08 März 2022

Renate Florstedt: Kochen

Viele Rezepte für Vorspeisen, Suppen, Fleisch und Geflügel, Wildbred und Wildgeflügel, Fischgerichte, Soßen, Gemüse, Beilagen, Salate, Nachspeisen, Eintöpfe, Eierspeisen, Quark- und Käsespeisen, Aufläufe, Kuchen, Torten, Kleingebäck, Getränke, internationale Gerichte, aber auch Tipps zur Gästebewirtung, zum Haltbarmachen und über Gewürze.


Verlag für die Frau, Leipzig, 1979 (7. Auflage, 1984)

Rezeptteil: Karla Szabó

 

07 März 2022

Lion Feuchtwanger: Die Geschwister Oppermann

In der Nacht zum 1. März 1933, vierundzwanzig Stunden nach dem Reichstagsbrand, verläßt Dr. Gustav Oppermann auf dringenden Rat eines Freundes sein Vaterland. Der Seniorchef des Berliner Möbelhauses in der Gertraudtenstraße ist mit sich unzufrieden. War seine Flucht ins Ungewisse überlegt? Sollte man die Drohungen der Nazis ernst nehmen? Gewiß, seit Hindenburg ihren Führer zum Reichskanzler ernannt hatte, gab es auch im Kreise der Geschwister besorgte Mienen. Doch was sollte ihm, der sich nie um politische Dinge kümmerte, schon geschehen?

Der einsame Mann in der Schweiz, der diesen Gedanken nachhängt, wird durch Nachrichten aus der Heimat wachgerüttelt: In der gleichen Nacht, in der er Berlin verließ, ging sein Neffe, der siebzehnjährige Gymnasiast Berthold Oppermann, in den Tod. Edgar, der jüngste Bruder, der bekannte Chirurg, wurde von SA-Leuten aus der Klinik gejagt. Martin, Bertholds Vater, ist verhaftet.

Da begreift der unsichere, unschlüssige Dr. Oppermann, daß etwas getan werden muß. Illegal kehrt er nach Deutschland zurück; doch sein hoffnungsloser Versuch endet im Konzentrationslager Moosach, aus dem Freunde nur noch einen Sterbenden retten können.

Aufbau-Verlag Berlin 1957

 

Gustavo A. Sánchez Salazar, Elisabeth Reimann: Barbie in Bolivien

Spektakuläres Handeln einer mutigen Frau – Die geplante Entführung findet nicht statt – Kumpan und Berater von Waffenhändlern und Diktatoren – Ein kalter Zyniker in Frankreich und Bolivien in Aktion – Im Schutz und im Dienst der CIA – Flucht auf der Rattenroute – Der Verbrecher endlich dem Gericht zugeführt.

Verlag der Nation Berlin 1989

 

Achim Elias: Eine Brücke für den Querkopp

Der Junge Timm, Schüler der fünften Klasse, ist ein Einzelgänger. Ein Hund, schwarz, stark und ein bißchen gefährlich, soll ihm Respekt bei den älteren Jungen seines Heimatdorfes verschaffen. Dieser Hund aber wird von dem alten Bauern Haferkorn, der allein und verbittert jenseits des Fließes lebt, schwerverletzt aufgefunden und gepflegt.
Die gemeinsame Sorge um das kranke Tier schafft eine Verbindung zwischen dem alten Mann und dem Jungen. So entsteht bei Timm das Bedürfnis, dem alten „Querkopp“ eine Brücke zu bauen. Eine wirkliche Brücke über das Fließ, die die Verbindung zum Dorf erleichtern soll und somit auch eine Brücke im übertragenen Sinn sein könnte, die beide aus ihrer Isolierung befreit.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1987
Illustrationen: Christiane Knorr

 

06 März 2022

Eike Middell: Thomas Mann

Thomas Mann (1875-1955) hat im Alter einmal gemeint, an Ideen für neue Werke fehle es ihm nicht, würde er auch 120, schade um vieles, was er nicht mehr schriebe. Denn wer könne es sonst. So umspannt das Werk dieses "raunenden Beschwörers des Imperfekts" am Ende weite Zeitläufe: von der biblischen Frühe der Geschichten um Jaakob und Joseph bis zur bürgerlichen Spätzeit eines modernen Doktor Faustus. Thomas Mann empfand sich als Repräsentant. Manchen erschien er als kühner Ironiker. Sein Leben und Werk beweisen anderes. Der Kapellmeisterfreund Bruno Walter schrieb: "Nie habe ich aus der ruhigen Ironie, der Toleranz in Ton und Gesinnung seiner frühen Werke auf Kühle oder Lebensferne geschlossen. Sie gehörten für mich zu dem künstlerischen Stil, in den sich herzenswarmer Anteil, Allverständnis und Mitleid schamhaft eingekleidet hatten."
Und Johannes R. Becher würdigte ihn: "Der deutsche Dichter unseres Jahrhunderts sind Sie vor allem darum, weil in Ihrem Werk die klassische Tradition bewahrt ist in einem schöpferischen Sinn. Sie haben das humanistische Prinzip vertieft und bereichert, sie haben dem schon Errungenen neue Errungenschaften hinzugefügt."

Reclams Universal-Bibliothek Band 268, 4. Auflage

Anna Seghers: Transit

Anna Seghers (geb. 1900) schildert in "Transit" (1943) "die Situation der politischen Flüchtlinge, die in Marseille auf ein Schiff warten, um vor den vorrückenden Hitlerarmeen und ihrem SS-Gefolge weiter zu fliehen. Damit Europa sie aus seinen Fängen entläßt, brauchen sie Papiere, ein Visum, ein Transitvisum, einen Behördenstempel, noch einen Behördenstempel, und wenn sie das letzte Papier haben, ist das erste abgelaufen. Sie stehen in den Konsulaten, sie stehen in den Reisebüros, sie wandern in den Straßen, sie warten in den Kaffeehäusern: ganz Marseille ein Dschungel der Bürokratie.
Das Merkwürdige an dem nun ist seine Verwandtschaft mit der erzählerischen Alpdruckwelt Franz Kafkas. Aber merkwürdiger als die Verwandtschaft ist der Unterschied. Kafka unterliegt einem Traumzwang, in welchem er eine Welt, die er in Frage stellt, mit vergeblichen Fragen bestürmt. Anna Seghers unterliegt einem Wirklichkeitszwang, in welchem sie die Frage nach einer sozialen Situation stellt, die den Sinn  menschlicher Institutionen zum Unsinn verkehrt..." (gekürzt) - Paul Rilla

Reclams Universal-Bibliothek Band 198, 1. Auflage


Anna Seghers begann diesen Roman, als sie selbst, 1940, in Marseille um ihre Ausreisepapiere kämpfte. Sie wurde Augenzeuge jener verzweifelten Panik, von der die Hafenstadt im unbesetzten Frankreich erfüllt war. Das Marseille ihres Buches hat das Gesicht dieser Zeit: ein brodelnder Kessel voller Hektik, Gerüchte, Hoffnungen und Angst. Zu Tausenden treffen sie ein, Menschen auf der Flucht vor den deutschen Faschisten, Verfolgte aus allen Ländern Europas. Sie hetzen nach Visen, Stempeln, Bescheinigungen, ohne die sie den Kontinent nicht verlassen können. Alle haben nur einen Wunsch: abzufahren, nur eine Furcht: zurückzubleiben. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Das erste Papier kann verfallen sein, wenn das letzte genehmigt wird. Ein unberechenbarer, gnadenloser Mechanismus.
Der Sog des Abreisefiebers macht auch Beobachter zu Beteiligten. Plötzlich steht jener deutsche Flüchtling, der mit der Hinterlassenschaft eines toten Schriftstellers ankam, ebenfalls unter den Wartenden vor den Konsulaten. Auf der Jagd von Behörde zu Behörde kreuzt er wieder ihre Wege, und er trifft sie in den Cafés und Kneipen, in den überfüllten Hotels, in den Straßen der Stadt. Gesichter werden ihm vertraut, Schicksale bekannt. Für kurze Zeit sind fremde Leben durch Hoffnungen, Leidenschaften, Wünsche miteinander verknüpft. Der Zufall trennt sie wieder, oder: der Entschluß zu bleiben, Widerstand zu bieten.

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1985
bb


Erik Neutsch: Zwei leere Stühle – Novelle

Zwei Stühle bleiben leer bei einem Absolvententreffen: Uwe Tolls und Wolfgang Lichterfeld sind nicht erschienen. Der Ich-Erzähler, Direktor der Schule, geht den Lebensläufen seiner ehemaligen Schüler nach, fragt sich und andere, was mit ihnen geschehen ist, dem hochbegabten Lichterfeld, dem Klassenbesten, der Medizin studierte, und dem schwarzen Schaf der Klasse, Uwe Tolls, der überraschenderweise Offizier unserer Armee wurde. Aber die Fragen des Erzählers zielen über die Schicksale seiner Helden hinaus. Sie bewegen sich um das Problem der Erziehung als gesellschaftliche Aufgabe. Wie erziehen wir junge Menschen in der Schule? Lassen wir sie nach Zensuren jagen, wie beantworten wir ihre manchmal unbequemen Fragen? Erik Neutsch provoziert wie oft in seinen literarischen Arbeiten das schöpferisch-kritische Mitdenken, die Diskussion um erregende Fragen unseres Lebens.

Mitteldeutscher Verlag Halle – Leipzig, 1979
Kleine Edition