08 September 2023

Roald Dahl: Lammkeule und andere Geschichten

Worüber sollte man mit seinem zukünftigen Schwiegervater besser nicht sprechen?
Wie kann man sich auf diskrete Weise seines lästig gewordenen Ehepartners entledigen?
Was muß man tun, wenn alles versagt, um sein mickriges Baby aufzupäppeln?
Wie groß ist der Verwendungsbereich einer tiefgefrorenen Lammkeule?


Wer von uns läuft nicht bereits seit Jahren mit diesen oder ähnlichen quälenden Fragen herum? Roald Dahl hat sich die Mühe gemacht, für eine Reihe bisher ungelöster Probleme dieser Art eine zweifellos originelle Lösung zu finden. Man muß jedoch auf einiges gefaßt sein, wenn Liebe, Ehe, Wettleidenschaft und andere alltägliche Erscheinungen pointiert einer Analyse unterzogen werden, die das Wesen des englischen Kleinbürgers auf makabre, gruselige, phantastische und schwarzhumorige Weise enthüllt. Auch so mancher etwas kleinkarierte Nachbar wird sich hier ertappt fühlen, während andere selbstverständlich nur den vergnüglichen Schauer genießen, den die fünfzehn ungewöhnlichen Geschichten dieses Bandes verbreiten.

Über den Autor
Seit Erscheinen des Bandes «Küßchen, Küßchen!» ist der Name des englischen Autors Roald Dahl gewissermaßen zu einem Synonym für die moderne Gruselgeschichte geworden, für schwarzhumorige, schaurig-komische, pointierte Kurzprosa, wie sie von Meistern des Makabren wie Edgar Allan Poe oder Ambrose Bierce vorgezeichnet wurde. Roald Dahl, am 13. September 1916 in Llandaff, Südwales, als Sohn einer aus Norwegen stammenden Schiffsmaklerfamilie geboren, besuchte die Public School von Repton und war danach von 1932-1939 in Ostafrika als Angestellter einer Ölfirma tätig. Während des zweiten Weltkrieges kämpfte er als Pilot der Royal Air Force gegen den deutschen Faschismus. In jenen Jahren lagen auch die Anfänge seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Neben einem Band Kurzgeschichten aus dem Fliegermilieu, «... .steigen aus... maschine brennt. . .» (1946), und dem utopischen Roman «Sometime Never, A Fable for Supermen» (1948) sowie einer Reihe von Kinderbüchern wurden vor allem seine Kurzgeschichtensammlungen «Küßchen, Küßchen!» (1953), «... und noch ein Küßchen!» (1961) sowie «Kuschelmuschel» (1974) weltbekannt.

Einbandentwurf: Regine Schulz/Burckhard Labowski

Verlag Volk und Welt, Berlin

1. Auflage 1977
2. Auflage 1978
3. Auflage 1983

06 September 2023

Alfred Dreifuss: Deutsches Theater Berlin Schumannstraße 13a – Fünf Kapitel aus der Geschichte einer Schauspielbühne

Vorwort
Bereits im Jahre 1928, als der damalige Doktorand und spätere Theaterleiter Kurt Raeck seine Dissertation über das Deutsche Theater unter Adolph L'Arronge vorlegte, wurde auf die Tatsache verwiesen, daß bis zu diesem Zeitpunkt in der theaterwissenschaftlichen Literatur keine zusammenfassende Geschichte des Deutschen Theaters zu Berlin zu finden sei. Damals war diese Bühne immerhin 45 Jahre alt. Zwar ließ Adolph L'Arronge, Mitbegründer und späterer Direktor dieses Unternehmens, in seinem 1891 erschienenen Buch »Deutsches Theater und Deutsche Schauspielkunst« seine direktorialen Erfahrungen einfließen; auch gab 1909 der einstige Regisseur und Theaterdirektor Paul Legband in seinem Büchlein »Das Deutsche Theater in Berlin« durch die Feder verschiedener Autoren Kunde über das Profil dieser Bühne, die damals im vierten Direktionsjahr von Max Reinhardt stand. Aber dann – und die Jahreszahl 1909 sei wiederholt – trat in der Geschichtsschreibung dieses Hauses eine unschöpferische Pause ein. Nicht daß es, und dies besonders nach dem grundlegenden Artikel »Das Deutsche Theater in Berlin« von Julius Hart (1899/1900), an Zeitungsartikeln, Broschüren und kleineren Einzelpublikationen gemangelt hätte – man erinnere sich beispielsweise der schmalbrüstigen Festschrift anläßlich des 70jährigen Jubiläums des Hauses in der Schumannstraße 13a im Jahre 1953. Aber erst das Jahr 1957 brachte den Theaterfreunden wieder einen umfassenderen Überblick über diese Schauspielbühne: »Deutsches Theater. Bericht über 10 Jahre«. Doch auch dieses Buch bringt – neben vielen, heute noch lesenswerten Einzelanalysen der Theaterarbeit aus den Jahren 1945 bis 1955 – nur einen Nachdruck des knappen Abrisses aus der Feder Herbert Jherings von 1953. Ansonsten werden vornehmlich die Produktionen aus der kurzen Intendanzperiode Gustav von Wangenheims und ein Teil der Wirkungszeit von Wolfgang Langhoff abgehandelt.
Bleibt festzustellen: Außer den vorgenannten Werken existiert in deutscher Sprache keine zusammenfassende Darstellung dieses weltberühmten Schauspieltheaters. Nachforschungen in fremdsprachigen Literaturen blieben ergebnislos; man findet nur die bereits erwähnten Titel vor. Die Frage aufwerfen, wieso dies der Fall ist, heißt auch schon, auf diese Frage Antwort geben: Bis zum Machtantritt des Nationalsozialismus im Jahre 1933 war für alle Welt der Begriff Deutsches Theater mit der Person Max Reinhardts verbunden. Und dies unbeschadet dessen, ob er selbst im eigenen Hause war oder ob ein Sommerspielzeit-Stellvertreter (und deren gab es etliche), ein Unterpächter oder gar für einige Jahre der treue Mitarbeiter Felix Hollaender auf dem Direktionssessel saß. Die Literatur über Max Reinhardt aber ist, um einen Theaterausdruck zu verwenden, »abendfüllend«. Das heißt, all das, was über den Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor und Privatmann Reinhardt in vielen Weltsprachen auf den Buchmarkt kam und immer noch kommt, ist enorm. Einzeldarstellungen über seine Schauspieler, Bühnenbildner, Musiker, Regisseure, Dramaturgen, über seine Gastspielreisen mit dem Ensemble des Deutschen Theaters gibt es in Hülle und Fülle. Nur wenigen. Männern des Theaters wurde je eine solche Publizität zuteil. Mit Erstaunen stellt man dann allerdings fest, daß diese Publikations-Opulenz bei Reinhardts großem Vorgänger Otto Brahm nicht anzutreffen ist.
Hier wird der Versuch unternommen, aus der Geschichte zweier Theatergebäude und von dem, was sich in ihnen abspielte, zu berichten. Der Stoff ist umfangreich, er umfaßt den Zeitraum von 1848 bis zum Jahre 1944. Das bedeutet im Klartext: die Epoche des Theaters bürgerlicher Prägung, ehe dann ab 1945 resp. 1949 auf unserem Boden ein qualitativ neues, auf sozialistischer Grundhaltung basierendes Theaterwesen sich entwickeln konnte. Festgehalten sei sofort: Bevor der Name Deutsches Theater in Erscheinung trat und bevor Adolph L'Arronge oder Otto Brahm (von Max Reinhardt ganz zu schweigen) als Männer der deutschen Theatergeschichte genannt wurden, hat man auf dem Grundstückskomplex in der Schumannstraße, wie wir ihn heute noch nahezu unverändert kennen, in Spielstätten unterschiedlicher Natur sowohl der Tragödie als auch der Komödie den fälligen Tribut gezollt. Gewiß, das Jahr 1983 bedeutet ein rundes Theaterjahrhundert; aber schon der Schweizer Kulturphilosoph und Kunsthistoriker Jacob Burckhardt verwies einst auf den Umstand, daß Dinge, die wir zuweilen als Primate betrachten, des öfteren bereits zweite, ja dritte Entwicklungsphasen darstellen. So auch in unserem Fall. Adolph L'Arronge zog in ein bereits vorhandenes Theatergebäude ein; sicher, er baute an und um, aber er hatte kein neues Haus zu errichten. Er übernahm das bereits vorhandene Friedrich-Wilhelmstädtische Theater. Über dieses für die Berliner Theatergeschichte so wichtige Unternehmen, dessen Bedeutung bereits Gottfried Keller in seiner ganzen Tiefe erkannte, muß, da das bisher nur ungenügend geschah, ausführlich gesprochen werden.
Der Autor zählt sich aufgrund seiner beruflichen Herkunft zu den Theaterpraktikern; er ist »des trocknen Tons nun satt«, in dem heutzutage Theatergeschichte mitunter dargeboten wird. Bei aller Faktenstimmigkeit, die als selbstverständlich vorauszusetzen ist – ein theaterwissenschaftliches Seminar wird nicht abgehalten, Wertungen und apodiktische Behauptungen sind, wo nicht unbedingt erforderlich, ausgespart. Das Theater – mitunter wird das vergessen – ist immer noch eine Sache der Poesie in vielfältiger Gestaltung. Ein Hauch von Poesie soll auch in diesem Buch zu spüren sein.
A. D

Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin

1. Auflage 1983
2. Auflage 1987

Rudolf Chowanetz, Walter Lewerenz (Hrsg.): Schüleraufsätze

Das ist ein Buch für Schüler, das ist aber auch, vielleicht besonders, ein Buch für diejenigen, die das Schulalter bereits hinter sich haben.
Der Aufsatz: er gehört zur Schule und ihren Aufgaben und ist oft doch etwas, was über das Übliche hinausgeht. Im Literaturunterricht aufgegeben, versetzt er den Schüler in geistige Anspannung oder einige Verlegenheit.
Die eigenen Ansichten und Schlußfolgerungen sind gefragt, Gedanken und Gefühle über sich und die Welt. Alltagserscheinungen oder Kunsterlebnisse sind zu durchdenken. Fragen sollen beantwortet werden: Was ist Glück? Wie soll mein Partner sein? Wie stelle ich mir die Zukunft vor?
Die Herausgeber haben authentische Aufsätze von Schülerinnen und Schülern im Alter von vierzehn bis neunzehn Jahren ausgewählt und in zehn thematische Abschnitte geordnet. Eine Vielzahl persönlicher Stimmen, die Auskunft geben über Ansprüche und Träume, über Lebenserfahrungen und Lebensauffassungen einer Jugend, deren Selbstbewußtsein geprägt ist von der Gewißheit, in einem Land zu leben, das ihr gute Chancen bietet.

Vorwort
Aufsätze gehören zwar zum Schulalltag, sind aber dennoch etwas Außergewöhnliches, nicht nur, weil sie nicht jeden Tag aufgegeben werden – sie versetzen den Schüler in eine besondere Spannung: Was jetzt abgefragt wird, ist mehr als das tägliche Wissenspensum. Mit dem gründlichen Durchdenken eines Themas ist die Suche nach bester Darstellung, nach logischer Gliederung und Beweisführung und ausdrucksvoller Sprache eng verknüpft. Vor allem: Ein Aufsatz verlangt, die eigene Meinung zu sagen, Gefühle nicht zu verschweigen, sondern sie mitzuteilen.
Aufsätze spiegeln darum auf die ihnen eigene Weise Zeitgeist und Zeitgefühl wider, bewußt oder unbewußt werden Subjektives und Objektives verbunden.
Nun wird aber ein Schüleraufsatz unter besonderen Bedingungen und mit bestimmten Absichten verfaßt. Der Lehrer stellt das Thema, hat manches dazu vorher besprochen und hofft, daß seinen Anregungen Erfolg beschieden ist. Der Schüler wiederum denkt nicht zuletzt auch an das, was der Lehrer erhofft, denkt an die Zensur. Er weiß, was erwartet wird, und hat doch oder gerade deshalb die Chance, schöpferischen Geist anzubieten.
Es gibt keinen Grund, seine Gefühle und Gedanken zu verbergen. Oberstes Erziehungsziel unserer sozialistischen Schule ist nichts Geringeres als die Herausbildung schöpferisch denkender und handelnder Persönlichkeiten. Dieser Maxime ist jeder Lehrer verpflichtet, und jeder ist wohl bestrebt, ihr zu folgen. Niemand wird nun daraus schlußfolgern, jedem Lehrer sei es gegeben, jedem Schüler höchste geistige Anstrengungen im Aufsatz abzuverlangen zu unterschiedlich sind die Fähigkeiten entwickelt, nicht nur die der Schüler, und ebenso die Bereitschaft und die Lust, statt Abgeschriebenem und Abgedroschenem den eigenen guten Ausdruck für den eigenen guten Gedanken zu nehmen. Andererseits wäre es unbillig, an einen Schüleraufsatz Maßstäbe wie an einen literarischen Text anzulegen. Worauf es hauptsächlich ankommt, ist sicherlich nicht mehr und nicht weniger, als daß ein Schüler versteht, sein Wissen und seine Überlegungen, seine Erfahrungen und Beobachtungen, seine Empfindungen und seine Fragen einleuchtend und überzeugend darzulegen. Daß dies auf vielfältige Weise und auf sehr unterschiedlichem Niveau möglich ist, belegt diese Sammlung von Schüleraufsätzen, die hiermit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Zum erstenmal erscheint in unserem Land eine solche Sammlung.
Die Idee zu diesem Unternehmen fand freundliche Unterstützung sowohl bei dem zuständigen Ministerium als auch bei Fachberatern, Fachkabinetten, Lehrern und vor allem bei den Schülern.
Mädchen und Jungen zwischen vierzehn und neunzehn Jahren, Schüler der zehnklassigen polytechnischen und der erweiterten Oberschule, Lehrlinge, die in der Berufsausbildung mit Abitur stehen, sowie Schüler von Spezialschulen – aus den Bezirken Frankfurt (Oder), Gera, Potsdam und der Hauptstadt Berlin – haben ihre Aufsätze vorgelegt. Die Schüler (eigentlich müßte man immer Schülerinnen und Schüler sagen) wußten, daß sie für ein Buch schreiben, das vom Verlag Neues Leben veröffentlicht werden sollte. Sie wurden also zu einer zusätzlichen Arbeit aufgefordert, die bestimmt mit viel Kraft und Mühe verbunden war. Die Aufsätze wurden Ende 1984 geschrieben. Die vorgegebenen Themen waren als Anregung zu verstehen und umfaßten verschiedene Seiten des Lebens: Sie reichten vom Alltag in der Familie und der Schule, von Freundschaft und Liebe über Reisen und Sport, Freizeit und Ferien, Begegnungen mit Kunst und Technik, Erlebnisse in der Natur bis zu Fragen nach dem Beruf, nach dem Glück, nach dem Sinn des Lebens.
Über tausendfünfhundert Aufsätze wurden eingesandt. Bei der Auswahl ließen wir uns davon leiten, den Arbeiten den Vorzug zu geben, die konsequente Problemdarstellung mit einem klaren Standpunkt verbanden und sich durch eigenständige Sicht oder inhaltliche Besonderheiten heraushoben. Die Auswahl fiel nicht leicht. Mancher Beitrag wurde genommen, weil er uns aus thematischen Gründen wichtig erschien; andere mußten, obwohl sie gedankliche Qualitäten aufwiesen, mit Bedauern weggelassen werden, damit größere Disproportionen zwischen einzelnen Stoffkomplexen vermieden wurden.
Es empfahl sich, die Aufsätze nach solchen Komplexen zu gruppieren. So ergab sich eine Gliederung in zehn Abschnitte.
Die meisten Beiträge wurden unverändert übernommen. Flüchtigkeitsfehler oder Abweichungen von der gebräuchlichen Orthographie und den Interpunktionsregeln wurden stillschweigend korrigiert. In einigen Fällen wurden Überschriften modifiziert oder hinzugefügt. Bisweilen schienen uns Kürzungen erforderlich; sie betrafen Längen oder Ähnlichkeiten in der Einleitung oder am Schluß.
Diese Auswahl wird der Öffentlichkeit in der Hoffnung übergeben, den Leser mit Äußerungen bekannt zu machen, die in verschiedener Hinsicht aufschlußreich sind und denen daher Bedeutung zukommt. Natürlich wäre es vermessen, aus dem, was die Aufsätze mitteilen, wissenschaftliche Schlüsse auf das Denken und Fühlen der Jugend der DDR zu ziehen. Das konnte und sollte nicht die Absicht dieser Sammlung sein. Was in diesem Buch vereinigt wurde, sind die Stimmen einzelner, die ihre Erfahrungen und Auffassungen äußern. Dennoch kommt ihnen, so scheint uns, gewisse Repräsentanz zu. Etwas nämlich wird ablesbar oder spürbar, was öffentliches Interesse verdient, etwas wahrscheinlich doch Signifikantes: Wesentliches vom Lebensgefühl unserer Jugend, vor allem ihr Friedensbewußtsein und ihre Zukunftsgewißheit.

Für diese Jugend gibt es keinen Zweifel, daß Arbeit und Frieden ein wirksames Programm sind und die gesellschaftliche Praxis des Landes, in dem sie lebt, in einem entscheidenden Maße prägen. Vertrauen zu diesem Land, Vertrauen in die eigene Zukunft spricht aus fast allen Beiträgen. Dieser Optimismus kann nicht als platte Wiedergabe eingelernter Weisheiten mißverstanden werden. Dahinter steht erlebter, erfahrener Alltag, ruhige Überzeugung, das Gefühl des Selbstverständlichen. Zugleich werden hohe Ansprüche artikuliert: tiefes Glücksverlangen, Rigorosität im moralischen Urteil, Sensibilität. Sie bezieht sich auf vieles, auf das Erlebnis der Kunst, der Natur, auf den Umgang mit Freunden, mit Älteren. Und immer wieder klingt die Sorge auf, alles, was dem Leben Sinn gibt und dem Menschen seelische Kraft und inneren Reichtum verleiht, gefährdet zu sehen durch jene, die an Konfrontation und Krieg interessiert sind. Und darum auch wird die Bereitschaft betont, das Leben schützen zu wollen, sich mit denen solidarisch zu verbinden, die für ihr Recht zu kämpfen gezwungen sind, und die Haltung jener zu bewahren, die dem Krieg und dem Faschismus Widerstand entgegensetzten.
Die Lebensauffassung, die in den Aufsätzen zum Ausdruck kommt, ist nicht die problemloser Genügsamkeit oder kleinlicher Unzufriedenheit. Ohne daß viele Worte darüber verloren werden, bleibt nicht unreflektiert, was die Dialektik des Lebens ausmacht: Es besteht nicht aus glatten geraden Wegen, bloßen Erfolgen und andauernder Fröhlichkeit. Es ist voller Schwierigkeiten und Fragen. Hindernisse sind zu überwinden. Entscheidungen sind zu treffen. Eine Meinung zu vertreten will gelernt sein. Enttäuschungen, Fehlschläge sind einzustecken. Traurigsein ist ein Gefühl, dessen man sich nicht schämen muß. Das Nachdenken über Tod und körperliche Behinderung, über Krankheit und familiäre Konflikte gehört dazu, führt aber nicht zur Resignation, sondern wird als Herausforderung gesehen, möglicher Gleichgültigkeit entgegenzuwirken und neue Kraft zu gewinnen. Alles indessen durchdringt eine Sehnsucht nach Harmonie, nach Friedlichkeit, nach sinnvollem Zusammenleben. Besonders die Mädchen zeigen derartige Gefühle offen und deutlich.
Diese Aufsätze, vielfach eine eindringliche Art der Selbstbefragung und wohl immer ein Beispiel vertrauensvoller Mitteilung, verdienen nicht nur Interesse, ihnen gebührt Achtung. Wir hoffen, daß die Leser unsere Meinung in dieser Hinsicht teilen und daß sie die Auswahl und Anordnung freundlich und doch nicht unkritisch aufnehmen. –
Das Buch wäre nicht zustande gekommen, hätten uns nicht viele geholfen. Ihnen allen, die an dieser Arbeit, in welcher Form auch immer, beteiligt waren, sei hiermit herzlich gedankt.
Berlin, Mai 1986
Die Herausgeber


Schutzumschlag, Einband und Illustrationen: Manfred Bofinger

Verlag Neues Leben, Berlin

1. Auflage 1986
2. Auflage 1988

Ruth Kraft: „Usch und Thomas an der See“, „Usch und Thomas im Ferienlager“, „Usch und Thomas im Spielzeugland“

 Usch und Thomas sind Geschwister, die gemeinsam ihre Umgebung entdecken. Mein Lieblingsbuch „Usch und Thomas im Spielzeugland“ erzählt von ihrer Reise ins Erzgebirge. Dort leben die Großeltern, welche eine Werkstatt besitzen. In Seiffen lernen sie viel über die Sitten und Bräuche im Erzgebirge. In der Werkstatt des Großvaters sieht es aus wie in der Bastelstube des Weihnachtsmanns. Überhaupt ist alles anders als in der Stadt. Räuchermänner, Briefträger, Holzsammler, Nussknacker, Soldaten, Lichtengel, Bergmänner...wie im Spielzeugland. Ein wunderschön illustriertes Kinderbuch, wie die zwei anderen Titel aus dieser Reihe auch.


Buchvorstellung von Anna Robert


Abel & Müller, Leipzig
1960, 1961, 1963
 Illustrationen von Albrecht Ehnert







Janusz Zajdel: Unterwegs zum Kalten Stern

Kamil, stellvertretender Kommandant der Expedition zum Kalten Stern, ist in Sorge. In letzter Zeit gehen an Bord des Raumschiffs beunruhigende Dinge vor sich: Es häufen sich Fälle einer bislang unbekannten "Schlafkrankheit", eine Kursabweichung wird festgestellt, wie durch ein Wunder wird das Raumschiff im letzten Moment durch eine Havarie vor der Vernichtung bewahrt...
Zufall? Daran kann Kamil nicht recht glauben, denn diese "Zufälle" scheinen allzu perfekt. Könnte jemand ein Interesse daran haben, sich des Raumschiffs zu bemächtigen?

Janusz Zajdel wurde 1938 in Warschau geboren. Er absolvierte ein Physikstudium an der Warschauer Universität und arbeitet heute als Physiker auf dem Gebiet der Kernforschung. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit wirkt Zajdel als Herausgeber populärwissenschaftlicher Literatur, er schreibt Hörspiele, ist als Drehbuchautor für populärwissenschaftliche Filme bekannt und ist Mitglied des Warschauer Science-fiction-Klubs.
Als Belletristikautor auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Phantastik machte er zum erstenmal 1965 von sich reden. Seither sind zahlreiche Bücher von ihm erschienen und etwa 60 Kurzerzählungen in verschiedenen Zeitschriften und Sammelbänden.
"Unterwegs zum Kalten Stern" wurde 1975 in Polen unter dem Titel "Das Recht auf Rückkehr" veröffentlicht.

Verlag Neues Leben Berlin
Kompass-Bücherei Band 253
 

Eva Strittmatter: Unter wechselndem Licht - Ausgewählte Gedichte

Ausgewählte Gedichte mit Aquarellen von Marianne Gabor 

Ein liebevoll illustrierter Geschenkband. Die federleichten Aquarelle der ungarischen Malerin Marianne Gábor inspirierten Eva Strittmatter zu diesem Band. In der Auswahl ihrer Gedichte zeigt sie sich von ihrer heiteren, fast übermütigen Seite, die Schmerz und Ängste wie mit einem filigranen Gespinst überdeckt. Eine lange und intensive Freundschaft verbindet Eva Strittmatter mit der international bekannten Malerin Marianne Gábor aus Budapest. Sie wählte Bilder aus, die vom südlichen Flair leben, Licht, Meer und Sonne assoziieren. Von dieser Stimmung eingefangen, kombinierte sie die Aquarelle mit Texten aus ihren Gedichtbänden, die auf ihre Weise von einer ebensolchen Leichtigkeit leben wie die Bilder. Alle bittere Lebenssubstanz sollte außen bleiben, Licht sollte sein, Heiterkeit und Freude. Das ist mit diesem Band auf wunderbare, einmalige Weise gelungen. Eva Strittmatter über Marianne Gábor: 'Sie macht mir vor, daß es möglich ist, eigen-willig und eigen-sinnig, verschmitzt und listig die Welt zu sehen.

Aufbau Verlag Berlin Weimar
1. Auflage 1990 

 

04 September 2023

Artikel aus Diderots Enzyklopädie

Die ENZYKLOPÄDIE, von Diderot und d'Alembert herausgegeben, wird nicht weniger als 8 Bände und 600 Bildtafeln haben, und die Bände werden ohne Unterbrechung aufeinander folgen". So hieß es 1750 in Diderots Prospekt zu dem Werk. 1765 war allein der Textteil auf 17 Bände angewachsen, und diese waren keineswegs so kontinuierlich erschienen, wie Diderot anfangs geglaubt hatte. Ja, es war ihm nur durch taktisch raffiniertes Vorgehen im Kampf mit kirchlichen und staatlichen Institutionen gelungen, den Zusammenbruch des Unternehmens, an dem mehr als 160 Mitarbeiter beteiligt waren, unter ihnen Aufklärer wie Voltaire, Montesquieu, Rousseau und Holbach, abzuwenden. Denn dieses Wörterbuch, das erste umfangreiche Unternehmen seiner Art, war der Versuch, die Einsichten der Zeit auf dem Gebiet der Natur- und Gesellschaftswissenschaften und der aufkommenden Technik einem größeren Publikum zugänglich zu machen, und zwar in einer Art und Weise, daß die revolutionäre Sprengkraft des Werkes auch denen nicht verborgen bleiben konnte, die vergeblich alles daran setzten, sein Erscheinen zu verhindern.

Manfred Naumann (Hrsg.)

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig
Reclams Universal-Bibliothek Band 90
GESCHICHTE UND KULTUR | Enzyklopädie

1. Auflage 1972
2. Auflage 1984