28 Juni 2020

Alfred Wellm: Kaule

Klappentext
Julka ist eine Ziege, Durchläuchting ein Pferd, Karola ein Mädchen, das man zur Freundin haben möchte, Vater Pietsch – über den soll man gar nicht reden, der ist in Ordnung, denn mit Tante Sophie ist schwer auszukommen, während Mutter auf der Landwirtschaftsschule ist. Ja, und mittenmang ist also dieser Kaule, von dessen Abenteuern Alfred Wellm erzählt. Immer wenn Kaule an seiner Pechsträhne zupft, bekommt man Herzklopfen, und als er dann auswandern will, weil die dumme Julka Selbstmord beging, da ist es beinah ganz aus. Aber Kaule hat auch Freunde.

Buchvorstellung von Jörg Neumann

Das Kinderbuch „Kaule“ wurde von Alfred Wellm geschrieben und 1962 das erste Mal veröffentlicht. Die Hauptfigur ist der elfjährige Norbert Penschelein, den aber alle Kaule nennen. Er lebt bei seiner Tante auf dem Vorwerk des kleinen Dorfes Hinrichsfelde während seine Mutter in einer Stadt eine Landwirtschaftsschule besucht. Der Junge stellt allerhand an, während er sich selbst überlassen seine Freizeit in der Natur verbringt. Als der „Fabrikmensch“ Hollnagel mit seiner Familie ins Dorf zieht, freundet sich Kaule mit dessen Tochter Karola an. Vater Pietsch, den Kaule oft im Bullenstall besucht und gelegentlich auch hilft, und Hollnagel geraten in Konflikt, da beide sehr unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie die Arbeitsmethoden im Dorf auszusehen haben. Kaule steht anfangs auf Vater Pietschs Seite und will ihm helfen, merkt aber im Laufe der Zeit, dass Hollnagel mit seinen Verbesserungsvorschlägen gar nicht so falsch liegt. Kaule soll öfter auf die beiden Ziegen von seiner Tante aufpassen. Dabei trainiert er die eine darauf, auf einen Weidenstamm zu klettern und wieder herunter zu springen. Einmal unbeaufsichtigt macht die Ziege den Trick alleine und erhängt sich dabei an der Kletterweide. Aus Angst vor der Reaktion der Tante, traut sich Kaule nicht nach Hause und versteckt sich. Seine Freunde Karola und Otto und sogar Pjotr, mit dem Kaule in Feindschaft liegt, bringen ihm Essen und Trinken in sein Versteck. Das gesamte Dorf sucht den jungen Kaule, doch seine Freunde verraten seinen Aufenthaltsort nicht. Erst als Hollnagel den Freunden folgt, findet er Kaule und redet mit ihm, sodass Kaule sich wieder heraus traut.

Dieses Buch wurde beim Preisausschreiben für Kinder- und Jugendliteratur des Ministeriums für Kultur 1962 mit einem Preis ausgezeichnet.

Kinderbuchverlag Berlin 1962
ATB Buch Nr 4

27 Juni 2020

Manfred Scholtyssek: Hexeneinmaleins



Im Reich der Zahlen und Gleichungen geht es zwar logisch und nach strengen Gesetzmäßigkeiten zu, aber - auch diese Welt hat ihre Romantik. Das Buch vermittelt dem, der in ihr "Zahlenlabyrinth" eindringt, interessante Begegnungen und Entdeckungen - die Zahlenmagie eröffnet sich ihm. Aber nicht nur zum Knobeln und Forschen wird der Leser angeregt, er wird auch auf anspruchsvolle Weise unterhalten: Er schließt Bekanntschaft mit den Phönixzahlen und ihren erstaunlichen Zahlenbeziehungen, erfährt, wie man zu Kreiszahlen kommt, dringt in die Geheimnisse magischer Quadrate ein und lernt Tricks mit Spielkarten kennen, solche selbstverständlich, die auf mathematischen Gesetzmäßigkeiten beruhen.

Der Kinderbuchverlag Berlin, 3. Auflage 1984
Freizeitreihe
Illustrationen von Gisela Wongel
Für Leser von 11 Jahren an

Häkelmuster



Häkeln ist wieder sehr beliebt. Nicht nur, weil man jede Fadenstärke verhäkeln kann, sondern weil Häkeln vielen Frauen eine echte Entspannung bedeutet. Die Muster dieses Heftes lassen sich für Kleidung verwenden oder für Gegenstände, die die Wohnung komplettieren.
Wichtig ist, vor Beginn der Arbeit mit dem ausgewählten Material und der Häkelnadel in entsprechender Stärke eine Probe zu arbeiten und sich dabei in das Muster hineinzudenken. Um das Nacharbeiten zu erleichtern, suchten wir nach noch besseren Möglichkeiten der Erklärung und gaben für jedes Muster eine schematische Zeichnung. Die Arbeitsproben auf Seite 63 erklären die gebräuchlichsten Zeichen, zusätzliche Zeichen befinden sich neben dem Schema. Wir wünschen schöne Ergebnisse.

Verlag für die Frau, 1984

Max Frisch: Homo faber



"Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Ich sehe den Mond über der Wüste von Tamaulipas - klarer als je, mag sein, aber eine errechenbare Masse, die um unseren Planeten kreist, eine Sache der Gravitation, interessant, aber wieso ein Erlebnis?"
Walter Faber - Ingenieur aus der Schweiz und auf allen Kontinenten im Dienste der UNESCO tätig - hält sein eigenes Leben wie die Welt für errechenbar, für formbar nach dem Kalkül der Technik. Doch ausgerechnet ihm werden ein Nylonfaden im Rasierapparat und eine notlandende Superconstellation zu modernen Schicksalsgöttern. Liebe und Tod, Grunderlebnisse jedes Menschen, öffnen Faber die Augen über sich selbst und die Welt, in der er lebt.
Max Frisch ist keineswegs ein Zivilisationsgegner. Sein Homo faber ist sympathisch; Fabers technische Leistung verlangt uns Achtung ab, weil sie auf Veränderung und Besserung bedacht ist. Doch wer über Mittel und Werkzeug den Menschen und das Leben vergißt, kommt mit sich selbst nicht zurecht, denn leben heißt auch erleben können, und gerade dies ist Walter Faber verwehrt. Die Frau, die er einst verließ, weil sie nicht in sein Kalkül paßte, sagte es ihm unverblümt: "Manie des Technikers, die Schöpfung nutzbar zu machen, weil er sie als Partner nicht aushält, nichts mit ihr anfangen kann, Technik als Kniff, die Welt als Widerstand aus der Welt zu schaffen, beispielsweise durch Tempo zu verdünnen, damit wir sie nicht erleben müssen."
Max Frisch setzte sich mit diesem 1957 geschriebenen Roman nicht gegen einen technikbesessenen Menschen zur Wehr, sondern klagte eine Gesellschaft an, die, unfähig, Technik als Mittel zum Leben zu nutzen, Experten züchtet und Menschen zerstört.

Volk und Welt Berlin, 1. Auflage 1973
Mit einem Nachwort von Ursula Roisch
EVP 7,20

Walter Püschel: Das Vermächtnis des Kundschafters / Die Hochzeit von Angostura



Buchvorstellung von Anne-Marit Strandborg

Diese zwei Bücher habe ich in den 1970er Jahren gelesen, ja geradezu verschlungen. Ich ging noch zur Schule, war ungefähr zwölf Jahre jung. Gerne würde ich sagen, dass ich sie noch von damals habe, aber dem ist nicht so. Ich habe sie vor einigen Jahren im Internet gefunden und glücklich zugegriffen.

In der Geschichte geht es um die Befreiungskämpfe Südamerikas (1817) mit Simon Bolivar als Befreier des Landes von spanischer Kolonialherrschaft. Isa erfüllt das Vermächtnis ihres Bruders und lernt auf diese Weise den schottischen Hauptmann Mac Gregor kennen. Für die Befreiung des Volkes in Venezuela setzen die beiden ihr Leben ein. Und sie verlieben sich. Bevor sie jedoch heiraten können, muss Mac Gregor noch einen schwierigen Auftrag erledigen.

Ich kann mich nicht mehr an jedes Detail erinnern, aber ich habe die Bücher geliebt und sie damals mehrmals gelesen. Einige Begebenheiten habe ich noch vor Augen und ich habe mich das erste Mal in eine Buchfigur verliebt: den Schotten Mac Gregor. Vielleicht kommt es von daher, dass ich Jahrzehnte später die Gabaldon-Serie fast verschlungen habe.

Und obwohl es Taschenbücher sind, sind sie wunderbar illustriert.

Das Vermächtnis des Kundschafters
„Drei Gewehrschüsse peitschten auf, kurz hintereinander. Isa warf sich zu Boden und lauschte. Was hatte Mac Gregor veranlaßt zu schießen? Sie mußte zurück ins Dorf. Erneut fielen Schüsse. Noch ehe sie den Dorfausgang erreichte, hörte sie das rhythmische Stampfen von Pferdehufen, und gleich darauf sah sie drei Reiter, die tief über ihre Tiere gebeugt herangejagt kamen. An dem flatternden rostroten Haarschopf erkannte sie Mac Gregor. Sie stellte sich an die Seite des Weges, winkte und rief seinen Namen. Mac zügelte sein Pferd, schrie: „Los, spring!“, packte Isa, die sich am Hals des Pferdes festklammerte, und hob sie vor sich in den Sattel.“

Von den Befreiungskämpfen Südamerikas, den Verdiensten Simon Bolivars als Befreier des Landes von spanischer Kolonialherrschaft, erzählt dieses Buch. In einer Fülle abenteuerlicher Erlebnisse spiegelt sich wider, wie das Mädchen Isa und der schottische Hauptmann Mac Gregor ihr Leben einsetzen für die Freiheit des Volkes in Venezuela.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1985
Illustrationen: Renate Jessel

Die Hochzeit von Angostura
… Doch der Hauptmann Mac Gregor sagte: „Vor einigen Tagen, da wollten Sie mich erschießen, General Piar; da habe ich Ihnen geraten, eine Ergebenheitserklärung an Simon Bolivar zu schicken, sonst würde sehr bald ein anderer Mann vor den Gewehren eines Exekutionskommandos stehen. Und dieser Mann wird Manuel Piar heißen, habe ich Ihnen gesagt. Sie haben mich ausgelacht.“

Der schottische Hauptmann Mac Gregor und das Mädchen Isa lernen sich während der Befreiungskämpfe im Jahre 1817 in Südamerika kennen. Sie wollen heiraten. Simon Bolivar, der Führer des Befreiungskrieges gegen die spanischen Unterdrücker, hat jedoch einen wichtigen und schweren Auftrag für den tapferen jungen Hauptmann. Er soll General Piar, der die Einheit der Revolution untergrub, das Todesurteil überbringen. Die Hochzeit muß verschoben werden. Es vergeht eine lange Zeit, in der Isa und Mac vielerlei Gefahren und Abenteuer zu bestehen haben.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1985
Illustrationen: Renate Jessel

Erwin Strittmatter: Der Laden



Als Esau Matts Eltern 1919 im Heidedorf Bossdom Bäckereianwesen und Laden mit nichts als Geborgtem erwerben, sind sie voller kindlicher Illusionen. Doch aus den Schulden wächst Streit, Familienkatastrophen schütteln die amerikanisch-sorbische Sippe.

Eine versunkene Welt lebt in dem Buch wieder auf, das ein Roman ist trotz biographischer Verwandtschaft des Helden mit seinem Autor. Beschwörung und Verwandlung hat Strittmatter betrieben. Auf den Lausitzer Sandäckern, bei Tagebauen und Grubenbrüchen, an Dorfstraßenrainen, im staubigen Grün, allüberall hat er eine Blume gefunden, zweiblättrig, zweiblütig, ein schütteres Kräutlein, das erst unterm Lächeln des Dichters zu Farbe und Duft kommt: Doppelgewächs aus Weisheit und Poesie.

Aufbau-Verlag 1985

Werner Toelcke: Das Gesicht des Mörders



Diese Geschichte ist in der BRD angesiedelt und lotet in die Vergangenheit. Ein Mann, der sich seinerzeit fremdes Eigentum aneignete, indem er dessen Besitzer umbrachte, hat jetzt Grund, um sein Leben zu fürchten. Er muß verschwinden, und zwar spurlos. Damit das gelingt, soll ein anderer an seine Stelle treten und unter seinem Namen mit seinem Gesicht sterben.

Wie sich dieser andere dagegen wehrt und dabei seine Persönlichkeit entdeckt, davon handelt dieser Kriminalroman

Verlag Das Neue Berlin
DIE - Delikte Indizien Ermittlungen