Posts mit dem Label Lothar Reher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lothar Reher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

23 Oktober 2025

Manfred Jendryschik: Jo, mitten im Paradies. Geschichten einer Kindheit

Klappentext:
Drei Jahre Geschichten von Jo, dem Kind im Nachkrieg. Er lebt klug-empfindlich, dem Geschehen in seiner Umwelt folgend. Er stellt sich Proben oder beobachtet auch nur. Das Blickfeld füllt sich mit Gestalten, denen er sich zugesellt oder denen er sich entzieht. Da ist der Onkel, der Besitzer des "Paradieses" mit den Äpfeln, und der Vater, der die Welt nicht mehr versteht. Da sind die "Tscherkessen", die gegen die Faschisten zu Felde ziehen, jetzt schon im Spiel, und die Hebamme Koslowski, die durch eine Trümmerwelt schreitet, bis zum Ende. Da brennen Totenkerzen, und das Kind nimmt's wörtlich wie dereinst der kleine Simplicius und findet Wahrheit. Es gibt auch Krisen, da ihn die Sonne sticht und er Fingernägel knabbert und auf dem Friedhof nur vorsichtig schnieft. Doch da sind die Mutproben im Angesicht der anderen: in einem Milanhorst findet er nicht Eier, sondern Jungvögel. Überhaupt, der Junge muß ein Mann werden und Mensch.
Ein Band psychologisch genau pointierter Geschichten vor einem großen Hintergrund. Eine von ihnen reflektiert das damalige Erleben schon im Bewußtsein des Erwachsenen.

Inhalt:
AUSBLICKE .. .. .. 7
Was haben sie nui aus uns gemacht? .. .. .. 7
Ausblicke .. .. .. 9
Mitten unter der Sonne .. .. .. 18
Das Flugzeug im Sand .. .. .. 23
Die Soldaten .. .. .. 29
Der verbotene Garten .. .. .. 35
TSCHERKESSEN .. .. .. 41
Nein, gefährlich sind die Raubvögel nicht .. .. .. 41
Die Zigeunerin .. .. .. 43
Gitter .. .. .. 49
Mitten im September .. .. .. 53
Tscherkessen .. .. .. 62
Suche .. .. .. 70
Briefmarken aus Kuibyschew .. .. .. 76
Aufstieg .. .. .. 82
Nachtigallenfang .. .. .. 86
JO IM PARADIES .. .. .. 91
Das ist nun mein kleines Paradies geworden .. .. .. 91
Nach jeder Bescherung .. .. .. 93
Der Reichsbahnoberinspektor .. .. .. 97
Die Tauben .. .. .. 102
Paradies, links vom Ufer I .. .. .. 108
Paradies, links vom Ufer II .. .. .. 116
DIE INSEL, AUS TRÄUMEN GEBOREN .. .. .. 123
Und wer macht nun die Kinder? .. .. .. 123
Der Vorgang 125
Die Autofahrt .. .. .. 130
Akazienhochzeit .. .. .. 137
Verteidigungen .. .. .. 146
Das Tier im Wald .. .. .. 150
Vater und Mutter .. .. .. 154
DENK-MAL .. .. .. 159
Einmal erzählte der Vater .. .. .. 159
Die Vereinigung und ich .. .. .. 161
Paradies, links vom Ufer III .. .. .. 167
Denk-Mal .. .. .. 176
Periodicum II .. .. .. 182
AUF WIEDERSEHEN, GUTEN TAG .. .. .. 187
Einmal, erzählte der Vater .. .. .. 187
Der Sieg .. .. .. 189
Wasserfahrt .. .. .. 195
Aufbruch .. .. .. 201
Auf der Suche nach Anton .. .. .. 207

Illustrationen: Armin Münch
Schutzumschlag und Einband: Lothar Reher

VEB Hinstorff Verlag, Rostock
1. Auflage 1974
2. Auflage 1975
 

05 August 2025

Roger Martin du Gard: Die Thibaults – Die Geschichte einer Familie

Band I - Das graue Heft / Die Besserungsanstalt / Sommerliche Tage
Titel der französischen Originalausgabe:
LES THIBAULT – LE CAHIER GRIS / LE PÉNITENCIER / LA BELLE SAISON

Klappentext:
Roger Martin du Gard (1881-1958), als Sohn einer großbürgerlichen Familie in Neuilly-sur-Seine geboren, in Paris aufgewachsen, wo er an der Hochschule für Historiker und Archivare studierte, ist einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller dieses Jahrhunderts. Mit seinem Freund André Gide gehörte er zu den Initiatoren der einflußreichen. literarischen Zeitschrift „La Nouvelle Revue Française“ und des gleichnamigen Verlages. Er schrieb Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Essays, u.a.: Jean Barois (1913), Confidence africaine (1931, dt. „Das Geständnis“), Vieille France (1933, dt. „Die kleine Welt des Herrn Joigneau“). Als sein Meisterwerk gilt der achtteilige Romanzyklus Les Thibault (1922-1940, dt. „Die Thibaults“ VVW 1958-1960), für den er 1937 den Nobelpreis erhielt. In einer lebendigen Darstellung und mit psychologischem Einfühlungsvermögen gestaltet Martin du Gard hierin das Schicksal zweier französischer Familien zu Beginn dieses Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen die Brüder Antoine und Jacques Thibault, deren unterschiedliche Lebenswege die seelischen und geistigen Spannungen sowie die politischen Auseinandersetzungen jener Zeit widerspiegeln.
Ein Heft mit grauem Leinendeckel – damit fängt alles an. Jacques und seinem Freund Daniel de Fontanin dient es zum ungestörten Gedankenaustausch während des Unterrichts. Als ihr Lehrer, ein frommer Abbé, das Heft eines Tages entdeckt, stößt er darin auf Sätze, die ihn moralisch entrüsten.
Der alte Thibault ergreift daraufhin drakonische Maßnahmen: Er schickt seinen Sohn in eine Besserungsanstalt für „sittlich gefährdete“ Kinder. Von dort kommen dem jungen Arzt Antoine Thibault seltsame Dinge zu Ohren, so daß er sich trotz des väterlichen Verbots entschließt, den Bruder zu besuchen. Das Wiedersehen mit dem nun so gefügigen, geistig und seelisch aber gleichsam erstarrten Jungen veranlaßt ihn, Jacques in seine Obhut zu nehmen.
Jahre später sind Jacques' Erinnerungen an die quälenden Erlebnisse der Kindheit verblaßt; im warmen Schatten des alten Parks von Maisons-Laffitte verbringt er sommerlich unbeschwerte Tage, bevor er sein Studium aufnimmt – Tage mit Gisela, der Kindheitsgefährtin, und mit Jenny, die ihn in einen Taumel widerstreitender Gefühle stürzt. Doch immer stärker bedrängt ihn der Gedanke an die Zukunft, und eine unklare Sehnsucht nach den „Wundern des Aufbruchs“ läßt ihn eines Tages heimlich die Flucht ergreifen.

Band II - Die Sprechstunde / Sorellina / Der Tod des Vaters

Titel der französischen Originalausgabe:
LES THIBAULT –  LA CONSULTATION / LA SORELLINA / LA MORT DU PÈRE

Klappentext:
Antoine Thibault erlebt sommerlich heiße Tage in Paris – ganz andere Tage als sein Bruder Jacques, von anderen Begierden, anderen Sehnsüchten und Wünschen erfüllt. Aus der Zufallsbegegnung mit der rothaarigen Rahel ist eine Liebe entstanden, wie er sie bisher nicht gekannt hat. Eine eigenartige Frau, diese Rahel, von überschäumender Sinnenfreude und geradezu davon besessen, die Vergangenheit heraufzubeschwören. Eines Tages bleibt Antoine allein zurück – der Sommer ist vorbei.
Durch Zufall ist Antoine auf ein schmales Buch, die Novelle „La Sorellina“, gestoßen, die er mit ungläubigem Staunen liest. Die hier geschilderten Menschen tragen fremde Namen und leben in einem anderen Land, aber er kennt sie, ihm sind die Gestalten vertraut. Giuseppe und Humberto, die beiden Brüder, Annetta, die „kleine Schwester“ – für ihn heißen sie Jacques, Antoine und Gisela; Mrs. Powell und ihre Tochter Sybil, die „Ketzerinnen“ wer sollte das sein, wenn nicht Madame de Fontanin und Jenny, die der alte Thibault von jeher mit seinem Haß verfolgte? Ja, alles stimmt, und doch widerstrebt Antoine der Gedanke, daß Jacques, der Verfasser der Novelle, hin und her gerissen zwischen seiner Liebe zu Jenny und der Leidenschaft für Gisela, keine andere Möglichkeit blieb als die Flucht.
Herr Thibault wird nie erfahren, was den Sohn, den er seit drei Jahren tot glaubt, von zu Hause forttrieb. Er weiß nicht, daß er sich in der Schweiz einem Kreis junger Sozialisten und Pazifisten angeschlossen hat, noch nimmt er wahr, daß Jacques jetzt an seinem Sterbebett steht. In seinem qualvollen Todeskampf ist sich der Greis nur noch seiner Schmerzen bewußt, für die es keine Linderung gibt. Wieder einmal muß sich Antoine mit der Frage auseinandersetzen, die ihm nur das eigene Gewissen beantworten kann: Darf er als Arzt einen unheilbaren Kranken von seinem Leiden erlösen? Der Tod des tief im bürgerlichen Milieu und im katholischen Glauben verwurzelten Vaters befreit die Söhne von den Fesseln einer lastenden Vergangenheit, die sie nunmehr, jeder seiner Wesensart gemäß, endgültig abstreifen werden.

Band III – Sommer 1914 Teil 1 / Sommer 1914 Teil 2

Titel der französischen Originalausgabe:
LES THIBAULT – L'ÉTÉ 1914, I / L'ÉTÉ 1914, II

Klappentext:
Attentat in Sarajewo, Notenaustausch zwischen Österreich und Serbien, Großmächte um Lokalisierung des Konflikts bemüht, kein Grund zur Besorgnis... Die offiziellen Presseberichte sind in zuversichtlichem Ton gehalten, und die satten Bürger, denen die Sommerferien an der See wichtiger sind als die „lächerlichen Streitigkeiten“ auf dem Balkan, lassen sich allzugern beruhigen.
Auch Antoine Thibault verschließt die Augen vor der über Europa schwebenden Kriegsgefahr. Mit spöttischem Lächeln hört er dem Bruder zu, der im Auftrag der Genfer revolutionären Gruppe für ein paar Tage nach Paris gekommen ist, um mit den französischen Sozialisten Verbindung aufzunehmen. Solidarische Aktion der Arbeiter aller Länder, Generalstreik als wirksame Waffe gegen den Krieg – für Antoine sind das Hirngespinste von Wirrköpfen und Weltverbesserern.
Sein kurzer Abstecher nach Paris bringt Jacques noch eine Begegnung ganz anderer Art, die ihn in tiefe Unruhe versetzt: nach Jahren der Trennung steht er unvermutet der Frau gegenüber, die er niemals wiedersehen wollte – Jenny de Fontanin. Auf der Flucht vor ihr, vor der Liebe zu ihr, hatte Jacques seinen Platz und seine Aufgabe im Leben gefunden; er glaubte sich innerlich gefestigt, frei von allen privaten Bindungen. Nun ist für ihn die Vergangenheit mit einem Schlag wieder lebendig, und es drängt ihn, der jungen Frau rückhaltlos zu gestehen, was ihn damals von ihr forttrieb, ins Ungewisse. Der Wunsch, Jenny möge ihm verzeihen, ist stärker als alle Hemmungen und Bedenken. Schroff, fast mit Gewalt, erzwingt Jacques eine Aussprache, die endlich die Last der Einsamkeit von ihm nimmt.
Über der Bereitschaft zu lieben und der Gewißheit, geliebt zu werden, vergessen beide für kurze Zeit die Welt. Bald aber werden sie unerbittlich in die Wirklichkeit zurückgerufen: In einem Wirbel einander widersprechender Gerüchte und Nachrichten zieht das Unwetter herauf, das Europa mit Tod und Vernichtung bedrohen wird.

Band IV – Sommer 1914 Teil 3 / Epilog

Titel der französischen Originalausgabe:
LES THIBAULT – L'ÉTÉ 1914, III / EPILOGUE

Klappentext:
Eintönig rattern die Räder des Zuges. Für Jacques Thibault ist diese Fahrt von Genf nach Basel die erste Ruhepause, seit er sich entschloß, unter Einsatz seines Lebens das große Völkermorden verhindern zu helfen. Noch einmal ziehen die Erlebnisse der letzten Tage an ihm vorüber die Mobilmachung, die erschütternden Szenen, als er den einberufenen Bruder zum Bahnhof begleitete, der Abschied von Jenny, von dem nur er wußte, daß es eine Trennung für immer war, das Gespräch mit Meynestrel, dem Piloten, mit dem er seinen Plan, eine geheime Flugblattaktion. beriet.
Wieder und wieder malt Jacques sich aus, wie es sein wird: Das Flugzeug kreist über der Front. Meynestrel sitzt am Steuer. Jacques beugt sich vor, ergreift immer neue Stapel bedruckter Blätter, wirft sie hinunter. Überall in den französischen und in den deutschen Stellungen wird man das Manifest lesen, das die Soldaten zum Widerstand gegen den mörderischen Krieg aufruft. Ein sinnloses Unternehmen? Für Jacques Thibault, den einsamen Rebellen, ist es der einzige Weg, in dieser verworrenen Zeit sich selbst treu zu bleiben. Sein unbezähmbarer Wille, dem Gemetzel Einhalt zu gebieten, ist stärker als die Angst vor dem Tod.
Jacques bezahlt seine mutige Tat mit dem Leben. Antoine kämpft seit Monaten verzweifelt gegen eine tückische Gelbkreuzvergiftung. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes entschließt er sich kurzerhand, das Lazarett zu verlassen und nach Paris zurückzukehren: Insgeheim hofft er, dort mit Hilfe seines alten Lehrers, Professor Philip, eine wirksame Behandlungsmethode zu finden. Doch das Urteil, das er in den Augen Philips liest, ist unumstößlich.
Aus der instinktiven Furcht vor dem Ausgelöschtwerden erwächst in Antoine das Verlangen, wenigstens eine Spur seiner selbst zu hinterlassen. Die Krankengeschichte, in der er sachlich genau jedes Symptom des unaufhaltsam fortschreitenden Leidens registriert, soll zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen verhelfen. Sein Tagebuch aber, ein erschütterndes Dokument menschlichen Ringens, ist Jean-Paul gewidmet, dem Sohn seines Bruders, in dem sich die Energie der Thibaults eines Tages vielleicht zu wahrhaft schöpferischer Kraft entfaltet.

Autorisierte Übersetzung aus dem Französischen
Band I u. II:  von Eva Mertens
Band III u. Iv: von Frederick Lehner

Schutzumschlag: Lothar Reher
Einbandentwurf: Horst Hussel

Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe:
ex libris, Volk und Welt
2. Auflage 1979 (1. Auflage ex libris Volk und Welt)

24 Mai 2025

Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten

Einbandtext:
Dieses Werk darf als das klassische Muster einer analytischen Untersuchung gelten. Freud geht von einer äußerst sorgfältigen Analyse der Technik des Witzes aus und steigt von dieser Technik, das heißt von der Form, zu der dem Witz entsprechenden unpersönlichen Psychologie auf. Dabei vermerkt er, daß sich für den Psychologen der Witz trotz aller Ähnlichkeit vom Traum grundlegend unterscheidet. ›Der wichtigste Unterschied liegt in ihrem sozialen Verhalten. Der Traum ist ein vollkommen asoziales seelisches Produkt; er hat einem anderen nichts mitzuteilen... der Witz dagegen ist die sozialste aller auf Lustgewinn zielenden seelischen Leistungen.‹ Diese feine exakte Analyse ermöglicht es Freud,... für drei so verwandte Formen wie den Witz, das Komische und den Humor drei ganz verschiedene Lustquellen anzugeben.
Lew S. Wygotski, ›Psychologie der Kunst‹, 1925
Der Band enthält außerdem Freuds Schriften ›Der Wahn und die Träume in W. Jensens, Gradiva'‹ und ›Der Dichter und das Phantasieren‹ sowie einen Essay von Hermann Kähler, der sich u. a. mit dem Mechanismus der Verdrängung aus der Sicht des Literaturwissenschaftlers und -kritikers befaßt.

Inhalt:
Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten .. .. .. 5
  A. Analytischer Teil .. .. .. 5
    I Einleitung .. .. .. 5
    II Die Technik des Witzes .. .. .. 12
    III Die Tendenzen des Witzes .. .. .. 80
  B. Synthetischer Teil .. .. .. 107
    IV Der Lustmechanismus und die Psychogenese des Witzes .. .. .. 107
    V Die Motive des Witzes. Der Witz als sozialer Vorgang .. .. .. 128
  C. Theoretischer Teil .. .. .. 146
    VI Die Beziehung des Witzes zum Traum und zum Unbewußten .. .. .. 146
    VII Der Witz und die Arten des Komischen .. .. .. 166
 Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva .. .. .. 220
   I. Kapitel .. .. .. 220
   II. Kapitel .. .. .. 248
   III. Kapitel .. .. .. 267
   IV. Kapitel .. .. .. 286
Nachtrag zur zweiten Auflage (1912) .. .. .. 292
Der Dichter und das Phantasieren .. .. .. 295
Hermann Kähler: Der Witz, die Träume und die schöpferische Phantasie des Schriftstellers .. .. .. 305
Register der Witze und Wortspiele .. .. .. 335

Mit einem Nachwort von Hermann Kähler
Gestaltung: Lothar Reher/Hanna Mesik

Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar
Lizenzausgabe der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Reihe:
Gustav Kiepenheuer Bücherei Nr. 64
1. Auflage 1985 [  1. - 15. Tsd.]
2. Auflage 1989 [16. - 33. Tsd.]

05 März 2025

Tibor Déry: Die Geschichte vom Leben und Sterben des heiligen Ambrosius Bischof von Mailand

Klappentext:
Tibor Déry erzählt die Lebensgeschichte des Mailänder Bischofs Ambrosius (340-397), und er geht dabei nicht nur von authentischen Quellen, sondern auch von den zahllosen Legenden aus, die um diese historische Gestalt entstanden sind.
Nachdem sich Gottes Wille durch die Stimme eines auf einer Wolke schwebenden, mit einer weißen Lilie bewehrten Kindes kundgetan hat, wird Ambrosius, 34, bisher Statthalter von Aemilien und Ligurien, in sein heiliges Amt berufen, ein zierlicher Mann mit gotischem Kopf, blondem oder rötlichem Bart und einer volltönenden, melodischen Stimme, die seinen Körperwuchs Lügen straft und ganze Basiliken zu füllen vermag. Wie er sich müht, eine Säule des orthodoxen Katholizismus zu sein, obwohl der Staatsmann und der Seelenhirt bei ihm ständig im Widerstreit liegen, wie er sozusagen aus Versehen Wunder tut, wie er die ketzerische Sekte der Arianer bekämpft, vor allem in Gestalt der üppigen und verführerischen Kaiserin-Witwe Justina und anderer gekrönter Häupter, wie er immer wieder der Anfechtung ausgesetzt ist, im Namen der reinen. alleinseligmachenden Lehre seine Befugnisse zu überschreiten, das ist dem weltbekannten ungarischen Schriftsteller Tibor Déry zu einer vor Witz und Ironie sprühenden Vita geraten.

Tibor Déry (1894-1977) debütierte während des ersten Weltkrieges mit Gedichten und veröffentlichte 1917 seinen ersten Kurzroman „Lia“. In den zwanziger Jahren entstanden zahlreiche Erzählungen, denen 1932 das dreiteilige Prosawerk „Von Angesicht zu Angesicht“ folgte. Zwischen 1933 und 1938 schrieb Déry den Roman „Der unvollendete Satz“, der erst nach der Befreiung Ungarns vom Faschismus erscheinen konnte (dt. Ausgabe 1954).
Weitere Werke: „Die Antwort“ (1. Band 1950, dt. 1952, 2. Band 1952, dt. 1965), „Herr G.A. in X.“ (1964), „Die Geschichte vom Leben und Sterben des heiligen Ambrosius, Bischof von Mailand“ (1966), „Erdachter Report über ein amerikanisches Pop-Festival“ (1971, dt. 1974). „Es gibt kein Urteil“ (1969), „Lieber beau-père“ (1973, dt. 1976).

Inhalt:
Erstes Kapitel - Flucht nach Ticinum, dem heutigen Pavia .. .. .. 5
Zweites Kapitel - Wettkampf. Erste Runde .. .. .. 47
Drittes Kapitel - Wir geben die Kirche nicht! .. .. .. 98
Viertes Kapitel - Das listenreiche Konzil zu Aquileja Sieg... Sieg...! .. .. .. 141
Fünftes Kapitel - Die erste Versuchung des Ambrosius Weiter! Auf gegen die Heiden! .. .. .. 188
Sechstes Kapitel - Nein und abermals nein! Von neuem die Portiana! .. .. .. 239
Siebentes Kapitel - Ambrosius befiehlt dem Herrn seine Seele, um seinen Leib der Welt
                            befehlen zu können .. .. .. 276
Achtes Kapitel - Des heiligen Bischofs kleines Bildnis am Sockel des großen Denkmals .. .. .. 319
Neuntes Kapitel - Das Ende und das allerletzte Ende des Abschieds .. .. .. 358

Originaltitel: A kiközösitõ
Aus dem Ungarischen von Ita Szent-Iványi
Schutzumschlag: Lothar Reher
Einbandentwurf: Horst Hussel

Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe:
ex libris Volk und Welt
1. Auflage 1977
2. Auflage 1979
3. Auflage 1981 (1. Auflage ex libris Volk und Welt)


Auch erschienen im Buchclub 65
Lizenz des Verlag Volk und Welt, Berlin
1. Auflage 1979 

16 Februar 2025

Günter Grass: Katz und Maus

Verlagstext:
»... doch soll nicht von mir die Rede sein, sondern von Mahlke oder von Mahlke und mir, aber immer im Hinblick auf Mahlke, denn er hatte den Mittelscheitel, er trug hohe Schuhe, er hatte mal dieses mal jenes am Hals hängen, um die ewige Katze von der ewigen Maus abzulenken, er kniete vor dem Marienaltar, war der Taucher mit dem frischen Sonnenbrand, war uns immer, wenn auch häßlich verkrampft, ein Stückchen voraus und wollte, kaum hatte er das Schwimmen gelernt, später einmal, nach der Schule und so weiter, Clown in einem Zirkus werden und die Leute zum Lachen bringen.« Mit sarkastischer Ironie erinnert sich der Ich-Erzähler in dieser Novelle, die der Westberliner Schriftsteller Günter Grass, geboren 1927, im Jahre 1961 schrieb, an den einst bewunderten Gymnasiasten Mahlke und seine Geschichte. Die »ewige Maus« – das war dessen herausfordernd großer Adamsapfel, Symbol frühreifer Männlichkeit. Mahlke suchte nach Möglichkeiten, diese »Maus« tanzen zu lassen, ohne die »ewige Katze« herauszufordern. Im faschistischen Danzig während der Zeit des Krieges bietet sich ihm schließlich das Ritterkreuz als angemessene Deckung. Daß Mahlke sich damit etwas an den Hals geholt hat, was ihn doch noch, wenn auch gegen seinen Willen und auf mörderische Weise, zum Clown werden läßt, erscheint als tragischer Bodensatz der Novelle, die dank der hohen Erzählkunst von Günter Grass auch heute noch als gültige künstlerische Auseinandersetzung mit dem deutschen Kleinbürgertum in seiner Anfälligkeit für den Faschismus zu lesen ist.

Buchanfang:
... und einmal, als Mahlke schon schwimmen konnte, lagen wir neben dem Schlagballfeld im Gras. Ich hätte zum Zahnarzt gehen sollen, aber sie ließen. mich nicht, weil ich als Tickspieler schwer zu ersetzen war. Mein Zahn lärmte. Eine Katze strich diagonal durch die Wiese und wurde nicht beworfen. Einige kauten oder zupften Halme. Die Katze gehörte dem Platzverwalter und war schwarz. Hotten Sonntag rieb sein Schlagholz mit einem Wollstrumpf. Mein Zahn trat auf der Stelle. Das Turnier dauerte schon zwei Stunden. Wir hatten hoch verloren und warteten nun auf das Gegenspiel. Jung war die Katze, aber kein Kätzchen. Im Stadion wurden oft und wechselseitig Handballtore geworfen. Mein Zahn wiederholte ein einziges Wort. Auf der Aschenbahn übten Hundertmeterläufer das Starten oder waren nervös. Die Katze machte Umwege. Über den Himmel kroch langsam und laut ein dreimotoriges Flugzeug, konnte aber meinen Zahn nicht übertönen. Die schwarze Katze des Platzverwalters zeigte hinter Grashalmen ein weißes Lätzchen. Mahlke schlief. Das Krematorium zwischen den Vereinigten Friedhöfen und der Technischen Hochschule arbeitete bei Ostwind. Studienrat Mallenbrandt pfiff: Wechsel Fangball übergetreten. Die Katze übte. Mahlke schlief oder sah so aus. Neben ihm hatte ich Zahnschmerzen. Die Katze kam übend näher. Mahlkes Adamsapfel fiel auf, weil er groß war, immer in Bewegung und einen Schatten warf. Des Platzverwalters schwarze Katze spannte sich zwischen mir und Mahlke zum Sprung. Wir bildeten ein Dreieck. ........

Einbandentwurf: Lothar Reher

Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe:
›Volk und Welt Spektrum‹ 192
1. Auflage 1984  

17 Februar 2024

Alberto Moravia: Das Paradies – Erzählungen

Verlagstext:
Alberto Moravia, geboren 1907, meistübersetzter italienischer Schriftsteller der Gegenwart, verdankt seine bereits über Jahrzehnte anhaltende Popularität nicht allein dem griffigen, salopp-ironischen Stil seiner Prosa, sondern in gleichem Maße einem ausgeprägten Sinn für aktuelle Probleme, für Themen, die „in der Luft liegen“. Seit seinem aufsehenerregenden Erstling „Die Gleichgültigen“ (1929) hat es Moravia immer wieder verstanden, ein aus der historischen Situation erwachsendes Lebens- und Zeitgefühl in anschauliche Bilder zu fassen. Im „Paradies“ betreibt er die luzid-sarkastische Analyse menschlicher Beziehungen, die durch die Macht der Dinge, die Regeln einer auf Besitz gegründeten Welt, vergiftet sind. Vierunddreißig bürgerliche Frauen kommen hier zu Wort, jede erzählt in der ersten Person ihre Geschichte. Ausgangspunkt ist stets ein gestörtes Verhältnis zur Umwelt, zur Familie, zum Mitmenschen, das in den Frauen seltsame Reaktionen bewirkt. Um sich von Frustrationen und Ängsten zu befreien, um ihre innere Leere und Isolation ertragen zu können, konzentrieren sie sich auf eine fixe Idee, ein Verhaltensmuster, das ihrem Dasein, wenn schon nicht einen Sinn, so doch eine lebbare Form geben soll. Was im einzelnen Fall als eigenartiger Tick erscheinen könnte, wird im Zusammenhang als neurotische Reaktion auf einen unerträglichen Zustand begreifbar. Das Exzentrische erweist sich als das Normale, die heillose Schrulle enthüllt sich als Antwort auf eine defekte Welt

Buchanfang:
Kalkuliertes Risiko
Er sagt oft: „Mach mich nicht wild“, und dann schaue ich ihn an und sehe, daß er alles andere ist, nur kein wildes Tier. Zumindest nicht so eins, wie er es meint, wenn er sagt: „Mach mich nicht wild.“ Er ist ein kräftiger junger Mann, brünett, mit hellen Augen, und er ist so stark behaart, daß die Haare seine Armbanduhr am Handgelenk überwuchern; aber er ist ein gesitteter, beherrschter, höflicher, wohlerzogener Mensch. Gekleidet wie ein Künstler, wenn man so will, mit Pullover, Anorak, Niethosen, Wildweststiefeln; aber alles neu, picksauber, wie bei einer Schaufensterpuppe in einem Konfektionsgeschäft. Ich sage zu ihm: „Was heißt wild, wo ist da was Wildes? Weißt du, was du bist? Ein Kavalier aus dem achtzehnten. Jahrhundert, ein Galan, ein Schönling. Dir fehlt nur noch der Degen an der Seite, die Perücke mit den langen Haaren hast du ja schon.“ Immerhin sage ich all das ohne Boshaftigkeit, als herzlich zugetane, verliebte Ehefrau, die ich ja bin.
Aber ich langweile mich bei ihm; und wenn wir sonntags geruhsam Arm in Arm spazierengehen, dann merke ich, daß mein Blick unwillkürlich in der Menge umherschweift und nach anderen Gesichtern, anderen Physiognomien Ausschau hält. Ich ertappe mich bei dem Gedanken: Der da, der mit der niedrigen Stirn, der gebogenen Nase und dem breiten, hin und wieder zuckenden Kinn, würde der mir eine Ohrfeige geben? Oder der andere da, der mit dem hageren, bleichen, ausgemergelten Gesicht, dem lippenlosen Mund, der schmalen Nase und den stahlgrauen Augen, würde der mir ganz langsam den Arm umdrehen, bis mir vor Schmerz die Sinne schwinden? Fast als erriete er meine Gedanken, spüre ich ab und zu an meinem Arm, daß sich seine mächtigen Muskeln (er ist stark, bärenstark, er trainiert dauernd, auf dem Sportplatz, im Schwimmbad, auf dem Tiber) erregt straffen. Sie ziehen sich zusammen, als wollten sie mir sagen: Wir sind da, gib acht, wir sind wirklich da. Aber ich bin nahe daran, die Achseln zu zucken: Ach, da wäre was anderes vonnöten als ein paar gestraffte Muskeln.

Titel der Originalausgabe: IL PARADISO
Aus dem Italienischen von E.-A. Nicklas
Einbandentwurf: Lothar Reher

Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe:
Volk und Welt Spektrum Nr. 58
1. Auflage 1973
2. Auflage 1974

28 Januar 2024

Erzsébet Galgóczi: Der Krieg ist lange vorbei | Minenfeld – Zwei Fernsehspiele

Der Krieg ist lange vorbei, und doch liegt sein Schatten über dem Leben zweier Frauen. Die 25jährige Annus lebt einsam auf dem Dorf, kein Bursche wagt es, sich mit dem hübschen Mädchen in der Öffentlichkeit zu zeigen, denn ihre Mutter ist eine Zuchthäuslerin. Vor zwanzig Jahren, im ersten Weltkrieg, soll sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber, einem italienischen Kriegsgefangenen, ihren Mann umgebracht haben, als er von der Front auf Urlaub kam.
Auch Frau Töröks Mann mußte in den Krieg ziehen, in den zweiten Weltkrieg. Er ist nicht wiedergekommen, wie viele Männer des Dorfes, aber Frau Török lebt 15 Jahre hindurch nur in der Hoffnung auf seine Rückkehr. Als ihr Sohn Jani den Boden in die LPG einbringen will, kommt es zum Konflikt. Frau Török, für die ein Verzicht auf das Land den Verlust jeder Hoffnung bedeuten würde, hebt die Axt gegen Jani.
Die Entscheidung des Mädchens Annus, die nach 20 Jahren – in einem Augenblick, da sie die Möglichkeit für ein eigenes bescheidenes Glück sieht – ihrer Mutter gegenübersteht, sowie die Gerichtsverhandlung gegen Frau Török sind der Inhalt der beiden Fernsehspiele, die mehr zeigen als das durch den Krieg zerstörte Leben zweier Frauen. Denn Erzsébet Galgóczi veranschaulicht auch die Wandlung des ungarischen Dorfes und der zwischenmenschlichen Beziehungen, der gesellschaftlichen Verhältnisse also, die sich u. a. in der sozialistischen Rechtssprechung spiegeln.
Erzsébet Galgóczi, Erzählerin und Dramatikerin, 1930 in einem nordungarischen Dorf geboren, studierte Dramaturgie und arbeitete dann für Presse und Film. Sie debütierte mit Novellen. Für ihre Werke u. a. den Erzählungsband „Fünf Stiegen aufwärts“ (1965), die vor allem Probleme des neuen sozialistischen Dorfes behandeln, erhielt sie den Attila-József-Preis.

Originaltitel: Aknamező
entnommen dem Band Inkább fájjon,
Régen volt a háború erschienen im Verlag Szépirodalmi Könyvkiadó, Budapest 1969

Aus dem Ungarischen von Ita Szent-Iványi
Einbandentwurf: Lothar Reher

Verlag Volk und Welt, Berlin
Reihe: Volk-und-Welt-Spektrum Nr. 38 

1. Auflage 1971 

Jannis Ritsos: Was für seltsame Dinge – Roman?

Verlagstext:
Die kleinen Dinge des Alltags zu erfassen, im scheinbar Nebensächlichen den Keim des Wesentlichen zu endecken – eine mühevolle, aber beglückende Aufgabe, der sich nur ein Dichter zu unterziehen wagt. Um »das Komplizierte und Unendliche, das Tyrannische und Bewunderungswürdige der äußeren und inneren Welt« zu ergründen, formte Jannis Ritsos aus der Fülle seiner Erinnerungen und aus aktuellen Eindrücken ein farbiges Mosaik, das Spiegelbild seines eigenen, bewegten Lebens ist. Immer wieder sind es die geringfügigen, die unbeachteten Dinge, die Erlebtes wachrufen und den Sinn für das Grundsätzliche schärfen: ein Stuhl, ein Schuh, ein Vogel, die Papierdrachen in den Bäumen, die Regentropfen auf den Zeltdächern der Verbannten von Ai-Strati und die Blüten im Schaufenster des Athener Blumenhändlers Stephanos.
Was für seltsame Dinge, die, von der Phantasie verzaubert, neue Dimensionen erhalten. Was für seltsame Dinge, die, ihrer Nichtigkeit entrissen, dem Betrachter Vergangenes wie Gegenwärtiges nahebringen.
Der griechische Dichter Jannis Ritsos bezeichnete sein tiefgründiges Selbstgespräch als »Roman«, versah diese Genrebezeichnung aber sogleich mit einem Fragezeichen. Er wurde 1909 in Monemwassia auf der Halbinsel Peloponnes geboren. Im Verlag Volk und Welt erschienen seine Gedichtbände »Die Wurzeln der Welt« (1970), »Kleine Suite in rotem Dur« (1982) und »Erotika« (1983).

Buchanfang:
Dieses und das andere
Seltsame Dinge sind es, ganz ohne Sinn, völlig unbedeutend, nenn sie dumm; und trotzdem, ich weiß nicht wie und warum, haben sie für mich eine gewisse nein, nicht nur eine gewisse, sondern eine große, einzigartige Bedeutung: Die Tatsache, daß sie unbedeutend (und seltsam) sind, zwingt mich vielleicht nicht, nach Sinninhalten, Ideen, Zielen, Erklärungen, Rechtfertigungen, Spitzfindigkeiten, Pflichten, Einschränkungen, Verboten zu suchen. Ich begaffe sie bloß und erhole mich dabei. Als schliefe ich und all dies geschähe von selbst, ohne mein Eingreifen, selbst dann, wenn sie mich betreffen, wenn sich zwischen meinen Beinen Bindfäden verstricken, Kisten, Steine, Wasser, ein Fangeisen, ein alter Papageienkäfig, ein harter, vorsintflutlicher weißer Stehkragen mit Rostflecken, ein abgeschnittenes Hühnerbein, das lustig die Krallen bewegt; damals in der Sommerfrische, zu Mittag, im großen Weinberg (was für ein Licht, und diese Zikaden, auch ein Rebhuhn gab es und einen kleinen Fluß, ertränkt in Korbweiden und Brombeersträuchern), damals also zerrten wir an dem oberen Ende des Hühnerbeins, wir zupften an der harten Haut, an den Nerven (oder an den Sehnen – ich weiß nicht, wie sie heißen), ja, und sie bewegten sich sehr lustig, die Krallen mit den langen, krummen Nägeln – Bewegungen waren das, als bekreuzigten sich Greise – nein, nein, es war eher wie ein komisches Nachäffen dieser greisenhaften Gebärden, als verscheuche man eine Fliege von der Stirn einer kranken, ......

Aus dem Neugriechischen von Thomas Nicolaou
Einbandentwurf: Lothar Reher

Verlag Volk und Welt, Berlin
Volk-und-Welt-Spektrum Nr. 200

1. Auflage 1985 

10 Januar 2024

Friedrich Ring: Kriegsgefangener Dr. Lauterbach

Der zweite Band des erfolgreichen Buches „Stabsarzt Dr. Lauterbach“ hat die Erlebnisse der Titelfigur in sowjetischer Kriegsgefangenschaft während der Jahre 1945/47 zum Gegenstand.
Jussewskoje, im mittleren Wolgagebiet gelegen, ist ein Lager vorwiegend für kranke, körperlich geschwächte Kriegsgefangene. Dr. Lauterbach kann wieder als Arzt tätig sein – diesmal im Dienst der Wiedergutmachung und des Friedens. Im Lager prallen die Gegensätze aufeinander: unbelehrbare Faschisten und Militaristen, erfahrene Kommunisten und Männer der Bewegung „Freies Deutschland“, dazwischen die Masse der Schwankenden, Enttäuschten, zu denen anfangs auch Dr. Lauterbach gehört. Die schwere Zeit der Gefangenschaft wird ihm zur Lehrzeit. Begegnungen mit Antifaschisten wie Findeisen und Meinelt, mit sowjetischen Ärzten wie Dr. Wyssokaja tragen dazu bei, daß er seine Skepsis überwindet und die entscheidenden Schritte in eine neue Zukunft tut.
Dr. med. Friedrich Ring, Facharzt für Sozialhygiene und Verdienter Arzt des Volkes, verstarb 1964 in Greifswald. Dem nachgelassenen Manuskript liegen eigene Erlebnisse zugrunde.

Schurzumschlag: Lothar Reher

Verlag der Nation, Berlin

1. Auflage 1967 - 1. - 15. Tsd.
2. Auflage 1969 - 16. - 25. Tsd.
3. Auflage 1970 - 26. - 35. Tsd.
4. Auflage 1976

[Band 1: Stabsarzt Dr. Lauterbach ]

Friedrich Ring: Stabsarzt Dr. Lauterbach

Dem Bericht liegen wahre Begebenheiten zugrunde.
Dennoch sind festgestellte Ähnlichkeiten zufälliger Natur.

Stabsarzt Walter Lauterbach ist einer der vielen jungen Ärzte, die, ausgebildet in einer Studentenkompanie, 1943 an die Front geschickt werden. Die ärztliche Tätigkeit ist ihm Berufung, und er sieht an der Front zunächst nur die vielseitigen Möglichkeiten, zu helfen, verwundeten Soldaten das Leben zu retten. Bald aber spürt er, daß er zwiefach unter Eid steht: als Arzt und als Sanitätsoffizier. Erst am Ende eines Weges voller Irrtümer und Schwankungen erkennt er, daß er mit der Unmenschlichkeit des Faschismus brechen muß, wenn er seinem ärztlichen Ethos treu bleiben will.
Truppen und Hauptverbandplätze, Feld- und Heimatlazarette, die Militärärztliche Akademie und Laboratorien der SS-Ärzte sind Schauplätze dieses großangelegten, durch dokumentarische Elemente angereicherten Berichtes.

Dr. Friedrich Ring, Facharzt für Sozialhygiene und Verdienter Arzt des Volkes, bereits durch wissenschaftliche Publikationen hervorgetreten, legte mit "Stabsarzt Dr. Lauterbach" sein erstes belletristisches Werk vor. Es wurde sein literarisches Testament. Der Autor verstarb unerwartet im Frühjahr 1964

Einband: Lothar Reher

 Verlag der Nation, Berlin

 Auflagen:
1. Auflage 1962
2. Auflage 1963
3. Auflage 1965
4. bearb. Auflage 1968
5. Auflage 1969
6. Auflage 1971

[Band2: Kriegsgefangener Dr. Lauterbach]