23 Februar 2022

Siegfried Fischer: Die versunkene Flaschenpost


 Berndt und Helmut halten eine Botschaft in Händen, die geheimnisvoll klingt und recht verworren. Sie beschließen ihr nachzugehen. Noch ahnen sie nicht, worauf sie sich einlassen.

Verlag Neues Leben Berlin

Mario Turra: Das Lachen des Clowns

Mario Turra beschäftigt sich mit der Geschichte des Clowns, seiner Verwandtschaft mit dem antiken Spaßmacher, Harlekin, Pierrot, Hanswurst und all diesen lustigen Personen der darstellenden Künste. Er untersucht den künstlerischen Schaffensprozeß des modernen Clowns, die inhaltlichen und formalen Gestaltungsprobleme und die unterschiedlichen Positionen (und damit auch Konzeptionen) des Artisten Clown im Sozialismus und Kapitalismus. Die Clownsgestalten solch berühmter Artisten wie Grock, Charlie Rivel und Popow werden genauestens analysiert. In einer lockeren, dem heiteren Gegenstand angemessenen Weise beschreibt der Autor die Gags, mit denen die Clowns ihr Publikum zum Lachen bringen.

Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin

 

21 Februar 2022

Novalis: Dichtungen und Prosa

Friedrich von Hardenberg (Novalis; 1772-1801) - unter den Dichtern der deutschen Frühromantik hervorragend mit den "Geistlichen Liedern", den "Hymnen an die Nacht", auch mit dem "Ofterdingen"; vielseitig gebildet und produktiv weiterdenkend in seinen "Fragmenten", die er "Sämereien" nannte, Möglichkeiten der Selbstverständigung, des Sammelns und Ausstreuens, damit ein Ganzes aus ihnen wachse.
Nicht ohne gründliche Kenntnis aller die romantische Dichtungsepoche prägenden Kräfte werden wir dieses Erbe in unserer eigenen Kultur aufheben können: "Die Romantik-Kritik gehört zu jenem Gesamtprozeß, in welchem sich die Arbeiterklasse ihres Selbstbewußtseins versichert. Im Fortgang jedoch der Aneignung der Kultur entwickelt sich als Notwendigkeit gleichwohl eine Kultur der Aneignung. Sie ist, wie alle kulturvolle Bewältigung von Wirklichkeit, dadurch gekennzeichnet, daß in der aktuellen Betrachtung zugleich ein feiner Sinn für das konkret-historisch Mögliche in seiner individuellen Erscheinung zur Geltung kommt" (C. Träger).

Reclams Universal-Bibliothek Band 394, 1. Auflage 1975
Die Rechte an der historisch-kritischen Novalis-Ausgabe liegen beim W. Kohlhammer Verlag Stuttgart
 

Plutarch: Lebensklugheit und Charakter


 Plutarch, griechischer Historiker, Philosoph, Schriftsteller und Biograph, dazu Literaturkenner, geselliger Plauderer und lebenskluger Freund und Ratgeber, hinterließ neben seinen Lebensbeschreibungen berühmter Griechen und Römer eine Fülle kleiner Schriften, die unter dem Sammeltitel ,Moralia' zusammengefaßt sind. Aus diesem Kompendium wurden die vorliegenden Traktate, Dialoge, Briefe ausgewählt, die das heutige Publikum in gleicher Weise lebendig, überzeugend und unmittelbar anrühren wie ihre Leser seit neunzehn Jahrhunderten.

Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Leipzig, 1. Auflage 1970
Sammlung Dieterich Band 380
Aus den Moralia ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Rudolf Schottlaender

Franz Fühmann: SAIÄNS-FIKTSCHEN. Erzählungen

SAIÄNS-FIKTSCHEN? Der Leser begegnet in diesem Band sieben Geschichten aus einer möglichen Zukunft - aus der Welt der Wissenschaftler Janno, Jirro und Pavlo -, die dennoch nicht als "Science-fiction" im gewohnten Sinn verstanden werden möchten. Als Franz Fühmann bei einem Gespräch mit Lesern beiläufig gefragt wurde, ob er SAIÄNS-FIKTSCHEN schriebe, antwortete er "ohne Zögern mit Nein! - Ich dachte an Science-fiction, wovon ich das nicht sehr viele, das ich kannte, nicht mochte und dessen Fundus ich daher nicht zu erweitern gedachte. Später las ich dann mehr, und hie und da gefiel mir schon etwas ... Aber Science-fiction machen wollte ich dennoch nie. Dann, in einer bösen Krise, ich glaube 1974, schrieb ich die erste Geschichte dieses Buches, die ,Ohnmacht'; ich schrieb sie, um eine existentielle Lähmung zu überwinden, und fand in jener irrealen Welt und Weise die mir anders nicht gewinnbare Form, das, was mich quälte, in Worte zu fassen ... ,Sinn und Form' druckte diese Geschichte, und ich wurde bald darauf von einem Leser belehrt, das Genre der Science-fiction arg verfehlt zu haben: das darin enthaltene physikalische Problem sei von mir in einer Weise angepackt worden, die für ernsthafte Science-fiction zu viel Kolportage und für Kolportierendes zu viel Ernst aufwende ... Ein Mißverständnis. Um es nicht zu reproduzieren, beschloß ich, künftig derlei Geschichten als SAIÄNS-FIKTSCHEN zu deklarieren. Denn ich hatte indessen begriffen, daß die Personnage Janno-Jirro-Pavlo mir gerade wegen ihres etwas abstrakten Charakters Gelegenheit gab, auch andere Bedrängnisse und Nöte schreibend zu materialisieren, um ihnen besser begegnen zu können, Bedrängnisse und Nöte jener Art, die sich so schwer darstellen lassen, weil sie zwar der Realität entstammen, sie aber, die Realität, wohl maßlos überschreiten... SAIÄNS-FIKTSCHEN denn -: ein Zwitterwesen; als Science-fiction nicht ernst zu nehmen, als SAIÄNS-FIKTSCHEN vielleicht so ernst, wie es das Schriftbild eines Gesprochenen sagt: als Verfremdung ... Sie sind diese Geschichten, insgesamt Schlußpunkte, im Bereich gestockter Widersprüche, wo Stagnation als Triebkraft auftritt ... Auf die gewißlich zu erwartende Frage eines künftigen Lesers, ob ich weiterhin SAIÄNS-FIKTSCHEN schreiben werde, antworte ich ohne Zögern mit Nein!"

Inhalt
Die Ohnmacht
Der Haufen
Das Denkmal
Die Straße der Perversionen
Das Duell
Bewußtseinserhebung
Pavlos Papierbuch

Hinstorff-Verlag Rostock, 2. Auflage 1983
Schutzumschlagentwurf: Lothar Reher

18 Februar 2022

Lukian: Götter, Tote und Hetären

Buchbeginn

Befreiung des Prometheus

Prometheus und Zeus

Prometheus: Laß mich los, Zeus, du hast mich lange und schrecklich genug leiden lassen!

Zeus: Dich sollt' ich loslassen, dich, der immer noch zu gelinde bestraft wäre, wenn ich dich mit weit schwereren Fesseln belegt und dir den ganzen Kaukasus auf den Kopf gewälzt hätte? Dich, dem sechzehn Geier für einen nicht nur die Leber, sondern die Augen ausfressen sollten, um dich nach Verdienst dafür zu bestrafen, daß du uns eine so unselige Art von Tieren wie die Menschen auf die Welt gesetzt, das Feuer vom Himmel gestohlen und, was noch das ärgste ist, die Weiber erschaffen hast! Denn wie du mich selbst bei der Austeilung des Opferfleisches betrogen, da du mir nichts als Knochen mit Fett bedeckt vorsetztest und das Fleisch für dich behieltest, davon mag ich gar nicht reden.

Prometheus: Bin ich nicht genug dafür bestraft, daß ich schon so viele tausend Jahre an den Kaukasus angeschmiedet, diesen verdammten Adler mit meiner Leber füttern muß?

Zeus: Und doch ist es nur der kleinste Teil dessen, was du zu leiden verdient hast...

Philipp Reclam jun. Leipzig
Reclams Universal-Bibliothek Band 8701-03 C
2. Auflage 1959
Herausgegeben von Dr. Jürgen Werner

Volker Ebersbach: Heinrich Mann

HEINRICH MANN (1871-1950), der Autor der "Kleinen Stadt", des "Professor Unrat", des "Untertan", des "Henri IV.", hat ein umfangreiches Gesamtwerk hinterlassen. Thomas Mann zog eine Bilanz der Leistung des Bruders: Sein Kunsterleben ist vollendet ausgeklungen in den beiden letzten Romanen, dem 'Empfang bei der Welt', einer geisterhaften Gesellschaftssatire, deren Schauplatz überall und nirgends ist, und dem 'Atem', dieser letzten Konsequenz seiner Kunst, Produkt eines Greisen-Avantgardismus, der noch die äußerste Spitze hält, indem er verbleicht und scheidet. Auf ebendieselbe Weise hat der große Essayist sich vollendet in dem faszinierenden Memoirenbuch 'Ein Zeitalter wird besichtigt', einer Autobiographie als Kritik des erlebten Zeitalters von unbeschreiblich strengem und heiterem Glanz, naiver Weisheit und moralischer Würde, geschrieben in einer Prosa, deren intellektuell federnde Simplizität sie mir als die Sprache der Zukunft erscheinen läßt. Ja, ich bin überzeugt, daß die deutschen Schullesebücher des 21. Jahrhunderts Proben aus diesem Buch als Muster führen werden. Denn die Tatsache, daß dieser nun Heimgegangene einer der größten Schriftsteller deutscher Sprache war, wird über kurz oder lang auch von dem widerstrebenden Bewußtsein der Deutschen Besitz ergreifen."

© Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1978
Reclams Universal-Bibliothek Band 754
1. Auflage
Reihenentwurf: Irmgard Horlbeck-Kappler
Umschlaggestaltung: Friederike Pondelik