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29 Juni 2025

Joachim Specht: Leuchtfeuer Eastern Reef

Klappentext:
Während eines Wochenendausflugs strandet die luxuriöse Motorjacht „Laura“ auf der australischen Koralleninsel Eastern Reef. Die sechsköpfige Besatzung, zwei Frauen und vier Männer, findet vorerst Aufnahme bei dem Leuchtturmwärter der Insel. Der Wunsch nach Zeitvertreib veranlaßt die Schiffbrüchigen, einander außergewöhnliche Begebenheiten aus ihrem Leben zu erzählen.
Sechs Geschichten, eingefügt in eine Rahmenhandlung und lose miteinander verknüpft, stellen Menschen in extremen Situationen, ihre Denk- und Verhaltensweisen angesichts einer Leben-Tod-Alternative vor. Die Menschen sind geprägt durch das Milieu, in dem sie leben, arbeiten, sich behaupten wollen. Ihre Verwurzelung in der Welt des Gestern bestimmt die Normen, nach denen sie sich verhalten – ihre Geschichten implizieren Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft Australiens.

Schutzumschlag: Jens Prockat

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1976
2. Auflage 1977 

weitere Ausgaben

Wasser für die Roten Wölfe + Leuchtfeuer Eastern Reef
2 Abenteuerromane

Einbandtext:
Zwei Abenteuerromane in einem Band. Zwel Romane, die Spechts sicheres Gespür für Storys beweisen. Sie belegen die Fähigkeit des Autors, Menschen und fremde, exotische Landschaften voller Farbigkeit zu schildern. Dabei handfest und solide gebaut, spannend erzählt.
„Wasser für die Roten Wolfe“ spielt im Sudjemen des Jahres 1964. Noch sitzen die Briten in der Kronkolonie Aden. Um ihre Privilegien nicht zu verlieren, sind den Vertreten des Mutterlandes alle Methoden der Unterdrückung der Befreiungsfront recht. Dennoch mehren sich die Aktionen mit denen die Roten Wolfe, Freiheitskämpfer aus dem Rafan-Gebirge, gegen das Regime angehen. In den Nächten gehört ihnen das Land. Und ihr Einfluß wächst.
Seit 25 Jahren lebt der Leuchtturmwärter Jim Parker auf Eastern Reef, nahe der australischen Ostküste. Eines Tages, ein Zyklon wütet in diesem Gebiet, wird die Motorjacht „Laura“, mit vier Männern und zwei Frauen an Bord, an Land geschleudert. Das Warten auf Rettung läßt sie reihum ihre Lebensgeschichten erzählen. Parker flüchtete sich in die Einsamkeit, als die Suche nach seiner verlorenen Tochter ergebnislos verlief. Da beginnt Liane Kippling von einem Findelkind zu berichten... Sechs Geschichten, durch eine Rahmenhandlung lose miteinander verbunden, verdeutlichen die Denk- und Verhaltensweisen von Menschen in extremen Situationen, geprägt vom Milieu einer gestrigen Welt.

Umschlagentwurf: Gerhard Milewski

Verlag Das Neue Berlin
1. Auflage 1980
2. Auflage 1982

22 März 2025

Wie Porzellan zerbricht – 40 Liebesgeschichten aus Erkundungen und Erlesenes

Einbandtext:
Das Thema Liebe – jeder kennt es, und doch ist nichts so sehr mit Illusionen und mit Klischees behaftet wie gerade dieses Thema. 40 Erzählungen von Autoren aus aller Welt, ausgewählt aus dem Fundus der Volk-und-Welt-Reihen »Erlesenes« und »Erkundungen«, gehen auf sehr eigenwillige Weise diesem Phänomen nach: Das schönste aller menschlichen Gefühle sprengt jedes Klischee, wenn es einmal erlebt wird, es ist immer einzigartig und unverwechselbar, zusammengesetzt aus Glück und Leid, individuell durchlebt und durchlitten.
Das ist so in Spanien, in Polen, in Australien und überall auf der Welt, selbst wenn sich die Liebe nur noch in einer winzigen Blume verkörpert, die eine junge Frau resignierend auf eine Mülltonne gelegt hat: in der Hoffnung, den geliebten Mann möge dieses Zeichen ihrer Liebe erreichen.

Buchanfang:
Eszter Anóka
Abschied von den Frauen

In letzter Zeit esse ich ungeheuer viel – nur aus Taktgefühl mir selbst gegenüber sage ich nicht: ich fresse; denn eine Frau sollte doch wohl nicht fressen, nicht wahr? Das Ergebnis ist auch nicht mehr zu übersehen: Ich bin ganz schön mollig geworden, wie mein Geliebter zu sagen pflegt, wenn er die Augen an mir weidet und mich dann überwältigt, weil er mich begehrt, was mich glücklich und stolz macht, so daß ich hinterher mindestens noch fünf Minuten in Höschen vor ihm flaniere und den Anschein erwecke, als hätte ich zu tun und als merkte ich gar nicht, wie er mich betrachtet.
Ich nehme nicht nur vom Essen zu. In meinem bisherigen Leben ist es oft vorgekommen, daß ich noch mehr Nahrung, und vor allem solche von besserer Qualität, zu mir nehmen konnte ... Die Frage ist allerdings, um welchen Preis; das heißt, eine Frage ist das überhaupt nicht, und gerade darüber möchte ich sprechen. Denn ich habe trotzdem nicht zugenommen, obwohl der gute Vorsatz damals nicht fehlte. Ich war wohl nicht ausgeglichen genug, wie dies die Ausgeglichenen über andere zu sagen pflegen und dabei nicht merken, daß sie über sich selbst ein Urteil fällen, daß sie nämlich nicht sie sind, sondern irgendeine mit Gewichten belastete Variante ihrer selbst. Nur Freud mit seinen sämtlichen Heiligen weiß, welch ein wankendes Gleichgewicht sie mit ihren Gegengewichten in sich schaffen und was für Ferkeleien sie kompensieren müssen. Das könnte auch die Beatles-Generation sagen, die zu meinem größten Vergnügen heranwächst. Vor lauter Gewichten bleibt sie am Boden kleben, anstatt zu schweben; denn der entsprechende Passus in der Bibel ist kein Blödsinn.

Inhalt:
5 .. Eszter Anóka - Abschied von den Frauen / Aus dem Ungarischen von Georg Harmat
18 .. Jorge Asís - Die Geschichte von Corina Mujica und dem Pinkel / Aus dem Spanischen von Andreas Klotsch
38 .. Eugen Barbu - Die Bräute / Aus dem Rumänischen von Veronika Riedel
42 .. Stan Barstow - Erstens kommt es anders / Aus dem Englischen von Gisela Petersen
55 .. Vizma Belševica - Nur wegen der verrückten Pauline / Aus dem Lettischen von Welta Ehlert
68 .. Fernanda Botelho - Heißes Bett, kühler Rasen ...
        oder die Unkeuschheit / Aus dem Portugiesischen von Curt Meyer-Clason
80 .. Suzanne Brøgger - Die Blume / Aus dem Dänischen von A.O. Schwede
92 .. Maurice Chappaz - Die schönste Liebesgeschichte / Aus dem Französischen von Pierre Imhasly
94 .. Maria-Luiza Cristescu - Das Denkmal des Komturs / Aus dem Rumänischen von Gerhard Csejka
118 .. Ghanim ad-Dabbagh - Süßwasser / Aus dem Arabischen von Regina Karachouli
127 .. Ita Daly - Aimez-vous Colette? / Aus dem Englischen von Erika Gröger
139 .. Thelma Forshaw - Die große Leidenschaft / Aus dem Englischen von Frank Auerbach
149 .. Pavel Francouz - Der jugendliche Trunkenbold im Park / Aus dem Tschechischen von Hildegund Ruge
154 .. Max Frisch - Glück
161 .. Geneviève Gennari - Der letzte Zug / Aus dem Französischen von Ewald Czapski
176 .. Natalia Ginzburg - Die Mutter / Aus dem Italienischen von Joachim Meinert
189 .. Espen Haavardsholm - Zink / Aus dem Norwegischen von Werner Hennig
218 .. Lillian Jacobsen - Gravid anno Domini / Aus dem Dänischen von Gisela Perlet
234 .. Andris Jakubāns - Tbilissi, Tbilissi / Aus dem Lettischen von Olga Rosneek
254 .. Henri Lopes - Ach, Apolline! / Aus dem Französischen von Karl Heinrich
280 .. Guillermo Meneses - Die Hand neben der Mauer / Aus dem Spanischen von Jochen Martin
295 .. Frank Moorhouse - Ein vollkommener Mann / Aus dem Englischen von Gisela Petersen
310 .. J.M. Mucheru- Ngurouku - Die Überlebenden / Aus dem Englischen von Eva Hoffmann
320 .. Adolf Muschg - Der Zusenn oder das Heimat
336 .. Carlos Olivarez - Travelling / Aus dem Spanischen von Andreas Klotsch
345 .. Lisandro Otero - In schöne Felsen beißen / Aus dem Spanischen von Kristina Hering
380 .. Kazimierz Orłoś - Józeks Hochzeit / Aus dem Polnischen von Jutta Janke
408 .. Ouyang Shan - Die Trauer der Erfolgreichen / Aus dem Chinesischen von Ulrich Kautz
419 .. Regina Pagoulatou-Loverdou - Weiße Nacht / Aus dem Neugriechischen von Panajotis Ghegas
431 .. Klaus Rifbjerg - All ihr Gerede über die Schönheit / Aus dem Dänischen von Rudolf Kähler
441 .. Luise Rinser - Eine dunkle Geschichte
462 .. Ahmed Ruschdi Saleh - Die zweite Frau / Aus dem Arabischen von Dagmar Börnert
481 .. Luigi Santucci - Casanova ho / Aus dem Italienischen von Andreas Klotsch
485 .. Wladimir Sarew - Die Ikone / Aus dem Bulgarischen von Barbara Sparing
493 .. Arvo Valton - Liebe in Mustamäe / Aus dem Estnischen von Alexander Baer
507 .. Vu Thi Thuong - Das Unvermeidliche trat ein / Aus dem Russischen von Erwin Engelbrecht
526 .. Jan Walravens - Wie Porzellan zerbricht / Aus dem Flämischen von Hans-Joachim Schädlich
546 .. Gernot Wolfgruber - Absichtserklärung
551 .. Bekir Yıldız - Bedrana / Aus dem Türkischen von Swoboda Petrowa und Ronald Lötzsch
560 .. Zhang Xian - Ein von der Liebe vergessener Winkel / Aus dem Chinesischen von Irmtraud Fessen-Henjes
585 .. Autoren- und Quellenverzeichnis

Ausgewählt von Anne Hussel
Einbandentwurf: Jens Prockat

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1987  

04 März 2025

Denkwürdigkeiten und Geständnisse des Scharfrichters zu London – Nach dessen Diktaten niedergeschrieben von dem Wundarzte des Newgate zu London

Einbandtext:
Den Slums von London entstammend, beginnt Ketch seine Laufbahn als Gehilfe eines halbkriminellen Winkeladvokaten. Er lernt die Unterwelt kennen, landet im Newgate-Gefängnis, entgeht dem Strick und wird, wieder entlassen, schließlich Scharfrichter zu London, Nachfolger seines Onkels Jonathan Ketch. Im zweiten Teil seiner Lebensgeschichte läßt Ketch den Leser hinter die Kulissen seines unheimlichen Amtes blicken. Er berichtet von mißglückten Hinrichtungen, Justizirrtümern, übt Kritik an der Härte und Willkür der englischen Gesetzgebung des 19. Jahrhunderts.

Klappentext:
Der Scharfrichter John Ketch berichtet aus seinem Leben. Er erzählt, wie er zu dem grausigen Amt kam, das er schließlich in London und anderen Städten ausübt. Sein Bericht leuchtet hinein in die frühbürgerlichen Gesellschaftsverhältnisse Englands.
Ketch begann als Gehilfe eines Winkeladvokaten, er wurde zum Dieb und wurde erwischt. Schon fast unter dem Galgen stehend, entkam er durch ein kleines Wunder dem Strick. Ein zweites Wunder geschah: Sein Onkel, der Scharfrichter von London, starb, und John erhielt dessen Amt. Die erforderliche Prüfung bestand er: So wuchs er hinein. Was ihm sein Amt nicht austreiben konnte, das war sein Gewissen. Ketch machte sich Gedanken. Über die Hingerichteten und die Davongekommenen. Auch über jene, die man mehrmals hinrichten mußte, weil selbst ein Scharfrichter schludert, Ketch fühlte sich als oberster Gesetzesvollstrecker, als Herr über Leben und Tod. Und er sah manches kritisch: seine Zeit, die Menschen, die er zu Tode bringen mußte. Er entdeckte, daß er Schuldige ebenso richten mußte wie Unschuldige.
Aus diesem Nachdenken ist ein Zeitdokument entstanden, grausig und moralisch, selbstgerecht und nachdenklich-kritisch. Das Leben eines Scharfrichters, dem man gleichsam über die Schultern schaut, den man in seinen Gedanken belauscht, entsteht vor dem Leser – darin agierend John Ketch, letztlich ein Ankläger der Stumpfheit und Schluderei, der Willkür und Grausamkeit. Das Sensationelle verschwimmt, die Nachdenklichkeit tritt hervor. Die Zeit wird lebendig aus einer Perspektive, die dem Leser völlig ungewohnt ist.

Inhalt:
Einleitung
Ein Besuch bei dem Henker von London 5
Erste Abteilung
John Ketch als Knabe, Jüngling, Wurstmacher, Gauner und Leichenhändler.
I. Die Geburt von Ketch. – Wie er ein Autor wird. – Sein physisches Porträt.  – Das Haus, worin er geboren. – Sein Vater, seine Mutter und die Sackwäscherei. – Häusliches Ereignis. .. .. .. .. 30
II. Letztes Gespräch zwischen Ketch und seinem Vater. – Letzter erhabener Augenblick. – Versammlung der alten Weiber bei der Witwe Ketch. – Was wird aus dem Kleinen werden? .. .. .. .. 34
III. Der junge Ketch in einer Schule der Mildtätigkeit. – Seine ersten Waffentaten. – Sein Krieg gegen den Pedellen. – Seine Mutter in Botanibay. – Sein Alleinstehen in der Welt. – Er sucht seinen Oheim, den Scharfrichter, auf. – Porträt von Jonathan Ketch, dem Scharfrichter von London. – Haushalt desselben.  – Mistreß Ketch, die Henkerin des Henkers .. .. .. .. 37
IV. Häusliche Szenen. – Der Scharfrichter und seine Frau. – Intervention des Neffen. – Eine neue Person. – Was ein Attorney ist. – Porträt von Jabel Snavez. – Was e r unter Rechtspflege versteht. – John Ketch bei dem Attorney. – Philosophische Theorien über das Eigentum. .. .. .. .. 43
V. Die Schreibstube eines Attorney zu Cheapside. – Der Schreiber des Attorney. – Das Frühstück in der Kanzlei. – Der einzige Klient .. .. .. .. 47
VI. Die Schenke »Zur Flasche und Elster«. – Ihr Inneres. – Ihre Bewohner. – Die Gaunersprache. – Herr Wilmot, der Oberst außer Dienst. – Der erste des Galgens würdige Streich. – Meister Spitzbube findet seinen Meister .. .. .. .. 51
VII. Ein Abend in der Taverne. – Geschichte des Deportierten Grimes. – Die Diebe zu London. – Ketchs Erziehung wird vollendet. – Erzählung des Patriarchen der Diebe von London .. .. .. .. 60
VIII. Ketch tritt in die Welt ein. – Seine Wohnung in dem Bezirk von Whitechapel. – Seine Unternehmungen. – Die Raubhöhlen von Ketch und seinen Genossen .. .. .. .. 84
IX. Sitten der Diebe zu London. – Die kleinen Diebe. – Die Rendezvous der Gauner. – Anekdoten .. .. .. 89
X. Weitere Taten von Ketch. – Die Plünderung der Kasse des Bankiers. – Verhaftung. – Wie man richtet und verurteilt. – Der bestohlene Dieb. – Wiederbefreiung .. .. .. .. 97
XI. Ketch als honetter Mann. – Ein Ereignis, welches ihn auf seine frühere Laufbahn zurückschleudert. – Neue Verhaftung. – Menschenhaß des Diebes. – Ketch auf dem Punkt, gehangen zu werden .. .. .. .. 101
XII. Ketch als Gesetzgeber und Moralist. – Seine Verurteilung zum Tod. – Ein Entlastungszeuge. – Seine Begnadigung .. .. .. .. 109
XIII. Szenen im Hospital von Newgate. – Der fromme Dieb. – Der gottlose Dieb. – Der Verrückte .. .. 113
XIV. Ketch handelt mit Leichnamen. – Ein Mord. – Die Vorbereitung zu seinem Gewerbe als
Scharfrichter. .. .. .. .. 122

Zweite Abteilung
John Ketch als Scharfrichter und Philosoph
I. Ketch wird als Scharfrichter angestellt. Seine Aufnahme bei dem Sheriff und dem Almosenier .. .. .. .. 138
II. Erstes Abenteuer des Scharfrichters. – Das Mißglükken einer Hinrichtung .. .. .. .. 143
III. Die Pharyngotomie. – Ketch wird angeklagt und mit dem Verlust seines Amtes bedroht. – Er behauptet sich darin. – Großes Verzeichnis von Gehängten. – Die Polizeiagenten .. .. .. .. 147
IV. Der halb Gehängte. – Der zerrissene Strick. – Wirkungen der Hinrichtungen auf das Volk .. .. .. .. 154
V. Mord von Steele. – Hinrichtung zweier Unschuldiger. – Metzelei auf dem Hinrichtungsplatz .. .. .. .. 158
VI. Eine seltsame Monomanie. – Besuch bei Ketch. – Der Philosoph. – Verschiedene Arten, das Leben zu verlieren. – Anekdoten .. .. .. .. 161
VII. Die Hinrichtungen .. .. .. .. 166
VIII. Die unglückliche Familie. – Der Traum eines Spielers .. .. .. .. 170
IX. Der Besuch einer Geliebten. – Die Bitte .. .. .. .. 178
X. Das Gesuch um Gnade. – Der Staatsminister. – Die Mutter des Verurteilten .. .. .. .. 184
XI. Aston. – Der lange Tom. – Die Matrosenpresse .. .. .. .. 192
XII. Ketch wird zu einem Mitglied des Parlaments gerufen. – Seine Ansicht über die Philanthropie dieses Berühmten Mannes .. .. .. .. 195
XIII. Wucherer, Pfandleiher und andere Geldverborger. – Luftige Akzeptanten .. .. .. .. 197
XIV. Der Bankier Fountleroy .. .. .. .. 201
XV. Die Spieler und die Handelsleute .. .. .. .. 209
XVI. Hunton, der Fälscher. – Geschichte einer Handelskrisis der ersten zwanzig Jahre des neunzehnten Jahrhunderts .. .. .. .. 216
XVII. Betrug gegen eine Assekuranzgesellschaft. – B . . . – Der junge Deportierte .. .. .. .. 223
XVIII. Geschichte eines jungen Deportierten. .. .. .. .. 225
XIX. Schluß. – Resümee der Denkwürdigkeiten .. .. .. .. 230

Herausgegeben und nach einer alten Übersetzung von Ferdinand Freiherr von Biedenfeld (Weimar 1840) bearbeitet von Hans Joachim und Irene Kruse
Umschlag- und Einbandgestaltung: Jens Prockat

Verlag Das Neue Berlin, Berlin
1. Auflage 1987

02 Februar 2025

John Stave: Quietschvergnügt durch alle Kurven – Geschichte der Straßenbahn

Vorwort
Heutzutage steigen die Leute, nachdem sie sich überzeugt haben, daß es die richtige Linie ist, in die Straßenbahn ein, und fertig. Sie lesen oder dösen ein bißchen, und die wenigsten Fahrgäste machen sich Gedanken darüber, warum, weshalb, wieso, seit wann und wie lange noch Straßenbahnen in den Städten fahren. Sie bezahlen ihr Fahrgeld, und alles andere ist Sache der Straßenbahn oder der Straßenbahner. Es gibt sogar Leute, die nicht mal bezahlen!
Aber die Straßenbahn ist eine ganz interessante Angelegenheit, und wer dieses Büchlein hier bis zum Ende gelesen hat, der ist fein raus. Genau wie Michael Deichmann, dessen ganze Familie mit diesem Verkehrsmittel eng verbunden ist. Schon sein Ururopa hatte mit der Straßenbahn zu tun, die seinerzeit allerdings noch etwas anders aussah als die heutigen Tatra-Straßenbahnen aus Prag. Michaels Uropa war bei der Straßenbahn, Michaels Opa ebenfalls, und Michaels Vater arbeitet für die Straßenbahn. Die Mutter nicht, aber sie hat Michael eingeschärft, pünktlich mit der Bahn vom Fußballtraining nach Hause zu kommen.
Also, wie gesagt: Wenn einer ein bißchen besser über die Straßenbahn Bescheid weiß und dann erlebt, wie die anderen Fahrgäste lesen oder dösen, ist er ihnen haushoch überlegen. „Wenn die wüßten, was ich weiß“, sagt er glücklich, schließt die Augen und fährt versehentlich ein paar Haltestellen zu weit. Genau wie Michael Deichmann. Pech im Glück nennt man das wohl. Am Schluß des Buches weiß jeder genau, was es nun eigentlich war.
John Stave

Buchanfang:
Wie der Stadtverkehr entstand
Wollte man in früheren Zeiten reisen, so kam man nicht leicht von einer Stadt zur anderen. Zuerst wurden überhaupt nur Briefe oder Nachrichten transportiert.
Das besorgten Boten zu Fuß oder zu Pferde. Später, im Mittelalter, ratterten Postkutschen über die holprigen Landstraßen und nahmen auch Leute mit, meist Händler oder Beamte.
Natürlich mußten die Pferde unterwegs gewechselt werden. Das geschah in Ausspannungen oder Poststationen. Da gab es auch Erfrischungen für die Reisenden, denn so eine Postkutsche war oft mehrere Tage unterwegs.
Und in den Städten? Was war dort los? Fuhr dort schon eine Straßenbahn?
Bevor man an die Straßenbahn überhaupt nur denken konnte, mußten erst einmal die Städte wachsen. In Neubrandenburg zum Beispiel, auch in Bernau und in vielen anderen Städten, kann man noch heute die mittelalterlichen Befestigungsanlagen erkennen. Man läuft von einem Stadttor zum anderen höchstens 15 Minuten. Und Berlin war damals nicht größer als ein Dorf, etwa so groß wie heute Kümmernitz, Klein Bademeusel, Siegrothsbruch oder gar Kaltwasser. Es war also überhaupt nicht notwendig, in irgendeiner Stadt, ob Berlin, Dresden, Leipzig oder anderswo, Straßenbahnen ihre Runden drehen zu lassen. Erst als das technische Zeitalter begann .........

Illustrationen von Jens Prockat
Für Leser von 7 Jahren an
   
Verlag Junge Welt, Berlin
1. Auflage 1982
2. Auflage 1986
3. Auflage 1989