27 November 2021

Pause

 

Bild von Melk Hagelslag auf Pixabay 


Moin ihr Lieben,

für dieses Jahr macht der Blog Schluss. Wie immer, wird es für mich keine absolute Pause sein, da die Arbeit mit den DDR-Büchern kein Ende zu nehmen scheint. 

Gerade erst habe ich zwei Bücherpakete aus meinem Lieblingsantiquariat "Windlicht" bekommen. Das werden die ersten Bücher sein, die ich dann hier ab Januar vorstellen werde. 


Für einen Weihnachtsgruß melde ich mich aber noch einmal. Bis dahin habt eine schöne Zeit und passt auf euch auf.

Einen schönen 1. Advent.

Liebe Grüße
Anne-Marit

Rabindranath Tagore: Sandkörnchen im Auge

"Sandkörnchen im Auge" - so nennen sich zwei Inderinnen zum Zeichen ihrer Freundschaft. Asha betrachtet die sonderbare Anrede als einen geistreichen Scherz der bewunderten Freundin, der sie gern alle Ereignisse ihrer jungen Ehe anvertraut. Sie bemerkt dabei nicht, daß Binodini auf dem Wege ist, sich den Kosenamen in seiner wörtlichen Bedeutung zu verdienen. Denn für Binodini, die nach kurzer, unbefriedigender Ehe zu lebenslangem Witwenstand verurteilt ist, ist Ashas Liebesglück zu einer Quelle ungestümer Leidenschaften geworden. Da sie bei ihren Bemühungen ihre weiblichen Reize als wirkungsvolle Waffe einzusetzen versteht, stürzt sie eine orthodoxe Hindufamilie in große Verwirrung.

In diesem frühen Roman des indischen Nobelpreisträgers entfaltet sich eine verwickelte Liebesgeschichte unter den Bedingungen der Kastengesellschaft, deren Gefüge bereits um die Jahrhundertwende von Erschütterungen betroffen war. Das psychologisch einfühlsam gestaltete Dreiecksverhältnis wird zu einem Brennpunkt, in dem überlieferte Moralvorstellungen und Fortschrittsgedanke aufeinandertreffen.

Verlag Volk und Welt Berlin

Benito Wogatzki: Romanze mit Amélie

Erzählt wird aus dem Leben des Hirten Jürgen Siebusch, der bei seinen Schafen vielleicht ein alter Mann geworden wäre, hätte er sich nicht in die Gutsherrntochter Amélie von Kamecke verliebt. Die Liebe beginnt im September 1944, als die Front näher rückt..., und endet bald nach der Befreiung. Doch die Romanze hinterläßt "schmerzliche Einkerbungen". Siebusch gesteht: "... Es war eine große Liebe, und ich wäre gern daran zugrunde gegangen, wenn man mich gelassen hätte." - Neue Zeit, Berlin

Wogatzkis Roman-Pärchen, das in den Frühlingstagen 1945 in einem Schuppen sein scheinbart unausbleibliches Ende erwartet, will sich vor dem Leben einfach verbergen. Doch das Leben, die gesellschaftliche Realität, macht um beide keinen Bogen. Es fordert Entscheidungen heraus. - Neues Deutschland, Berlin

Verlag Neues Leben, 3. Auflage

 

Orazio Curti: Schiffsmodellbau - Eine Enzyklopädie

 


Diese umfassende Darstellung wendet sich vor allem an die große Zahl der Schiffsmodellbauer. Sie vermittelt umfangreiche theoretische Kenntnisse über die Geschichte des Schiffbaus, erläutert den Bau historischer Schiffe und deren Ausrüstung und enthält die ausführliche Beschreibung der technischen Details und ihres Zusammenwirkens.
Gleichzeitig gibt der Autor - Vizepräsident der italienischen nationalen Schiffmodellbauvereinigung "Navimodel" - praktische Hinweise, wie und aus welchem Material Schiffsmodelle am besten gefertigt werden können, vom Standmodell bis zum ferngesteuerten Rennmodell. Ausgehend von langjährigen Erfahrungen der Schiffsmodellbauer aus aller Welt schildert er die verschiedenen Techniken und die einzelnen Bauverfahren der wichtigsten Bauteile.
Das Buch ist ein unentbehrlicher Helfer für alle Modellbauer.

VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1. Auflage 1972
Aus dem Italienischen: Intertext Erfurt

Wolfram Mondfeld: Die Galeere vom Mittelalter bis zur Neuzeit


 Wolfram Mondfeld schildert die Geschichte der Galeere, untersucht die vielfältigen Konstruktionsmethoden und erläutert Bauformen, Ausrüstung, Bewaffnung und technische Besonderheiten. Die beigefügten Risse der französischen Galeere "La Dracène", 1675, ermöglichen den Bau eines originalgetreuen Modells.

VEN Hinstorff Verlag Rostock, 2. Auflage 1977
64 Seiten Text mit 16 Zeichnungen, 24 Kunstdrucktafeln und 4 Tafeln mit Rissen

Werner Jaeger: Das Peller-Modell von 1603


 Das sog. PELLER-Modell von 1603 ist wahrscheinlich das älteste deutsche Schiffsmodell. Werner Jaeger hat mit großer Sachkenntnis eine Dokumentation erarbeitet, die dem historisch wertvollen Modell ebenbürtig ist. Mit außerordentlicher Gründlichkeit gibt der Autor eine ausführliche Darstellung der Lebensgeschichte des Modells, eine umfassende Modellbeschreibung, das Aufmaß des Modells und eine Rekonstruktion der Takelage.

VEB Hinstorff Verlag Rostock, 1973
ca. 96 Seiten Text mit 24 Zeichnungen, 24 Kunstdrucktafeln und 12 Tafeln mit Rissen

26 November 2021

Wolfram und Joachim Adolphi: High-Tech im Land der Samurai - Erlebnisse im Umfeld eines "Wirtschaftswunders"

Spitzentechnologien. In Verkürzung des englischen "high technology" haben die Japaner da für ein knappes Wort parat - "Haitek".

Atemberaubend hat sich Japans Wirtschaft entwickelt: auf das Dreißigfache stieg die Industrieproduktion von 1950 bis 1985. Japan als größter Roboterproduzent und -anwender in der Welt, als größter Hersteller numerisch gesteuerter Werkzeugmaschinen, größter Exporteur von mikroelektronischen Schaltkreisen und PKW, als Inbegriff modernster Computer-, Audio- und Videotechnik - lang ist die Reihe der Superlative.

Ist Japan besonders High-Tech-begnadet? Die Suche nach Antworten führt hin zu geographischen, historischen und wirtschaftsstrukturellen Entwicklungsfaktoren, berührt wichtige politische Zusammenhänge, und sie führt vor allem und immer wieder in die Lebens- und Arbeitsweise derer, auf deren Leistung all dieser Erfolg beruht– der japanischen Werktätigen.

Die Samurai sind auch in Japan nur noch Legende. Aber ihre Lebensformen haben Spuren hinterlassen: Spuren, die sich wenngleich vermischt mit vielen anderen Einflüssen vielerorts an wichtiger Stelle im Alltag wiederfinden.

Was hier aufgeschrieben ist, ist keineswegs "Das Japan-Buch". Es ist ein Diskussionsbeitrag. Aus dem persönlichen Erleben dort und hier.

Buchanfang

Das Maxiwunder Minifax und andere Alltagsgeschichten

Nehmen wir doch zunächst einen ganz normalen journalistischen Arbeitstag. Aber was heißt denn das, einen ganz normalen"? So viel hat sich verändert zwischen 1980, dem Beginn, und 1985, dem Ende unserer Arbeit in Japan, und manches wird heute selbst im Verhältnis zu 1985 schon wieder so überraschend anders sein ... Fixieren wir ihn also, diesen normalen Arbeitstag des Korrespondenten in Tokio, und zwar auf den Anfang des Jahres 1985.

Ganz neu waren zu diesem Zeitpunkt ein paar der insgesamt etwa ein Dutzend Telefonzellen, an denen wir auf unserem täglichen zehnminütigen Weg von der Wohnung ins Büro vorbeikamen. Man hatte die leuchtend gelben Apparate durch ebenso leuchtend grüne ersetzt, und deren besonderer Clou war zuvor in kurzen Werbefilmen im Fernsehen ausführlich angekündigt und erklärt worden: Es sollte nun auch beim Telefonieren das Kreditkartensystem Einzug halten. Auf Kleingeld, so hieß es, könne man künftig ebenso verzichten wie auf die komplizierten Tarifberechnungen im Falle eines Ferngesprächs. Jeder könne eine mit Personenkennzahl markierte Plastkarte in dem bei den Banken schon seit langem üblichen Kleinformat erwerben, brauche sie nur in den dafür vorgesehenen Schlitz im Telefon zu schieben, und alle weitere Berechnung, Abbuchung und Kontostandsbenachrichtigung übernehme der Zentralcomputer der Telefongesellschaft.

Die Hauptstädter nahmen das Angebot unternehmungslustig an mit unübersehbarer Freude am "Spiel mit dem Unbekannten". Sofort schnellte die Zahl der Telefonkarteninhaber in die Hunderttausende...


Über die Autoren

Wolfram Adolphi, geboren 1951 in Leuna, studierte am Institut für Internationale Beziehungen der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR in Potsdam-Babelsberg Außenpolitik. 1980 Promotion an der Humboldt-Universität Berlin mit einer Arbeit zu Fragen der internationalen Beziehungen in Ostasien.

Von 1980 bis 1985 Korrespondent des "horizont" in Japan. Seither erneut wissenschaftliche Tätigkeit an der Sektion Asienwissenschaften der Humboldt-Universität.

Zwischen 1977 und 1982 publizierte Wolfram Adolphi Aufsätze zu Themen der Außenpolitik in Ost- und Südostasien in den Zeitschriften "Asien-Afrika-Lateinamerika" und "Deutsche Außenpolitik". Neben den "horizont"-Berichten aus Tokio schrieb er auch Artikel für die "Berliner Zeitung", die "Junge Welt" und andere.

Seit 1985 gehört er zu den Autoren der Wochenzeitschrift "Die Weltbühne". Viele seiner dort veröffentlichten Beiträge haben Problemstellungen des vorliegenden Buches zum Gegenstand.


Joachim Adolphi, Jahrgang 1948, ebenfalls in Leuna aufgewachsen, ist als promovierter Physiker im Kombinat "robotron" in Dresden tätig.

Seine im fünfjährigen Familienbriefwechsel entwickelten Fragen an die japanische Wirtschaftsentwicklung, seine kritische Reaktion auf die Tokio-Artikel des Bruders und sein Bemühen, dessen Japan-Erfahrungen in einen faßbaren Bezug zu unserem Heute in der DDR zu setzen, bildeten den Ausgangspunkt dafür, daß die Autoren dieses für sie beide erste Buchprojekt in Angriff nahmen.

Verlag Neues Leben, Berlin 1988
nl-konkret Nr. 84