24 Oktober 2020

Milada Ganguli: Reise zu den Naga


 In eines der ethnographisch interessantesten Gebiete im östlichen Indien, nach Nagaland, das sich zwischen dem Tal des Brahmaputra und der Grenze zu Burma erstreckt, führt dieser lebendig geschriebene Reisebericht der seit vielen Jahren in Indien lebenden Forscherin. Das von dichtem Urwald bedeckte Bergland ist verkehrstechnisch und wirtschaftlich nahezu unerschlossen. Schmale Pfade führen zu den auf steilen Bergkuppen angelegten Dörfern der Naga, die vorwiegend von Reis- und Hirseanbau, Jagd und Fischfang leben und deren Kultur vom Glauben an Naturgeister, vom ausgeprägten Ahnenkult und Fruchtbarkeitsriten bestimmt wird. Doch in jüngster Zeit deuten sich auch hier allmähliche Veränderungen an, die die indische Regierung unter Wahrung der Autonomie der Naga anstrebt.

F. A. Brockhaus Verlag Leipzig, 3. Auflage 1981

23 Oktober 2020

Kurt Tucholsky: Rheinsberg


 Das Buch beginnt mit folgendem Zitat von Alfred Kerr:

"...das beginnt nach der Liebeserfüllung; nicht vorher. Da entfalten die Seelen ihre volle Stärke, nicht vorher. Da stehen die Charaktere auf gleichem Feld, nicht vorher. Da sind die Schranken zwischen zwei Menschen dahin, da erst, nicht vorher..."

Der Klappentext enthält ein Gedicht von Tucholsky.

Verlag Volk und Welt DDR 1982

Alexej Tolstoi: Peter der Erste


 Die ersten Sätze des Vorworts lauten:

Alexej Tolstois Roman "Peter der Erste" verkörpert die besten Züge des sowjetischen historischen Romans. In mustergültiger Form finden wir darin die geschichtlichen Ereignisse dargestellt, die das russische Leben in der turbulenten Übergangsperiode Peter I. kennzeichnen.


Ergänzende Bemerkungen:

Alexej Tolstoi starb am 23. Februar 1945. Deshalb blieb der Roman unvollendet. Das ändert aber nichts daran, dass es für mich persönlich bisher der beste Roman war, den ich über das Leben Peter I. gelesen habe. - (mabuerele)

Verlag Progress Moskau

Manfred Blechschmidt: Polezeier Bummermann



"Mir hatten in unnern Dorf enn Polezeier, enn gewissen Bummermann. Andauernd war daar of de Baa: hatt Wasserzins einzekassiern, dr Frau Bürgermaaster de Mangel ze drehe [...]"

So erzählt der Autor dieses Bändchen, Manfred Blechschmidt, von seinem Helden, einem erzgebirgischen Dorfpolizisten der zwanziger und dreißiger Jahre. Ihn gab es nahezu in jedem Dorf. Und so steht er nahezu für viele.

VEB Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig 1981

22 Oktober 2020

P. Werner Lange: Seeungeheuer, Fabeln und Fakten


 Berichte über vermeintliche Seeungeheuer sind so alt wie die Seefahrt. Wir finden sie bei Aristoteles, Plinius, Homer, in der Bibel, in der Edda, bei persischen und arabischen Geographen, in den Werken skandinavischer Bischöfe und des Schweizer Naturforschers Conrad Gesner. Verfasser von Abenteuerromanen greifen sie ebenso auf wie Journalisten in der sogenannten Sauregurkenzeit.

Ob im Nord- oder Südatlantik, im Pazifik oder Indik, in schottischen oder afrikanischen Binnenseen gesichtet, Seeungeheuer erregten und erregen die Phantasie von Seebären und Landratten wie eh und je.

Unser Autor, P. Werner Lange, der während seiner 15-jährigen Fahrenszeit praktische Erfahrungen in der Begegnung mit Meerestieren sammeln konnte, geht nach einem intensiven Quellenstudium daran, "verschiedene 'Fabeltiere' ihres Legendenmäntelchens zu entkleiden". Er untersucht die einschlägige Literatur, Sagen und Märchen, zahlreiche Augenzeugenberichte und Pressemeldungen auf ihren möglichen Wahrheitsgehalt hin, sondert das Unmögliche aus und interpretiert das Verbleibende, auch wenn es unglaublich scheint, nach neuesten Erkenntnissen der Naturwissenschaft. Sorgfältig ausgestattet - Lutz E. Müller hat nach zeitgenössischen Originalen 64 Zeichnungen beigesteuert, die Information und ästhetischen Reiz zugleich vermitteln -, ist so ein im besten Sinne populärwissenschaftliches Buch entstanden, das den Leser von Anfang bis Ende fesselt.

VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig; 1979, 2. Auflage
259 Seiten

William Golding: Papiermänner


 Der britische Nobelpreisträger William Golding beschreibt in diesem autobiographisch angelegten Roman die verhängnisvolle Symbiose zweier durch Haß und gegenseitige Abhängigkeit verketteter Intellektueller und den vergiftenden Einfluß des erfolgsorientierten bürgerlichen Literaturbetriebs auf die Beziehungen zwischen Autor und Kritiker. Wie "ein bewegliches Ziel" (so der Titel einer Essaysammlung Goldings) kommt sich mancher Schriftsteller in der Auseinandersetzung mit seinen Kritikern vor, und nicht anders empfindet es der englische Bestseller-Autor Wilfred Barclay, der den Besuch des aufdringlichen amerikanischen Literatur-Professors Rick Tucker zunächst nur als lästige Begleiterscheinung seines Erfolgs ansieht. Tucker will auf Anregung (und mit dem Geld) eines US-Millionärs eine Barclay-Biographie schreiben und wünscht dafür die ausdrückliche Genehmigung des Schriftstellers. Barclay ist von diesem Wunsch mehr abgestoßen als geschmeichelt, vor allem weil er seine selbstgewählte Abgeschiedenheit bewahren möchte. Doch Tucker wühlt mit manischer Besessenheit das Privatleben seines Idols auf, zerstört dessen Ehe und folgt dem fortan ruhelos Umherziehenden an ein halbes Dutzend exotischer Fluchtorte, ohne seinem Ziel jemals näher zu kommen. Das Verhältnis der beiden Männer nimmt immer mehr tragikomische Züge an und wird schließlich zum grotesken Kampf um ein bloßes Stück Papier, dem sie nicht nur ihre menschliche Würde opfern.

William Golding, 1911 in St. Columb Minor, Cornwall, als Sohn eines Lehrers geboren, studierte in Oxford Naturwissenschaften, später Anglistik und begann in den dreißiger Jahren mit ersten schriftstellerischen Versuchen. Vor dem zweiten Weltkrieg war er Schauspieler und Regisseur in London, von 1940-1945 Marineoffizier, zuletzt Kapitän eines Raketenzerstörers. Nach dem Krieg arbeitete er als Volksschullehrer in Salisbury und unterrichtete ein Jahr am Hollins College in den USA. Seit 1961 lebt er zurückgezogen in Bowerchalk, Wiltshire. 1983 wurde sein Gesamtwerk mit dem Nobelpreis gewürdigt.

Verlag Volk und Welt Berlin, 1. Auflage 1986

Horst Neubert: Perle Pfiffikus


 Jan Perlitz will mit der 125jährigen Familientradition brechen, den Beruf des Bergmanns zu lernen - er möchte Elektromonteur werden. Vater und Sohn geraten aneinander, denn jeder hat gute Gründe. Doch eines Tages steht der Vater vor ungeahnten Problemen, und es ist nicht zuletzt Jan zu verdanken, daß er damit fertig wird.

Humorvoll und heiter ist die Geschichte dieser beiden "Perlen".

Der Kinderbuchverlag Berlin, 1974
Illustrationen: Heinz Rodewald