19 Februar 2024

Juri Schowkopljas: Der Mensch lebt zweimal

Klappentext:
„Nadel! Skalpell!“ Sekundenlang steht Drus unbeweglich, um Kräfte zu sammeln und sich zu konzentrieren. Nichts stört die Stille im Operationssaal. Die Blicke aller Anwesenden sind auf den Operationstisch gerichtet. Ist es Wahnsinn, was dieser Stationsarzt vorhat, oder ist es wirklich die letzte Möglichkeit, den schwerkranken Wassyl Maxymowytsch zu retten, ihm ein „zweites Leben“ zu ermöglichen? Der junge, bisher kaum in Erscheinung getretene Serhi Drus besteht seine Bewährungsprobe als Arzt. Er gewinnt das Vertrauen von Kollegen und Patienten und findet auch persönlich Erfüllung in der Liebe zu Tetjana Fedoriwna, der Tochter des Professors. Seine beherzte Tat verfehlt ihre Wirkung nicht – sie zwingt alle, über ihr bisheriges Leben nachzudenken ...


Originaltitel:Юрій Шовкопляе - Людина живе двічі
Aus dem Ukrainischen übersetzt von Traute und Günther Stein
Einbandgestaltung Rudolf Grüttner

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
1. Auflage 1969
2. Auflage 1972
3. Auflage 1975

Berechtigte Ausgabe im Buchclub 65
Lizenz des Aufbau-Verlag, Berlin u. Weimar.
1. Auflage 1972

Stendhal: Lamiel

Einbandtext:
Die Radikalität, mit der Stendhal in „Lamiel" die Konventionen des bürgerlichen Lebens negiert, die satirische Prägnanz, mit der er den feudalen Snob und den bürgerlichen Opportunisten verurteilt, und nicht zuletzt die anmutige Gestalt Lamiels, die sich über alle „geheiligten“ Werte der Gesellschaft hinwegsetzt, heben das Werk in den Rang einer künstlerischen Leistung von bleibendem Wert.
Mit der vorliegenden, vollständigen Übertragung dieses Romanfragments, dem noch Varianten und Ergänzungen Stendhals beigefügt sind, setzen wir unsere von Manfred Naumann besorgte Ausgabe von Stendhals Gesammelten Werken in Einzelbänden fort. Der Herausgeber hat dazu ein ausführliches Nachwort geschrieben und dem Buch einen erläuternden Anmerkungsapparat beigegeben.

Manfred Naumann (Hrsg.)
Titel des französischen Originals: LAMIEL
herausgegeben von Henri Martineau, in: Stendhal, Romans et Nouvelles, Bibliothèque de la Pléiade, Band 13, 1956
Übersetzt von Günther Steinig
Einband und Schutzumschlag: ALM/Günter Krebs

Einband der Neuauflage 1994

Verlag Rütten & Loening Berlin
Reihe:
Stendhal / Gesammelten Werken in Einzelbänden
1. Auflage 1965
2. Auflage 1967
3. Auflage 1973
Neuauflage
1. Auflage 1994 / Übersetzung: Günther Steinig
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Aufbau-Verlag Berlin und Weimar

Lizenz d. Winkler-Verl., München. - Ausg. f.d. DDR / Übersetzung: Walter Widmer
1. Auflage 1957
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Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
Reihe:
bb ; 504
1. Auflage 1983

18 Februar 2024

Albert Wendt: Die Dachdecker – und andere Stücke und Texte

Einbandtext:
»Wie leicht ist es doch, die Baumblüte zu besingen /oder die Ernte oder das Fallen der Blätter./ Aber wie schwer das Wachsen des Holzes.« Äußerlich geht es in den Stücken von Albert Wendt meist um ganz gewöhnliche Begebenheiten. Da wird die Ernte eingebracht oder ein Haus gedeckt, wird ein Kabel repariert, ein Autotransport durchgeführt, trifft man sich zur Frühstückspause oder zur Weihnachtsbescherung. Lapidar wird erzählt, mitunter vergnüglich, manches nur angedeutet, in halben Sätzen – ob es um Grundeinstellungen zum Leben geht, um ein menschliches Miteinander oder die Findung von Wahrheit. – In den Kinderstücken haben herkömmliche Figuren unserer Märchentradition oft eine überraschend neue Funktion: ein freundlicher Tod, eine schöne Hexe, ein hilfsbereiter Wind. Phantasievoll und poetisch werden Konflikte ausgetragen und moralische Aussagen getroffen.

 

Inhalt:
Die Grille 7
Die Weihnachtsmänner 17
Nachtfrost 23
     Der vornehme Herr Aphorismus 43
     Auf dem Strom des Lebens 44
Die Teefrau 47
     Darsteller über das Stück 58
Schritte 61
     Wenn ich erst laufen kann 72
     Nichts geht über die Liebe 74
Die Dachdecker 77
     Brief des Regisseurs (Siegfried Höchst)119
Die Kellerfalle 121
     Aphorismen zur Kellerfalle 153
     Produktiver Umgang mit Gegenwartsdramatik (Karl Georg Kayser) 155
     Kunst dringt tief in die Menschen 157
Das Hexenhaus 159
Der Sauwetterwind 179
C-Eierhuhn und Stolperhahn 199
Manche Kinderstuben 220
Gespräch mit Albert Wendt (Karl-Heinz Müller)221
Karl Heinz Schmidt: Brief an einen Theatermann (Nachwort) 226
Biographie 237
Anmerkungen 238

Mit einem Nachwort von Karl Heinz Schmidt

Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin
Reihe:
dialog
1. Auflage 1984  

Eberhard Baumann: Bodenfruchtbarkeit im Garten

Einleitung
Über 120 000 ha Fläche unserer Republik werden als Klein-, Haus- und Siedlergärten genutzt. Das sind etwa 2,7 % der insgesamt verfügbaren Ackerfläche oder etwa ebensoviel wie die zur Produktion von Gemüse und Obst für die Marktversorgung genutzte Freilandfläche. Die Klein-, Haus- und Siedlergärten sind damit nicht nur Stätten einer ausgleichenden Freizeitbeschäftigung, der körperlich aktiven Erholung und Entspannung, sondern sie haben auch volkswirtschaftlich große Bedeutung. Durch den Anbau von Gemüse und Obst kann zu einem erheblichen Teil der Bedarf der Freizeitgärtner und ihrer Familien an diesen wert vollen Nahrungsmitteln gedeckt werden. Darüber hinaus werden beträchtliche Mengen nicht selbst benötigter Produkte dem Handel zugeführt und dienen damit einer verbesserten Versorgung der Bevölkerung, insbesondere auch durch eine Erweiterung des Angebotssortimentes. Neben Obst und Gemüse ist ferner der kaum erfaßbare Wert von Blumen aus dem Garten zu berücksichtigen.
Es entspricht den volkswirtschaftlichen Interessen, wenn in dem Beschluß des 5. Verbandstages des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, dessen über 1,2 Millionen Mitglieder etwa 50 000 ha Bodenfläche unserer Republik nutzen, auch für die kommenden Jahre das Ziel gestellt wird, auf 100 m² Gartenfläche mehr als 100 kg Obst und Gemüse zu erzeugen. Dies ist real und wird in vielen Gärten überboten, wobei bewiesen wird, daß ein schöner Garten zugleich ein produktiver Garten sein kann und muß.
Der Entwicklung der Klein- und Siedlergärten wird in unserer Republik allseitige Beachtung geschenkt. Dies beweisen zahlreiche Beschlüsse der Partei der Arbeiterklasse, staatlicher und gesellschaftlicher Organe und entsprechende Vereinbarungen zur Förderung der Arbeit der Mitglieder des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter.
Zur Erhaltung und Erweiterung des Bestandes an Kleingärten sind u. a. in allen Kreisen langfristige Konzeptionen auszuarbeiten. Die Möglichkeiten zur Futterproduktion sind verstärkt zu nutzen. Das Recht zur Nutzung eines Gartens, gleich welcher Art, schließt zwangsläufig die Pflicht zur produktiven Nutzung des damit überlassenen Bodens ein. Die großen Anstrengungen aller Werktätigen unserer sozialistischen Landwirtschaft und des Gartenbaus um die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, um die Erhöhung der Produktion dürfen von den Gartenfreunden nicht übersehen werden. Auch sie müssen sich darum bemühen, daß der ihnen anvertraute Boden auf unbegrenzte Zeit hohe Erträge bringt. Dazu ist ein umfassender Komplex von Maßnahmen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit durchzuführen. Die vorliegende Schrift will all denen, die in ihrer Freizeit einen Garten bebauen, dabei Anleitung und Hilfe geben.
Es soll aber nicht nur dargestellt werden, was zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit im Garten gemacht werden muß, sondern auch wie es gemacht werden muß und warum die einzelnen Maßnahmen notwendig sind; auch soll das Zusammenwirken mit Umweltfaktoren, dem Pflanzenwachstum und mit anderen Aufwendungen im Garten verdeutlicht werden. Es wird versucht, dazu notwendige Grundlagen und Zusammenhänge bewußt einfach und verständlich zu zeigen. Die Anwendung der Erkenntnisse aus dieser Schrift soll dazu beitragen, durch hohe Bodenfruchtbarkeit die Freude an der Gartenarbeit zu erhöhen und zum Nutzen des Gartenfreundes und der gesamten Gesellschaft reiche Ernten zu erreichen.

mit 8 Farbtafeln und 73 Abbildungen im Text
Die Zeichnungen fertigte E. Halwaß, Nossen, nach Vorlagen des Verfassers.
Die Farbtafeln wurden von Gisela Jahrmärker, Berlin, gestaltet.
Die Fotos stellte der Verfasser zur Verfügung.
Umschlaggestaltung: Sieghard Hawemann, Christiane Gottschlich

VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin
Reihe:
Bücher für den Gartennutzer
1. Auflage 1984
2. Auflage 1985

17 Februar 2024

Alberto Moravia: Das Paradies – Erzählungen

Verlagstext:
Alberto Moravia, geboren 1907, meistübersetzter italienischer Schriftsteller der Gegenwart, verdankt seine bereits über Jahrzehnte anhaltende Popularität nicht allein dem griffigen, salopp-ironischen Stil seiner Prosa, sondern in gleichem Maße einem ausgeprägten Sinn für aktuelle Probleme, für Themen, die „in der Luft liegen“. Seit seinem aufsehenerregenden Erstling „Die Gleichgültigen“ (1929) hat es Moravia immer wieder verstanden, ein aus der historischen Situation erwachsendes Lebens- und Zeitgefühl in anschauliche Bilder zu fassen. Im „Paradies“ betreibt er die luzid-sarkastische Analyse menschlicher Beziehungen, die durch die Macht der Dinge, die Regeln einer auf Besitz gegründeten Welt, vergiftet sind. Vierunddreißig bürgerliche Frauen kommen hier zu Wort, jede erzählt in der ersten Person ihre Geschichte. Ausgangspunkt ist stets ein gestörtes Verhältnis zur Umwelt, zur Familie, zum Mitmenschen, das in den Frauen seltsame Reaktionen bewirkt. Um sich von Frustrationen und Ängsten zu befreien, um ihre innere Leere und Isolation ertragen zu können, konzentrieren sie sich auf eine fixe Idee, ein Verhaltensmuster, das ihrem Dasein, wenn schon nicht einen Sinn, so doch eine lebbare Form geben soll. Was im einzelnen Fall als eigenartiger Tick erscheinen könnte, wird im Zusammenhang als neurotische Reaktion auf einen unerträglichen Zustand begreifbar. Das Exzentrische erweist sich als das Normale, die heillose Schrulle enthüllt sich als Antwort auf eine defekte Welt

Buchanfang:
Kalkuliertes Risiko
Er sagt oft: „Mach mich nicht wild“, und dann schaue ich ihn an und sehe, daß er alles andere ist, nur kein wildes Tier. Zumindest nicht so eins, wie er es meint, wenn er sagt: „Mach mich nicht wild.“ Er ist ein kräftiger junger Mann, brünett, mit hellen Augen, und er ist so stark behaart, daß die Haare seine Armbanduhr am Handgelenk überwuchern; aber er ist ein gesitteter, beherrschter, höflicher, wohlerzogener Mensch. Gekleidet wie ein Künstler, wenn man so will, mit Pullover, Anorak, Niethosen, Wildweststiefeln; aber alles neu, picksauber, wie bei einer Schaufensterpuppe in einem Konfektionsgeschäft. Ich sage zu ihm: „Was heißt wild, wo ist da was Wildes? Weißt du, was du bist? Ein Kavalier aus dem achtzehnten. Jahrhundert, ein Galan, ein Schönling. Dir fehlt nur noch der Degen an der Seite, die Perücke mit den langen Haaren hast du ja schon.“ Immerhin sage ich all das ohne Boshaftigkeit, als herzlich zugetane, verliebte Ehefrau, die ich ja bin.
Aber ich langweile mich bei ihm; und wenn wir sonntags geruhsam Arm in Arm spazierengehen, dann merke ich, daß mein Blick unwillkürlich in der Menge umherschweift und nach anderen Gesichtern, anderen Physiognomien Ausschau hält. Ich ertappe mich bei dem Gedanken: Der da, der mit der niedrigen Stirn, der gebogenen Nase und dem breiten, hin und wieder zuckenden Kinn, würde der mir eine Ohrfeige geben? Oder der andere da, der mit dem hageren, bleichen, ausgemergelten Gesicht, dem lippenlosen Mund, der schmalen Nase und den stahlgrauen Augen, würde der mir ganz langsam den Arm umdrehen, bis mir vor Schmerz die Sinne schwinden? Fast als erriete er meine Gedanken, spüre ich ab und zu an meinem Arm, daß sich seine mächtigen Muskeln (er ist stark, bärenstark, er trainiert dauernd, auf dem Sportplatz, im Schwimmbad, auf dem Tiber) erregt straffen. Sie ziehen sich zusammen, als wollten sie mir sagen: Wir sind da, gib acht, wir sind wirklich da. Aber ich bin nahe daran, die Achseln zu zucken: Ach, da wäre was anderes vonnöten als ein paar gestraffte Muskeln.

Titel der Originalausgabe: IL PARADISO
Aus dem Italienischen von E.-A. Nicklas
Einbandentwurf: Lothar Reher

Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe:
Volk und Welt Spektrum Nr. 58
1. Auflage 1973
2. Auflage 1974

Gerald Hübner: Der verhinderte MiG-Pilot – Geschichten aus dem Soldatenalltag

Einbandtext:
Plötzlich schrie Jörg, vor Aufregung krebsrot im Gesicht: „Da, da ist er.“ Nun brüllte auch Benno aus Leibeskräften: „Eddi, Eddi!“ Alles andere geschah in Windeseile. Die beiden sprangen über die Absperrung, rannten zum Panzer, kletterten auf die Wanne und drückten Eddi ihre Geschenke in die Hand. „Seid ihr verrückt geworden?“ fragte Eddi und strahlte dabei: Da kam auch schon ein Volkspolizist herbeigeeilt und wollte wissen, ob sie von allen guten Geistern verlassen seien und was er mit ihnen machen sollte. Gleich beginne die Parade. – Gerald Hübner erzählt ernste und heitere Begebenheiten aus der Wehrdienstzeit junger Soldaten unserer Volksarmee. Seine Geschichten und Anekdoten fügen sich zu einer informativen und unterhaltenden Lektüre.

Illustrationen von Harri Parschau
Für Leser von 10 Jahren an

Der Kinderbuchverlag Berlin
1. Auflage 1985
2. Auflage 1988

16 Februar 2024

Johannes Urzidil: Die Rippe der Großmutter – Erzählungen

Klappentext:
„Jede Nacht, bevor ich zum Schlaf gelange, treten alle meine Mängel auf mich zu, umringen mich und drohen mir. Schließlich schlafe ich dann trotzdem ein, denn ich lebe paradoxerweise trotz meinen Werken.“ Nicht, daß wir einen Schriftsteller vorzugsweise zu lesen hätten, wenn ihm seine Mängel selbst bewußt sind. Selbstkritik aber, eines hochgeehrten Autors noch dazu, ist eine Haltung, die auch die Werke prägen wird. Urzidils beste Erzählungen leben von dieser Fähigkeit des Autors, sich selbst nicht als Nabel der Welt zu sehen, sondern wie ein Kristall sein zu wollen, durch den Licht farbig aufgefächert wird. Menschen und Dingen zur Sprache zu verhelfen, sie zu Wort kommen zu lassen, ohne ihnen fremde Worte aufzudrängen, dies war der Schaffensantrieb Johannes Urzidils, der am 3. Februar 1896 in Prag geboren wurde und dort seine literarische Jugend mit Werfel und Kisch und Kafka und manchem anderen Hochberühmten verbrachte. Seine eigene künstlerische Reife kam erst viele Jahre später, es war die Reife des welterfahrenen Mannes mehr als die einer elementaren dichterischen Begabung. Als Sechzigjähriger in New York, wo er 1941 als Emigrant gelandet war, veröffentlichte Urzidil seinen ersten wirklich bedeutsamen Erzählungsband.
Altersdichtungen? Wenn damit präzise Erinnerungen, klare Sprache und sicheres Erzählen gemeint sind, dann wird man diesen Begriff gebrauchen dürfen. Setzt euch nieder, scheint Urzidil bei jeder Geschichte zu sagen, ich will euch etwas erzählen. Und wer hörte nicht zu, wenn das alte Prag Gestalt gewinnt mit seinen einfachen Leuten, mit seinen Kindern vor allem? Überhaupt die Kinder: wer ließe sich nicht gern von ihren „Spielen und Tränen“ betören, sei es in Prag, New York oder in Gibacht, das niemand kennt, bevor er es nicht durch Urzidil kennengelernt hat? Auch einem Elefantenritt kann man folgen. Durch das eben aus dem Mittelalter erwachende Deutschland. Man sieht die Gaffenden und die zu Tode Erschrockenen. Man leidet und hofft mit dem hoch zu Elefant fliehenden jungen Mann, dem nachmals weltberühmten tschechischen Kupferstecher Vaclav Hollar.
Urzidil bewegt nicht die gewaltigen Stoffe unseres Jahrhunderts, und wenn er sich ihnen nähert, wie im „Gold von Caramablu“ dem Spanischen Bürgerkrieg, dann zeigt er, wie eine kleine, abgeschlossene Welt in die große hineingerissen wird. Urzidil spricht von den Alltäglichkeiten dieser Zeit, und er spricht leise von ihnen. Man muß seinen sorgsam gesetzten Tönen aufmerksam folgen, wegnehmen darf man nichts, hinzusetzen alles. Das aber kann jeder, weil jeder Kindheit und Alltäglichkeit erlebt hat.
Johannes Urzidil, der hundert Jahre alt werden wollte, um den Glückwünschen, die ihn zu seinem 70. Geburtstag erreichten, „gebührend gerecht“ zu werden, starb am 2. November 1970 in Rom. Huldigungen brauchen wir ihm nicht darzubringen, seine Mängel müssen wir nicht hinausposaunen – die kannte er selbst –, für beides war er wohl nicht spektakulär genug. Jeder aber kann sich davon. überzeugen, daß Urzidil durch seine besten Erzählungen lebt, weil er sich auf das, was er wirklich erlebt, gesehen und ergriffen hat, zu beschränken wußte.

Inhalt:
Das Elefantenblatt 5
Die Herzogin von Albanera 43
Relief der Stadt 79
Spiele und Tränen 98
Denkwürdigkeiten von Gibacht 120
Von Odkolek zu Odradek 166
Die letzte Tombola 189
Repetent Bäumel 219
Morgenroths Erbe 240
Die Rippe der Großmutter 259
Eine Schreckensnacht 296
Ein letzter Dienst 316
Letztes Läuten 341
Das Gold von Caramablu 380
Die große Finsternis in New York 457
Im Aufzug 481
Die arme Pamela 504
Die Reisen Siegelmanns 532
Anekdote aus dem Zweiten Punischen Kriege 556
Nachwort 567
Quellennachweis 590

Schutzumschlag, Einbandentwurf: Horst Hussel
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Dietrich Simon

Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1976