28 Januar 2024

Waltraut Lewin: Federico

Aus dem Buch:
Die Legende vom Unruhvollen Stamm
Als Gott Himmel und Erde gemacht hatte und alles sehr gut fand, nahm er fruchtbaren Schlamm vom Ufer des Flusses und hauchte seinen Geist darauf und bildete ein Wesen, das nannte er Adam, das heißt der Irdische, und schuf ihm eine Gefährtin, das war eine Herrin, genannt Hawa, die Mutter alles Lebenden, deren Zeichen war die Schlange.
Auch stellte er in seinen Garten einen Baum, dessen Früchte zu essen machte klug, darum hieß dieser der Baum der Erkenntnis des Sinnvollen und Sinnlosen.
Hawa beschwor ihre heiligen Schlangen, und die gaben ihr ein, von den Früchten des Baumes zu essen, auf daß sie klug würde, und sie gab auch Adam, dem Manne, davon. Dessen freute sich Gott, denn seine Geschöpfe waren nun wie er geworden, und er brauchte sie nicht mehr in seinem Garten zu hüten, sondern konnte ihnen als seinen Ebenbildern die Erde übergeben, auf daß sie von ihnen verwaltet würde. Und die beiden zogen aus, um sich zu vermehren, den Acker zu bebauen, zu leben und zu sterben und immer aufs neue von den Früchten jenes Baumes zu essen, deren Samen der Herr des Gartens ihnen mitgegeben hatte.
Und Gott erschuf noch andere Geschöpfe, die man seine Söhne nannte. Manche, die er Throne, Cherubim und Seraphim nannte, waren seine Gespielen, andere gaben Wolken, Luft und Winden die Wege, Lauf und Bahn, wieder andere lenkten die Gestirne des Himmels. Einige aber erschuf er zu Boten zwischen sich und den Irdischen, und sie gingen hin und her auf den Leitern und Stegen zwischen Himmel und Erde.
Einmal jedoch fanden diese Göttersöhne, daß die Töchter der Hawa schöner waren als Dämoninnen und Geisterfrauen, und sie gingen ein zu den irdischen Weibern. Die Göttersöhne aber waren nicht klug wie die Irdischen, und es mangelte ihnen an der Kunst, den Acker zu bebauen, Häuser zu errichten, den Lauf der Gestirne zu beobachten und Schrift zu schreiben. Da wurden auch ihre Kinder von Trägheit erfaßt, und sie vergaßen, vom Baum der Erkenntnis zu essen, und dünkten sich, da sie von den Himmlischen abstammten .......

Einband: Achim Kollwitz

Verlag Neues Leben, Berlin

1. Auflage 1984
2. Auflage 1985
3. Auflage 1986
4. Auflage 1987
5. Auflage 1988

Berechtigte Ausgabe für den Buchclub 65
[Lizenz d. Verl. Neues Leben, Berlin]
1. Auflage 1985  

27 Januar 2024

Klaus Trummer (Hrsg.): Unter vier Augen gesagt ... – Fragen und Antworten über Freundschaft und Liebe

Liebe Mädchen und Jungen!
Dieses Buch wendet sich an Euch an die jungen Menschen, die eine aufrichtige Freundschaft suchen, und zugleich an jene, welche schon einen Partner gefunden haben und eine echte, zuverlässige Freundschaft gestalten wollen. Es wendet sich auch an die Verliebten und die Liebenden; es will ihnen helfen, das Haus, das Glück heißt, gemeinsam auf festem Fundament zu bauen. Es soll Gedanken über viele Probleme der Freundschaft, der Liebe und der Ehe vermitteln.
Das Buch entstand auf der Grundlage der Serie „Unter vier Augen“, die seit fast drei Jahren in unserer Jugendzeitung „Junge Welt“ erscheint, und es enthält neben zahlreichen Beiträgen aus dieser Rubrik Gedanken eines Sexualpsychologen, eines Arztes und eines Lehrers – von Fachleuten also, die auf Grund ihrer wissenschaftlichen Arbeit und ihrer in der Praxis gesammelten Erfahrungen mit ihren Erkenntnissen und Überlegungen wesentlich zur Klärung vieler Probleme „unter vier Augen“ beitragen können. In der Aufnahme solcher Beiträge in diesem Buch drückt sich das gemeinsame Anliegen der Wissenschaftler, der Pädagogen und des Jugendbuchverlages aus. Dr. Heinz Grassel, Dr. med. Lothar Obgartel und Oberlehrer Kurt Bach sei für ihre bereitwillige und schöpferische Mitarbeit herzlichst gedankt.

Verlag Neues Leben, Berlin

Einband: Horst Wolff
Einbandfotos: Köppe, Berlin (vorn); Reuel, Berlin (hinten

1. Auflage 1966
2. Auflage 1967
3. bearb. Auflage 1968
4. durchges. Auflage 1971

auch erschienen bei: Buchclub 65
Auflage 1967

Mark Twain: Der Prinz und der Bettlerknabe – Eine Erzählung für große und kleine Leute

Eine Bande von Dieben und Räubern, ein wahnsinniger Einsiedler, ein tapferer, edler Ritter, unschuldig zum Tode verurteilte Frauen und Kinder, gute und hartherzige Bauern, grausame Gerichtsbeamte, geputzte Höflinge, Edelleute und Prinzessinnen ? das sind die Menschen, mit denen Tom und Edward die unglaublichsten und aufregendsten Abenteuer erleben. Wer aber sind Tom und Edward? Ist der kleine Prinz, dem ganz London zujubelt, wirklich der rechtmäßige Prinz von Wales? Warum will der Erzengel den armen, in Lumpen gehüllten Knaben töten? Und wer ist König Prahlhans? Wenn ihr das alles erfahren wollt, dann müßt ihr diesen spannenden historischen Roman lesen, in dem Mark Twain, einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller, die außergewöhnlichen Erlebnisse zweier Kinder erzählt.

Ich will ein Märchen für Euch niederschreiben, das mir von jemand erzählt wurde, der es von seinem Vater gehört hatte, und der wiederum hatte es von seinem Vater gehört und so reicht es weit zurück, dreihundert Jahre und weiter. Väter haben es ihren Söhnen überliefert, und die Söhne haben es in ihrem Gedächtnis bewahrt, Es mag eine geschichtliche Begebenheit sein, es mag auch nur eine Sage, eine Legende sein. Es mag sich so zugetragen haben, es braucht sich nicht so zugetragen zu haben, aber es kann sich so zugetragen haben. Es mag auch sein, daß die klugen und gelehrten Leute in alten Zeiten an diese Geschichte geglaubt haben; es mag aber auch sein, daß nur die Unwissenden und Einfältigen sie geliebt und Nutzen daraus gezogen haben.
Mark Twain

Buchanfang:
TOMS GEBURT
Etwa um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts wurde in der alten Stadt London an einem Herbsttage ein Knabe geboren. Sein Vater hieß John Canty und war ein Bettler. Die Familie war über die Ankunft des Kindes keineswegs erfreut.
Am gleichen Tage wurde in einem reichen und vornehmen Hause Londons ebenfalls ein Knabe geboren, der mit großer Freude begrüßt wurde. Sein Vater hieß Henry Tudor und war der König von England.
Das ganze Land hatte den Thronerben ersehnt, und als er nun tatsächlich da war, wurde das Volk vor Freude fast närrisch. Menschen, die sich nur flüchtig kannten, fielen sich in die Arme und weinten. Alle legten ihre Arbeit beiseite. Hoch und niedrig, reich und arm feierten und ließen es sich wohl sein. Es wurde getanzt und gesungen, und der Wein floß in Strömen. Tage- und nächtelang ging das so fort. Mit den bunten Fahnen, die von jedem Dach und jedem Balkon herabwehten, und mit den festlichen Umzügen, die kein Ende nahmen, bot London am Tage ein farbenfrohes malerisches Bild, und sobald es dunkelte, war die Stadt mit den riesigen Freudenfeuern, die an jeder Straßenecke flammten, und mit den vielen Gruppen fröhlicher Nachtschwärmer wiederum herrlich anzusehen. ......

Inhalt:
Toms Geburt ...... 7
Toms frühe Jugend ...... 9
Tom begegnet dem Prinzen seiner Träume ...... 16
Dem Prinzen ergeht es schlimm ...... 25
Tom Canty findet am Hofe des Königs keinen Glauben ...... 30
Tom bekommt gute Lehren ...... 40
Tom speist zum ersten Male als Prinz ...... 50
Das vermißte Staatssiegel ...... 55
Das Volksfest auf der Themse ...... 59
Der Prinz ist in eine Falle geraten ...... 63
Das Bankett in der Guildhall ...... 74
Der Prinz und sein Erretter ...... 80
Der Prinz verschwindet spurlos ...... 95
Der König ist tot! – Es lebe der König! ...... 101
Tom als König ...... 116
Das feierliche Mahl ...... 131
König Prahlhans der Erste ...... 135
Der König bei den Landstreichern ...... 149
Der König und die Bauersfrau ...... 159
Der König und der Einsiedler ...... 167
Hendon kommt, um den König zu retten ...... 175
Der König wird in eine Falle gelockt ...... 181
Der König soll ins Gefängnis ...... 188
Hendons Plan gelingt ...... 193
Hendon Hall ...... 197
Miles wird um sein Eigentum gebracht ...... 207
Im Kerker ...... 213
Miles nimmt die Strafe des Königs auf sich ...... 227
Miles und der König reiten nach London ...... 232
Tom Canty soll zum König gekrönt werden ...... 235
Tom hat eine Begegnung ...... 239
Tom und Edward sehen sich wieder ...... 247
Edward der Sechste als König ...... 263
Gerechtigkeit und Vergeltung – Ein Nachwort ...... 273

Farbtafeln, Schutzumschlag, Einband von Werner Klemke
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Ruth Gerull-Kardas
Für Leser von 12 Jahren an

Der Kinderbuchverlag, Berlin

1. Auflage 1956
2. Auflage 1957
3. Auflage 1958
4. Auflage 1964
5. Auflage 1965
6. Auflage 1966

26 Januar 2024

B. Traven: Trozas

Travens Buch atmet die Exotik eines fremden Erdteils. Gefährlich in seinem sonnenlosen Grün liegt der Urwald.   Doch der Mensch dringt auch in dieses undurchdringlich scheinende Dickicht ein. Die Luxusläden in Paris und New York brauchen für ihre verwöhnte Kundschaft Edelhölzer  – vor allem Mahagoni. Die wenigsten Käufer werden wissen, woher das Holz ihrer Schreibtische stammt, wer es schlug. Einfache, blutarme Indios sind es, die mitten   im Dschungel als Holzfäller leben – weit ab von ihren heimatlichen Dörfern. Dort sitzen die Eltern, denen die letzte Kuh starb und  die in Schulden gerieten; für sie oder für eine schwarzhaarige Braut muß Geld beschafft werden.

Buchanfang:

„Ytu, como te llamas?“ fragte der Contratista, Don Remigio Gayosso, den jungen Tseltal-Indianer, vor dem er stand.
„Andres Ugaldo, su humilde servidor!“ antwortete der Bursche höflich.
„Bueno. Y de que sabes trabajar, muchacho? Welche Art von Arbeit hast du bisher verrichtet? Machete-
Arbeit? Oder gearbeitet mit der Hacha, mit der Axt?“
„No, Patron, ich habe für Don Laureano in Socton mehrere Jahre als Carretero gearbeitet.“
„Dann verstehst du, gut mit den Ochsen zu arbeiten?“
„Si, Patron, muy bien.“
„Boyero!“ sagte Don Remigio, sich an den Capataz, den Aufseher, wendend, der ihm wie ein Feldwebel mit einem Notizbuch in der Hand folgte. Der Capataz pokte sein Stückchen zerkauten Bleistift in den Mund, betrachtete dann die stumpfe Spitze eine Weile und sagte endlich: „Name, puerco sucio, du dreckiges Schwein?“
„Andres Ugaldo.“
„Su humilde servidor, jefe! setzest du hinzu, wenn ich dich nach deinem stinkigen Namen frage, du im Mist geborener Wurm. Verstehst du? Noch mal. Name?“
„Andres Ugaldo ist mein Name“, sagte der junge Indianer, dem Aufseher hartnäckig die Höflichkeitsphrase verweigernd, die er dem Contratista freiwillig geboten hatte. Der Contratista, der eigentliche General hier, hätte gar keinen Wert darauf gelegt und nicht ein Wort darüber verloren, wenn ihm der Bursche einfach den Namen genannt haben würde, ohne eine Ehrenbezeigung in Worten hinzuzufügen. Es ist immer nur das winzige menschliche Piepsken, das von einem Untergebenen und Wehrlosen die steifste Ehrenbezeigung unerbittlich verlangt, weil es sich über seine wahre Würde nicht im klaren ist und darum nicht im klaren sein kann, weil es so wenig davon besitzt. Wer nie vergißt, seine Medaillen auf die Brust zu kleben, ist seiner Verdienste nicht ganz sicher. „Wie heißt du, du Stinktier?“ brüllte der Capataz.
„Andres Ugaldo.“
„Ihr sehr untertäniger Diener, mein Herr! fügst du hinzu, wenn ich dich frage!“ schrie der Capataz und wurde tiefrot im Gesicht. „Noch mal. Wie heißt du, du Schwein?“
„Andres Ugaldo von Lumbojvil.“ Der Bursche verzog keine Miene in seinem Gesicht. Er stand ruhig da, als wäre er aus braunem Holz geschnitzt. Selbst im Blick seiner dunklen Augen zeigte er weder Furcht noch Erregung. Kalt und fest heftete er seinen Blick auf das Gesicht des Capataz, das vor Wut aufzuplatzen schien. „Dir werde ich schon das blinde Gehorchen beibringen, du Kröte, warte nur, wenn wir erst einmal allein und unter uns sind, ich und du“, sagte der Aufseher, während er den Namen in sein Notizbuch schrieb und in die nächste Rubrik hinzufügte: Boyero.
Boyero war Ochsenknecht.
Als er geschrieben und einige Minuten lang sein Geschriebenes mit Wohlwollen betrachtet hatte und sehr stolz darauf war, so schön und schwungvoll schreiben zu können, blickte er auf und sah Andres an. Er gedachte ihm gerade eine weitere kräftige Warnung für die Zukunft in das Gesicht zu brüllen, als Don Remigio ihn rief: „Hei, Ambrosio, du gottverfluchter Lepero, Hund von einem Faulenzer, wo steckst du denn mit deiner gottverdammten Schreiberei? Komm hierher und schreibe hier den Muchacho auf. Hat im Holz gearbeitet mit der Axt. Den nächsten notierst du als Machetero. Sagt, er kann tüchtig mit dem Machete arbeiten. Vier Wochen nur, dann geben wir ihm die Axt.“
 „A sus ordenes, jefe“, rief der Capataz sofort, als er angerufen wurde, und sprang pflichteifrig mit einem Satz hinter seinem Herrn her. Bin schon hier, Don Remigio, und stets zu Ihren hochgeschätzten Befehlen.“
„Schreib schon und prassele nicht so viel Quatsch. Mach voran, du Esel. Jede Stunde hier unnötig verbracht, kostet mich einen Sack teures Geld. Himmel und Hölle, Madre Santisima en el lado de Dios, warum habe ich mich je dazu verdammen lassen, Caobakontrakte zu übernehmen! Jeder Tag hier in dieser Wildnis, unter den Barbaren kostet mich ein volles Jahr meines schönen und gesunden Lebens. .........

Einbandentwurf: Werner Klemke

Verlag Volk und Welt, Berlin

1. Auflage 1954
2. Auflage 1955  

Kornelia Dobkiewiczowa: Der Stollen im Eulengebirge – Märchen und Erzählungen aus dem Gebiet um Opole, aus den Beskiden und aus Dolni Slask

Auszug aus dem Buch:
„Und das Gold?“ Die Bergleute wurden unruhig. „Du hast es heute nacht gestohlen, wie du selber sagtest. Schämst du dich? Bereust du es? Wie kann es nur möglich sein, daß du uns auch diese Schuld bekennst?“ „Der Stollen ist tief“, begann Sladek. Er mußte sich an einen Baum lehnen. „Dort hält sich ein merkwürdiges Geschöpf auf. Irgendein Felsteufel. Ein kleiner Schratt, kümmerlich von Gestalt und dennoch stark und schrecklich. Er ist mit euch im Bunde, wie ich glaube, und schützt das Gold. Als ich es nahm, ließ er das Flöz erbeben, und fast hätte er mir die Decke über dem Kopf einstürzen lassen. Als ich dann über ihn spottete und mich weigerte, das Gold in die Truhe zurückzulegen, schleuderte er einen schrecklichen Bann gegen mich. Die Beine wurden mir schwer, sie schienen in der Erde verwurzelt zu sein, meine Zunge wurde steif. Ich erstarrte zu Gold ... kühlte ab. Und jener Schratt ließ mich erst dann wieder menschliche Gestalt annehmen, als ich ihm versprach, meine Schuld vor der ganzen Gemeinde zu bekennen ... Ich habe sie bekannt.“ Stille folgte. Die Bergleute standen dicht aneinander gedrängt und starrten Sladek an. Milosz wandte sich von ihm ab und ließ den Kopf sinken. „Meuchelmörder ... Dieb“, so tönte es aus der Schar der Bergleute. „Er hat seine Taten nur aus Angst bekannt!“ Aus Angst, nicht weil er bereut, was er getan hat. „Fluch dem Sladek, dem Mörder ... Er darf nicht bei uns bleiben!“ Immer größere Empörung erfaßte die Menschen, die ehrliche Freunde waren und einander vertrauten. Da hob Zych Kulimaga ein paar Goldklümpchen vom Boden auf und reichte sie Sladek. „Du warst uns weder Kamerad noch Bruder“, sagte er betrübt. „Du darfst, nicht in unserer Mitte bleiben. Also geh, hier hast du etwas auf den Weg.“ Sladek nahm wortlos das Gold. Ohne sich umzuschauen, den Kopf in die Schultern gedrückt, so rannte er den Hang hinab. Er hatte es entsetzlich eilig, obwohl ihn niemand jagte. Oben auf dem Felsen war Lukierda erschienen und sah ihm erstaunt nach. Sie trug einen Korb mit Brot, das sie für Milosz und seine Schar gebacken hatte. Langsam stieg sie den Felspfad zum Stollen hinab. Lächelnd begrüßte sie Milosz.
Vergebens würde man heute den Stollen im Eulengebirge suchen. Geröll hat ihn zugeschüttet, dornige Büsche behindern den Weg, üppiges Moos grünt darauf. Wir finden auch kein Gold mehr in diesen Bergen, denn die Vorkommen sind schon seit Jahrhunderten erschöpft. Davon, daß es dort Gold gegeben hat, berichten aber nicht nur Chroniken, sondern auch Städtenamen wie Zlotoryja („Goldgrube“).Auch eine alte Sage und dieses fast schon vergessene Märchen erzählen davon. Ihnen ist es zu verdanken, daß die Kunde von dem guten Freund der niederschlesischen Bergleute, jenem winzigen, vernünftigen und häuslichen Schratt, der eine Felskluft im Eulengebirge bewohnt, bis auf unsere Zeit überliefert ist.

Inhalt:
MÄRCHEN AUS DEM GEBIET UM OPOLE
Die drei Brüder aus Opole. ...... 5
Der rote Kaftan ...... 23
Die Preußenfahne ...... 39
Wie der Flußteufel dem Kuba am Damm erschien ...... 60
MÄRCHEN AUS DEN BESKIDEN
Wie Miecek Oblaz in den Bergen verlorenging ...... 73
Das gefangene Wasser ...... 89
MÄRCHEN AUS DOLNI ŚLĄSK
Der Goldene Erpel ...... 111
Der Schmied und der Waldschratt ...... 135
Der Stollen im Eulengebirge ...... 154

Titel des polnischen Originals „Sztolnia w Sowich Górach“
Ins Deutsche übertragen von Caesar Rymarowicz

Illustriert von Maria Orłowska-Gabrys

Nasza Ksiegarnia, Warszawa

1. Auflage 1970
2. Auflage 1972
3. Auflage 1974

Ernest Claes: Pater Cellarius und andere Geschichten aus dem Kempenland

Buchanfang:
PATER CELLARIUS
Da ich nun die Absicht habe, von dir zu erzählen, seliger Pater Cellarius, fühle ich mich, offen gesagt, ein wenig verlegen. Denn einerseits weiß ich, daß die Leute von Everbeur, sowohl Bettes Tor als auch Warre Poft, sowohl Kail Potter als auch Jef Petekke, nicht verstehen würden, daß ich Bücher schreibe über Leute wie Hannes Raps, Wizze, Victalis und andere dieser Sorte und über einen Mann wie den seligen Pater Cellarius nichts zu erzählen wüßte. Und anderseits – ja, wir wollen die Dinge sagen, wie sie sind – ist es so: wir beide, Pater Cellarius, haben einander nie gut leiden mögen. Von allen Norbertinern unseres Klosters warst du der einzige, der mich allerlei falfcher Streiche und einer fcheinheiligen Kriecherei berdächtigt hat, der glaubte, ich würde dich beim hochwürdigen Herrn Prälaten verleumden, den Besuchern der Abtei allerlei unwahres Zeug über das Kloster weismachen und die Frauen im Waschhaus mit törichten Geschichten und schamlosen Liedern von der Arbeit abhalten. Du wußtest, daß Hannes Raps bei uns zu Hause auf dem Heuboden schlief, während wir den Gendarmen vorlogen, ihn absolut nicht zu kennen, daß Dick Vernelen mein leiblicher Vetter war, daß auch Wizze zu unserer Verwandtschaft von Mutters Seite angehörte, daß Victalis fast Abend für Abend bei uns am Herd hockte, und in deinen Augen konnte jemand mit einer solchen Verwandtschaft, mit solchen Beziehungen zu den Wilderern, die dir soviel Arger verursachten, nur ein völlig unzuverlässiger Taugenichts sein. Du hattest mich in Verdacht, jeden Tag bei Servaas in der Klosterbrauerei Bier zu trinken, und, während du weit weg außerhalb des Klosters umherliefst, den Gartenknechten Jesper, Suske Hut, Peer Mus, den man Herzkönig nannte, Scheper und Petekke zu sagen, sie könnten ruhig in die Brauerei gehen, um das letzte Gebräu von Servaas einmal zu »kosten«. Du haft mir vorgeworfen, daß ich die kaputte Harmonika von Pater Pius – (Dies obitus 1. 6. 1922. Anno aetat. 66) – in deinen Koffer gestopft hätte, mit dem du zur Primiz deines Neffen nach Meerhout gereist bist, daß ich die Seife in die Mütze von Dikke Torekens, dem Orgelbläser, geschmiert hätte, und ich sollte auch an dem Krüglein Schnaps von Kubber und an der jungen Katze in der zerplatzten Orgelpfeife, die tonlos geworden war, schuld sein. Und du warst dennoch nicht ganz gewiß, Pater Cellarius, ob ich das alles allein verbrochen hätte, du hast es nur vermutet, du hast vorwiegend mich jedes Unrechts verdächtigt, das in der Abtei verübt wurde, nur weil ich nach deiner Meinung mit soviel verdächtigen Wilderern verwandt war. Brauchte man sich da zu wundern, daß ich ein schiefes Gesicht zog und schwieg, wenn jemand »diesen guten Pater Cellarius« erwähnte? Sagen wir ruhig, wie es war, wir haben einander unser Lebtag geärgert. Nicht bösartig, nicht giftig, nicht verletzend, mit einem Lächeln sogar, aber dennoch geärgert. Du mit meiner schlechten Verwandtschaft und indem du mich fühlen ließet, daß ich im Kloster zuviel Anmaßung zeigte – was stimmte, und ich, indem ich dich im Gästezimmer in Gespräche über Guido Gezelle oder Goethe verwickeln wollte, während du nur über Butter oder Kartoffeln, über Landwirtschaft und Küche mitreden konntest. Wir haben uns gegenseitig beim Herrn Prälaten verklatscht, auch wieder mit einem Lächeln, aber immerhin verklatscht. Es ist wahr, Hochwürden hat das nie böse aufgenommen, weder von dir noch von mir, außer dem einen Mal, als du mich im Waschhaus bei dem Versuch erwischtest, Mieke Pauwels und Zeva von Onkel Viktor das Liedchen von »Tingelingeling den Eisendraht« beizubringen. Da mußte ich Hochwürden das ganze Verschen vorsingen, um festzustellen, ob es ein schlechtes Liedchen sei, das Zeva und Mieke auf sündige Gedanken bringen könnte. Hochwürden war nicht der Meinung, du wohl, weil du, wie du behauptest, die Frauensleute im Waschhaus besser kennen würdest als ich. Hochwürden hat mir nur geraten, künftig für die im Waschhaus das Lied »Zu Lourdes auf den Bergen« zu singen.
Nein, Pater Cellarius, wir beide wurden nicht einig.
Und dennoch – und dennoch ... Wie kam es nur, wenn ich später Hochwürden besuchte, während du, vor der Zeit verbraucht, meistens auf deinem Zimmer saßest, daß ich zu allererst fragte, wie es dir ginge? – Oder daß Bruder Viktor mir sagte, du hättest schon dreimal nach mir gefragt oder daß Bruder Laurentius (Dies obitus 19. 10. 1925. Anno aetat. 49) mir ins Ohr flüsterte: »Er ist in feinem Zimmer.« Wie kommt es nur, wenn ich so dasitze und mit ein wenig Wehmut im Herzen, weil das nun alles vorbei ist, über die schöne Zeit nachdenke, da wir in unserem alten Everbeur noch alle beisammen waren, ........

Inhalt:
Pater Cellarius ...... 5
Unser Onkel Hannes ...... 69
Pfarrer Munte ...... 91
Die Mutter und die drei Soldaten ...... 118
Die alten Leute unseres Dorfes ...... 157
Sarelewies Weihnachten ...... 189

Aus dem Flämischen übertragen von Peter Mertens
Illustrationen und Ausstattung von Ino und Paul Zimmermann

St.-Benno-Verlag GmbH Leipzig

1. Auflage 1956
2. Auflage 1957
 

25 Januar 2024

Robert Louis Stevenson: Das Flaschenteufelchen

Buchanfang:
Es war ein Mann auf der Insel Hawaii, den will ich Keawe nennen. Er lebt nämlich noch, und sein Name soll nicht genannt werden; sein Heimatort ist nicht weit von Honaunau entfernt, wo die Gebeine Keawes des Großen in einer Höhle liegen. Der Mann war arm, brav und arbeitsam; er konnte lesen und schreiben wie ein Schulmeister; auch war er ein vortrefflicher Seemann; er fuhr eine Zeitlang auf den Inseldampfern und steuerte ein Walboot an der Hamakua-Küste. Endlich kam es Keawe in den Sinn, einen Blick in die große Welt zu tun und fremde Städte zu sehen, und er schiffte sich nach San Franzisko ein.
Das ist eine prächtige Stadt mit einem herrlichen Hafen und unzähligen reichen Leuten, und besonders ein Hügel ist mit stattlichen Häusern wie besät. Auf diesem Hügel ging Keawe eines Tages spazieren, die Taschen voll Geld, und betrachtete mit Vergnügen die großen Häuser zu bei- den Seiten. „Was sind das für herrliche Häuser“, dachte er, „und wie glücklich müssen die Menschen sein, die darin wohnen und sich nicht um die Zukunft sorgen.“ So dachte er, als er an einem Haus vorüberkam, das kleiner war als manches andere, aber vollendet schön und zierlich wie ein Spielzeug. Die Stufen dieses Hauses glänzten wie Silber, die Beete im Garten blühten ........

Illustrationen und Umschlagentwurf von Dagmar Schwintowsky

Gebrüder Knabe Verlag, Weimar
Reihe: Knabes Jugendbücherei

1. Auflage 1967
2. Auflage 1970   

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Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe: Das neue Abenteuer, Nr.261

Illustration: Günter Lerch

1. Auflage 1967

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Das Flaschenteufelchen – Aus „Südsee – Nachtgeschichten“

Verlagstext:
DER ENGLISCHE DICHTER Robert Louis Stevenson kam, als er durch seine Romane und Erzählungen schon ein berühmter Mann war, um Heilung für seine kranke Lunge zu finden, nach langen Reisen durch die ganze Welt nach der Insel Samoa. Er erwarb einen Hof, Vailima, nahe Apia, der Hauptstadt der Insel, und verkehrte fast nur noch mit den Eingeborenen, die ihm lieber waren als die immer nach Verdienst und Reichtum jagenden Menschen Europas. Seines gütigen und hilfreichen Wesens wegen verehrten ihn die samoanischen Einwohner sehr, und als er, vier Jahre nach seiner Ankunft auf Samoa, im Jahre 1894 starb, begruben sie ihn auf dem Gipfel des Berges Vaêsa und pilgerten noch lange zu seinem Grabe wie zu dem eines Heiligen.
Robert Louis Steveneon hat viele wunderschöne Erzählungen und Romane geschrieben, darunter vor allem die Geschichte von der „Schatzinsel“, aus der wir in dieser Reihe der VOLK UND WISSEN SAMMELBÜCHEREI einige der schönsten Kapitel bringen werden. Die Geschichte vom „Flaschenteufelchen“ ist eine seiner berühmtesten. Sie wird manchen unserer Freunde an die Märchen der Brüder Grimm erinnern, in denen wir auch immer wieder von dem einfältigen Manne hören, der vom Teufel versucht wird und ihn am Ende überlistet Aber das merkwürdige bei unserer Geschichte ist, daß der gute Keawe gar nicht durch List, Schlauheit oder gar durch Mut und Heldentaten sich von der Gewalt des Bösen befreit und Gesundheit und ein gutes Gewissen wiedererlangt. Keawe und seine liebe Frau Kokua werden von der Macht des Bösen, in die sie durch, Keawes Schuld verstrickt wurden, gerettet allein durch ihre Liebe und die Bereitschaft, einer für den andern sein Leben hinzugeben: zuerst Kokua für ihren Mann, dann Keawe für seine liebe Frau. Und weil sie so einer für den anderen die schwere Last der Schuld auf sich nahmen, können sie den Fluch des schnell erworbenen Reichtums von sich abschütteln und Zufriedenheit und Ruhe wiedergewinnen. All das, was das Flaschenteufelchen dem Keawe verschafft hatte, all das, was man für Geld kaufen kann, große Häuser und kostbaren Schmuck, hatten die Samoaner erst von den Weißen kennengelernt, die dafür zum Dank ihr reiches Land ausbeuteten und ihnen ihre Freiheit nahmen. Fast hatten sie schon vergessen, daß sie auf ihrer stillen Insel mehr besaßen, als ihnen alle Kostbarkeiten Europas bieten konnten: ein friedliches, arbeitsreiches Leben auf dieser von der Natur gesegneten Insel in der Südsee. Erst als sie aus der großen Not und der Angst vor der Macht des Bösen durch die Kraft ihrer Liebe gerettet sind, haben sie auch ihre Zufriedenheit und Freudigkeit wiedergewonnen.

Volk und Wissen Verlags GmbH, Berlin/Leipzig
Reihe: Volk und Wissen Sammelbücherei
- Gruppe 1: Dichtung und Wahrheit
- Serie H: Aus guten Büchern
- Band 11

Das Vor- und Nachwort schrieb I. M. Lange

1. Auflage 1947 / 1.-100. Tsd.  

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Reihe:
Insel-Bücherei, Nr. 302
Insel-Verlag, Leipzig

Auflage 1925 /  1. - 15. Tsd.
Auflage 1930 / 16. - 20. Tsd.
Auflage 1933 / 21. - 25. Tsd.
Auflage 1935 / 26. - 30. Tsd.
Auflage 1951 / 41. - 50. Tsd.
Auflage 1955 / 51. - 60. Tsd.
Auflage 1955 / 61. - 70. Tsd.
Auflage 1963 / 71. - 78. Tsd.
Auflage 1972 / 79. - 93. Tsd.