„Prag ist der schönste Edelstein in der steinernen Krone der Welt“, sagt Jan zu Tim. Beide haben eine weite Reise hinter sich: Sie führte die Jungen über die alte Münzpräge-Stadt Jáchymov in das weltberühmte Karlovy Vary, und sie lernten den Industriegiganten Sokolov und das malerische Städtchen Cheb kennen. Doch auch das Urlaubsziel Babylon inmitten der schattigen Tannen des Böhmerwaldes läßt Tim und Jan Neues und Schönes in unserem Nachbarland ČSSR entdecken. Und in Domažlice, der altehrwürdigen Stadt der Choden, erleben sie die weltbekannte tschechische Gastfreundschaft.
Aus dem Buch
Was ist eigentlich eine Grenze ...
... fragt Tim Jan am nächsten Morgen, als das Gespann das freundliche Städtchen Oberwiesenthal im Erzgebirge passiert und einen bewaldeten Berg hinauf und hinunter prescht.
Kilometerstein links und Kilometerstein rechts. Zurück bleibt der Fichtelberg, vorn rückt sein tschechoslowakischer Bruder, der Klinovec, heran. Und immer noch ist nicht die schraffierte Linie aus dem Autoatlas zu sehen.
„Eine Grenze ist wie die Tür zwischen zwei Nachbarwohnungen“ erklärt Jan. „Verstehen sich die Nachbarn gut, ist zu jeder Stunde Besuchszeit. Kommen sie nicht mit einander aus, sitzt der Riegel fest im Schloß.“
Die Schranke an der Straße, Schlagbaum genannt, ist hochgezogen Vor einem weißen Strich muß die Trophy halten.
„Kontrolle“, sagt Jan und fährt Tim aufgeregt an: „Hast du deinen Ausweis endlich zur Hand?“
Tim hält einem Mädchen in Zolluniform seine „Identifikation“ entgegen. Ein Offizier in Steingrau nimmt sie ab und blättert sie durch:
„Ich wünsche dir viel Vergnügen, Tim.“
Jan, der nicht so gut davonkommt, weil er die Zolldeklaration erst in der linken Tasche seiner Jacke, dann in der rechten Tasche sucht und sie schließlich im Ausweis findet, faucht Tim an: „Spiel dich bloß nicht auf!“ Dann gibt er Gas und fährt um ein Haar jemand um, der sich mit beschwörender Geste vor dem Beiwagen aufgebaut hat – jenseits des weißen Striches. Dieser Jemand sieht wie Vater Wollschläger aus. Nur die Uniform gibt zu erkennen, daß man diesem Herrn Wollschläger nun in einem anderen Land begegnet.
„Dobrý den“, sagt der Mann freundlich. Er tippt mit dem Finger leicht an den lackierten Mützenschild, über dem eine Kokarde mit einem prankenschwingenden Löwen zu erkennen ist.
„Dobré jitro“, antwortet zur stillen Bewunderung Tims der große Jan. Daraufhin blickt der Mann auf die Uhr und sagt mit einem Auflachen im gemütlichsten Deutsch der Welt: „No ja. Die achte Stunde. Dann ist Guter Morgen schon besser als Guter Tag. Und wohin, bitte sehr, wollen Sie mit dem kleinen Menschen reisen?“
Jan zeigt den Scheck der tschechoslowakischen Gewerkschaften.
„Babylon!“ Der freundliche Mann stößt einen lustigen Pfiff aus. „Ich bin von nebenan, aus Domažlice. Und wenn Sie dort den Kollegen Hrzuva treffen, grüßen Sie ihn von mir. Das ist nämlich mein Bruder. Ein Chode, wie er im Buche steht.“
Inhalt
Mittags gibt es Knödel ..... 4
Was ist eigentlich eine Grenze ..... 6
Sterntaler ..... 11
Ein Schloß für einen Sprudel ..... 13
Wasser und Feuer ..... 17
Bobíček ..... 24
Wallensteins Tod ..... 22
Das alte Babylonien ..... 27
In einem Faß ..... 34
Domažlice am Flüsschen Zubřina ..... 38
Prag ist der schönste Edelstein ..... 44
Eine tschechische Sage ..... 53
Zahlen-Daten-Wissenswertes ..... 57
Illustrationen von Bernhard Nast
Für Leser von 8 Jahren an
Der Kinderbuchverlag Berlin
1. Auflage 1979
2. Auflage 1982
3. Auflage 1986
4. Auflage 1988
Bücher und Schriftsteller, die in der DDR gelesen wurden. Schaut bitte nicht nur danach, ob hier jeden Tag Beiträge auflaufen, nutzt diesen Blog auch wie ein Lexikon. Er ist ein Langzeitprojekt, da ist es sicherlich verständlich, wenn zwischendurch immer mal wieder pausiert wird. Sei es, um nicht die Lust daran zu verlieren, aber auch, weil die Beiträge auch regelmäßig vorbereitet werden müssen. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Stöbern und Erinnern oder neu entdecken.
04 August 2023
03 August 2023
Holdine Stachel: Wenn Bälle fliegen und andere Dinge
Buchanfang
1. KAPITEL
Eine Freundschaft beginnt
Marianne räumte ihre Schulbücher fort. Sie warf einen Blick auf die Uhr. In fünf Minuten wollte sie sich mit Ursula treffen. Wo war bloß der Ball? Natürlich wieder zwischen Martins Sachen! Wenn der sich doch endlich daran gewöhnen wollte, ihn immer an die richtige Stelle zu legen. Mit seinen zwölf Jahren sollte er wirklich bald gelernt haben, Ordnung zu halten.
Marianne mußte sich beeilen. Es war ein ganzes Stück bis zu dem Platz zu laufen, auf dem die sowjetischen Kinder nachmittags gewöhnlich Sport trieben. An der zur Straße gelegenen Rückwand des Gerätehäuschens, das zum Sportplatz gehörte, ließ es sich herrlich mit dem Ball spielen. Dort gab es keine Fensterscheiben, die in Gefahr gerieten, keine Großväter und Großmütter, die im Nachmittagsschlaf gestört würden, und außerdem konnte man durch eine Lücke in der Hecke das fröhliche Treiben auf dem Platz beobachten.
Marianne sah ihre Freundin schon von weitem und fing an zu lachen. Komisch sieht sie aus, die Uschi! Bald hopst sie nach rechts, bald nach links, schlägt erst mit der rechten Hand, dann mit der linken, dann mit dem Kopf den Ball gegen die Wand. Wirklich komisch. Wie Peters Struppi springt sie da herum, genau wie Peters Struppi, wenn man den mit einem Knochen neckt.
Marianne zog das blaue Band fester, mit dem sie ihr glattes blondes Haar zusammengehalten hatte. Immer wieder mußte sie die dünnen, weichen Strähnen zurechtstreichen. Sie konnte sie nicht fliegen lassen, ohne dabei unordentlich auszusehen. Ursel hatte es mit ihrem braunen Wuschelkopf leichter.
Marianne lief ein Stückchen, aber den Rest des Weges schlich sie sich ganz leise immer näher an die Freundin heran, um ihr, ehe sie es sich versah, den Ball ritsch-ratsch vor der Nase wegzufangen.
Bisher hatte Marianne nur auf Ursula und nicht auf den Weg geachtet. Da wäre sie beinahe über einen Ball gefallen, der ihr zwischen die Füße kullerte. Sie bückte sich und hob ihn auf.
Inhalt:
1. KAPITEL - Eine Freundschaft beginnt
2. KAPITEL - Doch ein ganz klein bißchen Neid
3. KAPITEL - Wir wollen Theater spielen
4. KAPITEL - Geht es nur um Sport und Spiel?
5. KAPITEL - Die neuen Freunde
6. KAPITEL - Rita macht Bruch
7. KAPITEL – „Nicht gut, Rita!“
8. KAPITEL - Kann Rita Pionier bleiben?
9. KAPITEL - Große Sorgen
10. KAPITEL - Jetzt ist es aber genug
11. KAPITEL - Marianne will helfen
12. KAPITEL - Gespräch mit dem Vater
13. KAPITEL - Was hat Horst gegen Rita?
14. KAPITEL - Mutti, hast du denn Zeit dazu?
15. KAPITEL - Horst, was sagst du nun?
16. KAPITEL - Wir sind doch Freunde.
17. KAPITEL - Das erste Spiel machen wir beide, Rita!
18. KAPITEL - Von Schularbeiten, Schachspielen und losgerissenen Ranken
19. KAPITEL - Freundschaft siegt
Für Leser von 12 Jahren an
Einband und Textillustrationen: Elisabeth Klutschewskaja
Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1954
2. Auflage 1955
Anatole France: Aufruhr der Engel
„Aufruhr der Engel“, sein stärkster Roman, wie Anatole France wohl wußte, zeigt Stolz und Sturm der gefallenen Engel gegen den unzulänglichen Gott, der Unrecht und Leiden in seiner Welt verewigt hat. Die stolzesten der Engel werden einzig vom Gedanken der Weltenrevolution beherrscht, andere gehorchen irdischen Leidenschaften, wenn auch als Verirrte, die Größeres kennen. Da aber die weltenstürmenden Engel ihren vorläufigen Wohnsitz in Paris haben, spielen Menschenschicksale hinein, ganz gedankenlose, niedrige und schwache. Ein alter Schwachkopf bringt seinen einzigen Freund um wegen alten Plunders. Ein junger Leichtsinn von Haussohn und eine ungetreue Ehefrau tun einander so viele Gemeinheiten und so vieles Liebe an, wie sie nur können mit ihren unbedeutenden Kräften. Aber die Sinne des Dichters lieben diese zweifelhaften Erscheinungen des Lebens zärtlich... Es sind Menschen, auch die Engel sind Menschen – durch Geistesstolz. Jene anderen haben keinen, nur ihr bißchen Leib – und zwingen uns doch nicht weniger zum Staunen, sind nicht weniger vollkommen und vollenden erst den Ruhm der erschaffenen Welt.
Heinrich Mann
Titel der französischen Originalausgabe LA REVOLTE DES ANGES
Deutsch von Heidi Kirmße
Mit einem Nachwort von Christa Bevernis
Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
1. Auflage 1986
im gleichen Verlag erschienen:
Heinrich Mann
Titel der französischen Originalausgabe LA REVOLTE DES ANGES
Deutsch von Heidi Kirmße
Mit einem Nachwort von Christa Bevernis
Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
1. Auflage 1986
im gleichen Verlag erschienen:
• Reihe: bb Nr. 420
1. Auflage 1979
• Reihe: Romane der Weltliteratur
1. Auflage 1951
02 August 2023
Julius Mader: Die graue Hand – Eine Abrechnung mit dem Bonner Geheimdienst
Buchanfang
Dr. Schneider taucht auf
Der beigefarbene Mercedes 300 wird auf der Auffahrt des Palais Schaumburg kurz gebremst. Er hat an der Einfahrt ohne die üblichen Kontrollen sofort passieren dürfen. Die speziell ausgesuchten Doppelposten von der Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamtes waren von der Ankunft des Mercedes schon telefonisch verständigt.
Kaum hält der Wagen, da springt ein Mann heraus und eilt die wenigen Schritte zum Eingangsportal. Trotz seines Alters wirkt er sportlich. Er hat den Hut ins Gesicht gezogen, trägt eine dunkle Sonnenbrille und eine hellbraune Diplomatentasche. Nur den in der Nähe stehenden Posten fallen noch seine abstehenden Ohren und sein dünner Schnurrbart auf.
Inzwischen ist der Mercedes mit seinen anderen Insassen auf den Parkplatz gerollt. Der Mann mit der Diplomatentasche aber geht jetzt durch die ihm offenbar schon vertrauten, prunkvoll ausgestatteten Flure des Palais Schaumburg zum Bundeskanzler. Erst unmittelbar vor dem Zimmer der Privatsekretärin nimmt er Hut und Brille ab, eine hohe, breite Stirn wird sichtbar. Sein Kopf gleicht einem mit fahler Haut überzogenem Totenschädel. In den tiefen Augenhöhlen zucken nervös die Lider, wodurch der unstete Blick des Mannes noch unterstrichen wird. Wer weiß, aus welchen Gründen er sich das Menjou-Bärtchen zugelegt hat. In primitiver Weise sollen Farbe und Pomade das dürftige Wachstum der schmutziggrauen Schnurrbarthärchen ersetzen.
Die Begrüßung ist hastig, der Kanzler und sein Staatssekretär Globke warten bereits. Die gepolsterte Doppeltür schließt sich hinter ihm. Die Sekretärin ist informiert, Adenauer will mit seinem Besucher ungestört bleiben. Der Kanzler konferiert ja nicht das erste Mal mit diesem mysteriösen Herrn, der da aus Süddeutschland kommt.
Wer ist nun dieser Dunkelmann, der im Palais Schaumburg ein- und ausgeht, der zu den wichtigsten Figuren des nach venezianischem Vorbild vom Kanzler geschaffenen Bonner „Schwarzen Kabinetts“ zählt?
Über diesen Mann hat die bürgerliche Presse der Bundesrepublik und des Auslandes schon oft geschrieben. Die Schlagzeilen sprechen für sich: „Bonns geheimnisvollster Besucher“ war in der Lüneburger „Landeszeitung“ zu lesen. „Der gefährlichste Mann des Westens“, hatte die „Allgemeine Zeitung“ in ihrer Mainzer Ausgabe orakelt. Die Züricher „Weltwoche“ nannte ihn: „Ein Mann ohne Gesicht“, und die in Essen herausgegebene „Westdeutsche Allgemeine“ konstatierte: „Der Mann mit den tausend Ohren“. Die „Welt am Sonntag“ versuchte ihre Leser mit dem Knüller „Der Mann im Dunkeln“ zu locken und die Hamburger „Zeit“ mit dem Titel „Der Mann des Geheimnisses“. Das Dortmunder „Westdeutsche Tageblatt“ nannte ihn den „Schattengeneral“, das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verlieh ihm den Titel „Des Kanzlers lieber General“. Und schließlich gestand die Stuttgarter Zeitung „Christ und Welt“: „Der Mann, von dem man nichts weiß.“ Wir aber wollen über ihn Näheres wissen.
Gedungene Tintenkulis bemühten sich um Legenden für diesen Mann, wobei es nicht tragisch genommen wurde, daß sie sich oft widersprachen. Er selbst tat eifrig ein weiteres dazu, seinen Werdegang zu vertuschen, seine Tätigkeit zu verheimlichen und seine Person vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. So entstand in der westlichen Presse und Literatur ein seltsames Gemisch von Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten.
Tausend Dollar hatten amerikanische Illustrierte für ein Nachkriegsfoto von diesem Mann geboten, doch keinem Reporter gelang es, diese Prämie einzuheimsen. Beginnen wir also, das um ihn geschaffene Mysterium zu entschleiern: Sein Sohn Christoph bezeichnete als Primaner seinen Vater als „Kaufmann, der mit Patenten zu tun hat und im Interesse der Bundesregierung arbeitet“. Das ist eine Lüge. Seine Tochter Katharina studierte an einer Münchener Höheren Handelsschule unter einem Namen, der nicht dem richtigen Familiennamen entsprach. Vor seinem vor der Öffentlichkeit geheimgehaltenen Wohnhaus in Berg bei Starnberg, Nr. 68, in Oberbayern patrouillieren in unauffälliger Weise Männer in Zivil. Sie kümmern sich aber nicht darum, daß der Wagen, der das Grundstück verläßt, immer wieder neue Nummernschilder trägt.
Auf seiner Visitenkarte, die er bei Bonner Institutionen zu verwenden pflegt, steht deutlich zu lesen „Dr. Schneider“. Diesen Namen hat er nicht unklug gewählt. Immerhin haben in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und in Frankreich seit 1908 nicht weniger als 1115 Personen den akademischen Grad eines Doktors erworben, die alle den Namen Schneider tragen. Da auf der Visitenkarte noch dazu der Vorname fehlt, hätten selbst berufserfahrene Kriminalisten Monate Ermittlungsarbeit zu leisten, um die Personenidentität festzustellen. Und doch kämen sie zu keinem greifbaren Ergebnis. Denn der Mann ist weder Doktor, noch heißt er Schneider. „Schneider“ ist nämlich sein Deckname, und es wirft ein bezeichnendes Licht auf die im Bonner Staat vertretene Rechtsauffassung, wonach die unrechtmäßige Führung eines akademischen Titels, wie der des Doktors, in Verbindung mit einem Decknamen weder verboten noch strafbar ist.
Der Mann, dessen Spuren wir verfolgen wollen, heißt mit seinem bürgerlichen Namen Reinhard Gehlen.
Heißt er aber wirklich so? Die Coburger „Neue Presse“ erhebt ihn in den Adelsstand und macht ihn in ihrer Ausgabe vom 11. Dezember 1956 zum „von Gehlen“. Sie steht damit nicht allein. Ein Zufall? Nein. Selbst seriösere Blätter sind auf diese Fehlinformation hereingefallen, die aller Wahrscheinlichkeit nach Reinhard Gehlen selbst verbreitet hat, um sogar seinen Klarnamen mißverständlich umzuprägen.
Greift man, um sich zu vergewissern, zu dem in Westdeutschland erschienenen „Genealogischen Handbuch der Adeligen Häuser“, A, Band III, 1957, so kann man dort auf den Seiten 433/434 nachlesen:
Geboren in Breslau? Halt! Da ist doch dem hauptbearbeitenden Genealogen Hans Friedrich von Ehrenkrook schon wieder eine wenig ehrenwerte Fälschung nachzuweisen.
Reinhard Gehlen ist nicht in Breslau geboren, sondern in Erfurt. Sein Vater, der kaiserliche Oberleutnant Walther Gehlen, wohnte in Reinhards Geburtsjahr, wie das Hauptregister des Standesamtes Erfurt und das Adreßbuch der Stadt Erfurt für 1902 nachweisen, in der Löberstraße 63/64. Dort – mit echt preußischer Akribie schrieb der Standesbeamte: „Zu Erfurt in seiner Wohnung... ein Knabe geboren“ kam der Offizierssprößling Reinhard zur Welt. Wo immer man im Falle Reinhard Gehlen hingreift, bedarf es der Vorsicht. Er ist nicht der in der idealisierenden Dichtung westlicher Gazetten erscheinende „Mann im Dunkel“, sondern der Mann, der mit allen Mitteln seine Person und sein Treiben zu verdunkeln versucht. Fälschungen über ihn sind die Regel. Deshalb wird die eben erwähnte nicht die letzte sein, die es aufzudecken gilt.
In der von ihm dirigierten Organisation taucht Reinhard Gehlen mit Namen überhaupt nicht auf. Er versteckt sich dort hinter dem Decknamen „Doktor“ und hinter der dem Außenstehenden nichtssagen- den „Nr. 30“.
Die „Münchner Illustrierte“ unternahm erst kürzlich den Versuch, in einer Artikelserie „Geheim“ etwas Licht in das Dunkel um Reinhard Gehlen zu bringen. Das scheiterte, wie vorauszusehen war, und in ihrer zweiten Januarausgabe des Jahres 1960 mußte sie dem Leser ihr Unvermögen eingestehen:
„Und wer weiß überhaupt etwas von der Organisation Gehlen? Die Presse zeigt sich merkwürdig uninformiert. Aber zwischen der Zentrale des Spionagegenerals und dem Bundeskanzleramt wirken einflußreiche Männer an einem Faden, der von Tag zu Tag stärker wird.“
Hier taucht das Wort „Spionagegeneral" auf. Wie es zustande kam, soll untersucht werden.
Inhalt:
Dr. Schneider taucht auf .....5
Vor dem ersten Schuß .....10
Karriere ohne Skrupel .....18
Zeitzünderbombe liefert neuen Beweis .....41
Der diabolische Plan .....43
Flucht in die Katakomben .....53
Ausverkauf der Scheintoten .....57
Die „graue Hand“ wird wieder aktiv .....68
Das Doppelspiel .....71
Die Gesetzlosen .....90
Die Saat des Satans .....101
„Scheinwerfer abschalten!“ .....122
Im Schloß der Gräfin Totenbach .....139
Die Technik des Verderbens .....147
Der volle Safe .....154
Dunkle Kanäle .....157
Geladen und entsichert .....175
Viele Schatten .....189
Perfide Fälscher .....198
Gelockt - geschockt - gemordet .....208
Der Zerberus des versenkten Schatzes .....218
Der Arm ist kürzer geworden .....229
Am Ende kann der Anfang stehen .....235
Umschlag und Einbandentwurf: Ingried Schoenrade
Kongreß-Verlag, Berlin
1. Auflage 1960
2. Auflage 1961
Friedrich Karl Kaul: Von der Stadtvogtei bis Moabit – Ein Berliner Pitaval
Friedrich Karl Kaul (1906 bis 1981), der als Anwalt international bekannt war und als Autor einen großen Leserkreis hatte, wählte zehn Kriminalfälle aus, die zwischen 1750 und 1910 in der Berliner Stadtvogtei und im Moabiter Kriminalgericht verhandelt wurden und unerhörtes Aufsehen erregten.
Wir erleben Skandale, die den preußischen Königshof erschütterten, lernen eine betrügerische Nähmamsell kennen und erfahren etwas von dem geheimnisvollen Fall der Charlotte Ursinus und von der Prozeßserie um ein Kind, das scheinbar zwei Mütter hatte. Gut und Geld lassen auch große Geister mitunter kleinlich handeln: so den Aufklärer Voltaire bei einer Affäre, in die er im Berlin Friedrichs II. verstrickt war. Um den Sektenstifter Philipp Rosenfeld, bei dem religiöser Fanatismus mit Amoralität Hand in Hand gingen, entwickelt sich eine Art Tragikomödie. Und im Fall August Sternberg tauchen die elenden, verschmutzten Hinterhöfe Berlins wieder aus der Vergessenheit empor. Auch der grausame Raubmord des Schuhmachers Gönczy erinnert an düstere Zeiten ebenso wie die Verhältnisse, die im Jahre 1909 mit staatlicher Duldung in einer Erziehungsanstalt herrschten.
Prof. Dr. Kaul hat sich als Autor nicht zuletzt dadurch einen Namen gemacht, daß seine Erzählungen auf Tatsachen beruhen. So wird in seinen Berichten ein bestimmter Abschnitt Berliner Geschichte lebendig, der heute längst vergangen ist, aber keinesfalls vergessen sein sollte.
Inhalt:
– PHILOSOPHIE ALLEIN MACHT NICHT WEISE
Rechtsstreit Voltaire-Hirschel
– SIEBEN JUNGFRAUEN UND EINE BIBEL
Der Fall Philipp Rosenfeld
– ARSEN
Der Fall Geheimrätin Ursinus
– SCHNEIDERMEISTERS TRAUM VOM GLÜCK
Der Fall Wilhelmine Krautz
– BRIEFE, DIE SIE ERREICHTEN
Die Affäre Kotze
– DOPPELMORD IN BERLIN SW
Der Fall Gönczy
– DER KAISER UND SEINE GETREUEN
Der Prozeß Harden-Eulenburg
– DER KINDERFREUND
Der Prozeß Sternberg
– GRAF ODER WEICHENSTELLERSOHN?
Der Fall Kwilecki
– DER PRÜGELPÄDAGOGE
Der Fall Pfarrer Breithaupt
Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1965
2. Auflage 1967
3. Auflage 1985
Wir erleben Skandale, die den preußischen Königshof erschütterten, lernen eine betrügerische Nähmamsell kennen und erfahren etwas von dem geheimnisvollen Fall der Charlotte Ursinus und von der Prozeßserie um ein Kind, das scheinbar zwei Mütter hatte. Gut und Geld lassen auch große Geister mitunter kleinlich handeln: so den Aufklärer Voltaire bei einer Affäre, in die er im Berlin Friedrichs II. verstrickt war. Um den Sektenstifter Philipp Rosenfeld, bei dem religiöser Fanatismus mit Amoralität Hand in Hand gingen, entwickelt sich eine Art Tragikomödie. Und im Fall August Sternberg tauchen die elenden, verschmutzten Hinterhöfe Berlins wieder aus der Vergessenheit empor. Auch der grausame Raubmord des Schuhmachers Gönczy erinnert an düstere Zeiten ebenso wie die Verhältnisse, die im Jahre 1909 mit staatlicher Duldung in einer Erziehungsanstalt herrschten.
Prof. Dr. Kaul hat sich als Autor nicht zuletzt dadurch einen Namen gemacht, daß seine Erzählungen auf Tatsachen beruhen. So wird in seinen Berichten ein bestimmter Abschnitt Berliner Geschichte lebendig, der heute längst vergangen ist, aber keinesfalls vergessen sein sollte.
Inhalt:
– PHILOSOPHIE ALLEIN MACHT NICHT WEISE
Rechtsstreit Voltaire-Hirschel
– SIEBEN JUNGFRAUEN UND EINE BIBEL
Der Fall Philipp Rosenfeld
– ARSEN
Der Fall Geheimrätin Ursinus
– SCHNEIDERMEISTERS TRAUM VOM GLÜCK
Der Fall Wilhelmine Krautz
– BRIEFE, DIE SIE ERREICHTEN
Die Affäre Kotze
– DOPPELMORD IN BERLIN SW
Der Fall Gönczy
– DER KAISER UND SEINE GETREUEN
Der Prozeß Harden-Eulenburg
– DER KINDERFREUND
Der Prozeß Sternberg
– GRAF ODER WEICHENSTELLERSOHN?
Der Fall Kwilecki
– DER PRÜGELPÄDAGOGE
Der Fall Pfarrer Breithaupt
Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1965
2. Auflage 1967
3. Auflage 1985
01 August 2023
Jan Kozák: Als Jäger in der Taiga
Jan Kozák lebte mehrere Wochen als Gast eines sibirischen Jägers inmitten der Wildnis. Er lernte das Leben der Taigajäger kennen; im Winter ging er mit ihnen auf die Jagd nach Pelztieren, im Frühjahr jagte er Hirsche, und dabei hatte er viele abenteuerliche Begegnungen mit Wölfen, Bären und dem Vielfraß. Seine Eindrücke und Erlebnisse schrieb er in diesem Buch nieder.
Buchanfang
Auf Jagd an der Bambujka
Das also ist die Taiga! Als ich vor einigen Tagen in Prag das Flugzeug bestieg, wußte ich über sie gar nichts. Auch beim Schriftstellerverband in Moskau konnte man mir über den Ort meines Reiseziels kaum etwas sagen. Der Grund dafür war ganz einfach: Keiner meiner Gesprächspartner war in diesen weiten Räumen Sibiriens gewesen. „Das liegt irgendwo im nordöstlichen Zipfel der Burjatmongolischen Autonomen Sowjetrepublik, weit hinter dem Baikalsee. Dort gibt es Stellen, die noch keines Menschen Fuß betreten hat. Seien Sie daher nicht ungehalten, wenn nicht alles so ist, wie es sein sollte. Sie wollen ja die Taiga und das Leben der Jäger kennenlernen.“
In Ulan-Ude herrschte leichter Frost. Ich hatte bereits eine Reise von fast achttausend Kilometer Luftlinie hinter mir, als ich am 25. Oktober, genau zu Beginn der Pelztierjagd, erneut in ein Flugzeug kletterte.
In der AN-2 gab es keine Stewardeß mehr, die Bonbons angeboten hätte. Gemeinsam mit zwei Jägern, die ihr Gewehr zwischen den Beinen hielten, ihren Hunden und einer Gruppe Geologen saßen wir – mein Begleiter Daba und ich – wie in einem alten, unbeheizten Autobus auf den Bänken längsseits des Flugzeuges, der Innenraum war vollgestopft mit Gepäck, Säcken und Kisten. Die Sitze hatten keine Gurte. Als die Maschine auf Höhe ging, rutschte alles nach hinten weg zum Schwanz.
Kurz nach dem Start schaute ich aus dem Fenster und sah die Taiga. Mäßig hohes zerklüftetes Gebirge, bestanden mit Tanner und Zirbelfichten, stellenweise gähnten Kahlflächen. Daba, ein burjatischer Jäger, der mich bis Bagdarin begleiten sollte (er arbeitete in der Genossenschaftszentrale Burkoopsojus), verschwand in der Kanzel. Nach einer Weile bat mich der Pilot zu sich. Er hatte als Jagdflieger gedient, flog auf dieser Strecke bereits seit neun Jahren und kannte das Gelände genau. Ich saß in seinem Rücken an eine Eisenstange gelehnt, die verhinderte daß ich bei einem plötzlichen Schwanken unter die Mitreisenden und das Gepäck zurückfiel, und betrachtete durch die Glasnase der Kabine die Gegend. Wir flogen in Richtung Nordost. Etwa nach einer Flugstunde änderte sich die Taiga allmählich.
Zwischen zahllosen kleinen Teichen sah man immer häufiger Birken, niedrigen Strauchbewuchs und grasbestandene Ebenen. Der Rauhreif verlieh ihnen einen matten silbrigen Glanz. Die kleinen, von der Sonne beschienenen Flüsse waren noch nicht zugefroren.
Später wurde die Landschaft erneut hüglig, und in der Ferne tauchten Berge auf, deren Gipfel im Schnee glänzten. Jetzt flogen wir direkt gegen Norden, und unter uns breitete sich endloser, kahler, öder Wald aus. Die Taiga wurde spärlicher. Deutlich hoben sich ausgetrocknete steinige Wasserläufe ab, die nach Regengüssen und der Schneeschmelze mit Leben erfüllt werden. Kaum wahrnehmbar schlängelte sich ein schmaler Pfad, von Wild ausgetreten, im Gras zwischen Gebüsch dahin. Nur selten blinkte noch eine von steinigen Ufern gesäumte Wasserfläche. Die Landschaft voller Seen und Teiche lag offenbar hinter uns.
Dann erstarrten die Bäche und kleinen Flüsse, nahmen einen toten, ruhigen Glanz an. Die Taiga schien mir öde und leblos, gar nicht so wild, wie ich vermutet hatte. Sie lag unter mir wie verzaubert, trostlos und schroff. Und dennoch ging eine sonderbare rauhe Kraft von ihr aus. Das empfand ich selbst hier in der Luft, inmitten des Vibrierens und des Motorgeräuschs. Schon hier war ich von der düsteren Schönheit der wilden Natur erfüllt. Was erwartete mich hier?
Die Bergkuppen blieben links liegen, und wir gelangten in verschneites Gebiet. Wir flogen dicht über dem Boden. Ich suchte auf einem sonnigen Plateau nach Fährten und Bewegung. Als ich daheim in der Tschechoslowakei einmal über den Gebirgszug der Niederen Tatra flog, bemerkte ich im Schnee deutlich einen Fuchs; er lief sorglos über die ebene Fläche, die mit Spuren bestickt war wie ein Kopftuch. Äsende Rehe und Hirsche habe ich auf diese Weise mehrmals beobachtet.
Aber hier regte sich nichts. Den ganzen Weg über entdeckte ich nicht eine einzige Spur von Leben.
Nach drei Stunden Flug landeten wir in Bagdarin. Die Maschine setzte leicht, fast unmerklich wenige Meter von den Blockhäusern entfernt, auf. Die Sonne sah frostig weiß aus, und die Luft flimmerte. Aus den Schornsteinen stiegen weiße Rauchstreifen zum blauen Himmel; auf der Straße, von Gehsteigen aus Brettern gesäumt, liefen Laikahunde umher.
In der Siedlung aus gepflegten Blockhäusern gab es ein Krankenhaus und eine Internatsschule. Auch der Rat des Kreises hatte hier seinen Sitz. .....
Titel des tschechischen Originals: „Lovcem v tajze“
Ins Deutsche übertragen von Bruno Liehm
Einband und Illustrationen: Ralf Jürgen Lehmann
Verlag Neues Leben, Berlin
BASAR
1. Auflage 1975
2. Auflage 1982
Buchanfang
Auf Jagd an der Bambujka
Das also ist die Taiga! Als ich vor einigen Tagen in Prag das Flugzeug bestieg, wußte ich über sie gar nichts. Auch beim Schriftstellerverband in Moskau konnte man mir über den Ort meines Reiseziels kaum etwas sagen. Der Grund dafür war ganz einfach: Keiner meiner Gesprächspartner war in diesen weiten Räumen Sibiriens gewesen. „Das liegt irgendwo im nordöstlichen Zipfel der Burjatmongolischen Autonomen Sowjetrepublik, weit hinter dem Baikalsee. Dort gibt es Stellen, die noch keines Menschen Fuß betreten hat. Seien Sie daher nicht ungehalten, wenn nicht alles so ist, wie es sein sollte. Sie wollen ja die Taiga und das Leben der Jäger kennenlernen.“
In Ulan-Ude herrschte leichter Frost. Ich hatte bereits eine Reise von fast achttausend Kilometer Luftlinie hinter mir, als ich am 25. Oktober, genau zu Beginn der Pelztierjagd, erneut in ein Flugzeug kletterte.
In der AN-2 gab es keine Stewardeß mehr, die Bonbons angeboten hätte. Gemeinsam mit zwei Jägern, die ihr Gewehr zwischen den Beinen hielten, ihren Hunden und einer Gruppe Geologen saßen wir – mein Begleiter Daba und ich – wie in einem alten, unbeheizten Autobus auf den Bänken längsseits des Flugzeuges, der Innenraum war vollgestopft mit Gepäck, Säcken und Kisten. Die Sitze hatten keine Gurte. Als die Maschine auf Höhe ging, rutschte alles nach hinten weg zum Schwanz.
Kurz nach dem Start schaute ich aus dem Fenster und sah die Taiga. Mäßig hohes zerklüftetes Gebirge, bestanden mit Tanner und Zirbelfichten, stellenweise gähnten Kahlflächen. Daba, ein burjatischer Jäger, der mich bis Bagdarin begleiten sollte (er arbeitete in der Genossenschaftszentrale Burkoopsojus), verschwand in der Kanzel. Nach einer Weile bat mich der Pilot zu sich. Er hatte als Jagdflieger gedient, flog auf dieser Strecke bereits seit neun Jahren und kannte das Gelände genau. Ich saß in seinem Rücken an eine Eisenstange gelehnt, die verhinderte daß ich bei einem plötzlichen Schwanken unter die Mitreisenden und das Gepäck zurückfiel, und betrachtete durch die Glasnase der Kabine die Gegend. Wir flogen in Richtung Nordost. Etwa nach einer Flugstunde änderte sich die Taiga allmählich.
Zwischen zahllosen kleinen Teichen sah man immer häufiger Birken, niedrigen Strauchbewuchs und grasbestandene Ebenen. Der Rauhreif verlieh ihnen einen matten silbrigen Glanz. Die kleinen, von der Sonne beschienenen Flüsse waren noch nicht zugefroren.
Später wurde die Landschaft erneut hüglig, und in der Ferne tauchten Berge auf, deren Gipfel im Schnee glänzten. Jetzt flogen wir direkt gegen Norden, und unter uns breitete sich endloser, kahler, öder Wald aus. Die Taiga wurde spärlicher. Deutlich hoben sich ausgetrocknete steinige Wasserläufe ab, die nach Regengüssen und der Schneeschmelze mit Leben erfüllt werden. Kaum wahrnehmbar schlängelte sich ein schmaler Pfad, von Wild ausgetreten, im Gras zwischen Gebüsch dahin. Nur selten blinkte noch eine von steinigen Ufern gesäumte Wasserfläche. Die Landschaft voller Seen und Teiche lag offenbar hinter uns.
Dann erstarrten die Bäche und kleinen Flüsse, nahmen einen toten, ruhigen Glanz an. Die Taiga schien mir öde und leblos, gar nicht so wild, wie ich vermutet hatte. Sie lag unter mir wie verzaubert, trostlos und schroff. Und dennoch ging eine sonderbare rauhe Kraft von ihr aus. Das empfand ich selbst hier in der Luft, inmitten des Vibrierens und des Motorgeräuschs. Schon hier war ich von der düsteren Schönheit der wilden Natur erfüllt. Was erwartete mich hier?
Die Bergkuppen blieben links liegen, und wir gelangten in verschneites Gebiet. Wir flogen dicht über dem Boden. Ich suchte auf einem sonnigen Plateau nach Fährten und Bewegung. Als ich daheim in der Tschechoslowakei einmal über den Gebirgszug der Niederen Tatra flog, bemerkte ich im Schnee deutlich einen Fuchs; er lief sorglos über die ebene Fläche, die mit Spuren bestickt war wie ein Kopftuch. Äsende Rehe und Hirsche habe ich auf diese Weise mehrmals beobachtet.
Aber hier regte sich nichts. Den ganzen Weg über entdeckte ich nicht eine einzige Spur von Leben.
Nach drei Stunden Flug landeten wir in Bagdarin. Die Maschine setzte leicht, fast unmerklich wenige Meter von den Blockhäusern entfernt, auf. Die Sonne sah frostig weiß aus, und die Luft flimmerte. Aus den Schornsteinen stiegen weiße Rauchstreifen zum blauen Himmel; auf der Straße, von Gehsteigen aus Brettern gesäumt, liefen Laikahunde umher.
In der Siedlung aus gepflegten Blockhäusern gab es ein Krankenhaus und eine Internatsschule. Auch der Rat des Kreises hatte hier seinen Sitz. .....
Titel des tschechischen Originals: „Lovcem v tajze“
Ins Deutsche übertragen von Bruno Liehm
Einband und Illustrationen: Ralf Jürgen Lehmann
Verlag Neues Leben, Berlin
BASAR
1. Auflage 1975
2. Auflage 1982
Johannes Tralow: Cromwell
Als Johannes Tralows Cromwell-Roman unter dem Titel „Gewalt aus der Erde“ 1933 erschien, beanstandete die Literaturkritik des Dritten Reiches, daß Oliver Cromwell in diesem Buch zu schlecht behandelt worden sei. Der Autor mußte seine Lesungen im Rundfunk abbrechen, ein bestelltes Hörspiel wurde zurückgegeben, allenthalben bekam er den Boykott der neuen Machthaber zu spüren. Tatsächlich hatte er Cromwell nicht als den „starken Mann“ gefeiert, der als historischer Vorläufer Hitlers hätte gelten können, sondern den berühmten Staatsmann der englischen Revolution mit all seinen Widersprüchen gezeigt: als erfolgreichen Politiker, siegreichen Heerführer, besorgten Familienvater und machtgierigen Diktator. An Kontrastfiguren werden vor allem der Panzerreiter Edward Sexby und seine Frau Harriet, beide nicht historisch belegt, in die Handlung eingeführt. In ihnen erwachsen Cromwell die politischen Gegenspieler, die den Machtanspruch des Volkes verkörpern. Was heute, nach mehr als 40 Jahren, überrascht, ist die historische Imagination, mit der Johannes Tralow eines der erregendsten Kapitel der englischen Geschichte mit seinen Schlachten und turbulenten Parlamentssitzungen, seinen Aufständen und Hinrichtungen, Hofaffären und Liebesabenteuern in einer bilderreichen Sprache vor unseren Augen entstehen läßt.
Einband: Volker Pfüller
Die Textwiedergabe entspricht der 1933 unter dem Titel „Gewalt aus der Erde“ im Verlag Universitas Berlin erschienenen Erstausgabe.
Verlag der Nation, Berlin
1. Auflage 1975
Einband: Volker Pfüller
Die Textwiedergabe entspricht der 1933 unter dem Titel „Gewalt aus der Erde“ im Verlag Universitas Berlin erschienenen Erstausgabe.
Verlag der Nation, Berlin
1. Auflage 1975
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