03 Februar 2023

August Strindberg: Schwedische Schicksale und Abenteuer

"Wenn du reich wirst, dann kannst du es dir leisten, ehrenhaft zu sein!" sagt die Mutter des Kannegießers Bosse. Aber sind denn die Kirche und die Lehnsherren nicht reich? Doch wer dort um Hilfe bittet, der bekommt Steine statt Brot, und manchem Bedrängten bleibt als letzte Waffe nur die Flucht.
Die Flucht vor der Wirklichkeit aber ist kein Ausweg. Das erfährt der Maler Giacomo, der das Schöne anbetet und dessen Vergänglichkeit erkennen muß. Doch wer da wie Botvid, der Mönch, das Leben als Last empfindet oder es gar fortwirft wie der verarmte Sten Ulvfot, der bleibt ein trauriger Außenseiter. Denn wo Beschützer keinen Schutz gewähren, wo Gesetz nicht länger Recht ist, da gilt allein die "Kannegießerweisheit": zusammenhalten und sich selbst sein Recht nehmen.
Das 16. und 17. Jahrhundert bildet den Hintergrund für die von August Strindberg gestalteten "Schwedischen Schicksale".
Ein detailfreudiges Zeitgemälde, in dem dieser ingeniöse Erzähler eine von Antagonismen geprägte soziale Welt als Sphäre menschlicher Bewährung darstellt.
VEB Hinstorff Verlag
1. Auflage 1968
Schutzumschlaggestaltung: Eberhard Binder-Staßfurt

02 Februar 2023

Hermann Kant: Schöne Elise

Hermann Kant (geb. 1926), der auch in seinen Romanen eine Fülle treffender Geschichten erzählt, hat vor, neben und zwischen den epischen Hauptwerken immer Geschichten geschrieben, wie sie in den Bänden "Ein bißchen Südsee", "Eine Übertretung" und "Der dritte Nagel" versammelt wurden. Zwölf von ihnen vereint die vorliegende Auswahl.
Nach altem Brauch der Humoristen und Volkserzähler und nach neuem Brauch der selbstreflexiven Autoren berichtet Kant voller Um- und Abschweife, und doch höchst bedachtsam; eine "disziplinierte Ausschweifung" nennt er die Kunst. "Anstatt hier aufs Papier zu setzen, was der Kern der Sache war, liefere ich Kerngehäuse und Fruchtfleisch und Haut und Stiel und womöglich den ganzen Baum dazu", sagt der Ich-Erzähler der Novelle von der "Schönen Elise", die, wie manche der anderen Texte, beinahe eine Kriminal- oder Liebeserzählung oder eine Legende geworden wäre. So findet sich in den Geschichten, Schicht um Schicht, Zeitgeschichte unseres Jahrhunderts transparent gemacht, aus der Sicht von Betroffenen und Mitwirkenden wie des betroffenen und mitwirkenden Erzählers.


Philip Reclam jun.
1. Auflage 1981
2. Auflage 1989
Reclams Universal-Bibliothek Band 996
 

Willy Seyffert: Schnittblumen aus dem Garten

Wer Schnittblumen selbst heranziehen will, um sein Heim und den Arbeitsplatz zu schmücken und Sträuße zu verschenken, findet in diesem Buch nicht nur die Anzucht besonders geeigneter Sommerblumen, Stauden und Blütengehölze beschrieben, sondern auch Hinweise zu Anzucht von Immortellen, Ziergräsern und Schnittgrün. Ferner werden Maßnahmen und Mittel behandelt, die der Verlängerung der Lebensdauer von Schnittblumen in der Vase dienen.

Die vielfältigen Anregungen, Blumen für den Schnitt auszuwählen und selbst heranzuziehen, werden durch Hinweise zu ihrer ästhetischen Verwendung in Wohn- und Arbeitsräumen ergänzt.

 

Günter Karau: Schülerliebe

Mit Bertram will keiner zusammenarbeiten. Marlene erklärt sich schließlich bereit, denn sie ahnt nicht, warum er ihr schon seit langem aus dem Weg geht.


Verlag Neues Leben Berlin 1972


 

01 Februar 2023

Alun Richards: Schneewittchen und der Klempner

In den elf Short Storys dieses Bandes stellt uns Alun Richards Menschen aus den Tälern zwischen Merthyr Tydfil, Rhondda und Cardiff im Süden von Wales vor - selbstbewußte Frauen mit losem Mundwerk, Männer, deren zweite Religion Rugby ist, scheinbar sittsame Beamte, Mitglieder eines auf Etikette bedachten Klubs und auch an Heimweh leidende Waliser, die es nach London oder gar auf den Kontinent verschlagen hat. Obwohl sie gerne ihren Individualismus hervorkehren, haben sie gemeinsame Eigenschaften, die Alun Richards treffend den "walisischen Bazillus" nennt: keltisches Traditionsbewußtsein, trotzige Frechheit und strenge Gottesfurcht. Voller Sympathie für die kleinen Leute aus der Dan y Graig Street, hat der Autor für die bourgeoisen Karrieristen nur beißenden Spott übrig.
Wie er zugleich mit liebevollem Verständnis für die Schwächen der Waliser und ironisch distanziert das Komische mit dem Tragischen zu verbinden versteht, ohne dabei sentimental zu werden, ist nicht nur aufschlußreich, sondern auch unterhaltsam zu lesen.

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1984
 

Eric Ambler: Schmutzige Geschichte

Das ist die Geschichte, in die Arthur Abdel Simpson gerät, Sohn einer Ägypterin und eines englischen Offiziers, vorbestraft, aus nicht wenigen Ländern ausgewiesen und immer in Geldnöten
Aus Griechenland abgeschoben, wird er von einer zwielichtigen Gesellschaft angeworben und nach Zentralafrika gebracht. Als Söldner nimmt er dort teil an einem Krieg zwischen zwei rivalisierenden Stämmen, der in Wirklichkeit der Machtkampf zweier Konzerne um "Seltene Erden" ist. Das hat sich der kleine Gauner denn doch nicht vorgestellt, daß er seine Haut für eine Kapitalgesellschaft zu Markte tragen soll. Doch ehe er die Fronten wechseln kann, haben sich die Finanzgruppen durch einen Kompromiß über die gemeinsame Nutzung der Bodenschätze geeinigt. Der Krieg ist beendet, und die sich eben noch bekämpfenden Söldner feiern ihr "Siegesfest". Simpson gelingt es dabei, sich auf seine Weise in ein neues vielversprechendes Geschäft zurückzuziehen.
In diesem Roman spiegelt sich nicht nur das eigene schäbige Leben des Arthur Abdel Simpson, die eigentliche "Schmutzige Geschichte" sind die Machenschaften kapitalistischer Konzerne in ihrem Profit- und Machtstreben.
Eric Amblers Roman ist eine großartige Gesellschaftssatire, vergleichbar mit den Büchern seines Landsmannes Graham Greene.

Eulenspiegel Verlag, Berlin
1. Auflage 1970
Aus dem Englischen: Günter Eichel
 

Gotthold Gloger: Das Aschaffenburger Kartenspiel

Kann man mit der Liebe leichtsinnig Karten spielen? Bestimmt rächt sich Frau Venus auf der Stelle, so wie sie auch den flatterhaften Journalisten Thomas Klawitter aus dem mainfränkischen Aschaffenburg auf das empfindlichste bestraft hat, mit dem dann Kupido hinterher seinen Grand spielte. Einen ohne vieren, ohne das liebe Lenchen, die Putzmacherin, ohne Benno, den Fußballer, Frau Porzig, die Hebamme und die Baronin von Ottersleben als Heringsverkäuferin.
Dieser Zeitungsschreiber wird schuldig, als er gleichzeitig mit Wanda und mit Brigitte ein Verhältnis anfängt.
Auch hier bewahrheitet sich der schöne Spruch:
"Wer allen will gefallen,
kriegt keine von den allen."
Recht geschieht diesem Verführer, der sich nicht scheut, die ahnungsvollen Stimmungen adretter junger Mädchen für seine ehrgeizigen Zwecke zu mißbrauchen. Er schwankt zwischen einer Bonbonfabrik mit gut eingeführtem Süßwarengroßhandel und seiner Zeitungskarriere.
Lassen Sie sich von Gotthold Gloger in das liebliche Maintal entführen.

Eulenspiegel Verlag, Berlin
1. Auflage 1969
Illustrationen: Albrecht von Bodecker