09 Oktober 2021

Peter Schreier: Aus meiner Sicht. Gedanken und Erinnerungen

Dieses Buch ist die sympathische Autobiographie eines der beliebtesten und berühmtesten Sänger unserer Tage.

Peter Schreier, Jahrgang 1935, erzählt aus seinem ereignisreichen Leben und macht sich Gedanken über seinen Beruf, der für ihn immer auch Berufung ist, und über das aktuelle Musikgeschehen. Er plaudert über seine unbeschwerte Kindheit in Gauernitz bei Dresden und seine langjährige Kruzianerzeit unter Rudolf Mauersberger, der ihn für seine spätere Laufbahn musikalisch ausrüstete. Der Lehrzeit mit ersten öffentlichen solistischen Auftritten, dem Gesangsstudium und ersten Schritten im Rampenlicht folgten bald Gastspielverpflichtungen, die ihn im In- und Ausland schnell zu einem gefeierten Sänger und nun auch zu einem begehrten Dirigenten werden ließen.

Peter Schreier schildert seine Begegnungen mit namhaften. Sängerkollegen und Dirigenten, er erzählt von seinen Erfahrungen mit Anhängern und Kritikern. Immer aber geht es ihm darum - gleich, ob er seine Arbeit im Oratorium, in der Oper oder im Konzert, für Fernsehen oder Schallplatte reflektiert -, dem Publikum das Ereignis Musik nahezubringen und es möglichst intensiv daran teilnehmen zu lassen.

In ganz unakademischer Weise und aus eigenem Erleben stellt er auch ästhetische und künstlerische Überlegungen zu seinem Metier an. So geht er ausführlich auf seine Beziehungen zur Bachschen Musik und auf Interpretationsfragen der Matthäus-Passion ein, gibt ergiebige Auskunft über Probleme der stimmlichen Veranlagung, der Sängerausbildung und über das eigene Verhältnis zu Oper, moderner Musik und leichter Muse. Mit persönlichen Äußerungen kommt Peter Schreier etwa in den Kapiteln "Sänger und Familien leben?" und "Meine Liebe zum Sport" zu Wort. Das Buch basiert auf Tonbandprotokollen, die in Gesprächen mit Manfred Meier, Kulturredakteur bei der "Neuen Zeit", erarbeitet wurden. Ihm oblag es, das auf diese Weise zusammengestellte Material thematisch zu ordnen und in eine gut lesbare, kurzweilige Form zu bringen, ohne dabei die natürliche und bescheidene Art des Künstlers verlorengehen zu lassen.

EIN WORT ZUVOR

Als der Union Verlag vor nun schon längerer Zeit an mich herantrat mit dem Vorschlag, so etwas wie eine Autobiographie zu verfassen, war mein erster Gedanke: Dafür bin ich entschieden zu jung. Lebenserinnerungen schreiben doch wohl ältere, verdiente Persönlichkeiten, die aus jahrzehntelanger Tätigkeit und reichen Erfahrungen schöpfen können und damit auf einen großen Kreis von aufmerksamen Lesern rechnen dürfen. Wenn man - wie ich - mitten im künstlerischen Schaffen steht, kommt man zunächst gar nicht auf den Gedanken, daß es Außenstehende gibt, die an diesem Prozeß der künstlerischen Arbeit und seinen näheren Umständen so starken Anteil nehmen. Aber in Gesprächen mit dem Publikum und in vielen Zuschriften von Musikfreunden oder auch nur Neugierigen, durch Fragen von Journalisten, durch Veröffentlichungen in Zeitschriften ist mir mehr und mehr deutlich geworden, daß man als Künstler ein Gegenstand des öffentlichen Interesses ist.

Das hat mich vom Sinn eines autobiographischen Berichts überzeugt. Ein weiterer Umstand, der für die Unternehmung spricht, ist, daß ich meine Sängerlaufbahn schon mit acht Jahren begonnen habe, nämlich mit der Aufnahme in den Dresdner Kreuzchor, so daß es bereits von einer beträchtlichen Zahl von Jahren und Ereignissen zu erzählen gibt. Mit meiner Kreuzchortätigkeit begann sich ja mein weiterer Lebensweg klar abzuzeichnen, und die Jahre in dieser Chor- und Lebensgemeinschaft waren so prägend für mein künftiges Leben, daß sich schon in diesem Zeitabschnitt für den autobiographischen Report eine Fülle von Berichtenswertem findet.

All diese Überlegungen haben mich schließlich dazu bewogen, so frühzeitig im Alter von 45 Jahren bei Abschluß des Manuskripts eine kleine Rückschau auf mein Leben zu halten. Es war für mich oft schwierig zu entscheiden, was denn nun von allgemeinem Interesse sein könnte. Es gibt viele Begebenheiten oder Lebensumstände, die für mich alltäglich und ganz selbstverständlich sind, von Außenstehenden aber als bemerkens- oder wissenswert empfunden werden. Ob es mir einigermaßen gelungen ist, die rechte Ausgewogenheit zu finden, das müssen die Leser entscheiden, die sicherlich mit den unterschiedlichsten Erwartungen an die Lektüre herangehen.

Der eine möchte vielleicht erfahren, wie man Sänger wird, wie man "richtig" singt, ob das Singen überhaupt erlernbar oder nicht bloß ein Naturgeschenk ist. Der andere rechnet eher auf hübsche Randepisoden, wie sie der Sängerberuf mit sich bringt: Anekdoten, Erlebnisse mit dem Publikum, Erfahrungen mit der Presse, Vorzüge und Nachteile, die sich aus der Popularität ergeben. Von dem einen und von dem anderen wird der Leser etwas in dem Buch finden, und natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, einiges von dem zu sagen, was mir selbst am Herzen liegt oder als Erfahrung meines Sängerlebens mitteilenswert erschien.

Und so übergebe ich diese sicher etwas eigenwillige Mischung aus Erinnern und Nachdenken der Öffentlichkeit letztendlich doch mit dem Gefühl, Wesentliches lieber musikalisch als literarisch zu äußern.

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INHALT

- Ein Wort zuvor

- Salzburg - Blick zurück und nach vorn.

- Zeit der Kindheit

- Urlaubssommer und Konzertwinter

- Kreuzchor als Lebensgemeinschaft

- Der heilsame Irrtum

- Ist Singen erlernbar?

- Zielscheibe des Witzes: die dummen Tenöre

- Phänomen des Liedgesangs

- Erste Schritte im Rampenlicht

- Oft totgesagt: die Oper

- Meine Partner auf Bühne und Podium.

- Begegnungen mit Dirigenten.

- Bach lebendig musiziert Bemühen um neue Musik

- Technik im Dienste der Kunst

- Sänger mit Familienleben?

- Reizwort Karriere Kritik muß sein

- Das Publikum und seine Gunst

- Verehrung auf japanisch

- Beachtet und beobachtet.

- Plädoyer für die leichte Muse Gesund leben und entspannen

- Der linke Schuh zuerst

- Meine Liebe zum Sport

- Abstieg ans Pult?

- Zur Entstehung des Buches

- Discographie


Union Verlag Berlin, 3. Auflage 1986
Aufgezeichnet und herausgegeben von Manfred Meier

08 Oktober 2021

Alf A. Saeter: Zwei im Sturm


 Der Bauer Jon ist ein Pantoffelheld und ein Dummkopf – Es gibt keinen im Dorf, der das nicht wüßte. Wenn er zwischen den Hügeln am Meer herumstreift oder abends in den Sternenhimmel starrt, philosophiert er über die Ungereimtheiten einer Welt, die ihn zum Außenseiter stempelt. Indessen hält Inga, seine resolute Frau, die Wirtschaft instand. Tommen, ein debiler Junge, der bei ihnen ein Zuhause gefunden hat, hilft ihr, so gut er es vermag. Als Inga unerwartet stirbt, ist Jon hilflos wie ein Kind. Doch in der Sorge um Tommen, der schwächer ist als er und seiner Fürsorge bedarf, gelingt es ihm, die eigene Unsicherheit zu überwinden und sein Leben nach Art der „Klugen und Starken“ zu ordnen.

Ein lyrisch gefärbter, kunstvoller Prosatext, in dem sich Saeter zum Anwalt der Schwachen und Entrechteten macht.

VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1978

Krystyna Wituska: Zeit, die mir noch bleibt

Krystyna Wituska, eine junge Polin, im April 1943 im faschistischen Deutschland wegen konspirativer Tätigkeit zum Tode verurteilt, schreibt im Juni 1943 für eine polnische Mitgefangene „ein altes deutsches Gebet“ auf. Wie seltsam, wie bedrängend nah – drei Jahrzehnte fast nach Krystynas Tod durch die Hand eines deutschen Scharfrichters – erscheinen uns in diesem Brief einer Polin an eine Polin die wohlbekannten Verse von Paul Gerhardt: „Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir.“

Beim Lesen dieser Aufzeichnungen ersteht vor uns das Bild eines Menschen, der uns weit voraus ist, weil er sich selbst unerbittlich überwinden mußte: Krystyna, zweiundzwanzigjährig bei ihrer Verhaftung, ein verwöhntes junges Mädchen mit blondierten Haaren, aus Abenteuerlust in eine Widerstandsgruppe eingetreten, und wenig mehr als vierundzwanzig Jahre alt beim Tod – bis zur letzten Stunde voller Liebe für ihre Eltern und Freunde.

Spricht schon der liebevolle Brief mit den Paul-Gerhardt-Versen an Marysia, die weiterleben darf, von dem Annehmen des eigenen nahen Todes, so wird in den vorangehenden Zeilen an Wandzia ganz deutlich, in welchem Maße die Schreiberin über ihr Geschick hinausgewachsen ist: „… der Tod erschreckt mich gar nicht, und wenn ich sterben muß, werde ich glücklich sterben in der Gewißheit, daß Ihr beide, meine teuersten Mädchen, gerettet seid.“

Vor uns werden die letzten Seiten eines Lebens aufgeschlagen, das kaum begonnen hatte und doch in unfaßlicher Weise zu einer Reife gelangte. So wie Krystyna die fremde deutsche Sprache immer flüssiger schreiben und sprechen lernte, so lernte sie auch immer selbstverständlicher mit dem Tod zu leben, und das bedeutete konkret: jeden Mittwoch zu überleben, an dem man die Todeskandidaten nach Plötzensee brachte. Vierzehn lange Monate ließ man ihr dazu Zeit. Ein Wunder, daß diese Frist nicht nur Qual bedeutete, ein Wunder, daß Krystyna jede schöne Stunde wie ein Geschenk vom Himmel betrachten konnte: „Ich glaube, daß Gott die Gefangenen nicht verläßt.“

Die Äußerungen des Zweifels und der Widerwille gegen eine „Frömmigkeit, die aus der Gefängnissituation erwächst und zwar nur darum, weil es sonst keine andere Rettung mehr gibt“, machen diese Bekenntnisse um so glaubwürdiger.

Ein ausführliches Vorwort der Herausgeberin informiert über den historischen Hintergrund des Prozesses gegen die Widerstandsgruppe, der Krystyna Wituska angehörte.

Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1973

 

Otto Gotsche: Zwischen Nacht und Morgen


 Wie kaum ein zweiter Schriftsteller ist Otto Gotsche berufen, die illegale Arbeit mitteldeutscher Industriearbeiter über den Zusammenbruch hinaus auch während der Zeit der amerikanischen Besatzung darzustellen. Und so entstand ein Roman über jene namenlosen Helden, die gegen faschistische Willkür und dunkle Machenschaften imperialistischer Konzernherren das Banner der Humanität zu verteidigen wußten. Die Unmittelbarkeit des Erlebnisses, die große Spannung, die geradezu abenteuerlich anmutet, und die dokumentarische Echtheit des Handlungsablaufes werden den Leser bis zur letzten Seite in Erregung halten. Daß bei dieser Lektüre auch ein Stück Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung vermittelt wird, ist einer der großen Vorzüge dieses Buches, das uns allen die jüngste und doch beinahe schon wieder in Vergessenheit geratene Vergangenheit mit erregender Deutlichkeit vor Augen führt.

Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale), 1959

07 Oktober 2021

Jack London: Südsee-Abenteuer


 Buchbeginn

Obwohl die „Aorai“ von schwerfällig plumper Gestalt war, ließ sie sich in der leichten Brise mühelos lenken, und ihr Kapitän steuerte sie gut heran, ehe er genau außerhalb des Brandungssogs beidrehte. Das Atoll Hikuero lag flach auf dem Wasser, ein Ring zerstoßenen Korallensands von ungefähr hundert Yard Breite, einem Umfang von zwanzig Meilen und drei bis fünf Fuß über der Hochwassermarke. Der Grund der riesigen, glasklaren Lagune war reich an Perlmuscheln, und vom Deck des Schoners konnte man über den schmalen Ring des Atolls hinweg die Taucher bei der Arbeit beobachten…

Verlag Neues Leben Berlin, 1973
buchclub65
Illustriert von Peter Muzeniek

Sofja Andrejewna Tolstaja: Tagebücher 1862 – 1910 – 2 Bände


 Am 23. September 1862 heiratet in Moskau in der Hofkirche „Mariä Geburt“ der vierunddreißigjährige Schriftsteller Lew Tolstoi die achtzehnjährige Sofja Andrejewna, Tochter des Hofarztes A. J. Bers. Zwei Wochen darauf, am 8. Oktober, beginnt die junge Frau ihr Tagebuch, das sie anfänglich mit großen Unterbrechungen schreibt und zwei Tage nach dem Tod ihres Mannes, am 9. November 1910, schließt. Achtundvierzig Jahre liegen zwischen diesen beiden Daten, fast ein halbes Jahrhundert, das in Rußland geprägt ist von einer stürmischen politischen und geistig-kulturellen Entwicklung. Wenig davon reflektiert das Tagebuch, es bleibt privat, intim, berichtet über Familienereignisse, Familienleben, über Schaffensprobleme des Mannes und seinen Bekanntenkreis, der weit über die Grenzen des Landes reicht. Es verzeichnet sehr detailliert den tragischen, sich in Extremen bewegenden Verlauf einer Ehe. Schon die ersten Eintragungen lassen die Konflikte erkennen, die später, in den achtziger Jahren, der Zeit der geistigen und weltanschaulichen Krise Tolstois, offen zutage treten, schwere Auseinandersetzungen nach sich ziehen und schließlich, im Oktober 1910, zu Tolstois Flucht aus Jasnaja Poljana führen. Doch trotz der unterschiedlichen Lebensauffassungen, der beinahe unüberbrückbaren Gegensätze und bei allen Vorwürfen, die Sofja Andrejewna Tolstaja gegen ihren Mann erhebt, betont sie, wie sehr sie ihn liebt und schätzt, und geht oft hart mit sich ins Gericht. Aber auch Tolstoi, der vor allem in seinem letzten Lebensjahrzehnt sehr unter dem Widerspruch zwischen seiner Lehre und seinem Leben leidet, versichert immer wieder, daß ihm viel an ihrer Liebe, ihrer Freundschaft und ihrem Verständnis gelegen ist.

Rütten & Loening Berlin, 1988

Dea Trier Morch: Winterkinder

„Ein Kind zur Welt zu bringen, das ist wie eine Reise in ein fremdes Land. Das war es, was ich fühlte, als ich meine drei Kinder im Abstand von wenigen Jahren bekam. Aber es ist ein Land, das sich von allen anderen unterscheidet, weil man nie dorthin zurückkehren kann. Da ich befürchtete, daß dieses Land für immer verschwinden könnte, schrieb und illustrierte ich meinen Roman ,Winterkinder‘.“

Dea Trier Morch stellt in ihrem Buch eine Gruppe von Frauen vor, die sich um die Jahreswende 1974/75 in der Spezialabteilung einer Kopenhagener Geburtsklinik befinden. Die Empfindungen der Mütter während dieser Zeit und der Vorgang der Geburt werden ebenso geschildert wie das Leben der Frauen außerhalb der abgeschirmten Welt der Klinik, das von ihrem unterschiedlichen sozialen Status geprägt ist.

Die Autorin erhielt für „Winterkinder“, die in Dänemark in kurzer Zeit zum Bestseller wurden, den Goldenen Lorbeer des Buchhändlerklubs. Das Buch wurde verfilmt und in verschiedenen Sprachen übertragen.


VEB Hinstorff Verlag Rostock
Mit 15 Linolschnitten der Autorin

Leinengebundene Ausgabe
1. Auflage 1979
2. Auflage 1981
3. Auflage 1986

Taschenbuch-Ausgbe
1. Auflage 1988

Über die Autorin
Dea Trier Mørch
(* 9. Dezember 1941 in Kopenhagen; † 26. Mai 2001 ebenda)
war eine dänische Grafik-Künstlerin und Schriftstellerin.
Zugleich war sie eine Ikone der dänischen Frauenbewegung.
Sie wurde 1976 mit dem Roman “Vinterbørn” (Winterkinder; deutsch 1979) international berühmt. Das Buch erzielte große Aufmerksamkeit und wurde in 22 Sprachen übersetzt.
Ihre vielfältigen und z. T. großformatigen grafischen Arbeiten (Plakate, Flugblätter und auch Buchillustrationen) konnte sie seit den späten 1970er Jahren in zahlreichen Ausstellungen mit großem Erfolg präsentieren.
2010 wurde ihr in Dänemark eine Briefmarke in der Serie Berühmte Dänen gewidmet

Ausführliche Informationen über Dea Trier Mørch auf Wikipedia