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21 Januar 2024

Lieselotte Welskopf-Henrich: Das helle Gesicht


Klappentext:

In den Slums von Chikago aufgewachsen, erlebt die junge Indianerin Ite-sky-wah, das helle Gesicht, den Meuchelmord an Joe King, der dorthin gekommen war, um die Stadtindianer, die sich schon als verlorenes Volk glaubten, zu Mitstreitern für das Recht der Indianer zu gewinnen. Das helle Gesicht und ihr Bruder, der Mitglied einer Gang von Farbigen wurde, um sein Leben behaupten zu können, ziehen nach diesem dramatischen Erlebnis in die Reservation. Dort erfüllt sich für die junge Indianerin der Kindheitstraum von der Prärie, dort kommen in der Großstadt verschüttete Emotionen wieder, dort wächst auch ihr Selbstbewußtsein, das die Teilnahme an den Aktionen ihrer Stammesangehörigen zur Selbstverständlichkeit werden läßt. In reizvollen poetischen Episoden und erregenden Szenen erzählt die 1979 verstorbene Autorin in ihrem letzten literarischen Werk, das die Pentalogie „Das Blut des Adlers“ abschließt, vom Schicksal junger Indianer, deren Kampf um ihr Lebensrecht weltweites Aufsehen erregt hat.

Im Rahmen der Werkausgabe von Liselotte Welskopf- Henrich sind außer dem vorliegenden 5. Band der Pentalogie „Das Blut des Adlers“ die Bände:
NACHT ÜBER DER PRÄRIE – Roman
LICHT ÜBER WEISSEN FELSEN – Roman
STEIN MIT HÖRNERN – Roman
DER SIEBENSTUFIGE BERG – Roman

zur Autorin:
Liselotte Welskopf-Henrich, am 15. 9. 1901 in München als Tochter eines Rechtsanwaltes geboren, studierte Ökonomie, alte Geschichte und Philosophie und promovierte 1925 zum Dr. phil. Nach 1933, vor allem von 1943 bis 1945, nahm sie aktiv am antifaschistischen Widerstandskampf teil. 1945 zunächst in Verwaltung und Wirtschaft tätig, wurde sie 1952 Dozentin an der Humboldt-Universität in Berlin, habilitierte sich 1959 und lehrte ab 1960 als Professor für alte Geschichte. Wissenschaftlich international anerkannt und ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR, hat Liselotte Welskopf-Henrich als Autorin belletristischer Werke starke Beachtung gefunden. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde sie als „Hervorragende Wissenschaftlerin des Volkes“ ausgezeichnet, für ihre literarischen Arbeiten mit dem Nationalpreis für Kunst und Literatur geehrt.

Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig
Liselotte Welskopf-Henrich;Gesammelte Werke in Einzelausgaben - Herausgegeben von Gerd Noglik

Einband: Hans-Joachim Schauß
Schutzumschlagvignette: Peter Nagengast

1. Auflage 1980
2. Auflage 1981

02 Januar 2022

Manfred Häckel: Annette von Droste-Hülshoff. Werke und Briefe


Erster Band - Lyrik, Epische Dichtungen
Die Zahl dichtender Frauen innerhalb der Literaturgeschichte ist nicht groß. Daher bleibt das Urteil der Literaturhistoriker über Annette von Droste-Hülshoff, sie sei die bedeutendste deutsche Dichterin des 19. Jahrhunderts, nur sehr relativ. Die vorliegende Ausgabe ihrer sämtlichen Werke sowie ausgewählter Briefe, eingeleitet und mit umfangreichem Anhang versehen, soll die Grundlage dafür bieten, neu zu prüfen, worauf im einzelnen der poetische Reiz der naturnahen "Heidebilder", der ahnungsvollen "Zeitbilder" oder der zweifelnd-gläubigen Verse des "Geistlichen Jahres" beruht, was den Wert der anschaulichen, lebendigen Prosa ausmacht.

Ricarda Huch beschrieb ihren Eindruck von der Drosteschen Dichtung so: "... was ihr eigentümlich war und worin sie hohe Vollendung erreichte: die sinnenhafter Darstellung sinnvoller Lebensgebilde. Die Geschöpfe, die sie vor uns hinstellt, seien es Pflanze oder Tier, Berg oder Feld, Menschen oder Geister, sind prall von Wirklichkeit, rauchen, schnauben, glühen und zittern von der Inbrunst ihres Daseins. Daß sie niemals im Teig des Unbestimmten, Allgemeinen steckenbleibt, ist um so bemerkenswerter, als eine allgemeinere Bedeutung ihren Gedichten immer innewohnt.
... ihre Stimme, sagt sie, sei schwach, aber schwach wie ein fernes Gewitter, dessen verhaltene Kraft man fühlt, tief, zitternd, wie eine sterbende Löwin. Ein fernes Gewitter, eine sterbende Löwin - es ist nicht möglich, deutlicher auszudrücken, was für eine Urkraft in ihr, und daß sie gebunden und gebrochen war... ,Am Bodensee' - ,Das Hirtenfeuer' - ,Der General' - es sind Kristalle, aus denen rubinrote Strahlen hervorzucken, die heißes Leben künden."


Zweiter Band - Prosa, Dramatische Dichtungen, Ausgewählte Briefe
Über die erste Ausgabe ihrer "Gedichte" (1838) und deren Besprechung durch Friedrich Engels schreibt Annette in einem Brief vom 20. Juli 1841: "Meinen Gedichten geht es schon gut in der zweiten wüsten Fremde. Es sind kürzlich wieder zwei Rezensionen herausgekommen (in Dresden und München), so gut wie die, die Du bei mir gelesen... Ein gewisser Engel, der in Hamburg am ,Telegraphen' schreibt, ist noch galanter und sagt in seinen (,Reiseskizzen' glaube ich), als er auf Münster kömmt, ,wie man eine Stadt so wenig beachten könne, wo man vielleicht Levin Schücking und Annette Elisabeth von D. H. unter den Bogenhallen begegnen könne', wobei er sich des breiteren über mein Büchelchen ausläßt. Die Bornstedt ist furios darüber gewesen und hat behauptet, der Mensch sei von Levin dazu gekriegt, sonst hätte er statt meiner wohl sie genannt, denn sie habe viel geschrieben und einen Namen in der Literatur, meine paar Brocken aber kenne kein Mensch."

Insel-Verlag Leipzig, 1. Auflage 1976
Vorwort: Henri Poschmann

12 November 2021

Walter Dietze (Hrsg.): Börnes Werke in zwei Bänden

Gottried August Bürger, der Volksdichter, der zeit seines Lebens danach strebte, in den Hütten geliebt und gelesen zu werden, stammte selbst aus der „Hütte“, gehörte zum Volk. In der Silvesternacht am Ende des Jahres 1747 wurde er in dem Harzdorf Molmerswende geboren. Sein Vater, Sohn eines Pächters, hatte Theologie studiert. Seit 1742 fristete er mit einem kärglichen Jahresgehalt von 130 Talern sein Leben als Dorfgeistlicher unter den armen Bauern, hoffte von Jahr zu Jahr auf eine ihm zugesagte bessere Stelle und starb 1764, wenige Monate nach Antritt des neuen Amtes.

Bürgers Vaterhaus ähnelte keineswegs den idyllischen Bildern, die Goethe, Lenz, Voß und viele andere Dichter vom Pfarrhaus im I8. Jahrhundert entworfen haben, dem Pfarrhaus, das zur Pflegestätte bürgerlicher Kultur und Aufklärung geworden war. Bürgers Vater war ein unbedeutender, bequemer Mann von geringer Bildung. Im Haus regierte die Mutter, die ein jähzorniges Temperament besaß, boshaft und zänkisch war und ihrem Mann immer wieder davonlief. Der hätte wohl glücklicher ohne sie gelebt, doch war er bei der spärlichen Besoldung auf die Unterstützung des wohlhabenden Schwiegervaters angewiesen. Nach Bürgers Aussage war seine Mutter von völliger Unbildung, aber bedeutenden Anlagen und wäre „bei gehöriger Kultur die berühmteste ihres Geschlechts geworden“. Der von ihr überlieferte Ausspruch: die Hölle sei mit Pfaffenköpfen gepflastert, nur eine Stelle sei noch leer, und da werde der Kopf ihres Mannes hinkommen, zeugt von ihrer Respektlosigkeit sowohl gegen ihren Mann als auch gegen seinen geistlichen Beruf und mag als Kindheitseindruck nicht ohne Bedeutung für den Sohn gewesen sein...

In dieser ersten Börne-Ausgabe nach 1945 sind die heute nach lebendigen Schriften - Dramaturgische Blätter, Erzählungen, Schilderungen aus Paris, Briefe aus Paris und Menzel, der Franzosenfresser – des demokratischen Publizisten des deutschen Vormärz zusammengefaßt.

“... Ja, dieser Börne. war ein großer Patriot, vielleicht der größte. der aus Germanias stiefmütterlichen Brüsten das glühendste Leben und den bittersten Tod gesogen! In der Seele dieses Mannes jauchzte und blutete eine rührende Vaterlandsliebe, die, ihrer Natur nach verschämt, wie jede Liebe, sich gern unter knurrenden Scheltworten und nergelndem Murrdinn versteckte, aber in unbewachter Stunde desto gewaltsamer hervorbrach ... „  (Heinrich Heine) 

BdK. Aufbau-Verlag, 2. Aufl., 1964
Ausgewählt und eingeleitet von Helmut Bock und Walter Dietze
828 Seiten mit einem Bild des Dichters
Leinen 10,- DM - Halbleder 16,- DM

12 November 2020

Joseph von Eichendorff: Eichendorffs Werke in einem Band


 In diesem Sammelwerk, in dem natürlich nicht alle Werke von Eichendorffs aufgeführt werden konnten, kann man einer großen Auswahl seiner Gedichte von 1807 bis 1857 folgen, die 172 Seiten umfasst, und sich zwei seiner Erzählungen zu Gemüte führen: „Aus dem Leben eines Taugenichts“ und „Das Schloss Dürande“.

Die 1822 erschienene Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ gilt als sein bekanntestes Werk und umfasst zehn Kapitel. Darin schildert von Eichendorff die Abenteuer des jungen und naiv-sorglosen Mannes, der aufgrund seiner Ziellosigkeit und Faulheit von seinem Vater Taugenichts genannt wird und einzig mit seiner Geige im Gepäck in die Welt zieht. Dabei findet er sein Liebesglück.

In „Schloss Dürande“ wird das Grundthema in einen neuen, stärker gesellschaftlich geprägten Zusammenhang gestellt, der die geschichtliche Realität der Französischen Revolution einbezieht.

Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1. Auflage, 1967

03 November 2020

Oscar Wilde: Das erzählerische Werk


 

,Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt. Die meisten Menschen existieren nur' - in dieser Sentenz äußert sich das Verlangen Oscar Wildes nach einer alle konventionellen Bindungen abstreifenden, ungehemmten Entfaltung der Persönlichkeit. Wilde war bestrebt, sein Leben wie seine Kunst - zwei bei ihm ohnehin nur schwer zu trennende Bezirke - danach auszurichten. Am scharfsichtigsten sind Möglichkeiten und Gefahren einer alle Freuden und Genüsse auskostenden, auch das Abgründige nicht scheuenden Lebensweise außer in den aphoristischen Essays besonders im erzählerischen Werk erkundet. Das Schwelgen im Glanz der Beau Monde, das selbstgefällige Behagen am werteumkehrenden Paradoxon, der den bourgeoisen Krämergeist herausfordernde Kult des Schönen und Sinnlichen - all das findet sich hier; doch zugleich, und das ist für den sensiblen Künstler Wilde ebenso charakteristisch, wird diese Lebenssicht in Frage gestellt, in ihren moralischen Konsequenzen vorgeführt. In der Erzählung ,Lord Arthur Saviles Verbrechen' folgt ein Dandy in seiner Sucht nach Sensation und Exaltation den Weissagungen eines Scharlatans und wird so zum Mörder, im Märchen ,Der junge König' muß der pracht- und schönheitsliebende Thronerbe mit Entsetzen erkennen, daß sein Reichtum mit dem Leben seiner Untertanen bezahlt wurde, und im Künstlerroman ,Dorian Gray' wirkt das Schicksal des jungen lasterhaften Lebemannes, der sein symbolhaft immer abstoßender werdendes Konterfei zerstören will und sich dabei selbst zerstört, wie ein Warnzeichen vor den Folgen eines schrankenlosen egozentrischen Ästhetentums. So ist letztlich das Streben nach Schönheit und Individualität in eine sittliche Bewertung gestellt, die zu der kurz vor seinem Tode entstandenen ,Zuchthausballade' hinüberweist, in der der Gedanke menschlichen Mitleidens und menschlicher Bruderschaft am unmittelbarsten und reinsten Gestalt gewonnen hat.


Insel-Verlag Anton Kiepenberg Leipzig, 1.Auflage 1976
Umschlagbild: Elektronische Farbumsetzung von W. G. Schröter