03 September 2022

Erika Rüdenauer: Dünne Haut - Tagebücher von Frauen

Elke Büttner, 44 Jahre, Schneiderin, 3 Kinder, geschieden: Manchmal glaube ich, daß ich bei allem, was ich rastlos tue und treibe, aus dem Quell einer großen Liebe schöpfe, die sich verschwenden will und oft nicht weiß wie...

Gerdi Nolde, 58 Jahre, Sachbearbeiterin, 5 Kinder, geschieden: Nun sage mir bloß, Hiltrud, was wollen wir mit der ganzen Gleichberechtigung anfangen, solange wir derart ausgeliefert sind? ... Ach, wenn das möglich wäre: selbst entscheiden können, wann man ein Kind haben will...

Barbara Freiling, 38 Jahre, invalid, 1 Kind, verheiratet: Manchmal wünsche ich mir, nur für ein paar Stunden gesund zu sein, durch die Wiesen zu rennen, mit einem Kind auf den Arm auf einen hohen Turm zu steigen oder selbstsicher, wie jede andere, über den Marktplatz zu gehen...

Marie Ziegler, 42 Jahre, Revierförsterin, 2 Kinder, geschieden: Frauen sollten Diplomaten sein. Aber sind Diplomaten ehrlich? Sie müssen ein freundliches Gesicht zeigen, Liebenswürdigkeiten austauschen, auch wenn sie lieber zubeißen würden. Ich will kein Diplomat sein...

Dies ist ein Buch für Frauen und für Männer, für Junge und für Alte, denn es erzählt von wirklichen Lebenskonflikten und davon, was Frauen, die sich bis an die Grenze ihrer Kraft und über sie hinaus ausgeben, an Glück verlieren und gewinnen können. Ein dokumentarischer Bericht von beeindruckender Ehrlichkeit.

Mitteldeutscher Verlag Halle - Leipzig, 3. Auflage 1989
 

Benno Voelkner: Die Tage werden heller


 Es ist in den dunkelsten Tagen der deutschen Geschichte unserer Zeit. Als die letzten Trümmer des vergangenen Krieges verrauchten, verläßt eine Gruppe Deutscher, Opfer verbrecherischer Politik der Vergangenheit, ihre Heimat, das ehemalige Korridorgebiet. Unter Führung von Karl Stiemer, dem nicht nur seine Frau, sondern auch eine ganze Anzahl tatkräftiger, menschlich hochwertiger und politisch bewußter Männer und Frauen zur Seite stehen, geht es in mühseliger, oft unterbrochenem, zuweilen kaum abzusehender Reise nach Westen, nach Mecklenburg. 

Hier nun bauen die Menschen wiederum angeleitet von Karl Stiemer als dem neuen Bürgermeister der Landgemeinde, Stück um Stück ihr neues Haus, ihre neue Heimat. Oft quält sie der Hunger, Krankheiten machen sie mutlos. Unglücksfälle werfen sie zurück - und mancherlei Gleichgültigkeit, Fahrlässigkeit, ja Verrat und Sabotage hemmen sie. Aber es gelingt: das neue Leben, die neue Ordnung setzten sich durch. Die Bodenreform gibt den Heimatlosgewordenen als kostbares Gut etwas in die Hand, was die meisten von ihnen, Enterbte der Vergangenheit, nie kannten: eigenen Besitz an Grund und Boden und damit zugleich ein neues, ein stärkeres Heimatgefühl, eine stärkere Verpflichtung zum Leben und zur aufbauenden Arbeit. 

Der Ablauf dieser ereignisschweren Jahre gewinnt in diesem Buch - stellenweise ergreifend - Leben durch Menschen handelnde, kämpfende, liebende, leidende und sich freuende Menschen. Überdies spiegelt sich im Leben der hier dargestellten Personen ein Teil dessen wider, was wir alle in diesen Jahren erlebt haben, so daß der Leser durch Thema und Gestaltung gleicherweise angeregt, zu unmittelbarer Teilnahme sich gedrängt fühlt. Die Saaten sprießen. Ernten reifen, die alten Menschen werden jung und wie neu: Die Tage werden heller.

Petermänken-Verlag Schwerin, 1. Auflage 1952

Brigitte Böttcher und andere: Die Taubenfeder

"Was vermag ein Wort gegen einen Schuß, ein Satz gegen eine Salve, eine beschriebene Seite gegen ein geladenes Geschütz, ein Gedicht gegen Bombenfeuer - was vermag Literatur gegen den Krieg?" fragt Hermann Kant. Die Literaturgeschichte dieses durch Kriege erschütterten Jahrhunderts ist auch die Geschichte des Wortes gegen den Krieg, für die »Verteidigung der Kultur«. Unter diesem Motto trafen sich 1935 in Paris Schriftsteller zum Ersten Internationalen Kongreß für den Frieden. - 1982, als sich Schriftsteller zum Vierten Sofioter Treffen zusammenfanden, hatte Europa fast vierzig Jahre Frieden erlebt, aber es war ein immer bedrohter Frieden.

Dieses Buch dokumentiert die Friedensbewegung der Schriftsteller der Welt, es enthält Reden und Aufsätze aus (mehr als fünf Jahrzehnten; es zeigt, was das Wort gegen den Krieg vermag.

Laßt uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Laßt uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden. - Bertolt Brecht 1952

Mitteldeutscher Verlag Halle-Leipzig 1. Auflage 1983
Hrsg.: Eberhard Günther, Brigitte Böttcher, Ingrid Engler, Katrina Moschner und Martin Reso
Reihe: Schriftsteller der Welt für den Frieden der Welt

 

02 September 2022

Rainer Kerndl: Die Steine der Schahnas

"Was soll's mit den dummen Dingern." Der Fahrer Hassan kam zu ihr. "Steine! Als hätten sie den Wert von tausend Dinart." Er nahm ihr einen aus der Hand, warf ihn verächtlich zu den anderen auf den Wagen. "Kannst sie vergessen, Feigenblüte. Wir müssen laufen, und da schleppt man nichts Beschwerliches mit." Schahnas zwängte sich an ihm vorbei zum Wagen. Von allem, was er sagte, hatte sie nur begriffen, daß sie ihre Steine im Stich lassen sollte. Sie schob sie ängstlich zusammen. So stand sie hilflos vor dem Wagen, hielt die Hände um die Steine und bewegte sich nicht...

Der Kinderbuchverlag Berlin, 1. Auflage 1989
ATB Nr. 135

Rainer Kerndl

Harald Korall: Die Stunde vor Mitternacht

Am hellen Tage wird eine junge Lehrerin beraubt und getötet; eine Serie von Brandstiftungen schafft Unruhe; ein skrupelloser Handel mit Wohnungszuweisungen wird aufgedeckt; die kurze Unaufmerksamkeit eines Lokführers wird zahlreichen Menschen zum Verhängnis; ein Messerstecher findet seine Opfer in der Stunde vor Mitternacht...

Acht authentische Fälle aus vier Jahrzehnten hat Harald Korall aufgeschrieben. Wie schon in seinen Büchern "Die Tote an der Waisenhausmauer" und "Die Millionenlady" bieten die so entstandenen Kriminalgeschichten nicht nur die Spannung, die aus der Darstellung der Tathergänge und Ermittlungen erwächst, sondern auch interessante Studien der Täterpersönlichkeiten.

Mitteldeutscher Verlag Halle - Leipzig
 

Gleb Golubjew: Die Stadt der toten Götter

Als eines Tages ein Flugzeug am Himmel auftaucht, ahnen Andrej und sein mexikanischer Freund, der Archäologe Alvarez, noch nicht, daß ihnen Gefahr droht. Alvarez hat in den Wäldern Guatemalas eine alte, versunkene Mayastadt entdeckt. Beide werden während der Ausgrabungen von Banditen verfolgt, die ihnen die Früchte ihrer Arbeit abjagen wollen. Unverhofft erhalten sie Hilfe von Jonny Batman, einem verwegenen Mestizen. Er kennt den Urwald und seine verborgenen Schätze genau und führt Andrej und Alvarez zu geheimnisvollen Städten und Pyramiden, die seit Jahrhunderten keiner betreten hat.

Leseprobe
Das Verhör war offensichtlich nicht nach dem Geschmack des Wirtes. Er verschwand eilig in der Küche und ließ sie allein mit der Frage, was ein Geschäftsmann in diesem Krähenwinkel wohl treiben mag.
Batman hatte offenbar bemerkt, daß sich das Gespräch um seine Person drehte, oder ihm fiel einfach die aufdringliche Gafferei auf die Nerven. Jedenfalls spuckte er wütend seine Kippe aus, schob seinen Hut in die Stirn und verschwand hinter der Hausecke.
Später sahen sie den geheimnisvollen Busineßman mit dem Gesicht eines Mayapriesters noch ein paarmal. Alvarez machte sogar den Versuch, seine Bekanntschaft zu schließen. Doch daraus wurde trotz aller Wortgewandtheit des Professors nichts. Batman lehnte es entschieden ab, sich fotografieren zu lassen und tauchte für einige Abende unter, obwohl seine Kumpels nach wie vor bis zur späten Dämmerung an den Pfeilern des Schutzdaches lümmelten. Sie standen wie angegossen und beobachteten die Gäste. Düster und abgerissen wie sie aussahen, erinnerten sie an Geier, die auf Beute lauerten.

Verlag Neues Leben Berlin 1972
Kompass-Bücherei Band 160

 

Hildegard Maria Rauchfuss: Wem die Steine Antwort geben

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Bildhauer Manfred Rohloff, der am Aufbau des Zwingers mitarbeitet. Aus seiner gesellschaftlichen Isolierung, in die er sich durch persönliche Konflikte treiben ließ, löst ihn die junge Karla Dröge und verhilft damit seinen schöpferischen Kräften zum Dutchbruch. Auch Herta Rohloff, die Frau des Bildhauers, findet eine Aufgabe, die sie über das hinausführt, an dem ihre Ehe zerbrach.

Mitteldeutscher Verlag Halle/Saale 11. Auflage 1962