02 September 2020

Dorothea Renata Budniok: Aber die Steine schweigen nicht…

Eigentlich wurde das Ganze durch das kleine Landschaftsbild des van der Neer in Gang gesetzt, das der Restaurator Lefèvre beim Pfarrer von Bois-de-Pierre erblickte. Den Pfarrer findet man am Tag nach dem Besuch Lefèvres tot in einem Stollen, in dem er von herabstürzendem Gestein erschlagen worden ist. Was suchte er in dem Stollen, der auf sein Geheiß freigelegt wurde?

Lefèvre entdeckt bei seinem Kondolenzbesuch im Pfarrhaus, daß der van der Neer vertauscht worden ist. Am Tage nach der Beisetzung des Pfarrers findet man die Kunsthändlerin Arlette ermordet in ihrer Wohnung auf. Sie hatte am Abend zuvor dringend um den Besuch Lefèvres ersucht.

Besteht zwischen den beiden Ereignissen ein unmittelbarer Zusammenhang? Was hat der van der Neer mit dem Tod der beiden Dorfbewohner zu tun? Welche Bedeutung hat überhaupt der Stollen, in dem der Pfarrer tödlich verunglückte? Welche Rolle spielen die Gartenzwerge des Chauffeurs vom Rechtsanwalt? Die untersuchenden Kriminalisten sehen sich mit diesen und anderen rätselhaft anmutenden Fragen konfrontiert. In mühevoller Kleinarbeit wird das Netz der Intrige zerrissen, werden die Täter ermittelt und die Zusammenhänge aufgedeckt.

Der interessante und spannende Kriminalroman von D. R. Budniok vermittelt ein Bild vom Leben in der Bretagne.

Mitteldeutscher Verlag Halle-Leipzig
DDR 5,- M

 

Horst Bastian: Die Moral der Banditen

 


Sie schlagen zu, und sie stehlen. Sie werden getreten und treten zurück. Sie üben Gerechtigkeit auf ihre Weise. Keiner der Jungen ist älter als 14 – manch einer hat noch ein Elternhaus, aber Stiefkinder des Lebens sind sie alle.

Deutschland 1945



Horst Bastian erzählt die Geschichte von Druga und Albert, ihrer Freundschaft und ihrem Kampf gegeneinander. Es gibt nichts Gegensätzlicheres als diese beiden Jungen, aber zusammen sind sie unbesiegbar und stark.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1987


1. Auflage 1964
2. Auflage 1965
3. Auflage 1966
4. Auflage 1967
5. Auflage 1968
6. Auflage 1970
7. Auflage 1971
8. Auflage 1975
9. Auflage 1976
10. Auflage 1978
11. Auflage 1981
12. Auflage 1984
13. Auflage 1987

• 1. bis 12. Auflage - illustreirt von Kurt Klamann

• 13. Auflage - illustreirt von Thomas Schleusing

Die 2009 bei LeiV, Leipzig erschienene Ausgabe mit Illustrationen von Kurt Klamann [wie 1.-4. Auflage Kinderbuchverlag]

Ulrich Völkel: Adler mit gebrochenem Flügel



Nach seinem erfolgreichen Theodor-Körner-Roman „Mit Leier und Schwert“ schildert Ulrich Völkel das wechselvolle Schicksal Ernst Moritz Arndts, der ebenfalls während des Befreiungskrieges den Höhepunkt seiner Laufbahn erlebte. Die Handlung beginnt mit der Flucht Arndts nach Petersburg im Jahre 1812, wo er Privatsekretär des Freiherrn vom Stein wird und von da an durch seine aufrüttelnden, anfeuernden Flugschriften eine bedeutende Rolle im Kampf gegen Napoleon spielt. Der Roman, in dem das Glück und das Leid eines aufrechten Mannes überzeugend dargestellt ist, endet in der Restaurationszeit, wo der nun unliebsam gewordene Bonner Professor als Demagoge verfolgt wird.

Verlag der Nation, 1987

Wilhelm Strube: Knallsilber



Die Erzählung über Justus von Liebig folgt dem Lebensweg und Lebenswerk des großen deutschen Chemikers. Alle Zeugnisse sind seinen Büchern, Aufzeichnungen, Briefen und denen seiner Zeitgenossen und Biographen entnommen. Seine Erlebnisse und Gedanken, seine Worte und Handlungen wurden den Quellen getreu nachgestaltet.

Der Kinderbuchverlag Berlin, 1965
Illustriert von Karl-Heinz Birkner

Klaus Frühauf: Das verhängnisvolle Experiment



Das ist der erste Einsatz für Peter Mankov nach dem Absturz über Orechowka und dem qualvoll langen Genesungsprozeß: die Leitung einer Expedition zum fernen Planeten Procyon 4, wo ein Raumschiff verschollen ist. Mankov hat diesen Auftrag nicht gern übernommen, denn an Bord befinden sich auch Professor Haston und zwei seiner Geschöpfe. Diese Hastoniden mit den mächtigen künstlichen Körpern, die außerordentlich widerstandsfähig sind und angeblich sogar einen Atomschlag überleben würden, erregen sein Mißtrauen, und er glaubt manchmal, solche Wesen können etwas mit dem Verschwinden der vorigen Expedition zu tun haben.
Maara Doy, die junge Assistentin des Professors, scheint seine Bedenken zu teilen. Sie steht zu Mankov, als sich auf Procyon 4 die Lage zuspitzt und sich nach hartem, verlustreichem Kampf das Rätsel um die verschollenen, um das Verhalten der Hastoniden und um die geheimnisvollen Bewohner des Planeten löst.

Verlag Neues Leben Berlin, 1984
Spannend erzählt

Hans Christian Andersen: Nur ein Spielmann



Eigenes Erleben des Märchendichters Hans Christian Andersen steht hinter diesem Roman um einen musikalisch begabten Jungen, der von seinen Mitmenschen verständnislos im Leben umhergestoßen wird. Christian, der Sohn eines armen Schneiders, sucht tapfer nach einem Boden, auf dem er sein Lebensziel, einst ein berühmter Geiger zu werden, verwirklichen kann. Aber er muß bittere Enttäuschungen erleben. Naomi, das Mädchen, das er seit seiner Kindheit liebt, flieht aus der Enge ihrer Umgebung und zieht mit einer wandernden Kunstreitertruppe in die Welt. Christian kommt nach vielen Irrwegen bis Kopenhagen, in der Hoffnung, sich hier künstlerisch weiterbilden zu können. Aber niemand hilft ihm, sein Talent zur Entfaltung zu bringen. So kehrt er in die Provinz zurück, wo er einsam stirbt.

Die lebendige Handlung, in die bunte Abenteuerlichkeit und Sehnsucht nach fernen Ländern hineinspielt, wird bestimmt von der Liebe des Dichters zu den einfachen Menschen aus dem dänischen Volk.

Henschelverlag Berlin 1958
Herausgegeben von Klaus Tudyka
Titel der Originalausgabe:; Kun en Spillemand

Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger



"Das Herz ist ein einsamer Jäger" - melancholischer Titel eines zwar gefühlvollen, aber keineswegs sentimentalen Romans. Was bei einem anderen Schriftsteller ins Überschwengliche abgeglitten wäre, das wird durch Carson McCullers' gebändigte Virtuosität zur poetischen Bestandsaufnahme einer von inneren Widersprüchen zerrissenen Welt. Mit den Mitteln eines mit lyrischen Tönen durchsetzten Realismus zeigt sie menschliche Schicksale in einer durchschnittlichen Kleinstadt in Georgia, in den Hinterhöfen, Cafés, Rummelplätzen und Elendsquartieren. "Die größten Gebäude waren die Fabriken, in denen ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung beschäftigt war. Es waren gutgehende, reiche Baumwollspinnereien, aber die meisten Arbeiter der Stadt waren sehr arm. Auf der Straße begegnete man oft Gesichtern, aus denen die Verzweiflung des Hungers und der Einsamkeit sprach." Dies ist der Hintergrund für eine Ballade von den Geschundenen, in deren Mittelpunkt die Beziehungen einiger Menschen zueinander und zu ihrer Umwelt stehen. Der Taubstumme John Singer repräsentiert symbolisch das, was in den amerikanischen Südstaaten völlig geschwunden zu sein scheint: Herzenswärme und Mitgefühl. Ihm berichten die Halbwüchsige Mick Kelly, der sich im Zorn über soziales Unrecht zerfleischende Anarchist Jake Blount, der täppische, hilfsbereite Kneipenwirt Bill Brannon und der aufrechte Negerarzt Dr. Copeland ihre Sorgen und Nöte. Es liegt eine gewisse Ironie in der Tatsache, daß der Taubstumme seine Freunde versteht und daß er, der von Natur aus Kommunikationsschwierigkeiten hat, nicht abgestumpft ist. Bei ihm finden die anderen Verständnis und Freundschaft, obwohl ihr Verhältnis untereinander von Mißtrauen, Angst, ja zuweilen Haß gezeichnet ist. In einer Welt des kalten Geschäftsgeistes, des Rassenterrors oder der stillschweigenden Unverschämtheit weißer Polizisten und Gefängnisaufseher haben Copeland und Blount erkannt, daß etwas unternommen werden muß. Doch die Kluft zwischen ihnen ist nicht unüberbrückbar, da sie sich über die Methoden des Kampfes nicht einigen können. Bei anderen Gestalten des Romans stehen private, psychologische Probleme im Vordergrund, Copeland aber setzt sich ebenso beredt wie unerbittlich für die Emanzipation der Neger ein, die er mobilisieren und zu einem Marsch nach Washington aufrufen will. Was er über die faschistischen Verbrechen in Deutschland erfährt, erkennt er als Parallele zur jahrhundertelangen Verfolgung der amerikanischen Neger durch die Weißen. Nach dem verzweifelten Selbstmord Singers bricht der Freundeskreis auseinander: Alter und Krankheit zwingen den Negerarzt, die erzieherische Arbeit aufzugeben, Blount vagabundiert durchs Land, Brannon vergißt seine Liebe zu Mick Kelly, die mit ihren Pubertätsproblemen allein fertig werden muß...

Verlag Volk und Welt Berlin, 1. Auflage 1968
Aus dem Amerikanischen von Susanna Rademacher
Schutzumschlag: Heidrun Hegewald