04 August 2021

Elfriede Brüning: Und außerdem ist Sommer

 


Da sind Trude Klein, genannt Snups, und das Boot "Pix". Wie ein Filzschuh sieht es aus, findet der Doktor. Und da sind Trudes Freunde, Hans, Ellen und die anderen. Bisher fuhr man gemeinsam zum Wochenende über die Seen und durch die Wälder rings um Berlin. Aber in diesem Sommer fährt Trude mit dem soviel älteren Komponisten und Musikschriftsteller hinaus in die wundervolle Landschaft, und beide erleben sie auf eine ganz neue Weise. Und da ist noch das Mädchen "La brune", das dem Doktor seltsame und rätselhafte Briefe schreibt - und schließlich auch Mogli, Trudes Bruder, ein richtiger Berliner Junge, der mit einem Freund an die Ostsee trampt. Junge Menschen aus der Großstadt erleben das Glück echter Gemeinsamkeit und gewinnen aus ihm neue Kraft für die Aufgaben die der Alltag ihnen stellt.

Elfriede Brülings literarischer Erstling, 1934 geschrieben, ist auch heute noch eine liebenswerte Lektüre.

VEB Hinstorff Verlag Rostock, 5. Auflage 1980
Illustrationen: Ursula Wendorff-Weidt

Klaus Gerisch: Das Jahr und Katrin


 Der Beschluß damals war einstimmig: Michael Haller, das Mathe-As, wird wegen mangelnder Reife nicht zum Abitur zugelassen. Sie hatten alle die Hand gehoben wie Rugby-Schäfer, sogar Katrin. Wer sollte auch verstehen, daß einer, auf den man rechnete, quer schoß, weil er nicht immer und überall allein der Sohn berühmter Eltern sein wollte. Direktor Steinbrenner aber sagte, als sie sich an der Kreuzung trennten: Auf Wiedersehen - in einem Jahr! Und nun, vor dem Schulzaun, wird ihm der Weg ins Direktorzimmer lang: Was zählt vor Steinbrenner? Was bleibt von diesen zwölf Monaten? Er wird erzählen von Richard Milde und der Tankstelle und auch von Hannes Autofimmel, von der Fahrt um die Sekunde mit dem Soldaten, aber vor allem von der Schneise, die sie für den Bagger durch den Wald schlugen, von der Brille, die zwei Männer überlebt hatte, und von jenem Heinrich Fromm, der das Beil warf wie ein Artist das Messer, links und rechts vom Kopf. Und immer wieder von Katrin, die ihn seit dem Augenblick, da er dem Mercedes-Fahrer das Benzin abdrehte, nicht verließ, bis sie am Ende Katrinchen wurde.

VEB Hinstorff Verlag

Edith Anderson: Leckerbissen für Dr. Faustus - Erzählungen

Ein Toter, der aus dem Grabe steigt, um seine leidenschaftliche Witwe zu trösten... Eine Vierzigerin, der die Liebe zu schaffen macht... Ein Eisenbahner, der Maler wird... Ein modernes Mädchen, das gegen seine Überzeugung heiratet... Ein kurioser Engel, der aus dem himmlischen Diplomatendienst entfernt wird... Eine entnazifizierte Intellektuelle, die weiterhin Scheuklappen trägt... Eine Familienmutter in einer Kleinstadtkneipe, die von einer Eisenbahnerlaterne träumt... Eine schrullige Amerikanerin, die den französischen Zoll fürchtet... Ein hartnäckiger Verehrer, der seine Dame in einem Pariser Lokal sitzenläßt... Alle diese Menschen sind seltsam und doch alltäglich. Mit psychologischem Feingefühl, mit Humor und Ironie zeichnet die in Berlin lebende Amerikanerin Edith Anderson in diesen zehn Erzählungen Stationen des Zusichfindens, Phasen der Veränderung und der Erkenntnis in unserer Zeit.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1966

03 August 2021

Fritz Hofmann (Hg.): Mensch auf der Grenze - Fünfundzwanzig Erzählungen aus dem antifaschistischen Exil


 Der Band vereinigt fünfundzwanzig Erzählungen deutschsprachiger Autoren, entstanden zu einer Zeit, in der unter dem Nazi-Regime in Deutschland jedes freie Wort erstickt wurde und die Schriftsteller als Flüchtlinge in fremden Ländern Zuflucht suchten, um von dort aus für das andere, das bessere Deutschland zu zeugen. Die Autoren sind: Ulrich Becher, Oskar Maria Graf, Fritz Erpenbeck, Wolfgang Langhoff, Rudolf Leonhard, Eduard Claudius, Alfred Polgar, Anna Seghers, Hermann Kesten, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig, Günther Anders, Ernst Weiß, Joseph Roth, Hermann Broch, Johannes Wüsten, Bertolt Brecht, F. C. Weiskopf, Egon Erwin Kisch, Franz Werfel, Willi Bredel, Theodor Plievier, Friedrich Wolf.

Grafiken ebenfalls vertriebener Künstler - wie Max Beckmann, Lea Grundig, John Heartfield, Paul Klee, Max Lingner, Heinrich Vogeler - ergänzen den Band.

Verlag der Nation 1981

Gerhard Rothbauer (Hg.): Weltende - 33 Erzählungen von der Jahrhundertwende bis zum Beginn der faschistischen Diktatur


 Die Auswahl bringt dreiunddreißig zwischen 1900 und 1933 geschriebene Erzählungen bürgerlich-humanistischer Schriftsteller, Geschichten, die beispielhaft sind für die künstlerischen Eigenarten ihrer Autoren, aber zugleich auch charakteristisch für die Zeit, in der sie entstanden und von der in oft düsterer Vorahnung dessen erzählt wird, was 1933 zur schrecklichen Gewißheit werden sollte. Die Autoren des Bandes sind: Rainer Maria Rilke, Eduard von Keyserling, Joseph Roth, Thomas Mann, Arthur Schnitzler, Arnold Zweig, Robert Walser Hermann ungar, Carl Sternheim, Alfred Döblin, Franz Kafka, Alfred Lemm, Franz Werfel, Gustav Sack, Leonhard Frank, Arnold Ulitz, Carl Zuckmayer, Oskar Maria Graf, Otto Flake, Bruno Frank, Stefan Zweig, Heinrich Mann, Ödön von Horváth, Robert Musil, Marieluise Fleißer, Alfred Neumann, Bertolt Brecht, Elisabeth Hauptmann, Ulrich Becher, Erich Kästner, Hermann Hesse, Hermann Broch und Anna Seghers.

Zahlreiche Grafiken zeitgenössischer Künstler - unter ihnen Kubin, Dix, Nerlinger, Kollwitz, Barlach, Baluschek, Grosz, Heckel, Schmidt-Rottluff, Felixmüller - ergänzen die Texte.

Verlag der Nation Berlin, 3. Auflage 1984

Hartmut Herboth, Jordan Popow (Hg.): Landschaft mit Hund - Bulgarische humoristische Erzählungen

 


Buchbeginn

Stanislaw Stratiew
Landschaft mit Hund

Eines schönen Abends besuchte uns unser Wohltäter Petrow. Er faßte in die Innentasche seiner Jacke und brachte von dort einen Hund zum Vorschein.
Das Tier war nicht größer als ein Tennisball und ebenso weiß. Petrow setzte es auf den Tisch, wo es sogleich den Blick senkte und schüchtern so sitzen blieb, als sei es gekommen, sich zu verloben.
Petrow aber verkündete: "Das ist er. Ein Prachtexemplar."
Wir starrten das weiße Etwas an.
"Ein braver Hund", sagte ich unsicher. "Und was hast du mit ihm vor?"
"Wieso?" erwiderte Petrow. "Er gehört dir. Ich schenke ihn euch."...

Eulenspiegel Verlag Berlin, 1. Auflage 1985
Übersetzt von Hartmut Herboth
Illustrationen: Milen Radev

Emil Koraloff: Perunika

Wer ist Perunika, dieses rätselhafte Mädchen? Eines Tages taucht sie in Sofia auf und findet bei dem Lehrer Draganow eine Anstellung und ein Zuhause. Sie ist bildschön, aber sie tut alles, um ihren Charme zu verbergen. Ihre Augen schauen ernst, sie künden von Geheimnissen, die auf Perunika lasten. Warum verbirgt sie ihre Vergangenheit, ihre Herkunft? Und mehr noch: Sie scheint ein Doppelleben zu führen. Vormittags arbeitet sie bei den Draganows, nachmittags betreut sie irgendwo "ihre Tante". Wer mag diese Tante sein? Der Student Ljudmil Draganow, der dem Zauber dieses Mädchens erliegt, folgt eines Tages ihrer Spur, um das Geheimnis zu lösen. Rätsel über Rätsel. Schlaglichtartig erhellt sich dann die tragische Verstrickung einer jungen Frau, die ihre bitteren Lebenserfahrungen überwindet und am Ende ihrer Vergangenheit einen neuen, sinnvollen Anfang findet.

Dem Autor ist hier eine der reizvollsten Frauengestalten der neueren bulgarischen Literatur gelungen. Eine sozialistische Novelle aus unseren Tagen. Eine Liebesgeschichte, zwei Generationen mit ihrem verfehlten und mit ihrem gewonnenen Glück umschließend.


Buchbeginn

Am steil abfallenden Ufer des Kanals standen zwei Frauen. Zu ihren Füßen schoß das Wasser dahin, als habe man ihm den Weg durch die Stadt eben erst freigegeben. Der Tag ging zu Ende, und das milde, rosige Licht des Himmels ließ die Umrisse der sechsstöckigen Gebäude längs der Boulevards weicher erscheinen; die hohen Häuserwände wirkten weniger kompakt und boten mit den blühenden Topfblumen auf den Balkons und in den Fenstern einen freundlichen Anblick.

Verlag der Nation Berlin 1968
Roman für alle, Band 179
Aus dem Bulgarischen von Hartmut Herboth
Einband und Titelvignette: Ingrid Schuppan