16 April 2020

Holda Schiller: Das Wunderpferdchen aus Kornhagen



Das Pferdchen Moritz hat eine unbändige Freude am Springen. Mit zähem Fleiß entwickelt es diese Springgabe zur Springkunst, um die Menschen in der Stadt damit zu begeistern. Dort wird es aber als Zugtier zunächst nötiger gebraucht. Durch die Hilfe seiner Freunde gelangt es schließlich in den Zoo, wo es allen Menschen durch seine Kunst Freude bereitet.

Der Kinderbuchverlag
Die kleinen Trompeterbücher Nr. 66

15 April 2020

Götz R. Richter: Tropengewitter


Eine Auswahl der spannendsten und schönsten Erzählungen, die Götz R. Richter in den vergangenen 25 Jahren schrieb, enthält diese Anthologie. Unterschiedlich sind Begebenheiten und Handlungsorte. In allen Erzählungen lernen wir Menschen kennen, die ihrer dunklen Hautfarbe wegen gedemütigt und ausgebeutet werden. Najog, der malaiische Perlentaucher, muß aus dem Meer Muscheln heraufholen, dort, wo die Haie lauern. Mandela, ein Afrikaner, überwindet seine Angst, um seinen Sohn zu rächen, der vom Plantagenbesitzer erschossen wurde, weil er ein Widerstandskämpfer war. Götz Richter erzählt anrührende Schicksale, die wahren Begebenheiten entsprechen. Noch gibt es viele Menschen, die sich mutig und tapfer wehren müssen gegen Demütigung und Unterdrückung.

Inhaltsverzeichnis:
Najo, der Perlentaucher
Ameisen
Die Männer des Sergeanten Cross
Maito und der Affe Musche
Der Rote
Das Kind am Mast
Rache für Pronto
Der alte Sansibari
Eine Wohnung für Kisima
Mandela darf nicht sterben

Kinderbuchverlag Berlin, 1981

Hasso Laudon: Der ewige Ketzer


"Man erwartet ein Genie und sieht einen armen, beladenen Menschen...", schrieb André Gide nach der Lektüre der Briefe Dostojewskis, dessen literarische Leistung noch heute Leser und Autoren gleichermaßen fasziniert.
  Todesurteil, Begnadigung und Zuchthaus liegen bereits hinter Dostojewski, als er in der sibirischen Verbannung von einem neuen Anfang träumt. Die endliche Rückkehr nach Petersburg verheißt Hoffnung, trügerische Hoffnung, wie sich schon nach wenigen Jahren herausstellt: Aus Reisen ins Ausland werden Fluchtreisen. Liebe und Freundschaften enden in Enttäuschung oder Tod. Anfängliche Erfolge werden überschattet von finanziellem Ruin und den verzweifelten Versuchen, die Schuldenlast mit Gewinnen an den Spieltischen Westeuropas zu tilgen. Einziger Halt wird dem Alternden die Liebe eines jungen Mädchens, das ihm als seine Frau durch alle Tiefen folgt...

Buchverlag Der Morgen, Berlin

Konstantin Simonow: Zwanzig Tage ohne Krieg

Konstantin Simonow erlebte als Korrespondent der "Krasnaja Sewsda" unzählige Schlachten des Großen Vaterländischen Krieges an verschiedenen Frontabschnitten mit. "... schreibt man eine Erzählung oder einen Roman über ein so schwieriges Thema wie den Krieg, drängt es einen nicht sonderlich, zu phantasieren oder Fakten aus der Luft zu greifen. Im Gegenteil, überall, wo es einem die eigene Lebenserfahrung gestattet, ist man bemüht, sich möglichst eng an das zu halten, was man im Krieg mit eigenen Augen gesehen hat." Diese Authentizität macht wohl die besondere Wirkung seiner Bücher aus.
"Zwanzig Tage ohne Krieg" ist eine von drei Novellen, die den Roman "Das sogenannte Privatleben" bilden. Stärker als manch anderes Werk wird dieser Roman von ganz persönlichen Empfindungen getragen. Der Held Lopatin ist, ähnlich wie Sinzow aus der weltbekannten Trilogie "Die Lebenden und die Toten", Militärjournalist. Er verbringt einige Tage in Taschkent, wo er das Drehbuch zu seinen Stalingrader Skizzen überarbeitet. Hier begegnen sich eines Abends fünf Menschen, deren Schicksale auf seltsame Weise miteinander verknüpft sind: Lopatin, seine geschiedene Frau Xenia, ihr neuer Ehemann Jewgeni, Direktor des aus Moskau evakuierten Theaters, Sinaida Antonowna, eine berühmte und von allen verehrte Schauspielerin, und Nike, eine junge Frau, die als Kostümbildnerin tätig ist. Lopatin lernt Nikes aufgeschlossenes, freimütiges und selbstloses Wesen kennen und verliebt sich in sie. Doch bald schon muß er zurück an die Front...

Verlag Neues Leben Berlin und Weimar, 1. Aufl., 1985
bb-Reihe Nr. 550

Boris Wassiljew: Und morgen war Krieg


Boris Wassiljew, Jahrgang 1924, wuchs in der Familie eines Offiziers auf, wo Arbeit, Pflichtbewußtsein und patriotisches Denken über allen materiellen Werten standen. Dies bestimmt die Grundhaltung der Gestalten des Romans, der auf überaus plastische Weise die Atmosphäre jener Jahre einfängt. Ein altes Klassenfoto veranlaßt den Erzähler, von den dramatischen Ereignissen zu berichten, die sich 1940, ein Jahr vor Beginn des Großen Vaterländischen Krieges, in der damaligen 9b zutrugen. Der Vater einer Mitschülerin, ein hoher Funktionär, wird der Unterschlagung beträchtlicher Summen bezichtigt und verhaftet. Seine Tochter Vika soll sich von ihm lossagen, andernfalls droht ihr der Ausschluß aus dem Komsomol. In dieser schwierigen Situation hält die Klasse zu Vika, kann sie aber nicht davor bewahren, daß sie sich das Leben nimmt. Ihr Tod löst eine Kettenreaktion aus und wird zur ersten großen Bewährungsprobe für die jungen Leute. An der Schwelle des Erwachsenseins beginnen sie manche Erscheinungen in der Gesellschaft wahrzunehmen, die im Widerspruch zu ihren von der Schule vermittelten Denkmustern stehen. Sie ahnen, ihr Leben wird künftig nicht so einfach und geradlinig verlaufen, wie sie es sich dachten, doch sie sind voll Zuversicht, bereit, sich für die anderen, für ihr Land einzusetzen und es gegen alle inneren und äußeren Anfechtungen zu verteidigen.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Aufl., 1987
bb-Reihe Nr. 599

Leo Perutz: Sankt-Petri-Schnee

Das Leben des frischgebackenen Doktor Amberg ist bislang nicht gerade aufregend verlaufen, und zunächst scheint es, als ob sich daran nichts ändern soll. Amberg übernimmt eine Landarztpraxis in einem weltabgeschiedenen westfälischen Dorf, das fast immer in Nebel gehüllt ist. Doch schon sehr bald ereignen sich seltsame Dinge in Morwede, und Amberg wird gegen seinen Willen vom Strom des Geschehens fortgerissen.
Da gibt es den selbstherrlichen Baron von Malchin, der aus Enttäuschung über die vermeintliche Geschichtsöde der Gegenwart einer utopischen Mittelaltersehnsucht anhängt und in seinem Dorf ein "Kaisertum von Gottes Gnaden" wiederauferstehen lassen will. Besessen arbeitet er mit seiner ebenso schönen wie kapriziösen Assistentin Bibiche an einem wahnwitzigen Experiment: an der Herstellung des Sankt-Petri-Schnees, einer Droge, die unter den in tiefer Rückständigkeit gehaltenen Dorfbewohnern einen religiösen Massenrausch auslösen soll. Bald tauchen geheimnisvolle Besucher im Gutsschloß auf, angeblich Abkömmlinge alter königlicher Geschlechter, und da ist auch Federico, ein überaus stolzer und eigenwilliger Knabe, der einer Reliefdarstellung des letzten Hohenstaufenkaisers so verwirrend ähnlich sieht. Der Baron von Malchin glaubt sich seinem Ziel, dem Aufbruch der Seelen zu einem "neuen Gottesglauben", ganze nahe, doch das Experiment endet anders als geplant...
Eines Tages erwacht Doktor Amberg mit einer schweren Gehirnverletzung im Krankenhaus und sieht sich einer absurden Situation gegenüber: Er hat plötzlich zwei Vergangenheiten. Sind seine Erinnerungen an Morwede nur Ausgeburten des Fiebers, wie man ihm einreden will? Die Ungewissheit seiner Erinnerungen quält ihn ebenso wie die Gewißheit, daß man seine Erinnerungen retuschieren will.
Auch in diesem Roman erweist sich Leo Perutz als Meister des Traumhaften und Visionären, das den Ausgang bis zuletzt in der Schwebe läßt.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Aufl., 1989
bb-Reihe Nr. 632

Dorothy L. Sayers: Mord braucht Reklame

Dorothy L. Sayers ist eine jener erstaunlichen Frauen, die sich auf dem schwierigen Gebiet der Kriminalliteratur gegen ihre männlichen Kollegen durchaus behauptet haben und zu weltweiter Popularität gelangt sind. An die zwanzig Romane und drei Sammlungen von Kurzgeschichten beweisen die Begabung der Pfarrerstochter und Oxford-Graduierten im Ersinnen überraschender kriminalistischer Verwicklungen. Sie versuchte mit Erfolg, dem Kriminalroman literarisches Niveau zu geben, ohne das Moment der Spannung zu vernachlässigen.
Bei Dorothy L. Sayers geht es gemächlicher, unblutiger und auch erheblich humorvoller zu als bei vielen der jüngeren Vertreter dieses Genres. Spektakuläre Morde sind selten, meist geschieht die verruchte Tat hinter der Szene. Die psychologische Profilierung der beteiligten Personen und die präzise Umweltschilderung erhöhen noch das Vergnügen des Lesers an der kunstvollen Schürzung und Lösung des kriminalistischen Knotens. Lord Peter Wimsey, ein sympathischer, leicht snobistischer Amateurdetektiv, die Zentralgestalt aller Sayers-Romane, betreibt die Aufklärung von Verbrechen teils aus Lust und Langeweile, vor allem jedoch in dem Bestreben, der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Da seine Auffassung von Gerechtigkeit nicht unbedingt mit der bürgerlichen Gesetzlichkeit übereinstimmt, gibt er dem schuldig Gewordenen häufig Gelegenheit, sich selbst zu richten und auf diese Weise seine Vergehen zu sühnen.
"Mord braucht Reklame" gehört zu den nicht allzu zahlreichen Klassikern unter den Krimis. Die Handlung ist in einem Milieu angesiedelt, das der Autorin aus langjähriger Erfahrung wohlbekannt ist: in einer Londoner Reklameagentur. In den nüchternen Büroräumen der Firma Pym geschehen mysteriöse Dinge, die Peter Wimsey nur unter Aufbietung all seines Scharfsinns zu erhellen vermag - tatkräftig unterstützt durch Chefinspektor Parker von Scotland Yard, der dem unkonventionell vorgehenden Lord die notwendige Rückendeckung gibt. Vom Verbrechen gereinigt, kann sich Pyms Werbedienst wieder mit voller Kraft der Aufgabe widmen, den Umsatz von Nutrax-Nervennahrung, Klassika-Korsetts und Whifflet-Zigaretten zu steigern, im Zeichen der unerbittlichen Devise: "Macht Reklame - oder macht Bankrott!"

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1972
bb Nr. 241