28 März 2022

Hjalmar Söderberg: Doktor Glas

Hjalmar Söderberg (1869-1941) war einer der wenigen schwedischen Schriftsteller von Rang, die um die Jahrhundertwende die von Strindberg begonnene realistische Art der Gesellschaftsschilderung fortsetzten. Als einen "winzigen, aber hellen Strahl" in jener Zeit charakterisierte er selbst sein Werk in späten Jahren.

Wahrhaftigkeit in der Darstellung und ein klarer Ausdruck galten Söderberg als wichtigste Kriterien seines Schaffens. Schon im ersten Roman "Förvillelser" (1895) hatte er seinen Stil gefunden; die Maske des "Flaneurs" war angelegt, er begann seine eigenwilligen Attacken gegen bürgerliche Moral und Lebensart, die meist heftige Debatten auslösten und die Schmährufe der konservativen schwedischen Literaturkritik heraufbeschworen. Auch das in Tagebuchform angelegte Bekenntnisbuch "Doktor Glas" (1905) wurde von den Zeitgenossen verrissen: die Beschreibung des präzis geplanten Mordes an einem Geistlichen betrachtete man als gesellschaftlichen Eklat, wenn der Autor seinen Helden auch konsequent scheitern ließ und sich damit von dessen Tat distanzierte. Trotz vernichtender Kritiken überdauerte der Roman und gilt heute als das bedeutendste Werk Söderbergs.

Reclams Universal-Bibliothek Band 1214, 1. Auflage 1987
Aus dem Schwedischen von Helga Thiele

17 kongolesische Erzähler

 Die moderne kongolesische Prosa entstand vor wenigen Jahrzehnten, als die mündliche Weitergabe der Erfahrungen des Volkes und das aufgeschriebene Märchen nicht mehr ausreichten, um den Umbruch des Lebens in der jungen Volksrepublik Kongo literarisch mitzuteilen. Die Erzählung wurde neben der Lyrik und dem Straßentheater zu einem wichtigen Genre, mit dem die Autoren die Wandlungen im Alltag der sprunghaft sich entfaltenden Gesellschaft im Kongo erkundeten und der verändernden Kritik preisgaben.

Es geht in diesem Band um Geburt, Hochzeit und Tod, um Fetisch und Magie, um Partnerwahl und Großfamilie; um ganz Privates, aber auch um politisch brisante Themen wie Korruption, Doppelzüngigkeit und Mißtrauen der Macht bis hin zum Fußballwahn der Kongolesen, der sich in der satirisch überspitzten Darstellung zur Staatsaffäre steigert.

Die kongolesische Literatur steht heute zwischen dem Märchen und modernen weltliterarischen Einflüssen; Symbole und komplizierte Erzählweisen sind ihr nicht fremd. Dazwischen gibt es einfache realistische Bilder der Wirklichkeit, die spürbar werden lassen, daß hier eine Literatur im Entstehen begriffen ist, von der man noch mehr hören wird.

Verlag Volk und Welt Berlin



Fjodor M. Dostojewski: Der Traum eines lächerlichen Menschen

DOSTOJEWSKIS (1821-1881) kleine Prosawerke aus den Jahren 1862 bis 1877, die später von seinen großen Romanen überschattet wurden, helfen uns, Dostojewskis unermüdliche Suche nach "Erneuerung des untergegangenen Menschen" zu verstehen ... Der geschichtliche Ausgangspunkt aller dieser Tragödien ist die Enttäuschung über die Ergebnisse der bürgerlichen Revolutionen Westeuropas und über das Scheitern der utopischen sozialistischen Versuche, die Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft zu überwinden ...

Immer wieder gestaltete er, um die Wege und Irrwege seiner Epoche zu erforschen, innerlich gespaltene "Doppelgängertypen", die in verschiedenen Lebenssphären zwischen den Versuchungen des Macht- und Besitzstrebens und der Anziehungskraft humanistischer Ideale hin und her gerissen werden ... Der "lächerliche Mensch" wird aus einem nihilistischen "Untergrundmenschen" zum Propheten des "Goldenen Zeitalters", in dem die humanistischen Menschheitsideale verwirklicht sein werden. (Aus dem Nachwort.)

 Reclams Universal-Bibliothek Band 600, 1. Auflage 1976
Die Rechte an der Übersetzung von H. Röhl gehören dem Insel-Verlag Leipzig, die Rechte an der Übersetzung von W. Creutziger gehören dem Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
Text und Anmerkungen nach F. M. Dostojewskij, Der ewige Ehemann, Ausgewählte Prosa, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1971

24 März 2022

Paul Donath (Hrsg.): Wunderweiße Nacht - Lieder und Musiziergut

Um möglichst weiten Kreisen die folgende kleine Auswahl von Weihnachtsliedern zugänglich zu machen, werden sie in einem zweistimmigen Satz dargeboten, der zu einem dreistimmigen nach Belieben erweitert werden kann.

Die Melodie wurde grundsätzlich der Oberstimme überlassen. Meistens wurden die für das Volksliedsingen übliche Tonart und der mittlere Tonumfang gewählt. Die zweite Stimme folgt im wesentlichen dem volkstümlichen Brauch. Die dritte, die Baßstimme, kann nach Belieben hinzutreten oder wegbleiben. Eingeklammerte Wörter () im Text fallen für die Baßstimme aus.

Die Sätze lassen sich vokal oder instrumental, auch vokal-instrumental-gemischt musizieren. Die Stimmen können auf mehrere Instrumente verteilt oder vom Klavier allein wiedergegeben werden. Wird das Akkordeon herangezogen, so muß es als "Handorgel" gespielt werden, um den innigen Weisen gerecht zu werden, die auch im größten Jubel niemals lärmen. Das Akkordeon (und auch die anderen Instrumente) soll nicht ununterbrochen zu den Singstimmen spielen. Wo Akkordbuchstaben fehlen, mögen die Begleitinstrumente schweigen. Auftakte können meistens unbegleitet bleiben. Damit die Singstimmen ihren Einsatzton finden, mag ein kleines Vorspiel vorausgehen. Hierzu eignen sich oft die Schlußtakte gut. Wo hinter einem Klangbuchstaben "1" (E1) steht, soll nur der eine Ton, der Grundbaß, gespielt werden. Am besten spielen drei Akkordeons die Sätze mit verteilten Stimmen. Hierbei muß die Baßstimme häufig eine Oktave tiefer gespielt werden.

Die Lieder:

Lieblich leuchten tausend Sterne - Seite 32

Laße uns jubeln - Seite 33

Nun ist gekommen die lange Nacht - Seite 36/37

Schneeflocken wirbeln durch die Luft - Seite 47

Wind' den Kranz aus Tannengrün - Seite 48

Wenn Weihnacht ist - Seite 52

Es bellt der Hund - Seite 53

erscheinen mit freundlicher Genehmigung des Verlages Volk und Wissen, Berlin.

Das Lied:

Juchhe, juchhe, der erste Schnee - Seite 46

erscheint mit Genehmigung des Verlages Merseburger K.-G., Berlin.


VEB Friedrich Hofmeister, Musikverlag, Leipzig, 1958

Heinz Knobloch: Stäubchen aufwirbeln – Feuilletons

Dieses Buch enthält 99 Feuilletons. Das ist Zufall. Alles andere ist Absicht an diesen Lesestücken, die so kurz sind, dass einer lange darin lesen kann. Die Benutzer der fünf vorangegangenen Bücher haben sich an solches Leseverhalten gewöhnt und an Sätze wie: „Es gibt keine langweilige Aufgabe. Es gibt nur langweilige Lösungen.“

Knobloch gibt jede Woche der „Wochenpost“ ein Feuilleton. Und sie druckt es. Und deshalb heißt hier ein Kapitel „Brot, wöchentliches“. Man sieht, Knobloch hat viele, allzu viele Fragebogen ausfüllen müssen. Jetzt gibt er es ihnen. Jetzt gibt er es ihnen zurück, poetisch und ironisch, und schreibt sich ein persönliches Papier, das nach dem „vermeintlichen Aussehen“ fragt und mit „durchlässiger Kleidung“ antwortet, von „aufrichtenden Neigungen“ erzählt und „gewählten Angehörigen“, von der „zufälligen Herkunft“ – oder hast du dir Eltern, Vaterland und Nase etwa selbst ausgesucht, Leser?

Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 1974

 

Jutta Janke; Angelika Timm; Monika Zemke (Hrsg.): Erkundungen - 20 Erzähler aus Israel

Dieser Band will einen ersten gründlicheren Einblick in die literarische Landschaft Israels vermitteln, in eine historisch betrachtet sehr junge Literatur also, setzt man ihren Beginn mit der Staatsgründung 1948 an. Er will Einblick vermitteln in die komplizierte Wirklichkeit eines Landes, dessen Entwicklung sich im Schatten mehrerer Kriege vollzog und das immer noch einen mühseligen nationalen Formierungsprozeß durchläuft.

Die zwanzig Beiträge dieses Bandes spiegeln auf unterschiedliche Weise israelische Realität in all ihren Widersprüchen. Dabei kommen die Vertreter mehrerer Generationen zu Wort: Samuel Joseph Agnon (1888-1970) zum Beispiel, der 1966 für seine umfangstarke Prosa den Nobelpreis für Literatur erhielt, oder Mordechai Avi-Scha'ul (geb. 1898), ein hervorragender Nachdichter großer europäischer Lyrik, Mendel Mann (1916-1975), der seine Erzählungen und Romane in Jiddisch, der Sprache der osteuropäischen Juden, verfaßte, und der Arabisch schreibende Emile Habibi. Unter den Jungen, deren Werk sich durch Originalität und formale Vielfalt auszeichnet, sind es vor allem Abraham B. Jehoschua (geb. 1937) und Amos Os (geb. 1939), die das Antlitz der israelischen Literatur heute prägen.

Verlag Volk und Welt Berlin, 2. Auflage 1989
Aus dem Hebräischen, Jiddischen und Arabischen von Jacob Mittelmann, Eva Rottenberg, Rachel Stillmann, Angelika Timm, Hans Weigold, Monika Zemke
Mit einem Nachwort der Herausgeber
Worterklärungen am Schluß des Bandes
 

23 März 2022

Barbara Kühl: Til und der Körnerdieb


 Til ist stolz auf seinen Vater, den korrekten und geachteten Futtermeister der LPG. Doch eines Tages beobachtet er seinen Vater beim Diebstahl. Zwar ist es nur ein Eimer Futterweizen, aber für Til erhält die Welt einen Sprung: Kann ein guter Mensch Unrechtes tun, wird er dadurch zu einem schlechten Menschen? Diese erste Erzählung Barbara Kühls will keine Kriminalgeschichte sein, sondern dem Vertrauensbruch zwischen Vater und Sohn nachspüren.

Der Kinderbuchverlag Berlin 1982
Illustrationen: Hildegard Gerbeth