07 Juli 2023

Karl Lemke, Hartmut Müller: Naturdenkmale – Bäume, Felsen. Wasserfälle

Felsen, Findlinge, Wasserfälle, alte Bäume, geschützte Pflanzen und Tiere – insgesamt mehr als 500 Naturdenkmale – und einige touristisch erschlossene Naturschutzgebiete werden in diesem thematischen Reiseführer vorgestellt.
In seinen Einführungen informiert er über die Entwicklung des Naturschutzes und die Darstellung von Naturdenkmalen in Dichtung, Sage und bildender Kunst. Neben vielen weniger bekannten Objekten werden in den über 300 alphabetisch geordneten Ortsbeschreibungen auch so populäre wie der Königsstuhl auf Rügen behandelt.
Zahlreiche praktische Hinweise, vor allem zum Verhalten in der Natur, bei Beobachtungen der Tier- und Pflanzenwelt, sowie Erläuterungen geologischer Begriffe ergänzen die Texte. Einen Eindruck von der Schönheit und der Vielfalt der Naturdenkmale vermitteln annähernd 100 Farbfotos und 13 Farbtafeln; zur besseren Orientierung sind dem Buch 48 Textkarten und der Kartenanhang „Sehenswürdigkeiten an Ihrem Reiseweg“ beigegeben.

Vorwort
Unermeßlich ist der Reichtum der Natur. Um ihn für die Menschen zu erhalten, wurden Naturdenkmale, Flächennaturdenkmale, Naturschutzgebiete sowie Pflanzen und Tiere unter gesetzlichen Schutz gestellt.
Aus der Fülle der Naturdenkmale – Findlinge, Felsen, Höhlen, Bäche, Wasserfälle, Pflanzen und hier vor allem Bäume, insgesamt mehr als 10000 in der DDR – werden im vorliegenden Buch die attraktivsten und bedeutendsten, jedermann zugänglichen, oft aber kaum bekannten Objekte vorgestellt. Dabei war es nötig, auch einige ausgewählte, touristisch erschlossene Naturschutzgebiete mit über die Grenzen des Landes bekannten Naturgebilden zu behandeln. Den zahllosen in Wald und Flur Erholungsuchenden sollen so neue Erlebnisbereiche, Formen sinnvoller, gesundheitsfördernder Freizeitbeschäftigung erschlossen werden. Zugleich ist es Anliegen dieses Tourist-Führers, für den tätigen Naturschutz zu werben.
Wir danken dem Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, Halle, seinen Arbeitsgruppen, der Bezirksnaturschutzverwaltung Neubrandenburg mit der Naturschutzstation Serrahn sowie vielen Kreisnaturschutzbeauftragten für wertvolle Anregungen, die umfassende Unterstützung unserer Arbeit. Besonderer Dank gebührt den Herren Prof. Dr. sc. Hugo Weinitschke, Halle; Martin Görner, Jena; Dr. Leberecht Jeschke, Greifswald; Kurt Kretschmann, Bad Freienwalde; Dr. Lutz Reichhoff, Dessau; Ofm. Horst Ruthenberg, Neubrandenburg; Dr. sc. Hans Schiemenz, Dresden; Dr. Harry Schmidt, Greifswald; Dr. Werner Schulz, Schwerin, und Dr. sc. Walter Steiner, Weimar.

Usadel/Serrahn
Dr. Karl Lemke    Dr. Hartmut Müller


VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig
Tourist-Führer

1. Auflage 1988
2. Auflage 1990

Hans Richter, Michael Fuchs: Wanderatlas Kurort Oberwiesenthal - Fichtelberggebiet

Das Fichtelberggebiet
Eines der schönsten und vielseitigsten Erholungsgebiete der DDR ist das in 800-1000 m Höhe liegende Fichtelberggebiet, überragt vom Fichtelberg (1 214 m) und Klinovec (1 244 m). Die Vielseitigkeit ergibt sich aus den natürlichen Eigenschaf ten, der über Jahrhunderte entwickelten Nutzung und dem Siedlungsnetz. Das Zentrum ist der Kurort Oberwiesenthal, für die meisten Besucher der Ausgang erholsamer sommerlicher und winterlicher Wanderungen sowie für den Wintersport. Auch die weiteren Gemeinden im Süden des Kreises Annaberg, wie Bärenstein und Niederschlag, Neudorf, Cranzahl, Hammerunterwiesenthal, Sehma und Crottendorf, selbst die Kreisstadt Annaberg-Buchholz können als Ausgang und Ziel für Tagesbesuche und längerfristigen Aufenthalt gewählt werden. Eine ausführliche Darstellung für den südlichen Teil des Kreises Annaberg (von Anna- berg bis Oberwiesenthal) vermittelt der Band 13 der Reihe „Werte unserer Heimat“, verfaßt von Dr. Siegfried Sieber und erschienen im Akademie-Verlag.
Bereits seit dem 16. Jh. wird das Fichtelberggebiet durch die auf dem Kamm verlaufende Grenze von dem südlich gelegenen tschechischen Gebiet getrennt. Über den Grenzübergang Oberwiesenthal, 3 km südlich vom Kurort im Paß zwischen Fichtelberg und Klinovec gelegen, läßt sich in folge des visafreien Grenzverkehrs die Nachbarschaft im CSSR Anteil am Fichtelberggebiet leicht erschließen: Sommerwanderungen zum Klinovec, Špičák bei Boži Dar und Plešivec sowie Ausflüge nach Ostrov, Jáchymov, Karlovy Vary und in das Ohre-Durchbruchstal zwischen Erzgebirge und Doupovské hory nach Kadaň. An den Hängen von Fichtelberg und Klinovec, aber auch in den genannten Gemeinden des Kreises Annaberg können die Sommer- und Winterwanderungen mit der Benutzung von Sessel und Schleppliften kombiniert und damit vielfältig gestaltet werden. Das rauhe Klima, verbunden mit dem meist wehenden Wind und den häufigen Niederschlägen, ist ein kräftiges Reizklima. Die im Vergleich zum Tiefland fast doppelt so hohe Niederschlagsmenge sichert eine mächtige und bis in den April anhaltende Schneedecke, deshalb gehört das Fichtelberggebiet zu den schneesichersten Gebieten und ist eins der Wintersportzentren der DDR. Der Wechsel von Fichtenforsten unterschiedlichen Alters und Fluren auf Hochflächen, Tal- und Berghängen vereint sich mit der Vielfalt der Siedlungen, die größerenteils als Dörfer, teils als Bergbaustädte gegründet wurden. Stets wurden sie von der kargen Landwirtschaft, seit über 500 Jahren jedoch immer mehr vom Bergbau und allen Phasen der Handwerks, Manufaktur- und Industrieentwicklung wie kaum in einem anderen Gebirge Mitteleuropas geprägt. Die Zeugen ihrer reichen Geschichte werden mit Sorgfalt gepflegt und verbinden sich wie selbstverständlich mit der sozialistischen Gestaltung und Entwicklung der Städte und Dörfer des Gebietes.

Die Natur der Kammlagen im Oberen Erzgebirge
Im Fichtelberggebiet treten drei Naturräume eng zusammen, die sich in ihren Oberflächenformen deutlich unterscheiden: die Kammhochfläche, die Nordabdachung und die nach S (Süden) gerichtete Bruchstufe des Erzgebirges. Die Kammhochfläche vom Fichtelberg, Klinovec und Plešivec gut überschaubar hat eigentlich nur ein geringes Relief mit weitgespannten Hochflächenwannen, wie etwa bei Boži Dar, und flachen Rücken, wie die Meluzina (1094 m) östlich vom Klinovec und der Tetřevi hora (1 004 m) westlich von Boži Dar. Da die Kammhochfläche im Fichtelberggebiet nur wenige Kilometer breit ist, geben ihr die aufgesetzten und die eng benachbarten Einzelgebirge ein charakteristisches Gepräge: als hohe, weitgespannte, gerundete Kuppen der Fichtelberg und Klinovec sowie als kleinere, aber markante Platten der Plešivec und der Špičák (1 115 m) südwestlich von Boži Dar, der Jeleni hora nordöstlich vom Klinovec.
Fichtelberg und Klinovec liegen am Nordrand der Kammhochfläche. Deshalb haben die Täler der Nordabdachung recht steilhängige Talanfänge, sowohl der Pöhlbach bei Oberwiesenthal mit seinem Ursprung, dem Zechengrund, ebenso die Täler der Zschopau und Sehma westlich und des Schwarzwassers östlich von diesem. Die Hochflächen der Nordabdachung sind im Vergleich zur Kammhochfläche schmaler und in kleine, steile Stufen, zahlreiche flache Kuppen, in Rücken, wie Gifthütten- und Eisenberg, und Sättel gegliedert. Weiter nördlich sitzen ihr markante Plattenberge, der Bärenstein, der Velky Špičák nördlich Kovářská, Pöhlberg und Scheibenberg
auf.

Inhalt

3 ....... Das Fichtelberggebiet  
4 ....... Die Natur der Kammlagen im Oberen Erzgebirge
8 ....... Nutzung und Gestaltung der Landschaft
10 ..... Zur Geschichte des Fichtelberggebietes
12 ..... Zur Geschichte Oberwiesenthals
18 ..... Fußwanderungen
43 ..... Ein Ausflug nach Annaberg-Buchholz
48 ..... Oberwiesenthal und der Wintersport
52 ..... Skiwanderungen im Fichtelberggebiet
60 ..... Praktische Hinweise

Farbkarten
5 ............ Übersichtskarte 1:200 000
15 .......... Stadtplan Oberwiesenthal etwa 1:7500
27 .......... Touristenkarte Oberwiesenthal – Jáchymov 1:100 000
28/29 ..... Wanderkarte Oberwiesenthal – Boži Dar – Fichtelberg – Spičak – Klinovec 1:30 000
32/33 ..... Wanderkarte Oberwiesenthal u. Umgebung 1:50 000
45 .......... Stadtplan Annaberg-Buchholz 1:15 000
50/51 ..... Wintersportkarte Oberwiesenthal – Fichtelberg 1:30:000
55 .......... Touristenkarte Tellerhäuser – Rittersgrün 1:100 000
61 .......... Verkehrsübersicht (ohne Maßstab)


VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig
Tourist-Wanderatlas

1. Auflage 1978
2. Auflage 1985
3. Auflage 1988

Horst Urzynicok: Wanderatlas Oberhof

Erholungszentrum Oberhof
Womit beginnen, wenn genannt werden soll, was Oberhof über die Grenzen unserer Republik hinaus so anziehend gemacht hat? Warum kommen heute Jahr für Jahr über 120 000 Gäste aus dem In- und Ausland hierher auf den Kamm des Thüringer Waldes? Ist es das grüne Wipfelmeer der Hochwaldfichten, der Blick in die Täler weit über Dörfer und Städte hinweg? Sind es verträumte Waldwinkel mit Wegen an murmelnden Gebirgsbächen, oder ist es das Zusammentreffen mit Menschen, die in den Urlaubseinrichtungen neue Kräfte schöpfen, frohe Weisen singen und mit höchster Spannung den Wettkämpfen der aktiven Wintersportler folgen? Vielleicht sind es die eigenen unvergeßlichen Erlebnisse im meterhohen Schnee eines Gebirgswinters? Jeder wird es auf seine Weise beantworten.
Oberhof entwickelte sich durch die Arbeit der Werktätigen in kurzer Zeit zu einem bekannten Wintersport- und Erholungszentrum, das im In- und Ausland immer mehr Aufmerksamkeit und Freunde gewonnen hat. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wurde die erholsame Oberhofer Wald- und Gebirgslandschaft auch für Arbeiter und kleine Angestellte zum beliebten Wanderziel. Der Ort mit seinen Erholungseinrichtungen und Lokalitäten aber war für diese Werktätigen wegen der enormen Preise kein Aufenthalt für die Wanderrast und blieb deshalb den finanzkräftigen Besuchern aus dem In- und Ausland vorbehalten.
Erst die Arbeiterklasse gestaltete Oberhof zum Erholungsort des werktätigen Volkes. Ende der sechziger Jahre beschlossen die Partei der Arbeiterklasse und die Regierung der DDR den Ausbau des Ortes als sozialistisches Zentrum der Erholung und des Sports. Das Baugeschehen bestimmte für Jahre das Ortsbild. Neue Ferienheime, Gaststätten, Sportstätten, Schulen, Straßen und Wohnbauten entstanden in erstaunlich kurzer Zeit. Zum 20. Jahrestag der Gründung unserer Republik im Jahre 1969 wurde das repräsentative Interhotel „Panorama“ mit 904 Betten und 6 hauseigenen Spezialitätenrestaurants eröffnet. Auf Beschluß des ZK der SED steht das Interhotel seit Ende 1971 mit 80 % seiner Kapazität dem FDGB-Feriendienst und damit besonders Arbeiterfamilien zur Verfügung. Das Interhotel ist mit seinen zahlreichen Restaurants nicht nur für die Hausgäste geöffnet, sondern bietet auch weiteren Besuchern einen angenehmen Aufenthalt.
Das Interhotel mit den FDGB-Ferienheimen „Rennsteig“ und „Fritz Weineck“ sowie die Großgaststätte „Oberer Hof“ geben dem heutigen Oberhof das moderne besondere Gepräge. Mit seinen zwei hochaufragenden zwölfgeschossigen Bauten über dem dreigeschossigen Flachbau gleicht das Interhotel zwei gegeneinander etwas verschobenen Sprungschanzen, die weithin im Thüringer Land sichtbar sind und das Wahrzeichen des neuen Oberhofs darstellen. Sie verwandeln sich unter einem bestimmten Blickwinkel von Süden aus – etwa von der Tambacher Straße und besonders von höhergelegenen Waldwegen aus – in ein riesengroßes Steildach oder mit etwas Phantasie in eine überdimensionale Tanne mit weit ausladenden Zweigen, wenn die beiden oberen Teile zu einem symmetrischen Ganzen zusammengerückt sind.
Das Interhotel wurde absichtlich am Rande des Ortes auf dem Westhang des Schloßbergkopfes errichtet, um die zerstreute Bebauung des Ortes nicht zu sprengen. Außerdem bietet der dahinter liegende Fichtenwald des Naturschutzgebietes Schloßberg eine interessante Kulisse.
Ebenfalls zu den Bauten des neuen Oberhofs gehört das 1973 übergebene FDGB-Erholungsheim „Rennsteig“, ausgestattet mit über 300 Betten für Erwachsene und 200 Kinderbetten, vor allem für kinderreiche Familien bestimmt. Architektonisch gleicht es einem Stein am bekannten Touristenweg Rennsteig mit dem charakteristischen „R“ am Seitengiebel. In der Nähe liegt das 1976 entstandene FDGB-Ferienheim „Fritz Weineck“ mit 900 Betten, das vor allem den Chemiearbeitern vorbehalten ist. Es wurde wie das FDGB-Ferienheim „Dimitroff“, die Wohnbauten in der Jäger- und Waldstraße (1977) und das Einkaufszentrum (1972) durch eine geschmackvolle Holzverkleidung verschönert. Mit diesen Schmuckelementen wird die enge Beziehung der Stadt und seiner Bewohner mit dem nahen Wald, zum Ausdruck gebracht. Neben den neueren Heimen gehören noch viele ältere Bauten aus der kapitalistischen Zeit, z. B. das Ernst-Thälmann-Haus als Hotel des Reisebüros der DDR, sowie größere Wohnhäuser, das frühere herzogliche Jagdschloß, in der Tambacher Straße, zum charakteristischen Bild der Stadt.

Inhalt
3 .......Erholungszentrum Oberhof
6 .......Die Oberhofer Landschaft
          Zur Entstehung des Gebirges
9 .......Lage und Klima
10 .....Pflanzen und Tiere des Wandergebietes
13 .....Aus der Geschichte des Ortes
          Über die Gründung des Oberen Hofes
14 .....Die Entstehung des Waldarbeiterdorfes
          Die Entwicklung des Fremdenverkehrs
16 .....Rundgang durch Oberhof
21 .....Fußwanderungen von Oberhof aus
21 .....1. Auf dem Rennsteig zur Schmücke
24 .....2. Zum Sommerbacher Pirschhaus, Bechertal, Bahnhof Oberhof
28 .....4. Zum Ausgebrannten und Hohen Stein
29 .....5. Auf dem Rennsteig zum Falkenstein
31 .....6. Zu den Sprungschanzen am Rennsteig
          7. Zur Ohratalsperre und nach Luisenthal
33 .....8. Über Gebrannten Stein nach Steinbach Hallenberg
34 .....9. Ein Besuch im Rennsteingarten
36 .....10. Nach der Bezirksstadt Suhl
          Stadtrundgang durch Suhl
42 .....11. Nach Zella-Mehlis
43 .....Stadtrundgang durch Zella-Mehlis
47 .....Oberhof-Wintersportzentrum
          Skiwanderungen von Oberhof aus
48 .....1. Zur Schanzenbaude
          2. Zum Veilchenbrunnen
          3. Zu den Schanzen am Rennsteig
49 .....4. Zur Hohen Möst
          5. Auf dem Rennsteig zur Ebertswiese
50 .....6. Über Bärenstein zum Bahnhof Oberhof
          7. Über Suhler Ausspanne zum Bahnhof Oberhof
          8. Zur Schmücke
51..... 9. Auf dem Rennsteig nach Schmiedefeld
          10. Öffentliche Langlaufloipen auf dem Schützenberg
52 .....Fußwanderwege im Winter von Oberhof aus
          Freude und Sicherheit beim Wintersport Wintersportstätten
54 .....Ferienort Gehlberg
55 .....Fußwanderungen von Gehlberg aus
          12. Zur Schmücke und zum Jägerstein
          13. Zur Alteburg bei Dörrberg
56 .....14. Zum Hungertalsteich und zur Schmücke
          15. Zum Mönchshof

VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig
Tourist-Wanderatlas

1. Auflage 1978
2. Auflage 1980
3. Auflage 1983
4. Auflage 1986
5. Auflage 1989

06 Juli 2023

Hermann Heinz Wille: Wanderatlas Insel Usedom

Usedom – Land am Meer
Die Insel Usedom, die fast alle landschaftlichen Schönheiten der Ostseeküste in sich vereinigt, bildet ein fest umrissenes Wandergebiet.
Durch den Peenestrom und das Kleine Haff vom Festland getrennt, durch die Świna von der polnischen Nachbarinsel Wolin geschieden, erstreckt sicht Usedom zwischen Kröslin und Ueckermünde vor der Festlandküste. Im Nordosten, wo sich ein Badeort an den anderen reiht, wird die Insel von den Wellen der Ostsee bespült; im Südwesten dringt das Achterwasser (Hinterwasser), eine haffartige Ausbuchtung der Peene, tief in die Insel hinein und gliedert sie in zwei große Teilgebiete. Zwischen Zempin und Koserow ist der Usedom-Ahlbecker Südostteil mit dem kleineren Zinnowitz-Peenemünder Nordwestteil durch eine 330 m breite, zum Schutze gegen Sturmhochwasser befestigte Landbrücke verbunden.
Das Fundament der Insel bildet ein mächtiges Kreidelager, das von starken Ton-, Mergel- und Kalkschichten bedeckt und von einer Soleschicht durchzogen ist. Bei der geologischen Erkundung des Gebietes wurden an mehreren Stellen der Insel auch erdöl- und erdgasführende Schichten erbohrt. Das abwechslungsreiche Bild der Landschaft mit der buchenbestandenen Steilküste, den flachen Verlandungsgebieten und den Mooren und Wiesen auf der Achterwasserseite ist im wesentlichen ein Ergebnis der Eis- oder Kaltzeit. Mindestens dreimal hintereinander wälzte sich einst das gewaltige skandinavische Inlandeis über riesige Landflächen und .....

Inhalt:
3 ....... Usedom – Land am Meer
7 ....... Funde und Urkunden berichten...
10 ..... Seit der Badebetrieb begann...
12 ..... Vom sozialistischen Aufbau
15 ..... Die Werftstadt Wolgast
22 ..... Zinnowitz – Bad der Werktätigen
23 ..... Koserow, der Streckelsberg und das Vinet-Riff
24 ..... Ueckeritz, Kölpinsee und Stubbenfelde
27 ..... Seebad Heringsdorf und Seebad Bansin
31 ..... Seebad Ahlbeck
36 ..... Die Stadt Usedom und der Usedomer Winkel
38 ..... Der Lieper Winkel
40 ..... Wanderungen im Nordwestteil der Insel
40 ..... 1. Zinnowitz – Zempin – Koserow
41 ..... 2 Zinnowitz – Halbinsel Gnitz mit Netzelkow – Lütow Neuendorf
43 ..... 3. Zinnowitz – Krummin – Trassenheide – Karlshagen
45 ..... Schiffsfahrten
45 ..... Wanderungen im Südostteil der Insel
45 ..... 4 Seebad Heringsdorf – Seebad Bansin – Pudagia – Benz
50 ..... 5. Seebad Heringsdorf – Benz – Neppermin – Mellenthin – Balm
54 ..... 6. Seebad Heringsdorf – Gothensee – Korswandt
54 ..... 7. Seebad Heringsdorf – Usedom
57 ..... 8. Seebad Ahlbeck – Korswandt – Haffküste bei Kamminke
60 ..... Praktische Hinweise


Farbkarten
4/5 ......... Übersichtskarte 1:200 000
16/17 ..... Stadtplan Wolgast
21 ......... Ortsplan Zinnowitz
28 ......... Ortsplan Seebad Heringsdorf
29 ......... Ortsplan Seebad Bansin
32/33 ..... Touristenkarte der Insel Usedom, Nordwestteil 1:100 000
35 ......... Ortsplan Seebad Ahlbeck
46/47 ..... Touristenkarte der Insel Usedom, Südostteil 1:100 000
64 .......... Zeichenerklärung


VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig
Tourist-Wanderatlas

1. Auflage 1980
2. Auflage 1983
3. Auflage 1984
4. durchges. Auflage 1986
5. Auflage 1988

Herbert Ewe, Hans Oehler, Harry Schmidt: Wanderatlas Rügen

Aus dem Heft:
Baabe
Baabe gehört zu den Badeorten, die erst spät Anschluß an das „Kurleben“ fanden. Die Badegäste erhielten zunächst Unterkunft in den Fischerhäusern, die sich längs der Dorfstraße zwischen Kleinbahn und Selliner See hinzogen, später in den kleinen Pensionshäusern an der Waldstraße Erst in den dreißiger Jahren entstand die neue Allee zum Strand. Am Eingang zum Mönchgut gelegen – der Mönchgraben wurde als slawischer Wallgraben geschaffen und Ende des 13. Jh. zur Grenze der Eldenaer Klosterbesitzungen (Eldena bei Greifswald) auf Rügen erklärt –, blieb Baabe durch die Jahrhunderte hindurch ein unbedeutendes Fischer-Bauern-Dorf. Nach 1945 wurde der kleine Ort für das Erholungswesen der Werktätigen erschlossen, der FDGB und Großbetriebe errichteten Ferienheime. In der Heide, gleich hinter dem Strand, befindet sich ein Campingplatz. Einziger Produktionsbetrieb ist ein Betriebsteil des VEB Fischwerk Saßnitz der den von umliegenden Fischereigenossenschaften angelandeten Fisch zu Konserven und Präserven verarbeitet.

19. Wanderung: Von Baabe um den Selliner See über Moritzdorf, Neuensien, Altension, Sellin zurück nach Baabe (13 km): Bahn bzw. Busverbindung von Sellin nach Baabe.
Vom Baaber Bahnhof der Kleinbahn, an die der Ort 1899 angeschlossen wurde, geht man rechts bis zur Kreuzung der Fernverkehrsstraße mit der Dorfstraße, dann nach rechts durch den alten Ortsteil. Mehrere Häuser haben hier noch ihr ursprüngliches Aussehen bewahrt, besonders die charakteristischen Fischerhäuser. Vom Dorfende gelangt man weiter längs des Waldrandes zum Bollwerk an der Moritzdorfer Beek, der Verbindung zwischen Selliner See und Having. Hier legen Fischerkähne und Sportboote an, auch Fahrgastschiffe der Weißen Flotte. Um zum gegenüberliegenden Moritzdorf zu gelangen, muß man sich einem Fährkahn anvertrauen. Zwischen den alten Bauernhäusern führt ein Pfad steil bergauf zur kleinen, 37 m ü. NN liegenden Gaststätte Moritzburg, rings von schattigen Bäumen umgeben. Weit reicht von hier der Blick über den Selliner See bis zu den Höhen der Granitz, über die Baaber Heide bis Göhren, das etwas versteckt hinter dem Plansberg liegt, über die Having und das Reddevitzer Höft zu den Bergen Mönchguts. Man sieht die weite Fläche der Ostsee. Es lohnt sich, in südwestlicher Richtung bergab zu steigen und entlang der Having weiterzugehen. Vor der bewaldeten Spitze des Wittebergs befindet sich eine Badestelle. Am folgenden Meeresarm – der Lanckener Beek – zieht sich Seedorf entlang, aus dessen ehemaligen Werften in der Segelschiffahrtszeit manche Brigg stammte. Eine Brücke überspannt das Gewässer; über sie hinweg kann man auf Landwegen über Preetz und Burtevitz nach Lancken gelangen.
Unser Wanderweg führt jedoch die Dorfstraße weiter am Neuensiener See entlang durch den Selliner Ortsteil Neuensien. Rechts erhebt sich der Hohe Berg mit seinem Motocross Gelände.
Ein Feldweg führt nach Altensien am Selliner See. Am Ortsausgang biegt der Weg nach links ab und erreicht durch eine Wiesenniederung beim Selliner Wasserwerk die Hauptstraße. An der Milchabfüllstelle zweigt links die kopfsteingepflasterte alte Selliner Dorfstraße ab, die am hochgelegenen ehemaligen Selliner Westbahnhof die Kleinbahn überquert und durch den Wald nach Sellin führt. Wir folgen der Straße der Freundschaft bis zur Kreuzung an der Gaststätte „Berliner Hof“ und dann der Granitzer Straße, vorbei am Textilreinigungskombinat und den Bushaltestellen bis zur nächsten Straßenbiegung. Geradeaus durch die Bungalowsiedlung erreicht man einen Parkplatz und hat am Beginn des betonierten Fischersteigs einen weiten Blick auf den Badestrand bis zum Göhrener Nordperd. Die Terrasse am unteren Ende des Steigs ist das Zentrum des Selliner Fischerstrandes mit der Gaststätte „Fischerklause“. Nach etwa 20minütiger Strandwanderung erreicht man bei der Gaststätte „Inselparadies“ an der Strandpromenade den Kurplatz von Baabe. Man kann auch von Moritzdorf direkt nach Altensien am Selliner See entlang wandern.

Einband der Ausgabe 1979 und 1982

 
VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig
Tourist-Wanderatlas

1. Auflage 1979
2. Auflage 1979
3. Auflage 1982
4. Auflage 1985
5. Auflage 1987
6. Auflage 1988
7. Auflage 1989


05 Juli 2023

Jaroslav Putik: Der Fall Oppenheimer

Prof. R. J. Oppenheimer vor dem Security Council, dem Sicherheitsausschuß der USA! Ist der „geistige Sohn Einsteins“ ein Hochverräter? Seine Weigerung, die Wasserstoffbombe herzustellen, erweckt den Verdacht der Unterstützung der Sowjetunion. Sabotage und Hochverrat also? Die Verhandlung vor dem Security Council soll Klarheit bringen.
Der Autor gestaltet dichterisch frei die Aussagen der drei Hauptzeugen und des Angeklagten Prof. Oppenheimer.
Das Gewissen Oppenheimers, des „Vaters der Atombombe“, beginnt sich zu regen, als er vom grauenhaften Tod und Siechtum ungezählter Menschen in Hiroshima und Nagasaki erfährt; er fühlt sich mitschuldig, denn es war „seine“ Bombe. Deshalb versucht er mit allen Mitteln, die Herstellung der noch schrecklicheren Wasserstoffbombe zu verhindern.
Mit starkem psychologischem Einfühlungsvermögen zeichnet der Autor die vier Hauptpersonen und läßt dem Leser die mit fesselnder Dramatik geladene Verhandlung miterleben. Sie zeigt nicht nur die Personen, sie enthüllt auch viele bisher kaum bekanntgewordene Tatsachen und gewährt manchen Blick hinter die Kulissen der amerikanischen Nachkriegspolitik.

Buchanfang
Diese Geschichte begann im Frühjahr des Jahres 1954. Es war eine sonderbare Angelegenheit. J. R. Oppenheimer, der mit Lorbeer gekrönte Schöpfer der ersten Atombombe, sah sich urplötzlich auf der Anklagebank. Die sorgsam aufgestellte Anklage legte ihm ein umfangreiches Verzeichnis von Vergehen gegen Amerika vor; in Kreisen, wo kein diplomatisches Wörterbuch benötigt wird. sprach man unumwunden von Spionage und Sabotage. Die Affäre erregte ungewöhnliches Aufsehen. Sensationell waren sowohl die Person des Angeklagten als auch die Anklagebehörde. Oppenheimer stand vor keinem Gericht, sondern vor dem eigens geschaffenen Sicherheitsausschuß der Atomenergiekommission (Security Council of the Atomic Energy Commission). Der Fall entzog sich dem Straf- und dem Zivilrecht; es war weder ein Hochverratsprozeß noch eine freundschaftliche Unterredung noch ein akademisches Streitgespräch; vielmehr stellte die Verhandlung, die doch eigentlich wieder gar keine Verhandlung war, ein Gemisch von alledem dar. Die Geheimpolizei FBI hatte Tausende schriftlicher Dokumente und Fotokopien, Kilometer von Tonbandaufnahmen ......

Nachwort zur deutschen Ausgabe
Das tschechische Original dieses Buches schildert die Ereignisse um Professor Oppenheimer bis zum Juni 1958. Seltsam rasch verläuft die Entwicklung. Vieles, was unlängst nur als unklare Vermutung erschien, wurde inzwischen unabänderliche Wirklichkeit. Zahlreiche Heucheleien fallen aus ihrer erhabenen Verbrämung, und die dahineilende Zeit trennt unerbittlich Wahrheit und Lüge.
Erst einige Jahre sind vergangen, seit die Geister Mac Carthys in ihrem Lande Angst und Finsternis verbreiteten, in der vergeblichen Annahme, sie könnten die Wissenschaft mit der militärischen Peitsche vorantreiben. Der Lunik, der den Mond erreichte, spricht anstelle umfangreicher wissenschaftlicher Abhandlungen darüber, wohin sich die Waagschale der Entwicklung in der Welt neigt.
In unglaublich kurzer Zeit zeigte sich die Unhaltbarkeit der strategischen Konzeption, die der verstorbene amerikanische Außenminister J. F. Dulles verkörperte. Nur selten glaubt jemand heute noch, daß man die sozialistischen Länder einschüchtern könne, daß man ihnen der Politik der Stärke einen fremden Willen aufnötigen und sie in die Knie zwingen könne. Auch früher dauerte es Generationen, bis festverwurzelte Irrtümer und Vorurteile widerlegt wurden. Zur Zeit des Prozesses gegen Oppenheimer konnte man noch überzeugend damit argumentieren, daß jede Schwächung der amerikanischen militärischen Macht die Sowjetunion zu einem Überfall ermutigen würde. Wer hätte aber erwartet, daß jene, die dies behaupteten, binnen kurzem der Lüge überführt würden? Gerade in dem Augenblick, da die Menschheit die militärische Überlegenheit der Sowjetunion als bewiesene Tatsache erkannte, unterbreitete die Sowjetregierung ihren großartigen Vorschlag zur allgemeinen Abrüstung und sogar zur völligen Auflösung der Armeen.
Wunschträume und Illusionen brachen zusammen. Dadurch wurden die Positionen der aggressivsten Kräfte erschüttert – gerade jener, die hinter den Kulissen des Oppenheimer-Prozesses standen.
L. L. Strauss behielt nach seiner Demission im Juni 1958 nur die unbedeutende Funktion eines persönlichen Beraters des Präsidenten Eisenhower. Die amerikanische Presse ließ damals die wahren Ursachen für Strauss' Abgang durchblicken. Es waren dies seine allgemeine Unbeliebtheit bei den amerikanischen Wissenschaftlern, der Fall Oppenheimer, Strauss' Geheimniskrämerei, seine Aufgeblasenheit und seine dunklen Geschäfte, mit denen es dieser unerschrockene Kämpfer für die „wahre amerikanische Lebensweise“ verstand, sein ohnehin schon ansehnliches Konto auf Kosten anderer noch zu vergrößern.
Präsident Eisenhower ernannte später seinen Günstling zum Handelsminister. Es ereignete sich aber eine in den Vereinigten Staaten unerhörte Sache: Der Kongreß billigte die Entscheidung des Präsidenten nicht, und Strauss mußte aus der Regierung ausscheiden. Natürlich bedeutete dieser Abgang noch nicht seinen endgültigen Fall. Strauss hört man heute überall dort, wo gegen die Idee der Zusammenarbeit und der friedlichen Lösung internationaler Fragen gekämpft wird. Er wird alt, aber seine Herrschsucht steigert sich mit zunehmendem Alter.
Auch Edward Teller wurde von der Entwicklung etwas in den Hintergrund geschoben. Er wirkt gegenwärtig als Professor an der Kalifornischen Universität und arbeitet noch immer eng mit seinen alten Schirmherren – den Rockefellers zusammen. Die Psychose eines wütenden Antikommunisten hat ihn nicht im geringsten verlassen. Teller ist einer der Hauptvertreter der Theorie eines „begrenzten Atomkrieges“, die er gemeinsam mit dem amerikanischen Militärtheoretiker Kiessinger ausbrütete. Gegenwärtig entwickelt er seine eigene Theorie von der Notwendigkeit der Vorbereitung auf einen allgemeinen nuklearen Krieg und entwirft Pläne zur Errichtung von unterirdischen Städten und Fabriken, die es den Vereinigten Staaten ermöglichen sollen, den Kommunismus zu besiegen. Er möchte ihn mit allen Mitteln – einschließlich des Atomkrieges – vernichten.
Professor Oppenheimer hält weiterhin Vorlesungen in Princeton. Es wurden Stimmen laut, daß man Oppenheimer alle seine ehemaligen Funktionen zurückgeben sollte. Der Einfluß jener Kreise, die Oppenheimer in die Einsamkeit verbannten, ist jedoch immer noch stark.
Im Herbst 1959 besuchte ich Hiroshima. Im Museum, das man unweit vom Epizentrum der einstigen Explosion errichtet hat, werden in einem Raum Steine, Ziegel, Glas und menschliche Knochen gezeigt, die – miteinander verschmort wie wahnsinnig abstrakte Statuen – aussehen. Ich fand dort die große Fotografie eines der geistigen Urheber dieses Verbrechens – J. R. Oppenheimers. Der Fotograf fing das interessante Gesicht des Mannes in einem Augenblick ein, da er sich um ein Lächeln bemühte. Sein linker Mundwinkel ist jedoch verzogen, es ist ein sardonisches, spöttisches, bitteres und absolut unfrohes Hohnlachen.
Die Leute kommen von dem schlichten Denkmal der Opfer von Hiroshima und blicken in das Antlitz jenes Mannes, dessen Gehirn und schöpferische Energie zu solch einem unseligen Zweck mobilisiert wurden. Einige gehen schnell und gleichgültig vorbei; nichts, überhaupt nichts sagt ihnen sein Name und sein Gesicht. Andere aber schauen ihn lange und aufmerksam an. Ich möchte, daß die Zahl eben dieser Blicke wachse. Gerade deshalb habe ich dieses Buch geschrieben.
Prag, Januar 1960

Titel der tschechischen Originalausgabe: „Svědomi"
Übersetzt von Ben Budar
Schutzumschlag und Einband: Rolf F. Müller

Domowina Verlag, Bautzen

1. Auflage 1960
2. durchges. Auflage 1961

Brigitte Birnbaum: Tintarolo

Tintarolo das klingt so geheimnisvoll und ist doch nichts als der Spitzname, den eine Freundin der Künstlerin Käthe Kollwitz gegeben hat. Vor mehr als 60 Jahren sollte Tintarolo ein Plakat entwerfen. Mit ihm wollte man zum Bau von Kinderspielplätzen in Berlin aufrufen. Trude, das Arbeitermädchen aus dem Hinterhaus, half ihr bei dieser Arbeit. Mit ihrem Schwesterchen Annie stand sie der Kollwitz Modell.

Buchanfang
Tintarolo. So wird die Frau genannt, die eben in die Weißenburger Straße einbiegt und auf das Haus mit der Nummer 25 zusteuert. Eine Freundin nennt sie so. Eine Freundin aus der Zeit, als beide noch junge Mädchen waren und gemeinsam hier in Berlin an einer Schule für Malerinnen studierten. Inzwischen haben sie längst geheiratet und sind Mütter geworden. Geblieben ist ihre Freundschaft, die Liebe zu ihrer Arbeit und dieser merkwürdige Spitzname. Er ist italienisch und bedeutet „Sparbüchschen“.
Tintarolo wechselt ihren Koffer von rechts nach links. Die Kälte beißt durch die gestrickten Fingerhandschuhe. Die Frau seufzt und schiebt ihre Rechte in die schützende Manteltasche. Doch sie seufzt nicht über ihre erklammten Finger und nicht, weil der Koffer zu schwer wäre. Er ist leicht. Nur ein paar Tage war sie verreist, hat sich mit der Freundin getroffen, die Tintarolo zu ihr sagt. Die Frau ist nicht etwa betrübt, weil sie niemand vom Bahnhof abholte. Sie weiß, daß Peter, ihr Jüngster, jetzt in der Schule sitzt und Hans, der Älteste, gleich nach den Weihnachtsferien an seine Universität zurückgefahren ist. Sie weiß auch, daß ihr Mann um diese Stunde viel zu tun hat, und wenn Lina nicht aufpaßt, vergißt er wieder zu frühstücken. Aber sicher hat Lina aufgepaßt.
Tintarolo öffnet die Haustür und, obwohl nur klein und schmächtig, steigt sie mit kräftigen Schritten über die ausgetretenen Stufen nach oben. An der ersten Etage geht sie vorbei, wendet sich zur zweiten. Man sieht es den Dielen an, daß viele Menschen in den letzten Jahren ihre Sorgen diese Treppen hinaufgeschleppt haben.

Zeichnungen von Käthe Kollwitz
Einbandgestaltung: Jens Prockat unter Verwendung der Abbildung „Selbstbildnis mit Sohn Hans am Tisch“ von Käthe Kollwitz
Für Leser von 8 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin
Buchfink-Bücher

1. Auflage 1975
2. Auflage 1976
3. Auflage 1977
4. Auflage 1982