05 Juli 2023

Heinz Meynhardt: Schwarzwild-Report - Mein Leben unter Wildschweinen


Nur wenigen Zoologen gelang es, in die Rudel, Horden oder Familienverbände von sozial lebenden Wildtieren aufgenommen zu werden. So wurde es seinerzeit wie eine Sensation empfunden, als die Goodalls vom Leben unter wilden Schimpansen berichteten. Niemals hätte man aber geglaubt, daß sich im Rahmen der Möglichkeiten, die in Europa noch gegeben sind, ein ähnlicher Kontakt und vergleichbare Ergebnisse mit heimischen Wildtieren gewinnen lassen. Dennoch ist das, was niemand für möglich gehalten hatte, in einem unserer Jagdreviere eingetreten: ein Amateurbiologe hat über eine Ablenkfütterung Kontakt zu einer Rotte Sauen gewonnen und solange an der Vertiefung dieses Kontaktes gearbeitet, bis er als gleichberechtigtes Mitglied in diese Rotte Sauen aufgenommen wurde. Heinz Meynhardt hat diese einmalige Chance genutzt und in wissenschaftlich ernsthafter Arbeit Beobachtungen und Experimente in «seiner» Wildschweinrotte nach verhaltenskundlichen Gesichtspunkten durchgeführt und ausgewertet. Er selbst ist Elektromeister, beschäftigte sich jedoch seit frühester Jugend mit Enten-, Gänse-, Sittich- und Hundezucht. Er gilt als anerkannter Vogel- und Hundezüchter.
Dem Fernsehpublikum ist er bereits als Tierfilmautor bekannt und seine Schwarzwildfilme fanden natürlicherweise eine große Resonanz. Aufgrund der Bedeutung seiner Arbeit mit den Wildschweinen wurde Heinz Meynhardt vom Institut für Forstwissenschaften in Eberswalde das weitere Studium des Sozialverhaltens «seiner» Rotte im Rahmen eines Forschungsauftrages angetragen. In der vorliegenden Darstellung berichtet er in spannender, humorvoller und dennoch sachlicher Art von den Erlebnissen mit «seinen» Schweinen. Dem Laufe der Entwicklung – von der Aufnahme in die Rotte bis zur Rauschzeit und der Aufzucht der Frischlinge – folgend, kommen dabei all die vielen Ereignisse zur Sprache, die sein Leben unter den Wildschweinen so interessant machten.

Geleitwort
Die Verhaltensforschung hat ihre Grundlage in der Vielfalt der Wechselbeziehungen zwischen Organismus und Umwelt, die zu jener Mannigfaltigkeit geführt hat, die uns immer wieder beglückt. Ohne die Notwendigkeit der experimentellen Forschung in Frage zu stellen, bleibt die Forderung nach der Erweiterung und Vertiefung unseres Wissens über den natürlichen Zusammenhang zwischen Verhalten und Lebensraum ein Auftrag, der hohen persönlichen Einsatz, Einfühlungsvermögen, Fähigkeiten und Kenntnisse voraussetzt. Nimmt man hinzu, daß in unserem Lebensraum, unserer eigenen, von uns mitgestalteten Umwelt, jede Tierart eine bestimmte Bedeutung hat, so müssen wir es um so mehr begrüßen, wenn, wie in diesem Buch, ein umfassendes Beobachtungsmaterial für eine dieser Arten vorgelegt wird, das unser gegenwärtiges Wissen in nicht geringem Umfang erweitern hilft.
Es überrascht immer wieder, wie lückenhaft unsere Kenntnisse gerade über die Säugetiere unserer Heimat, ja selbst über unsere großen Nutztiere, noch sind. Für das Wildschwein gewinnt eine solche Untersuchung zusätzlich an Gewicht, da diese Tierart als jagdbares Wild eine nicht geringe ökonomische Bedeutung hat und zudem die Kenntnisse über das Verhalten der Stammart unseres Hausschweines auch das Verständnis für die Besonderheiten der Haustierform fördern können.
Wir beglückwünschen den Autor zu seinen unter hohen persönlichen Opfern gelungenen Beobachtungen und Erfahrungen, die sich durchaus vergleichen lassen mit den gediegenen Studien, wie sie etwa die Goodalls in Afrika an Schimpansen, an Hyänenhunden und Fleckenhyänen durchgeführt haben.
Die hier gewonnenen Kenntnisse lassen sich in vielfältiger Weise verwenden, auch die Grundlagenforschung, die sich mit dem tierischen Verhalten befaßt, nimmt derartige Befunde gern entgegen, sie enthalten manches, das Schlüsse vom Besonderen zum Allgemeinen zuläßt. Hier liegt ein »Tierbuch« vor, das Text und Bilder der Begeisterung, Zielstrebigkeit und einem Verantwortungsgefühl für die lebendige Natur um uns verdankt. Man gibt ihm gern alle guten Wünsche mit auf den Weg.
G. Tembrock

Einführung
Mit Begeisterung habe ich seinerzeit die Berichte der Goodalls verfolgt, die von ihrem Leben unter einer wilden Horde von Schimpansen berichteten. Gleichermaßen faszinierten mich die Schilderungen Schallers von seinem Leben unter Gorillas wie auch die Verhaltensbeobachtungen Kruuks unter »seinen« Fleckenhyänen. Damals wußte ich noch nicht, daß ich selbst einmal mit freilebenden Wildschweinen »auf du und du« stehen würde. Diese Art der Verhaltensforschung, Mitglied eines Sozialverbandes, einer Gemeinschaft von in Sozialverbänden lebenden Tierart zu werden, führt naturgemäß am schnellsten und sichersten zur Erweiterung unseres Wissens über die freilebenden Tiere.
Mittlerweile konnte ich selbst in Wort und Bild vom Leben in »meiner« Wildschweinrotte berichten. Vielen Lesern bin ich sicher bereits durch meine Fernsehsendungen bekannt geworden. Sie wissen also schon, worum es geht. Keine Gelegenheit hatte ich jedoch bisher, denen zu danken, die mir notwendige Wege geebnet, die diese Sache großzügig unterstützt haben und ohne die es mir nicht möglich gewesen wäre, die Lebensweise des Schwarzwildes in freier Wildbahn so gründlich kennenzulernen.
An erster Stelle möchte ich meinen Freund und Mitarbeiter, den Jagdleiter Rudolf Merseberg, Grabow, mit seiner Gattin nennen, die es in einmaliger Weise verstanden haben, die Voraussetzungen für diese Forschungsarbeit zu schaffen. Jederzeit ein offenes Ohr für meine Probleme fand ich bei dem Landforstmeister und Sekretär des Jagdbeirates im Bezirk Magdeburg, Herrn J. Slawinski. Bedanken möchte ich mich weiter bei meinem Freund, dem
Weidgenossen Dr. med. vet. U. Weber, Burg, der die Sektionen und Untersuchungen von verendeten Stücken vorgenommen hat. Großen Anteil an dem Entstehen dieses Berichtes hat das Institut für Forstwissenschaften, Abteilung Jagdwirtschaft, Eberswalde-Finow, mit den Herren Dr. Briedermann und Forstmeister Dr. Möller. Ihre Forschungsergebnisse, z. B. die der Magenuntersuchungen von erlegten Stücken und der Markierung, sind wichtige Erkenntnisse für die Schwarzwildbewirtschaftung, die ich in den entsprechenden Kapiteln verarbeiten durfte.
Nicht zuletzt möchte ich den Forstwirtschaftsbetrieb Nedlitz und dessen Direktor für Produktion, den Weidgenossen H. J. Lietze, nennen, die durch ihre aktive Unterstützung erheblich dazu beigetragen haben, daß im Revier Grabow eine Ablenkfütterung eingerichtet werden konnte.
Viel Verständnis wurde mir von der Jagdgruppe Grabow entgegengebracht, die zeitweise auf einen Teil ihres Jagdgebietes zu meinen Gunsten verzichtete. Ihnen allen sei nochmals herzlich gedankt.
Heinz Meynhardt
Burg, im Herbst 1977

Inzwischen sind weitere Jahre ins Land gegangen. Ich habe nun acht Generationen meiner Wildschweine vom Frischlingsalter an aufwachsen sehen, ihr Verhalten genau beobachtet und dabei vor allem über ihre Verständigung untereinander, ihre Kommunikation, viel Neues kennengelernt. Der Schwarzwildreport erscheint deshalb in der vierten Auflage in erweiterter und aktualisierter Fassung. Dem Neumann Verlag danke ich für die wiederum schnelle Drucklegung und das großzügige Entgegenkommen, das er meiner Sache angedeihen läßt.
Burg, im Winter 1980/81

Inhalt
Geleitwort ...... 5
Einführung ...... 7
Allgemeine Lebensweise ...... 9
An der Ablenkfütterung ...... 13
In die Rotte »aufgenommen« ...... 22
Revier und Rotte ...... 32
Nahrung ...... 53
Sinnesleistungen ...... 64
Kommunikation ...... 72
Rangordnung ...... 90
Soziales Verhalten ...... 96
Die Rauschzeit ...... 100
Der Wurfkessel ...... 124
Die Aufzucht der Frischlinge ...... 144
Markierung ...... 163
Bejagung · Hege · Wildschadensverhütung
Ablenkfütterung ...... 170
Altersansprache · Wahlabschuß ...... 189
Nachkommen · Verluste
Zuwachs ...... 194

Ein letztes Wort ...... 212
Literaturverzeichnis ...... 217

Das Foto zum Schutzumschlag stellte Hans Reinhard zur Verfügung.
Alle Fotos des Innenteils, die größtenteils unter extremen Lichtverhältnissen entstanden, lieferte der Verfasser

Neumann Verlag, Leipzig - Radebeul
und
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen·Berlin·Basel·Wien

1. Auflage 1978
2. Auflage 1980
3. Auflage 1981
4. erw. Auflage 1982
5. Auflage 1984
6. Auflage 1986
7. Auflage 1988
8. Auflage 1990

04 Juli 2023

Edith Bergner: 3 : 1 für Besenstädt [Jan, der Geigenschrummer]

Am Rande des Dorfes Kieselstein steht ein Haus.
Es ist das letzte, wenn man aus dem Dorf herausgeht – und also ist es auch das erste, wenn man in das Dorf hineinkommt.
Das Haus ist groß, und zwei Familien haben bequem darin Platz, dazu drei Hunde, vier Katzen und fünf Wellensittiche.
Alle miteinander vertragen sich ausgezeichnet: die Hunde mit den Katzen, die Katzen mit den Wellensittichen – und die beiden Familien auch.
Die Hunde und die Katzen leben wie Hund und Katze. Wie sollten sie denn sonst leben?
Doch wer glaubt, daß Hund und Katze nur immer miteinander fauchen und knurren und sich kratzen und zanken müssen, der irrt.
Im letzten Haus am Rande des Dorfes Kieselstein hat niemand Grund, zu streiten und zu zanken. Für jeden scheint die Sonne. Und jeder treibt, was ihm Spaß macht. Die Katzen fangen Mäuse. Die Hunde bewachen das Haus. Die Wellensittiche schaukeln und krächzen ein bißchen und tun so, als wäre das Dorf Kieselstein ihr fernes Heimatland Australien.
Zwei Haustüren führen in das Haus hinein. Rechts wohnt die Familie Dudeck, und links wohnt die Familie Ballermann.
Beides sind Bauernfamilien.
Wenn bei Ballermanns früh der Wecker klingelt, springen auch Dudecks aus den Betten.
Und wenn vor den Fenstern das Milchauto vorüberrumpelt mit dem vollen Tank vom Melkstand, tritt Bauer Ballermann links aus seiner Haustür und Bauer Dudeck rechts – und dann gehen sie beide die Dorfstraße entlang.
Bauer Ballermann hat eine Pfeife im Mund, und Bauer Dudeck zieht an seiner Zigarre.
Unten im Dorf, auf dem Platz vorm Ententeich, treffen sie die anderen Bauern. Sie setzen sich auf die Maschinen, Frenzel-Fritz biegt mit dem Traktor um die Ecke und fährt sie alle hinaus aufs Feld.

Eine Stunde später nimmt bei Ballermanns jemand einen Schulranzen vom Haken und bei Dudecks auch.
Der Jemand bei Ballermanns heißt Mulle. Er ist zehn Jahre alt und sitzt auf der dritten Bank in der vierten Klasse der Schule von Kieselstein.
Der Jemand bei Dudecks heißt Jan. Er ist auch zehn Jahre alt und sitzt ebenfalls auf der dritten Bank in der vierten Klasse der Schule von Kieselstein.
Jan und Mulle sind Freunde das heißt: Sie waren es und werden es am Ende der Geschichte hoffentlich wieder sein.
Sie haben sich das niemals feierlich gelobt, sie sind es einfach immer gewesen, solange sie denken können. Ganz im Anfang lagen sie, Kinderwagen neben Kinderwagen, im Garten. .......

Für Leser von 8 Jahren an
Illustrationen von Gertrud Zucker

Der Kinderbuchverlag, Berlin
Buchfink-Bücher

1. Auflage 1964
2. Auflage 1965
Die 1. und 2. Auflage erschienen unter dem Titel „Jan, der Geigenschrummer“
Illustrationen von Renate Jessel
...............
3. Auflage 1973
4. Auflage 1977
5. Auflage 1978
6. Auflage 1980

03 Juli 2023

A. S. Makarenko: Flaggen auf den Türmen

Wiederum erzählt Makarenko die Geschichte eines sozialistischen Jugendkollektivs, der Erziehungskolonie „Erster Mai“. In dem berühmten Roman „Der Weg ins Leben“ ging es um die harten Kämpfe, die der Aufbau einer solchen Kolonie aus dem Nichts erforderte. Nun ist das Fundament geschaffen, und es stehen jetzt innere Kämpfe mehr im Vordergrund. Es geht um die feinen Beziehungen der Jugendlichen untereinander und um ihre Einstellung zur Gemeinschaft, um die Einordnung des Einzelnen in das Ganze.
Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit findet seinen beredten Ausdruck im Bau einer neuen Fabrik, den die Kolonisten nahezu aus eigener Kraft und mit Mitteln errichten, die sie durch ihre Arbeit der Kolonie erworben haben. Ein großes Schaubild zeigt laufend die Erfolge der Jugendlichen im Kampf mit den auftretenden Schwierigkeiten und um die Planerfüllung an. Noch vor der gesteckten Frist können auf den Türmen des Diagramms, die das Ziel eines harten und doch freudig durchgeführten Aufbauwerkes versinnbildlichen, die roten Siegesflaggen aufgezogen werden.

VORBEMERKUNG
Im Jahre 1927 rief die GPU der Ukrainischen SSR die Dsershinskij-Kommune ins Leben. Sie war gedacht als ein lebendiges Denkmal für den unbeugsamen Tschekisten F. E. Dsershinskij, der so viel für den Schutz und die Rettung der Kinder in den Jahren des Bürgerkrieges und der Intervention getan hat.
Der Name Dsershinskij bedeutete von Anfang an die Verpflichtung, vorbildliche erzieherische Arbeit zu leisten, ein Kollektiv von musterhafter Einheitlichkeit zu schaffen und die pädagogische Qualifikation aufs höchste zu steigern. Das war eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe. Damals leitete A. S. Makarenko die Gorki-Kolonie. Wie immer mit intensiver pädagogischer Arbeit beschäftigt, erwartete er den Besuch des Freundes und Paten der Kolonie, des großen sowjetischen Schriftstellers Alexej Maximowitsch Gorki. Die Verwaltung der Dsershinskij-Kommune machte Makarenko den Vorschlag, auch die Leitung ihrer Kommune zu übernehmen, noch bevor die Bauarbeiten abgeschlossen waren. Mit größter Begeisterung machte Makarenko sich ans Werk und leitete ein Jahr lang beide Institutionen, die Gorki-Kolonie und die Dsershinskij-Kommune. Im Sommer 1928 stattete Gorki der Dsershinskij-Kommune einen Besuch ab, und nach der Besichtigung sagte er zu den Kommunarden:
„Ihr führt hier ein wunderbares Leben, Jungens, und eure Kommune ist ein Ausblick in den Kommunismus.“
Die Arbeit in der Dsershinskij-Kommune war für Makarenko eine höhere Etappe in der praktischen Erprobung der von ihm entwickelten theoretischen Thesen, die Krönung seiner pädagogischen Bemühungen um eine geschlossene, wissenschaftlich fundierte Theorie der kommunistischen Erziehung.
Schon in den ersten Jahren seiner leitenden Tätigkeit in der Kommune greift Makarenko zur Feder, um Leben und Wachstum dieses hervorragenden sowjetischen Erziehungsinstituts zu schildern. Sein „Marsch des Jahres 1930“ und dann die im Jahre 1931 entstandene Erzählung „FD 1“ waren der Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit, die sich das Ziel setzte, die wertvollen pädagogischen Erfahrungen der Kommune der gesamten Sowjetöffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Jahre 1936 erläutert er in dem „Versuch einer Methodik zur Organisation des Erziehungsprozesses“ in konzentrierter, wissenschaftlich-theoretischer Form die Methode und die pädagogische Technik der Arbeit in der Kommune. In dem gleichen Jahre beginnt er die Arbeit an einem Buche, das in seiner endgültigen Fassung 1938 den Titel „Flaggen auf den Türmen“ erhält.
In diesem Werke handelt es sich um eine künstlerische Darstellung tatsächlicher Ereignisse und der an diesen Ereignissen beteiligten Menschen. Hier haben wir keine erdichteten Personen und Situationen vor uns, sondern die künstlerisch gestaltete Wahrheit über die Dsershinskij-Kommune, über die Angehörigen der Kommune und ihr Werk. Das gesamte Tatsachenmaterial ist also authentisch. Dagegen ändert Makarenko die Namen der Beteiligten und erzählt in der dritten Person. Dies hat ihm die Durchführung seiner Hauptaufgabe erleichtert: nämlich den erfolgreichen Verlauf und die glänzenden Ergebnisse seiner neuartigen Erziehungsarbeit sowie den komplizierten Prozeß der Formung von Charakteren zu zeigen. Außerdem gewann er so freie Hand bei der Darstellung des Kolonieleiters Alexej Stepanowitsch Sacharow, der er selbst ist. Das Selbstporträt, das er hier zeichnet, ist ein wahrhaft künstlerisches Selbstbildnis von größter Lebensechtheit und Ausdruckskraft. Der Leser sieht Makarenko so, wie er wirklich war, als den Vertreter eines neuen Typus der Sowjetpädagogen.
In „Flaggen auf den Türmen“ erleben wir die erzieherische Kraft eines organisierten kommunistischen Kollektivs von „unüberwindlicher Stärke“. Wir sehen, zu welchen außerordentlichen Leistungen die große Wissenschaft Lenins und Stalins die Pädagogen – ob sie der Partei der Bolschewiki angehören oder nicht – befähigt.
Der vorliegende Band enthält außer „Flaggen auf den Türmen“ das Stenogramm von Makarenkos Ausführungen über sein Buch im Leningrader Kirow-Kulturpalast, einen offenen Brief Makarenkos an den „Kritiker“ F. Lewin und ein Schreiben der Zöglinge der Gorki-Kolonie und der Dsershinskij-Kommune an die „Literaturnaja Caseta“.
I. A. Kairow
G. S. Makarenko

Originaltitel: FLAGI NA BASCHNJACH
Übersetzung aus dem Russischen von Erich Salewski
Schutzumschlag: Ernst Jazdzewski

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar

1. Auflage 1952
2. Auflage 1953
3. Auflage 1953
4. Auflage 1954
5. Auflage 1959
6. Auflage 1961
7. Auflage 1973 | Berecht. Ausg. im Buchclub 65, Berlin
8. Auflage 1973
9. Auflage 1975
10. Auflage 1977

auch erschienen bei:
• Verlag Kultur und Fortschritt –
  1. Auflage 1957
• Verlag Volk und Wissen; A. S. Makarenko: Werke Bd. 3
  1. Auflage 1958
  2. durchges. Neuauflage 1962
  3. Auflage 1971
  4. Auflage 1975
  5. Auflage 1981

Wolfgang Pfannenschmidt (Hrsg.): Wie der Hase sein Schwänzchen wiedergewann - Märchen aus Waldguinea

In Waldguinea ist der Hase das klügste und listigste Tier im Tiermärchen. Ihm gelingt es, die starken Tiere zu besiegen, besonders wenn ihm andere helfen. Habgier, Prahlsucht und Betrügereien werden hart bestraft. Auch die Helden in anderen der insgesamt 16 Volksmärchen siegen meist durch Klugheit und Geschick. Einem beherzten Jungen gelingt es sogar, einem bösen Waldgeist das leuchtende rot-weiße Gewand abzujagen. Telion fand ein Vogelei, tauschte es gegen einen Vogel, für diesen bekommt er eine Antilopenhaut, so geht der Tausch weiter, zum Schluß besitzt er eine Kuh und ein Kalb. 

Aus dem Buch
Warum die Hähne mit Vorliebe Grillen fressen

In einem blühenden Hibiskusstrauch hatte sich eine Grille niedergelassen und geigte ihr Liedchen. Da kam ein Palmenhörnchen vorüber und fand die Musik störend.
„Hör auf zu zirpen“, rief es der Grille zu.
„Niemand kann mir das Musizieren verbieten“, entgegnete die Grille und strich unverdrossen die Saiten. Die Antwort ärgerte das Palmenhörnchen. Es zerrte an den unteren Zweigen und wollte die Grille herabschütteln. Die unterbrach ihr Lied für einen Augenblick, kletterte etwas höher, ließ sich neben einer der wunderschönen roten Blüten nieder und setzte das Spiel fort.
„Warte“, rief das Palmenhörnchen erzürnt, „ich will dich das Fürchten lehren!“
„Das wirst du kaum schaffen“, antwortete lachend die Grille und spielte weiter. Wütend lief das Palmenhörnchen zu seinem Bau und stopfte sich die Backen voll Vorräte. Mit den prall gefüllten Backen sah es wahrhaftig furchterregend aus. .....

Aufgezeichnet von Wolfgang Pfannenschmidt (Hrsg.)
Bearbeitet von Regina Hänsel
Illustrationen von Heinz Rodewald

Der Kinderbuchverlag Berlin
Buchfink-Bücher

1. Auflage 1974
2. Auflage 1977

02 Juli 2023

Anneliese Probst: Die schöne Kuline - Tschuwaschische Volksmärchen

Vom bösen Zauberer Karmasan und von guten hilfreichen Hexen lesen wir, von Altuks Frau, die sich in eine Wildgans verwandelte, und vom Bauern, der sich taub stellte - und doch ein Schalk war. Ungewöhnliches, Fremdes, aber auch Vertrautes begegnet uns in den Märchen der Tschuwaschen, des Volkes von der Wolga.
Einunddreißig der schönsten wurden aus dem reichen Schatz für diesen Band ausgewählt.

Inhaltsverzeichnis

Der Knabe und die Elster
Die schöne Kuline
Das wunderliche Mädchen
Der dumme Wolf Inkek
Der Zauberlehrling
Der gußeiserne Hut
Der Schafhirt und der Drache
Was der Spatz angerichtet hat
Der alte Mann
Altuk
Der Fürst und der Steinmetz
Der taube Gevatter
Die Ziege, der Schafbock und die sieben Wölfe
Der starke Iwan
Der Kahlkopf und seine Brüder
Der alte Mann und der Tod
Wie der Arme zu seinem Glück kam
Der genarrte Wolf
Der Kaufmann und der Bauer
Der Diener und die alte Stute
Die Reise zur Sonne und zum Mond
Der sanftmütige Iwan
Das Ei auf Wanderschaft
Der Wolf mit dem eisernen Kopf
Wie der Tschuwasche den Teufel überlistete
Der Reiche und der Schmied
Der Teufelsknecht
Eichhörnchen und Elster
Mutter und Tochter
Zwei Freunde

Der Kinderbuchverlag Berlin

Illustrationen Hans-Joachim Behrend

RBB - Robinsons billige Bücher 160

 

Chariton: Kallirhoe

Chariton aus Aphrodisias (vermutlich 1. Jahrhundert v. u. Z.) erzählt eine Liebesgeschichte aus Syrakus. Es ist die Geschichte der Kallirhoe, eines Mädchens von edler Herkunft und überragender Schönheit, und des Chaireas, eines gleich edlen, schönen jungen Mannes, der alle übertraf. Nicht lange glücklich vereint, werden die Liebenden durch ein widriges Geschick voneinander getrennt und geraten in einen Strudel gefährlicher Abenteuer. Von ihrer sizilischen Heimat über das Mittelmeer nach Kleinasien verschlagen, gelangen beide, verzweifelt einander suchend, an den persischen Königshof nach Babylon, dann nach Ägypten, bis sie auf Umwegen – über Tyros und Arados in Phönizien und über Paphos auf Zypern – schließlich zurück nach Syrakus finden. Als sie endlich in Liebe und Treue wieder vereint sind, gilt ihr Wunsch einem glücklichen Leben und gemeinsamen Tod. – Es grenzt, an realistischen Maßstäben gemessen, schon an ein Wunder, daß sie so ganz unvorstellbare Gefahren und Notlagen überwinden, ohne den geringsten Schaden an Körper und Seele zu nehmen. Was die rauhe Wirklichkeit in dieser Weise kaum zugelassen hätte, gewährt der antike Romanautor mit leichter Hand, indem er nicht wenig illusionistisch ein Kontrastbild zur Welt der harten Tatsachen entwirft.

Übersetzung aus dem Griechischen und Anmerkungen von Christina Lucke und Karl-Heinz Schäfer
Nachwort von Heinrich Kuch
Mit 20 Federzeichnungen von Wolfgang Teucher

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig
Reclams Universal-Bibliothek Band 1101
Belletristik | Mit Illustrationen

1. Auflage 1985

Max Frisch: Stiller

Max Frisch (geb. 1911) „liebt, wie Brecht, den Zweifel als Arbeitsprinzip. Er hilft ihm, Personen, Sachen und Problemen ihre Schauseite nicht abzukaufen, sondern um sie herumzugehen, bis sie, durch die eigene Bewegung des Autors, körperlich werden; bis man ihre sinnliche Richtigkeit erlebt. Aber indem diese Sprache ihren Gegenstand endgültig zu treffen scheint, hält sie ihn zugleich der Nachprüfung offen. Frisch wendet das Prinzip seiner Erfindung, die Frage, auch auf die Produkte der Erfindung an. Was sie dann liebenswürdig macht – ohne Anheimelung –, ist nicht nur der Schein ihrer Wahrhaftigkeit, so kräftig er ist; es ist noch eine andere Erleuchtung: daß sie möglich sind.
Max Frischs Kunst lebt aus dem Möglichkeitssinn, darum lebt sie so; sie zieht dabei auch den persönlichen Stoff des Empfängers, des Lesers heran. Sie spielt mit dem, was er sich selbst gewünscht, sich verboten oder versäumt hat; was ihm als Möglichkeit zu sich selber fehlt. Wäre das Wort noch brauchbar, man müßte diese Kunst bis in ihre Sachlichkeit hinein eine Kunst der Sehnsucht nennen.“
Adolf Muschg



Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig
Reclams Universal-Bibliothek Band 1131
Belletristik

1. Auflage 1986