05 Februar 2021

Hans-Günter Krack: Verliebt in eine Lady




Von Usch und Frank weiß man, daß sie sich im Klub kennengelernt haben und fest miteinander gehen. Niemand, der sie kennt, würde glauben, daß zwischen ihnen etwas nicht stimmt. Und trotzdem sind sie nahe daran, auseinander zu laufen.

Verlag Neues Leben, 3. Auflage 1980
Illustrationen Karl Fischer

Christa Grasmeyer: Verliebt auf eigene Gefahr


Mich wird so leicht keine wieder einfangen, denkt Johannes, und als er Irene kennenlernt, greift er zu höchst merkwürdigen Vorsichtsmaßnahmen. Aber gerade die bringen ihn in Schwierigkeiten.

Verlag Neues Leben, 2. Auflage 1986
Illustrationen Schulz/Labowski

Heike Grabs: Verdammt, es geht weiter


 Sie sind alle ratlos, als er zuckend am Boden liegt. Frank Lindt steht kurz vor dem Abschluß der 10. Klasse. Er will danach zur Hochseefischerei gehen. Doch plötzlich scheint seine so klare Zukunft in Frage gestellt.

Verlag Neues Leben, 2. Auflage 1987
Illustrationen Karl Fischer

03 Februar 2021

Jurek Becker: Der Boxer


 Man könnte sagen: Da erzählt ein einsamer alter Mann, dem kein sinnvolles Leben mehr gelang, nachdem er überlebte. Zwei lange Jahre war der Ich-Erzähler dieses Romans vergeblich im eigenen Interesse bemüht, Aron Blank zum Reden zu bringen, im Gespräch seine einem Außenstehenden kaum verständliche Lebensgeschichte aufzuschließen: von der Befreiung aus dem KZ bis zu dem vermutlichen Tod seines vermutlichen Sohnes Mark in Israel. Gewiß, der Alte ist ein schwieriges Objekt für ein derartiges Unterfangen, er besteht störrisch darauf, seine Geschichte zu erzählen, die nicht die Nachkriegsgeschichte sei, da dürfe es doch wohl Unterschiede geben; immer wieder entzieht er sich nicht ohne List unbequemen Fragen, die auf Gründe zielen, Motivationen suchen – es bleiben Vermutungen, Widersprüche, weiße Flecken in seiner Biographie. Doch für Aron in seiner auch selbstverschuldeten Einsamkeit ist der beharrliche Interviewer am Ende ein unentbehrlicher Partner geworden, eine Brücke zur Umwelt. Schon immer hat er sich die Leute daraufhin angesehen, ob man mit ihnen reden konnte: die schöne junge Paula, die er nicht zu halten vermochte, Ostwald, der sein Freund hätte werden können, wenn er nicht vorschnell seinem Leben ein Ende gesetzt hätte, Abraham Kenik, der nach Palästina geht, als der schwarze Markt ihn nicht mehr braucht, und die geduldige, aber problemlose Irma, die zur legitimen Ehefrau avancieren möchte.

Dieser Roman Jurek Beckers ist ein zutiefst menschliches Plädoyer für einen Außenseiter, hinter dessen verfehltem Leben nicht Resignation steht, sondern die große Müdigkeit des Opfers.

VEB Hinstorff Verlag Rostock, 4. Auflage 1981

Mark Twain: Kapitän Stormfields Besuch im Himmel


 Von seiner phantastischen Fahrt durch den Weltenraum und seiner Landung im Himmel lässt der große amerikanische Humorist Mark Twain den Kapitän Stormfield aus San Franzisko selbst erzählen. Als er von seinen Wettfahrten mit riesigen Kometen berichtet, schneidet er, ein waschechter Yankee, mächtig auf. Aber seine irdische Selbstsicherheit bekommt einen gehörigen Knacks, als er sich droben belehren lassen muss, was für eine kleine „Warze“ die Erde ist und zu welcher Winzigkeit gar, vom himmlischen Aspekt aus, die Vereinigten Staaten zusammenschrumpfen. Auch sonst sind manche Korrekturen notwendig: das himmlische Paradies besteht nicht wie in den Schilderungen der Prediger aus Harfenspiel und seligem Nichtstun, sondern auch hier herrschen Tätigkeit und Entwicklung. Nur wird hier oben die freie Entwicklung nicht gehemmt, und es gibt etwas, was Kapitän Stormfield drunten nicht kennengelernt hat: Gerechtigkeit. Nicht alle, die auf Erden als groß galten, sind es auch hier, sondern nur jene, die wirklich Großes zu leisten imstande sind. Und was zunächst nur wie eine phantastische Spielerei anmutete, erweist sich für den aufmerksamen Leser der abenteuerlichen Geschichte als eine Kritik, in der Mark Twain nach altem wirksamem Rezept mit Lachen die Wahrheit sagt, wie er sie sah.

Aufbau-Verlag GmbH, 1955
Illustrationen von Elizabeth Shaw.
Übersetzt von C. Palma und H. Peiser.

Viktor Dyk: Die Ballade vom Rattenfänger

 

Die mittelalterliche Sage vom Rattenfänger von Hameln, deren geheimnisvoll faszinierende Atmosphäre immer wieder Dramatiker und Dichter, unter ihnen Goethe, fesselte und inspirierte, ist auch der Vorwurf für diese von wahrer Poesie erfüllte Novelle des tschechischen Schriftstellers Viktor Dyk. In Dyks Darstellung nimmt die Gestalt des Rattenfängers zutiefst menschliche, fast ist man versucht zu sagen, faustische Züge an, und seine betrogene Liebe zu dem Mädchen Agnes wird zum unmittelbaren Anlass der Katastrophe. Nachdem der Fremde die Stadt Hameln von den Ratten gesäubert hat, folgt auch das menschliche Ungeziefer und mit ihm alle Einwohner ohne Unterschied, jung und alt, groß und klein, den lockenden Tönen seiner Pfeife, die vom gelobten Land, vom Siebenbürgener Land erzählt, von all den geheimsten Sehnsüchten und Wünschen des Menschen.

In der hervorragenden Übersetzung von Erich Bertleff und mit wunderschönen Illustrationen von Cyril Bouda stellt dieses Buch ein Kleinod feinsinniger Erzählerkunst dar und ist trotz seines mittelalterlichen Themas in Auffassung und Zielsetzung so modern wie alles wahrhaft Große.

Artia, Prag, 1962
Übersetzt von Erich Bertleff.
Illustrationen von Cyril Bouda.

02 Februar 2021

Werner Steinberg: Protokoll der Unsterblichkeit


 Werner Steinberg protokolliert in seinem Roman das tragische Leben des großen deutschen Dichters Georg Büchner.

Die kurzen Jahre dieses Daseins sind erfüllt von äußeren und inneren Spannungen: Büchner studiert in Straßburg und Gießen Medizin, nimmt an revolutionären Verschwörungen teil, verfaßt die Flugschrift "Der Hessische Landbote", wird von dem unerbittlichen strengen Vater im Darmstädter Elternhaus festgehalten, flüchtet nach Frankreich und schreibt trotz der Turbulenz des Geschehens und obwohl er steckbrieflich gesucht wird, seine bedeutenden literarischen Werke und seine Dissertation. In Zürich, wo er Privatdozent an der neuen Universität wird, ereilt ihn ein schreckliches Ende. Über allem diesem aber steht seine unwandelbare Liebe zu Minna Jaeglé.

Werner Steinberg spiegelt nicht nur die menschliche Größe dieser Gestalt, er gibt darüber hinaus in einer literarische reizvollen Form ein farbiges Bild Deutschlands zur Zeit Georg Büchners.

Mitteldeutscher Verlag Halle/Leipzig, 5. Auflage 1969