunger und Tod zu kämpfen und so lange auszuharren, bis die kühnen Flieger aus ihrem Heimatland ihnen Rettung brachten. A. W.

Inhalt:
1.KAPITEL • SEITE ...... 7
Eine kleine Mannschait schmiedet große Pläne
2. KAPITEL • SEITE ...... 28
Was Rudi der Mannschaft nicht erzählen konnte
3. KAPITEL • SEITE ...... 56
Eine Expedition wird vorbereitet
4. KAPITEL • SEITE ...... 69
Das Lager auf der Scholle
5. KAPITEL • SEITE ...... 92
Auf großer Fahrt
6. KAPITEL • SEITE ...... 130
Einer für alle. Alle für einen
7. KAPITEL • SEITE ...... 161
Ins Unbekannte
8. KAPITEL • SEITE ...... 189
Helden der Harrantgasse

Zeichnungen von Karl Stratil
Für Leser ab 10 Jahren

Der Kinderbuchverlag Berlin
10. Auflage 1954 111.-120. Tsd.
11. Auflage 1955
12. Auflage
13. Auflage 1956
14. Auflage
15. Auflage 1959
16. Auflage 1960
17. Auflage 1961
18. Auflage 1962
19. Auflage 1964 *
20. Auflage 1965 *
21. Auflage 1975 *
22. Auflage 1981 *
23. Auflage 1984 *
24. Auflage 1986 *

Cover ab 19. Auflage / *Ill. Kurt Zimmermann


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Auch erschienen bei:

Cover der Ausgaben im Verlag Neues Leben


Verlag Neues Leben, Berlin

- Auflage 1947
3. Auflage 1949  Ill. Albert Rämer
4. Auflage 1950  Ill. Albert Rämer
- Auflage 1952










Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin
Reihe:
Kleine Jugendreihe
Heft 7/1954 Unter dem Titel „Im Eismeer gefangen“ [Illustration: Horst Musch]

26 Februar 2024

Witali Bianki: Der Einzelgänger

Buchanfang:
Auf dem Großen Seeweg
„Verehrter Bürger!
Heute, am 17. April 19., gebe ich einer Wildgans von der Art der Bleßgänse die Freiheit wieder.
Diesen Vogel erwarb ich im Herbst des vergangenen Jahres durch einen Zufall in Leningrad auf der Straße. Ein Jäger hatte ihn auf dem Markt feilgeboten. Wie er sagte, hatte er die Bleßgans einige Tage zuvor an der Küste des Finnischen Meerbusens in der Nähe von Lomonossow gefangen. Der Vogel hatte sich mit den Füßen in einem Fischernetz verfangen. Den Winter verbrachte die Wildgans auf meinem Hof in Witebsk. Sie war bald ganz zahm geworden und ließ sich von meinem Sohn sogar den Rücken streicheln, wenn er ihr das Futter brachte.
Im Frühjahr jedoch wurde sie unruhig. Sie zerrte an der Schnur, mit der sie festgebunden war, biß danach und schlug mit den Flügeln, woraus leicht zu entnehmen war, daß es sie in die Freiheit zog. Mein Sohn und ich beschlossen, sie freizulassen. Wir hatten jedoch unsere an die Weite gewöhnte Gefangene ins Herz geschlossen. Es fiel uns schwer, uns von ihr zu trennen und glauben zu müssen, nie wieder etwas von ihr zu hören. Deshalb besorgte ich vom Moskauer Ornithologischen Institut einen Aluminiumring der Serie S, Nr. 109. Diesen Ring befestigten wir am Fuß des Vogels.
Wenn jemand unsere Wildgans einfängt, an ihrem Fuß den Ring bemerkt und dies dem Ornithologischen Komitee meldet, so teilen Sie mir doch bitte freundlicherweise nach Witebsk mit, wohin sie geflogen ist und unter welchen Umständen sie gefangen wurde."
Der Schreiber dieser Zeilen unterschrieb den Brief, setzte seine Anschrift darunter und tat den Bogen in einen Umschlag mit der Adresse des Moskauer Ornithologischen Komitees. Dann stand er vom Tisch auf und ging zur Tür. „Mischka!“ rief er seinen Sohn. „Komm, wir lassen jetzt die Wildgans frei.“

Die Wildgans lag vor der Hundehütte und zerrte mit dem Schnabel wütend an der an ihrem Fuß befestigten Schnur. Als sie die beiden sich nähernden Menschen bemerkte, ließ sie sogleich von dieser Beschäftigung ab und richtete sich hocherhobenen Kopfes zur vollen Größe auf. Jetzt wirkte sie so groß wie eine Hausgans, obwohl sie in Wirklichkeit viel kleiner war. Man sah auf den ersten Blick, daß dies ein in freier Wildbahn lebender Vogel war. Sein Gefieder lag so glatt und schön an, wie man es bei Hausgeflügel niemals findet. Die Gans war ein stattliches Tier von kräftigem Wuchs mit vorgewölbter Brust und einem biegsamen Hals. Ihre kurzen, breit auseinanderstehenden Füße stemmten sich fest gegen den Boden. Auf der Stirn leuchtete ein halbmondförmiger, strahlendweißer Fleck.
Als der Vater und Mischka zu ihr traten, wich sie fauchend vor ihnen zurück. Die Schnur spannte sich, und nun konnte sie nicht mehr weiter. Mit einem Ruck kippte die Wildgans vornüber und stieß mit dem Kopf gegen die Erde.
Diesen Augenblick machte sich Mischas Vater zunutze. Mit festem Griff packte er den Vogel bei den Flügeln und nahm ihn auf. „Mach die Schnur los“, sagte er zu Mischa. Während sich Mischa mit dem festgeknüpften Knoten abplagte, suchte die Wildgans mit aller Kraft, sich loszureißen. Der Vater hatte Mühe, sie festzuhalten.
„Und jetzt, Mischka“, sagte er, als die Schnur endlich zu Boden gefallen war, „nimm Abschied und wünsch ihr eine glückliche Reise!“
Mischa wollte den Vogel streicheln. Er streckte die Hand aus, doch im gleichen Augenblick zog er sie zurück. Die Wildgans fauchte ihn drohend an. Er hatte nicht die geringste Lust, sich von ihr einen Schnabelhieb versetzen zu lassen. Schon einmal hatte er erfahren, wie angenehm das war, und volle zwei Wochen hatte ein blauer Fleck sein Bein geziert.
„Na, Freundchen, traust dich wohl nicht?“ schmunzelte der Vater. „Keine Angst, ich halt ihr den Hals fest. Und du nimmst aus meiner rechten Tasche den Ring und die Flachzange.“ Mischa befolgte die Anordnung.
„So“, fuhr der Vater fort, „nun bieg den Ring auf und streif ihn dem Wildfang über den Fuß. Fertig? Kneif jetzt seine Enden mit der Zange zusammen. So! Und wenn sie jetzt jemandem in die Hände fallen sollte, so werden wir von ihr hören.“
„Wer's glaubt wird selig...“, murmelte Mischa zweifelnd.
„Wie? Was sagst du da? Siehst du denn nicht die Anschrift und die Nummer auf dem Ring? Sollte einer unsere Gans einfangen, wird er die Nummer ihres Rings unter dieser Anschrift dem Ornithologischen Komitee melden. Ich wiederum hab an das Komitee geschrieben und gebeten, uns zu benachrichtigen, wo die Gans gefangen wurde. Verstanden?“
„Verstanden schon“, maulte Mischa, aber es ist doch nicht sehr wahrscheinlich, daß sie noch einmal eingefangen wird.“
„Kann man das wissen? So, und jetzt laß ich sie frei“, sagte der Vater. „Mir tun die Arme schon weh.“ Er warf den Vogel in die Luft. Die Wildgans schlug mit den Flügeln ......

Inhalt:
5 Auf dem Großen Seeweg
59 Der Einzelgänger
147 Ziesel
157 Dshulbars
165 Arschaks Geheimnis
177 Die Explosivgeschosse des Professors Gorlinko
191 Sie
209 Das Seeteufelchen
219 Ummb
237 Nachwort

Herausgegeben von Prof. Dr. Nadeshda Ludwig
Übersetzung aus dem Russischen von Corinna und Gottfried Wojtek

Illustrationen von Renate Göritz

Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1970

auch erschiene im

Verlag Kultur und Fortschritt
Kleine Jugendreihe
Heft 13; 1959 – 63 S.
1. Auflage 1959