24 Dezember 2025

Gottfried Keller: Kleider machen Leute – Eine Auswahl

Zum Buch:
Das Buch „Kleider machen Leute“ enthält ausgewählte Geschichten und Gedichte des Schriftstellers Gottfried Keller. In der titelgebenden Novelle verhilft die Verwechslung mit einem Grafen einem arbeitslosen Schneider zu Ansehen und Wohlstand. Es sind die Umstände und die Menschen um ihn herum, die aus ihm einen anderen machen, als er es ist. Beeinflusst von Äußerlichkeiten, Meinungen, Vermutungen und Ansichten der Leute entsteht die Scheinsituation des Schneiders als Graf. Die Schlussfolgerung: Lerne zuerst einen Menschen richtig kennen, bevor du ihn beurteilst.

Einbandtext:
Es hängt nicht nur von uns selber ab, wie unser Leben verläuft. Zufällige Ereignisse und das Eingreifen anderer – in guter Absicht oder in böser – haben schon manchen in eine schwierige Lage gebracht. Dann aber muß er aktiv werden, muß handeln, sonst gerät er ins Schleudern. Gottfried Keller schildert einen solchen Fall in „Kleider machen Leute“, einer Novelle, die ihren Weg um die ganze Welt gemacht hat. Unser Band enthält daneben noch weitere, ebenso bekannte und beliebte Geschichten des berühmten Schweizer Schriftstellers, so zum Beispiel „Die drei gerechten Kammacher“ oder „Pankraz, der Schmoller“, und auch Gedichte wurden aufgenommen. Obwohl Keller sie vor über hundert Jahren geschrieben hat, gilt ihre Botschaft von der Stärke des Menschenherzens und der Kostbarkeit des Lebens auch für uns.

Aus dem Buch:
Kleider machen Leute
An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig zwischen den Fingern drehte, wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich von diesem Drehen und Reiben. Denn er hatte wegen des Falliments irgendeines Seldwyler Schneidermeisters seinen Arbeitslohn mit der Arbeit zugleich verlieren und auswandern müssen. Er hatte noch nichts gefrühstückt als einige Schneeflocken, die ihm in den Mund geflogen, und er sah noch weniger ab, wo das geringste Mittagbrot herwachsen sollte. Das Fechten fiel ihm äußerst schwer, ja schien ihm gänzlich unmöglich, weil er über seinem schwarzen Sonntagskleide, welches sein einziges war, einen weiten dunkelgrauen Radmantel trug, mit schwarzem Samt ausgeschlagen, der seinem Träger ein edles und romantisches Aussehen verlieh, zumal dessen lange schwarze Haare und Schnurrbärtchen sorgfältig gepflegt waren und er sich blasser, aber regelmäßiger Gesichtszüge erfreute. Solcher Habitus war ihm zum Bedürfnis geworden, ohne daß er etwas Schlimmes oder Betrügerisches dabei im Schilde führte; vielmehr war er zufrieden, wenn man ihn nur gewähren und im stillen seine Arbeit verrichten ließ; aber lieber wäre er verhungert, als daß er sich von seinem Radmantel und von seiner polnischen Pelzmütze getrennt hätte, die er ebenfalls mit großem Anstand zu tragen wußte.
Er konnte deshalb nur in größeren Städten arbeiten, wo solches nicht zu sehr auffiel; wenn er wanderte und keine Ersparnisse mitführte, geriet er in die größte Not. Näherte er sich einem Hause, so betrachteten ihn die Leute mit Verwunderung und Neugierde und erwarteten eher alles andere, als daß er betteln würde; so erstarben ihm, da er überdies nicht beredt war, die Worte im Munde, also daß er der Märtyrer seines Mantels war und Hunger litt, so schwarz wie des letztern Sammetfutter.
Als er bekümmert und geschwächt eine Anhöhe hinaufging, stieß er auf einen neuen bequemen Reisewagen, welchen ein herrschaftlicher Kutscher in Basel abgeholt hatte und seinem Herren überbrachte, einem fremden Grafen, der irgendwo in der Ostschweiz auf einem gemieteten oder angekauften alten Schlosse saß. Der Wagen war mit allerlei Vorrichtungen zur Aufnahme des Gepäcks versehen und schien deswegen schwer bepackt zu sein, obgleich alles leer war. Der Kutscher ging wegen des steilen Weges neben den Pferden, und als er, oben angekommen, den Bock wieder bestieg, fragte er den Schneider, ob er sich nicht in den leeren Wagen setzen wolle. Denn es fing eben an zu regnen, und er hatte mit einem Blicke gesehen, daß der Fußgänger sich matt und kümmerlich durch die Welt schlug.
Derselbe nahm das Anerbieten dankbar und bescheiden an, worauf der Wagen rasch mit ihm von dannen rollte und in einer kleinen Stunde stattlich und donnernd durch den Torbogen von Goldach fuhr. Vor dem ersten Gasthofe, zur Waage genannt, hielt das vornehme Fuhrwerk plötzlich, und  ......

Inhalt:
An Johann Müller .. .. .. 5
Gewitter im Mai .. .. .. 8
Der Taugenichts .. .. .. 9
Pankraz, der Schmoller .. .. .. 12
Auf dem Berge .. .. .. 76
Jung gewohnt, alt getan .. .. .. 79
Kleider machen Leute .. .. .. 81
Waldlied .. .. .. 136
Sommernacht .. .. .. 138
Die drei gerechten Kammacher .. .. .. 140
Zur Erntezeit .. .. .. 195
Frau Rösel .. .. .. 196
Morgen .. .. .. 198
Die Berlocken .. .. .. 199
Abendlied .. .. .. 220
Ein Kenner des menschlichen Herzens - Nachwort des Herausgebers .. .. .. 221
Zeittafel .. .. .. 228
Worterklärungen und Anmerkungen .. .. .. 233
Quellennachweis .. .. .. 239

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Richter
Illustrationen von Bernd Günther
Für Leser von 13 Jahren an

Der Kinderbuchverlag Berlin
Reihe:
Die Goldene Reihe
1. Auflage 1986
2. Auflage 1987
3. Auflage 1989

23 Dezember 2025

Dominique Fernandez: In der Hand des Engels

Klappentext:
In der Nacht vom 1. zum 2. November des Jahres 1975 wird ein Mann am Strand von Ostia ermordet aufgefunden, dessen Leben ebenso skandalös und widersprüchlich war wie die Umstände, die zu seinem Tod führten. In der Tat, wovon der Ich-Erzähler Pier Paolo seinem jungen Neapolitaner Freund Gennariello berichtet, ist das Schicksal eines Außenseiters. 1922 in Bologna als Sohn eines faschistischen Offiziers geboren, aufgewachsen im ländlichen Friaul, der Heimat seiner innig geliebten Mutter, zerbricht die Idylle jäh, als seine Neigung zum gleichen Geschlecht publik wird. Moralisch untragbar, politisch verdächtig, wird er aus dem Schuldienst entlassen. Unter den Asozialen, den kleinen Dieben und Strichjungen der römischen Vorstädte entdeckt er jene »Ragazzi di vita«, die er zu den Helden seines ersten Romans macht. Das Buch wird beschlagnahmt, seinem Verfasser ein Prozeß wegen Verstoßes gegen die guten Sitten angehängt. Das ist der Beginn einer Kampagne, die nunmehr unablässig gegen den Schriftsteller und Filmregisseur, den kompromißlosen Kritiker des italienischen Wirtschaftswunders und des aufkommenden Neofaschismus, den scharfen Polemiker gegen jegliche Art von Diskriminierung, entfesselt wird. Verleumdet, verachtet, verfolgt, sein Name zum Schimpfwort herabgewürdigt, sollte der »Traum von einer Sache«, der Traum von einem besseren, gerechteren Leben, für ihn wie für seinesgleichen unerfüllt bleiben.
Fiktives und Authentisches vermischen sich in dieser Romanbiographie des Franzosen Dominique Fernandez zu einem faszinierenden Bild des Mannes. der zu einer der hervorragendsten Gestalten der italienischen Literatur- und Filmgeschichte der Gegenwart zählt: Pier Paolo Pasolini.

Dominique Fernandez, französischer Romanschriftsteller, Essayist, Literaturkritiker und Übersetzer, Sohn des Schriftstellers Ramon Fernandez, wurde 1939 in Paris geboren. Nach dem Studium der italienischen Sprache und Literatur folgte er 1957 einer Berufung ans Institut Français in Neapel, von dem er jedoch auf Grund unerwünschter Äußerungen nach kurzer Zeit wieder verwiesen wurde. Nach Verteidigung seiner Doktorarbeit über den italienischen Schriftsteller Cesare Pavese (L'Echec de Pavese, 1968) ist er seither als Dozent für Italienisch und als Literaturkritiker tätig. Als hervorragender Kenner der italienischen Geschichte, Literatur und Kultur greift er in seinen Romanen, Essays und Reiseberichten immer wieder diesen Gegenstand auf. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Romane Les Enfants de Gogol (1971), Porporino ou les mystères de Naples (1974. ausgezeichnet mit dem Prix Mèdicis, dt. »Porpo rino oder die Geheimnisse von Neapel, 1976), und L'Etoile rose (1978), die Essays Le Roman italien et la crise de la conscience moderne (1958), L'Echec de Pavese (1968), L'Arbre jusqu'aux racines (1972), Eisenstein (1975), sowie die Reiseberichte Mère Méditerranée (1965, dt. Süditalienische Reises, 1969), Les Evénements de Palerme (1966) und Les Siciliens (1977). Mit seinem neuesten Werk, der Romanbiographie »In der Hand des Engels« (Dans la main de l'ange, 1982, ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt), wird Dominique Fernandez erstmals in der DDR vorgestellt.

Einbandentwurf: Gerhard Medoch
Originalausgabe: Dans la main de l'ange; © 1982, Editions Grasset & Fasquelle
Aus dem Französischen von Egon Wiszniewsky

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1985 

Karl-Heinz Jakobs: Beschreibung eines Sommers

Klappentext:
Tom Breitsprecher ist sich seines Könnens und seines Wissens völlig bewußt. Für ihn gibt es die Musik und die Formeln der Mathematik, sein Selbstbewußtsein und die Frauen, bei denen er sich seines Erfolges stets sicher zu sein glaubt. Auch bei der jungen Maschinistin Grit, die er auf der Baustelle in Wartha kennenlernt: Als einer der fähigsten jungen Bauingenieure seines Stammbetriebes ist Tom hierhergekommen; er arbeitet vorbildlich und reißt die Jugendbrigaden mit. Als aber aus dem Spiel mit Grit zum erstenmal in seinem Leben Ernst wird, gerät nicht nur die Selbstsicherheit des jungen Mannes ins Wanken ... Liebe in unserer Zeit, Probleme der Generation, die, 1945 vor einen neuen Anfang gestellt, im Hier und Heute tätig ist – das rückt Karl-Heinz Jakobs kühn und eigenwillig in den Mittelpunkt dieses Romans.


Umschlag- und Einbandentwurf: Regine Schulz

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1980 

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Verlag der Nation, Berlin
Reihe:
Roman für Alle; Nr. 134
1. Auflage 1962 
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Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe:
Roman-Zeitung 270
1. Auflage 1962 
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Verlag Neues Leben, Berlin

1. Auflage 1961
2. Auflage 1962
3. Auflage 1962
4. Auflage 1963
5. Auflage 19??
6. Auflage 19??
7. Auflage 1964
8. Auflage 1965
9. Auflage 1967
10. Auflage 1969
11. Auflage 1970
12. Auflage 1973
13. Auflage 1975
14. Auflage 1976
15. Auflage 1977
16. Auflage 1978
17. Auflage 1979


Weitere Cover der Ausgaben im Verlag Neues Leben

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22 Dezember 2025

Sergej Eisenstein: Das dynamische Quadrat – Schriften zum Film

Einbandtext:
Für Sergej Eisenstein (1898-1948) war Film „eine junge Kunst, ‚geboren vor unseren Augen’. Aber er sah sie tief verbunden mit der Kulturtradition aller Kunstgattungen, die sie gewissermaßen in sich vereinigte. Das Herausarbeiten des Spezifischen verstand Eisenstein mehrschichtig mit der Untersuchung des synthetischen Charakters zu vereinen. Auf noch heute suggestive Weise diente ihm der Vergleich mit Frühphasen einzelner Kulturdimensionen (etwa Bau der Sprache, Technik des Theaters, Zahlensysteme oder Kompositionsprinzipien der Malerei) zur Aufhellung der neuen ästhetischen Gesetze des Films und zur Reflexion seiner universellen Möglichkeiten. ‚Ein Gegenstand muß so ausgewählt werden, so gedreht und mit solchem Kalkül im Blickfeld räumlich untergebracht werden, daß neben der Abbildung ein Assoziationskomplex entsteht, der der emotionalgedanklichen Fracht der Sequenz eine zweite Stimme hinzuliefert’, schrieb Eisenstein über seine Montageauffassung. Dieses Prinzip der ‚zweiten Stimme’ ... ist die Grundstruktur wohl aller wesentlichen Autorentexte Eisensteins. Auch die hier gebündelten Texte haben eine Fülle von Bezugspunkten. Sie sind vergnüglich durch geistige Originalität und anspruchsvoll durch gedankliche Opulenz. Ihre Vorbildwirkung noch heute für alle Künste ist unbestritten.“ (Fred Gehler)

Buchanfang:
Die Manuskripte des Moskauer Eisenstein-Archivs könnten bequem eine 20bändige Ausgabe füllen. Verlockung und Bedrängnis für jeden Herausgeber zugleich.
Unsere Auswahl bringt Texte des Filmtheoretikers Eisenstein.
Das erste Kapitel – AUSDRUCK UND EINWIRKUNG – verfolgt die Wandlungen der Attraktion in Theater und Film. Das zweite – DENKPROZESS UND FILMFORM – faßt Aufsätze zusammen, in denen Film als Sprache, im Verhältnis zu anderen Sprachen und anderen Zeichensystemen, untersucht wird.
Im dritten Kapitel – TECHNIK UND KINO – betrachtet der Regisseur Eisenstein das technische Phänomen Film aus kulturgeschichtlicher Perspektive. Als eine Kunst, die das zu lösen vermag, was in den Schranken der alten Künste nur erschwert und partiell zu leisten war.
Im 20. Jabrbundert übernahm der Film die beschreibend-ausmalende Diktion der Belletristik. In Ermangelung eines technisch ausgereiften Farbmaterials, das seinen Ideen „gehorchen“ würde, fixierte Eisenstein die Farbe auf dem Papier. So klingen diese Notate wie schon nicht mehr mögliche Literatur.
Eisensteins Sätze gleichen rhythmisch organisierter Prosa. Sein Absatz – der Zusammenprall zweier Zeilen – widerspiegelt die Kollision einer Montagekopplung. Gedankenpunkte und -striche fungieren als Vorbote einer theoretischen Attraktion. Die Übersetzung ins Deutsche vermag nur bedingt die innere Dynamik des Eisensteinschen Ideenflusses zu vermitteln, da gleich nach der Attraktion das Verb aufzutauchen hat – in gebeugter Form und außer Atem –, während es im Original dort steht, wo der Autor sich die größte Wirkung verspricht. Eisenstein nannte seinen Satzbau „eine schlechte Übersetzung aus dem Deutschen“, was den umgekehrten Vorgang keineswegs erleichtert.


Inhalt:
Armer Salieri .. .. .. 7

AUSDRUCK UND EINWIRKUNG
Montage der Attraktionen .. .. .. 10
Montage der Filmattraktionen .. .. .. 17
Konstanza .. .. .. 46
Die beiden Schädel Alexanders des Großen .. .. .. 52

DENKPROZESS UND FILMFORM
Perspektiven .. .. .. 58
Jenseits der Einstellung .. .. .. 72
Die vierte Dimension im Film .. .. .. 90
Rede auf der Allunionskonferenz sowjetischer Filmschaffender .. .. .. 109

TECHNIK UND KINO
Die Zukunft des Tonfilms .. .. .. 154
Das dynamische Quadrat .. .. .. 157
[Erster Brief über die Farbe] .. .. .. 177
[Farbkonzeption zum Film „Die Liebe des Dichters"] .. .. .. 184
Über den Raumfilm .. .. .. 196

Anhang
Oksana Bulgakova: Bruch und Methode. Eisensteins Traum von einer absoluten Kunst .. .. .. 262
Anmerkungen .. .. .. 325
Zur Biographie .. .. .. 388
Personenregister .. .. .. 393
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Aus dem Russischen
Übersetzt und herausgegeben von Oksana Bulgakova und Dietmar Hochmuth
Im Anhang der Aufsatz von Oksana Bulgakova: „Bruch und Methode. Eisensteins Traum von einer absoluten Kunst"
Mit 38 Abbildungen
Umschlaggestaltung: Friederike Pondelik

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig
Reihe:
Reclams Universal-Bibliothek Band 1206 | Kunstwissenschaften | Mit Abbildungen
1. Auflage 1988
2. Auflage 1991

Georg Piltz: Magdeburg - Stadt am Strom

Georg Piltz beschreibt anschaulich das Schicksal der Stadt Magdeburg ab der Zeit von Karl dem Großen (um 805) bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Buchanfang:
Die Lage am Strom prägte das Antlitz der Stadt. Von Westen her bleibt sie ohne Profil: Ihre Vororte, die sich, Fangarmen gleich, der weiten Ebene der Börde entgegenstrecken, unterscheiden sich in ihrer Nüchternheit nicht von denen anderer deutscher Großstädte. Eine Insel verstellt den Blick von der östlichen Niederung. Erst vom Ufer des Stromes aus offenbart die Stadt ihre Eigenart. In einer weiten Bewegung schiebt sich ein niedriger Höhenzug an die Elbe heran. Und auf dieser breiten Felsbarre, der letzten, die der Strom vor seinem Eintritt in die Norddeutsche Tiefebene zu durchbrechen hat, aus der glatten Wasserfläche gleichsam hervorwachsend, erhebt sich die Masse der Häuser und Kirchen, erhebt sich Magdeburg.
Die Stadt drängt zum Strom. Die einzige Hauptstraße, die sie bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein besaß, der Breite Weg, folgt dem Lauf der Elbe. Von hier aus streben die eng umbauten, licht- und luftlosen Gassen der Altstadt dem Ufer zu. Die stromabwärts gelegenen Viertel zwischen dem Alten Markt und dem Tränsberg gehörten bis 1945 zu den dichtestbesiedelten Gebieten Deutschlands. Eine geräumige Ostwest-Verbindung fehlt noch heute: Der Drang, der großen Ernährerin Elbe nahe zu sein, ließ selbst die lebenswichtige Straße zu den Brücken verkümmern. Das Verlangen, auf das andere Ufer des Stromes hinüberzugreifen, hat diese Stadt nie gespürt. Erst die militärische Notwendigkeit, den stärksten Waffenplatz des preußischen Staates auch gegen Osten zu sichern, führte 1731 zur Gründung der Friedrichstadt, des heutigen Brückfelds.
Magdeburg, sagt man, sei eine reizlose Stadt. Aber das ist falsch. Ihre Schönheit ist nur von besonderer Art, und die Entdeckung des Verborgenen erfordert Arbeit und Spürsinn. Der oberflächliche Betrachter wird das Gewinkel der altstädtischen Gassen vielleicht öde und die eigenartige Silhouette lediglich sonderbar finden. Die Tatsache, daß das äußere Bild eines Gemeinwesens stets Spiegelung seiner Geschichte ist, wird ihm verborgen bleiben. Grundriß und Silhouette sind für ihn leblose Dinge oder bestenfalls Gegenstände ästhetischer Betrachtungen. Die Geschichte ist der einzige Schlüssel zum Verständnis der Magdeburger Eigenart. Der einzige, denn das mittelalterliche Magdeburg ging im Feuersturm der Zerstörung von 1631 zugrunde. Was erhalten blieb, war der von einem tausendjährigen historischen Geschehen geformte mittelalterliche Stadtplan mit seiner eigentümlichen Gruppenbildung. Es sind im Grunde zwei Städte, die sich innerhalb der alten Mauern und Wälle gegenüberstehen, und die bis ins siebzehnte Jahrhundert gebrauchte Ratsformel von der „Oldenstadt to Magdeborch“ ist juristischer Ausdruck dieser Trennung. Zwei Städte: Im Süden der Dom, die Stiftskirche St. Sebastian und das Kloster Unser Lieben Frauen; im Norden, durch einen weiten Zwischenraum unmißverständlich abgegrenzt, die Pfarrkirchen St. Johannis, St. Ulrich, St. Katharinen, St. Jakob, St. Peter und die Augustinerkirche. Zwei Städte: Im Süden, um den weiträumigen Domplatz gruppiert, die Stiftsfreiheit, einst Sitz der geistlichen Feudalherren; im Norden, mit dem Zentrum Alter Markt, die Bürgerstadt. Bis ins vierzehnte Jahrhundert waren beide Siedlungen durch Ketten voneinander getrennt, auf dem Domplatz galt ein anderes Recht als auf dem Alten Markt, .....

Umschlag- und Einbandentwurf: Erich Weber

Sachsenverlag Dresden
1. Auflage 1954
2. Auflage 1955

21 Dezember 2025

Werner Lindemann: Das Pflaumenbäumchen

Da war ein Pflaumenbäumchen, schmächtig, krumm.
Der Heiner sprach: „Du trägst nicht, Baum, warum?"

Das Bäumchen rauschte: „Sieh, ich steh auf Sand,
ich bin so dürr, weil ich kein Wasser fand."


Illustration von Inge Gürtzig
12-seitiges Pappkinderbuch
Für Kinder von 3 Jahren an


Verlag für Lehrmittel Pößneck
1. Auflage 1980
2. Auflage 1982
3. Auflage 1985

Gerd Eggers, Erika Baarmann: Zirkus

In diesem Buch sind verschiedene Szenen aus einem Zirkus dargestellt. Ein Clown beim Späßemachen, eine Artistin auf dem Seil, ein Bär beim Rollerfahren... Zu jeder Szene gehört ein Vierzeiler, der leicht verständlich und zu behalten ist. Das Buch eignet sich wunderbar zum gemeinsamen Betrachten.

Buchanfang:
Im Zirkus gibt es viel zu lachen,
deshalb dachten wir uns aus,
wie wir Zirkus selber machen,
auf dem Spielplatz und im Haus.
- - -
Hoch auf dem Seil zu balancieren,
das ist einfach nur im Traum,
laßt es uns zuerst probieren
auf einem umgekippten Baum.

Text von Gerd Eggers
Illustrationen von Erika Baarmann
Für Kinder von 3 Jahren an

Verlag Karl Nitzsche, Niederwiesa

Lizenz des Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1977
2. Auflage 1978
3. Auflage 1979
4. Auflage 1981
5. Auflage 1990


19 Dezember 2025

Kudrun - Ein mittelalterliches Heldenepos

Einbandtext:
Entführungen und Verfolgungen, Turnierspiel und blutiger Kampf, höfische Courtoisie und wildes Wikingerleben mischen sich zu einem bunten Bild ritterlichen Treibens, das uns fremd und vertraut ist wie ein Märchen aus alter Zeit.

Buchanfang:
Wie König Sigebant aufwuchs und heiratete

Es wuchs in Irland ein mächtiger, edler König auf.
Er wurde Sigebant genannt; sein Vater, der hieß Ger
und seine Mutter Ute, sie war ein Königskind.
Ihrer adligen Gesinnung wegen war ihre Liebe für ihn ehrenvoll.

Ger, dem mächtigen König, das ist wohlbekannt,
gehörten viele Burgen, das Land von sieben Fürsten.
Dort besaß er Recken, viertausend oder mehr,
mit denen er Besitz und Ehre täglich mehren konnte.

Den jungen Sigebant rief man an den Hof,
wo er lernen sollte, was er einmal brauchte:
mit dem Speere reiten, schießen und sich schirmen,
damit es ihm zugute käme, wenn er auf die Feinde stieße.

So erreichte er das Alter, in dem er Waffen tragen durfte.
Wie ein Held verstand er sich darauf vorzüglich
so daß ihn seine Mannen und Verwandten preisen mußten.
Nie ließ der edle Held es an steter Übung fehlen.

Doch schon nach kurzer Zeit trennte sie der Tod,
was heute noch dem Adel große Sorgen bereitet.
Beispiele davon gibt es in allen Königreichen,
auch wir zu unserem großen Kummer müssen täglich damit rechnen.

Die Mutter Sigebants saß nun im Witwenstuhl.
Der angesehene, edle Held nahm sich deshalb vor,
keine Frau zu nehmen in ebenbürtiger Ehe,
und manche vornehme Königstochter sehnte sich nach ihm.

Seine Mutter riet ihm dennoch, daß er heiraten sollte,
damit er und sein Land an Ansehen gewönnen
nach so großem Leide, er und seine Verwandtschaft:
nach seines Vaters Tode erfuhr er Freude und viel Glück.

Inhalt:
1 Wie König Sigebant aufwuchs und heiratete 5
2 Wie Hagen von dem Greifen entführt wurde 17
3 Wie Hagen auf das Schiff gelangte 26
4 Wie Hagen von seinen Eltern empfangen wurde 33
5 Wie Wate nach Irland reiste 43
6 Wie lieblich Horant sang 72
7 Wie die Jungfrauen die Schiffe besichtigten und entführt wurden 84
8 Wie Hagen seiner Tochter nachreiste 93
9 Wie Wate, Morung und Horant in ihre Heimat zurückkehrten 106
10 Wie Hartmut um Kudrun warb 111
11 Wie Herwig und Hartmut Kudruns wegen auszogen 117
12 Wie Herwig gegen Hetel kämpfte und Kudrun erhielt 120
13 Wie Sivrit in Herwigs Land einfiel 127
14 Wie Hetel aus Herwigs Land Boten absandte 137
15 Wie Hartmut Kudrun gewaltsam entführte 142
16 Wie Hilde Boten zu Hetel und Herwig sandte 152
17 Wie Hetel seiner Tochter auf den Wülpensand nachfuhr 159
18 Wie Ludwig Hetel erschlug und in der Nacht entkam 165
19 Wie die Hegelingen in ihre Heimat zurückkehrten 172
20 Wie Hartmut in sein Land heimkehrte 178
21 Wie Kudrun waschen mußte 194
22 Wie Hilde ihrer Tochter wegen einen Kriegszug unternahm 200
23 Wie sie im Hafen landeten und nach Ormanie gelangten 213
24 Wie Kudrun von ihrer Ankunft erfuhr 218
25 Wie Ortwin und Herwig hinkamen 226
26 Wie Herwig und Ortwin zum Heere zurückkehrten 248
27 Wie Hartmut König Ludwig die Wappen der Fürsten zeigte 254
28 Wie Herwig König Ludwig erschlug 267
29 Wie Hartmut gefangengenommen wurde 277
30 Wie sie Boten zu Hilde sandten 289
31 Wie die vier Könige in Hildes Land Hochzeit feierten 307
32 Wie die anderen heimreisten 313
       Anhang
       Nachwort 317
       Anmerkungen 335
       Literaturhinweise 340

Schutzumschlag: Hans-Joachim Schauß, Gruppe 4
Aus dem Mittelhochdeutschen übertragen von Joachim Lindner
Mit 20 Holzschnitten von Maria Hiszpanska-Neumann
und einem Nachwort von Günter Kramer

Verlag der Nation, Berlin
1. Auflage 1971
2. Auflage 1972

Heinz Hoffmann: Jochen, Kathrin und ein Fotoapparat – Ein Fotobuch für junge Pioniere

Buchanfang:
Liebe Fotohasen!
Wenn ich Euch so anrede, habe ich meine Gründe dafür. Ich weiß zwar nicht, wie jeder einzelne von Euch heißt, ob Giesela, Klaus, Ingrid, Steffen oder sonstwie, aber ein ganz klein bißchen kenne ich Euch trotzdem. Ihr glaubt mir nicht? Nun gut, dann will ich Euch verraten, was ich von Euch weiß: Ihr habt nach dem Buch gegriffen, um etwas mehr über das Fotografieren zu erfahren, stimmt es? So? Das sei nicht schwer zu erraten, meint Ihr. Paßt auf, ich weiß noch mehr: zum Beispiel, daß Ihr nicht alle Anfänger seid. Mancher von Euch hat vielleicht schon einmal Vaters teure Kamera in der Hand gehabt, und ein anderer besitzt sogar eine eigene einfache Boxkamera, mit der er bereits die ersten Erfolge verzeichnen konnte. Aber wenn ich mich nicht sehr täusche, gibt es auch viele unter Euch, die ihre neue Kamera noch gar nicht ausprobiert haben, oder die sich sogar erst eine kaufen wollen, wie unser Geschwisterpaar, von dem ich Euch erzählen will.
Da seht Ihr, wie verschieden Eure bisherigen fotografischen Erfahrungen sein können. Es ist deshalb nicht so einfach, Euch alle unter einen Hut zu bringen. Der eine möchte ohne Zögern gleich hoch hinaus, und der andere läßt sich lieber behutsam bei der Hand nehmen. Wie ist es denn wohl am besten?
Am besten ist es zunächst, wir erinnern uns einmal an die ersten Schulstunden. Wie war es denn da! Bevor Ihr ganze Sätze schreiben konntet, habt Ihr erst jeden Buchstaben einzeln geübt. Sollte es in der Fotografie anders sein! Kaum. Inzwischen seid Ihr zwar älter hoffentlich auch schlauer geworden, und die ersten mühseligen Krakeleien mit dem widerspenstigen Federhalter sind längst vergessen, aber ohne ein Abc kommt Ihr auch diesmal nicht aus. Nur wer das Abc der Fotografie beherrscht, kann ein tüchtiger Fotograf werden. Und das wollt ihr doch alle und zwar so bald wie möglich. Ich kenne Euch doch! Darum wollen wir keine Zeit mehr verlieren. Allerdings wäre zuvor noch eine Kleinigkeit zu erledigen. Ich möchte Euch nämlich ganz schnell Kathrin und Jochen vorstellen. Sie wollen Euch auf der Entdeckungsfahrt in das „Neuland zwischen Objektiv und Film“ begleiten. Ihr wißt doch, geteiltes Leid ist halbes Leid, und geteilte Freude bedeutet doppelte Freude. So, nun schaut Euch die beiden erst einmal an, bevor Ihr weiterlest.

Inhalt:
Damit ihr wißt, wie es weitergeht:
Liebe Fotohasen .. .. .. 7
In Jochen reift ein Plan .. .. .. 8
Unfug mit dem Brennglas .. .. .. 9
...und andere optische Versuche .. .. .. 11
Wertvolle Entdeckung im Gerümpel .. .. .. 14
Verdrehte Welt im Auge .. .. .. 16
Viel Spaß mit einer „Ziehharmonika“ .. .. .. 18
Auch ein Veteran stellt noch seinen Mann .. .. .. 20
Ein Blick in die Zukunft .. .. .. 21
Die Kamera des Herrn Leonardo .. .. .. 23
Kathrin ist begeistert .. .. .. 24
„Sie wünschen bitte?“ .. .. .. 26
Wer die Wahl hat, hat die Qual .. .. .. 27
Ungefährliche „Kanonen“ .. .. .. 32
Ein Experiment vor der Ladentür .. .. .. 37
Eine Box soll es sein .. .. .. 42
Ohne Film geht es nicht .. .. .. 44
Der erste Versuch .. .. .. 50
Die langersehnte Chemiestunde .. .. .. 51
Selbst ist der Mann .. .. .. 56
Die Küche als Dunkelkammer .. .. .. 63
Krach unter Geschwistern .. .. .. 65
Vater weiß Rat .. .. .. 66
Der Pionierleiter hilft weiter .. .. .. 67
Ein Schrank voll Papier .. .. .. 69
Aus Schwarz wird wieder Weiß .. .. .. 72
Der letzte Schliff .. .. .. 79
Bei Licht besehen .. .. .. 81
Fotografieren ohne Kamera .. .. .. 82
Rund um eine Litfaßsäule .. .. .. 92
Ins rechte Licht gerückt .. .. .. 97
Start zur großen Fahrt .. .. .. 106
Reifenpanne .. .. .. 108
Rauferei im Schlafsaal .. .. .. 109
Abendlicher Stadtbummel .. .. .. 113
Eine Stadt wacht auf .. .. .. 115
Die letzte Etappe .. .. .. 116
Vom Gewitter überrascht .. .. .. 119
Die kleinen Dinge am Wegesrand .. .. .. 121
Während die anderen baden .. .. .. 125
Auf der Suche nach dem Storch .. .. .. 126
Nur nicht so schreibfaul! .. .. .. 129
Schnell, schneller, am schnellsten .. .. .. 131
Abschlußfeuerwerk .. .. .. 132
Wer hat die besten Bilder? .. .. .. 133

Für Leser was 12 Jahren an
Einband und Zeichnungen: Georg Hülsse

VEB Fotokinoverlag Halle
1. Auflage 1960

18 Dezember 2025

Michael O. Güsten: Die Liga der gelben Rose

Einbandtext:
Insgeheim hatte Lars Ballensten gehofft, daß er den Fall seines in Holland unter Mordverdacht stehenden jugoslawischen Freundes Miodrag Marinkovic schnell werde aufklären können, und Benjamin Benedix, der ihm mit dem Schäferhund Chan zur Hand geht, teilte wie immer die Ansichten des Schweden.
Das freilich war ein handgreiflicher Irrtum. Gewiß: Die Unschuld Miodrags war nach einigen Recherchen bald nachzuweisen. Was aber hatte Miodrag mit der Gelben Rose zu schaffen, die sehr dunklen, jedoch höchst einträglichen Geschäften nachgeht.
Neue Morde geschehen, die Schauplätze des Kriminalromanes führen nun die Detektive auch nach München. Wer aber ist der geheimnisvolle Unbekannte mit der metallischen Stimme, der sich hinter dem poetischen Namen, „Die Gelbe Rose“ versteckt? Und weshalb haben alle Beteiligten eine seltsame Vorliebe für das Gilbert-Becaud-Chanson, „L'impor-tant c'est la rose?“ Erst nach vielen Mühen und Gefahren kommen Ballensten und sein Freund Benjamin hinter das Geheimnis, das manches Interessante aus den Machenschaften sogenannter Emigrantenorganisationen in Westdeutschland enthüllt. Ein Kriminalroman also, der nicht nur Spannung und Turbulenz verspricht, sondern deutlich macht, wie Politik und Verbrechen in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft Hand in Hand gehen ...

Buchanfang:
Benjamin Benedix schob den erst halbgeleerten Teller weit von sich, auf dem neben einem ansehnlichen Haufen Kartoffelbrei noch ein völlig intaktes, hübsch in Schinken eingerolltes Würstchen nach Riesengebirgsart vor sich hin träumte.
»Verdammtes Wetter«, knurrte er verdrossen. »Aber dir ist das anscheinend ganz egal«, fügte er hinzu.
Der Vorwurf war an Chan, seinen schwarzbraunen Schäferhund, gerichtet, der neben dem Tisch auf dem Boden lag und wie üblich den schweren Kopf bequem auf die Vorderpfoten gebettet hatte. Er machte tatsächlich einen zufriedenen Eindruck, was freilich bei einem Hund nicht weiter wunder nimmt, der soeben eine volle Schüssel mit Fleichresten aus der Küche des besten Hotels am Platz ausgeschlappt hat.
Benjamin hingegen war in der Stimmung eines Menschen, dessen Erwartungen täglich einen Kopf kürzer gemacht werden. Er war vor acht Tagen bei klirrendem Frost und herrlichstem Winterwetter nach Spindlerův Mlýn gekommen, wo er sich sofort mit Ausdauer dem Skisport widmete. Zwei Tage lang konnte man Benjamin einen glücklichen Menschen nennen, und was das heißt, kann vielleicht nur jemand ermessen, der schon einmal den Steilhang der Hromovka unter seinen Brettern gehabt hat. Doch dann fauchte anhaltendes Tauwetter langsam, aber sicher den Schnee von .....

Schutzumschlag: Rolf F. Müller

Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig
1. Auflage 1969
2. Auflage 1970

Berechtigte Ausgabe im Buchclub 65
1. Auflage 1970

17 Dezember 2025

Karl Veken: Peng und 'ne Kiste – Eine lustige Geschichte für kleine und große Tierfreunde

Buchanfang:
EIN VERGNÜGUNGSPLAN FÜR 546 STUNDEN
Wie oft haben wir uns das eine gewünscht: Etwas Spannendes, wirklich Aufregendes erleben!
„Gibt's ja nur in Büchern“, meinte Annemarie einmal.
„Was da alles passiert! Woran liegt es nur, daß bei uns nie so was Richtiges los ist?“
„Ja“, schwärmte Hänschen, „oder im Kino. Wenn man rauskommt, möchte man auch etwas ganz Großartiges tun – eine Heldentat, oder so was. Aber dann? Haussklave spielen, Mülleimer runterbringen, einkaufen: lauter so langweilige Sachen. Man kommt sich oft ganz doof vor...“
Fritz sagte: „Bücher und Kino, das ist alles nur ausgedacht. Wann erleben wir denn mal etwas wirklich Spannendes?“
Ich sagte nichts dazu. Ich erlebe oft etwas Spannendes, mit meinem Hund Hoppi und meiner Mieze, der ich jetzt ein Glöckchen umgehängt habe, damit die Vögel vor ihr ausreißen können, oder mit meinen Kaulquappen, die ihre Schwänze abgelegt haben, um richtige Frösche zu werden.

Inhalt:
Ein Vergnügungsplan für 546 Stunden .. .. .. 7
Die geheimnisvolle Postkarte .. .. .. 11
Die Kiste .. .. .. 18
Heinrichs Plan .. .. .. 22
So fing's an! .. .. .. 26
Hänschen hat einen lichten Augenblick .. .. .. 31
Wir warten .. .. .. 35
Der zweite Langstreckenflug .. .. .. 37
Sonnenglut macht müde .. .. .. 39
Wir fassen die Sache richtig an .. .. .. 42
Entdeckungen .. .. .. 47
Amanda, die Musterziege .. .. .. 55
Die Langstreckenmeister der DDR .. .. .. 61
Alles geht zu Ende! .. .. .. 71
Der Abschied von Heinrichs Tauben .. .. .. 74
Heinrich droht mit der Polizei .. .. .. 82
Die Polizei mischt sich ein .. .. .. 89
Herr Meckmeck .. .. .. 94
Eine große Überraschung .. .. .. 103
Wir werden berühmt .. .. .. 107
Ende gut alles gut! .. .. ..  112

Dieses Buch wurde vom Ministerium für Kultur mit einem Preis ausgezeichnet
Einband und Illustrationen: Karl Fischer
Für Leser von 8 Jahren an

Verlag Neues Leben, Berlin [1. bis 3. Auflage]
Der Kinderbuchverlag, Berlin [4. bis 6. Auflage]
1. Auflage 1956
2. Auflage 1957
3. Auflage 1958
4. Auflage 1961
5. Auflage 1963
6. Auflage 1965

07 Dezember 2025

György Asperján: Auch Pechvögel werden erwachsen

Buchinfo

Schon ein paar Monate ist Imre im Sanatorium, aber einen richtigen Freund hat er immer noch nicht gefunden. Schwester Kati, die er heimlich liebt, ignoriert ihn. Auch um ihr zu imponieren, läßt er sich auf eine gefährliche Mutprobe ein.

Buchbeginn

Von den Hängen her rostfarbener Nebel und im Park Buschwerk, wie hingeweht, Imre am Fenster, der frühe Herbstmorgen dampft, auf dem schmalen Pfad läuft jemand im Radmantel, er tritt in eine Pfütze, schüttelt, auf einem Bein hüpfend, eigentümlich seinen Schuh aus, setzt wütend seinen Weg fort und verschwindet hinter einem Busch. Vor dem Fenster eine hohe, nasse Tanne und weiter hinten, am glatten Stamm der Platane, ein schmutzig bepelztes Eichhörnchen, das rasch Reißaus nimmt, einen Lidschlag lang verhält, um dann blitzschnell hinter dem Baum zu verschwinden. Im feuchten Gras zwei Schwarzdrosseln dicht beieinander, die Köpfchen zur Seite geneigt, als wollten sie den Baumwipfel erspähen. Vor dem Eingang ein Wagen, dahinter kräuselnd-weißer Dunst, der in der Ferne dichter wird. 

Verlag Neues Leben, 1985
Übersetzt von Dorothea Koriath
Illustrationen von Renate Schirrow
 

05 Dezember 2025

Sergei Kulik: Safaris in Kenia

Klappentext:
O Tana, unser großer Tana!
Du fließt Jahrhunderte durch unser Land,
Unbeständig ist dein Wasser, o Tana!
Alles ringsum wandelt sich:
das Land, die Zeit, die Sitten.
Auch wir ändern uns, o Tana!
Dennoch bleiben wir uns treu in dieser Welt.
Wir bleiben Afrikaner, o Tana!
Bleiben dir treu, Tana,
und unserm Land – dem Land der Väter.
O Tana, großer Tana!

Buchanfang:
Statt eines Vorwortes
Sechs Jahre habe ich in Kenia verbracht, und in all diesen Jahren habe ich nur begeisterte Äußerungen über dieses Land gehört.
Begeistert waren vor allem die Touristen, und das ist nicht schwer zu verstehen. Die Ankömmlinge sind verblüfft von Nairobi, der keniaischen Hauptstadt, einer großen modernen Stadt mit einer modernen City und eleganten Gebäuden, die unter dem Grün üppig blühender exotischer Bäume verschwindet und eher einer prosperierenden Stadt im amerikanischen Süden ähnelt als der Hauptstadt eines Entwicklungslandes. Gewöhnlich sind sie angenehm überrascht von dem Klima im gebirgigen Mittelkenia. Die Touristen fürchten die Hitze, wenn sie nach Afrika reisen, doch hier müssen sie schon am ersten Abend, vor Kälte schlotternd, in ein Geschäft laufen und sich einen Wollpullover kaufen.
Morgens geht es für die Touristen mit einer „Safari“ los, mit diesem Wort aus dem Swahili wird in Ostafrika jede beliebige kleine Reise bezeichnet. Führt man den Touristen nach Westen, tief in das Gebirgsland von Kenia, so bekommt er die Möglichkeit, die ökonomisch am weitesten entwickelten Gebiete Afrikas zu durchqueren; sie liegen im Hochland von Kenia, welches zum Viktoriasee hin abfällt. Hier wechseln smaragdfarbene Teeplantagen mit dem samtenen Grün von Kaffeeplantagen und riesige Viehzuchtranches mit den bunten Mosaiks der Gemüsegärten ab. Schöne Straßen führen daran vorbei, an denen saubere Siedlungen liegen, deren Bewohner sich für die sonntägliche Morgenmesse mit Krawatte und Hut kleiden. Kenia gilt als eines der am höchsten entwickelten Länder des afrikanischen Kontinents, und sein aufblühender zentraler Teil dient als anschaulicher Beweis dafür.
Dann biegt der Weg ab, an die Stelle des grauen Bandes der Asphaltstraße tritt ein rötlicher Feldweg, und aus dem erschlossenen, besiedelten Gebiet gerät der Tourist plötzlich in dunkle Wälder, die die Berghänge Kenias und das Aberdeen-Plateau bedecken. In einem exotisch eingerichteten, oberhalb einer Tiertränke gelegenen Hotel verbringt der Tourist den Rest des Tages. Gegen Abend kommen Nashörner, Büffel oder Leoparden zur Tränke. Und dann trennt nur die dünne Fensterscheibe der Hotelterrasse die Menschen von diesen Riesen der afrikanischen Wälder. Die Touristen, die sich in den Sesseln räkeln, trinken Kaffee oder Whisky, und zehn Meter entfernt von ihnen trinken Leoparden und Nashörner Wasser. Das ist doch fürwahr aufregend!
Fährt der Tourist aber von Nairobi aus nach Osten oder Süden, so kommt er zuerst durch eine endlose, eintönige Savanne, in der sich die größten Nationalparks von Kenia befinden. Der Mangel an landschaftlichen Schönheiten wird hier durch eine phantastische Vielzahl von Tieren aufgewogen: hundertköpfige Zebraherden, Tausende von Antilopen und Gazellen, zahllose Büffel, Giraffen und Strauße sowie, wenn man Glück hat, Löwen, Geparde und Flußpferde. Mitunter kommen auch Elefanten auf die Straße; hier in der trockenen Savanne können sie sich selten eine Dusche gönnen und vergnügen sich dafür oft mit Sandbädern. Der Boden der Savanne ist rot, daher haben auch die Elefanten eine ziegelrote Färbung. Farbige Elefanten – das ist ebenfalls ein Grund, begeistert zu sein.
Wenn sich die Touristen nach ein paar Tagen an den Tieren sattgesehen haben, reisen sie an die Küste des Indischen Ozeans, wo sie aus der Welt der von der Sonne ausgedörrten Dornenakazien und grauen Gräser in eine Welt der Kokospalmen und üppig blühenden Pflanzen der Subtropen geraten. Schneeweiße Korallenstrände unter strahlendblauem Himmel und die geheimnisvolle Welt der Unterwasserriffe vernebeln endgültig die Köpfe der Touristen.
Nicht weniger eindrucksvoll sind auch die Küstenstädte – im Mittelalter Zentren einer blühenden Swahilikultur.
Nairobi ähnelt einem amerikanischen Kurort und ist noch nicht einmal achtzig Jahre alt, und die engen mittelalterlichen Gassen von Mombasa oder Malindi haben eine Geschichte von acht bis zehn Jahrhunderten aufzuweisen. Durch diese Gassen ist Vasco da Gama gegangen, jedes Haus hier ist ein Zeuge der stürmischen und romantischen Geschichte der Küste. Hier sind sich Jahrhunderte hindurch Afrika und Asien begegnet. Frauen, von Kopf bis Fuß in blauschwarze Buibui gehüllt; alte Männer mit bunten Turbanen, die an die Kalifen alter Zeiten erinnern; das Gemurmel der Muezzine, das von eigentümlichen Minaretten her erklingt; die kehligen Schreie der Straßenhändler mit Kaffee und türkischem Honig; das Nachtleben der Hafenstädte; die würzigen Düfte des Orients und die salzige Luft des Ozeans...

Inhalt:
Statt eines Vorwortes .. .. .. 6

DIE NILOTEN
Die Bewohner des vulkanischen Plateaus

Athiopische Ouvertüre .. .. .. 23
Das östliche Afrika – die Urheimat der Menschheit? .. .. .. 27
Basso Narok heiß „schwarzes Wasser“ .. .. .. 36
Der kleinste Stamm Afrikas .. .. .. 43
Das Geheimnis der Insel Unwiederbringlich .. .. .. 48
Mit der Harpune auf Barschfang .. .. .. 52
Wie kann man sich denn den Morani widersetzen? .. .. .. 56
Die Klippschliefer kommen mir zur Hilfe .. .. .. 66
Der Morani – die zentrale Figur der Gemeinschaft .. .. .. 70
Aus Jungen werden Männer .. .. .. 77
Wem gehörte die erste Kuh? .. .. .. 84
Die Krokodile kommen, wenn man sie ruft .. .. .. 91
Das wichtigste am Aussehen des Mannes ist die Frisur .. .. .. 94
Zehn Kilogramm Schmuck .. .. .. 100
Ein Löwenherz ist das schönste Geschenk .. .. .. 104

Auf den Spuren der geheimnisvollen Asaner
Ein ethnisches Babylon .. .. .. 107
Der Stamm mit den fünf Namen .. .. .. 114
Abenteuer auf einem launenhaften Fluß .. .. .. 120
Die Lieder der alten Tschepopkoi .. .. .. 125
Schlangen leben in Häusern und Schmelzöfen .. .. .. 128
Die Tuken – das Volk, das in den Felsen lebt .. .. .. 132
Die alten Aquädukte der Elgejo und Marakwet .. .. .. 135
Die Tücke der afrikanischen Wege .. .. .. 138
Maji-Ndege – der „Vogelsee“ .. .. .. 141
Die exzentrischen Bewohner des Baringosees .. .. .. 147
Die erste Genossenschaft der Njemps .. .. .. 151
Eine archäologische Exkursion nach Tambatsch .. .. .. 157

Die letzten Mohikaner Ostafrikas
Durch ein Gebirge, das einer Festung gleicht .. .. .. 165
Von der El-Barta-Ebene in die Il-Ponjeki-Ebene .. .. .. 171
Auf dem Honigweg hinauf in die Berge .. .. .. 181
Wem sind die Ndorobo ähnlich? .. .. .. 185
Wir malen einen Esel als Zebra an .. .. .. 196
Gibt es die Hunde aus der Zeit der Pharaonen noch heute? .. .. .. 204

DIE KUSCHITEN
Die rote Sandwüste gibt ihre Geheimnisse allmählich preis

Zum erstenmal im Nordosten des Landes .. .. .. 215
Der beschwerliche Weg nach Marsabit .. .. .. 221
Das Gebiet der großen Möglichkeiten .. .. .. 226
Achmed – der König der Elefanten .. .. .. 234
Ein Krieger wird Häuptling .. .. .. 242
Mit einer Karawane der Gabbra durch die Dida Galgalu .. .. .. 252
Die verwegenen Boran und ihre schönen Frauen .. .. .. 263

Zwischen Totem und Koran
Die Grenze verläuft am Meridian von Moyale .. .. .. 270
Mandera – der entlegene Winkel Kenias .. .. .. 275
Jarad – Brautkauf .. .. .. 282
Eine Hochzeit bei den Degodiya .. .. .. 287
Wajir Stadt der Handwerker .. .. .. 294
Die schrecklichen Loriansümpfe .. .. .. 304
„Guten Tag, Mister Adamson“ .. .. .. 309
Das Experiment wird fortgesetzt .. .. .. 315
George tötet Boy .. .. .. 322

,,... Kenya selbst (wird) von seinen (europäischen) Bewohnern als das schönste Land der Welt bezeichnet. Man weiß, wie solche Superlative zu werten sind; in jedem Fall darf man sie als einen wortarmen Ausdruck für die besonderen, erhebenden und erregenden landschaftlichen Reize betrachten, denen auch der erliegt, der im Laufe eines langen Lebens ungezählte überwältigende Eindrücke gesammelt hat.
Hans Schomburgk

Aus dem Russischen von Helga Thiele
Das russische Original erschien unter dem Titel «Кенийские Сафари» im Verlag «Мысль», Moskau 1975

Schutzumschlag und Einband: Lothar Gabler
Kartenzeichnung: Helga Paditz

VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig
1. Auflage 1979
2. Auflage 1981

04 Dezember 2025

Jutta Hellgrewe: Susanne und die Sonne aus Papier

Einbandtext:
Das Mädchen Susanne sieht aus dem Fenster. Es regnet. Draußen ist es grau und traurig. Susanne ist es auch. Drei Tage regnet es schon. Da kommt Susanne auf die Idee, eine Sonne zu malen, eine große, gelbe Sonne. Während sie die Sonne malt, wird es um sie heller. Mit ihrer gemalten Sonne läuft Susanne durch die Stadt, durch Wiesen und Felder. Alle, die Susanne mit der Sonne sehen, freuen sich: die Blumen, die Tiere, die Menschen. Durch Susannes Sonne wird die Welt um sie hell und schön. Zuletzt läuft sie auf einen Berg und macht die Sonne an einem Stock fest. Dort leuchtet sie und scheint auf Land und Leute. Susannes Sonne macht die Welt wieder bunt.

Illustration: Jutta Hellgrewe
Einbandtext: Fred Reinke
12-seitiges Pappkinderbuch
Für Kinder ab 4 Jahren

Postreiter-Verlag, Halle
1. Auflage 1983
2. Auflage 1988

Barbara Augustin: Borstels Flußfahrt

Buchanfang:
Borstel schlenderte durch den Wald. Auf der Lichtung mit der Anschlagsäule leuchtete ihm ein Plakat entgegen.
GROSSE ÜBERRASCHUNG! - TREFFPUNKT HIER! - ONKEL UHU! war in schönen Federstrichen zu lesen. «Eine Überraschung!» quietschte Borstel so laut, daß es durch den Wald hallte und Mauz und Hoppel anlockte. Auch sie jubelten.
«Was soll der Krach?» rief Herr Fuchs noch mittagsschlafmüde und krabbelte aus seinem Bau. «Ah, eine Überraschung!» sagte auch er. Aufgeregt, etwas verpaßt zu haben, flatterte Frau Elster herbei. Doch Herr Fuchs beruhigte sie.
«Die Überraschung, Onkel Uhu!» drängelten die Kinder. Nachdem er sich mehrere Male geräuspert und tief Luft geholt hatte, als wolle er eine Arie singen, sagte er endlich: «Ich schlage eine gemeinsame Flußwanderung vor.»
«Och», machten enttäuscht seine Zuhörer. «Das soll eine Überraschung sein?» Unbeirrt fuhr der Uhu fort: «Ich meine, eine Wanderung auf dem Fluß.» Das war natürlich etwas anderes. «Wie denn?» – «Auf dem Fluß?» – «Oho!» riefen alle durcheinander. Nur die Elster sagte pikiert: «Ich bin doch keine Ente!»
«Wir bauen uns ein Floß», vollendete der Uhu die Überraschung. .....

Illustriert von Rainer Flieger
Für Kinder von 5 Jahren an.

Verlag Junge Welt, Berlin
1. Auflage 1982
2. Auflage 1983